Berichte aus den Gender Studies: Anna Schneider

Anna Schneider berichtet von ihrem einen Semester Gender Studies, dass sie absolviert hat um sich dort ein eigenes Bild zu machen, ob die Kritik berechtigt ist (Autorin ist auch auf Twitter) . (siehe auch bereits Arne)

Zwei der von mir besuchten Lehrveranstaltungen waren Vorlesungen, die eine zum Thema Theorien und Methoden, die andere zum Thema Einführung in die Gender Studies. Es schien, als ob die meisten Kolleginnen (die zwei bis drei Kollegen äußerten sich erst gegen Ende des Semesters regelmäßiger) schon mit ­einem gewissen vorgefertigten Weltbild in den Lehrsaal gekommen wären. Das bestätigte sich in der ersten Lehrveranstaltungseinheit der Theorievorlesung, als nicht bloß eine auf die Frage der Lehrveranstaltungsleiterin, was wir denn unter dem Begriff Geschlecht verstünden, wie aus der Pistole geschossen mit: Herrschaftsstruktur! antwortete. So weit, so eigenartig, entließ uns die Lehrveranstaltungsleitende vorerst mit den Worten: „Wir haben weder eine gemeinsame Lösung noch ein gemeinsames Ziel, nichts ist falsch. Es ist schön, dass sich so viele Menschen Gedanken machen“ in unser erstes Semester.

„Nichts ist falsch“ (solange es im groben in unsere Theorien passt) würde ich vermuten. Auf die Idee berechtigter Kritik kommt man dort ja meist nicht.

Aber ich möchte diesen Vorlesungen nicht unrecht tun. Im Laufe des Semesters präsentierten uns die Lehrveranstaltungsleiterinnen Theorien von Positivismus bis Postmoderne, auch die Prüfung am Ende des Semesters war entsprechend anspruchsvoll. Allerdings: Einmal wagte ich zu widersprechen. Es ging zunächst um die Theorie Marx’ und die feministische Kritik daran, er würde sich nur auf die Klassenfrage fokussieren und dabei die Reproduktionsarbeit übersehen; daran anschließend diskutierten wir über das heute dominierende System des Kapitalismus, der nach der Meinung einiger Diskussionsteilnehmerinnen dafür sorge, dass Nichterfolg im Leben ein persönliches Problem sei. Außerdem sei er schuld daran, „dass immer gearbeitet werde“.

Sofort befanden wir uns mitten in einer Debatte über das Frauenvolksbegehren, das, nicht nur meiner Meinung nach, ein ausgesprochen linksgerichtetes Unterfangen ist, beispielsweise mit seiner Forderung nach einer 30-Stunden-Woche für alle. Genau diese Meinung äußerte ich und traf offenbar einen Nerv: Nicht die Lehrveranstaltungsleiterin (die allerdings auch an anderer Stelle meinte, sie sei jedenfalls Arbeitssozialistin), aber einige meiner Kolleginnen sahen mich an, als wäre ich Herbert Kickl höchstpersönlich – wie, was daran links sei? Und überhaupt, wie könne Kapitalismus jemals gut für Frauen sein? Und überhaupt außerdem, wieso heißt es eigentlich Frauenvolks­begehren und nicht nur Volksbegehren? Nun, weil Letzteres implizieren würde, jeder lebte gerne in einer eher an den Sozialismus angelehnten Gesellschaftsordnung, aber diesen Kommentar behielt ich dann doch lieber für mich. Es war ja erst Woche zwei.

Interessant hier die Verknüpfung der Kaptialismuskritik mit den Gender Studies. Theoretisch wäre diese ja auch ohne Kapitalismuskritik möglich. Aber Kapitalismus ist dann auch wieder Patriarchat.
Das man gleichzeitig beim Gender Pay Gap eine Ungleichbehandlung sehr kapitalistisch nur am Lohn festmacht ist hingegen den meisten dann wieder gar nicht aufgefallen.

Die Behauptung, Feminismus müsse links sein, sonst sei er kein Feminismus, zog sich, mit wenigen Ausnahmen (tatsächlich habe ich nur eine Kollegin kennengelernt, die ihre politische Ausrichtung, die eben nicht links war, offen artikuliert hat – sie hat das Studium nach dem ersten Semester abgebrochen), tatsächlich durch das ganze Semester. Das überraschte mich nicht, auffällig war nur die Selbstverständlichkeit, mit der das Thema ab und zu gestreift wurde.
Das war hier ja auch schon mehrfach diskutiert worden, wobei das dann dazu führt, dass beispielsweise Alice Schwarzer, für viele der Inbegriff des deutschen Feminismus, dann wegen ihrer Einstellung zu Flüchtlingen keine Feministin mehr sein kann.

(…)

Obwohl ich mir vorgenommen hatte, dieses Studium aus Recherchezwecken als stille Teilnehmerin zu absolvieren, bestand ich bei meinem Teil des Referats auf dem Buch „Beißreflexe“. Weil: Wer Queer und Kritik daran sagt, muss auch Patsy L’Amour ­laLove sagen. (Für die, die nicht so sehr in die aktuelle feministische Literaturkritik eingelesen sind: L’Amour laLove, selbsternannte Polit-Tunte, und andere üben in diesem Sammelband harsche Kritik an der autoritären Blockwartmentalität, die die Queere Theorie ihrer Meinung nach angenommen hat.) Jedenfalls hatte ich schon meine Probleme, das Buch innerhalb meiner Referatsgruppe zu verteidigen („Aber das können wir doch nicht machen! Das ist ja furchtbar böse Kritik!“), was zum Kompromiss führte, zunächst äußerst positive Abhandlungen zum Thema und dann das von mir gewählte Buch „aber ausdrücklich als Kritik und nicht als unsere Meinung!“ auszuwählen.
Mir war zu diesem Zeitpunkt schon beinahe der Kragen geplatzt, weshalb ich auch kein Problem damit gehabt hätte, dazuzusagen, dass ich das gesamte Buch in seiner Kritik als äußerst schlüssig empfinde – aber trotzdem gut, dass ich es nicht tat. Es stellte sich nämlich im Lauf des Referats heraus, dass die Lehrveranstaltungsleitende das Buch als ganz furchtbares Nestbeschmutzen empfand (einer der Autoren, Vojin Saša Vukadinović, war – oh Schreck – selbst zuvor Student der Gender Studies gewesen). Gelesen hatte sie es ­allerdings nicht, wie sie mir verriet. Spannend.

Interessant, kennt jemand die Kritik aus dieser Richtung und möchte sie vielleicht in einem Gastartikel darstellen?

Aber interessant, dass man da sehr deutlich die Hemmungen sieht die eigenen Theorien mal zu hinterfragen oder Gegenargumente zur Kritik zu finden. Statt dessen eher ein Ausblenden und auf jeden Fall eine Distanzierung.

(…)

Studenten als Schneeflocken – volatil und schutzbedürftig. Triggerwarnungen vor Texten, die Traumata auslösen oder an solche erinnern könnten, sind ein Beispiel, das dieser Trend zeitigt; dazu kommt, wie oben ausgeführt, die Bewahrung vor anderen Meinungen. Das verhindert allerdings die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Fachgebiet. Eine Universität ist kein safe space und Unwohlsein keine Gefahr, aber das sieht man innerhalb der Gender Studies anders. Auch in Wien.

Nichts an sich heranlassen, keine Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, deutlich machen, dass einen alles andere erschreckt, schockt und entsetzt um zu zeigen, dass man ganz auf der richtigen Seite ist.

