Mütter, Töchter und wie Männer die Frauen kleinhalten (Franziska Schutzbach)

Via Man-Tau bin ich auf diesen Artikel aufmerksam geworden:

annabelle: Franziska Schutzbach, die Mutter-Tochter-Beziehung wird meist als Problemzone betrachtet. Warum?
Franziska Schutzbach: Dafür gibt es verschiedenste Erklärungen. Eine lautet, dass Töchter den traditionell niederen Status der Mutter ablehnen. Mutterschaft geniesst in unserer an Männern ausgerichteten Gesellschaft nach wie vor wenig Prestige. Sie wird ins Private verdrängt, ist unsichtbar, wird aber gleichzeitig als aufopferungsvoll und selbstlos idealisiert. Das ist ein schwieriges Rollenmodell. Töchter orientieren sich deshalb eher am Vater. Der verspricht Welt, Abenteuer und Einfluss.

Genauso verspricht ein Vater „wenig bei der Familie sein“, was Kinder wohl in den jungen Jahren am meisten wahrnehmen. Und der Status der Mutter innerhalb der Familie ist ja üblicherweise auch sehr hoch. Natürlich werden die meisten Frauen heute nicht Hausfrau werden wollen, sondern entsprechend eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren wollen, aber die Begründung oben kommt mir schon sehr Holzschnittartig vor.

Ich würde auch schon nicht sagen, dass die Mutter-Tochter-Beziehung meist als Problemzone betrachtet wird. Es gibt eben Mutterkinder und Vaterkinder.

Das es den Fall gibt, wo die Tochter meint, dass sie eine absolute Karrierefrau wird und die Kinder leicht nebenher macht und von der Mutter genervt ist, die ihr sagt, dass das nicht so einfach ist, dass gibt es sicherlich häufiger.

Mütter sind innerhalb der Familie aber oft sehr dominant, im positiven wie im negativen Sinn. Kompensieren sie dadurch das fehlende Prestige?
Ja, das kann man so sehen. Manche Mütter herrschen geradezu. Nicht umsonst ist die tyrannische Mutter eine verbreitete literarische und mythologische Figur. Meist bleibt sie jedoch eine Handlangerin des Patriarchats, auch insofern, als dass sie ihre Töchter oft passförmig macht für ein patriarchales System. Dies ermöglicht ihr einen gewissen Status – als Mutter, die ihre Pflicht erfüllt.

Auch ein sehr einfaches Modell: Alles, was Geschlechterrollen stützt ist eine Form des internalisierten Sexismus bzw nur eine Anpassung an das System, weil das nichts anderes erlaubt. Das Frauen mit ihrer Position durchaus zufrieden sind und aus ihr heraus Macht ausüben, eben weil sie Macht haben, dass kann in einem solchen Weltbild nicht vorkommen.

Ist der Bezug auf das Patriarchat nicht zu simpel, um die komplexen Mutter-Tochter-Beziehungen zu erklären?
Ich spreche hier weniger von real gelebten Mutter-Tochter-Beziehungen als von Darstellungen der Mutter-Tochter-Beziehungen in der westlichen Kulturgeschichte, die unser Verhalten prägen.

Äh… was ist denn das für ein Rückzieher? Eben gerade ging es noch um das konkrete, dann weicht sie aus, dass es nur um die Darstellung geht?

Nehmen wir das Märchen vom Rotkäppchen: Die Rolle der Mutter besteht darin, Rotkäppchen zu sagen, dass es nicht vom Weg abkommen soll. Es darf nicht die Welt selbstbestimmt erkunden, sondern soll auf dem vorgegebenen Weg bleiben und das Essen bringen. Rotkäppchen hält sich nicht an ihre Weisung und wird vom bösen Wolf, dem Patriarchat, gefressen. Die Botschaft ist: Mädchen sollen ihren Müttern gehorchen. Ähnlich ist es in der höfischen Literatur, zum Beispiel in den Nibelungen: Die strenge Mutter führt ihre Tochter in die Rolle der Ehefrau ein und wacht über ihre Ehre.

Die Rolle von Kindern allgemein dürfte darin liegen, Eltern zu gehorchen. Und es dürften sich auch genug Väter finden, die über die Ehre ihrer Tochter wachen, weil Eltern bei einer Schwangerschaft ohne Beziehung eben meist die waren, die dann die Kosten für die Aufzucht tragen mussten und zudem ein Kind eben erst einmal die Chancen auf dem Partnermarkt und damit für die sichere Weitergabe der Gene der Eltern verschlechtert haben. Ebenso dürften Eltern über die Ehre des Sohnes wachen, nur wird diese eben anders definiert, weil die evolutionäre Kostenrechnung anders ist

Womit der Konflikt programmiert ist.
Genau. Der Konflikt ist Programm. Eine anthropologische These besagt, dass der Konflikt, also letztlich die Spaltung zwischen Müttern und Töchtern – wie zwischen Frauen überhaupt – historisch notwendig war, um Männermacht zu ermöglichen. Jahrtausendelang wurde in unterschiedlichen Kulturen der Frauentausch praktiziert, das heisst, Frauen wurden an Männer weggegeben, um Macht- und Besitzverhältnisse zu regeln. Die Söhne blieben auf dem Hof oder beim Clan, während die Töchter ihre Beziehungsgefüge aufgeben mussten. Diese Weitergabe von Macht und Besitz unter Männern durfte nicht durch starke Frauenverbindungen gestört werden.

Die Spaltung zwischen Mutter und Tochter dient nur dem Machterhalt der Männer. Das finde ich eine recht gewagte These. Zumal es für den Mann  ja gar nicht nachteilhaft sein muss, wenn seine Frau und seine Tochter anderweitig Macht haben. Töchter wurden auch ebenso zur Gewinnung von Macht eingesetzt, wenn dies möglich war, etwa durch eine gute Heirat, und den meisten Vätern dürfte es da sehr lieb gewesen sein, wenn ihre Töchter Einfluss über den Ehemann zugunsten ihrer Eltern ausübt und dabei von der Mutter unterstützt wird. Als Beispiel sei die Familie von Anne Boleyn genannt, die ebenfalls Ämter erhielt und an Bedeutung gewann, solange ihre Tochter noch in der Gunst des Königs stand.

Das ist in vielen Regionen noch immer so.
Natürlich. Auch in der westlichen Welt leben patrilineare Traditionen fort, in Ritualen, zum Beispiel: Heiratet die Tochter, wird sie oft vom Vater zum Altar begleitet – dies ist die Inszenierung der Übergabe der Tochter an einen anderen Mann. Die Frau wird zum Einsatz im Machtgefüge der Männer, Die Mutter spielt hier keine Rolle mehr.

Klar, von einem Versorger zum anderen. Damit ist heute aber keine Macht mehr verbunden.

Heute sind jedoch viele Frauen berufstätig und machen Karriere. Inwiefern wird dies die Mutter-Tochter-Beziehung verändern?
Ich weiss es nicht. Gegenüber dem neuen Frauenbild bin ich skeptisch. Eine Berufskarriere als Alternative zu Hausfrau – ist das emanzipatorisch? Frauen müssen alles können, sich zu Tode schuften und dabei erst noch perfekte Mütter und sexy sein. Zukünftige Untersuchungen sollten fragen: Wie geht es den Töchtern der heutigen Supermums?

Auch schön: Mutter hat keinen Status, Statusberufe geben nicht genug Freiraum, alles dazwischen ist wahrscheinlich auch schlecht.

Viele Frauen sagen: «Ich will nicht so werden wie meine Mutter.» Man hört hingegen kaum: «Ich will nicht so werden wie mein Vater.»
Ja. Frauen richten sich oft an Männern aus, weil diese bis heute die gesellschaftlich bedeutenden Positionen besetzen. Sie sind Autoritäten, von denen Frauen anerkannt werden wollen. Auch Männer messen sich vor allem an Männern. In der Soziologie nennt man dies Homosozialität. Die Weitergabe von Macht und Prestige unter Männern setzt sich fort. So fördern zum Beispiel Professoren oder Konzernleiter noch immer vor allem Männer. Homosozialität ist für Frauen schwer zu durchbrechen.

