Warum wollen weiße alte Männer nicht weiße alte Männer genannt werden?

Meiner Meinung nach: Weil es normal ist nicht auf seine Hautfarbe, sein Geschlecht und sein Alter reduziert werden zu wollen, dass zum Großteil auch nicht bei anderen machen und sie eine sehr heterogene Gruppe sind, in der eine Vielzahl von Meinungen vorherrschen.

Andere:

 

 

Der „Comparable Worth“-Ansatz

Als Reaktion auf die Bereinigungen des Gender Pay Gaps scheint ein neues Instrument entwickelt worden zu sein, welches nachweisen soll, dass Frauen diskriminiert werden. Dazu sollen nicht die Anforderungen des Marktes in Vordergrund stehen, sondern die konkreten Belastungen des Jobs.

Aus einem Text dazu:

Die Instrumente zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung basieren auf den Erkenntnissen der diskriminierungskritischen Arbeitswissenschaft (z.B. Rohmert, Rutenfranz 1975; Krell, Winter 2011) die die Bedeutung der Arbeitsbewertung und der dazu verwendeten Verfahren in den Fokus des Interesses rücken. Diese Verfahren, die sich in Tarifverträgen und betrieblichen Vereinbarungen finden und für einen Großteil der Verdienste in Deutschland verantwortlich sind, müssen nicht automatisch diskriminierungsfrei gestaltet sein. Vielmehr lassen sich im Rahmen des CWAnsatzes verschiedene Mechanismen innerhalb der Arbeitsbewertungsverfahren identifizieren, die die Unterbewertung weiblicher Erwerbsarbeit (d.h. evaluative Diskriminierungen) institutionell festigen und dazu beitragen können, dass solche Ungleichbehandlungen aufgrund des Geschlechts Einzug in die Lohnstruktur erhalten und sich dort festsetzen. Entscheidend sind in diesem Zusammenhang insbesondere die Kriterien, die per Verfahren zur Bewertung zur Verfügung stehen. Diese Kriterien bestimmen darüber, welche der Anforderungen und Belastungen, die im Rahmen der Ausübung einer Tätigkeit entstehen, tatsächlich in die Bewertung mit aufgenommen werden können und dementsprechend auch bezahlt werden. Sofern beispielsweise die benannten Kriterien eher geeignet sind, die Anforderungen und Belastungen zu bewerten, die im Zusammenhang mit Berufen auftreten, die in der Mehrzahl von Männern ausgeübt werden, kann darin ein wesentliches Diskriminierungspotenzial liegen. Vielfach werden beispielsweise psycho-soziale Anforderungen und Belastungen, die in der Regel häufiger im Zusammenhang mit weiblich dominierten Berufen auftreten, per Verfahren ausgespart und lediglich die jeweilige Qualifikation und Führungsverantwortung berücksichtigt. Zudem kann auch eine fehlende eindeutige Definition der Kriterien zur institutionellen Verfestigung der Unterbewertung von „Frauenberufen“ führen. Immer dann, wenn nicht eindeutig definiert ist, was z.B. unter dem Kriterium der Verantwortung zu verstehen ist, können Geschlechterstereotype und Statusannahmen Einzug in die Bewertung erhalten und zu vergeschlechtlichten Bewertungen führen. Z.B. wenn Verantwortung nur mit Führungsverantwortung gleichgesetzt wird und die Verantwortung für das Wohlergeben anderer Menschen (wie z.B. in Betreuungsberufen) unbedacht bleibt. Diese von der diskriminierungskritischen Arbeitswissenschaft aufgedeckten und hier beispielhaft aufgeführten institutionellen „Einfallstore“ für vergeschlechtlichte Arbeitsbewertungen haben dazu beigetragen, dass Verfahren entwickelt worden sind, die möglichst frei von Diskriminierungspotenzialen sind und es erlauben, auch inhaltlich unterschiedliche Tätigkeiten geschlechtsneutral zu vergleichen. Ein Beispiel dafür ist ABAKABA, die Analytische Bewertung von Arbeitstätigkeiten nach den Schweizer Arbeitswissenschaftlern Katz und Baitsch (Katz/Baitsch 1996). Anhand solcher Verfahren können Unterbewertungen weiblicher Erwerbsarbeit identifiziert werden. Das geschieht, indem weiblich dominierte Berufe aufgrund ihrer Anforderungen und Belastungen per geschlechtsneutralem Verfahren und im Vergleich mit männlich dominierten Berufen neubewertet werden und die aktuellen Verdienste mit diesen Neubewertungen verglichen werden.

Anhand eines solchen Vergleichs lässt sich erkennen, inwieweit gleichwertige Berufe von Frauen und Männern (un-)gleich bezahlt werden. Empirisch zeigen sich in der vom CW-Ansatz inspirierten Forschung „Einfallstore“ für Unterbewertungen weiblicher Erwerbsarbeit. Analysen haben ergeben, dass sowohl innerhalb der Arbeitsbewertungsverfahren in einzelnen
Tarifverträgen, als auch innerhalb der Verfahren in einzelnen betrieblichen Vereinbarungen zahlreiche evaluative Diskriminierungspotenziale (z.B. Krell, Carl, Krehnke 2000; Jochmann-Döll, Tondorf 2013) bestehen.
Mit Hilfe der entwickelten geschlechtsneutralen Verfahren konnten zudem Unterbewertungen ausgewählter „Frauenberufe“ nachgewiesen werden. Stefaniak et al. (2002) belegen eine solche Unterbewertung z.B. für die Tätigkeit der Hochschulsekretärin oder des Hochschulsekretärs, während Krell, Carl und Krehnke (2000) Unterbewertungen und Unterbezahlungen z.B. für die Tätigkeiten der Altenpfleger_innen oder der DiplomBibliothekar_innen im öffentlichen Dienst aufzeigen.

