Anzeichen dafür, dass der Rat einer Person im Familienrecht möglicherweise wenig fundiert ist

Folgende Anzeichen sprechen aus meiner Sicht dafür, dass man dem Rat einer Person im Familienrecht mit einer gewissen Vorsicht begegnen sollte (nicht vollständig, lediglich als kleines Brainstorming):

  • „…da musst du gleich einen Befangenheitsantrag stellen und dem Richter dann noch androhen, dass du  ihn auf Schadensersatz verklagst, wenn er das so macht
  • „…ich weiß durch meinen Fall mehr über das Familienrecht als jeder Rechtsanwalt/Richter etc
  • „das war schon mein dritter Rechtsanwalt, die haben alle keine Ahnung, da mache ich es besser selbst“
  • „ich hatte einen Rechtsanwalt, aber musste alles selbst schreiben“
  • „der Richter und die gegnerische Rechtsanwaltin stecken unter einer Decke und haben sich gegen mich verschworen“
  • „da muss man nur in das Gesetz gucken, ich kann das selbst auslegen“
  • „jeder muss doch hier aus meinem Vortag ganz klar erkennen, dass die Mutter eine vollkommen gestörte Psychopathin ist, da ist doch ein Gutachten unbeachtlich“
  • „ich will das nicht, wenn der Richter das anders sieht, dann hat er unrecht“
  • „der Richter hat neutral und sachlich zu sein, egal wie unsachlich, aggressiv und fehlerhaft man sich selbst verhält, man kann sich benehmen wie man will“
  • „alle Richter, Verfahrensbeistände und gegnerische Rechtsanwälte sind Familienzerstörer und damit schlimmer als der Teufel“
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Leszek zu „Teilwahrheiten und Fehler des Poststrukturalismus“

Leszek schreibt in einem Kommentar:

Ich mache mir gerade ein paar Gedanken zum Thema „Teilwahrheiten und Fehler des Poststrukturalismus“.

Das Resultat eines ersten kleinen Brainstormings (nach längerer Recherche zum Thema) kann unten gelesen werden. Über Ergänzungen würde ich mich freuen.

An dieser Stelle sei nochmal darauf hingewiesen, dass man – wenn man eine wissenschaftlich fundierte kritische Analyse des Poststrukturalismus anstrebt – m.E. zwischen dem ursprünglichen französischen Poststrukturalismus (der noch nicht politisch korrekt war) und dem späteren US-amerikanischen Poststrukturalismus/Postmodernismus, der die postmoderne Political Correctness hervorgebracht hat, unterscheiden muss.

Den in den USA entstandenen politisch korrekten Poststrukturalismus/Postmodernismus halte ich für eine autoritäre Ideologie, die man ruhig neben Faschismus, Stalinismus und Neoliberalismus stellen kann.

Hingegen sehe ich beim ursprünglichen französischen Poststrukturalismus, der noch antiautoritär motiviert und nicht politisch korrekt war, durchaus auch originelle Erkenntnisse und zu bewahrende Teilwahrheiten.
Diese Teilwahrheiten werden aber falsch, wenn sie maßlos aufgebläht und überdehnt werden.

Zum Teil finden sich kritikwürdige Übertreibungen bereits in unterschiedlichen Ausprägungen bei den französischen Poststrukturalisten, zum Teil haben sie dies aber in späteren Phasen ihres Werkes selbst erkannt und diese Übertreibungen mehr oder weniger stark abgeschwächt und relativiert. Insofern lässt sich diesbezüglich von einem unreiferen und reiferen Poststrukturalismus sprechen.

Im Zuge jener einseitigen, selektiven und dogmatischen US-amerikanischen Rezeption des französischen Poststrukturalismus, aus der die postmoderne Political Correctness hervorging, wurden mehrere solche Fehler und Übertreibungen, wo vorhanden, hingegen fröhlich übernommen und anstatt sie abzuschwächen wurden sie z.T. weiter aufgebläht. Dies hat m.E. leider einen nicht unwesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass aus dem ursprünglich antiautoritär motivierten französischen Poststrukturalismus in den USA eine autoritäre Ideologie gebastelt wurde, die heute – gefördert von neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten und ihren gekauften politischen Handlangern in verschiedenen politischen Parteien – dazu instrumentalisiert wird eine Teile-und Herrsche-Politik zu betreiben, die politische Linke mit Blödsinn zu zersetzen und als ernsthaften Gegenspieler der herrschenden Eliten lahmzulegen und einen autoritären Staatsumbau voranzutreiben:

Gastartikel: Nutzt die postmoderne Political Correctness den neoliberalen ökonomischen Herrschaftseliten?

