Steigerung der körperlichen Attraktivität durch nichtkörperliche Merkmale

Eine interessante Studie dazu, wie sich nichtkörperliche Merkmale auf die wahrgenommene körperliche Attraktivität auswirkt:

From an evolutionary perspective, beauty is regarded as an assessment of fitness value. The fitness value of a social partner can be influenced by both physical and nonphysical traits. It follows that the perceived beauty of a social partner can be influenced by nonphysical traits such as liking, respect, familiarity, and contribution to shared goals in addition to physical traits such as youth, waist-to-hip ratio, and bilateral symmetry. We present three studies involving the evaluation of known social partners showing that judgments of physical attractiveness are strongly influenced by nonphysical factors. Females are more strongly influenced by nonphysical factors than males and there are large individual differences within each sex. In general, research on physical attractiveness based on the evaluation of purely physical traits of strangers might miss some of the most important factors influencing the perception of physical attractiveness among known associates

Quelle: The effect of nonphysical traits on the perception of physical attractiveness Three naturalistic studies

Aus der Besprechung innerhalb der Studie:

Our studies were designed to address two shortcomings in the literature on physical attractiveness: (1) a relative paucity of studies that examine the effects of both nonphysical and physical factors on the assessment of physical attractiveness and (2) a relative paucity of studies that involve people who actually know each other. All three studies demonstrate that nonphysical factors have a very potent effect on the perception of physical attractiveness, which can persist for decades in the case of the middle-aged participants of our yearbook study. It is important to stress that physical attractiveness can be important outside the context of sexual relationships. Just as we regard fitness-enhancing features of landscapes as beautiful and are drawn to them for nonsexual reasons, we can regard people as beautiful and be drawn to them when they enhance our fitness for nonsexual reasons. Physical traits per se are especially important in sexual relationships because they will be partially inherited by one’s offspring. Thus, it makes sense that males are more influenced by physical features when evaluating females than when evaluating males, although the comparable asymmetry did not exist for females. Our studies also reveal individual differences within each sex that rival between-sex differences and that merit further study. In particular, individual differences are increasingly being studied in game theoretic terms as alternative social strategies, such as cooperation versus exploitation (Wilson, Near, & Miller, 1996, 1998) or high-investment versus lowinvestment mating strategies (Gangestad & Simpson, 2000). In future research it will be interesting to see if people who differ in these respects also differ in the factors that influence their perceptions of physical attractiveness. For example, are women from father-absent homes, who appear to adopt a reproductive strategy based on low male investment (Draper & Harpending, 1982, Ellis, McFadyen-Ketchum, Dodge, Pettit & Bates, 1999), more influenced by purely physical traits in males than those from father-present homes? In conclusion, thinking of beauty as an assessment of fitness value leads to the prediction that nonphysical factors should have a strong effect on the perception of physical attractiveness. In addition, naturalistic studies are needed to fully understand how physical and nonphysical factors are integrated in the perception of physical attractiveness. If we were to state our results in the form of a beauty tip, it would be, ‘‘If you want to enhance your physical attractiveness, become a valuable social partner.

Es ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, dass die Wahrnehmung eines Menschen als attraktiv auch durch sein Verhalten und seine gesellschaftliche Stellung bestimmt werden kann. Attraktivität ist nur ein Gefühl, dass den Sinn hat einen interessanten Partner anzuzeigen, mit dem man Sex haben sollte. Eine Verknüpfung aller vorhandenen Signale und deren Zusammenfassung in dem etwas unbestimmten Begriff Attraktivität ist insofern ein einfacher Weg genau dies umzusetzen. Evolution arbeitet häufig so, dass bereits vorhandenes genutzt wird und anderweitig ausgebaut wird. Beispielsweise ist wohl das Ekelgefühl, dass uns davor bewahrte verdorbene Speisen zu essen oder schmutziges zu meiden auch auf unmoralisches Verhalten bezogen worden, weswegen wir auch dreckigere Menschen eher für unmoralisch halten.

Gerade bei Frauen würde die Verwertung von Signalen für hohen sozialen Status und eine hohe Position in der Gruppe sich anbieten, da sie das Endergebnis eines Konkurrenzkampfes unter den Männern darstellen und damit das Endergebnis intrasexueller Selektion aber eben auch intersexueller Selektion darauf, dass die Männer einen hohen Status diese Art erreichen.

Evolutionäre Spieltheorie

Ich habe hier einige interessante Videos zu evolutionärer Spieltheorie gefunden

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Zugabe:

David Buss und Richard Dawkins diskutieren über Evolutionäre Psychology

Richard Dawkins und David Buss, zwei große Namen in der Evolutionsbiologie, sprechen über Evolutionäre Psychology:

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Nochmal: Evolutionäre Adaptionen und ihre Einschränkungen

Leserin Erzählmirnix schreibt in einem Kommentar:

Aber müssten evolutionsbiologisch frauen nicht mindestens so stark sein wie männer? ich meine, eine vergewaltigung muss doch irgendwie abgewehrt werden können und da für eine frau die kosten für (unerwünschten) sex viel höher sind, wohingegen der mann quasi keine kosten hat… das muss doch erstmal auf der biologischen schiene laufen bevor wir mit gesellschaftlichen strukturen kommen. und auf der biologischen ebene muss die wahl der fortpflanzungspartner klar bei der frau liegen. wenn nun jeder dahergelaufene mann sich eine frau ins gebüsch zerren könnte und die wäre nicht mindestens so stark wie er… genetisches sodom und gomorrha. also ist es doch nur logisch dass die geschlechter prinzipiell gleich stark konzipiert sind.

Das ist noch einmal eine gute Gelegenheit klassische Fehler in Argumentationen dieser Art aufzuzeigen:

1. Die Betrachtung eines einzelnen Merkmals statt der Gesamtkosten

Üblicherweise werden drei Bedingungen genannt, die für eine evolutionäre Adaption vorliegen müssen.

