Berichte aus den Gender Studies: Anna Schneider

Anna Schneider berichtet von ihrem einen Semester Gender Studies, dass sie absolviert hat um sich dort ein eigenes Bild zu machen, ob die Kritik berechtigt ist (Autorin ist auch auf Twitter) . (siehe auch bereits Arne)

Zwei der von mir besuchten Lehrveranstaltungen waren Vorlesungen, die eine zum Thema Theorien und Methoden, die andere zum Thema Einführung in die Gender Studies. Es schien, als ob die meisten Kolleginnen (die zwei bis drei Kollegen äußerten sich erst gegen Ende des Semesters regelmäßiger) schon mit ­einem gewissen vorgefertigten Weltbild in den Lehrsaal gekommen wären. Das bestätigte sich in der ersten Lehrveranstaltungseinheit der Theorievorlesung, als nicht bloß eine auf die Frage der Lehrveranstaltungsleiterin, was wir denn unter dem Begriff Geschlecht verstünden, wie aus der Pistole geschossen mit: Herrschaftsstruktur! antwortete. So weit, so eigenartig, entließ uns die Lehrveranstaltungsleitende vorerst mit den Worten: „Wir haben weder eine gemeinsame Lösung noch ein gemeinsames Ziel, nichts ist falsch. Es ist schön, dass sich so viele Menschen Gedanken machen“ in unser erstes Semester.

„Nichts ist falsch“ (solange es im groben in unsere Theorien passt) würde ich vermuten. Auf die Idee berechtigter Kritik kommt man dort ja meist nicht.

Aber ich möchte diesen Vorlesungen nicht unrecht tun. Im Laufe des Semesters präsentierten uns die Lehrveranstaltungsleiterinnen Theorien von Positivismus bis Postmoderne, auch die Prüfung am Ende des Semesters war entsprechend anspruchsvoll. Allerdings: Einmal wagte ich zu widersprechen. Es ging zunächst um die Theorie Marx’ und die feministische Kritik daran, er würde sich nur auf die Klassenfrage fokussieren und dabei die Reproduktionsarbeit übersehen; daran anschließend diskutierten wir über das heute dominierende System des Kapitalismus, der nach der Meinung einiger Diskussionsteilnehmerinnen dafür sorge, dass Nichterfolg im Leben ein persönliches Problem sei. Außerdem sei er schuld daran, „dass immer gearbeitet werde“.

Sofort befanden wir uns mitten in einer Debatte über das Frauenvolksbegehren, das, nicht nur meiner Meinung nach, ein ausgesprochen linksgerichtetes Unterfangen ist, beispielsweise mit seiner Forderung nach einer 30-Stunden-Woche für alle. Genau diese Meinung äußerte ich und traf offenbar einen Nerv: Nicht die Lehrveranstaltungsleiterin (die allerdings auch an anderer Stelle meinte, sie sei jedenfalls Arbeitssozialistin), aber einige meiner Kolleginnen sahen mich an, als wäre ich Herbert Kickl höchstpersönlich – wie, was daran links sei? Und überhaupt, wie könne Kapitalismus jemals gut für Frauen sein? Und überhaupt außerdem, wieso heißt es eigentlich Frauenvolks­begehren und nicht nur Volksbegehren? Nun, weil Letzteres implizieren würde, jeder lebte gerne in einer eher an den Sozialismus angelehnten Gesellschaftsordnung, aber diesen Kommentar behielt ich dann doch lieber für mich. Es war ja erst Woche zwei.

Interessant hier die Verknüpfung der Kaptialismuskritik mit den Gender Studies. Theoretisch wäre diese ja auch ohne Kapitalismuskritik möglich. Aber Kapitalismus ist dann auch wieder Patriarchat.
Das man gleichzeitig beim Gender Pay Gap eine Ungleichbehandlung sehr kapitalistisch nur am Lohn festmacht ist hingegen den meisten dann wieder gar nicht aufgefallen.

Die Behauptung, Feminismus müsse links sein, sonst sei er kein Feminismus, zog sich, mit wenigen Ausnahmen (tatsächlich habe ich nur eine Kollegin kennengelernt, die ihre politische Ausrichtung, die eben nicht links war, offen artikuliert hat – sie hat das Studium nach dem ersten Semester abgebrochen), tatsächlich durch das ganze Semester. Das überraschte mich nicht, auffällig war nur die Selbstverständlichkeit, mit der das Thema ab und zu gestreift wurde.
Das war hier ja auch schon mehrfach diskutiert worden, wobei das dann dazu führt, dass beispielsweise Alice Schwarzer, für viele der Inbegriff des deutschen Feminismus, dann wegen ihrer Einstellung zu Flüchtlingen keine Feministin mehr sein kann.

(…)

