„Everyday Feminism“ braucht dringend Unterstütztung

Everyday Feminism ist wohl eine der abgedrehtesten feministischen Seiten überhaupt, man fragt sich bei vielen Artikeln, ob sie einen nicht doch verarschen. Hier ein paar besprochene Artikel:

Leser Matze weißt darauf hin, dass diese feministische Seite gegenwärtig in finanziellen Schwierigkeiten steckt und Spenden sammelt:

We’re facing scary financial trouble that’s threatening to put a halt to our work – maybe even as soon as the end of May.

We’ve realized that we’re just not going to be able to continue without some support from our community.

We’re not the only site struggling like this, and there’s a reason for that. It’s quite a challenge, to say the least, to create independent, intersectional feminist media in a financially sustainable way, especially in a world that doesn’t value what we do.

(…)

Dear readers, this moment is just plain tough for us at Everyday Feminism. We’re from the same beautifully resilient, unjustly marginalized communities that we create our content for – and we need this work to exist just as much as you do.

Facing the possibility of shutting down this work at a time like this is not easy.

Shutting down now?

Not at a time when unapologetic white supremacists are in power.

Not at a time when so many people are waking up to what it means to protest for the first time.

Not at a time when millions of readers visit our website, seeking strategies for healing from systemic oppression and for inclusive, effective activism.

Nope – we’re not giving up now. Not without one hell of a fight.

Help us resist.

Man sieht also, wer nicht unterstützt, der ist für die Unterdrückung. Ob sie allerdings Gelder von WHMs überhaupt annehmen schreiben sie leider nicht.

 

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Mütter, Töchter und wie Männer die Frauen kleinhalten (Franziska Schutzbach)

Via Man-Tau bin ich auf diesen Artikel aufmerksam geworden:

annabelle: Franziska Schutzbach, die Mutter-Tochter-Beziehung wird meist als Problemzone betrachtet. Warum?
Franziska Schutzbach: Dafür gibt es verschiedenste Erklärungen. Eine lautet, dass Töchter den traditionell niederen Status der Mutter ablehnen. Mutterschaft geniesst in unserer an Männern ausgerichteten Gesellschaft nach wie vor wenig Prestige. Sie wird ins Private verdrängt, ist unsichtbar, wird aber gleichzeitig als aufopferungsvoll und selbstlos idealisiert. Das ist ein schwieriges Rollenmodell. Töchter orientieren sich deshalb eher am Vater. Der verspricht Welt, Abenteuer und Einfluss.

Genauso verspricht ein Vater „wenig bei der Familie sein“, was Kinder wohl in den jungen Jahren am meisten wahrnehmen. Und der Status der Mutter innerhalb der Familie ist ja üblicherweise auch sehr hoch. Natürlich werden die meisten Frauen heute nicht Hausfrau werden wollen, sondern entsprechend eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren wollen, aber die Begründung oben kommt mir schon sehr Holzschnittartig vor.

Ich würde auch schon nicht sagen, dass die Mutter-Tochter-Beziehung meist als Problemzone betrachtet wird. Es gibt eben Mutterkinder und Vaterkinder.

Das es den Fall gibt, wo die Tochter meint, dass sie eine absolute Karrierefrau wird und die Kinder leicht nebenher macht und von der Mutter genervt ist, die ihr sagt, dass das nicht so einfach ist, dass gibt es sicherlich häufiger.

Mütter sind innerhalb der Familie aber oft sehr dominant, im positiven wie im negativen Sinn. Kompensieren sie dadurch das fehlende Prestige?
Ja, das kann man so sehen. Manche Mütter herrschen geradezu. Nicht umsonst ist die tyrannische Mutter eine verbreitete literarische und mythologische Figur. Meist bleibt sie jedoch eine Handlangerin des Patriarchats, auch insofern, als dass sie ihre Töchter oft passförmig macht für ein patriarchales System. Dies ermöglicht ihr einen gewissen Status – als Mutter, die ihre Pflicht erfüllt.

Auch ein sehr einfaches Modell: Alles, was Geschlechterrollen stützt ist eine Form des internalisierten Sexismus bzw nur eine Anpassung an das System, weil das nichts anderes erlaubt. Das Frauen mit ihrer Position durchaus zufrieden sind und aus ihr heraus Macht ausüben, eben weil sie Macht haben, dass kann in einem solchen Weltbild nicht vorkommen.

Ist der Bezug auf das Patriarchat nicht zu simpel, um die komplexen Mutter-Tochter-Beziehungen zu erklären?
Ich spreche hier weniger von real gelebten Mutter-Tochter-Beziehungen als von Darstellungen der Mutter-Tochter-Beziehungen in der westlichen Kulturgeschichte, die unser Verhalten prägen.