 

Diese weitere Pflichtlehrveranstaltung nannte sich „Guided Reading“. Eine Übung, die je nach Lehrveranstaltungsleiter den thematischen Schwerpunkt wechselt, dieser war in meinem Semester, nachzulesen auf der universitätsinternen Lernplattform Moodle, wie folgt: „Die Lehrveranstaltung soll dazu beitragen, den Blick auf die grundlegende Verwobenheit von u. a. rassisierenden, vergeschlechtlichten, heteronormativen und klassistischen Normen, sowie jene der able-­bodiedness freizulegen und Wege zu neuen Denk- und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen.“
Ich bekam also quasi die Lehre der Opferhierachien zugeschanzt: intersektionale Feminismen. Klingt bösartig, ist es auch, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei kurz erläutert: Kimberlé Crenshaw, die Mutter der Intersektionalität, hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Diskriminierungen oft nicht ein-, sondern mehrdimensional sind, wenn eine Person mehrere Merkmale, aufgrund derer sie Diskriminierungen erleidet, in sich trägt. Das ist alles richtig, doch: Es gibt keinen obersten Richter in diesem Nullsummenspiel der Opferolympiade, weil die Kategorien und Variationen der jeweiligen Unterdrückung subjektiv und damit endlos sind. Es mutet so an, als ob es eher darum geht, dass jeder leiden darf, weil er irgendwie Opfer von irgendwem oder ­irgendetwas ist. 

Weil es keinen offiziellen Richter gibt, kann eben jeder Richter sein. Er muss sich allerdings in den passenden Theorien den „Betroffenen“ beugen, aber nur, wenn diese die Grundtheorien ebenfalls anerkennen und nach diesen eine Deutungshoheit anerkennen, nicht etwa, wenn sie diese ablehnen.

 

Dass wir in der ersten Einheit das Angebot erhielten, unseren Namen oder unser Pronomen je nach Befindlichkeit ändern zu können, irritierte mich mäßig. Ich überlegte mir kurz, auch diesen Selbstversuch zu wagen, verwarf ihn aber wieder. Die Person, die diese Lehrveranstaltung leitete, bestand jedenfalls darauf, nicht mit „Liebe/Lieber“ angeschrieben zu werden, sondern geschlechtsneutral, etwa mit „Hallo“. Jeder, wie er möchte, dachte ich mir, doch dann wurde es wirklich unangenehm. Die folgenden drei Stunden waren, sagen wir: interessant. Weil die Person, die unsere Lehrveranstaltung leitete, sich selbst dabei unwohl fühlte, frontal mit uns zu sprechen (Hierarchiephobie), wie das im universitären Betrieb normalerweise üblich ist, bildeten wir einen Sesselkreis, um uns in dieser ersten Einheit zwei Stunden darüber zu unterhalten, wie wir uns fühlen, wie wir miteinander umgehen wollen, welche Worte wir verwenden wollen und welche eher nicht.

Das Schöne ist ja, dass solche Vorlesungen dann wieder alle Vorurteile bestätigen. Eine Hierarchiephobie und man bildet einen Stuhlkreis. Es geht um Gefühle statt Fakten.

Es ist wirklich ein Fach, welches klischeehafter nicht auf Frauen ausgerichtet sein könnte, wenn man alle bösen Vorurteile zusammen sucht.

 

Aus Gründen kann ich dieses Studium nicht fortführen. Ich habe hier berichtet, was mir im Laufe eines Semesters widerfahren ist, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und im Bewusstsein, dass das nur eines von vier Semestern des gesamten Studiums ist. Es hat sich einiges bestätigt, was nicht nur mir, sondern dem Wissenschaftsbetrieb per se Sorgen machen sollte; vor allem scheint mir, dass den Studenten, die teilweise unbedarft in diesen Lehrveranstaltungen sitzen, ein ziemlich einseitiges Bild der Welt präsentiert wird (ein kleines Beispiel: In einem Großteil der Texte, die ich für all diese Lehrveranstaltungen zu lesen hatte, war es entweder der Kapitalismus, oder sein kleiner böser Bruder, der Neoliberalismus, der all die vielfältigen Opfer produziert). Dazu kommt der schon beschriebene Fokus auf das Selbst, das Ich, das alleine die Erfahrungen gemacht hat, die es eben gemacht hat, und die demnach nicht hinterfragbar sind in ihrer vermeintlich absoluten Wahrheit.

Auch hier wieder ganz klassisches Bild.

Etwas hat mich in der letzten Einheit meiner Übung dann aber doch beruhigt. Während wir wieder einmal zur Diskussion in Gruppen eingeteilt wurden, um über mannigfaltige Unterdrückungen zu sprechen, drehte sich ein Kollege zu mir um und sagte zu mir, was ich die ganze Zeit dachte: „Anna, das ist so ein Opferstudium.“

In der Tat, Opfer sein ist das wichtigste in dem Bereich.

 

71 Gedanken zu “Berichte aus den Gender Studies: Anna Schneider

  1. drehte sich ein Kollege zu mir um und sagte zu mir, was ich die ganze Zeit dachte: „Anna, das ist so ein Opferstudium.“

    Hausaufgabe: Schreibe ein Essay, wie du dich damit fühlst, dass das ein Mann gesagt hat.

  2. Schon witzig, dass in einem demokratischen, kapitalistischen Staat wie Österreich an den staatlich finanzierten Universitäten aktiv Propaganda gegen diesen Staat und die ihn tragenden Ideen gemacht werden kann. Fällt offenbar unter Wisenschaftsfreiheit, wobei man sich allerdings fragt, warum dann ein Bernd Lucke nicht die Freiheit haben soll, seine Ideen vorzutragen?

    Als ich studierte war es ähnlich mit dem Marxismus. Ich habe u.a. Germanistik studiert, wozu auch Linguistik gehört. Im Einführungsseminar in die Linguistik sagte uns der Dozent als erstes: Bevor ihr euch mit Sprache beschäftigen könnt, müsst ihr euch erst eine angemessene Theorie der Gesellschaft erarbeiten. Und dann lasen wir Marxens Kapital, in der Einführung in die Linguistik. Nicht Chomsky oder Ray Jackendoff oder auch nur Willhelm von Humboldt oder andere Klassiker der Sprachwissenschaft, sondern Marxens Theorie über die Wirtschaft. Später kam dann der russische marxistische Linguist Wigotsky dazu, der auch wirklich lesenswert ist.

    Also der kapitalistische Staat finanziert an seinen Universitäten die Vermittlung von Theorien, die ihn selber in Frage stellen an junge Menschen, die später als Pädagogen oder Soziologen auf die Menschen losgelassen werden.

    Ich bin nicht dagegen, dass an den Unis Marx gelesen wird oder auch die Autoren der Gender-Studies, aber ich meine das sollte am angemessenen Ort geschehen, Marx etwa in Ökonomie oder Philosophie und Gender-Theorien in Soziologie oder Pädagogik, und zwar im Kontrast zu anderen Theorien, nicht als „Wissenschaft“ deren Standards vorgegeben werden und nicht kritisiert werden dürfen.

    • Ich finde es eher witzig, dass die Betreiberinnen der gender studies ernsthaft davon ausgehen, in einer post-kapitalistischen Gesellschaft würde ihre nicht existierende Wissenschaftlichkeit einfach so durchgehen.

      Wieso sollte eine solche Gesellschaft diesen Studiengang finanzieren? Was ist der Wert der dort produzierten Erkenntnisse für diese Gesellschaft? Glauben die ernsthaft, mit dem Appell durchzukommen, diese „Wissenschaft“ sei irgendwie wichtig, weil sie von, über, für Frauen betrieben wird?