Obwohl ich mir vorgenommen hatte, dieses Studium aus Recherchezwecken als stille Teilnehmerin zu absolvieren, bestand ich bei meinem Teil des Referats auf dem Buch „Beißreflexe“. Weil: Wer Queer und Kritik daran sagt, muss auch Patsy L’Amour ­laLove sagen. (Für die, die nicht so sehr in die aktuelle feministische Literaturkritik eingelesen sind: L’Amour laLove, selbsternannte Polit-Tunte, und andere üben in diesem Sammelband harsche Kritik an der autoritären Blockwartmentalität, die die Queere Theorie ihrer Meinung nach angenommen hat.) Jedenfalls hatte ich schon meine Probleme, das Buch innerhalb meiner Referatsgruppe zu verteidigen („Aber das können wir doch nicht machen! Das ist ja furchtbar böse Kritik!“), was zum Kompromiss führte, zunächst äußerst positive Abhandlungen zum Thema und dann das von mir gewählte Buch „aber ausdrücklich als Kritik und nicht als unsere Meinung!“ auszuwählen.
Mir war zu diesem Zeitpunkt schon beinahe der Kragen geplatzt, weshalb ich auch kein Problem damit gehabt hätte, dazuzusagen, dass ich das gesamte Buch in seiner Kritik als äußerst schlüssig empfinde – aber trotzdem gut, dass ich es nicht tat. Es stellte sich nämlich im Lauf des Referats heraus, dass die Lehrveranstaltungsleitende das Buch als ganz furchtbares Nestbeschmutzen empfand (einer der Autoren, Vojin Saša Vukadinović, war – oh Schreck – selbst zuvor Student der Gender Studies gewesen). Gelesen hatte sie es ­allerdings nicht, wie sie mir verriet. Spannend.

Interessant, kennt jemand die Kritik aus dieser Richtung und möchte sie vielleicht in einem Gastartikel darstellen?

Aber interessant, dass man da sehr deutlich die Hemmungen sieht die eigenen Theorien mal zu hinterfragen oder Gegenargumente zur Kritik zu finden. Statt dessen eher ein Ausblenden und auf jeden Fall eine Distanzierung.

(…)

Studenten als Schneeflocken – volatil und schutzbedürftig. Triggerwarnungen vor Texten, die Traumata auslösen oder an solche erinnern könnten, sind ein Beispiel, das dieser Trend zeitigt; dazu kommt, wie oben ausgeführt, die Bewahrung vor anderen Meinungen. Das verhindert allerdings die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Fachgebiet. Eine Universität ist kein safe space und Unwohlsein keine Gefahr, aber das sieht man innerhalb der Gender Studies anders. Auch in Wien.

Nichts an sich heranlassen, keine Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, deutlich machen, dass einen alles andere erschreckt, schockt und entsetzt um zu zeigen, dass man ganz auf der richtigen Seite ist.

 

Diese weitere Pflichtlehrveranstaltung nannte sich „Guided Reading“. Eine Übung, die je nach Lehrveranstaltungsleiter den thematischen Schwerpunkt wechselt, dieser war in meinem Semester, nachzulesen auf der universitätsinternen Lernplattform Moodle, wie folgt: „Die Lehrveranstaltung soll dazu beitragen, den Blick auf die grundlegende Verwobenheit von u. a. rassisierenden, vergeschlechtlichten, heteronormativen und klassistischen Normen, sowie jene der able-­bodiedness freizulegen und Wege zu neuen Denk- und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu eröffnen.“
Ich bekam also quasi die Lehre der Opferhierachien zugeschanzt: intersektionale Feminismen. Klingt bösartig, ist es auch, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben, sei kurz erläutert: Kimberlé Crenshaw, die Mutter der Intersektionalität, hat zu Recht darauf hingewiesen, dass Diskriminierungen oft nicht ein-, sondern mehrdimensional sind, wenn eine Person mehrere Merkmale, aufgrund derer sie Diskriminierungen erleidet, in sich trägt. Das ist alles richtig, doch: Es gibt keinen obersten Richter in diesem Nullsummenspiel der Opferolympiade, weil die Kategorien und Variationen der jeweiligen Unterdrückung subjektiv und damit endlos sind. Es mutet so an, als ob es eher darum geht, dass jeder leiden darf, weil er irgendwie Opfer von irgendwem oder ­irgendetwas ist. 

Weil es keinen offiziellen Richter gibt, kann eben jeder Richter sein. Er muss sich allerdings in den passenden Theorien den „Betroffenen“ beugen, aber nur, wenn diese die Grundtheorien ebenfalls anerkennen und nach diesen eine Deutungshoheit anerkennen, nicht etwa, wenn sie diese ablehnen.

 

Dass wir in der ersten Einheit das Angebot erhielten, unseren Namen oder unser Pronomen je nach Befindlichkeit ändern zu können, irritierte mich mäßig. Ich überlegte mir kurz, auch diesen Selbstversuch zu wagen, verwarf ihn aber wieder. Die Person, die diese Lehrveranstaltung leitete, bestand jedenfalls darauf, nicht mit „Liebe/Lieber“ angeschrieben zu werden, sondern geschlechtsneutral, etwa mit „Hallo“. Jeder, wie er möchte, dachte ich mir, doch dann wurde es wirklich unangenehm. Die folgenden drei Stunden waren, sagen wir: interessant. Weil die Person, die unsere Lehrveranstaltung leitete, sich selbst dabei unwohl fühlte, frontal mit uns zu sprechen (Hierarchiephobie), wie das im universitären Betrieb normalerweise üblich ist, bildeten wir einen Sesselkreis, um uns in dieser ersten Einheit zwei Stunden darüber zu unterhalten, wie wir uns fühlen, wie wir miteinander umgehen wollen, welche Worte wir verwenden wollen und welche eher nicht.

Das Schöne ist ja, dass solche Vorlesungen dann wieder alle Vorurteile bestätigen. Eine Hierarchiephobie und man bildet einen Stuhlkreis. Es geht um Gefühle statt Fakten.

Es ist wirklich ein Fach, welches klischeehafter nicht auf Frauen ausgerichtet sein könnte, wenn man alle bösen Vorurteile zusammen sucht.