  1. Die Eigenschaft ist eine Abwandelung einer früheren Form
  2. Die Eigenschaft ist durch Gene vererbbar
  3. Die Eigenschaft gibt einen Vorteil in Hinblick auf Fortpflanzung

Relevant ist hier insbesondere, dass ein Vorteil in Hinblick auf die Fortpflanzung bestehen muss. Dabei reicht es nicht, wenn die gewünschte Adaption einen Vorteil bietet, der Vorteil muss größer sein als der Nachteil, der ebenfalls hierdurch noch entstehen könnte.

Um es an einem anderen Beispiel festzumachen: Es wäre sicherlich von Vorteil, wenn der Dodo fliegen könnte. Allerdings müßte er dazu teure Muskeln vorhalten und sich auch ansonsten erheblich einschränke .

Bei dem Stärker sein als der Mann bestehen viele Nachteile;

  • hohe Unterhaltskosten für die Muskeln
  • Eintreten in ein Red Queen Rennen mit den Männern um Körperkraft
  • Höhere Kampfkraft müßte über Schwangerschaft und Stillen aufrechterhalten werden
  • Kampfvorteil über Körpergröße müßte ausgeglichen werden
  • Nachteile über sexuelle Selektion

2. Anatomische Einschränkungen

Eine Selektion hin zu stärkeren Frauen müsste einige Hürden nehmen:

Man sollte sich bewußt machen, dass Testosteron bereits ein Dopingmittel ist und Männer deutlich mehr davon haben. Dazu viele andere Unterschiede:

  • Männer wiegen etwa 15% mehr als Frauen
  • Männer sind im Schnitt 15 cm größer als Frauen
  • das Hüfte-Taile Verhältnis ist anders, Männer haben schmalere Hüften
  • Das Brust-Tailen Verhältnis ist anders: Männer haben normalerweise einen größeren Brustumfang
  • Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker
  • der Unterkörper von Männern ist im Schnitt 30% stärker
  • Männer haben relativ zu ihrer Körpergröße mehr Lungenvolumen (ca. 30%)
  • Ellenbogen und Knie sind beim Mann c42-60% stärker
  • die Haut von Männern ist dicker und fettiger
  • Männer haben mehr Körperbehaarung als Frauen
  • Frauen haben einen höheren Körperfettanteil
  • Frauen haben einen niedrigeren Blutdruck, Frauenherzen schlagen dafür etwas schneller
  • Männer haben mehr androgene Hormone, Frauen mehr Estrogene
  • Männer haben im Schnitt 5,2 Millionen rote Blutkörperchen pro Kubikmililiter, Frauen 4,6 Millionen
  • Männer haben mehr Hämoglobin als Frauen und können daher mehr Sauerstoff speichern
  • Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10% größeres Herz
  • Der Grundumsatz von Männern ist etwa 10% höher als der von Frauen
  • Männer haben stärkere Knochen
  • Frauen wandeln mehr ihrer Nahrung in Fett um, Männern mehr in Muskeln
  • Männer können mehr Hitze abgeben, weil sie mehr Schweißdrüsen haben
  • Frauen haben mehr weiße Blutkörperchen (bessere Imunabwehr)
  • Männer haben mehr Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren im Blut (schnellere Wundheilung)

Es ist recht einfach zu sehen, dass viele dieser Anpassungen gute Adaptionen für körperliche Auseinandersetzungen sind. All diese Adaptionen müsste die Frau damit eine positive Selektion zur Wehrhaftigkeit hin erfolgreich ist ausgeglichen haben.

Natürlich sind solche radikalen Wechsel möglich. Die Tüpfelhyäne beispielsweise hat größere und stärkere Weibchen, die evolutionäre Umstellung war jedoch mit einer deutlichen Vermännlichung der Weiblichen verbunden:

Eines der außergewöhnlichsten Merkmale der Tüpfelhyäne ist die Maskulinisation („Vermännlichung“) der Weibchen. Die Besonderheit der Anatomie der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane war bis in das 20. Jahrhundert Anlass von Spekulationen, obwohl bereits 1877 die erste wissenschaftlich-anatomische Beschreibung vorgelegt wurde.[2] Die Weibchen haben keinen Scheidenvorhof und keine Vulva. Die Gebärmutter ist zweihörnig, der Gebärmutterkörper durch ein Septum partiell geteilt (Uterus bicornis subseptus). Der Gebärmutterhals ist nur wenige Millimeter lang und undeutlich. Die Vagina verschmilzt – wie sonst nur bei männlichen Säugetieren – mit der Harnröhre zu einem Harn-Geschlechtsgang (Urogenitalkanal), der durch den Kitzler verläuft. Der Kitzler ähnelt dem Penis der Männchen, er erreicht rund 90 % von dessen Länge und ist ebenso erigierbar. Somit erfolgen das Urinieren, die Begattung und die Geburt durch diesen Urogenitalkanal. Vom Penis unterscheidet er sich durch das Fehlen des Harnröhrenschwellkörpers, durch eine starke Faltung der Schleimhaut und den unterschiedlichen Ansatz des Rückziehmuskels (Musculus retractor penis beziehungsweise clitoridis), der sich bei Männchen an der Penisunterseite, bei Weibchen an der Seitenfläche des Kitzlers anheftet. Diese Faktoren ermöglichen die Passage der relativ großen, bis zu 1,6 Kilogramm schweren Welpen zur Geburt. Der Geburtskanal hat durch die besonderen anatomischen Verhältnisse eine Biegung um 180° am Beckenausgang, was gelegentlich zu Geburtsproblemen führt. Die Schamlippen verwachsen und ähneln dem Hodensack (Skrotum) der Männchen (Pseudoskrotum). Die Geschlechter können an der Form der Spitze des Penis beziehungsweise des Kitzlers unterschieden werden: Männchen haben eine zugespitzte Eichel, was die Kopulation erleichtert, während die Spitze des Kitzlers vorne stumpf ist.[3]

