Wie überwindet man drei Meter?

Wir sind mit einer Single-Freundin von Südländerin unterwegs, die schon lange darüber klagt, dass sie keinen Freund findet. Südländerin und ich haben beschlossen ihr etwas unter die Arme zu greifen und waren zunächst mit ihr Einkaufen, weil ihre Garderobe etwas zu züchtig war.

Nunmehr sitzt sie mit einem neuen Top mit einem relativ dezenten, aber immerhin einem Auschnitt wagemutig in einer Bar. Wir wollten eigentlich in eine Bar, in der mehr Leute stehen, aber dort war alles voll, hier sitzt jeder an seinem Tisch und es ist weit schwieriger einen ungezwungenen Kontakt herzustellen.

Wir raten ihr, ihre Ansprechbarkeit zu erhöhen, indem sie Blicke zuwirft, allerdings ist sie recht wählerisch, was ihre Männer angeht. Sie sieht nicht schlecht aus, aber sie steht – wer kann es ihr verübeln – auf Männer 2 Punkte über ihrem Skalenwert. Eben die, die wohl jede Frau mit einem typischen Geschmack gut finden würde: Sportlich, aber nicht zu sportlich, groß, markantes Gesicht. Die meisten beachten sie nicht sonderlich. Meiner Meinung nach nicht die schlauste Strategie, wenn sie – wie gesagt eher der konservativere Typ – eine Beziehung und keinen One-Night-Stand will.

Wir nutzen die Happy-Hour für ein paar Cocktails, dann geht das Flirten etwas mutiger weiter. Schließlich hat sie Kontakt aufgenommen. Ein Mann nach ihrem Geschmack ist zu einer Gruppe an einem drei Meter entfernten Tisch dazugekommen und hat ihren Blick aufgenommen. Sie werfen sich so deutlich Blicke zu, dass es glaube ich der ganzen Bar klar ist. Schließlich prosten sie sich sogar leicht zu. Irgendwann habe ich ihm glaube ich sogar zugeprostet und in ihre Richtung genickt und Südländerin einen Kuss gegeben, damit die Verhältnisse auch wirklich ganz klar sind.

Aber so richtig zueinander kommen sie nicht. Bei uns ist auch kein Stuhl mehr frei, ich überlege schon, ob ich noch einen ranrücken soll, damit es leichter ist. Er möchte wohl auch nicht vor der Gruppe aufstehen und dann in deren Hörweite einen Versuch machen, man weiß ja nie was passiert. Vielleicht ist es Ansprechangst, er ist noch recht jung. Es fällt einem nicht leicht einfach so direkt vor seinen Freunden rüberzugehen und einen recht offensichtlichen Flirt anzufangen. Ob er wohl drüber nachdenkt, wie er es machen könnte? Ein indirekter Opener oder ein direkter, es wäre theoretisch fast egal, aber das kann er ja auch nicht wissen. Und wie lange muss er dann bleiben und was ist mit seinen Freunden?  Die Logistik des Flirtens.

Schließlich bricht seine Gruppe auf und er mit ihr. Die Freundin schaut ihm etwas enttäuscht hinterher.  Einer seiner Freunde ist allerdings etwas zurückgefallen, kommt jetzt an unserem Tisch

Freund: „Entschuldigt, wenn ich störe, aber ich soll dir die Nummer von meinem Freund geben und dir sagen, dass du dich mal melden sollst“. Er legt den Zettel vor ihr ab, verabschiedet sich und geht.

Dort ist seine Nummer notiert. Einfach nur die Nummer, noch nicht einmal der Name.

Südländerins Freundin ist trotzdem begeistert. Das neue Top wird ihr Glückstop.

Mal sehen was daraus wird.

„Tit-for-Tat“-Flirten: Auf Signale achten und sie zurückgeben

Auf dem Blog „Hooking up Smart“ wird ein Kurzschema einer sehr einfachen Flirttechnik beschrieben, die auf Spieltheorie beruhen soll. Es beschreibt denke ich ganz gut, wie viele Leute flirten und welche Stufen man dabei durchlaufen muss:

The concept of Tit-for-tat is really simple.

First you establish an attraction signal to someone you find attractive. The most nonthreatening signal is eye contact. My best trick is to scan a room until I meet eyes with a man who is also scanning the room. Making eye contact is the most effective way of expressing interest. It is the most vulnerable signal in the game of attraction. So much information is processed in a short time frame. Based on how long the eye contact is met depends on initial attraction. If attraction is mutual, curiosity invites more eye contact between both parties. Frequency and duration of eye contact is the quickest way to evaluate mutual attraction.

Now with tit-for-tat, once I make eye contact with a man more than once, I wait to gauge his interest. He will either initiate more eye contact or not at all. This is pretty much a pass/fail tactic. If he returns more eye contact, I will return more eye contact. If he advances the eye contact, I will reciprocate further based on his advance. If he changes body positioning and distances himself it sends a clear signal of disinterest. The technique works the same way for both sexes. A guy can also use eye contact and evaluate his prospect with the same accuracy.

Im Endeffekt fängt man also mit niedrigstufigen Signalen an und schaut, ob der andere diese aufnimmt und zurückgibt. Nimmt er es auf, kann man weitere Signale aussenden und schauen ob sie erwidert werden. Die klassische Schritte werden dabei wie folgt beschrieben:

There are some basic signals of attraction that both genders exhibit in the first stages:

1. Eye Contact.

2. Frequently smiling while maintaining eye contact.

3. Signs of nervousness and being speechless.

4. Breaking the touch barrier.

5. Breaking the “get to know you better” barrier.

Anders übersetzt würde man erst einmal ein vages Interesse über einen ersten Augenkontakt herstellen, dann vermehrtes Interesse signalisieren, indem man lächelt und Augenkontakt hält, dann ein paar Signale senden, die zeigen, dass man dem anderen einen hohen Wert zuweist (deswegen ist man ja letztendlich nervös) und schließlich einen gewissen Körperkontakt herstellen bis man schließlich eine gewisse Vertrautheit (im Pickup würde man sagen „Komfort“) aufgebaut hat.