 

Aus Gründen kann ich dieses Studium nicht fortführen. Ich habe hier berichtet, was mir im Laufe eines Semesters widerfahren ist, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und im Bewusstsein, dass das nur eines von vier Semestern des gesamten Studiums ist. Es hat sich einiges bestätigt, was nicht nur mir, sondern dem Wissenschaftsbetrieb per se Sorgen machen sollte; vor allem scheint mir, dass den Studenten, die teilweise unbedarft in diesen Lehrveranstaltungen sitzen, ein ziemlich einseitiges Bild der Welt präsentiert wird (ein kleines Beispiel: In einem Großteil der Texte, die ich für all diese Lehrveranstaltungen zu lesen hatte, war es entweder der Kapitalismus, oder sein kleiner böser Bruder, der Neoliberalismus, der all die vielfältigen Opfer produziert). Dazu kommt der schon beschriebene Fokus auf das Selbst, das Ich, das alleine die Erfahrungen gemacht hat, die es eben gemacht hat, und die demnach nicht hinterfragbar sind in ihrer vermeintlich absoluten Wahrheit.

Auch hier wieder ganz klassisches Bild.

Etwas hat mich in der letzten Einheit meiner Übung dann aber doch beruhigt. Während wir wieder einmal zur Diskussion in Gruppen eingeteilt wurden, um über mannigfaltige Unterdrückungen zu sprechen, drehte sich ein Kollege zu mir um und sagte zu mir, was ich die ganze Zeit dachte: „Anna, das ist so ein Opferstudium.“

In der Tat, Opfer sein ist das wichtigste in dem Bereich.

 

Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Bei den Gender Studies gibt es nur Frauen, vor allem auf den Professuren. Werden da nicht Männer diskriminiert? (7)

Paula-Irene Villa Braslavsky, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Bei den Gender Studies gibt es nur Frauen, vor allem auf den Professuren. Werden da nicht Männer diskriminiert?

Ein klassischer Vorwurf: Ihr wollt für Gleichberechtigung sein, aber ihr habt kein gleiches Verhältnis von Männern und Frauen.
Was wäre aus meiner Sicht die ehrliche Antwort:

Da in den Gender Studies die Theorie vertreten wird, dass Männer privilegiert sind und Privilegierte oft ihre eigene Privilegierung übersehen und zudem Männer nicht den Raum einnehmen sollen, der eigentlich Frauen zusteht, ist es nur folgerichtig, dass Männer seltener auf solche Posten gelangen. Männer sollten nicht lehren, sondern zuhören, ihre Privilegien reflektieren und sich allenfalls als „Allys“ hilfsbereit im Hintergrund halten. Gender Studies soll ja gerade die Vorherrschaft der Männer aufbrechen und das kann man nicht, wenn dort genau so viele Männer wie Frauen sind. Etwas in der Art.

Ihre Antwort:

Es stimmt, bei den Professuren und den festen Stellen in den Gender Studies gibt es auffällig wenig Männer (vgl. https://www.mvbz.org). Über die Gründe ist wenig geforscht, darüber lässt sich also nur spekulieren. Einerseits mag der geringe Männeranteil daran liegen, dass nach wie vor sich deutlich mehr Frauen als Männer für diesen Studien-, dann auch Forschungsschwerpunkt interessieren. Denn sehr oft gilt noch die stereotype Form: wo Geschlecht oder Gender drauf steht, sind Frauen drin. Zum anderen kann es gut sein, dass Frauen in diesem Feld eher gesehen und gefördert werden. Angenommen werden kann aber zugleich, dass die meisten im Feld sich bemühen, allen Geschlechtern faire Chancen zu geben und alle Geschlechter auch als Interessierte zu adressieren. Anders gesagt: wir möchten gern Männer und alle Geschlechter ermutigen, sich in diesem Forschungsbereich ernsthaft zu engagieren!

Warum macht sie eigentlich so einen FAQ, wenn sie die tatsächlichen Antworten eigentlich nie liefert, sondern sich immer mit „dazu ist wenig geforscht“ rausredet? Das die Opfer ein Deutungsprivileg haben und das Männer in diesem Fach insofern eben weitaus weniger eine Autorität haben können, ist doch nun wirklich einfach in der Theorie zu erkennen. Wenn dort Männer sind, dann müssten es allenfalls Transmänner sein oder zumindest solche, die schwul sind und diesen Bereich als diskriminierte Minderheit bearbeiten oder in irgendeiner anderen Form einer Minderheit angehören. Ansonsten kollidieren sie viel zu schnell mit den eigentlichen Theorien in den Gender Studies, wenn sie etwa weiße, alte Männer wären und über diese herziehen oder deren Macht anzweifeln, während sie gleichzeitig weiblichen Studenten Noten geben. Ein Gender Studies Professor ohne Minderheitenstatus zumindest als PoC in der weiten Version, also irgendwie mit zumindest einen arabischen Touch kann seinen Beruf nicht ausüben und die Theorien gleichzeitig ernst nehmen.

Das wäre interessant: Gibt es einen männlichen Gender Studies Professor, der sich keiner Minderheit im intersektionalen Sinne zurechnet und eher auf dem Gebiet forscht, in dem er diskriminiert ist? Ich vermute selbst ein männlicher weißer Fat studies Professor wäre nicht ausreichend.

 

Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Wollen die Gender Studies das Geschlecht abschaffen? (3)

Paula-Irene Villa, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Wollen die Gender Studies das Geschlecht abschaffen?