Äh… was ist denn das für ein Rückzieher? Eben gerade ging es noch um das konkrete, dann weicht sie aus, dass es nur um die Darstellung geht?

Nehmen wir das Märchen vom Rotkäppchen: Die Rolle der Mutter besteht darin, Rotkäppchen zu sagen, dass es nicht vom Weg abkommen soll. Es darf nicht die Welt selbstbestimmt erkunden, sondern soll auf dem vorgegebenen Weg bleiben und das Essen bringen. Rotkäppchen hält sich nicht an ihre Weisung und wird vom bösen Wolf, dem Patriarchat, gefressen. Die Botschaft ist: Mädchen sollen ihren Müttern gehorchen. Ähnlich ist es in der höfischen Literatur, zum Beispiel in den Nibelungen: Die strenge Mutter führt ihre Tochter in die Rolle der Ehefrau ein und wacht über ihre Ehre.

Die Rolle von Kindern allgemein dürfte darin liegen, Eltern zu gehorchen. Und es dürften sich auch genug Väter finden, die über die Ehre ihrer Tochter wachen, weil Eltern bei einer Schwangerschaft ohne Beziehung eben meist die waren, die dann die Kosten für die Aufzucht tragen mussten und zudem ein Kind eben erst einmal die Chancen auf dem Partnermarkt und damit für die sichere Weitergabe der Gene der Eltern verschlechtert haben. Ebenso dürften Eltern über die Ehre des Sohnes wachen, nur wird diese eben anders definiert, weil die evolutionäre Kostenrechnung anders ist

Womit der Konflikt programmiert ist.
Genau. Der Konflikt ist Programm. Eine anthropologische These besagt, dass der Konflikt, also letztlich die Spaltung zwischen Müttern und Töchtern – wie zwischen Frauen überhaupt – historisch notwendig war, um Männermacht zu ermöglichen. Jahrtausendelang wurde in unterschiedlichen Kulturen der Frauentausch praktiziert, das heisst, Frauen wurden an Männer weggegeben, um Macht- und Besitzverhältnisse zu regeln. Die Söhne blieben auf dem Hof oder beim Clan, während die Töchter ihre Beziehungsgefüge aufgeben mussten. Diese Weitergabe von Macht und Besitz unter Männern durfte nicht durch starke Frauenverbindungen gestört werden.

Die Spaltung zwischen Mutter und Tochter dient nur dem Machterhalt der Männer. Das finde ich eine recht gewagte These. Zumal es für den Mann  ja gar nicht nachteilhaft sein muss, wenn seine Frau und seine Tochter anderweitig Macht haben. Töchter wurden auch ebenso zur Gewinnung von Macht eingesetzt, wenn dies möglich war, etwa durch eine gute Heirat, und den meisten Vätern dürfte es da sehr lieb gewesen sein, wenn ihre Töchter Einfluss über den Ehemann zugunsten ihrer Eltern ausübt und dabei von der Mutter unterstützt wird. Als Beispiel sei die Familie von Anne Boleyn genannt, die ebenfalls Ämter erhielt und an Bedeutung gewann, solange ihre Tochter noch in der Gunst des Königs stand.

Das ist in vielen Regionen noch immer so.
Natürlich. Auch in der westlichen Welt leben patrilineare Traditionen fort, in Ritualen, zum Beispiel: Heiratet die Tochter, wird sie oft vom Vater zum Altar begleitet – dies ist die Inszenierung der Übergabe der Tochter an einen anderen Mann. Die Frau wird zum Einsatz im Machtgefüge der Männer, Die Mutter spielt hier keine Rolle mehr.

Klar, von einem Versorger zum anderen. Damit ist heute aber keine Macht mehr verbunden.

Heute sind jedoch viele Frauen berufstätig und machen Karriere. Inwiefern wird dies die Mutter-Tochter-Beziehung verändern?
Ich weiss es nicht. Gegenüber dem neuen Frauenbild bin ich skeptisch. Eine Berufskarriere als Alternative zu Hausfrau – ist das emanzipatorisch? Frauen müssen alles können, sich zu Tode schuften und dabei erst noch perfekte Mütter und sexy sein. Zukünftige Untersuchungen sollten fragen: Wie geht es den Töchtern der heutigen Supermums?

Auch schön: Mutter hat keinen Status, Statusberufe geben nicht genug Freiraum, alles dazwischen ist wahrscheinlich auch schlecht.