Das klingt im Grundsatz gut, aber liegt außerhalb jeder Markbewertungen. „Anforderungen und Belastungen“ sind so ungemein vage Kriterien, dass sie letztendlich von vorneherein einer Objektivität nicht zugänglich sind. Wie ist zB das Arbeiten in einem Abwasserkanal mit der Betreuung von Kindern bezüglich seiner „Anforderungen und Belastungen“ zu vergleichen und wie ein Fernfahrer, der immer eine Woche auf Tour ist mit einer Bürokraft?

zur Methode:

Die Generierung des CW-Index basiert auf den Verfahren, die zur geschlechtsneutralen Bewertung von Arbeit in verschiedenen Länderkontexten entwickelt worden sind. Insbesondere lehnt sich der CW-Index an den sogenannten Paarvergleich an. Dieser „(…) beruht auf Verfahren zur Bewertung von Arbeitsplätzen, die als diskriminierungsfrei anerkannt sind, wie z.B. das Schweizer Verfahren ABAKABA oder das britische Verfahren NJC10“ (Tondorf, Jochmann-Döll 2014: 36). Der Paarvergleich wurde 2010 10 NJC = Arbeitsbewertungssystem für die lokalen Behörden im Vereinigten Königreich, das von einem nationalen, von Arbeitgebern und Gewerkschaften gemeinsam besetzten Ausschuss (National Joint Council) entwickelt wurde. für den deutschen Arbeitsmarkt zu Prüfzwecken konzipiert. 2014 wurde das Instrument überarbeitet. Zur Generierung des CW-Index wird die aktuelle Version des Paarvergleichs verwendet, der hier zunächst vorgestellt wird. Mit dem Paarvergleich kann festgestellt werden, inwieweit verschiedene, inhaltlich unterschiedliche Tätigkeiten gleichwertig sind, in Bezug auf die damit verbundenen Anforderungen und Belastungen. Zu diesem Zweck findet im Paarvergleich eine Neubewertung der Berufe mit einem geschlechtsneutralen Arbeitsbewertungsverfahren statt. Bei dieser Neubewertung werden insgesamt 4 Kriterien berücksichtigt: Wissen und Können, psycho-soziale Kompetenzen, Verantwortung sowie physische Anforderungen. Jedes dieser 4 Kriterien wird anhand einzelner Unterpunkte analytisch bewertet

Und die Punkte sind:

1. Wissen und Können
1.1 Fachkenntnisse und Fertigkeiten (F400) Welche Art von Ausbildung ist für die Ausübung Ihrer Tätigkeit in der Regel erforderlich?
(F401) Reicht zur Ausübung Ihrer Tätigkeit eine eher kurze Einweisung oder ist dazu eine längere
Einarbeitung erforderlich?
1.2 Fachbezogenen Zusatzqualifikationen (F402) Und ist zur Ausübung der Tätigkeit üblicherweise der Besuch von besonderen Lehrgängen oder
Kursen erforderlich?
1.3 Fachübergreifende Kenntnisse und
Fertigkeiten
(F403) Ich lese Ihnen nun verschiedene Kenntnisgebiete vor. Bitte sagen Sie zu jedem Gebiet, ob Sie
bei Ihrer derzeitigen Tätigkeit diese Kenntnisse benötigen und wenn ja, ob Grundkenntnisse oder
Fachkenntnisse?
(F403_01) Rechtkenntnisse
(F403_02) Projektmanagement
(F403_03) medizinischer oder pflegerischer Bereich
(F403_04) Mathematik, Fachrechnen, Statistik
(F403_05) Deutsch, schriftlicher Ausdruck, Rechtschreibung
(F403_06) PC Anwendungsprogramme
(F403_07) Technische Kenntnisse
(F403_08) kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Kenntnisse
(F403_10) Sprachen außer Deutsch
1.4 Vorausgesetzte fachliche Erfahrung in der
Praxis
(F401) Reicht zur Ausübung Ihrer Tätigkeit eine eher kurze Einweisung oder ist dazu eine längere
Einarbeitung erforderlich?
1.5 Planen und Organisieren (F700_02) Wie häufig kommt es vor, dass Sie Ihre eigene Arbeit selbst planen und einteilen können?
(F411_09) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie verschiedenartige Arbeiten oder Vorgänge
gleichzeitig im Auge behalten müssen?
1.6 Bewältigung von Arbeitsunterbrechungen (F411_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bei der Arbeit gestört werden?
1.7 Ununterbrochene Aufmerksamkeit und
Konzentration
(F411_11) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass auch schon ein kleiner Fehler oder eine
geringe Unaufmerksamkeit größere finanzielle Verluste zur Folge haben könnte?
2. Psychosoziale Kompetenzen
2.1 Kommunikationsfähigkeit (F327_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit anderen Personen beruflich kommunizieren
müssen?
2.2 Kooperationsfähigkeit ./.
2.3 Einfühlungs- und Überzeugungsvermögen (F327_05) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie andere überzeugen und Kompromisse
aushandeln müssen?