Die Gender Studies wollen insgesamt weder Geschlecht abschaffen noch, wie manchmal auch vermutet wird, es allen aufzwingen. Vielmehr wollen die Gender Studies forschend herausfinden, wo wie für wen warum in welcher Weise und mit welchen Folgen Geschlecht überhaupt eine Rolle spielt (oder auch nicht). Dabei hat sich im Laufe der Forschung, insbesondere in historischer Hinsicht gezeigt, dass ‘Geschlecht’ im Laufe der Geschichte sehr Verschiedenes bedeutet hat

Eine sehr ausweichende Antwort. Denn die Gender Studies wollen es ja weniger erforschen, sie haben eine sehr klare Meinung davon, was „Geschlecht“ eigentlich ist und sie sehen es üblicherweise als eine rein soziale Konstruktion, bei der zwar gewisse Körperliche Gegebenheiten vorhanden sind, alles darum aber sozial „erfunden“ worden ist. Hier wird dann auch wieder nicht zwischen Geschlecht und Gender unterschieden, wobei diese Unterteilung letztendlich im radikaleren „Trans-Feminismus“ auch irrelevant wird, weil man dort ist, was man selbst festlegt und fühlt und eine Aussage wie „Männer haben einen Penis, Frauen eine Vagina“ transfeindlich und falsch wäre.

Auch in diesem Absatz wird schon eine Beliebigkeit vorgetäuscht, die so in der Geschichte eben gerade nicht vorhanden war: Selbst in frühsten Überlieferungen kennt man die Einteilung in Männer und Frauen und selbst wenn Transsexuelle oder „männlichere Frauen“ und „weiblichere Männer“ vorhanden waren ändert das nichts an der ganz wesentlichen Einteilung in zwei Geschlechter.

Letztendlich ist die angebliche Unsicherheit hier eine relative:

Biologisch ist männlich, wer die kleineren Geschlechterzellen produziert und weiblich, wer die größeren Geschlechterzellen produziert, eben beim Menschen Spermien und Eizellen. Das geschlechtliche Verhalten hingegen entsteht im wesentlichen unter der Wirkung pränataler und postnataler Hormone, deren Menge graduell schwanken kann, aber üblicherweise bei den Geschlechtern schon deswegen festgelegt ist, weil Männer eben Hoden haben, die sehr viel Testosterone produzieren und Frauen Eierstöcke, die sehr viel Östrogene etc produzieren.

(z.B. in Bezug auf Männlichkeit https://www.univie.ac.at/igl.geschichte/maennlichkeiten/Mueller/literatur_maennlichkeiten.htm; Waldner o.J. für die Altertumswissenschaften; https://www2.hu-berlin.de/nilus/net-publications/ibaes2/Waldner/text.pdf), auch körperlich (z.B. Laqueur 1993) sein kann. Auch im regionalen Vergleich, oder entlang von religiösen oder kulturellen Differenzen kann Geschlecht enorm variieren. Zudem hat sich in empirischen Studien gezeigt, dass ‘Geschlecht’ ganz Unterschiedliches und nicht etwas immer Gleiches meinen muss (eine Übersicht zur Forschung in der Anthropologie bei Shahrokhi o.J.: https://www.eolss.net/sample-chapters/C04/E6-20D-68-22.pdf oder für die Ethnologie S. Schröter http://www.bpb.de/apuz/135446/grenzverlaeufe-zwischen-den-geschlechtern-aus-ethnologischer-perspektive?p=all): Geschlecht bezieht sich im Alltag auf Gefühle, Sexualität, Körper, Tätigkeiten, Lebensentwürfe, Identität, Zuständigkeiten usw. All’ dies zusammen genommen bedeutet, dass es gar nicht so klar ist, wie und als was ‘das Geschlecht’ fest zu machen ist.

Auch da eine klassische Taktik: Leichte Abweichungen, die teilweise enorm selten vorkommen, und üblicherweise Vermischungen der beiden Geschlechter darstellen, werden als Argument dafür genommen, dass die zwei Hauptkategorien nicht bestehen. Aber selbst wenn Abgrenzungen nicht genau sind kann man Kategorien bilden (Fuzzy Sets) und dies natürlich erst recht, wenn in geringen Fällen „Vermischungen“ in den Randbereichen vorliegen. Nur weil es zB Kreuzungen von Eseln und Pferden gibt bedeutet das nicht, dass es Esel und Pferde nicht als Kategorie gibt.

In diesem Link verweisen sie auf Mead, deren Forschung sich im wesentlichen als falsch herausgestellt hat, weil die Eingeborenen ihr Geschichten erzählt haben

In diesem Text geht es um Frauenfeste im antiken Griechenland

Und dieser Text führt bestimmte Formen „dritter Geschlechter“ (im wesentlichen Transsexuelle oder Sonderformen der Hormonverläufe) und deren Namen in bestimmten Regionen an.

All das kann wie gesagt die grundsätzliche Einteilung in Mann und Frau wenig angreifen.

Geschlechtlichkeit ist, wie manchmal in der Forschung gesagt wird, prekär oder fragil; eine hoch wirksame und wichtige ‘Uneigentlichkeit’ gewissermaßen. Diese Uneigentlichkeit hat Folgen. Auch wenn Geschlecht bei näherer Betrachtung gar nicht so eindeutig ist, zeigen sich dann aber oft eindeutige Folgen in Bezug auf soziale Ungleichheit (Pay Gap, Pension Gap, Zeitverwendung auf unbezahlte und bezahlte Arbeit). Gender Studies wollen also weder Geschlecht wichtiger machen als es ist, noch es abschaffen, sondern herausfinden, wieso etwas, das gar nicht so einfach und eindeutig und immer gleich bestimmbar ist, sich in sozialer Ungleichheit verhärtet.