Die physiologische Ursache dieser „Vermännlichung“ liegt nicht – wie früher vermutet – ausschließlich darin, dass die Föten im Frühstadium Androgenen ausgesetzt sind. In Versuchen wurden trächtige Weibchen mit Anti-Androgenen behandelt, ohne dass die neugeborenen Weibchen einen säugetiertypischen Kitzler oder eine offene Vagina gezeigt hätten. Bei den neugeborenen Männchen glich sich der Penis äußerlich der Klitoris an.[4] Die Androgene beeinflussen allerdings das Verhalten und den Rang: Höherrangige Weibchen haben in der Endphase der Tragzeit einen höheren Androgenspiegel als niederrangige Tiere; ihre neugeborenen Welpen sind aggressiver.[5]

Die evolutionären Gründe hinter der Maskulinisation sind nicht geklärt. Manche Autoren vermuten, dass das Begrüßungsritual mit dem erigierten Geschlechtsteil (siehe unten) dermaßen wichtig für den Gruppenzusammenhalt ist, dass sich für die Weibchen Vorteile daraus ergaben, daran teilzunehmen.[6] Eine andere Sicht hält die Maskulinisierung für ein „Nebenprodukt“ der Entwicklung der Weibchen hin zu stärkeren, aggressiveren Tieren,[7] was beim Aufwachsen in den Auseinandersetzungen mit den Geschwistern und beim Kampf um Nahrungsressourcen von Vorteil ist. Letztendlich bleibt es aber schwierig, die evolutionären Schritte nachzuvollziehen, die zu diesem unter Säugetieren einmaligen Phänomen geführt haben.

3. „Es sollte so sein, weil es dann besser wäre“

Wunschträume bewirken keine Evolution.  Es mag wünschenswert sein, dass Frauen sich besser wehren können. Ein Selektionsprozess muss aber vorteilhaft sein, was hier in einer Gesamtbetrachtung eher nicht der Fall ist.

Der Rückwärtsschluß aus einer angestrebten Eigenschaft auf eine sichere Evolution in diese Richtung ist nur sehr eingeschränkt möglich. Das liegt  eben an den Einschränkungen evolutionärer Adaptionen:

  1. Anatomische Einschränkungen
  2. Genetische Einschränkungen
  3. Zeitliche Einschränkungen
  4. Einschränkungen durch die Kosten
  5. Einschränkungen durch die Schwankungen in den Lebensumständen

Das „eigentlich müsste es ganz anders sein“ ist eigentlich nur dann zulässig, wenn man eine bestimmte evolutionäre Regel benennen will, deren Inhalt einem mögliche Ziel entgegensteht.

Das ist hier aber gerade nicht der Fall. Die These, dass Männer stärker sind, wird eher durch evolutionäre Regeln gestützt:

  • Ist bei Lebewesen eines der Geschlechter größer, dann ist es auch meist (überproportional) stärker, weil Größenunterschiede üblicherweise entstehen, wenn eines der Geschlechter in körperlicher intrasexueller Konkurrenz stehen, also untereinander kämpfen
  • Das Geschlecht, welches mehr in intrasexueller Konkurrenz steht, wird in der Regel stärker sein. Das sind bei Primaten die Männchen. Auch beim Menschen spricht alles für größere intrasexuelle Konkurrenz unter Männern

Wenn eine Regel dafür spricht, dass eigentlich ein anderes Ergebnis vorliegen müsste, dann kann man dies als evolutonäres Rätsel sehen und versuchen es zu lösen. Dies ist aber hier gerade nicht der Fall

4. Es ist auch nicht so

Letztendlich bleibt eine Kontrolle des Endzustandes. Athleten mögen teilweise recht dicht bei einander sein, aber untrainierte Männer sind in aller Regel stärker als Frauen. Wer 18jährige Männer gegen 18jährige Frauen im Armdrücken antreten läßt, der sollte sein Geld auf die Männer setzen.

Wie Roslin hier schon zitierte bleiben die Unterschiede relativ gleich:

*A stabilization of the gender gap in world records is observed after 1983, at a mean difference of 10.0% ± 2.94 between men and women for all events. The gender gap ranges from 5.5% (800-m freestyle, swimming) to 18.8% (long jump). The mean gap is 10.7% for running performances, 17.5% for jumps, 8.9% for swimming races, 7.0% for speed skating and 8.7% in cycling. The top ten performers’ analysis reveals a similar gender gap trend with a stabilization in 1982 at 11.7%, despite the large growth in participation of women from eastern and western countries, that coincided with later- published evidence of state-institutionalized or individual doping. These results suggest that women will not run, jump, swim or ride as fast as men.*

 

Macht und sozialer Status

Macht und Status sind beide gewisse Anzeichen für eine hohe Position in der Gruppe und damit auch gleichzeitig ein für die Partnerwahl interessantes Zeichen.

1. Sozialer Status

Ich hatte bereits einen Artikel zum sozialen Status und Evolution geschrieben, in dem ich verschiedene Grundlagen dargelegt habe. Aus meiner Sicht geht es für die Partnerwahl um eine direktere Form von sozialen Status als rein die formelle Position in der Gesellschaft.

Aber erst einmal grundsätzliches zB aus der deutschen Wikipedia:

Sozialer Status bezeichnet in Soziologie wie in Sozialpsychologie eine soziale Position innerhalb einer sozialen Struktur oder die Zuordnung der Position zu einem System sozialer Rangordnung. Soziale Struktur ist als ein Netzwerk aufeinander bezogener Statuspositionen zu verstehen, die von den einzelnen Statusinhabern und ihren Gegenspielern in einer Hierarchie unterschiedlich hoch eingestuft, d. h. nach verschiedenen Kriterien oder Statusdimensionen bewertet werden: Macht, Einfluss, Einkommen, Vermögen, Prestige und ähnliche Kriterien. Die so wertmäßig eingestuften Statusgruppen (auch soziale Klassen genannt)[1] bilden das System der sozialen Schichtung einer Gesellschaft. Die Sozialpsychologie verwendet diese Begriffe auch für kleinere soziale Einheiten wie soziale Gruppen und Organisationen.

