„Wie entscheidet man als Frau, ob man gerade zum Objekt gemacht wird oder man als Frau gestärkt wird“

EverydayFeminism hilft mal wieder mit einer Grafik eine schwierige Frage zu beantworten:

 

empowerment vs Objekt

empowerment vs Objekt

empowerment vs Objekt 2

empowerment vs Objekt 2

 

Eigentlich ja interessant, dass etwas gleichzeitig eine Stärkung der Frau und ein zum Objekt machen sein kann oder Feministinnen da ganz verschiedene Ansichten haben können.

Die Abgrenzung scheint auch nicht wirklich einfacher zu werden mit diesen Richtlinien. Denn das gesuchte Topmodell hat sicherlich eine große Macht, was sie für Fotos macht. Aber das hindert natürlich auch andere nicht über sie zu lästern, sie als reines Sexualobjekt wahrzunehmen oder sie für eine Schlampe zu halten.

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„Wir wollen nur Liebe, die wollen Hass“

Ein seit einiger Zeit immer wieder aufzutreffende Figur ist die Darstellung, dass man sich nur gegen Hass richtet und zwar indem man „Liebe“ verbreitet.

Das Motiv fand sich schon bei Aktionen wie „NoHateSpeech“ die auch Angaben, dass sie nur „gegen Hass“ sind und findet auch gerade wieder in dem Hashtag „Liebe statt Hass“ statt.

Es ist natürlich ein altes Schema, den anderen als den Bösen zu framen und sich selbst als den Guten. In diesem Schema lässt sich auch jede Ungerechtigkeit gut verbergen: Man macht ja gar nichts böses, man richtet nur Liebe gegen Hass, stellt aber beispielsweise Listen derjenigen auf, die nach der eigenen Meinung zu der „Hass“-Seite gehören.

Natürlich bedient häufig die Gegenseite ein gleiches Schema: Rechte beispielsweise mögen sich selbst als die Guten sehen, die den „Volkstod“ verhindern und Frauen vor Vergewaltigungen durch Flüchtlinge bewahren.

Linke sehen sich als Beschützer der Schwachen und Entrechteten, die gegen die Mächtigen kämpfen.

Beide übersehen dabei die Fehler in ihrer Argumentation, indem sie Schwarz-Weiß Bilder der Gegenseite und von sich selbst entwerfen.

Das Bild wird natürlich noch verstärkt, wenn man die eigene Seite noch mehr auf Seiten der Guten positionieren kann. Eben indem man angibt, dass man die andere Seite mit „Liebe“ überzeugen will. Dahinter kann aber natürlich genauso Hass stehen, wenn man sich beispielsweise die „No hate Speech“ Kampagne anschaut.

Das soll nicht alle Formen von „passiven bzw gewaltfreien Widerstand“ entwerten, das kann eine sehr effektive Form von Protest sein. Es ist allemal besser als in das gegenteilige Feindbild zu verfallen.  Um so größer aber der Anteil ist, dass man sich damit nur gegen Kritik immunisieren will und nicht mehr bereit ist zu diskutieren, um so mehr es also in totalitäre „Unsere Meinung ist absolut richtig, ohne das wir sie argumentativ vertreten müssen“ um so eher bekommt es einen starken Beigeschmack.

Mir kommt dieses Konzept „Wir wollen ja nur Liebe“ wenn klar ist, dass man die Meinung des Gegners verabscheut und ihn hasst merkwürdig vor. „Wir wollen sachlich und höflich bleiben“ kann ich nachvollziehen, aber Liebe verdeckt dann doch zu viel der eigentlichen Absicht und macht es falsch. Vielleicht weil „ich liebe meinen Gegner“ auch immer eine Infantilisierung des Gegners mit sich bringt „Du bist zu blöd zu verstehen, dass du unrecht hast und deswegen liebe ich dich trotzdem, du kannst ja nichts dafür“

Denn es gibt ja keinen Grund dafür jemanden zu lieben, der eine vollkommen falsche Meinung hat. Und die Care Bear Taktik erscheint mir für das wahre Leben auch wenig effektiv:

Carebears bwz Glücksbärchis

Carebears bwz Glücksbärchis

Die einzige Kraft scheint mir da eher im Virtue Signalling zu liegen und darin, dass man so seine eigene Position weniger angreifbar macht, denn man gibt ja nur Liebe.