Insofern dient eine Analyse der Teilwahrheiten und Fehler des Poststrukturalismus u.a. zwei unterschiedlichen Zwecken:

– Die Teilwahrheiten des ursprünglichen französischen Poststrukturalismus bewahren.

und

– Den in den USA entstandenen politisch korrekten Poststrukturalismus/Postmodernismus – also die postmoderne Political Correctness – fundiert kritisch zu analysieren, um sie umso wirksamer zurückschlagen zu können.

Trennen wir also beim Poststrukturalismus die Spreu vom Weizen.
Im Folgenden geht es um allgemeine, verbreitete theoretische Grundlagen poststrukturalistischen Denkens, nicht um einzelne poststrukturalistische Denker im Besonderen. Außerdem wurde aus Gründen der Einfachheit die Form einer idealtypischen Gegenüberstellung gewählt, in der Realität finden sich natürlich auch viele graduelle Ausprägungen irgendwo dazwischen.

Hier meine ersten kurzen stichwortartigen Reflektionen zum Thema. Ergänzungen sind willkommen.

Teilwahrheiten und Fehler des Poststrukturalismus/Postmodernismus

Teilwahrheit:

– Erkenntnis der Relevanz von Interpretation für das Verstehen der Wirklichkeit. Die Welt kann nicht durch empirische Forschung allein erschlossen und verstanden werden, manche Dinge können nur durch Interpretation verstanden werden. Selbst bei empirisch zu erforschenden Dingen kann es u.U. sozial konstruierte Anteile geben, die man mitreflektieren muss.

Übertreibung:

– Die Annahme, es gebe keine soziale Wirklichkeit außerhalb von Interpretationen und diskursiv-kulturellen sozialen Konstruktionen. Die ganze Welt (oder zumindest die ganze soziale Welt) sei quasi wie ein Text. Daraus folgt eine irrationale Geringschätzung empirisch-wissenschaftlicher Forschung.

Teilwahrheit:

– Erkenntnis, dass Bedeutungen kontextabhängig sind und nicht endgültig festgelegt werden können.

Übertreibung:

– Verweigerung klarer Definitionen, Leugnung der Sinnhaftigkeit von zeitweiligen und kontextuellen Festlegungen von Bedeutungen.

Teilwahrheit:

– Erkenntnis des Wertes der Vielfalt von Perspektiven.

Übertreibung:

– Verzicht auf qualitative Unterscheidungen zwischen Perspektiven: alles soll gleichermaßen gültig sein. Das führt zu Wahrheitsrelativismus, Moralrelativismus, Kulturrelativismus und ähnlichem Irrsinn.

Teilwahrheit:

– Erkenntnis, dass allgemeine Prinzipen und auf Synthese ausgerichtetes Denken stets ein Risiko beinhalten, das Einzelne, Besondere, Partikulare nicht angemessen zu berücksichtigen und dies ungerechte Ausschlüsse und Diskriminierung begünstigen kann.

Übertreibung:

– Verzicht auf allgemeine Prinzipien und auf Synthese ausgerichtetes Denken, das Resultat kann dann leider nur gedankliche Zersplitterung, das Fehlen von begründeten Maßstäben für Gerechtigkeit und die Produktion anderer ungerechter Ausschlüsse sein.

Teilwahrheit:

– Erkenntnis der Relevanz sprachlicher und kulturell-diskursiver Hintergrundkontexte für das Erleben und Verhalten des Menschen und für geisteswissenschaftliche Analysen zu bestimmten Fragen.

Übertreibung:

– Die bedeutungsgenerierende Kraft kultureller Diskurse wird zum absolut zentralen Einflussfaktor auf das Erleben und Verhalten von Menschen überhöht, alle anderen soziologischen, psychologischen und biologischen Einflüsse werden massiv unterschätzt – es kommt zu einer Variante von Theorien des „Fanatismus eines Faktors“.