Sie ordnet wirklich alles in einen Geschlechterkrieg ein. Das schlicht bei der Frau ein Rollenwechsel stattgefunden hat, der die Hausfrau nicht mehr attraktiv macht und daher viele Frauen nicht so sein wollen, wie ihre Mütter, fällt da vollkommen weg. Auch geht unter, dass Frauen ja gleichzeitig nicht werden wollen wie ihre Väter: Sie wollen einen Mittelweg, Beruf und Familie, aber sie wollen keineswegs derjenige sein, der in Vollzeit arbeitet und dabei den Partner versorgt. Die Berufswahl vieler Frauen ist eben gerade deswegen auch eher noch auf „familienfreundliche Berufe“, zB in Behörden ausgerichtet.

Was ist der Ausweg?
Zum Beispiel, an den Beziehungen unter Frauen zu arbeiten. Wir können versuchen, gegenseitig unseren Einfluss und Status zu stärken.

Nur das die meisten Frauen vielleicht Frauen in wichtigen Positionen wollen, aber selbst lieber halbtags arbeiten mit Zeit für die Kinder wollen. Die Förderung von Frauen untereinander ist etwas, für das sie dann von diesem Lebensziel abweichen müssten, wenn sie dazu selbst höhere Posten wollten. Es wäre also die übliche Tragik des Allgemeinguts. Keiner möchte die Kosten tragen.

Ist es aber nicht so, dass sich Frauen in Bezug auf den Mann in einem ständigen Konkurrenzkampf befinden?
Das ist ein Problem aller minorisierten Gruppen. Anstatt sich aneinander zu orientieren, sind sie auf diejenigen fixiert, die mehr Macht haben als sie selbst. Dadurch werden die vorherrschenden Massstäbe ständig reproduziert: Das Männliche bleibt der Massstab, und Frauen zerfleischen sich gegenseitig im Kampf um einen Platz «dort oben».

Gut, dass wir Männer nicht minorisiert sind und daher keineswegs um einen Platz „oben“ kämpfen. Keinerlei Konkurrenzdruck, nirgendwo. Schon gar nicht ein Konkurrenzdruck um Frauen in dem diese Maßstäbe setzen, die Männer dann erfüllen wollen.
Wer hätte je gehört, dass Männer nach Status streben um bei Frauen besser anzukommen?

Oft wird gesagt, die schlimmste Feindin einer Frau ist die Frau, Frauen führen Zickenkriege und sind stutenbissig.
Konflikte zwischen Frauen werden weniger ernst genommen. Die wichtigen Dinge spielen sich – so die verbreitete Meinung – zwischen Männern ab. Ich versuche, diesen Mechanismus zu durchbrechen, indem ich mich am Urteil von Frauen orientiere. Wenn ich etwa einen Text schreibe, überlege ich nicht als erstes, wie der Text sein muss, damit er in einer Zeitung erscheint, sondern frage mich: «Was würde meine Freundin dazu sagen?» Ich versuche dadurch, andere Kriterien für mein Denken und Handeln relevant zu machen.

Wenig verwunderlich, da sie ja auch für Frauen schreibt. Die Frage, ob die Theorien stichhaltig sind oder angreifbar sind scheint sie sich auch weniger zu stellen.

Das hört sich an wie ein rein intellektuelles Konstrukt.
Es ist eine politische Entscheidung. Ich bin überzeugt: Wenn Frauen den derzeitigen Massstäben die Autorität entziehen und sich mehr aufeinander beziehen, ändert sich etwas. Es geht dabei nicht um Sisterhood, sondern darum, dass Frauen sich als Subjekte ernst nehmen. Das bedeutet nicht, dass sich alle nett finden müssen.

Im Fokus steht also nicht Frauensolidarität?
Nein. Solidarität ist zur Erreichung konkreter Ziele zwar sinnvoll, aber hier meine ich etwas anderes: dass Frauen sich einen Subjektstatus ermöglichen. Das heisst durchaus auch, dass sie anderer Meinung sein können oder aus verschiedenen Lebensbereichen kommen. Differenz ist produktiv. Frauen wurden zu lange in einen Topf geworfen.

„Frauen müssen alle an einem Strang ziehen und ihre einheitlichen Interessen durchsetzen, die ich für richtig halte, denn sie wurden schon zu lange in einem Topf geworfen“.

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57 Gedanken zu “Mütter, Töchter und wie Männer die Frauen kleinhalten (Franziska Schutzbach)

  1. „Rotkäppchen hält sich nicht an ihre Weisung und wird vom bösen Wolf, dem Patriarchat, gefressen.“

    Ach du sch…
    Verstehen Feministinnen denn absolut gar nichts?

    Der Wolf steht für das Chaos, das Unbeherrschte, das was außerhalb des kultivierten Bereichs (außerhalb des Safe Space) lebensbedrohlich ist. Eben zum Beispiel für einen Wolf. Wer den Safe Space der Zivilisation verlässt, muss mit Wölfen rechnen.

    Rat mal, wer im Rotkäppchen das Patriarchat verkörpert.
    Der Jäger.

      • „Warum wohl erbringen Frauen so wenig kulturelle oder Wissenschaft Leistungen“

        Weil das Sigma der weiblichen Glockenkurven kleiner ist.

        Andere Frage: Wie kommt es, dass ein Mensch mit monokausalem Denken auf Kindergartenniveau unwidersprochen seine unausgegorene Weltsicht in die Mainstreammedien blasen kann?

        Vermutung: Weil die Mainstreammädchen auch zu keiner komplexeren Analyse der Welt fähig sind und sich an der versprochenen Erlösung jeder Schuld und Verantwortung ergötzen.

        „Nein, Mama, der Bruder ist schuld, er hat angefangen!!“ – „Braves Mädchen“

        …und jetzt komm ich auch wieder runter…

        • „Wie kommt es, dass ein Mensch mit monokausalem Denken auf Kindergartenniveau unwidersprochen seine unausgegorene Weltsicht in die Mainstreammedien blasen kann?“

          Weil Frauen alles dürfen. Und weil die Verweiblichung der Gesellschaft uns Stück für Stück verblödet.

    • Das ist eigentlich das Willkürliche an der ganzen Argumentation.
      Geschichten, die betonen, dass Töchter auf ihre Mutter hören sollen, unterstützen das Patriarchat (Rotkäppchen).
      Geschichten hingegen, die betonen, dass Töchter auf ihren Vater hören sollen, unterstützen im Gegensatz dazu das Patriachat (Elektra).
      Geschichten, die betonen, dass Kinder auf gar kein Elternteil hören sollen, führen dazu, dass Kinder von 20 m hohen Klippen springen, weil ihre Eltern das verbieten.

    • @only_me

      Ich dachte mir auch, die hat das Märchen nicht verstanden – am Schluss ist der Wolf (=Patriarchat???) tot.
      Wie grenzdebil muss man eigentlich sein, um solche Thesen zu verbreiten? Ist ja zum fremdschämen.

      Aber in dem Kontext, der „Wolf steht für das Chaos, das Unbeherrschte, das was außerhalb des kultivierten Bereichs (außerhalb des Safe Space) lebensbedrohlich ist.“ finde ich den Fortgang der Geschichte spannend:

      „Wie der Wolf den fetten Bissen im Leibe hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an überlaut zu schnarchen. Der Jäger ging eben vorbei und dachte bei sich: „Wie kann die alte Frau so schnarchen, du musst einmal nachsehen, ob ihr etwas fehlt.

      Da trat er in die Stube und wie er vors Bett kam, so lag der Wolf darin, den er lange gesucht hatte. Nun wollte er seine Büchse anlegen, da fiel ihm ein, dass er vielleicht die Großmutter gefressen hatte und er könne sie noch erretten.

      Darum schoss nicht, sondern nahm eine Schere und schnitt dem schlafenden Wolf den Bauch auf. Wie er ein paar Schnitte getan, da sah er das rote Käppchen leuchten und wie er noch ein wenig geschnitten, da sprang das Mädchen heraus und rief: „Ach, wie war ich erschrocken, was war es so dunkel in dem Wolf seinem Leib!“ Dann kam die Großmutter auch lebendig heraus.“

      Demnach der Jäger / das Patriarchat als Retter der Großmutter und des Rotkäppchen.
      Interessant ist hier m.E., dass der Vorgang die Frauen der „Wildnis“
      zu entreißen, die sie verschlungen hat, einem Kaiserschnitt gleicht, mit dem Kinder zur Welt gebracht werden.

