„Tit-for-Tat“-Flirten: Auf Signale achten und sie zurückgeben

Auf dem Blog „Hooking up Smart“ wird ein Kurzschema einer sehr einfachen Flirttechnik beschrieben, die auf Spieltheorie beruhen soll. Es beschreibt denke ich ganz gut, wie viele Leute flirten und welche Stufen man dabei durchlaufen muss:

The concept of Tit-for-tat is really simple.

First you establish an attraction signal to someone you find attractive. The most nonthreatening signal is eye contact. My best trick is to scan a room until I meet eyes with a man who is also scanning the room. Making eye contact is the most effective way of expressing interest. It is the most vulnerable signal in the game of attraction. So much information is processed in a short time frame. Based on how long the eye contact is met depends on initial attraction. If attraction is mutual, curiosity invites more eye contact between both parties. Frequency and duration of eye contact is the quickest way to evaluate mutual attraction.

Now with tit-for-tat, once I make eye contact with a man more than once, I wait to gauge his interest. He will either initiate more eye contact or not at all. This is pretty much a pass/fail tactic. If he returns more eye contact, I will return more eye contact. If he advances the eye contact, I will reciprocate further based on his advance. If he changes body positioning and distances himself it sends a clear signal of disinterest. The technique works the same way for both sexes. A guy can also use eye contact and evaluate his prospect with the same accuracy.

Im Endeffekt fängt man also mit niedrigstufigen Signalen an und schaut, ob der andere diese aufnimmt und zurückgibt. Nimmt er es auf, kann man weitere Signale aussenden und schauen ob sie erwidert werden. Die klassische Schritte werden dabei wie folgt beschrieben:

There are some basic signals of attraction that both genders exhibit in the first stages:

1. Eye Contact.

2. Frequently smiling while maintaining eye contact.

3. Signs of nervousness and being speechless.

4. Breaking the touch barrier.

5. Breaking the “get to know you better” barrier.

Anders übersetzt würde man erst einmal ein vages Interesse über einen ersten Augenkontakt herstellen, dann vermehrtes Interesse signalisieren, indem man lächelt und Augenkontakt hält, dann ein paar Signale senden, die zeigen, dass man dem anderen einen hohen Wert zuweist (deswegen ist man ja letztendlich nervös) und schließlich einen gewissen Körperkontakt herstellen bis man schließlich eine gewisse Vertrautheit (im Pickup würde man sagen „Komfort“) aufgebaut hat.

While using game theory you can escalate or return each of the signals of attraction. They don’t have to be in any specific order. The importance is paying attention to those around you, giving these signals, and deciding how you want to reciprocate.  All of these signals can openly be displayed without fear of real rejection. You can not prove that the girl across the room smiling at you is not interested. Smile back and if she keeps smiling, then she has some attraction toward you. If that guy you like accidentally brushes past your arm, there is no way to prove it was on purpose. If he does it twice, it is a clear invitation to be touched back

Sehr klassisches Flirten, harmlose Signale senden und aufnehmen und zurückgeben, damit sie erneut zurückgegeben werden können.

Es hat allerdings etwas relativ passives und es regelt nicht, wie man die weiteren Signale aussendet und wie man weiter kommt. Es setzt auf ein anfängliches Interesse beider Personen und einen relativ offenen Austausch von Signalen im Sinne eines fairen Umgangs miteinander.

Ein Mann, der noch nicht weiß, was er nach dem Austauschen der Blicke macht und wie er dann einen leichten Körperkontakt herstellt oder mit ihr ins Gespräch kommt, wird damit nicht so weit kommen, für eine Frau hingegen scheint mir der Weg recht erfolgversprechend, weil sie ihre Ansprechbarkeit stark erhöht, wenn sie Signale aussendet und zurückgibt.

Es ist allerdings ein guter Tipp für jeden Single sich bewusst zu machen, dass er Signale aussenden und auf andere ausgesendete Signale achten muss.

Aus meiner Sicht hat Pickup den Vorteil, dass man eher beigebracht bekommt, wie man Attraktion und Komfort aufbaut. In der Tit-for-Tat Methode muss man darauf setzen, dass im wesentlichen der optische Eindruck so überzeugend ist, dass die Signale ausgesendet oder aufgenommen werden. Das wird bei Frauen und hübschen Männern eher der Fall sein, kann aber auch recht frustierend sein, wenn man merkt, dass man Signale aussendet, aber keine zurückkommen bzw. nur von den falschen Personen.

Es macht aus meiner Sicht die ganze Sache noch eher zu einem Glücksspiel, weil es eben keine Regeln bereitstellt, wie man „besser ankommt“. Gleichzeitig ist es aber für den normalen Umgang gut geeignet und wohl auch daher eines der am meisten verwendeten Flirtmuster.

19 Gedanken zu “„Tit-for-Tat“-Flirten: Auf Signale achten und sie zurückgeben

  1. Aus meiner Sicht hat Pickup den Vorteil, dass man eher beigebracht bekommt, wie man Attraktion und Komfort aufbaut.

    Komfort aufbaut! Womöglich ein Leben lang, gell? Schau bloss zu, dass Du irgendwann aus Deiner Komfortaufbaurolle wieder rauskommst.

    • @peter

      „Komfort aufbaut! Womöglich ein Leben lang, gell?“

      Im Idealfall natürlich.