      Sie leben doch gut in einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, in der keinerlei Ansprüche an sie herangetragen werden. Sie müssen keine abrechenbaren Leistungen erbringen, keine Erfolge vorzeigen.
      Nichts davon.
      Sie brauchen nicht einmal so funktionieren, wie wir es sonst von einer Wissenschaft erwarten würden.

      Das ist der „benevolente Sexismus“ des Multi-Millionärs, der seine Ehefrau pampert und der stolz darauf ist, dass die Widerworte gibt. Sie ist zwar nicht in der Lage vier Sätze verständlich und mit nachvollziehbarer Logik zu formulieren – aber Hauptsache sie hat ein Hobby!

      Das MGTOW-Motto hingegen: „Genderismus in die Produktion!“ 😉

      • Denke auch, dass das das Kernproblem ist. Es geht ja an den Universitäten um wissenschaftliche Erkenntnis und die Verbreitung und Vermehrung des Wissens.

        Wenn eine Fachrichtung mit dermassen hohem gesellschaftlichen Einfluss sich des grundlegenden wissenschaftlichen Handwerkszeugs, geboren aus der Aufklärung, verweigert, dann wird es wieder finster. Dann heisst es wieder Religion und Glaube das Heft des Handelns zu übergeben, und nicht mehr der ratio.

        Bedenklich.

        • Ja, deine Ansicht teile ich – das ist Gegenaufklärung.

          Es ist vergleichbar, man würde die medizinische Forschung den „Globuli Studies“ überlassen – was natürlich nicht stattfinden wird.

          Ich finde es auffällig, hier wird unter dem Label „kritische Wissenschaft“ von Staats wegen eine Fachrichtung mit hohem gesellschaftlichen Einfluss installiert, die – mit Sektencharakter versehen – religiöses „Wissen“ produziert.

          • „Es ist vergleichbar, man würde die medizinische Forschung den „Globuli Studies“ überlassen – was natürlich nicht stattfinden wird.“

            Wie kannst Du da so sicher sein?

          • Wenn ein Blutdruck senkendes Medikament den Blutdruck gar nicht senkt, an Erkrankungen primär „die patriarchale Gesellschaft“ schuld ist und Hormone eine „soziale Konstruktion“ sind, würde es schnell auffallen, das hier eine Horde von Scharlatanen am Werk ist.

            Niemand hätte Lust, diesen Geld hinterher zu werfen, wenn man damit rechnen muss, dass sie zur Heilung von Erkrankungen nichts beitragen, weil schon die Analyse der Erkrankung nichts taugt.

      • „Ich finde es eher witzig, dass die Betreiberinnen der gender studies ernsthaft davon ausgehen, in einer post-kapitalistischen Gesellschaft würde ihre nicht existierende Wissenschaftlichkeit einfach so durchgehen.
        Wieso sollte eine solche Gesellschaft diesen Studiengang finanzieren? Was ist der Wert der dort produzierten Erkenntnisse für diese Gesellschaft?“

        Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.

    • „demokratischen, kapitalistischen Staat […] Propaganda gegen diesen Staat und die ihn tragenden Ideen gemacht werden kann“

      In einer Demokratie ist es grundsätzlich normal, Kritik zu üben, was auch Fundamentalkritik am System einschließen kann. Damit hab ich kein Problem. Solange das als politische Aktivität gekennzeichnet ist, kann es gern auch in Unis stattfinden. Das hat ja dort Tradition seit 1848., oder noch viel länger.

      Das Problem ist, dass hier Weltanschauung und politische Parteilichkeit als „Wissenschaft“ verkauft werden. Und dann was für eine Weltanschauung. Geschlecht als „Herrschaftsstruktur“? Wie irre kann man sein? Geschlecht ist eine biologische Kategorie bei vielen Lebewesen, es ist evolviert weil die Mischung der Gene zweier Individuen bei der Fortpflanzung ungeheure evolutionäre Vorteile bringt. Ist Gender StudentX das bekannt? Soziale Kategorien in der Spezies homo sapiens sind indirekte Tertiärfolgen, aber nicht der Kern des Themas. Ah jetzt bin ich bei der Headline des Blogs angelangt!

  3. Nach vier Jahren eines solchen Studiums ist man erstens dümmer geworden, nicht schlauer.

    Zweitens: „Studenten als Schneeflocken – volatil und schutzbedürftig. Triggerwarnungen vor Texten, die Traumata auslösen oder an solche erinnern könnten, sind ein Beispiel“.
    In einen Kontext gebracht, organisieren sie bzw. wird ihre gesamte Umwelt wie ein therapeutisches setting organisiert und sie sind die Patienten.
    Diese Therapie findet aber nie ein Ende, weil sie kein emanzipatives Ziel hat.
    Bzw. das Ziel ist, sie in ihrer Unmündigkeit zu bestärken, die „safe spaces“ nicht zu verlassen, hingegen Triggerwarnungen und safe spaces für alle zu fordern.
    Sagen wir mal so, das Studienfach spekuliert damit auf bereits vorab existierende Bedürfnisse der Studentinnen; also psychische (Vor-) Verfassungen.

    Drittens kann man hier: „Fokus auf das Selbst, das Ich, das alleine die Erfahrungen gemacht hat, die es eben gemacht hat, und die demnach nicht hinterfragbar sind in ihrer vermeintlich absoluten Wahrheit.“ schön sehen, warum dies geradezu eine Einladung für Narzisstinnen ist, einen solchen Studiengang zu wählen.
    Wer auch immer keine Lust hat, die eigene Position einer kritischen Überprüfung unterziehen zu lassen, ist hier bestens aufgehoben.
    Die maximale Ausweitung dieses „Ich“ – welches unhinterfragbare Wahrheiten produziert – ist die „Identität“: „Ich als Frau“ auf der Suche nach ultimativer Selbstbestätigung. Und natürlich die feministische Steigerung von Mitleid: Selbstmitleid.

    Sie schreibt viertens „dazu kommt, wie oben ausgeführt, die Bewahrung vor anderen Meinungen.“ Nicht wirklich „dazu“.
    M.E. folgt das zwangsläufig aus den oben aufgeführten Punkten.

    „Das verhindert allerdings die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Fachgebiet.“ – finde ich daher falsch formuliert.
    Das Ziel dieses Fachgebiets scheint mir zu sein, es zu einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung erst gar nicht kommen zu lassen.

    Welche andere Wissenschaft gibt es, bei der ich über die Eigenschaften eines Dings mehr weiß, wenn ich mich selbst darüber befrage, wie ich das das Ding empfinde und mich danach selbst davon überzeuge, das Ding sei gemäß meiner Empfindungen über es beschaffen?
    Ich kenne keine.

    • Nach vier Jahren eines solchen Studiums ist man erstens dümmer geworden, nicht schlauer.

      Wer sich 4 Jahre ein solches „Studium“ antut und den Mist nicht vorzeitig abbricht, der war von allem Anfang an doof.

    • Was in den GenderStudies als Kapitalismuskritik angepriesen wird ist nichts weiter als die Koketterie der privilegierten Dame aus gutbürgerlichem Hause. Der kleinbürgerlichen Existenz einen „revolutionären, rebellischen Touch“ zu verleihen ist in etwa so nachhaltig wie der aufgekleisterte Lidschatten. Das Sein bestimmt das Bewusstsein, was sich exemplarisch bei den Gendertanten zeigt. Ihr grosses Vorbild – Simone de Beauvoir – steht exemplarisch für dieses Bewusstsein.