      Also im wahrsten Sinne des Wortes eine patriarchal hergestellte „Wiedergeburt“. Amen.

      Gruß crumar

      • @crumar,

        aus Crevelds „Privileged Sex“:

        By that time, change was in the air. In 1554, Zurich ordered that midwives should be instructed by doctors, who were male. Other cities eventually followed,[877] with irrefutable results. Between 1600 and 1795, even as “English midwives were degraded into mere assistants” as one author put it,[878] perinatalmortality in London dropped by one-half, from 24 to 12 per 1,000 live births. In Berlin it declined from 11 per 1,000 births in the 1720s to 7 in the 1780s. In Edinburgh it fell from 14 in the 1750s to 6 in the 1790s, and in Königsberg from 13 in 1769-1783 to 8 in 1794-1803. Economic circumstances permitting, the more difficult any anticipated birth, the more likely it was to be attended by a male doctor rather than a female midwife. Conversely, by insisting on what one modern female historian calls “a feminist kind of delivery”that is, without the presence of an expert male doctor Mary Wollstonecraft may have brought about her own death.[879] The masculinization of childbirth started in the cities. It took a long time to reach the countryside, where women kept on as they had before. Consequently, death rates among rural mothers only started declining later and more slowly.

    • Schutzbachs Interview ist ein schönes Beispiel dafür, wie unendlich Themen verarmen können, wenn sie stur durch den Fleischwolf der Geschlechterpolitik gedreht werden. Das gilt allerdings auch für manche Reaktionen von Männern: Da habe ich auch manchmal den Eindruck, dass jeder nur denkbare Trigger immer dieselben allgemeinen Ausformulierungen einer enormen Bitterkeit gegenüber Frauen auslöst.

      Natürlich ist es albern, den Wolf stur als Sinnbild des Patriarchats zu lesen. Die Logik ist aber klar: Der Wolf ist böse. – Das Patriarchat ist böse. – Also muss der Wolf das Patriarchat sein.,.

      Schutzbachs Behauptung ist auch falsch, dass Rotkäppchen einfach nur lernen würde, wie schlimm es sei, nicht auf die Mutter zu hören. Zugleich ist es eben auch das genaue Gegenteil: Würde Rotkäppchen auf die Mutter hören, würde nie etwas Spannendes passieren, und es gäbe keine Geschichte. Das ist durchaus eine heimliche Botschaft vieler Märchen: Wer immer nur tut, was die Eltern sagen, entwickelt sich nicht weiter (Hänsel und Gretel, z.B. würden sogar sterben…)

      Auch die Großmutter lässt sich nicht in Schutzbachs sauber geordnete Weltsicht einbauen. Immerhin wird sie ja nicht einfach vom Wolf gefressen – die Person, die Rotkäppchen für die Großmutter hält, entpuppt sich gar als Wolf. Das ist eine gar nicht so seltene Konstellation in Märchen: Die Erwachsenen, auf die Kinder mit ihrer ganzen Existenz eigentlich angewiesen sind, agieren plötzlich destruktiv, grausam, erscheinen vielleicht auch wie verwandelt.

      Auffällig ist ja insbesondere die erstaunliche Häufung böser Stiefmütter im Märchen. Die hatte natürlich reale Hintergründe (den Tod der leiblichen Mutter im Kindbettfieber), schützt aber auch das Bild der Mutter, das gerade im Zeitalter der Romantik – der Zeit der großen Märchensammlungen – idealisiert wurde. In Grimms Märchen z.B. wurden in späteren Auflagen leibliche Mütter ins Stiefmütter verwandelt. http://www.maerchenatlas.de/miszellaneen/marchenfiguren/die-stiefmutter-im-maerchen/

      Mit einem solchen Reichtum an Ambivalenzen aber kann Schutzbach in ihrer sturen Gut-Böse-Welt überhaupt nichts anfangen. Mehr noch: Bei ihr kommen Frauen als selbstständige Akteure eigentlich gar nicht vor. Auch wenn Frauen sich destruktiv oder verletzend verhalten, liegt das lediglich daran, dass die Strukturen des Patriarchats sie irgendwie dahin treiben.

      Wüsste ich es nicht besser, dann würd ich davon ausgehen, dass Schutzbach eine Antifeministin ist (denn im Feminismus geht es doch um die Emanzipation von Frauen aus der Vormundschaft der Männer, nicht um die Reproduktion von Unmündigkeit, oder?).

      • „Mit einem solchen Reichtum an Ambivalenzen aber kann Schutzbach in ihrer sturen Gut-Böse-Welt überhaupt nichts anfangen.“

        Ich glaube dieses starre Schema von Gut und Böse ist eine der „stärken“ des (intersektionalen) Feminismus: Es schafft Identität und gibt Halt.

  2. „Gegenüber dem neuen Frauenbild bin ich skeptisch. Eine Berufskarriere als Alternative zu Hausfrau – ist das emanzipatorisch?“

    Da ist es wieder, das Ziel des Feminismus: Frauen sollen GAR NICHTS müssen müssen. Erst, wenn Frauen von jeglicher Obligation befreit sind, ist Gleichberechtigung erreicht.

    • Frauen müssen doch schon jetzt nahezu gar nichts tun. Irgendeinen Zahlesel, der bedürftig ist und sie mitfinanziert, lässt sich schon finden.

      Viele Frauen wollen tatsächlich vielmehr, dass „gar nichts“-Tun als Leistung anerkannt und bezahlt wird und man damit so viel Ansehen/Macht erhält, wie jemand, der sich hochgearbeitet/gedient hat. Denn insbesondere vielen Feministinnen fehlt schlicht die geistige Reife, zu erkennen, dass nahezu keinem etwas geschenkt wird und ein paar Ausnahmen keine Regel darstellen. Und selbst, wenn man auf dem Weg nach oben auch Glück benötigt (arbeiten alleine reicht idR eben nicht), muss man sich die Situationen halt auch erst einmal erarbeiten, wo man dann Glück haben kann. Wer nicht Lotto spielt, wird auch nie den Jackpot knacken können und trotzdem werden insbesondere diejenigen am lautesten über das ungerechte Leben bzw. Glück anderer plärren, die selber nicht bereit waren, sich die Situation bzw. Möglichkeit zu „erarbeiten“, in der man dann Glück haben könnte.

      Feminismus ist letztlich nichts anderes, als einer gleichen Partizipation am Lottojackpot, ohne selber einen Lottoschein abgeben zu brauchen.

      Und das herbeifantasierte Patriarchat ist halt eine herrliche Ausrede, um in Bezug auf das eigene Leben keine Eigenverantwortung übernehmen zu brauchen. Das ist wie als würde man das Patriarchat dafür verantwortlich machen, dass Menschen, die kein Lotto spielen nicht auch den Jackpot gewinnen können.

      • „Feminismus ist letztlich nichts anderes, als einer gleichen Partizipation am Lottojackpot, ohne selber einen Lottoschein abgeben zu brauchen.“

        Mit Gewinngarantie

      • „Frauen müssen doch schon jetzt nahezu gar nichts tun. Irgendeinen Zahlesel, der bedürftig ist und sie mitfinanziert, lässt sich schon finden.“

        In den allermeisten Fällen betreuen Frauen Kinder und arbeiten deswegen halbtags. Sie tun also sehr wohl etwas, auch mit der Billigung des Vaters, der auch nicht möchte, dass sein Kind nur in einer Fremdbetreuung ist.

        • @Christian

          Da, wo er ziemlich richtig liegt ist meiner Ansicht nach:

          „Viele Frauen wollen tatsächlich vielmehr, dass „gar nichts“-Tun als Leistung anerkannt und bezahlt wird und man damit so viel Ansehen/Macht erhält, wie jemand, der sich hochgearbeitet/gedient hat.“

          Dieses Märchen der „unbezahlten Hausarbeit“ beruht darauf, dass Frauen es als *selbstverständlich* ansehen, an der Erwerbsarbeit des Mannes teilzuhaben, indem sie materiell von dieser profitieren.