Kriterien im Paarvergleich zur
Feststellung der Gleichwertigkeit von
Tätigkeiten
Fragen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung
2.4 Belastende psychosoziale Bedingungen (F410) Fühlen Sie sich den Anforderungen durch die Arbeitsmenge bzw. das Arbeitspensum in der
Regel gewachsen, eher überfordert oder eher unterfordert?
(F411_01) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie unter starkem Termin- und Leistungsdruck
arbeiten müssen?
(F411_02) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Ihnen die Arbeitsdurchführung bis in alle
Einzelheiten vorgeschrieben ist?
(F411_08) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Dinge von Ihnen verlangt werden, die Sie
nicht gelernt haben oder nicht beherrschen?
(F411_12) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bis an die Grenzen Ihrer Leistungsfähigkeit
gehen müssen?
(F411_13) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie sehr schnell arbeiten müssen?
(F700_4) Wie häufig kommt es vor, dass Ihre Tätigkeit Sie in Situationen bringt, die Sie gefühlsmäßig
belasten?
3. Verantwortung
3.1 Geld und Sachwerte ./.
3.2 Gesundheit/ Wohlbefinden anderer (F327_04) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Verantwortung für andere Personen
übernehmen müssen?
3.3 Arbeit anderer/ Führung (F301) Haben Sie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, für die Sie der/die direkte Vorgesetzte sind?
(F302) Und wie viele sind das?
3.4 Umwelt ./.
4. Physische Anforderungen
4.1 Körperkraft (F600_03) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Lasten von mehr als 20 kg (bei männlichen
Zpn)/ 10 kg (bei weiblichen Zielpersonen) heben und tragen?
4.2 Bewegungspräzision (F600_01) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie im Stehen arbeiten?
(F600_07a) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit den Händen Arbeiten ausführen, die
hohe Geschicklichkeit, schnelle Bewegungsabfolgen oder größere Kräfte erfordern?
4.3 Arbeitszeitliche Bedingungen (F209) Liegt Ihre Arbeitszeit normalerweise zwischen 7 und 19 Uhr?
(F209_1) Arbeiten Sie in Schichtarbeit oder haben Sie andere versetzte Arbeitszeiten?
4.4 Umgebungsbedingungen (F600_04) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bei Rauch, Staub oder unter Gasen,
Dämpfen arbeiten?
(F600_05) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie unter Kälte, Hitze, Nässe, Feuchtigkeit
oder Zugluft arbeiten?
(F600_06) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit Öl, Fett, Schmutz, Dreck arbeiten?
(F600_07b) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie in gebückter, hockender, kniender oder
liegender Stellung arbeiten, Arbeiten über Kopf?
(F600_08) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie starken Erschütterungen, Stößen und
Schwingungen ausgesetzt sind, die man im Körper spürt?
(F600_09) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie bei grellem Licht oder schlechter oder zu
schwacher Beleuchtung arbeiten?
(F600_10) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie mit gefährlichen Stoffen umgehen?
(F600_12) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie unter Lärm arbeiten?
(F600_13) Wie häufig kommt es bei Ihrer Arbeit vor, dass Sie Umgang haben mit Mikroorganismen wie
Krankheitserregern, Bakterien, Schimmelpilzen oder Viren?

 

Anhand dieser Fragen ist meiner Meinung nach ein Vergleich nicht möglich. Es fehlen viele, viele Punkte, die eine Berufswahl beeinflussen. Nicht zuletzt die Arbeitszeiten im Sinne des Stundenaufwandes.  Und auch die Differenzierung nach Fachwissen scheint mir kaum wirklich abgefragt zu werden.

Eine gute und eine schlechte Grundschullehrerin beispielsweise verdient gleich viel. Ein guter oder schlechter Jurist oder Ingenieur hingegen, die bei großen Firmen anfangen, kann eben deutlich mehr verdienen, weil sein sehr spezielles Fachwissen sich auswirken kann.

Und natürlich ist die Studie auch sehr subjektiv: Nehmen wir 411_12
Wenn eine Lehrerin anführt, dass sie mitunter die Schule sehr stressig findet, weil die Kinder sie nicht ernst nehmen und sie sie nicht in Griff bekommt, dann sagt das wenig über den Lohn aus, den sie erhalten sollte.
Schon gar nicht stellt es eine Vergleichbarkeit her, wenn ein Profirechtsanwalt oder ein sehr guter Ingenieur sagt, dass er die Herausforderung liebt, den Stress als positiv empfindet und seine Arbeit seine Berufung ist und er mit seinen Herausforderungen wächst.

Dazu kommt noch ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern:

The uncorrected multivariate effect size for observed scores was D = 1.49 (with 95% CI from 1.45 to 1.53), corresponding to an overlap of 29%. Correcting for score unreliability yielded D = 1.72, corresponding to an overlap of 24%. The multivariate effect for latent variables was D = 2.71 (with 95% CI from 2.66 to 2.76); this is an extremely large effect, corresponding to an overlap of only 10% between the male and female distributions (assuming normality). On the basis of univariate d’s (Table 2), it might be hypothesized that global sex differences are overwhelmingly determined by the large effect size on factor I, or Sensitivity (d = −2.29). Thus, we recomputed the multivariate effect size for latent variables excluding Sensitivity; the remaining d’s ranged from −.89 to +.54. The resulting effect was D = 1.71 (with 95% CI from 1.66 to 1.75), still an extremely large difference implying an overlap of 24% between the male and female distributions (the corresponding effect size for observed scores, corrected for unreliability, was D = 1.07, implying a 42% overlap). In other words, the large value of D could not be explained away by the difference in Sensitivity, as removing the latter caused the overlap between males and females to increase by only 14%. While Sensitivity certainly contributed to the overall effect size, the large magnitude of global sex differences was primarily driven by the other personality factors and the pattern of correlations among them. It should be noted that Sensitivity is not a marginal aspect of personality; in the 16PF questionnaire, Sensitivity differentiates people who are sensitive, aesthetic, sentimental, intuitive, and tender-minded from those who are utilitarian, objective, unsentimental, and tough-minded. This factor overlaps considerably with “feminine openness/closedness”, identified by Costa and colleagues [49] as a cross-culturally stable dimension of sex differences in personality.