Viele Frauen sagen: «Ich will nicht so werden wie meine Mutter.» Man hört hingegen kaum: «Ich will nicht so werden wie mein Vater.»
Ja. Frauen richten sich oft an Männern aus, weil diese bis heute die gesellschaftlich bedeutenden Positionen besetzen. Sie sind Autoritäten, von denen Frauen anerkannt werden wollen. Auch Männer messen sich vor allem an Männern. In der Soziologie nennt man dies Homosozialität. Die Weitergabe von Macht und Prestige unter Männern setzt sich fort. So fördern zum Beispiel Professoren oder Konzernleiter noch immer vor allem Männer. Homosozialität ist für Frauen schwer zu durchbrechen.

Sie ordnet wirklich alles in einen Geschlechterkrieg ein. Das schlicht bei der Frau ein Rollenwechsel stattgefunden hat, der die Hausfrau nicht mehr attraktiv macht und daher viele Frauen nicht so sein wollen, wie ihre Mütter, fällt da vollkommen weg. Auch geht unter, dass Frauen ja gleichzeitig nicht werden wollen wie ihre Väter: Sie wollen einen Mittelweg, Beruf und Familie, aber sie wollen keineswegs derjenige sein, der in Vollzeit arbeitet und dabei den Partner versorgt. Die Berufswahl vieler Frauen ist eben gerade deswegen auch eher noch auf „familienfreundliche Berufe“, zB in Behörden ausgerichtet.

Was ist der Ausweg?
Zum Beispiel, an den Beziehungen unter Frauen zu arbeiten. Wir können versuchen, gegenseitig unseren Einfluss und Status zu stärken.

Nur das die meisten Frauen vielleicht Frauen in wichtigen Positionen wollen, aber selbst lieber halbtags arbeiten mit Zeit für die Kinder wollen. Die Förderung von Frauen untereinander ist etwas, für das sie dann von diesem Lebensziel abweichen müssten, wenn sie dazu selbst höhere Posten wollten. Es wäre also die übliche Tragik des Allgemeinguts. Keiner möchte die Kosten tragen.

Ist es aber nicht so, dass sich Frauen in Bezug auf den Mann in einem ständigen Konkurrenzkampf befinden?
Das ist ein Problem aller minorisierten Gruppen. Anstatt sich aneinander zu orientieren, sind sie auf diejenigen fixiert, die mehr Macht haben als sie selbst. Dadurch werden die vorherrschenden Massstäbe ständig reproduziert: Das Männliche bleibt der Massstab, und Frauen zerfleischen sich gegenseitig im Kampf um einen Platz «dort oben».

Gut, dass wir Männer nicht minorisiert sind und daher keineswegs um einen Platz „oben“ kämpfen. Keinerlei Konkurrenzdruck, nirgendwo. Schon gar nicht ein Konkurrenzdruck um Frauen in dem diese Maßstäbe setzen, die Männer dann erfüllen wollen.
Wer hätte je gehört, dass Männer nach Status streben um bei Frauen besser anzukommen?

Oft wird gesagt, die schlimmste Feindin einer Frau ist die Frau, Frauen führen Zickenkriege und sind stutenbissig.
Konflikte zwischen Frauen werden weniger ernst genommen. Die wichtigen Dinge spielen sich – so die verbreitete Meinung – zwischen Männern ab. Ich versuche, diesen Mechanismus zu durchbrechen, indem ich mich am Urteil von Frauen orientiere. Wenn ich etwa einen Text schreibe, überlege ich nicht als erstes, wie der Text sein muss, damit er in einer Zeitung erscheint, sondern frage mich: «Was würde meine Freundin dazu sagen?» Ich versuche dadurch, andere Kriterien für mein Denken und Handeln relevant zu machen.

Wenig verwunderlich, da sie ja auch für Frauen schreibt. Die Frage, ob die Theorien stichhaltig sind oder angreifbar sind scheint sie sich auch weniger zu stellen.

Das hört sich an wie ein rein intellektuelles Konstrukt.
Es ist eine politische Entscheidung. Ich bin überzeugt: Wenn Frauen den derzeitigen Massstäben die Autorität entziehen und sich mehr aufeinander beziehen, ändert sich etwas. Es geht dabei nicht um Sisterhood, sondern darum, dass Frauen sich als Subjekte ernst nehmen. Das bedeutet nicht, dass sich alle nett finden müssen.

Im Fokus steht also nicht Frauensolidarität?
Nein. Solidarität ist zur Erreichung konkreter Ziele zwar sinnvoll, aber hier meine ich etwas anderes: dass Frauen sich einen Subjektstatus ermöglichen. Das heisst durchaus auch, dass sie anderer Meinung sein können oder aus verschiedenen Lebensbereichen kommen. Differenz ist produktiv. Frauen wurden zu lange in einen Topf geworfen.

„Frauen müssen alle an einem Strang ziehen und ihre einheitlichen Interessen durchsetzen, die ich für richtig halte, denn sie wurden schon zu lange in einem Topf geworfen“.