          Weibliche „default“-Denke demnach: Das steht mir zu!
          Und der Gesetzgeber bestätigt: Das steht ihr zu!

          Es ist also nicht ein „entitlement“ im Sinne einer „Anmaßung“, sondern tatsächlich ein in Rechtsform geronnenes Anspruchsdenken, das *Ausgangspunkt* des weiblichen Denkens ist einer sozialen Schicht geworden ist.

          D.h., wenn sie Hausarbeit verrichtet, dann *erscheint* es ihr so, als wäre diese tatsächlich unbezahlt.
          Es spielt gar keine Rolle, dass der Mann einer Arbeit nachgehen muss, DAMIT sie zu Hause bleiben kann.
          Natürlich ist die Hausarbeit bezahlt – durch den Mann.

          Die feministische Propaganda hat es geschafft, die Frau als Opfer ihrer materiellen Abhängigkeit vom Mann zu setzen – dass der Mann seine Erwerbsarbeit gehörig reduzieren könnte, wäre er nicht Alleinverdiener, demnach er also mit seiner Mehrarbeit für diese Abhängigkeit BEZAHLT ist komplett ausgeblendet.

          Noch schlimmer, wenn diese Frau dann einer geringfügig beschäftigten Tätigkeit nachgeht oder eine Teilzeitstelle hat.
          In diesem Fall *erscheint* ihr, sie würde doch ebenfalls einer Erwerbsarbeit nachgehen und hätte demzufolge Anspruch auf eine „faire“ Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung zu 50%.

          Dass der zeitliche Umfang ihrer Erwerbsarbeit auch nicht annähernd mit der ihres Mannes zu vergleichen ist, spielt überhaupt keine Rolle.
          Die feministische Propaganda der „Doppelbelastung“ suggeriert, es sei eine MEHRBELASTUNG gegenüber dem männlichen Geschlecht, was eine abgefeimte Lüge ist.

          Diese Propaganda führt zur „modernen“ Anschauung über den Mann, die schon M. Stiehler so gesehen hat, nämlich AUF die traditionellen Ansprüche an Männer, die modernen Ansprüche an hälftiger Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung zu packen.
          Und wenig erstaunlich arbeiten Männer im Schnitt *mehr* als Frauen, addiert man Erwerbs-, Hausarbeit und Kinderbetreuung.

          Der entscheidende Punkt ist, die feministische Propaganda setzt an einem *tatsächlich existierenden* weiblichen Bewusstsein an, sonst wäre sie nicht so wirkungsvoll gewesen.

          Dass sie für ihre individuelle Reproduktion nicht verantwortlich ist, dass das „irgendwer“ zu bezahlen und zu verantworten hat, ist der *Ausgangspunkt* dieser Denkweise.
          Insofern – in diesem Bewusstsein – ist alle geleistete weibliche Arbeit erst einmal „Arbeit PLUS“, also über das hinausgehend, auf was sie als *Naturrecht* ohnehin Anspruch hat.

          Auf diese Art und Weise wurde auch der absurde „gender time gap“ ermittelt – alle Tätigkeiten, die sie für sich selbst verrichten müsste, wäre sie Single, wird als Hausarbeit für zwei, ergo FÜR den Mann angesehen.
          Dass „Hausarbeit“ überhaupt so verrechnet wird, also müsste sie NICHT *für sich selbst* ebenfalls waschen, putzen, einkaufen etc. ist der größte Witz überhaupt.

          Wenn eine Frau mit einem Mann zusammen wohnt und einseitig drei Stunden putzt, dann ist die tatsächliche Leistung *für den Mann* natürlich nur der Zeitaufwand, der über das hinausgeht, was sie in einer eigenen Wohnung ebenfalls an Zeit aufwenden müsste, um *diese* zu putzen.
          Da eine solche WAHRHEITSGEMÄSSE Sicht jedoch das Recht torpediert, für seine individuelle Reproduktion nicht verantwortlich zu sein und diese auch finanzieren zu müssen, lebt man wesentlich besser mit einer Lüge.

          Aber ebenso, wie es weibliches Naturrecht ist, an der männlichen Arbeit *anteilig zu partizipieren*, ist es ebenso weibliches Naturrecht, das weibliche Arbeit *in vollem Umfang* dem Mann zu Gute kommt und diesem also zuzurechnen ist. /sarcasm off

          Das ist m.E. der tiefere Grund für die feministische Polemik gegenüber der „Autonomie des Mannes“, denn eine solche Kalkulation geht nur auf, wenn der Mann „Bindung“ als Wert an sich ansieht, den er gefälligst auch zu bezahlen hat (was über Sex hinausgeht).

          Auf dieser absurden, völlig verdrehten Sicht auf die Welt, basierend auf einer schmalen sozialen Schicht von Frauen beruht diese Denkweise, die sich im bürgerlichen Feminismus selbstverständlich wiederfindet.

          Gruß crumar

  3. „Frauen müssen [..] sich zu Tode schuften“

    o.Ô Gestern war es noch so das Frauen 5 Jahre länger leben und Männer irgendetwas um die 97% aller tötdlichen Arbeitsunfälle stellen…

    „bleibt sie jedoch eine Handlangerin des Patriarchats, auch insofern, als dass sie ihre Töchter oft passförmig macht für ein patriarchales System. “

    „ch spreche hier weniger von real gelebten Mutter-Tochter-Beziehungen als von Darstellungen der Mutter-Tochter-Beziehungen in der westlichen Kulturgeschichte, die unser Verhalten prägen.“

    Wenn das nur in der wetlichen Kulturgeschichte so ist/war, dann zieh doch bitte einfach weg!

    Ist die Frau eine Lesbe?

    • „Ich spreche hier weniger von real gelebten Mutter-Tochter-Beziehungen als von Darstellungen der Mutter-Tochter-Beziehungen in der westlichen Kulturgeschichte, die unser Verhalten prägen.“

      Wen interessiert denn die Welt, wenn er Grimms Märchen zur Hand hat, was sie dann im nächsten Zitat auch prompt bestätigt.

      Ihr Lieblingsmärchen ist wahrscheinlich Sterntaler ….

      • Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, daß es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld. Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: »Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungerig.« Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: »Gott segne dir’s«, und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: »Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.« Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: »Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben«, und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin. Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.

        „Ihr Lieblingsmärchen ist wahrscheinlich Sterntaler“

        Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

        • „„Ihr Lieblingsmärchen ist wahrscheinlich Sterntaler“

          Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.“

          Doch, Sie interpretiert ja etwas kürzer als andere. Sterntaler in der Version von Schutzbach:
          „Sie war gut und fromm. Da regneten zentnerweise Taler in ihre Schürze“.
          Reicht doch, oder nicht?

        • Sterntaler war immer ein Märchen, das mir schon als Kind angsteinflößend war.
          Im Gegensatz zu all den anderen Märchen mit einem derartigen Happy-End hab ich hier immer nur die Wahnvorstellungen eines den Erfrierungstod sterbenden Mädchens gelesen.

          Vielleicht, weil ich die Erfahrung als Kind auch mal ansatzweise gemacht hatte. Nach dem großen Zittern kommt ein Gefühl wohliger Wärme und alles ist wunderbar.

  4. Zitat: „Töchter orientieren sich deshalb eher am Vater. Der verspricht Welt, Abenteuer und Einfluss.“
    Da hab ich schon aufgehört zu lesen. Abenteuer … klar … in Töchterchens Märchenwelt geht Papi morgens immer los zur Drachenjagd und diniert danach in Königs Runde.

    • Abenteuer wie ein Mann: ja
      aber schuften wie ein Mann, um eine Familie zu versorgen: hmm, ne lieber nicht!

  5. Und dann gehen sie anderer Frauen Häuser putzen.
    Und dann gehen sie anderer Frauen Kleinkinder bespaßen, auf Augenhöhe um auch später Rückenschmerzen beklagen zu können.
    Und dann gehen sie anderer Frauen Kinder alle Buchstaben von A bis B beibringen.
    Und dann gehen sie anderen Frauen die Nägel und Haare schön machen.
    Und dann gehen sie anderer Frauen Männer die Peitsche würgen.
    Und dann gehen sie anderer Frauen Leben verwalten und neue Dokumente erfinden.