Das große Problem ist eben, dass sie eben nicht herausfinden wollen, wieso etwas ist: Sie haben die Antwort bereits gefunden: Männer sind aufgrund ungerechter sozialer Konstruktionen der Gesellschaft privilegiert, Frauen benachteiligt. Gerecht ist nur Ergebnisgleichheit. Unterschiede zwischen den Geschlechtern aus ihrer Biologie heraus in Interessen und Fähigkeitsausprägungen werden ignoriert.

Manche (nicht alle!) Positionen in den Gender Studies möchten tatsächlich dazu beitragen, die großen Folgen des ‘kleinen Unterschieds’ abzumildern oder ganz zu überwinden. Das hieße dann nicht, ‘das Geschlecht abzuschaffen’, sondern dessen ungleichen Folgen auf dem Arbeitsmarkt, beim Einkommen, in der Lebenserwartung oder der Gesundheit usw. Wenn etwa bei Karrieren oder der Berufswahl tatsächlich die Geschlechtszugehörigkeit gar keine Rolle spielte oder bei der Frage, wer sich hauptsächlich um den Haushalt und die Kinder kümmert. Man kann sich ja durchaus zudem die Frage stellen, was gewonnen – oder verloren – wäre, wenn Geschlecht ein derart relativ unwichtiges Merkmal wäre wie, sagen wir, die Form des Ohrläppchens. Solche Phantasien gehören aber eher in das Reich der Belletristik.

„Wenn etwa Geschlechtszugehörigkeit keine Rolle spielte…“ eine sehr vorsichtige Formulierung, die deutlich macht, dass man hier Feld und Festung betreibt. Denn ein Ansatz, der das tatsächlich hinterfragt, gibt es ja bei den Gender Studies nicht: Geschlechtszugehörigkeit DARF keine Rolle spielen.

Insofern mal wieder ein Text, der Kritik entkräften soll, dabei aber unehrlich vorgeht und wenig Argumente bringt.

Many Shades of Gender – Ein FAQ zu den Gender Studies: Sind Geschlechtsunterschiede nicht angeboren? (1)

Paula-Irene Villa, Genderprofessorin, hat ein FAQ zu Mythen über die Gender Studies erstellt. Ich wollte sie nach und nach hier besprechen:

Heute:

Sind Geschlechtsunterschiede nicht angeboren?

Das ist eine wichtige und interessante Frage. Sie wird in vielen Disziplinen gestellt und beschäftigt Natur- wie Sozialwissenschaften seit Jahrzehnten. Sie ist allerdings auch kaum in der Eindeutigkeit beantwortbar und daher womöglich falsch gestellt. Das liegt daran, dass Menschen biosoziale Lebewesen sind. Es gehört zur sozialen Natur des Menschen, die Welt (die natürliche Mitwelt, die physikalische Umwelt, die symbolische Welt der Zeichen und Sprache usw.) wie auch sich selber – ausdrücklich einschließlich auch den eigenen Körper – zu gestalten. In diesem Lichte sind Sozialität und Natürlichkeit tatsächlich immer miteinander verschränkt. Das bedeutet, dass sich Soziales nie unabhängig vom Biologisch-Materiellen realisiert (kein Denken, Sprechen, Lieben usw. ohne Gehirn, keine Praxis ohne Nerven und Muskeln, keine Partnerschaft oder Familie ohne physiologische Erregungen usw.), wie auch dass das Biologisch-Materielle immer auch sozial geprägt ist (wie aktuell etwa Epigenetik, Hormon- und Stoffwechsel, Adipositas usw. zeigen). Das konkretisiert sich nicht zuletzt ja darin, dass die körperliche Natur des Menschen zwar nicht beliebig oder unendlich, aber doch ganz wesentlich plastisch ist.

Das ist einer der klassischen Punkte, mit denen sich Gender Studies rausreden, wenn es um angeborene Unterschiede gibt: Sie erklären, dass es diese geben mag, aber das eben alles plastisch ist und damit letztendlich die biologischen Unterschiede keine Rolle spielen.

Ein Text, der diese Plastizität dann einmal tatsächlich mit Argumenten und Studien belegt fehlt üblicherweise.

Sie gehen nicht auf die vielen Punkte ein, die dagegen sprechen, dass dort eine hohe Plastizität vorliegt, etwa Transsexuelle, CAH, CAIS, cloacal exstrophy oder der Umstand, dass die Geschlechterunterschiede weltweit beobachtet werden können.

Es gibt zwischen Menschen auf der biologischen Ebene durchaus Unterschiede, die durchaus ‘so gegeben sind’ und als geschlechtlich gelten: Etwa chromosomale Ausstattung oder die reproduktiven Organe wie Gebärmutter oder Hodensäcke. Derartige Organe, Körperformen, deren Funktionen erkennen die Gender Studies selbstverständlich an.

Das ist dann die zweite Ausflucht: Wir erkennen ja Unterschiede an (aber wir werden niemals Unterschiede im Gehirn zugeben, die nicht plastisch sind und sich auf Verhalten und Interessen auswirken)

Allerdings weisen die Gender Studies die alltagsweltliche und auch historisch oft zu Unrecht formulierte Annahme zurück, dass sich aus Chromosomen, Gebärmutter oder möglichen Hirndifferenzen ganze ‘Geschlechtlichkeiten’ kausal ergeben. Das heißt, die Gender Studies fragen – möglichst offen – danach, was sich aus ‘angeborenen’ Qualitäten ergibt, und auch: was nicht. Vielfach haben die Gender Studies in diesem Sinne aufklären und zeigen können, dass auch die modernen naturwissenschaftlichen Tatsachen und dass so manche alltägliche Vorstellung davon, was an Geschlecht angeboren und was erlernt oder auch nur vermeintlich geschlechtlich ist, doch ziemlich vorurteilsbehaftet ist.

