Rationale Schuldvorwürfe

 

 

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Glaukonischen Feministinnen, Ideologie und Virtue Signalling

Only me ergänzte zu dem Beitrag gestern:

Mir fehlen jene, die Haidt die glaukonischen Feministinnen nennen würde.

Vor allem in jüngeren Jahren haben viele Menschen das starke Bedürfnis, zu Den Guten zu gehören und das auch unüberhörbar kund zu tun.

Es gibt verschiedene Vehikel dafür. Früher sorgte frau sich ums Robbensterben oder um Delfine in Thunfischnetzen. Heute werden sie Veganerinnen oder, wenn etwas politischer veranlagt, eben Feministin.

Der öffentlichen Meinung zufolge ist Feministin = Gut. Angesichts des fürchterlichen Patriarchats kommt auch noch Feministin = Tapfer dazu. Die Illusion, die Welt zum Besseren zu verändern, ködert auch noch so manchen Millenial.

Die Wut und Empörung einer Hobby-Feministin, wenn sie auf jemanden aus der manosphere trifft, der suggeriert, dass Feminismus nicht nur nicht Gut, sondern eher Böse ist, lässt sich m.E. nicht allein durch Akkommodierungsschwierigkeiten erklären.
Wir greifen nicht nur ein Weltbild an, wir attackieren das moralische Selbstverständnis. Das ist noch fundamentaler und viel schwerer zu ändern.

Zu Haidt und Glaucon habe ich das hier gefunden:

  To illustrate my concerns, I begin by reflecting on Haidt’s effort to refute Plato’s central argument in “The Republic.”  This is where Plato tries to show why a just (morally good) life is superior to an unjust (immoral) life.

Plato would not be surprised to learn that people typically don’t use reason to seek the truth.

Socrates (as usual, Plato’s spokesman) responds to a view put forward by his young friend Glaucon. On this view, someone who devoted his life to nothing but satisfying his selfish desires would be entirely happy. At the most, Glaucon suggests, happiness would require a person’s keeping his selfishness secret and enjoying a reputation for virtue. Glaucon does not believe this claim, and he hopes to see Socrates refute it and show how morality, just by itself, brings happiness.

Haidt pithily summarizes Socrates’ argument: “Reason must rule the happy person. And if reason rules, then it cares about what is truly good, not just about the appearance of virtue.” He maintains that Socrates goes wrong because he assumes a false view of the role of reason in human life. “Reason is not fit to rule; it was designed to seek justification, not truth,” where justification means pursuing “socially strategic goals, such as guarding our reputations and convincing other people to support us.” Haidt supports his claim about the actual role of reason with an array of fascinating psychological experiments cumulatively showing that “Glaucon was right: people care a great deal more about appearance and reputation than about reality,” and use reason accordingly. This view of reason also, he suggests, best accords with an evolutionary account of how our rational capacity developed.

Es geht also im wesentlichen darum, dass man entweder schlicht eine Sache vertritt, weil sie als gut gilt ohne das weiter zu hinterfragen und es wirklich zu durchdenken, einfach weil man Gutes zu tun meint, sich da seinem Umfeld anschließt und weil einem das auch eine gewisse Anerkennung oder ein gutes Gefühl bringt, eben teilweise aus dem Gesichtspunkt des Virtue Signalling, sich und anderen gegenüber oder ob man die Sache gut durchdenkt und sich auch bewußt macht, was man evtl damit anrichtet, hinterfragt, ob es tatsächlich das Gute ist, ob man anderen Leuten damit schadet etc.

Es ist verlockend anzuführen, dass dies genau die Diskussion ist, die hier lange geführt wird, wir auf Seiten der Vernunft und die anderen auf der Seite des Virtue Signalling.

Ein Beispiel dafür wäre der Gender Pay Gap. Die eine Seite kämpft für gleiche Löhne, verkennt aber, dass sie dabei eine Menge Ursachen ausblendet, die zu den Lohnunterschieden im Schnitt führen.

Andererseits muss man dazu natürlich auch eigene Positionen immer wieder hinterfragen und offen dafür sein, dass man sich Studien im Original anschaut, Studien, die die andere Seite vorbringt überprüft oder in anderer Weise überprüft, ob man gerade eine ideologische Position oder eine rationale Position vertritt.