Hier ist bereits angesprochen, dass Status nach verschiedenen Kriterien gebildet werden kann, die ich einmal etwas anderes definieren möchte:

  • Macht: Die Fähigkeit seinen eigenen Willen durchzusetzen, also Unabhängigkeit von dem Willen anderer, Anführereigenschaften etc
  • Einfluss: Wenn man kennt
  • Vermögen: Welche Ressourcen man kontrolliert und gegen andere durchsetzen kann
  • Prestige: Was andere einem an Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet zutrauen bzw. das zutrauen hoher Fähigkeiten aufgrund (angeblicher oder tatsächlicher) Taten

All dies kann man natürlich direkt in evolutionäre Vorstellungen einbinden, die sowohl den Faktor betreffen, wie wertvoll man als Verbündeter oder als Partner sein kann. Wer sich häufig duchsetzt, wer viele andere Leute kennt, die sich durchsetzen, wer viele Ressourcen hat und wem diese nicht von anderen weggenommen werden und wer bekannt dafür ist, großes Vollbringen zu können, der kann sowohl ein wertvoller Verbündeter sein oder zumindest ein gefährlicher Gegner, weswegen man ihn entsprechen behandeln muss oder er könnte ein interessanter Partner sein, weil er zum einen gute Gene haben wird, die es ihm ermöglicht haben, sich gegen andere durchzusetzen, aber auch eigene Kinder gut versorgen und wahrscheinlich auch beschützen und ausbilden kann.

Auch die englische Wikipedia enthält einiges interessantes:

Status refers to the relative rank that an individual holds; this includes attendant rights, duties, and lifestyle, in a social hierarchy based upon honor or prestige. Status has two different types that come along with it: achieved, and ascribed. The word status refers to social stratification on a vertical scale.

In society, pariah status groups are regarded with disdain or treated as outcasts by the majority of the population. The term derives from the Paraiyar (Pariah caste), members of which are treated as outcasts in Hindu society.

In modern societies, occupation is usually thought of as the main determinant of status, but other memberships or affiliations (such as ethnic group, religion, gender, voluntary associations, fandom, hobby) can have an influence.

The importance of social status can be seen in the peer status hierarchy of geeks, athletes, cheerleaders, nerds, and weirdos in Hollywood stereotypes of American high schools.[1][2] Achieved status is when people are placed in the stratification structure based on their individual merits or achievements. This status can be achieved through education, occupation, and marital status. Their place within the stratification structure is determined by society’s bar, which often judges them on success, success being financial, academic, political and so on. America most commonly uses this form of status with jobs. The higher you are in rank the better off you are and the more control you have over your co-workers.

In pre-modern societies, status differentiation is widely varied. In some cases it can be quite rigid and class based, such as with the Indian caste system. In other cases, status exists without class and/or informally, as is true with some Hunter-Gatherer societies such as the Khoisan, and some Indigenous Australian societies. In these cases, status is limited to specific personal relationships. For example, a Khoisan man is expected to take his wife’s mother quite seriously (a non-joking relationship), although the mother-in-law has no special „status“ over anyone except her son-in-law—and only then in specific contexts. All societies have a form of social status. Status is an important idea in social stratification. Max Weber distinguishes status from social class,[3] though some contemporary empirical sociologists add the two ideas to create socioeconomic status or SES, usually operationalised as a simple index of income, education and occupational prestige.

Für die Frage, was uns besonders in unserer evolutionärern Vergangenheit geprägt hat, ist eher auf nichtmoderne Gesellschaften abzustellen. in diesen kann es, gerade weil die Gesellschaften wesentlich größer sind zu einem sehr „formellen Status“ kommen, der mit dem ursprünglichen Status nichts zu tun hat. Beispielsweise wird ein Klischeenerd als Studierter und auf seinem Gebiet sehr kompetenter Mensch einen guten Job haben, und insoweit auch ein gutes Einkommen. Weil er aber abseits seines Berufs vielleicht sozial wenig erfahren ist (es ist ein klischeehaftes Beispiel, welches nicht besagten soll, dass alle Nerds so sein müssen), schafft er es nicht diesen höheren formellen Status in voller Höhe in einen direkten sozialen Status zu übermitteln. Er hat keine Macht über Leute, keinen Einfluss und kein Prestige außerhalb seines Berufs und innerhalb seines Berufs auch nur, was berufliches angeht. Er wird daher anders wahrgenommen als dies seinem Status entspricht.

Hingegen kann der Sänger einer Hinterhofband, der bei einem Konzert 200 Leute begeistert, in diesem Augenblick einen subjektiven hohen sozialen Status kreiieren, wenn andere den Eindruck gewinnen, dass die 200 Leute bei dem Konzert begeistert sind, wenn er auf der Bühne stehend und die Reaktionen der Zuschauer steuernd als machtvoll wahrgenommen wird, Prestige hat, Einfluss hat (200 Leute kommen wegen ihm, auch die eigenen Freundinnen und Freunde etc). Bei einem passenden Auftreten kann er damit einen hohen sozialen Status aufbauen, die ihn zum einen attraktiv machen oder eben als Verbündeten interessant machen würde (wenn wir noch in der Steinzeit leben würden)

Weil die heutige Gesellschaft wesentlich mehr Unterteilungen in Privat und Beruflich und dort vielleicht wieder in lauter verschiedene Kreise hat, können Statusverhältnisse auch erheblich abweichen. Wer meint, dass sein Boss ein Wicht ist, den er hasst, und jedesmal die Stunden zählt, bis er aus dem Büro ist, der wird ihm über die reine Berufstätigkeit hinaus keinen Status zusprechen. Wer ihn dort auch auf eine privatere Weise kennenlernt und ihn für seine Fähigkeiten bewundert und als stark wahrnimmt, der wird ihm darüber hinaus einen besonderen Status zuweisen.