Sensitivity hat einen enorm hohen Wert für Geschlechterunterschiede. Was bei einer entsprechend subjektiven Bewertung gerade bei Berufen mit hohem Anteil an entweder Frauen oder Männern das Ergebnis wieder stark verschieben kann.

Aus der Darstellung weiter:

Für die einzelnen Berufsgruppen auf dieser Ebene wird der CW-Index berechnet, indem die jeweiligen Antworten der Befragten in den einzelnen Berufen zu berufsspezifischen Mittelwerten zusammengefasst werden. Da der CW-Index somit auf der subjektiven Einschätzung der Befragten beruht, sind im weiteren Projektverlauf verschiedene Validierungsschritte geplant, um für den Einfluss individueller Merkmale zu kontrollieren und so die Validität des CW-Index zu gewährleisten. In diesem Beitrag werden zunächst in einem ersten Schritt die berufsspezifischen´CW-Index-Mittelwerte berechnet. Anhand der Mittelwerte lässt sich erkennen, welche Berufe sich hinsichtlich ihrer Anforderungen und Belastungen gleichen. Berufe die einen gleichen CW-Index haben, sind als gleichwertig zu bezeichnen.

Vollkommen unklar ist für mich wie die Bewertung erfolgt. Wie wirkt es sich aus, wenn jemand schwer heben muss im Vergleich dazu, dass jemand häufig mit anderen kommunizieren muss (was auch immer das abfragt. Eine Kindergärtnerin kommuniziert sicher mit anderen, ein Rechtsanwalt auch, beide aktivieren dabei ganz andere Fähigkeiten.

Kurz um: Mir scheint die Methode von vorneherein nicht geeignet. Sie spielt vor, dass man tatsächlich die Vergleichbarkeit der Berufe ermittelt und sie damit objektiv vergleichbar macht und so Lohnungleichheiten ermitteln kann. Aber selbst der einfachste Job der Welt kann, wenn er besondere Fähigkeiten erfordert, die sonst keiner hat, hoch bezahlt sein. Und die vorgegebenen Kriterien erfüllen aus meiner Sicht die Anforderungen für einen Vergleich der Jobs nicht.

Vielleicht findet ja jemand noch etwas dazu, wie die einzelnen Faktoren dann bewertet werden. Mir erscheint ein Vergleich von Tätigkeiten anhand dieses Schemas nicht möglich. Aber aus feministischer Sicht ist das wahrscheinlich auch gar nicht erforderlich. Subjektiv ist da eh gut und das Ergebnis muss stimmen. Hier kann man denke ich nahezu jedes Ergebnis begründen.

Dazu auch aus einer neueren Studie:

Ein weiterer wichtiger Punkt der Generierung des „CW-Index“ bezieht sich auf die Gewichtung der einzelnen Anforderungs- und Belastungsarten. In den bereits entwickelten Verfahren zur geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung (s. Kapitel 3.1) werden die einzelnen Dimensionen (Wissen und Können, psychosoziale Aspekte, Verantwortung sowie physische Aspekte) jeweils unterschiedlich gewichtet.
Diese Gewichtung hat Auswirkungen auf das Endergebnis der Bewertung, indem einzelne Dimensionen stärker und andere schwächer in die Bewertung eingehen:

Eine solche Bewertung und Entlohnung müsste immer tätigkeitsbezogen und nicht ausschließlich berufsgruppenbezogen sein. Allerdings kann sie für die Überprüfung betrieblicher Entgeltstrukturen erste Anhaltspunkte liefern.    Wie der Tabelle zu entnehmen ist, gibt es Unterschiede zwischen den Verfahren. Während „ABAKABA“ bestimmte Korridore der Gewichtung empfiehlt, legen die anderen Verfahren exakte Gewichtungen fest. Diese variieren teilweise stark. Beispielweise sieht das „EVALFRI“-Verfahren eine vergleichsweise sehr hohe Gewichtung des Bereichs „Wissen und Können“ vor, während der „Paarvergleich“ die anderen Bereiche stärker berücksichtigt.

Grundsätzlich gibt es keine wissenschaftliche Begründung, mit der die Gewichtung exakt festgelegt werden kann (Ranftl et al. 2004: 34), vielmehr handelt es sich dabei um eine theoretisch hergeleitete, diskriminierungskritische Entscheidung.