Teilwahrheit:

– Wichtige Beiträge zu soziologischen Konflikttheorien: Klare Erkenntnis des konflikthaften, antagonistischen Aspekts des Sozialen, der niemals ganz zu befrieden ist, niemals völlig in einen Konsens aufgelöst werden kann. Macht-Konflikte durchziehen bis zu einem gewissen Grad alle gesellschaftlichen Bereiche und die Konflikte währen ewig, eine weitgehend konfliktfreie, harmonische Gesellschaft ist nicht zu erreichen.

Übertreibung:

– Das menschliche Streben nach Konsens und Kooperation wird in ihrer Bedeutung für das Zusammenleben von Menschen im Poststrukturalismus z.T. zu gering gewichtet, die Machtperspektive wird z.T. stark übertrieben.
U.a. gerade weil die menschliche Sozialität einen konflikthaften und antagonistischen Aspekt enthält, der niemals völlig aufgelöst werden kann, ist außerdem die Sublimierung, Einhegung und konstruktive Kanalisierung dieser konflikthaften Tendenzen wichtig. Auch wenn jeder gesellschaftliche Konsens immer nur teilweise und vorläufig ist, sichert das Streben nach Kompromiss und Konsens doch ein funktionierendes Zusammenleben.

Teilwahrheit:

– Entwicklung von geisteswissenschaftlichen Methoden, die sich für bestimmte Fragestellungen und Erkenntnisinteressen bewährt haben (Diskursanalyse, Dekonstruktion, genealogische Analyse).

Übertreibung:

– Anwendung von poststrukturalistischen Methoden außerhalb ihres Geltungsbereichs. Werden Diskursanalyse, Dekonstruktion und genealogische Analyse auf empirisch-wissenschaftlich zu behandelnde Fragen angewendet, dann produzieren sie schnell Unsinn.
Eine Diskursanalyse kann z.B. gut dafür geeignet sein, um die Konstruktion von Bedeutungen in Texten zu analysieren, aber sie kann uns z.B. nichts wissenschaftlich Gesichertes darüber sagen, ob und inwieweit durchschnittliche psychologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern von sozialen Einflüssen oder genetischen Dispositionen verursacht werden, denn das ist eine Frage, die in den Geltungsbereich empirisch-wissenschaftlicher Methoden fällt.

Soweit erstmal.

Wie man sieht, sind die (in meinen Augen) Übertreibungen und Fehler des Poststrukturalismus relativ trivial und es ist keineswegs besonders schwer sie zu analysieren und von den Teilwahrheiten abzugrenzen.
Die Trivialität der ersten Ergebnisse meiner Analyse ist aber pragmatisch betrachtet durchaus ein Vorteil. Umso leichter kann es nämlich in gut begründeten Argumentationen vermittelt werden.

Anmerkungen:

Etwas anders geordnet ergibt das:

Teilwahrheiten:

  •  Erkenntnis der Relevanz von Interpretation für das Verstehen der Wirklichkeit. Die Welt kann nicht durch empirische Forschung allein erschlossen und verstanden werden, manche Dinge können nur durch Interpretation verstanden werden. Selbst bei empirisch zu erforschenden Dingen kann es u.U. sozial konstruierte Anteile geben, die man mitreflektieren muss.
  • Erkenntnis, dass Bedeutungen kontextabhängig sind und nicht endgültig festgelegt werden können.
  • Erkenntnis des Wertes der Vielfalt von Perspektiven.
  • Erkenntnis, dass allgemeine Prinzipen und auf Synthese ausgerichtetes Denken stets ein Risiko beinhalten, das Einzelne, Besondere, Partikulare nicht angemessen zu berücksichtigen und dies ungerechte Ausschlüsse und Diskriminierung begünstigen kann.
  • Erkenntnis der Relevanz sprachlicher und kulturell-diskursiver Hintergrundkontexte für das Erleben und Verhalten des Menschen und für geisteswissenschaftliche Analysen zu bestimmten Fragen.
  • Wichtige Beiträge zu soziologischen Konflikttheorien: Klare Erkenntnis des konflikthaften, antagonistischen Aspekts des Sozialen, der niemals ganz zu befrieden ist, niemals völlig in einen Konsens aufgelöst werden kann. Macht-Konflikte durchziehen bis zu einem gewissen Grad alle gesellschaftlichen Bereiche und die Konflikte währen ewig, eine weitgehend konfliktfreie, harmonische Gesellschaft ist nicht zu erreichen.
  • Entwicklung von geisteswissenschaftlichen Methoden, die sich für bestimmte Fragestellungen und Erkenntnisinteressen bewährt haben (Diskursanalyse, Dekonstruktion, genealogische Analyse).