While using game theory you can escalate or return each of the signals of attraction. They don’t have to be in any specific order. The importance is paying attention to those around you, giving these signals, and deciding how you want to reciprocate.  All of these signals can openly be displayed without fear of real rejection. You can not prove that the girl across the room smiling at you is not interested. Smile back and if she keeps smiling, then she has some attraction toward you. If that guy you like accidentally brushes past your arm, there is no way to prove it was on purpose. If he does it twice, it is a clear invitation to be touched back

Sehr klassisches Flirten, harmlose Signale senden und aufnehmen und zurückgeben, damit sie erneut zurückgegeben werden können.

Es hat allerdings etwas relativ passives und es regelt nicht, wie man die weiteren Signale aussendet und wie man weiter kommt. Es setzt auf ein anfängliches Interesse beider Personen und einen relativ offenen Austausch von Signalen im Sinne eines fairen Umgangs miteinander.

Ein Mann, der noch nicht weiß, was er nach dem Austauschen der Blicke macht und wie er dann einen leichten Körperkontakt herstellt oder mit ihr ins Gespräch kommt, wird damit nicht so weit kommen, für eine Frau hingegen scheint mir der Weg recht erfolgversprechend, weil sie ihre Ansprechbarkeit stark erhöht, wenn sie Signale aussendet und zurückgibt.

Es ist allerdings ein guter Tipp für jeden Single sich bewusst zu machen, dass er Signale aussenden und auf andere ausgesendete Signale achten muss.

Aus meiner Sicht hat Pickup den Vorteil, dass man eher beigebracht bekommt, wie man Attraktion und Komfort aufbaut. In der Tit-for-Tat Methode muss man darauf setzen, dass im wesentlichen der optische Eindruck so überzeugend ist, dass die Signale ausgesendet oder aufgenommen werden. Das wird bei Frauen und hübschen Männern eher der Fall sein, kann aber auch recht frustierend sein, wenn man merkt, dass man Signale aussendet, aber keine zurückkommen bzw. nur von den falschen Personen.

Es macht aus meiner Sicht die ganze Sache noch eher zu einem Glücksspiel, weil es eben keine Regeln bereitstellt, wie man „besser ankommt“. Gleichzeitig ist es aber für den normalen Umgang gut geeignet und wohl auch daher eines der am meisten verwendeten Flirtmuster.

Gemurmel aus dem Schlafsack

Ein Freund macht eine Party. Es sind einige Leute von außerhalb dort, ich auch, die dort übernachten werden.

Während der Party hatte sich einer der Gäste von zwei Uhr bis 4 Uhr mit einer in der Schönheit durchaus zu ihm passenden Blondine unterhalten. Er ist Single, sie ist Single, man hört immer wieder ihr Lachen über etwas von ihm gesagten. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Aber er bleibt beständig auf einer körperlichen Distanz, hält brav den üblichen Abstand ein, unterhält sich viel, lacht viel, aber eskaliert nicht, versucht sie nicht zu berühren, bringt sie nicht aus der Küche hinaus an einen ruhigeren, weniger hellen Ort, wo sie ungestörter sind, isoliert sie nicht von den Anderen, um zu Kino (Berühren) und Komfort (Gefühlsbindung herstellen) überzugehen. Irgendwann kommt der Zeitpunkt wo es spät wird, wo es von „Party“ zu „ich will das Sofa als Schlafplatz“ übergeht. Die Partystimmung läßt nach, die, die aus der Stadt kommen, schwinden immer mehr dahin, vereinzelt sind Schlafsäcke zu sehen, erste Gähner kündigen von viel Alkohol und später Urzeit.

Sie merkt, dass die Party zuende ist und sie irgendwas machen muss. Sie sagt „Ich mach mich dann auch besser mal auf den Weg, es ist spät“ Es hängt mit einem zu leichtem Fragezeichen in der Luft.

Er sagt „Ja, es ist wirklich spät“. Man sieht das er nicht glücklich ist, aber er kann es nicht ändern, ihm fällt nicht ein, was er sagen soll. Er hätte es früher überleiten sollen, sie dazu bringen etwas zu trinken und dann dort zu schlafen, weil sie so nicht mehr nach Hause kommt. Oder früher eskalieren und dann mit zu ihr fahren, bevor man im hellen Licht der Küche vor Leuten aus dem Nichts heraus so etwas vorschlagen muss. Er hat weder die Phasen noch die Dynamik eines solchen Flirts beachtet, nicht geplant oder intuitiv erfasst, wie er bei ihr vorankommt, einfach nur gehofft, dass es schon irgendwie laufen wird. Er ist zu passiv geblieben und hat eine Gelegenheit verschenkt. Er sieht auch keine Rettung, kommt nicht darauf, sie noch nach unten zu geleiten und dann immer weiter oder traut es sich nicht.

Sie geht.

Als alle Leute schlafen hört man aus seinem Schlafsack ein leichtes Gemurmel: „Verdammt!“ murmelt es. „Ich hätte was sagen sollen!“ murmelt es. „Warum habe ich nichts gesagt!“ murmelt es.

Er sieht nicht, dass er das Spiel bereits viel früher verschenkt hat.