Sprich: Auch hier wirkt sich die Subjektivität von Status und die zergliedertere Struktur der Gesellschaft aus und auch der Umstand, dass wir aufgrund dieser Zergliederung Status anders bilden als früher.

Um so eher in der jeweiligen Gesellschaft der formelle Status mit dem sozial wahrgenommen Status übereinstimmt, beispielsweise in einem ärmeren Land, in dem ein guter Job mit entsprechenden Gehalt einen aus der Masse heraushebt und die Lebensqualität erheblich verbesser, um so einfacher ist es über diesen Weg sozialen Status aufzubauen. Um so eher sie auseinander fallen, um so mehr wird die direktere Form von Status interessant.

2. Macht

Macht ist zunächst die Möglichkeit, seine eigenen Vorstellungen auch gegen den Willen oder die Interessen anderer durchzusetzen.

Aus der Wikipedia heißt es dazu:

Als sozialwissenschaftlicher Begriff bezeichnet Macht einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über“ und „Macht zu“ bezeichnet. Macht gilt als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften und ist als solcher in seinem Bedeutungsumfang umstritten (essentially contested).

Machtverhältnisse beschreiben mehrseitige (Austausch-)Verhältnisse, bei denen oft eine Seite über größere Macht verfügt (zum Beispiel durch Belohnung, Bestrafung, Wissen) und das von anderer Seite akzeptiert wird. Es wird auf Widerspruch verzichtet, nichts gegen die Ausübung der Macht unternommen, oder die andere Seite lässt sich zu Duldung oder Befolgung zwingen.

Macht spielt praktisch in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle und bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen mit ausdifferenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Einflusspotenzialen.[1][2][3] Mit Bezug auf die Etymologie von „Macht“ kann der Begriff auch so verstanden werden, dass soziale Macht nur einen – wenn auch sehr bedeutenden – Unterfall eines grundsätzlicheren Machtbegriffs bildet.

Macht ist damit ein Bestandteil von Status, es kann aus ihr Status erwachsen, sie ist aber insbesondere eine subjektive Einschätzung nicht unbedingt der Position in der Gruppe, sondern der Frage, was derjenige tatsächlich umsetzen kann. Reine Macht hat insofern etwas bösartigeres, weil sie eben eine Umsetzung auch gegen den Willen der anderen erlaubt, ein potentielles Zwingen zu einem bestimmten Ergebnis.

Macht ist insofern ein direktes Ergebnis eines gewonnen Konkurrenzkampfes und insofern auch ein starkes Zeichen guter Gene.

In heutiger Zeit kann Macht eher noch als früher aus passenden Positionen in der Gesellschaft geltend gemacht werden, die nicht ohne weiteres angegriffen werden können. Gleichzeitig ist früher eine direktere Macht vorhanden gewesen. Wer der Stammeschef war, der konnte einen anderen aus der Gruppe schmeißen, was vielleicht gleichbedeutend mit dem Tod sein konnte, töten lassen, ihm Ressourcen wegnehmen, sprich: er hatte eine recht direkte Macht über die Person. Ein heutiger Chef kann einen entlassen, was nicht das Ende der Welt sein muss. Er kann einem weitere Aufgaben geben oder einem eine Predigt halten. Sobald man die Betriebsräume verlässt, hat er aber kaum noch Macht über einen.

Was wir daher als Macht wahrnehmen, kann auch insofern sehr verschieden sein. Vielleicht besteht auch gerade wegen dieser direkteren Macht körperlicher Auseinandersetzungen bei einigen Frauen eine gewisse Tendenz hin zu Männern, die diese theoretisch noch ausüben können, von Soldaten, Polizisten oder anderen Männern in Uniform hin zu Gangstern oder Motorad/Rockern/Gangmitglied. Natürlich hat zB ein Polizist nur eine sehr eingeschränkte Macht, er kann aber aufgrund seiner Befugnisse als machtvoll wahrgenommen werden. Und so gesehen hat ein Rocker gar keine gesellschaftliche Macht, aber seine Bereitschaft einen anderen direkt zu verprügeln und eine Selbstsicherheit damit durchzukommen, verleihen ihm Anzeichen von Macht in der direkten Wahrnehmung.

3. Das Verhältnis zueinander

Macht und Status überschneiden sich in gewisser Weise. Bereits bei der Betrachtung von Status wurde deutlich, dass Macht ein Kriterium von Status sein kann. Macht selbst kann also Status bewirken. Zudem stellt eine hohe Position in der Gruppe eben auch eine gewisse Macht zur Verfügung.

Status ist aus meiner Sicht ein besseres und sicheres Kriterium, weil es einen breiteren Bereich abdeckt und Macht mit einbezieht. Weil die Position in der Gruppe auch eine wesentlich sozialerer Komponente haben kann und Status auch solche Leute einbezieht, die einen unterstützen, weil sie es wollen und nicht weil sie es müssen, ist es ein höherwertiges Signal, gerade in einer kleinen Gruppe und gerade in Bezug auf eine langfristigere Strategie. Macht ist in einer gewalttätigeren, unmoderneren Gesellschaft etwas sehr relatives, wenn man sie gegen eine Gruppe durchsetzen muss. Erst mit der Möglichkeit, Eigentum anzuhäufen und über diese Ressourcen Spezialisten mit Schutz und Ausübung direkter Macht zu beauftragen, kann darüber eine gewisse Sicherheit geschaffen werden.