Haben sie eben nicht. Sie haben es allenfalls wenn man unter „aufklären“ versteht, dass man alle entgegenstehenden biologischen Fälle ignoriert und bestimmte Unterschiede absolut setzt, auch wenn sie in einem ganz anderen Kontext bestehen bleiben (etwa: früher haben adelige Hochhackige Schuhe und Seidenstrumpfhosen getragen, heute machen das Männer nicht mehr und es gilt als weiblich als Nachweis, dass alles plastisch ist. Tatsächlich ist es schlicht so, dass Adelige damit ganz andere Sachen ausdrücken wollten und damals auch konnten, etwa dass sie reich waren, dass sie unpraktische Kleidung tragen konnten, weil sie ja nicht arbeiten mussten etc)

Wir wissen heute, auch den Gender Studies sei dank, dass es nicht angeboren ist, dass nur Männer Flugzeuge fliegen oder nur Frauen sich um kleine Kinder kümmern können.

Das „Nur“ macht da schon den Strohmann deutlich. Tatsächlich wäre ja die wissenschaftliche Feststellung eher, dass

  • räumliches Denken beim Fliegen wichtig ist und dies in enger Verbindung mit (pränatalen) Testosteron steht und Pilot sein zum einem eher Leute anspricht die sich für Dinge interessieren und zum anderen mit einem Familienleben schwer zu vereinbaren ist, weil man auf vielen Flügen irgendwo in Hotels übernachten muss
  • Frauen wesentlich stärker auf das Kindchenschema reagieren und sich um Kinder kümmern häufig auch wesentlich interessanter finden, weil es auch eine helfende Tätigkeit mit Menschen ist. Männer hingegen haben das Problem, dass für sie Statusaufbau über Kinderbetreuung wesentlich schwieriger ist als über den Beruf. Und in all diese Punkte spielt die Biologie mit hinein

Wir wissen heute, dass das was zunächst als angeboren gilt, sich bisweilen als (auch) sozial geprägt und sozial wandelbar erweist. Wir wissen heute ebenso, dass es Körperlichkeiten, Materialitäten, biologische Tatsachen gibt, die Geschlechtlichkeit mit-prägen. Die Forschung dazu hält an, und auch wenn die Dualität von ‘angeboren’ vs. ‘anerzogen’ bzw. ‘nature’ vs. ‘nurture’ letztlich weder sozial- noch biowissenschaftlich sinnvoll ist, so ist doch die Suche nach unterschiedlichen Ontologien des Geschlechts hoch produktiv und auch relevant. Es kommt schließlich noch hinzu, dass auch die wesentlich angeborenen oder gegebenen Aspekte von Geschlecht hoch komplex und dynamisch sind.

Nur findet die tatsächlich interessante Forschung dazu nicht in den Gender Studies dar, die diese Punkte schlicht schnell bei Seite schieben will, weil sie nicht in die eigenen Theorien passen. Dort findet insofern eher „Antiforschung“ dazu statt, so wie bei Theologen, die bei der Erforschung zu Naturwissenschaften immer nur daran interessiert sind, dass sie eine noch nicht erklärte Lücke finden und schützen können, in der sie einen Gott verorten können.

Kurzum: Geschlechtsunterschiede, die sozial, ökonomisch, kulturell, psychologisch und individuell relevant sind, basieren auf angeborenen Materialitäten (Gene, Muskeln, Gehirne, Hormone usw.), die allesamt beim Menschen hoch plastisch und so unausweichlich auch sozial geprägt sind. Was dies genau bedeutet, dazu forschen auch die Gender Studies.

Leider eben nicht. All diese Punkte spielen in den Theorien der Gender Studies keinerlei Rolle und die dazu bestehende Forschung wird eben gerade nicht aufgegriffen

Zum Weiterlesen:

Faszinierend zu lesende Links, die alle eins gemein haben: Sie erwähnen zwar teilweise bestimmte Konstellationen wie CAH aber sie drücken sich darum, deren Auswirkungen auf das Verhalten darzustellen.
Ein Beispiel aus dem ersten Beitrag:

In congenital adrenal hyperplasia (CAH), a female fetus (XX) is exposed to high levels of adrenal hormone and is born looking like a boy. In androgen insensitivity syndrome (AIS), a male fetus is unresponsive to androgens and is born looking like a girl. In 5-alpha reductase deficiency (5-ARD), androgen levels are normal but an enzyme necessary for male genital development is missing; these individuals may appear to be female and may be raised as girls, but at puberty they develop masculine secondary sex characteristics.

CAH Mädchen sehen eben gerade nicht wie Jungen aus, sondern wie Mädchen. Aber sie Verhalten sich wie Jungen. Und bei 5-Alpha reductaase deficiency zeigt sich eigentlich das Folgende:

Gender development and 5a-reductase-2 deficiency (5a-RD-2) and 17bhydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency (17b-HSD-3) Children with 5α-RD-2 have an enzyme defect that prenatally blocks the conversion of testosterone into dihydrotestosterone. Consequently they are born with external genitals that are female in appearance. They are usually raised as girls and seem to have a female gender identity, but, if the condition is not discovered in childhood, these children develop male sex characteristics in puberty: growth of their “clitoris” and scrotum, lowering of the voice, beard growth, masculine muscle development, and masculine body fat distribution. After puberty, many of these youngsters start living as males and develop a sexual attraction toward females. These transitions have been primarily documented in non-Western cultures. When raised as boys, these children have a male identity and behave like boys.