Übertreibungen:

  •  Die Annahme, es gebe keine soziale Wirklichkeit außerhalb von Interpretationen und diskursiv-kulturellen sozialen Konstruktionen. Die ganze Welt (oder zumindest die ganze soziale Welt) sei quasi wie ein Text. Daraus folgt eine irrationale Geringschätzung empirisch-wissenschaftlicher Forschung.
  • Verweigerung klarer Definitionen, Leugnung der Sinnhaftigkeit von zeitweiligen und kontextuellen Festlegungen von Bedeutungen.
  • Verzicht auf qualitative Unterscheidungen zwischen Perspektiven: alles soll gleichermaßen gültig sein. Das führt zu Wahrheitsrelativismus, Moralrelativismus, Kulturrelativismus und ähnlichem Irrsinn.
  • Verzicht auf allgemeine Prinzipien und auf Synthese ausgerichtetes Denken, das Resultat kann dann leider nur gedankliche Zersplitterung, das Fehlen von begründeten Maßstäben für Gerechtigkeit und die Produktion anderer ungerechter Ausschlüsse sein.
  • Die bedeutungsgenerierende Kraft kultureller Diskurse wird zum absolut zentralen Einflussfaktor auf das Erleben und Verhalten von Menschen überhöht, alle anderen soziologischen, psychologischen und biologischen Einflüsse werden massiv unterschätzt – es kommt zu einer Variante von Theorien des „Fanatismus eines Faktors“.
  • Das menschliche Streben nach Konsens und Kooperation wird in ihrer Bedeutung für das Zusammenleben von Menschen im Poststrukturalismus z.T. zu gering gewichtet, die Machtperspektive wird z.T. stark übertrieben.
    U.a. gerade weil die menschliche Sozialität einen konflikthaften und antagonistischen Aspekt enthält, der niemals völlig aufgelöst werden kann, ist außerdem die Sublimierung, Einhegung und konstruktive Kanalisierung dieser konflikthaften Tendenzen wichtig. Auch wenn jeder gesellschaftliche Konsens immer nur teilweise und vorläufig ist, sichert das Streben nach Kompromiss und Konsens doch ein funktionierendes Zusammenleben.
  • Anwendung von poststrukturalistischen Methoden außerhalb ihres Geltungsbereichs. Werden Diskursanalyse, Dekonstruktion und genealogische Analyse auf empirisch-wissenschaftlich zu behandelnde Fragen angewendet, dann produzieren sie schnell Unsinn.
    Eine Diskursanalyse kann z.B. gut dafür geeignet sein, um die Konstruktion von Bedeutungen in Texten zu analysieren, aber sie kann uns z.B. nichts wissenschaftlich Gesichertes darüber sagen, ob und inwieweit durchschnittliche psychologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern von sozialen Einflüssen oder genetischen Dispositionen verursacht werden, denn das ist eine Frage, die in den Geltungsbereich empirisch-wissenschaftlicher Methoden fällt.

Die Aufteilung in „Teilwahrheiten“ kann aus meiner Sicht dabei helfen, dass man den Aufbau der Theorie und wo sie herkommt besser versteht. Aber es macht die Theorie nicht „teilweise richtig“, sofern man sie nicht auf diese „Teilwahrheiten“ reduzieren kann. Sie bleibt dann insgesamt falsch.

Insofern mag es versöhnlich klingen, wenn man „Teilwahrheiten“ sucht, tatsächlich muss man aber letztendlich den Poststrukturalismus als Theorie schlicht verwerfen und allenfalls schauen, ob die Aspekte, die man als zutreffend ansieht, auch in besseren Theorien berücksichtigt werden.

Wenn man mit „Teilwahrheiten“ und „Übertreibungen“ als Untersuchungskriterien arbeitet, dann sollte man insofern vielleicht noch „Reduzierbarkeit“ hinzunehmen um zu überprüfen, was von der ganzen Theorie übrig bleibt. ich vermute, dass da letztendlich nicht viel übrig bleibt.