Vor dem Hintergrund einer geschlechtsneutralen Arbeitsbewertung sollte darauf geachtet werden, dass nicht die Bereiche hoch gewichtet werden, die „typisch“ sind für männlich dominierte Tätigkeiten und die Bereiche niedrig gewichtet werden, die relevant sind für weiblich dominierte Tätigkeiten. Denn darin besteht auch innerhalb dieser Verfahren die Gefahr, „Frauenberufe“ geringer zu bewerten als „Männerberufe“ (Krell/Winter 2011). Durch die Gewichtung können dementsprechend auch „althergebrachte“ Bewertungen und Strukturen aufrechterhalten werden. Die hohe Gewichtung des Bereichs „Wissen und Können“ im „EVALFRI“-Verfahren birgt diese Gefahr in sich (Ranftl et al. 2004: 54) und entspricht zudem größtenteils (bis auf den physischen Bereich) nicht den „ABAKABA“- Empfehlungen. Aus diesem Grund orientiert sich die Gewichtung des „CWIndex“ an der Gewichtung des „Paarvergleichs“.27 Das ist auch insofern stringent, als dass der „Paarvergleich“ die Grundlage der Generierung des Index darstellt.28 Dennoch werden die Ergebnisse am Ende des Forschungsberichts (s. Kapitel 5.2) in dieser Hinsicht noch einmal kritisch beleuchtet.

Meine Damen und Herren: Feministische Wissenschaft.

Sie schreiben ernsthaft in ihre Studie, dass die Gewichtung ihrer ermittelten Daten eine freie Entscheidung ist, bei der damn darauf achten soll, dass man Bereiche nicht hoch gewichtet, die eher in männlich dominierten Tätigkeiten auftauchen.

Zur Klarstellung: Hier soll „erforscht“ werden, ob Frauen und Männer gleichwertig entlohnt werden. Das Instrument dazu ist sicherzustellen, dass in einer freien Bewertung Männerberufe nicht ein zu hohes Gewicht bekommen, weil dann der höhere Durchschnittslohn gerechtfertigt wäre.

Für mich einfach unglaublich. Falls ich es falsch verstehe bitte Hinweise in den Kommentaren.

Schwangerschaft und körperliche Einschränkungen

Im Rahmen der Schwangerschaft von Südländerin wird mir auch bewusster wie körperlich einschränkend die Schwangerschaft teilweise ist. Südländerin ist wesentlich schneller aus der Puste, eher müde, mit fortschreitender Schwangerschaft stört die „Kugel“ immer mehr bei so simplen Tätigkeiten wie Schuhe zubinden etc.

Dazu kommt, dass sie häufiger in gewissen Abständer zumindest etwas kleines essen muss, sie merkt es sonst recht deutlich.

Ähnliche Erfahrungen haben mir auch andere Bekannte geschildert. Ein Freund meinte, dass man als Partner einer schwangeren am besten immer irgendeinen Energieriegel oder etwas in der Art dabei hat, dass man dann, wenn sonst nichts in der Nähe ist aus sicherer Entfernung seiner Partnerin zuwirft, wenn sie im „Hungermodus“ ist.

Natürlich haben wir das Glück in einer Gesellschaft zu leben, in der man relativ wenig körperliche Arbeit verrichten muss, wenn man den passenden Beruf hat und in der ausreichend Essen zur Verfügung steht. Wir können es uns erlauben Schwangere sehr stark zu schonen und gehen lieber kein Risiko ein. Beispielsweise gibt es wohl keinen endgültigen Nachweis, dass sich das Tragen schwerer Lasten negativ auswirken muss, aber es ist verständlich, dass man kein Risiko eingeht und eine diesbezügliche Studie auch aus ethischen Gründen schlecht durchzuführen ist.

Sicherlich wird es in weniger fortgeschrittenen Gesellschaften auch viel körperliche Arbeit für Schwangerer gegeben haben,  aber es gibt in vielen Gesellschaften natürlich auch aus diesem Grund kulturelle Regeln, die zu starke Arbeit für Schwangere verhindern sollen.

Diese körperlichen Einschränkungen lassen für mich Theorien, nach denen es in evolutionär relevanten Zeiten keine Arbeitsteilung gab und zB Frauen genauso größere Wild jagten wie Männer sehr unwahrscheinlich werden.

Frauen als Schwangere sind in vielen Bereichen alleine aufgrund der körperlichen Einschränkungen zu evolutionär relevanten Zeiten auf Unterstützung und Schutz angewiesen gewesen. Das diese über lange Zeit bestehende Lage  ohne „evolutionäre Spuren“ geblieben ist, ist schon sehr, sehr unwahrscheinlich. Das würde noch nicht einmal bedeuten, dass es nicht dennoch zb weibliche Stammesanführer gegeben hat oder Frauen wichtige Positionen in der Gesellschaft hatten. Aber gerade da Frauen in früheren Gesellschaften wesentlich häufiger schwanger gewesen sind und damit teilweise stark eingeschränkt waren, ergibt sich automatisch eine ganz andere Selektion, sowohl was den Körper als auch die Anforderungen an einen Partner ergibt.

Beispielsweise lohnen sich starke Muskeln noch weniger, wenn man sie in der Schwangerschaft eh kaum einsetzen kann, weil der Bauch zu stark auf alles drückt und man eh zu schnell außer Atmen ist und sie zudem auch im nicht genutzten Zustand mehr Energie kosten.

Und eine Partnerwahl darauf, dass der Partner einen in der Schwangerschaft unterstützen kann, wird wichtig.

 

 

Doris Lessing: „Feministinnen, hört auf die Männer fertig zu machen“

Doris Lessing zum Feminismus:

The novelist Doris Lessing yesterday claimed that men were the new silent victims in the sex war, „continually demeaned and insulted“ by women without a whimper of protest.

Lessing, who became a feminist icon with the books The Grass is Singing and The Golden Notebook, said a „lazy and insidious“ culture had taken hold within feminism that revelled in flailing men.

Das ist ja mal ein deutlicher Einstieg. Und ganz der Gegensatz zu dem, was gerade der intersektionale Feminismus so vertritt.