  4. „volatil und schutzbedürftig. Triggerwarnungen vor Texten, die Traumata auslösen oder an solche erinnern könnten, sind ein Beispiel, das dieser Trend zeitigt; dazu kommt, wie oben ausgeführt, die Bewahrung vor anderen Meinungen.“

    Und Bewahrung vor der kalten, harten Realität:

  5. „Interessant hier die Verknüpfung der Kaptialismuskritik mit den Gender Studies“

    Das kann nichts sein! Unsere Blog-Linken hier, haben mir mehrfach versichert, dass Gender Studies mit links nichts zu tun hat.

    • @ Adrian

      „Das kann nichts sein! Unsere Blog-Linken hier, haben mir mehrfach versichert, dass Gender Studies mit links nichts zu tun hat.“

      Gender Studies haben in der Regel mit Kapitalismuskritik nichts oder nicht viel zu tun, war die Aussage. Und das ist auch so.

      Ich praktiziere seit Jahren Gender Kritik aus linker Perspektive und im Gegensatz zu manchen anderen, die sich im Netz dauerhaft als Gender-Kritiker betätigen, besitze ich mehrere Lehr- und Einführungsbücher der Gender Studies und auch Lehr- und Einführungsbücher angrenzender (vulgär-) postmodernistischer Richtungen wie Critical Whiteness, Queer-Feminismus etc. und habe diese gelesen oder quergelesen.
      Kapitalismuskritik kommt dort entweder nicht oder nur am Rande vor.

      Und diese Analyse bestätigt sich auch, wenn man gender-/queer-feministische Blogs im Netz anschaut. Kapitalismuskritik kommt auch dort entweder nicht oder nur am Rande vor.

      Selbstverständlich wird sich immer mal eine Ausnahme finden, die die Regel bestätigt, aber in der Regel ist Kapitalismuskritk für Gender-Feministinnen kein zentrales Thema.

      • Leszek, ich verrate Dir mal ein Geheimnis: Kapitalismuskritik ist, im Grunde genommen, Blödsinn. Es ist, als würde man das Konzept der Geschlechtlichkeit eines Menschen kritisieren.

        „Ich praktiziere seit Jahren Gender Kritik aus linker Perspektive und im Gegensatz zu manchen anderen, die sich im Netz dauerhaft als Gender-Kritiker betätigen, besitze ich mehrere Lehr- und Einführungsbücher der Gender Studies und auch Lehr- und Einführungsbücher angrenzender (vulgär-) postmodernistischer Richtungen wie Critical Whiteness, Queer-Feminismus etc. und habe diese gelesen oder quergelesen.“

        Bravo Leszek. Ich erkenne Studies als Blödsinn auch ohen deren Bücher. Dazu genügen mir nur die Aussagen.

        „Kapitalismuskritik kommt dort entweder nicht oder nur am Rande vor.“

        Implizit ja schon. Ziel der Genderista ist die Abschaffung des westlichen, patriarchalen Systems, der natürlich zwingend mit dem Kapitalismus einhergeht.

        • @Adrian „Kapitalismuskritik ist, im Grunde genommen, Blödsinn. Es ist, als würde man das Konzept der Geschlechtlichkeit eines Menschen kritisieren.“

          Willst du damit ausdrücken,Kapitalismus sein ein natürlicher Zustand, den man hinzunehmen hat?

        • Leszek, ich verrate Dir mal ein Geheimnis: Kapitalismuskritik ist, im Grunde genommen, Blödsinn. Es ist, als würde man das Konzept der Geschlechtlichkeit eines Menschen kritisieren.

          Das ist Blödsinn. Zunächst einmal beinhaltet der Begriff „Kapitalismus“ mehr als die Abwesenheit eines staatlichen Akteurs, der die Produktionsmittel – aka. Sozialismus – kontrolliert. Wäre das so, dann müsste ein „Staat“ wie Somalia, der kaum mehr staatliche Strukturen aufweist, als nahezu vollendete Verwirklichung des Kapitalismus gelten. Kapitalismus als Begriff beinhaltet wesentlich mehr als „natürliche“ Tauschgeschäfte auf privater Basis.

          • „Kapitalismus als Begriff beinhaltet wesentlich mehr als „natürliche“ Tauschgeschäfte auf privater Basis.“

            Korrekt. Man kann übrigens auch den Kapitalismus kritisieren, ohne zum Sozialisten zu mutieren. Der Kapitalismus ist keine „Friede, Freude, Eierkuchen“-Utopie, in der alle restlos glücklich und zufrieden sind; derartig naive Vorstellungen überlasse ich als turboliberaler Neokapitalist liebend gerne den Sozialisten. Ich bleibe Realist.

          • Somalia, das libertäre Paradies.

            Da hatte jemand die gleiche Idee wie ich. 🙂
            Somalia kommt Adrians Idealvorstellung einer Gesellschaftssystems ziemlich nahe, naja, minus Islam plus CSD. 🙂

          • „Kapitalismus als Begriff beinhaltet wesentlich mehr als „natürliche“ Tauschgeschäfte auf privater Basis.“

            Ich oute mich mal wieder als nicht-Politologe: Welches andere System basiert denn auf dem Prinzip freier Tauschgeschäfte auf individueller Basis?

            Denn dieser Kern – und das ist vermutlich das, was Adrian meint – scheint mir unverzichtbar.

          • Denn dieser Kern – und das ist vermutlich das, was Adrian meint – scheint mir unverzichtbar.

            Ja, eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung.

          • „Ja, eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung.“

            Kein Widerspruch.

            Und jetzt der andere Teil der Frage: Welches andere, bessere Gesellschafts- oder Wirtschaftssystem basiert auf dem Konzept des frei handelnden Akteurs?

          • „Der Kapitalismus ist keine „Friede, Freude, Eierkuchen“-Utopie, in der alle restlos glücklich und zufrieden sind;“

            Und eine solche Gesellschaft wird es auch nie geben.

          • Und jetzt der andere Teil der Frage: Welches andere, bessere Gesellschafts- oder Wirtschaftssystem basiert auf dem Konzept des frei handelnden Akteurs?

            Pfahlbauer?

          • „Pfahlbauer?“

            Also keins.

            Kapitalismus ist also das einzige System, das die notwendige Bedingung erfüllt.

            Klingt, als hätte Adrian recht…

            Dass eine Balance gefunden muss, wie man die Vorteile vom Kapitalismus behält, aber die Nachteile nicht ausufern lässt, ist dabei (von mir) absolut unbestritten.

          • „Pfahlbauer?“

            Also keins.

            Wenn man das Gesellschaftssystem der Pfahlbauer oder der Höhlenbewohner unter Kapitalismus subsummiert, dann ja. Wie ich aber bereits ausgeführt habe, beinhaltet der Begriff etwas mehr als nur Tauschgeschäfte auf privater Basis.

          • @Pjotr,

            Ach, entschuldige. Ich hatte den Vorschlag für einen Witz gehalten, 9 Milliarden Menschen nach dem Modell der Pfahlbauer leben zu lassen.
            Aber du meintest das Ernst.
            Mea culpa, Poe’s Law erwischt mich immer wieder auf dem falschen Fuß.

        • So so, Kapitalismuskritik ist also Blödsinn.

          Eine ziemlich weitreichende Aussage, die nicht den Tatsachen entspricht. Tatsache ist, dass der Kapitalismus gut darin ist, die allgemeine Wohlfahrt zu maximieren. Allerdings ist das nicht zwangsläufig der Fall.

          Wenn sich Monopole bilden, versagt der Kapitalismus. Wenn es um Allmendegütern und externe Kosten geht (Umwelt, Fischbestände, CO2, Abwässer in Flüssen etc.), versagt der Kapitalismus. Im Gesundheitssystem ebenfalls. Oder bei Infrastrukturthemen wie Bahn oder Wasserversorgung.