In einer Jäger und Sammler Gemeinschaft ist eine Absicherung nur durch Macht und ohne darüber hinausgehenden Status wohl eher schwierig. Denn unter diesen Bedingungen ist eine Diktatur wesentlich schwieriger, weil jemand, der sich zuviel herausnimmt, immer noch relativ schnell umgebracht oder zumindest durch ein Verbünden mit anderen kleine gehalten werden kann.

Das ist aus meiner Sicht der Grund, warum Status eine sehr hohe Bedeutung erlangen kann.

Evolutionare Psychologie und Evolution: Erklärungen für Verhalten bei Menschen und Tieren

Ich hatte neulich in einem Kommentar etwas zur Akzeptanz von evolutionären Begründungen für Verhaltensweisen und evolutionärer Psychologie geschrieben:

Es ging darum, dass evolutionäre Begründungen für Verhalten bei Tieren wesentlich einfacher akzeptiert werden als bei Menschen:

“Schimpansenmännchen sind größer und stärker als Weibchen, weil sie in intrasexueller Konkurrenz um Status stehen, der ihre Fortpflanzungsaussichten verbessert”
–> plausible biologische These, allgemein akzeptiert, keinerlei Aufschrei

“Schimpansen führen erbitterte Kämpfe um Status, weil ihnen dies bessere Fortpflanzungsmöglichkeiten bietet, da Schimpanzenweibchen sich lieber mit statushohen Affen paaren, weil dies ein genetisches Qualititätsmerkmal ist, weil der Status durch intrasexuelle Konkurrenz gegen die anderen Männchen erkämpft wurde”
–> plausible biologische These, allgemein akzeptiert, keinerlei Aufschrei

“Männer bauen beruflich, sozial und untereinander Status auf, weil ihnen dies bessere Fortpflanzungsmöglichkeiten bietet, da Frauen lieber mit Männern mit zumindest gleichen Status Bindungen eingehen oder Sex haben, weil dies ein genetisches Qualititätsmerkmal ist, weil der Status durch intrasexuelle Konkurrenz gegen die anderen Männer erarbeitet wurde”
—> unbewiesene “Just so story”, Scharlatanerei, ein moderner Mythos, klingt vielleicht logisch, kann sich aber jeder ausdenken, ist abzulehnen?

 

 

Evolutionäre Vorteile der verdeckten Ovulation

Menschliche Frauen haben im Gegensatz zu anderen Primaten eine verdeckte Ovulation, es ist also nicht ohne weiteres klar, dass sie gerade fruchtbar sind.

Gründe dafür können die Folgenden sein:

1. Investitionen des Vaters sicherstellen

Eine deutlich dargestellte Ovulation, wie etwa bei Schimpansen, erlaubt den Männchen sich nur dann um eine Befruchtung zu bemühen, wenn das Weibchen fruchtbar ist. Brautwerbung kann so auf ein Minimum beschränkt werden.

Eine verdeckte Ovulation bedeutet hingegen, dass sich das Männchen umfangreicher um das Weibchen bemühen muss, da er die genauen Zeiten der Fruchtbarkeit nicht kennt. Statt also einfach zu versuchen mit jedem Weibchen zu schlafen, welches gerade fruchtbar war, lohnte es sich immer wieder nur mit einem Weibchen zu schlafen, um so sicherer den Zeitrahmen der Fruchtbarkeit zu erwischen. Gleichzeitig lohnte es sich eher für das Männchen dauerhaft andere Männchen von der Frau fernzuhalten um so eine Befruchtung zu verhindern, was sonst nur an den fruchtbaren Tagen sinnvoll gewesen wäre. Daraus kann sich dann die Paarbindung  entwickeln und eine Unterstütztung bei der Schwangerschaft.

2. Vaterunsicherheit erhöhen

Ein weiterer möglicher Vorteil könnte darin bestehen, dass eben genau der Effekt, dass jederzeit eine Befruchtung eintreten kann, dazu führen kann, dass andere Männer sich ebenfalls als mögliche Väter sehen und dadurch die Wahrscheinlichkeit besteht, das diese evtl Kinder auch fördern oder im Fall einer neuen Partnerschaft nicht verstoßen/töten.

3. Bessere Möglichkeiten Sex als Belohnung/Tauschmittel einzusetzen

Bei einer angezeigten Ovulation ist Sex nur dann interessant/lohnenswert, wenn Fruchtbarkeit besteht.

Bei einer verdeckten Ovulation hingegen bleibt die Option auf Befruchtung immer bestehen, so dass Sex durchgängig interessant bleibt. Damit kann  durchgängig Sex zB gegen Versorgung getauscht werden zB über Nahrung nach guter Jagdbeute etc.

4. Selbsttäuschung der Frauen

Eine These, die ich neulich hörte, baut darauf auf, dass menschliche Kindern im Verhältnis zur Körpergröße der Frau sehr groß sind und die Geburt des Kindes damit eine der problematischsten und schmerzhaftesten ist, die es gibt. Eine verdeckte Ovulation verhindert, dass Frauen an den fruchtbaren Tagen Sex meiden, um die Schmerzen der Geburt zu vermeiden.

 

Jäger und Sammler: Frauen als Jägerinnen?

In der FAZ ist ein Artikel, der sich mit „anti-emanzipatorischen Argumente für Steinzeit für immer“ beschäftigt. Dort heißt es zur Jagd:

Was nämlich spricht dagegen, dass auch Frauen jagten? Nichts. Das ist schon die ganze Antwort. Niemand weiß, wer die Speere oder Lanzen benutzt hat, die gefunden worden sind, möglich ist alles. Zu schwach? Zu viel Arbeit mit den Kindern? „Jagende Frauen“, sagt Miriam Haidle, Paläoanthropologin und Koordinatorin eines Forschungsprojekts über kulturelle Evolution an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, „sind weltweit ethnographisch belegt, von der Polarregion, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien.“ Der Grad der Beteiligung an der Jagd sei veränderlich, „von einzelnen bis zur Mehrheit der Frauen, die Beute reicht in der Regel von Kleinwild bis Mittelwild“.