Also auch ein Verhalten, welches nicht zu der Erziehung und den prägenden Geschlechterrollen passt.

Insofern ein sehr schwacher Artikel, der den wesentlichen Problemen aus dem Weg geht

Objektivität und die Anzahl verschiedener Erklärungen in wissenschaftlichen Artikeln aus den Gender Studies

Eine sehr interessante Studie nimmt die Gender Studies unter die Lupe:

Gender studies (GS) has been challenged on epistemological grounds. Here, we compare samples of peer-reviewed academic journal publications written by GS authors and authors from closely related disciplines in the social sciences. The material consisted of 2805 statements from 36 peer-reviewed journal articles, sampled from the Swedish Gender Studies List, which covers >12,000 publications. Each statement was coded as expressing a lack of any of three aspects of objectivity: Bias, Normativity, or Political activism, or as considering any of four realms of explanation for the behaviours or phenomena under study: Biology/genetics, Individual/group differences, Environment/culture, or Societal institutions. Statements in GS publications did to a greater extent express bias and normativity, but not political activism. They did also to a greater extent consider cultural, environmental, social, and societal realms of explanation, and to a lesser extent biological and individual differences explanations.

Quelle: Objectivity and realms of explanation in academic journal articles concerning sex/gender: a comparison of Gender studies and the other social sciences

Erst einmal wird die bestehende Lage ganz interessant zusammen gefasst:

Gender studies is a growing academic field, on a track of establishing itself as a discipline in its own right (Lykke et al. 2007; Thurén 2002). However, a chain of criticism has been launched towards Gender studies, which may in turn be related to claims about it being ideologically and politically charged. Here, we summarize the central points in this criticism, select a few of particular importance, and analyze differences between journal articles that have more or less gender perspective.

Gender studies is an interdisciplinary field featuring many subjects under study (Thurén 2002), and the current definition should be specified. Here, we follow the most comprehensive encyclopedia in Sweden, in which Gender studies is described as (1) relating to power structures: “The perspective of interpretation is based on the power relationship that historically, culturally and socially have defined women’s and men’s roles and status in society” (2) social construction of gender: “… the society and culture are structured according to gender… this determines our experiences and knowledge and how others perceive us” and (3) intersectionality: “…how different power relations interact in the construction of social differences…” (Nationalencyklopedin 2016, our translation).

Academe has been skeptical towards Gender studies and its predecessor Women’s studies, with claims that it is biased (Baumeister 2015) and overly political and not scholarly enough (Zalewski 2003). The field has also been fraught with internal conflict, to a large extent related to various strands of French poststructuralist theory and to the conflation of academe and politics (e.g., Brown 1997; Friedman 1997). This is piece and parcel of the criticisms launched in the “science wars” that raved in the USA in the 1990s (Brown 2001; Nelkin 1996), a period of controversy and heated debate that was strongly associated with Gender studies and related ideological currents in academe, stemming from post-modernism, relativism, and critical theory (Brown 2001; Sokal and Bricmont 1998). It was characterized by a complex mix of different epistemological and philosophical standpoints, issues of objectivity, subjectivity, and bias, and whether science should be disinterested or have an activist agenda (Brown 2001; Gross and Levitt 1994; Nelkin 1996). Much of these deviations from mainstream science are subsumed under the label “feminist epistemology”, which is reviewed together with its main thrusts of criticism by philosopher of science Elizabeth Anderson (2015). Ideology is often thought to hinder the pursuit of truth and scientifically based knowledge, for the apparent reason that it tends to limit the search space of explanations and co-variates, bias the interpretation of data, and favor methods that provide the answers one wishes to get (e.g., Carl 2015; Klein and Stern 2009; Koertge 1998). From this perspective, it has been observed that Gender studies is closely related to the feminist movement, an activist agenda, and associated ideologies (Curthoys 2014; Liinason 2011; Lykke et al. 2007) with influences from postmodernism (Brodribb 1993), relativism (Friedman 1997), and critical theory (Bergman 2000; Thurén 2002). Also explicit societal goals are central: “…there are questions regarding how gender studies within the subject itself can contribute to the societal changes that are desirable from a feminist point of view” (Thurén 2003, p. 27, our translation). This is clearly at variance with some traditional scholarly ideals, such as disinterest (Merton 1973).

Sweden is unique for both being highly sex egalitarian and for having exerted governmental support for Gender studies for several decades. According to the 2015 Global Gender Gap Report, Sweden is ranked as the fourth most sex egalitarian out of 145 countries (World Economic Forum 2015, p. 8). The country has a feminist political party called Fi! and a government that self-identifies as feminist (Socialdemokraterna 2016, p. 6). It is therefore likely to offer a milieu with a high level of public as well as institutional support for Gender studies. Inasmuch as there is a general development in Sweden’s direction, it would constitute an example of the future for other nations heading in the same direction. Specifically, Gender studies has received considerable structural and financial support (Bergman 2000), amounting at least SEK 400 million1 in the period 2001–2011 (Swedish Research Council 2011). This may be compared to the total national support to the humanities and the social sciences from the Swedish Research Council in 2015, which was SEK 253 million (Swedish Research Council 2016). Given a similar level of support to the latter two domains in previous years, and adjusted for inflation, Gender studies has received approximately one sixth of the total funding for the humanities and the social sciences (see Söderlund and Madison 2015 for further details). This substantial financial support was earmarked for Gender studies alone, and aimed to boost and internationalize the field. Another example of the level of institutional support is that central feminist beliefs are implemented in official governmental documents. For example, Sweden’s “Public State Investigations” (SOU; Statens offentliga utredningar) states that sex roles can and should be changed by governmental interventions in kindergarten (Delegationen för jämställdhet i förskolan 2004, p. 64; 94), that sex is a social construction (Delegationen för jämställdhet i förskolan 2006, p. 55) and that femininity and masculinity depend on the interaction between sex, class, and ethnicity (Delegationen för jämställdhet i förskolan 2006, p. 34). In summary, there has been extensive acceptance and promotion of feminism and Gender studies from the highest political and administrative levels of government. It is therefore not surprising that the level of criticism is smaller in Sweden than in many other countries, and that it seems to be more common from outside academe than from within.