    Aber mal ernsthaft, von denen Frauen im Erwerbsleben könnte man 85% nach Hause schicken, das mag ein Mädchen vielleicht nicht direkt so sagen, aber für dumm genug, das denen das nicht auch auffällt halte ich die nicht.

    • „Aber mal ernsthaft, von denen Frauen im Erwerbsleben könnte man 85% nach Hause schicken“

      Also ich würde keine einzige der hier arbeitenden Frauen nach Hause schicken können oder wollen.
      Im Kapitalismus ist es auch sehr unwahrscheinlich, das ein so hoher Anteil der Arbeitnehmer sinnlos eingesetzt wird. Selbst wenn man den höheren Anteil von Frauen im öffentlichen Dienst berücksichtigt.

      • Aus der Logik des einen Betriebes heraus betrachtet, natürlich.
        Da ist dem bestimmt so.
        Auch die Kindergärtnerin arbeitet ohne Zweifel hart.
        Aber betrachte es doch mal wenn man den Blickwinkel ausweitet.
        Der ganze überbordene Konsumterror, aufgeblasener ÖD, sinnentfremdete Institutionen, ich seh da ne Menge Potential.
        Alleine was man sparen könnte, wenn Universitäten wieder ein 10-15% Vergnügen wären mit dem Ziel Forschung statt Titel zu produzieren.

        https://blog.fefe.de/?ts=a7f60f68

        „Öh, ok? Wo ist dann das Problem? Wieso reden wir da jetzt drüber? Dann verteilt man halt ab jetzt die!?
        Nee, so einfach ist das nicht. Das ist mit Aufwand verbunden. Schätzungweise 2800 Personentage.“

        Und klar,wenn sowas angefangen ist, wird da keiner Lügen, wenn er sagt, hier kannste keine Heim schicken, wir *brauchen* die.

        • „Der ganze überbordene Konsumterror, aufgeblasener ÖD, sinnentfremdete Institutionen, ich seh da ne Menge Potential.“

          Konsumterror? Was willst du denn, die sozialistische Planwirtschaft mit dem Einheitsprodukt oder was? Für den „konsumterror“ arbeiten nun auch genug Männer.

        • Die anderen haben mir ja schon wunderbar vorgearbeitet.
          VWL mäßig hast Du Recht!
          Und wenn 50% der Wirtschaftskraft in Beauty geht, so what?
          Gelle?
          Findest als PUA und Game interessierter vielleicht sogar gut.
          Bedeutet dann aber auch aus all denn anderen Blickwinkeln die hier so auf dem Blog besprochen werden meist das worst case Szenario.
          Ultragamie statt Hypergamie zum Beispiel.
          Noch dümmeres Geschwafel von Frauen.

          Ich will da gar nicht groß viel weiter schreiben, aber es hat schon einen Grund, das in „The Fraud of Feminism“ ziemlich gut und deutlich klar gemacht wird, Feminismus ist vieles, aber bestimmt nicht ‚kommunistisch, sozialistisch‘.

        • „Die anderen haben mir ja schon wunderbar vorgearbeitet.
          VWL mäßig hast Du Recht!
          Und wenn 50% der Wirtschaftskraft in Beauty geht, so what?
          Gelle?“

          Auch beauty ist ein reguläres anliegen. Es geht aber nicht 50% der Wirtschaftskraft in beauty und Frauen arbeiten in vielen Bereichen. Sekretärin, Krankenschwester, Friseurin, Rechtsanwältin, Verkäuferin in allen Formen von Läden, Personaler, Gärtnerinnen, Bürodienste aller Art, Steuerfachangestellte, Zahnarzthelferin etc

          Was daran ist „sinnlos“? Und warum sind ähnliche männliche Berufe dann nicht auch sinnlos?

        • Ist das echt so zwanghaft? Waren die 50% Beauty wirklich nur wörtlich zu verstehen, oder darf man annehmen ich hätte hier mit einer Hyperbel hantiert?

          Bei Adrian wunder mich ja nichts und bei dir Christian dann auch nicht mehr.

          Wenn ich mit Menschen mich auf Grundschulniveau unterhalten mag, dann kann ich ja zu Pinksticks gehen.

          Da weiß ich dann auch zu 100% die können nicht anders.

        • @vagina

          versteck dich doch nicht hinter Übertreibungen etc.
          Gesteh einfach zu, dass die von dir getätigte Aussage:

          Aber mal ernsthaft, von denen Frauen im Erwerbsleben könnte man 85% nach Hause schicken,

          von dir nicht zu belegen ist und schlicht Blödsinn ist.

      • Im Kapitalismus ist es auch sehr unwahrscheinlich, das ein so hoher Anteil der Arbeitnehmer sinnlos eingesetzt wird.
        Ohne da jetzt eine Sozialkritik draus machen zu wollen, aber diese Aussage ist ähnlich falsch wie „Die Evolution sieht keine ineffizient vor“.
        Dadurch, dass es im Kapitalismus Märkte gibt, gibt es in der Arbeitswelt ein paar Rückkopplungen, die gewisse Effizienzen begünstigen.
        Aber, zum einen sind die Langfristig zu sehen – ähnlich der Evolution funktioniert da viel über Aussterben – und zum anderen folgt aber noch lange nicht die Abwesenheit von Begünstigungen von anderen Phänomenen.
        Man frage mal einen beliebigen Geschäftsführer, Unternehmensberater, …, ob ihre Erfahrung ist, das Ineffizienz von selbst verschwindet, weil Kapitalismus.

        • Diese Ansicht geht von einem naiven Bild es Kapitalismus aus. Tatsächlich ist es seit der großen Depression so, dass der Staat entweder direkt oder via Notenbank die Nachfrage in der Volkswirtschaft stabilisiert (weil sonst der Kapitalismus zusammenbricht). Das bedeutet aber, dass ständig Geld in die Wirtschaft gepumpt wird, das sich dann dort seine Beschäftigung sucht und Ineffizienzen schafft.

          Ein schönes Beispiel ist z.B. Marketing: Wenn 2 Unternehmen in einem bestimmten Markt konkurrieren, dann führt eine Verdoppelung des Marketingbudgets des einen Unternehmens dazu, dass das andere ebenfalls verdoppeln muss um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Wenn das aber beide machen, dann gewinnt keines der Unternehmen Marktanteile und es bleibt eigentlich alles, wie es ist. Trotzdem ist natürlich das BIP entsprechend gewachsen und es wurden Jobs im Marketing geschaffen, die eigentlich niemand braucht.

          Unsere heutige Wirtschaft besteht aus sehr viel solchem Bullshit. Ich empfehle dazu immer wieder gerne David Graebers „Bullshit Jobs“: http://strikemag.org/bullshit-jobs/. Allerdings ist die Seite wohl leider gerade down.

        • „Ein schönes Beispiel ist z.B. Marketing: Wenn 2 Unternehmen in einem bestimmten Markt konkurrieren, dann führt eine Verdoppelung des Marketingbudgets des einen Unternehmens dazu, dass das andere ebenfalls verdoppeln muss um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Wenn das aber beide machen, dann gewinnt keines der Unternehmen Marktanteile und es bleibt eigentlich alles, wie es ist. Trotzdem ist natürlich das BIP entsprechend gewachsen und es wurden Jobs im Marketing geschaffen, die eigentlich niemand braucht.“

          Dann sind es aber keine unnötigen Jobs, es sind Jobs, die durch einen Konkurrenzkampf entstehen. Sie sind für das jeweilige Unternehmen notwendig, damit es keine Marktanteile verliert.

          Ich bezweifele aber auch, dass das überwiegend Berufe von Frauen sind

        • Dann sind es aber keine unnötigen Jobs, es sind Jobs, die durch einen Konkurrenzkampf entstehen

          Das beschriebene Beispiel ist ein Nashgleichgewicht: keiner der Spieler kann einseitig seine Strategie wechseln.

          Die Jobs sind daher so „nötig“ wie ein „defect“ im Gefangenendilemma. Man kann natürlich eine Definition von „nötig“ haben, die das hergibt, diese ist dann aber nicht mehr geeignet, um zu argumentieren, dass ein Markt Ineffizienz verhindert, da der Output ohne die Jobs der gleiche ist, also effizienter wäre.