Zunächst kommt es natürlich darauf an, was man unter Jagen versteht. Kleinwild jagen ist etwas anderes als größeres Wild jagen. 

Bei größeren Wild spricht in der Tat zunächst die Körperkraft dagegen:  Eine lange Zeit erfolgte die Jagd mit einem Stoßspeer, Fernkampfwaffen sind relativ jung. Mit einer Waffe nahe an ein größeres Tier heranzugehen und eine Waffe direkt einzusetzen erfordert einiges an Kraft und hat ein hohes Verletzungsrisiko.

Hier ein paar körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau:

  • Männer wiegen etwa 15% mehr als Frauen
  • Männer sind im Schnitt 15 cm größer als Frauen
  • Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker
  • der Unterkörper von Männern ist im Schnitt 30% stärker
  • Männer haben relativ zu ihrer Körpergröße mehr Lungenvolumen (ca. 30%)
  • Ellenbogen und Knie sind beim Mann c42-60% stärker
  • die Haut von Männern ist dicker und fettiger
  • Männer haben mehr Körperbehaarung als Frauen
  • Männer haben im Schnitt 5,2 Millionen rote Blutkörperchen pro Kubikmililiter, Frauen 4,6 Millionen
  • Männer haben mehr Hämoglobin als Frauen und können daher mehr Sauerstoff speichern
  • Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10% größeres Herz
  • Männer haben stärkere Knochen
  • Frauen wandeln mehr ihrer Nahrung in Fett um, Männern mehr in Muskeln
  • Männer können mehr Hitze abgeben, weil sie mehr Schweißdrüsen haben
  • Frauen haben mehr weiße Blutkörperchen (bessere Imunabwehr)
  • Männer haben mehr Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren im Blut (schnellere Wundheilung)

Man sieht also, dass Männer im Verhältnis zu Frauen wesentlich besser auf körperliche Auseinandersetzungen, sowohl mit Tieren als auch mit anderen Menschen, abgestimmt sind. Sie haben im schnitt deutlich mehr Kraft, sind stabiler gebaut, können mehr Sauerstoff ins Blut bringen, heilen schneller. All das kann sich nur entwickeln, wenn es einen Selektionsvorteil bringt, und all diese Umstände bringen Vorteile bei der Jagd.

Auch mit Wurfwaffen und Schußwaffen wird das Bild nicht besser:

Bei Wurfwaffen wie Speeren ist erhebliche Körperkraft erforderlich, um das Tier damit zu verletzen. Auch hier spricht gerade die im Schnitt erheblich größere Kraft im Oberkörper für eine Selektion durch Jagd. Hinzu kommen Vorteile der Männer durch die im Schnitt besseren Fähigkeiten beim räumlichen Denken, was die Zielgenauigkeit erhöht. Alle Sportarten, die die genaue Platzierung eines Geschosses oder die Berechnung einer Flugbahn erfordern sind üblicherweise deutlich männlich besetzt, beispielsweise Dart ist recht fest in männlicher Hand, obwohl die Körperkraft hier letztendlich keine Rolle spielen wird. (Natürlich wird es immer wieder ein großartige Dartspielerin geben, aber eben seltener als einen männlichen Dartspieler). Ein Bogen mag danach weniger Kraft erfordern, Frauen werden ihre Stärken dennoch eher in anderen Bereichen gesehen haben.

Hinzu kommt, dass bei nahezu allen Naturvölkern die wir heute kennen Jagd eine männliche Angelegenheit ist, lediglich Kleintierjagd wird auch von Frauen betrieben.

Hier eine Tabelle dazu:

Tätigkeiten Männer Frauen

Tätigkeiten Männer Frauen

Wie man sieht ist in den meisten Völkern die Jagd auf große Tiere Männersache, die Jagd auf kleine Tiere wird auch von Frauen vorgenommen.

Dazu allerdings im Artikel:

Eines der prominentesten Beispiele sind die Agta, ein Volk, das auf den Philippinen lebt. Die Frauen tragen Macheten, sie jagen mit Pfeil und Bogen, auch dann noch, wenn sie schwanger sind. Die Beute sind Wildschweine und Hirsche, die Mädchen fangen kurz nach der Pubertät mit dem Jagen an. Kinder werden auch mitgenommen, huckepack auf dem Rücken.

Dazu ist zunächst anzumerken, dass es natürlich immer wieder Kulturen geben kann, in denen Frau Jagd betreiben. Gerade wenn das Sammeln in dieser Gegend wenig ergiebig ist, die Jagd aber schon, dann kann dies dazu führen, dass entsprechende Regeln geändert werden, damit man genug Nahrung hat. Es wird aber den meisten einleuchten, dass eine Jagd mit einem Kleinkind auf dem Rücken oder schwanger nicht gerade ideal ist. Man kann sich nicht anschleichen, weil das Kind vielleicht schreit. Das Kind kann verletzt werden. Es hindert beim Jagen und beim Benutzen der Waffe. Die Verletzungsgefahr für Mutter und Kind ist damit sehr hoch bei einer solchen Jagd. Es spricht damit einiges dafür, dass diese Tätigkeit häufiger und regelmäßiger von Männer ausgeübt wurde.

Insbesondere ist zu bedenken, dass in der Steinzeit zum einen wesentlich mehr Großwild vorhanden war. Wo auch immer der Mensch hin kam folgte ein Aussterben dieser großen Landtiere, so dass man vermuten darf, dass diese der Großwildjagd zum Opfer fielen.