 

Young boys were being weighed down with guilt about the crimes of their sex, she told the Edinburgh book festival, while energy which could be used to get proper child care was being dissipated in the pointless humiliation of men.

„I find myself increasingly shocked at the unthinking and automatic rubbishing of men which is now so part of our culture that it is hardly even noticed,“ the 81-year-old Persian-born writer said yesterday.

„Great things have been achieved through feminism. We now have pretty much equality at least on the pay and opportunities front, though almost nothing has been done on child care, the real liberation.

„We have many wonderful, clever, powerful women everywhere, but what is happening to men? Why did this have to be at the cost of men?

Letztendlich wendet sie sich damit auch dagegen, dass man das Verhältnis von Männern und Frauen als Nullsummenspiel sieht statt als kooperatives Spiel.

Sie scheint mir auch ein wesentlich besseres Verständnis davon zu haben, wann Gleichberechtigung erreicht ist.

„I was in a class of nine- and 10-year-olds, girls and boys, and this young woman was telling these kids that the reason for wars was the innately violent nature of men.

„You could see the little girls, fat with complacency and conceit while the little boys sat there crumpled, apologising for their existence, thinking this was going to be the pattern of their lives.“

Lessing said the teacher tried to „catch my eye, thinking I would approve of this rubbish“.

She added: „This kind of thing is happening in schools all over the place and no one says a thing.

„It has become a kind of religion that you can’t criticise because then you become a traitor to the great cause, which I am not.

„It is time we began to ask who are these women who continually rubbish men. The most stupid, ill-educated and nasty woman can rubbish the nicest, kindest and most intelligent man and no one protests.

„Men seem to be so cowed that they can’t fight back, and it is time they did.“

Ein schöner Weckruf. Und ein Aufstehen gegen die Ideologie, in der man Männer als schlecht darstellen kann.

Lessing claimed that much of the „great energy“ whipped up by feminism had „been lost in hot air and fine words when we should have been concentrating on changing laws.

„We have got the pay but only real equality comes when child care is sorted out and it hasn’t been yet, well not for those who really need it anyway“.

Scheint mir ein positiver Ansatz zu sein.

 

Selbermach Samstag 198 (28.07.2018)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

Mal sehen, wie sich das auf das Bloggen auswirkt

Die andere Frage wird sein, wie es sich auf das Bloggen auswirkt. Ich werde schlicht weniger Zeit haben, sie ist jetzt schon häufig sehr knapp neben Arbeit und Beziehung.

Ich muss sagen, dass ich die Idee eines zweiten Autors, der einige Tage übernimmt, sehr attraktiv finde, er müsste aber natürlich zu dem Blog passen.

Andererseits gibt ein Kind ja auch ganz neues Material. Vielleicht müsst ihr euch dann einfach mehr aus dieser Perspektive durchlesen.

Vielleicht werde ich also zum Vaterblogger. Vielleicht klappt es auch so ganz gut.

 

Alles Thermodynamik – Menschliches Verhalten und Entropie (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Fabian „Curiepolis“ Herrmann

„Diese Kommunismusgeschichte. Wäre schön gewesen, ging aber nicht wegen menschl. Natur, die Realität ist eben gemein. Wieso: Wäre schön gewesen? Was wäre so toll dran: Alle in identischen Häuschen mit Garten und Tabakbeet – eins neben dem anderen in endlosen, gesichtslosen Reihen – nie erhebt sich jemand oder denkt an seinen eigenen Vorteil, denn alle privaten Vorteile sind abgeschafft. Gemeinwohl: dafür arbeitet man ausschließlich. Absterben des Staates, dann des Ichs – das Ichgefühl wird diffus, ungreifbar wie Nebel, der sich langsam auflöst. Man fühlt für alle, handelt für alle. Ich bin großartig, weil ich das und das mache – sowas denkt man nicht mehr, kann man nicht mehr denken. Das Wort ich wird bedeutungslos. Lexikalisch existiert es noch, doch es bezeichnet nur noch simple Empfindungen: Ich bin müde, ich bin hunrig, ich bin satt… Das Ich als gefühlte, handelnde Person ist tot. Ging nicht wegen menschl. Natur – das stimmt, und spricht für diese Natur, was auch immer sie sein mag.“ – so Herr Hennigsdorf, ein Lehrer, in meinem Curiepolis-Roman. Seine Argumentation, dass die „menschliche Natur“ nicht zu schlecht, sondern zu gut ist, als dass Kommunismus längerfristig funktionieren könne, lässt sich auf einige andere Bereiche übertragen. Menschen sind in vielem besser, als man landläufig zuzugeben bereit ist.

Unsere Instinkte und Verhaltensschemata entstanden im Zuge einer Jahrmilliarden währenden natürlichen Auslese, deren bemerkenswertestes Resultat die langfristig anwachsende Kephalisierung ist – Ausbildung immer größerer Zentralnervensysteme. Isoliert gesehen, erinnert die Evolution an ein „thermodynamisches Wunder“, d.h. ein zwar physikalisch nicht unmöglicher, doch wahnwitzig unwahrscheinlicher Prozess, bei dem der Ordnungsgrad eines Systems sich spontan erhöht. Viel wahrscheinlicher – sogar mit einer Wahrscheinlichkeit nahezu gleich Eins eintretend – ist die umgekehrte Entwicklungsrichtung. Man drückt dies durch den Zweiten Thermodynamischen Hauptsatz aus: Im abgeschlossenen System nimmt die Entropie stets zu. Diese, symbolisiert durch das Formelzeichen S, stellt ein Maß für die Abwesenheit von Strukturen dar:

S = k * ln Ω

k ist hier die Boltzmann–Konstante, ln der natürliche Logarithmus, der gezogen wird aus der reinen Zahl Ω, der Anzahl möglicher Mikrozustände, die zu einem beobachteten Makrozustand passen. Je geordneter ein System ist, desto kleiner ist die Zahl dieser Zustände, desto geringer die Entropie.