          Das sieht glaube ich jeder ein, ausser einigen im libertären Elfenbeinturm.

          • „Wenn sich Monopole bilden, versagt der Kapitalismus. Wenn es um Allmendegütern und externe Kosten geht (Umwelt, Fischbestände, CO2, Abwässer in Flüssen etc.), versagt der Kapitalismus. Im Gesundheitssystem ebenfalls. Oder bei Infrastrukturthemen wie Bahn oder Wasserversorgung.“

            Das ist als würde man sagen: Wenn sich Frau und Mann voneinander trennen, dann versagt die Heterosexualität.

          • Ein Kaptitalismus hat ein starkes Interesse daran Monopole zu verhindern. Weil sie den Wettbewerb begrenzen.

            So gesehen sind kommunistische Staaten weitaus eher eine Quelle starker Monopole. Denn sie haben ja meist staatlich geführte Unternehmen, die keine Konkurrenz haben. Und deswegen das Produkt meist auch nicht weiterentwicklen

      • „Ich praktiziere seit Jahren Gender Kritik aus linker Perspektive und im Gegensatz zu manchen anderen, die sich im Netz dauerhaft als Gender-Kritiker betätigen, besitze ich mehrere Lehr- und Einführungsbücher der Gender Studies und auch Lehr- und Einführungsbücher angrenzender (vulgär-) postmodernistischer Richtungen wie Critical Whiteness, Queer-Feminismus etc. und habe diese gelesen oder quergelesen.
        Kapitalismuskritik kommt dort entweder nicht oder nur am Rande vor.“

        Nun ja, jetzt stellt sich allerdings die Frage, inwieweit es aussagekräftig ist, dass in diesen Büchern dieses Thema nach deinem Kommentar kaum vorkommt, wenn sich dennoch zeigt, dass bei denen, die Gender-Feminismus propagieren, überaus häufig auch eine starke Ablehnung des Kapitalismus hervortritt (auch wenn das oft ziemlich selektiv ist, weil die Leute nicht von der Wand bis zur Tapete denken). Ist das dann nur Zufall oder nicht doch eher das logische Resultat daraus, dass die Intersektionalismus-Anhänger (das geht ja komischerweise heutzutage wie selbstverständlich Hand in Hand mit dem Gender-Feminismus) den Kapitalismus im Saldo doch eher als Diskriminierungs- und weniger als Befreiungs-Mechanismus begreifen und somit abschaffen wollen, um damit einen ihrer Meinung nach wichtigen Unterdrückungsfaktor zu beseitigen? Papier ist ja geduldig, aber es zählt dann doch irgendwie mehr, was die Aktivisten selbst massenhaft vertreten.

    • „… dass Gender Studies mit links nichts zu tun hat.“

      Hierüber schreibe ich gerade einen Text, der diese Frage endgültig, ein für allemal, absolut und unzweifelhaft klären wird. Der wird Dir gefallen, glaube ich. Leszek wird er wohl nicht so gefallen …

      Allerdings: ich seh‘ die ganze Angelegenheit locker. Inwieweit nun Feminismus, Identitätspolitik, Multikulturalismus u. dgl. auf den modernen Marxismus zurückgehen (also auf jenen Marxismus, der sich bemüht hat, Lehren aus dem Faschismus der 20er bis 40er Jahre zu ziehen), ist letztlich irrelevant – eine rein akademische Frage. Für uns Männerrechtler hängt da nichts dran.

      • Es hängt daran, dass mit der (wünschenswerten) Delegitimierung des Feminismus die (nicht wünschenswerte) Delegitimierung jeglichen sozialen Fortschritts auf uns zukäme, im schlimmsten Fall ein Marsch nach rechts. Die Vorboten sind bereits erkennbar. Deswegen ist es wichtig, das gedanklich zu trennen.

        Ich denke das Zuammenwerfen von „postmodernen“ Strömungen und Marxismus kommt aus Amerika. Dort ist Marxismus einfach ein allfälliges Schimpfwort, dessen Bedeutung die meisten nicht kennen. DIe haben den ja noch nie von nahem gesehen. Amis halten ja schon eine gesetzliche Krankenversicherung für Sozialismus.

      • Die Tendenz der Gender Studies und verwandter Denksysteme sich für ökonomische Analysen und Kapitalismuskritik wenig oder nicht zu interesseren und ihre Fixierung auf (Anti-)Diskriminierungsthemen ist wohl nicht zu übersehen.
        Was allerdings nicht heißt, dass sie eine rationale und nachvollziehbare (Anti-)Diskriminierungstheorie enthalten.

        • Quatsch, wie viele Gender-Texte in denen der Kapitalismus angegriffen wird sollen wir dir präsentieren? Wie heißt es im Ausgangstext?
          „In einem Großteil der Texte, die ich für all diese Lehrveranstaltungen zu lesen hatte, war es entweder der Kapitalismus, oder sein kleiner böser Bruder, der Neoliberalismus, der all die vielfältigen Opfer produziert.“

          • @ El_Mocho

            „Quatsch, wie viele Gender-Texte in denen der Kapitalismus angegriffen wird sollen wir dir präsentieren?“

            In wie vielen der gender-feministischen Blog-Texte, die im Laufe der Jahre hier auf „Alles Evolution“ besprochen wurden, war Kapitalismuskritik denn ein zentrales Thema? Siehst du, und so ist es auch mit Schriften aus dem Bereich Gender Studies.

            „Wie heißt es im Ausgangstext?“

            Und warum sollte ich das für repräsentativ halten (oder überhaupt glauben)?

            Ich kenne, da ich linker Antikapitalist bin, dass Spektrum der linken Kapitalismuskritik ganz gut. Gender-Studies-Theoretiker spielen in diesem Bereich in der Regel keine Rolle.

          • Hier mal eine kurze Passage zum Thema Kapitalismus aus einem Gender Studies-Lehrbuch. (Wie in allen mir bekannten Lehr- und Einführungsbüchern zu den Gender Studies spielen ökonomische Themen dort nur eine untergeordnete Rolle.) Die folgende Passage habe ich ausgewählt, weil sie eine Beurteilung des Kapitalismus aus intersektional-feministischer Perspektive beinhaltet. Diese Beurteilung fällt nicht negativ, sondern ambivalent aus:

            „Die Logik des Kapitalismus ist dabei eine ambivalente. Denn einige Emanzipationsziele sind mit ihm nicht nur kompatibel, sondern nützen ihm auch: Bildung, Öffnung der Berufslaufbahnen und Gleichstellung haben Frauen im letzten Jahrhundert zu mehr Freiheit und Selbstbestimmung verholfen – aber eben auch den Kapitalismus am Laufen gehalten – auf Kosten der Nichtbewertung von Hausarbeit. Andere Auswirkungen wiederum widerspechen Emanzipationszielen: Steigerung der Ungleichheit, gnadenlose Auslese nach Verwertbarkeit, Umwandlung aller menschlichen Bedürfnisse in Konsumwünsche. Der Kapitalismus unterwirft mit anderen Worten die unterschiedlichsten Bedürfnisse der eigenen Logik der Profitmaximierung.

            Können unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen sowohl profitieren als auch zu den Verlieren gehören, leitet Claudia Koppert aus dieser Ambivalenz eine charmante These ab: „Die ökonomische Rationalität, das muss man ihr lassen, entfaltet eine ungeheuer antiessentialistische Wirkung. Deshalb „dekonstruiert“ der deregulierende Kapitalismus, was das Zeig hält: alte Verpflichtungsgefüge und Werte ebenso wie alte Geschlechtsrollenvorstellungen, Seinsweisen und Lebensformen.“ (Koppert 2003b: 21, vgl. Cyba 2004: 16 f.)