      „Schau bloss zu, dass Du irgendwann aus Deiner Komfortaufbaurolle wieder rauskommst.“

      Besser wäre es, wenn beide Partner in die Rolle rein kommen und beiderseits Komfort aufgebaut wird oder nicht?
      Es ist ja ein kooperatives Spiel und nicht gegeneinander gerichtet

    • @ Christian

      „Besser wäre es, wenn beide Partner in die Rolle rein kommen und beiderseits Komfort aufgebaut wird oder nicht?
      Es ist ja ein kooperatives Spiel und nicht gegeneinander gerichtet“

      Du schreibst wieder wie wenn Frauen
      und Männer gleich wären.
      Kooperativ aber eben vom Verhalten
      nicht gleich sondern komplementär.
      Ich unterstelle Dir persönlich nicht,
      dass Du das nicht begriffen hättest.

      • @red pill

        „Du schreibst wieder wie wenn Frauen und Männer gleich wären.“

        Komfort mag auf verschiedene Weisen aufgebaut werden, aber auch ein Mann kann ein großes Interesse daran haben, dass die Frau ihm das Gefühl gibt, dass die beiden füreinander bestimmt sind, sie ihn so sieht, wie er gerne gesehen werden will, eine gemeinsame Zukunft mit ihm plant und das sie ihn tatsächlich liebt etc.

        Wo genau siehst du da das Problem? Gibt es deiner Meinung nach bei Beziehungen kein weibliches „Game“ bzw. ein bestimmtes auf eine Beziehung ausgerichtetes Verhalten?

      • Haha. Erstens sehe ich nicht verdammt gut aus und heterosexuell zu werden hat m. E: mehr Nach- als Vorteile.

        Mal ehrlich: Was muss ich tun? Freundlicher werden? Gemeiner werden? Mehr Interesse an Frauen zeigen? Auf ihre Titten schauen? Was?

        • @adrian

          Schwer zu sagen – wenn Schwule eher angemacht werden, dann wäre das möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sie eben gerade nicht needy wirken und eine natürliche Outcome Indifference haben. So gesehen ein Zeichen für „Preapproved by women“. Nur hier eben nicht zutreffend.

          Den „Creep-Faktor“ zu erhöhen könnte helfen, aber es wäre wohl auch etwas anstrengend dauernd lüstern auf Brüste zu schauen, die einen nicht wirklich interessieren.

          Früher hätte ja vielleicht ein passender Ohrring als Zeichen gereicht, aber das scheint mir auch vorbei zu sein (oder gibt es das noch?)

        • „aber es wäre wohl auch etwas anstrengend dauernd lüstern auf Brüste zu schauen, die einen nicht wirklich interessieren.“

          Eben.

          „(oder gibt es das noch?)“

          Ich dachte, Du hättest QaF geschaut? Diesbezügliche Ohrringe waren schon Anfang des neuen Jahrtausends out 🙂

    • Aus meinem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Nerd gesprochen: versuche, mit ihnen über Science Fiction, Computer oder Rollenspiele (=die mit Würfeln, nicht die mit den Peitschen) zu reden 😉

  2. @ Adrian

    “aber es wäre wohl auch etwas anstrengend dauernd lüstern auf Brüste zu schauen, die einen nicht wirklich interessieren.”

    Nicht nur das.
    Es hilft auch nicht für immer.
    Das, was angeblich unmöglich ist, kann später als Kompliment wahrgenommen werden – ich komme immernoch gut bei Männern an – da hat sich die Natur schon einen seltsamen Scherz erlaubt.

    Es wird noch deutlicher mit der Frage: warum sollten ausgerechnet junge Hetero Männer nicht ’needy‘ sein ?
    Wer immer es auch ist, ob nun die Natur, oder etwas soziokulturelles, das über einen längeren Zeitraum entstanden ist, beliebt zu scherzen.

    • @BRD: „warum sollten ausgerechnet junge Hetero Männer nicht ‘needy’ sein?“

      Falls folgendes vorausgesetzt ist:
      – gesunde junge Hetero-Männer haben häufig Hunger auf Sex mit Frauen
      – Sex kann einen Mann vorübergehend sexuell „satt“ machen
      – Von anderen Frauen begehrt zu sein, ist ein Faktor, der einen Mann attraktiv macht
      – Frauen haben bevorzugt mit einem Mann Sex, den sie begehren

      Dann kann die interessierte Frau schließen:
      Er ist nicht hungrig => er ist satt => er bekommt irgendwo Sex her => er ist von einer anderen Frau begehrt => er ist attraktiv

      oder kurz: nicht needy => attraktiv.
      Natürlich nur ein Faktor von mehreren.

      Grüßle, Radfahrer

      • @Radfahrer

        „Dann kann die interessierte Frau schließen:“

        Genau, allerdings mit der Einschränkung, dass eine Selektion anhand dieser Logik zu einem biologisch verankerten Auswahlmechanismus geführt haben kann, die Frau also gar nicht mehr bewußt schließen muss, sondern einfach denjenigen attraktiver findet

  3. “ Es setzt auf ein anfängliches Interesse beider Personen und einen relativ offenen Austausch von Signalen im Sinne eines fairen Umgangs miteinander.“

    Und was ist daran falsch?

    „Es macht aus meiner Sicht die ganze Sache noch eher zu einem Glücksspiel, weil es eben keine Regeln bereitstellt, wie man “besser ankommt”.

    Tja, leb damit! Erotik ist nicht planbar und kontrollierbar – und das ist gut so!

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