However, academic criticism has been mounted on the account that Swedish Gender studies scholars have little international outreach (Rothstein 2006), and that governmental support for greater equality has endorsed one specific theory, in violation of established scientific practice (Rothstein 2012). A debate has also emerged outside academe proper; Governmental research support bodies have been accused of uncritically accepting questionable project applications merely on the grounds of their using certain gender buzzwords (Popova 2005), and popular articles and books accuse Gender studies of ideological bias and poor methodology; specifically cherry-picking statistics, methods, informants, etc., to arrive at the desired conclusions (see for example Billing 2012; Ström 2007). Along the same lines have Women’s studies and Gender studies scholars in Sweden described their field as tension-ridden (Bergman 2000), and their concepts as contested (Liinason and Holm 2006). Gender studies scholars have furthermore characterized the institutionalization of their field as troublesome, inasmuch as both themselves and their efforts have been systematically thwarted (Thurén 2003).

Die Studie analysiert dann eine bestimmte Anzahl von Studien näher und kommt zu interessanten Ergebnissen:

As exemplified by the Neutral group in the present sample, there is a huge literature that explores causes for sex differences amongst endocrinological, neurodevelopmental, and genetic factors. Recall that even the Neutral articles were found with the keyword gender, in order to make them more comparable to the other two groups, and that many of them therefore consider sex differences. This is because many research papers use the word gender (i.e. social sex) to denote sex (i.e. being biologically a man or woman). These and other papers throughout the social sciences find relationships between sex and other variables, such as age, relationship status, parenthood, and many other environmental influences, in patterns predicted by evolutionary theories, in particular those related to differential parental investment, costly signaling, and mate selection (e.g., Buss and Shackelford 2008; Stoet and Geary 2015; Verweij et al. 2016; Wåhlin-Jacobsen et al. 2015; for reviews, see Buss 2003; Schmitt 2005). It is reasonable to assume that these theoretical perspectives, by and large, explain a substantial proportion of the variance related to group or individual differences, otherwise would these approaches have waned for lack of empirical support. It is therefore notable that such factors are only mentioned five times in all 24 articles with some level of gender perspective, as compared to 33 times in the 12 Neutral articles. The probability of mentioning such a factor is thus 13 times smaller when a gender perspective is applied. This would not be all that remarkable if Gender studies, with its heritage from the social sciences and humanities, were compared with the natural sciences and medicine. It seems quite remarkable when compared with other social sciences, however, which are nominally equally unconcerned with biological and genetic explanatory models. It seems therefore recommendable that gender scholars and other interested parties consider and examine whether Gender studies might be prey to selective accounts of reality on the basis of ideological preferences.

Preferences of opinion and hence of objectivity were also found in the Gender studies articles, with examples such as: “In reality is the possibility of differences and individuality within the frame of equality between men based on the collective oppression of women”, and”[f]or men to be able to portray themselves as protectors do women need to be portrayed as defenceless and exposed” (our translation). This presupposition of women’s subordination could be related to the ideological background of the Gender studies area. Notable is that biased statements were found in half of the Self-identified articles with 21 instances, but not at all in the Neutral articles. Nevertheless, the proportion was very low and the case of biased content within Gender studies would benefit from further study within larger text samples. What on the other hand was almost non-existent in our data was political activism. The high occurrence of statements expressing normativity in the two Gender studies groups is interesting, considering that Gender studies frequently criticize norms and argue for their abolition (e.g., Bem 1993; Bondestam 2010; Liinason 2011; Thurén 2003). In the present sample, we found more statements expressing norms in the Gender studies articles than in the Neutral ones, both proportionally within the groups and in a higher proportion of articles, although these norms tend to articulate feminist ideology in contrast to the norms that they challenge.

In conclusion, the present study has, for the first time, quantitatively evaluated several strands of criticism towards Gender studies in a representative sample. Critics from both inside and outside academe have questioned Gender studies in relation to scientific practice (Rothstein 2012), ideology and methodology (e.g., Billing 2012; Sokal and Bricmont 1998; Ström 2007; Zalewski 2003) and the conflation of science and politics (e.g., Brown 1997). Several feminists and gender scholars identify post-modernism and value relativism as problematic concomitants (Brodribb 1993; Brown 1997; Smyth 1996), as has been thoroughly discussed from epistemological perspectives (Anderson 2015; Brown 2001; Hacking 2016; Sokal and Bricmont 1998). Thus, the present study lends empirical support to the criticisms concerning ideological bias, both in terms of objectivity and choice of explanatory factors. As mentioned in the introduction, there are several ways in which an ideological outlook may interfere with scientific endeavors (e.g., Carl 2015; Klein and Stern 2009; Koertge 1998). It would be unfortunate for the area of Gender studies if these issues ultimately would challenge the scientific value of the field.