            Das erklärt seine Faszination und auch die Hemmung so gänzlich mit seinen Errungenschaften zu brechen. Wer möchte schon ohne Kühlschrank und Internet leben? Wer will sich noch auf die Rolle der erwerbsarbeitsabstinenten Hausfrau und Mutter festlegen lassen? (…) Gerade darin (…) bestünde auch eine Aufgabe einer intersektionalen Analyse: zu zeigen, dass Frauen, (…), Lesben, Junge, Transmenschen vom Kapitalismus profitieren, ebenso aber auch zu Verlierergruppen gehören können.“

            (aus: Nina Degele – Gender / Queer Studies, UTB, 2008, S. 145 f.)

        • Aus den Gender Studies kommt das theoretische Grundgerüst um Hautfarbe und Geschlecht mit dem Kapitalismus in Verbindung zu bringen.

          Mann, weiß und Kapitalismus sind schlecht, die müssen ja einfach unter einer Decke stecken!

          • Gott, ist das hohl. Marx, Engels, Hegel… Wie viele Menschen wird man auf Google wohl künftig einfärben, quasi blackfacen, müssen, um diesen Schmarrn auch nur halbwegs plausibel erscheinen lassen zu können. Klar, waren die meisten Großkopferten im Kapitalismus der westlichen Welt Weiße, genauso aber auch die erdrückende Mehrheit der schärfsten Kritiker kapitalistischer Ordnungen.

            Früher kamen Leute mit solchen Ansichten nicht darüber hinaus, diese auf ein großes Pappschild zu schreiben, welches sie sich dann um den Hals über ihren sonst nackten Körper hängten, um so, mit wirrem Blick und zerzauster Frisur, durch die Straßen zu wandern und ihre „Erkenntnisse“ hysterisch plärrend zu verkünden. Heutzutage kriegen sie in öffentlichen Publikationen eine Bühne geboten, um ihr krudes Gedankengut kritikfrei und unhinterfragt in die Welt zu posaunen. The times they are a changing…

            Und zu der Geschlechtersache: auch hier beachte man erstens das Geschlecht der meisten antikapitalistischen Philosophen. Und Angela Merkel ist natürlich für ihren Antikapitalismus bekannt. Ganz zu schweigen von der schon fast marxistischen, gewerkschaftsliebenden Maggy Thatcher. Hach, die Welt kann so schön einfach sein. Oder wie sagte Volker Pispers mal: Wenn man morgens schon immer weiß, wer der Böse ist, dann hat der Tag Struktur.

      • „In einem Großteil der Texte, die ich für all diese Lehrveranstaltungen zu lesen hatte, war es entweder der Kapitalismus, oder sein kleiner böser Bruder, der Neoliberalismus, der all die vielfältigen Opfer produziert).“

        Jedem, der sich mit den theoretischen Grundlagen der Gender Studies ernsthaft beschäftigt hat, müsste doch eigentlich auffallen, dass diese Aussage der gender-feministischen und intersektionalen Theorie widerspricht.
        Die intersektionale Theorie lehnt die Auffassung, dass es nur EINE Ursache für alle Diskriminierungs- und Unterdrückungsformen gebe ja gerade ab.

        Nochmal ein Zitat hierzu aus dem Gender Studies-Lehrbuch von Nina Degele:

        “Inzwischen gehört es zum guten Ton der Gender/Queer Studies, Ungleichheits- und Unterdrückungsverhältnisse nicht mehr auf eine Kategorie wie Geschlecht oder auch Sexualität zu reduzieren. Eindimensionale Modelle wie Kapitalismus oder Patriarchat zur Beschreibung und Erklärung von Ungleichheiten in der Geschlechterforschung sind outmoded.”

        (aus: Nina Degele – Gender/Queer Studies, UTB Verlag, 2008, S. 141 f.)

        Siehe zu diesem Thema auch einen älteren Beitrag von mir zu ideengeschichtlichen Aspekten von Intersektionalität:

        https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/12/19/gastartikel-leszek-ueber-intersektionalitaet/

    • Wenn politisch in zwei Kategorien und nur zwei Kategorien eingeteilt wird – links und rechts – dann ist das zwangsläufig etwas undifferenziert. Dann muss man auch den klassischen Konservativen, den Libertaristen und Hitler in die Kategorie „rechts“ einstufen. Da gibt es aber Unterschiede, wesentliche Unterschiede.

    • @Adrian Es ist ne Definitionsfrage. Dass sich der Feminismus selbst als „links“ definiert ist schon klar und bestreitet niemand. Ich würd aber sagen das ist angemaßt und er passt nicht in das Schema dessen was früher mal als links galt: Der Kern einer linken Politik sollte schon sowas wie soziale Gerechtigkeit, Sozialdemokratie, ggf. Sozialismus sein. Das ganze politisch korrekte Chichi von Anfifa bis Feminismus ist nicht so wichtig. Es ist vielleicht manchmal ganz nett, aber manchmal ist es auch reaktionär. Ohne einen sozialen Markenkern ist es in jedem Fall nur Verpackung ohne Inhalt. In vielerlei Hinsicht wirkt der Feminismus außerdem als Verstärker sozialer Ungleichheit.

  6. Gibt es eigentlich Studien dazu, wie viele dieser Menschen, die gender studies studieren, von Helikoptereltern großgezogen wurden? Vielleicht sind ja auch überdurchschnittlich viele Einzelkinder darunter. Ich meine irgendwoher muss ja diese Ich-Bezogenheit, dieses Verlangen nach Behütetsein, das Nicht-klarkommen mit der Realität ja kommen. Solche Menschen erscheinen mir auf sich allein gestellt nicht lebensfähig. Die haben in ihrem Leben wahrscheinlich nie contra bekommen, sondern bekamen alles in den Arsch geblasen. Wahrscheinlich rekrutieren sie sich auch aus den entsprechenden sozial besser gestellten Schichten, die sich ein solches Verhalten leisten können. Und allein sich solch ein Verhalten leisten zu können, ist schon ein verdammt großes Privileg. Oh wait!

  7. Also ich will mich gar nicht in diese Grundsatzdebatte, was Kapitalismus ist und ob es Alternativen gibt, einmischen. Aber zu behaupten, Feminismus sei allenfalls am Rande anti-kapitalistisch, halte ich doch für gewagt. Einfach mal auf Instagramm nach #Feminismus schauen, da dreht es sich in jedem dritten Posting darum, dass echte Emanzipation im Kapitalismus nicht möglich ist. Besonders amüsant fand ich ein Posting, wo ein Bild mit Geschäftsmännern irgendwo in einem Koferenzraum kritisiert wurde. Dass da keine Frau zu sehen sei, sei ein no-go und total peinlich – aber dann hiess es, es könne nicht das Ziel sein, dass Frauen zu diesem Kreis dazugehören (wieso nicht?), sondern es müsste das Ziel sein, dieses ganze kapitalistische System und damit solche Machtkreise zu überwinden.
    Letztlich werden Frauen, die sich in der Geschäftswelt ohne Quote durchsetzen so auch noch zu Verräterinnen abgestempelt, die ein System am Leben halten, was man überwinden möchte und welches andere Frauen behindert.

    • @ Hannah

      Ich glaube, das, was viele hier meinen, ist mehr der Fakt, das zwar tatsächlich viele feministisch sozialisierte Leute auch entschlossen „gegen Kapitalismus“ anschreiben, man aber an den Ausführungen merkt, dass diese Leute, vorrangig die typischen, narzisstischen Twittertussies, eigentlich zu blöd sind, um aus der fahrenden Straßenbahn zu schauen und ihre Fähigkeit, durchaus komplexe Themen wie Gesellschaftssysteme überhaupt zu begreifen geschweige denn gar fundiert zu kritisieren, somit mehr als fraglich erscheint.