          Um mal ein thematisch näheres Beispiel zu bringen: Diversitybeauftragte, die sich für Quoten in Unternehmen einsetzen, können nach dieser definition „nötig“ sein. Die Effizienz des Unternehmens steigern tun sie aber sicher nicht.

          Ich bin übrigens auch nicht unbedingt der Meinung, dass die Bullshitjobs überwiegend von Frauen ausgeübt werden*, ich glaube nur nicht, dass der Arbeitsmarkt ein hinreichend Idealer Markt ist, dass man seine Effizienz als Argument nutzen könnte.

          *) auch wenn mir meine Erfahrung in Großunternehmen sagt, dass 85% Schwachsinnsjobs nicht sonderlich unrealistisch klingt.

        • @keppla

          Hier ging es darum, dass man Frauen vorwirft, dass ihre Jobs nichts wert sind.
          Wenn die Firma die Angestellten braucht, warum auch immer, evtl nur für ein Red Queen Race, dann kann man sie eben nicht wegdenken.
          Natürlich könnte man auf sie verzichten, wenn beide ein Art nichtangriffspakt schließen. Aber das hat ja andere negative Folgen für den Markt.

          Diversitybeauftragte würde man sicherlich nicht vermissen. Die wenigsten Frauen sind aber Diversitybeauftragte.

          „ich bin übrigens auch nicht unbedingt der Meinung, dass die Bullshitjobs überwiegend von Frauen ausgeübt werden*, ich glaube nur nicht, dass der Arbeitsmarkt ein hinreichend Idealer Markt ist, dass man seine Effizienz als Argument nutzen könnte.“

          Dennoch sollte zunächst erst einmal die Ausgangsthese sein, dass Leute die Anzahl von Mitarbeitern einstellen, die sie aus ihrer Sicht benötigen und nicht Millionen von Frauen beschäftigen, die sie nicht brauchen. Ob sie optimiert mit weniger Personal auskommen könnten wäre dabei aus meiner Sicht sogar egal.

          Ich finde schlicht diese Abwertung weiblicher Arbeit schlecht und undurchdacht. Es ist schlichte Polemik.

        • „Ein schönes Beispiel ist z.B. Marketing: Wenn 2 Unternehmen in einem bestimmten Markt konkurrieren, dann führt eine Verdoppelung des Marketingbudgets des einen Unternehmens dazu, dass das andere ebenfalls verdoppeln muss um nicht ins Hintertreffen zu geraten.“

          Warum denn das? Natürlich kann die Verdoplung des Marketing-Budgets zu mehr Absatz führen, aber es ist keineswegs so, dass damit auch die Kosten wieder hereingespielt werden müssen (negativer Grenznutzen der Werbung). Das macht diesen Automatismus hinfällig.

          „Wenn das aber beide machen, dann gewinnt keines der Unternehmen Marktanteile und es bleibt eigentlich alles, wie es ist. Trotzdem ist natürlich das BIP entsprechend gewachsen und es wurden Jobs im Marketing geschaffen, die eigentlich niemand braucht.“

          Ja, da sind wir bei den volkswirtschaftlichen Opportunitätskosten. Die Nachfrage nach bestimmten „Gütern“ ist eben nicht per se nützlich/effizient, auch wenn dadurch Geld in Umlauf gesetzt wird.

          „Unsere heutige Wirtschaft besteht aus sehr viel solchem Bullshit.“

          Das möchte ich doch stark bezweifeln.

          „Dann sind es aber keine unnötigen Jobs, es sind Jobs, die durch einen Konkurrenzkampf entstehen. Sie sind für das jeweilige Unternehmen notwendig, damit es keine Marktanteile verliert.“

          „Die Jobs sind daher so „nötig“ wie ein „defect“ im Gefangenendilemma. Man kann natürlich eine Definition von „nötig“ haben, die das hergibt, diese ist dann aber nicht mehr geeignet, um zu argumentieren, dass ein Markt Ineffizienz verhindert, da der Output ohne die Jobs der gleiche ist, also effizienter wäre.“

          https://en.wikipedia.org/wiki/Evolutionary_arms_race
          Statuskonkurrenz durch Luxuskonsum gehört ebenfalls in diese Kategorie.

  6. Frau Schutzbach ist in ihrer Einfältigkeit mit dem Thema offensichtlich überfordert. Aber ich finde es bemerkenswert, dass dieses Magazin im Prinzip die richtigen Fragen stellt. Die Beziehung zur Mutter ist so ziemlich die einzige Beziehung von Frauen zu Frauen, denen sich Frauen nicht so einfach entziehen können. In der Mutter-Tochter-Beziehung dürfen Frauen auch mal die ganzen toxischen Aspekte von Weiblichkeit erleben. Dem entsprechend konfliktbeladen sind Mutter-Tochter-Verhältnisse dann häufig.

    • „In der Mutter-Tochter-Beziehung dürfen Frauen auch mal die ganzen toxischen Aspekte von Weiblichkeit erleben. Dem entsprechend konfliktbeladen sind Mutter-Tochter-Verhältnisse dann häufig“

      Es wäre durchaus mal interessant, typische Konflikte zwischen Eltern und Kindern, durchaus getrennt nach Geschlechtern, herauszuarbeiten.

      • Ja, es würde mich auch interessieren, dazu mal eine größere Datenbasis zu studieren. Ich wundere mich nämlich, warum insbesondere in angelsächsischer Literatur und Film die Vater-Sohn-Beziehung als so problematisch beschrieben wird. Das kenne ich nämlich aus dem echten Leben nicht. Abgesehen von einzelnen Ausnahmen sind die mir bekannten Vater-Sohn-Beziehungen ziemlich harmonisch und unproblematisch. Und bei den wenigen mir bekannten Ausnahmen ist das Problem jeweils, dass die Mutter im Konflikt mit dem Arschloch-Vater den Sohn auf ihre Seite gezogen hat und der Sohn daher den Vater nicht mehr versteht (und auch nicht mit ihm redet). Die mir bekannten Fälle konnte ich jeweils sehr leicht zur Besserung führen, indem ich den Söhnen einfach mal erklärt habe, warum ihre Väter so sind, wie sie sind. Das hat außerdem den positiven Nebeneffekt, dass diese Söhne dann von den Vätern lernen können, wie sie mit ihren Mütter klarkommen können.

      • Ich finde ihn einfach unerträglich langweilig, weil Frau Schutzbach offenbar so rein gar nichts zum Thema zu sagen hat. (außer natürlich, dass das Patriarchat das Organisationsprinzip des Universums ist, was auch hier irgendwie zum Tragen kommen _muss_)

        Ich frage mich, wer – jenseits der Manosphere – solche Texte überhaupt zuende liest, geschweige denn sich mit ihnen auseinandersetzt.

        So langsam beschleicht mich der Verdacht, dass die Manosphere der einzige Rezipient feministischer Texte ist.

        • @ Nick „So langsam beschleicht mich der Verdacht, dass die Manosphere der einzige Rezipient feministischer Texte ist.“ Das halte ich sogar für realistisch. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie intensiv sich Arne Hoffmann und andere mit Anne Wizoreks Buch auseinandergesetzt hatten, als es erschien. Wizoreks Fanboys und -girls hingegen setzten zwar (von der Autorin öffentlich dazu aufgefordert) bei amazon reihenweise Fünf-Sterne-Rezensionen dagegen, um die Bewertung nicht völlig abstürzen zu lassen – aber es war kaum jemand darunter, der den Eindruck vermitteln konnte, das Buch auch auch gelesen zu haben.

          Klaus-Rainer Röhl, der als konkret-Herausgeber ja mal ganz links gestartet ist, erzählt in seiner Autobiografie (erschienen 1974, lange vor seiner Wendung nach rechts) von Diskussionen, die er als APO-Student mit Vertretern der Jungen Union geführt hatte. Natürlich ging es immer wieder um Marx – und er meinte, die einzigen, die Marx überhaupt gelesen hätten, seien die Leute von der Jungen Union gewesen. 🙂

        • weil Frau Schutzbach offenbar so rein gar nichts zum Thema zu sagen hat. (außer natürlich, dass das Patriarchat das Organisationsprinzip des Universums ist,

          Aaahm, und der Feminismus ist in diesem Sinnbild das schwarze Loch, in dem alles in absoluter Finsternis versinkt?