Beispielsweise hat ein Sandhaufen eine sehr hohe Entropie, da zu diesem Erscheinungsbild viele Mikrozustände passen. Ich kann die Sandkörner durcheinanderrühren, sie umschichten, umordnen – am Aussehen und den Eigenschaften des Sandhaufens ändert sich dadurch nichts. Wird der Sand jedoch zu einem Mikrochip weiterverarbeitet, der als CPU eines Computers dient, dann sinkt die
Entropie dadurch beträchtlich: Denn zur Erscheinung „funktionstüchtiger Schaltkreis“ gehören nur wenige Mikrozustände – Ausfall eines einzigen logischen Gatters führt unter Umständen bereits dazu, dass der Computer nicht mehr bootet. Um eine solche Entropiesenkung zu ermöglichen, muss von außen Arbeit am System geleistet werden.

Die entropiereichste Struktur, die mathematisch möglich ist, ist das Schwarze Loch: Man kann alle möglichen Dinge, Informationen, Strukturen in ihm versenken, von außen gesehen bleibt es unverändert – bis auf eine gewisse Massenzunahme. Die entropieärmste Struktur, die wir bislang entdeckt haben: unser eigenes Gehirn. Damit es im Einklang mit dem Zweiten Thermodynamischen Hauptsatz entstehen konnte, muss irgendetwas von außen Arbeit an der irdischen Biosphäre verrichtet haben – es handelt sich natürlich um die Sonne!

Je stärker die Energie in einem Strahlungsstrom auf einzelne Photonen konzentriert ist, desto geringer ist die Entropie, die dieser Strom transportiert. Die Erde nimmt von der Sonne überwiegend Strahlung im sichtbaren Bereich auf, entsprechend einer Schwarzkörpertemperatur von 6000 Kelvin, die an der Sonnenoberfläche herrscht. Nachts strahlt der Planet Infrarotphotonen ab. Dieser „Entropiesprung“ von kürzer- zu längerwelliger Strahlung ermöglicht die Entstehung komplexer Strukturen auf der Erde. Während im Universum insgesamt die Entropie steigt, vermag sie innerhalb der Biosphäre zu fallen, da die nächtlich ins All abströmende Wärmestrahlung
Entropie fortträgt.
Alle Lebensformen auf der Erde (mit Ausnahme gewisser Arten von Chemotrophen, die in der Umgebung schwarzer Raucher in der Tiefsee existieren) mussten sich auf dem Abhang zwischen niederentroper Zu- und hochentroper Abstrahlung einrichten. Dieser Ordnungs-Unordnungs- Gradient stellt die ultimative Ursache des Selektionsdrucks dar. Hierfür gibt es ein faszinierendes Beispiel aus der menschlichen Verhaltensbiologie.
Grüne Pflanzen wandeln die einfallende Sonnenstrahlung mit einer Effizienz von maximal einem halben Prozent in Glukosemoleküle (lediglich speziell gezüchtetes Zuckerrohr erreicht respektable acht Prozent). In Europa liegt die mittlere Energieflussdichte der solaren Einstrahlung bei 120 Watt pro Quadratmeter, in den Tropen bei zwei– bis dreihundert Watt. Menschliche Körper setzen eine Zeitmittelleistung von 120 Watt um: Das bedeutet, dass jede Person ein Areal von mindestens zweihundert Quadratmetern kontrollieren muss, um am Leben zu bleiben und sich fortzupflanzen – in der Zeit vor der industriellen Landwirtschaft sogar noch um Größenordnungen mehr, da nicht jede Pflanze als Nahrung für Menschen geeignet ist, und essbare Tiere einen Großteil der aus Pflanzen aufgenommenen Energie selbst verbrauchen. Im Paläolithikum lag die Bevölkerungsdichte bei einer Person auf drei Quadratkilometern. Da nun jene Lebewesen ihre Erbinformation in der Population anzureichern vermochten, denen es gelang, die Entropie in ihren eigenen Körpern niedrig zu halten – die also die Fähigkeit hatten, sich ausreichend Nahrung zu beschaffen – entstanden Instinktschemata, die wir als „egoistisch“ werten. Denn wenn irgendwer mir einen Teil meines mühsam eroberten Stückchens Erdoberfläche streitig machen möchte, dann fehlen mir eventuell wertvolle Watt, die ich zur Erhaltung meines Nervensystems und meiner Erbinformation dringend benötige! Trau nur dir und nie der Prärie – und falls jemand zu zudringlich wird, halte einen soliden Holzprügel bereit…
Um Zugriff auf die zur Weitergabe und Vervielfältigung von genetischer Information erforderliche Energieflussdichte sicherzustellen, waren komplexe Nervensysteme offensichtlich von Vorteil. Im Laufe der Evolution der Gattung Homo entstand jedoch durch zufällige Mutation ein kleines Übergewicht – eine Überkapazität, die die thermodynamischen Verhältnisse auf der Erde änderte.