      Feministische Twittertussies schreiben „gegen Kapitalismus“ an, weil es en vogue ist, es, wie so vieles, was sie von sich geben, schlicht ein Ausdruck der „richtigen Gesinnung“ ist. Dass ihr eigenes tagtägliches Verhalten gar nicht kapitalismuskonformer sein könnte, sehen sie nicht, weil sie gar nicht wirklich über das Bescheid wissen, worüber sie sich ereifern.

      Das sieht man ja wunderbar an deinem gebrachten Beispiel. Würden die Damen auch nur über rudimentäre Kenntnisse verfügen, wüssten sie, dass diese „Machtzirkel“ nichts mit Kapitalismus zu tun haben. Solche „Machtzirkel“ entstehen vor allem dadurch, dass es nun einmal unter uns Menschen einige recht wenige gibt, die geborene Leitwölfe sind; Alphatiere sozusagen. In ihrem Fahrwasser finden sich dann in der Regel auch noch etliche Opportunisten, die sich gerne und unter bestimmten Gegebenheiten auch durchaus erfolgreich als Leitwölfe inszenieren und so ordentlich absahnen können. Solche Dinge bekommst du nicht aus einer Gesellschaft raus, nur indem du groß und feierlich das Ende des Kapitalismus‘ ausrufst. Die Orte, wo sich dann solche Leitwölfe und Opportunisten versammeln, werden nur verlagert. In eher kapitalistischen Systemen finden sie sich eher im Bereich der Konzernspitzen und der Arbeitgeberverbände, in eher sozialistischen bis kommunistischen Systemen sitzen dieselben Leute dann in Politbüros; eben immer da, wo es systembedingt mehr zu bestimmen und entscheiden und / oder abzusahnen gibt.

      Das ist es eben, was gemeint ist, wenn man die feministische Kapitalismuskritik als solche infrage stellt: sie bleibt stets phrasenhaft, pauschal und an sich völlig ungreifbar, weil bei den Verfassern keinerlei Verständnis für das von ihnen Kritisierte vorliegt. Es ist nichts als dummes Geschwätz, welches so inhaltsleer daherkommt, dass es zumeist reichen würde, einfach nur in Texten und Aussagen das Wort Kapitalismus durch Sozialismus zu ersetzen, um, ohne auch nur eine weitere noch so kleine Textänderung, die „Kapitalismuskritik“ in „Sozialismuskritik“ zu verwandeln.

      • Das hängt in deren Köpfen doch alles zusammen, Frauendiskriminierung, Rassismus, Homophobie, und natürlich auch der westliche Kapitalismus, der ja im wesentlichen von weißen Männern geschaffen wurde und die Persons of Color kolonialisiert hat.

      • @Billy,

        deine Einschätzung, was die kognitiven Kapazitäten einer Twitter-Feministin angeht, teile ich vollkommen.

        Aber m.E. unterschätzt du einen wesentlichen Aspekt.

        Ein wesentlicher Kern des Kapitalismus ist ja, ganz grob gesagt, dass jeder Mensch so viel wert ist, wie er zu leisten im Stande ist. Du bekommst deinen Lohn nicht dafür, was du bist, sondern dafür, was du tust.
        Der Homo Oekonomicus ist ein Human Doing.
        Frauen aber sind von Natur aus Human Beings. Es war schon immer die halbe bis dreiviertel Miete, eine (gebährfähige) Frau zu sein.
        Dass in früheren Jahrhunderten Männer dann durchaus großen Wert auf das legten, was die Frau ansonsten an den Tisch bringt (Fleiß, Sparsamkeit, Sittsamkeit sind bei den Grimms ständig gelobte und geforderte Tugenden), ist bei den Frauen von heute so gut wie vollständig in Vergessenheit geraten bzw. als zu überwindendes patriarchales Unterdrückungselement geächtet.

        Es gibt eine wahre Flut an medialen Erzeugnissen, die das Frausein in irgendeinem Kontext unermüdlich und ewig durchexerzieren. „Frauen im Bauhaus“, „Frauen lesen – Der Tischkalender“, „Frauen niesen“ usw. usf.
        Ich habe mich immer gefragt, warum all diese Titel eine nicht abreißende Nachfrage haben. Meine derzeitige Vermutung: Sie füttern das zeitgeistige Gefühl beim Zielpublikum: „Frau-sein, das ist doch wichtig! Frau-sein, das müsste doch eigentlich reichen!!“

        Die etwas helleren Frauen ahnen die Zusammenhänge und lehnen sich dagegen auf: „Wie, ich kriege keine Rente, wenn ich nie eingezahlt habe? DAS GEHT NICHT“, „Wie, mein Gehalt ist kleiner, wenn ich weniger hart und weniger lang arbeite? DAS GEHT NICHT“, „Wie, mein Gehalt ist kleiner, wenn ich genau den gleichen Job machen will wie alle anderen auch und so für ein rieseges Angebot bei konstanter Nachfrage sorge? DAS GEHT NICHT“.

        Frau-sein an sich hat im Kapitalismus keinen Wert.
        Und das ist auch schon die gesamte feministische Kapitalismuskritik.
        Aber es ist eine.
        Feministinnen wollen eine Welt, in der Frau einfach bekommt. Ohne Gegenleistung. Auch ohne Leistung gegenüber einem Gatten. So eine Welt ist feudal, aber nicht kapitalistisch.

        • Wir haben uns den Feminismus also als einen Feudalismus vorzustellen, nur dass die Stelle der Aristokratie durch Frauen besetzt wird? Eine Freiherrin von und zu wird man, sry, frau ja auch nur qua Geburt.

          • Hast du nicht den Eindruck?

            Was stimmt an dem Gleichnis nicht?
            – Frauen sind per Geburt die besseren Menschen.
            – Die feinste Kleidung ist für die Frauen da.
            – Wenn einer Frau etwas passiert, kommt das einer Katastrophe gleich. (Ob vom Pöbel jemand drauf geht ist eher egal)
            – Frauen haben ein angeborenes Anrecht auf die Arbeitserträge des Pöbels.
            – Das Urteil einer Frau darf vom Pöbel nicht in Frage gestellt werden.
            – Eine Frau hat Respekt verdient, egal was

            Der Vergleich bricht natürlich in dem Moment zusammen, wenn man bedenkt, dass der Adel früher Verantwortung hatte.
            Davon kann beim Feminismus natürlich keine Rede sein.

        • @ Only Me

          Danke für die Ergänzung. Tatsächlich ging ich eher von einer Gegenüberstellung Kapitalismus vs. Sozialismus aus, weil es hier ja vorwiegend um die recht groben Links-Rechts-Koordinaten ging und wo der Feminismus eher einzuordnen ist. Wenn man feministische Kapitalismuskritik als links verstehen will, müsste sie ja im Gegenentwurf auf ein möglichst sozialistisch geprägtes System hinauslaufen, aber wenn man sich die Realitäten in sozialistischen Staaten der Gegenwart wie auch der näheren Vergangenheit betrachtet, deckt sich da nix mit feministischen Utopias. In der DDR gab es nicht nur ein Recht auf Arbeit, sondern auch eine Pflicht dazu. Wer sich in der DDR auf der sozialen Hängematte einrichten wollte, musste schon ausgebuffter sein, als einfach nicht mehr arbeiten zu gehen. Worte, die von Politikern und Medien für solche Menschen verwendet worden, wären in der BRD, damals wie heute, alles andere als salonfähig. Wer sich nicht um Arbeit kümmerte, bekam Dienste im Sinne der Gemeinschaft (in Parks Laub zusammenharken und so) aufs Auge gedrückt. Wer da nicht erschien, der wurde teils sogar von zu Hause abgeholt und es drohten erhebliche Strafen, ich meine sogar bis hin zu Beugehaft.

