Genatlas: 6500 Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Eine neue Studie macht noch einmal deutlich, dass es eine Vielzahl von Unterschieden zwischen Männern und Frauen gibt:

Background
The prevalence of several human morbid phenotypes is sometimes much higher than intuitively expected. This can directly arise from the presence of two sexes, male and female, in one species. Men and women have almost identical genomes but are distinctly dimorphic, with dissimilar disease susceptibilities. Sexually dimorphic traits mainly result from differential expression of genes present in both sexes. Such genes can be subject to different, and even opposing, selection constraints in the two sexes. This can impact human evolution by differential selection on mutations with dissimilar effects on the two sexes.

Results

We comprehensively mapped human sex-differential genetic architecture across 53 tissues. Analyzing available RNA-sequencing data from 544 adults revealed thousands of genes differentially expressed in the reproductive tracts and tissues common to both sexes. Sex-differential genes are related to various biological systems, and suggest new insights into the pathophysiology of diverse human diseases. We also identified a significant association between sex-specific gene transcription and reduced selection efficiency and accumulation of deleterious mutations, which might affect the prevalence of different traits and diseases. Interestingly, many of the sex-specific genes that also undergo reduced selection efficiency are essential for successful reproduction in men or women. This seeming paradox might partially explain the high incidence of human infertility.

Conclusions

This work provides a comprehensive overview of the sex-differential transcriptome and its importance to human evolution and human physiology in health and in disease.

Quelle: The landscape of sex-differential transcriptome and its consequent selection in human adults

In der Studie ist auch eine Grafik zur Übersicht:

Genunterschiede Mann Frau

Genunterschiede Mann Frau

Die Unterschiede zeigen sich also so ziemlich überall, auch im Gehirn.

Aus einer Besprechung der Studie:

So sind Gene, die in der Haut aktiv werden und die Körperbehaarung fördern, beim Mann viel stärker aktiv, dagegen sind Fettspeicheranlagen bei Frauen gefragter. Je weniger ein Gen in dem einen oder anderen aktiviert wird, desto geringer ist der Selektionsdruck. Das bedeutet, dass sich schädliche Mutationen in diesen Genen anhäufen, wie die Forscher in „BMC Biology“  berichten.

Eine Mutation, die nur für eine Hälfte der Population schädlich ist, kann sich in der Bevölkerung ausbreiten. So ist zu erklären, warum ausgerechnet Mutationen sich anhäufen, die für Unfruchtbarkeit sorgen. Rund 15 Prozent der Paare bekommen wegen Gendefekten keine Kinder. Mutationen in Genen, die die Bildung von Spermien beeinträchtigen, können quasi im Erbgut der Frauen an die nächste Generation übertragen werden. So kommt es, dass Mutationen, die eigentlich das Überleben der Art beeinträchtigen, erhalten bleiben.

Das Gene nur für ein Geschlecht für die Weitergabe der Gene günstig sein können und diese Vorteile diese Gene im Genpool halten, war hier schon häufiger Thema, insbesondere in Bezug auf Homosexualität.

Zu der unterschiedlichen Ausführung von Genen beispielsweise über Hormone wie Testosteron oder andere Mechanismen hatte ich hier bereits etwas geschrieben.

Tatsächlich sind biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu erwarten.  Tiere mit Größen und Kraftunterschieden zwischen den Geschlechtern wie beim Menschen und so unterschiedlichen Mindestkosten der Fortpflanzung unterliegen einer sehr unterschiedlichen Selektion, für sie sind unterschiedliche Strategien günstig, auf die selektiert wird.