        • „Weibliche Kommunikation“ ist nie sachlich inhaltlich sondern transportiert Emotionen, mit dem Ziel der emotionalen Synchronisation zwischen Sender und Empfänger.

          Mit dieser Zielsetzung entstehen solche Artikel und entsprechend ist es auch völlig irrelevant, dass innerhalb der Aussagen von Frau Schutzbach schreiende inhaltliche Widersprüche stecken.

          Geht man den Text sachlich an, ist man ja bereits nach den ersten beiden Absätzen lobotomiert.

          Aber selbst aus der Perspektive der emotionalen Kommunikation ist der Text schwach.

          Da kommt ein schwaches „Buhuhu, wir frauen sind arme Schweine“ und am Ende ein viel zu abstrakt formuliertes „Wir sollten uns wenigstens untereinander in unserer Unterschiedlichkeit respektieren, wenn die Dreibeiner es schon nicht tun“

          Ein klägliches anjammern gegen den – durchaus massiven – intrasexuellen Homogenisierungszwang und gegen die eingebaute Gefallsucht des Weibes.

          Damit fängt niemand was an, es verpufft wirkungslos. Ein reiner Zeilenfüller der den Leserinnen alleine dadurch schmeichelt weil es da um sie geht.

        • „„Weibliche Kommunikation“ ist nie sachlich inhaltlich sondern transportiert Emotionen, mit dem Ziel der emotionalen Synchronisation zwischen Sender und Empfänger.“

          Genau dieses Gefühl beschleicht mich auch zunehmend.
          Man(n) kann ganze Bibliotheken mit harten Fakten füllen, die den ganzen feministischen Sermon widerlegen, ohne dass davon auch nur ein Jota ins weibliche Bewusstsein sickert.
          Ob GPG, oder häusliche Gewalt, die realen Daten sind seit über 10 Jahren bekannt, dutzendmal verifiziert und ergänzt, dennoch wird unbeeindruckt im April der „EqualPayDay“ gefeiert und Gewalt ist rein männlich.
          Fakten sprechen wohl nicht die weiblichen Emotionen an, prallen also am Bewusstsein ab.

        • Selbst wenn die Fakten bekannt und die Frauen sich über diese Fakten auch bewusst sind, warum sollten sie ihre Rituale ändern?

          Frauen erleiden durch jammern und klagen keinen Statusverlust

          Es sind für Frauen klasse Themen um sich emotional mit anderen frauen zu synchronisieren. Das entlastet frau ein wenig von dem ewigen Kampf frau gegen frau.

          Der Ich-Bezug verhindert zudem eine Änderung des Blickwinkels.

          Bei häuslicher Gewalt gegen Männer z.B. gibt es für frau keine Andockpunkte für eine Solidarität mit dem Opfer. Während umgekehrt jede frau gleich denken kann „Das könnte ich sein“. Zudem baut die Idealisierung des Mannes als körperlich weit überlegen und potentiell gefährlich eine Gewalthierarchie auf, die jede Statistik relativiert.

          Weswegen auch Gewalt von Frauen gegen Frauen anders bewertet wird, da hier der Andockpunkt eher „wenn die mich so behandeln würde, könnte die aber was erleben“ ist.

          Die GPG-Diskussion dockt dagegen herrlich am weiblichen Minderwertigkeitsgefühl an. Und das Thema kann übergeordnet gut benutzt werden um die Gehälter von Männern zu drücken, wo eine faktische Konkurrenzsituation gegeben ist.

  7. Um von dem haltlosen Patriarchatsgeschwafel ein bisschen in den seriösen Bereich zu kommen, es gibt da Studien dazu, die die Sache ein bisschen aufdröseln, die Artikel enthalten auch selbst einige interessante Spekulationen:

    https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article3703186/Muetter-und-Toechter-streiten-im-Alter-immer-oefter.html

    „Die Eltern stuften das Verhältnis meist negativer ein als ihre Nachkommen, wobei Lebensweise und Verhalten der Sprösslinge die Hauptstreitpunkte bildeten. Birditt erklärt dies damit, dass Väter und Mütter mehr in die Beziehung investiert haben und sich stärker um die Entwicklung ihres Nachwuchses sorgen.“

    Kann ich bei meinen Eltern beobachten, die sind immer religiöser geworden und haben ihre gesamte positive Sozialisierung aus der Kirche (da die einen Gegensatz zur doktrinär eingeengten sozialistischen Gesellschaft lieferte). Mit der Wende zerfiel nicht nur der Sozialismus, sondern auch die Anziehungskraft der Kirche auf die meisten Jugendlichen. Kurz, ich bin ziemlich atheistisch. Obwohl ich meinen Eltern quasi zwei Enkel geschenkt habe, ist daher das Verhältnis eher latent gespannt, wobei wir uns gegenseitige Kommentare mittlerweile verkneifen, was die Situation erträglich macht. Aber die kindliche Übereinstimmung ist verschwunden.

    „Auffällig war zudem, dass Eltern die Beziehung zu den Töchtern im Durchschnitt schlechter einstuften als die zu den Söhnen, was Birditt darauf zurückführt, dass Frauen generell ein engeres Verhältnis zu ihren Eltern haben als Männer. Unabhängig vom Geschlecht stufte der Nachwuchs die Beziehung zur Mutter schlechter ein als die zum Vater.“

    DAS finde ich jetzt wieder spannend. Ausgerechnet das Verhältnis Eltern-Tochter und das Verhältnis Mutter-Kinder ist eher schlechter.

    Da ich keine Schwester habe (und meine Tochter noch zu jung ist), kann ich nur spekulieren, woran es liegt. Ich vermute es ist der im Durchschnitt nochmal gesteigerte emotionale Aufwand, den Mütter in ihre Kinder stecken und die größere Nähe. Es fällt Männern daher vermutlich oft leichter, einen Schritt zurückzutreten und die Kinder ihr eigenes Ding machen zu lassen. Das zumindest fällt mir auch bei meinen Eltern auf.

    Meine Mutter ist eine klassische Manipulateurin (wodurch wohl auch oft das problematische Verhältnis Frau-Schwiegermutter entsteht), zum Glück hat sie sich an meinen harschen Zurückweisungen gewöhnt, denn ich konnte Einmischung noch nie leiden und Manipulationen noch viel weniger. Hat aber lange gedauert, bis ich diese überhaupt wahrgenommen habe (viele Männer bemerken sie vermutlich nie). Frauen haben dafür wahrscheinlich einen ausgeprägteren Sinn, so dass auch die Abnabelung dann entsprechend früher und heftiger ausfällt, zumal zwei aufeinandertreffende Manipulateure selten rational miteinander umgehen, sondern eben um Macht und Deutungshoheit kämpfen.

    „Zur Überraschung der Forscherin verschlimmerten sich die Probleme mit zunehmendem Alter. Möglicherweise erwarten betagte Eltern von ihren Nachkommen mehr Zuwendung, während Söhne und Töchter ihren eigenen Verpflichtungen in Beruf und Familie nachkommen müssen.“

    Sehr wahrscheinlich.

    „Die größten Probleme entstanden, wenn entweder die Lebenseinstellungen beider Generationen unvereinbar waren oder wenn die Eltern sich ungefragt in Angelegenheiten des Nachwuchses einmischten.“

    Klingt logisch.

