Selbermach Samstag 240 (27.05.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Kritische Theorie

In Diskussionen gerade mit sehr linken Personen auch aus dem Bereich des Feminismus stößt man immer wieder auf die „kritische Theorie“. Es scheint mir daher sinnvoll, dazu einen Artikel zu eröffnen:

Aus der deutschen Wikipedia:

Der Terminus „Kritische Theorie“ wurde von Max Horkheimer im Exil „für das wissenschaftliche Projekt des Instituts“, ein von ihm „entwickeltes Forschungsprogramm eines interdisziplinären Materialismus“, erfunden.[2] Er findet in Horkheimers Aufsatz Traditionelle und kritische Theorie von 1937 seine Begründung, in dem er sich mit dem Ideal und dem Betrieb der nachkopernikanischen Wissenschaft beschäftigt. Davor firmierte die marxistisch undogmatische Gesellschaftstheorie des Instituts unter dem Namen Materialismus.[3]

Die Kritische Theorie wird in Horkheimers Aufsatz als eine praktische Philosophie bestimmt, der es auf die gesellschaftliche Veränderung mit dem Ziel zunehmender Selbstbestimmung der Menschen ankommt.Diese Zielsetzung trennt Kritische Theorie nachhaltig von der „bürgerlichen Wissenschaft“, zu der sowohl die positivistisch operierenden Fachwissenschaften als auch die idealistische theoretische Philosophie gehören.

Horkheimer kritisiert an der „traditionellen Theorie“ der Fachwissenschaften, dass sie der Dialektik der Aufklärung, das heißt dem Rückfall der Aufklärung in Mythologie, verfalle. Der Grund dafür sei, dass sie die gesellschaftlichen Fakten als Gegebenheiten hinnehme und vergesse, dass diese Fakten keine naturgegebenen Tatsachen, sondern gesellschaftlich Gemachtes seien, in denen sich das Unrecht gesellschaftlicher Herrschaft verberge. Dieses Unrecht könne nur entschlüsselt werden, wenn man die gesellschaftliche Konstitution der sozialen Tatbestände kritisch, das heißt unter dem Gesichtspunkt der besseren Praxis erschließe. Weil die positivistische Fachwissenschaft sich dieser Reflexion verweigere, mache sie sich der Verfestigung des bestehenden gesellschaftlichen Unrechts dienstbar. Sie verschließe sich der Reflexion über die Verflechtung von Wissenschaft und Herrschaft von Grund auf und könne daher ihren theoretischen Anspruch der Werturteilsfreiheit nicht einlösen.[4]

Das scheint mir auch in intersektionalen Theorien stark vertreten zu werden: Wissenschaft, die einem nicht passt, ist eben durchdrungen von falschen Annahmen und daher nicht in der Lage die „Wahrheit“ zu erkennen. Es wird dort noch damit verstärkt, dass man anführt, dass nur Nichtprivilegierte den unverstellten Blick haben und daher das „Unrecht entschlüssen können.

An der „traditionellen Theorie“ als idealistischer Philosophie oder Ontologie kritisiert Horkheimer, dass sie nur die metaphysische Ergänzung des geistlosen Zustandes in den positivistisch operierenden, affirmativen Fachwissenschaften sei. Sie legitimiere den geistlosen Zustand und kritisiere ihn zugleich. Die Kritik erfolge aber nicht so, dass sie die fachwissenschaftlichen Begriffe etwa der Ökonomie, Soziologie, Psychologie, Erziehungswissenschaft selbst in Frage stelle und auf ihre Realkonstitution untersuche, sondern so, dass diese Begriffe akzeptiert werden, aber zugleich ihre Ergänzung durch die Metaphysik eingeklagt werde, die leisten soll, was den positiven Wissenschaften abgeht: Klärung der Sinnfragen, Ableitung des moralisch richtigen Handelns aus obersten Prämissen, Explikation von Wegen zur Erlösung vom Elend der Welt oder Wegen zum „wahren Selbst“ im unbegriffenen gesellschaftlichen Ganzen. Das geschehe in der idealistischen Metaphysik stets durch die Setzung einer idealen Welt hinter oder über der wirklichen Welt der positivistisch hingenommenen Tatsachen und der Ableitung aus den ersten, höchsten unbezweifelbaren Prinzipien dieser „eigentlichen, idealen Welt“. Die als solche akzeptierte positivistische Rationalität der traditionellen Theorie in den Fachwissenschaften werde so durch die Metaphysik als Ursprungsphilosophie um das, was ihr angeblich fehlt, ergänzt, ohne dass sie selbst und die gesellschaftliche Realität, auf die sie sich bezieht, in Frage gestellt werde.[5][6]

da wäre das Konzept also: Die wissenschaftliche Theorie betrachten, dann mit einer „idealen Welt“ abgleichen und schauen ob sich daraus eine andere Perspektive ergibt.

Im Feminismus hat man auch eine ähnliche Denkweise:

Man stelle sich eine Welt ohne Ungleichheit vor als ideale Welt und erklärt diese gleichzeitig zum einen für erreichbar, zum anderen die bisherigen Umstände als sozial konstruiert, und zwar zugunsten bestimmter Gruppen, die „die Macht“ oder „die Privilegien“ haben. Dann stellt man darauf ab, dass nur durch die Beseitigung dieser Privilegien oder dieser Macht die Ungleichheit beseitigt wird. Alle dagegen stehenden Fakten können unter Verweis darauf, dass sie eine Konstruktion sind und das sie nur auf der Sichtweise der Forschenden beruhen ignoriert werden.

Die Kritische Theorie ist demgegenüber an einem Vernunftbegriff orientiert, der nicht in der Zweck-Mittel-Rationalität aufgeht. Sie zielt nach Vorstellung ihrer Begründer darauf ab, die vorgefundene „gesellschaftliche Totalität“ selbst zu begreifen, deren Unbewusstheit und Unbegriffenheit in den Sozialwissenschaften dazu führt, dass positivistische Wissenschaftler weder im theoretischen Ansatz noch in ihrer Durchführung der Aufbereitung oder dem Verständnis des gewonnenen Datenmaterials objektiv sein können, sondern ihre Begriffe und Kategorien bloße Verdoppelungen und systematisierende Wiederholungen der in der gesellschaftlichen Wirklichkeit selbst wirksamen, unbegriffenen Realabstraktionen sind. Daher richtet die Kritische Theorie ihre Aufmerksamkeit auf die Konstitution der das gesellschaftliche Leben beherrschenden Realabstraktionen, auch darauf, wie sie in den Fakten erscheinen und zugleich auf die Spannung zwischen dem „Bestehenden“ und dem „Möglichen“. Sie möchte die Tür offen halten für eine bessere Praxis.

Und verkennt dabei, dass eben nicht alles eine Spiegelung bestimmter Anschauungen ist, sondern auch schlichte Fakten bestehen können, die sich in die gewünschte Welt einfügen

Wie ordnet ihr die kritische Theorie ein?

Was hat der Feminismus bzw die intersektionale Theorie daraus entnommen?