Momentan residiere ich im Döblin–Haus in Wewelsfleth an der Elbmündung, einen kurzen Spaziergang entfernt arbeitet das Kernkraftwerk Brokdorf. Es setzt auf einer Fläche von einem Viertelquadratkilometer eine elektrische Leistung von 1400 Megawatt frei, entsprechend einer Energieflussdichte von 5600 Watt pro Quadratmeter. Die enorme Hirnkapazität des Menschen taugt zu mehr als nur zum Überleben als Jäger und Sammler: Sie hat uns ermöglicht, durch wissenschaftliche Forschung und technische Erfindungen die verfügbare Energieflussdichte enorm über das von Sonneneinstrahlung und Photosynthese Vorgegebene hinaus zu steigern.

Hierdurch wurde der Kampf um Landfläche und Ressourcen massiv entschärft. Menschen können heute in Riesenstädten mit vielen Millionen Einwohnern zusammenleben – dennoch kommt es, trotz hoher Verbrechensraten in manchen Gegenden, in der Regel nicht zu Mord und Totschlag. Die Wahrscheinlichkeit, von einem anderen Menschen verletzt zu werden, ist seit der Industrialisierung sogar weltweit extrem gefallen. Wir leben länger, sicherer, gesünder als alle Generationen vor uns.

Unser Nervensystem, das primär zur Verfolgung „egoistischer Ziele“ (Sicherstellung des Energienachschubs zur Niedrighaltung der Entropie in unseren Körpern) entstand, befähigt uns, durch Veränderung der physikalischen Strukturen auf der Erde Bedingungen zu schaffen, unter denen Konkurrenz und Konflikte gegenüber der Urzeit sehr stark reduziert sind. Je höher die technisch erzielbare Energieflussdichte, desto mehr Menschen können in einem bestimmten Gebiet zusammenleben, ohne sich gegenseitig an den Kragen zu gehen.

Wir sind nicht länger nur eine biologische Spezies. Wir haben uns mit einem mächtigen Exoskelett aus Stahl, Silizium, Kupfer, Aluminium, Aktiniden, Strom, Plasma und Laserlicht umgeben, welches unser Dasein, bei Beibehaltung der genetischen und psychologischen Struktur, grundlegend transformiert und uns völlig neue Möglichkeiten eröffnet hat. Schon bald könnte sogar unsere DNS selbst Ziel technischer Verbesserungen werden!

Unterstützt wurden diese Entwicklungen vom kapitalistischen Wirtschaftssystem in seinen verschiedenen Realisierungsformen. Es ist am besten an die Basispsychologie des Menschen angepasst. Dadurch, dass es eine gewisse Konkurrenz, einen Wettlauf um die beste, eleganteste, effizienteste Lösung aufrechterhält, spornt es Menschen an, ihr Bestes zu geben und beflügelt technische Neuerungen. Unser angeborener „Egoismus“ ist daher bezüglich seines Gesamteffekts keine destruktive, unmenschliche Kraft, sondern Grundlage einer Gesellschaft, in der Reichtum statt Knappheit, Kooperation statt Kampf um jeden essbaren Wurzelknollen herrscht.

Seit der Aufklärung sind immer wieder Bewegungen aufgetaucht, die einen völlig konfliktlosen, unaufgeregten Endzustand der Menschheit anstreben, in dem sich nichts mehr ändert und universelle Harmonie herrscht. Das gilt für die Marxisten mit ihrer klassenlosen Gesellschaft, für die Grünen, die „Leben im Einklang mit der Natur“ propagieren, und auch für die „Social Justice Warriors“, denen zufolge Menschen normalem Kommunikations– und Flirtverhalten nicht standzuhalten vermögen, ohne psychische Traumata zu entwickeln, weswegen dieses schleunigst aberzogen und durch allumfassende Rücksichtnahme und Selbstbeschränkung ersetzt werden soll.

Ich verstehe diese Denkweise nicht. Es geht hier noch nicht einmal um realistisch vs. unrealistisch, sondern darum, ob das angestrebte Resultat wünschenswert scheint. Was wäre so großartig an einem idyllischen Zustand, der bis in fernste Zukunft aufrechterhalten wird und in dem nichts aufregendes mehr geschieht? Das klingt eher nach einem Alptraum. Alles, was uns aus der Reserve lockt, uns dazu treibt, über den eigenen Schatten zu springen – sei es, dass wir unser Leben umkrempeln, um eine Erfindung zu machen und an den Start zu bringen; sei es, dass wir den kühlen Grusel der Ansprechangst überwinden und die rothaarige Kerntechnikstudentin zu einem Spaziergang am Elbufer einladen – trägt direkt oder indirekt dazu bei, dass Fähigkeiten, Wissen und Gestaltungsmöglichkeiten der Menschheit wachsen.

Das ist etwas Wunderbares.

Es wird dem Grunde nach eine konservative Arbeitsteilung

Südländerin wird erst einmal ein Jahr aussetzen, es geht bei ihr wesentlich besser, weil sie im öffentlichen Dienst ist.
Aber natürlich möchte ich durchaus ein aktiver Vater sein, mich bei den Kindern einbringen etc.

Wie das genau wird: Wir werden sehen. Ich werde immer wieder mal darüber berichten. Vielleicht muss ich etwas Arbeit nach Hause verlegen, was aber möglich sein sollte.

Dem Plan nach wird Südländerin dann recht schnell wieder einsteigen. Aber vielen hat da schon das Baby und sein erhöhter Bedarf an Versorgung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch hier nehme ich gerne Tipps.