  8. Perfekt, ein Niedergang, nicht einmal ein Märchen wird fehlerfrei interpretiert und richtig ist die Feststellung, dass der Jäger darin den Mann verkörpert, mit Sicherheit aber nicht das, was die Dame als Partiarchat versteht.
    Die ganze Misere ist vor zwei Tagen geplatzt und Frau Barley hat deshalb festgestellt, dass es in Schleswig-Holstein in den letzten zwei oder drei Wochen nicht mehr so um Gerechtigkeitsthemen ging, sondern um das Privatleben des MP. Hat dieser Ministerpräsident, der von seiner ‚zu Hause gefangenen Mutter und Hausfrau, die sich langsamer entwickelte als er‘, schwadronierte damit nicht das Narrativ seiner Parteischwestern verbreitet, nach dem diese Art weiblichen Daseins in Gänze falsch und damit nieder zu machen ist? Glaubte er nicht damit jenen Damen seiner Partei hinten reinzukriechen, die jene, die andere Entscheidungen mit und in ihren Familien frei treffen, diskriminieren durch Begriffe wie Herdprämie etc. etc., biederte er sich damit nicht jenen an, deren Politik ausschließlich aus Erzieheritis besteht (300 € gibts nur, wenn Schwesigs Befehle befolgt werden, das Ehegattensplitting natürlich abgeschafft)? Oder ist dieser MP nur ein charakterloser, Knallkopf? Ich befürchte beides trifft zu, jedenfalls gab es genug kluge Frauen, die ihm die Stimme entzogen – Jüngerinnen der feministischen Religion dürften es mehrheitlich nicht gewesen sein!

  9. Es gibt noch einen Artikel, der die Nähe-Hypothese recht plausibel erklärt:

    http://www.sueddeutsche.de/leben/muetter-und-kinder-in-der-pubertaet-vom-thron-gestossen-1.1836039

    „Vor allem Mütter fühlen sich regelrecht entthront, wenn ihre Kinder in die Pubertät kommen. „In seinen ersten Lebensjahren ist die Mutter für das Kind das ganze Universum“, sagt die Psychotherapeutin und Autorin Claudia Haarmann. Die Nähe, die das Miteinander mit einem Baby oder Kleinkind zwangsläufig mit sich bringt, die bedingungslose Liebe, die Eltern für ihre Kinder – und umgekehrt – spüren, sorgen für eine enge Bindung. „Doch in der Pubertät stellen Kinder die Frage: Wer bin ich, was macht mich als Individuum aus?“, erläutert Haarmann. Die Mutter wird vom Fixpunkt zum Widerpart. An die Stelle von Nähe tritt Abgrenzung.“

    Erklärt jetzt noch nicht genau das Mutter-Tochter-Problem. Das kommt erst hier:

    „Viele kleine Mädchen ahmen ihre Mütter nach, probieren ihren Lippenstift aus, stapfen in ihren Stiefeln durch die Wohnung, treffen sich mit den Kindergartenfreundinnen zum Kaffeetrinken, wie sie es bei ihrer Mutter erlebt haben. „Töchter orientieren sich an ihrer Mutter, sie ist ihr Rollenmodell für das ‚Frau-Sein'“, sagt Claudia Haarmann. Die Mutter ist die Frau, mit der sich Mädchen am meisten vergleichen. Doch in der Pubertät rückt die Suche nach dem eigenen Weg in den Vordergrund. „Da wollen Mädchen vor allem eines: nicht so wie die Mutter sein“. Es geht dabei nicht nur um Äußerlichkeiten, sondern auch um Lebenskonzepte oder um die Art und Weise, wie eine Partnerschaft geführt wird. „Für eine Mutter kann das sehr schmerzhaft sein“, sagt Haarmann. Denn es ist ja ihr ganz persönlicher Lebensentwurf, der in Frage gestellt wird.“

    „Und die Söhne? Sie werden zum Mann – und für die Mütter in gewisser Weise zum fremden Wesen. Denn was im Körper der Töchter passiert, wissen Mütter. Was die Söhne empfinden, ist schwieriger nachzufühlen. „Die Söhne brauchen jetzt einen Mann, an dem sie sich orientieren können“, sagt Claudia Haarmann.“

    An diesem Punkt stellt sich mir dann die Frage, warum Jungen in der Pubertät angeblich eher zu älteren Männern HINorientieren, während Mädchen angeblich von älteren Frauen WEGorientieren.

    Ich denke da ensteht ein unlogischer Widerspruch, ich bin auch nicht sicher, ob das überhaupt so zutrifft. Jungen brauchen tatsächlich Männer, schon damit jemand mit ausreichend (körperlicher) Stärke und Dominanz ihnen die Grenzen zeigt. Sie übernehmen von Männern sicher auch viel des Sozialverhaltens (so wie Mädchen auch von älteren Frauen), trotzdem orientieren Jungen auch von älteren Männern WEG, finden sie spießig, uncool und viel zu streng, zumindest erinnere ich das so.

    Ich bin gespannt wie das mit meinen Kindern wird, zumal wir ja ein Teilzeitmodell fahren. Die Aufmerksamkeit sich also ohnehin nicht nur auf einen Elternteil fokussiert.

    • Ich denke, die Haupterziehung findet ohnehin seit Beginn des Kindergartens nicht durch die Eltern, sondern zunächst von seinen Freunden im Kindergarten und später durch das jeweils andere Geschlecht statt.

      Der Mensch ist grundsätzlich ein „Herdentier“ und definiert sich über Gruppenzugehörigkeiten, so dass der Mensch danach strebt, von der eigenen Gruppe anerkannt zu werden bzw. innerhalb der Gruppe eine gute Position zu erhalten. Und der Familienverband ist halt nur eine der möglichen Gruppen, die zudem politisch immer mehr entwertet wird. Spätestens ab dem Kindergarten bilden sich aber natürlicherweise ganz neue Gruppen, wenn man die Kinder nicht zu Hause einsperrt.

      Im jungen Jahren bzw. im Kindergarten will man noch primär innerhalb der eigenen Gruppe gefallen und wird daher danach streben, was innderhalb der eigenen Gruppe toll gefunden wird. Und irgendwann versucht man dann halt anderen erwünschten Zielgruppen zu gefallen oder von den Gruppen bewusst abzugrenzen, die innerhalb der eigenen Gruppe abgelehnt werden.

      Und die größte Erziehung findet dann meiner Meinung nach von den potentiellen erwünschten Sexualpartner statt. Und da ich davon ausgehe, dass die Natur es schon irgendwie eingerichtet hat, dass Menschen einen Sextrieb haben und zu Fortplanzung tendieren, gehe ich davon aus, dass auch die größten Umerziehungsversuche und Maßnahmen nichts daran ändern können, dass der Großteil der Männer und Frauen heterosexuelle Bestrebungen haben, so dass Männer letztlich von den Wünschen der Frauen (und umgekehrt) erzogen werden.

      Und, wenn der Zielmarkt in der Tendenz eher auf starke Männer steht, dann wird es viele Männer halt dazu erziehen, mäglichst nicht als Sensibelchen wahrgenommen zu werden. Wenn Frauen morgen plötzlich total darauf stehen würden, dass Männer Röcke und High Heels tragen, dann würden viele Männer morgen Röcke und High Heels tragen.

      Und, wenn Männer plötzlich genauso Partnerinnen viel stärker auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten selektieren würden, dann würden Frauen auch eher bestrebt sein, mittels eigenen Leistungen beruflich nach mehr zu streben (zumindest dann, wenn die Politik einen nicht auch leistungslos fördern möchte).

      Wie auf jedem Markt richten sich die Beteiligten in der Tendenz halt immer nach dem aus, was der Zielmarkt wünscht bzw. nachfragt und was einem selber als möglich erscheint. Da können Staat und Eltern noch so sehr umerziehen wollen, aber gegen die „Natur“ anzukämpfen wird auf Dauer sehr „teuer“ und nicht langfristig erfolgreich sein.

      Und dass Beziehungen zu Müttern (z.B. Schwiegermüttern) gefühlt von der Allgemeinheit als problematischer betrachtet werden, liegt meiner Meinung nach im Wesentlichen daran, dass Frauen es in ihrem Leben weniger als Männer lernen müssen, zu akzeptieren, wenn nicht alles nach dem eigenen Willen läuft. Frauen lernen, dass sie nur plärren zu brauchen, damit sie ihren Willen beim Partner, Eltern, Politikern, … gewöhnlich durchsetzen können. Bei Kindern, von denen die Gesellschaft erwartet, dass diese sich ohnehin irgendwann abnabeln, funktioniert diese Plärrtaktik halt auf Dauer nur beschränkt, weil bei einer ohnehin angestrebten Abnabelung die Notwendigkeit halt erheblich geringer ist, der Frau in den Hintern kriechen zu müssen.

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