          Menschen, die meinten, der Gesellschaft keinen Nutzen erbringen zu müssen oder dieser gar noch durch egozentrische Extrawürste auf der Tasche zu liegen, die waren in sozialistischen Staaten nicht gerne gesehen, einfach weil sich ein Sozialsystem, welches von einer sozialistisch organisierten Wirtschaft gefüttert wird, solche Leistungsverweigerer noch weit weniger leisten kann, als ein Sozialsystem, welches sein Geld aus einer eher kapitalistisch organisierten Wirtschaft bezieht. Bei allem, was man gewiss am Kapitalismus kritisch sehen kann, so muss man ihm doch zugute halten, dass er um einiges effizienter ist, als der Sozialismus.

          Durch meine Herangehensweise habe ich diese Form von „echter Kapitalismuskritik“ im Feminismus, wie du sie schlüssig hergeleitet hast, gar nicht wahrgenommen, gebe dir aber Recht. Allerdings zeigt das eben einmal mehr, wie ungenügend ein sehr schematisches Denken nur in Rechts oder Links ist. Wo ordnet man denn feudalistisches Denken ein? Zu Zeiten der Weimarer Republik standen Monarchisten bei den meisten politischen Themen eher rechts, aber heutzutage wünscht sich meines Wissens auch im politisch rechten Lager kaum noch einer wirklich die Rückkehr feudalistischer Gesellschaftsordnungen.

          Ich denke, der Mainstream-Feminismus ist schlicht in dieser holzschnittartigen Sicht in keinem der Lager durchweg schlüssig unterzubringen. Meine Meinung ist, dass die Selbstetikettierung als Links nicht zuletzt daher rührt, weil gegenwärtig Links öffentlich gerne gefühlt als „allzeit Gut“ dargestellt wird. Der exakt selbe Feminismus der Gegenwart hätte sich in den 1930er Jahren ebenso selbstverständlich als rechts inszeniert, halt immer da, wo die Presse ihre Präferenzen zeigt.

          • @Billy,

            jupp, das Linke im Feminismus beschränkt sich wohl auf die nominale Forderung nach „Gleichheit“ und einer sehr weiblich gefärbten Variante von „Jeder nach seinen Fähigkeiten, Jedem nach seinen Bedürfnissen“, wobei die Fähigkeiten ausreichend damit abgedeckt sind, allein durch ihre Weiblichkeit die Welt zu einem besseren Ort zu machen und ihre Bedürfnisse natürlich alle gerechtfertigt und zu befriedigen sind.

    • Außerdem wurde ja auch schon verschiedentlich beschrieben: Der Feminismus will maximale Privilegien für die eigene Kaste (Femitrullas, oder Trullas allgemein) mit der „Begründung“ sie seien ja so unterdrückt, und wenn darauf hingewiesen wird dass es auch Männer gibt denen es schlecht geht und die von ihren angeblichen Privilegien offenbar nichts haben, ist die Antwort „Selbst schuld“. Plötzlich sind gesellschaftliche Umstände gar kein Faktor mehr. Das ist ganz klassisch neoliberal, kein Linker würde so argumentieren.

      • „kein Linker würde so argumentieren“

        Es ist den Linken per se wesensfremd, dass sie vom Leid von Menschen aus der Gruppe Der Anderen völlig engerührt bleiben?

        Das ist eine steile These.

        • Ich würde sagen dass es Bestandteil jeder linken Argumentation ist, dass kein Mensch für sein eigenes Schicksal allein verantwortlich ist, sondern dass gesellschaftliche Verhältnisse immer den größten Ausschlag geben. Das gilt ausnahmslos für alle Teile der Gesellschaft, auch für „Privilegierte“: Eine Ideologie die dieses Prinzip nicht teilt – und sei es auch nur selektiv – ist nach dieser Definition nicht links.

          • rechts-autoritär -> KZ = schlecht
            links-autoritär -> Gulag = gut

            Bei beiden Strömungen hat das Kollektiv Vorrang vor dem Individuum und wer nicht freiwillig mitmacht, wird mitgemacht.

          • @only me Das war jetzt flach 🙂 Die Antwort lautet, dass es nicht kennzeichnend für linke Auffassungen ist, Gulags zu bauen, sondern für autoritäre Regime jeglicher Couleur. Aber nicht jedes linke Regime ist autoritär. Möglich sind links-autoritäre, rechts-autoritäre, links-libertäre, und rechts-libertäre Positionen und Regime. @Freddy Krüger hat diese Metrik bereits verwendet, Illustration dazu:

          • Ich glaube, ein Problem, das sich hier bildet, ist die enorme Bandbreite von Positionen, die man unter Rechts wie auch Links zusammenfasst. Rechts reicht von bürgerlich konservativ bis hin zum durchgeschallerten Hardcore-Nazi. Links reicht vom (klassischen) Sozialdemokraten bis hin zum totalitären, gegen jeden und alles was ihm nicht passt mit Steinen schmeißenden Linksfascho. Die SPD unter Brandt und Schmidt war ohne Frage eine linke Partei, aber ebenso ohne Frage völlig unverdächtig, was das Einrichten von Gulags anging. Sie zielte auf gesellschaftlichen Konsens und Vermittlung, ebenso wie zuvor die CDU. Lediglich die Ideen und Schwerpunktsetzungen in der Umsetzung differierten.

            Da man aber heutzutage kaum noch beim Umgang mit diesen beiden Lagern differenziert, kommt es immer wieder zu solchen Fällen von aneinander Vorbeireden bzw. einem Austausch von auf der einen Seite dem, was man sich idealtypisch als, in diesem Falle, links vorstellt und dem Gegenhalten der Folgen absoluter Exzesse.

          • @anorak,

            nein, schwach war dein Feld-und-Festung Argument: „Links = ausgleichend fair“. Das ist nicht mal notwendige Bedingung für „links“.

          • @only me Strohmann, das hab ich überhaupt nicht gesagt. Ich habe meine gesamte Definition bewusst wertfrei und rein deskriptiv gehalten. Darf man hier eigentlich noch irgendwas schreiben ohne dass irgendwer neoliberale Kniescheibenreflexe bekommt? Nehmt doch mal eure Pillen. @Billy Coen hat schon das wesentliche geschrieben, jemandem der zB einen sozialdemokratischen Standpunkt hat die Gulags vorzuwerfen ist absurd, billige Polemik deren einziger Zweck darin besteht die Diskussion abzuwürgen. Und nu lass das bitte, ich werde auf solchen Blödsinn nicht wieder eingehen.

            So. Zum Thema zurück: Die Femis entsprechen nicht der klassischen Definition von links, weil sie aufhören gesellschaftliche Zusammenhänge als Kernfaktor aller Beziehungen zu betrachten sondern anfangen individualistisch zu argumentieren, wenn ihre Feindbilder das erfordern. Die Beschreibung geht von keinem Standpunkt als „richtig“ aus, sie stellt nur doppelte Standards fest. Wenn du Individualismus hochhältst und gesamtgesellschaftliche Analysen nicht magst, kannst du genausogut umgekehrt argumentieren: Die Femis argumentieren mit „Jeder ist seines Glückes Schmied“ wenn es Männer betrifft, und mit „gesellschaftlichen Strukturen“ wenn es sie selbst betrifft. Comprende?

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