Und zum anderen waren auch wesentlich gefährlichere sonstige Tiere unterwegs, die Menschen ebenfalls als Beute angesehen haben und die Jagd zusätzlich gefährlich machten.

Allerdings scheinen auch die Berichte über die Agta überholt zu sein:

The Agta of the Philippines are often cited as evidence that women can hunt as proficiently as men, despite encumbrances of childcare. In fact, many forager women, including Ache and Hiwi, participate in hunting activities. However, women rarely make kills of medium-sized or large game; instead, they engage in activities that help men hunt successfully. In contrast, Agta women hunt with bows and arrows and kill the same prey as do men. The Agta data are important because they indicate conditions under which women may actively hunt. However, fewer than 100 Agta women claimed to have ever hunted from a population of about 9,000 on Luzon Island (P. B. Griffin and T. Headland, personal communication). Most women who reported having hunted were no longer hunting during the ethnographic observation period, and most late-twentieth-century Agta had never heard of women hunters (P. B. Griffin and T. Headland, personal communication). Hunting production data exist for a sample of only six women hunters (Goodman et al. 1985), and available data suggest several patterns relevant to women’s hunting:

(1) carbohydrate resources provided low returns and were rarely encountered;

(2) meat was traded for carbohydrates at a favorable rate;

(3) fertility and ratios of dependent children to adults were low, with high availability of alloparents;

(4) women who hunted were often sterile or postreproductive;

(5) all women’s kills resulted from hunting with dogs; and

(6) women’s hunting always took place less than 5 km from camp, allowing rapid return to dependent offspring (Estioko-Griffin 1985, 1986; Goodman et al. 1985).

The first three points may explain why African Pygmy women participate in communal net and bow hunting activities. Dogs immobilize Agta prey, perhaps explaining why they regularly dispatch prey without men whereas Hiwi and Ache women rarely do. No study of Agta women hunters has examined whether active hunting is related to women’s reproductive status at the time of hunting, but anecdotes suggest that women hunted infrequently or not at all when pregnant or lactating (Estioko-Griffin 1986, 42).14

Das bestätigt also im wesentlichen das oben gesagte.

Dann weiter in dem Ursprungstext.

Umgekehrt gibt es natürlich auch in vielen Kulturen sammelnde Männer. Sammler, Frauen wie Männer, brauchen Gefäße, Taschen, Mörser, Messer, sie müssen wie Jäger ausschwärmen und beobachten, es spricht also auch nichts dafür, dass Sammeln kein Motor für Erfindungen sein kann.

Richtig ist, dass auch Männer gesammelt haben. Das dürfte schon damit zusammen hängen, dass Jagdbeute unsicherer ist als das Sammeln von essbaren Pflanzen. Aber das bedeutet nicht, dass bei Männern nicht dennoch eine Selektion auf bessere Jagdeigenschaften eingetreten sein kann.

Der oben für die Grafik bereits zitierte Artikel beleuchtet Gründe für die Jagd:

The role of men in hunter-gatherer societies has been subject to vigorous debate over the past 15 years. The proposal that men hunt wild game as a form of status signaling or “showing off” to provide reproductive benefits to the hunter challenges the traditional view that men hunt to provision their families. Two broad assumptions underlie the signaling view: (1) hunting is a poor means of obtaining food, and (2) hunted game is a public good shared widely with others and without expectation of future reciprocation. If hunters lack the ability to direct food shares and obtain subsequent benefits contingent on redistribution, then the ubiquitous observations of male hunting and universal pair-bonding cannot be explained from a perspective that emphasizes kin provisioning and a division of labor. Here we show that there is little empirical support for the view that men hunt for signaling benefits alone. The ethnographic record depicts a more complex relationship between food sharing patterns, subsistence strategies, mating, and the sexual division of labor. We present a framework incorporating trade-offs between mating and subsistence strategies in an economic bargaining context that contributes to understanding men’s and women’s roles in huntergatherer societies.

Quelle: Why Do Men Hunt? A Reevaluation of “Man the Hunter” and the Sexual Division of Labor

Aus der Studie:

On average, men contribute about 65% of the calories and 85% of the protein to the forager diet (Kaplan et al. 2000; Marlowe 2001).

Das zeigt auch, dass Fleisch gerade als Proteinquelle wichtig war und Jagd einiges an Kalorien lieferte.

Zu der Frage, inwieweit es bei der Jagd um „Brautwerbung“ oder schlicht Nahrung geht heißt es dort:

The provisioning pathways may favor hunting in most societies, but commitment to hunting is reinforced by the signaling payoffs that aid in mating success and coalition building. Hunting may be ubiquitous among men cross-culturally precisely because of the multiple pathways by which it affects fitness via both private and household gains. Both early historical focus on family provisioning and recent emphasis on mating payoffs provide only partial explanations for why men hunt. We have described a model of the sexual division of labor in which men hunt and women gather because of maternal constraints, long learning periods for many foraging activities, and male comparative advantage combined with the goal of providing a diverse multinutrient diet. Furthermore, men’s hunting production is not lost through sharing but is biased toward family members and channeled to others strategically via contingent reciprocity, social insurance, “cooperative breeding,” and costly display. Other models that emphasize political goals, enhanced group size, and well-being in the context of intergroup competition deserve careful consideration. Long-term pair-bonds cannot be explained by the signaling model alone because it implies that women should be indifferent to marrying good hunters and men should abandon their wives as their fecundity declines. Men in foraging societies voice concern for spousal and offspring welfare; they engage in daily activities that indicate such concern, especially when spouses are pregnant. Among the Ache, Hiwi and Tsimane, men often take custody of children after maternal death or divorce and provide extensive support. Several scenariobased experiments conducted with Ache and Hadza men witdependents show that they prefer to reside in groups with good hunters who will help provision their families rather than in groups of poor hunters where status signaling opportunities are high (Wood 2006; Wood and Hill 2000). New physiological data on male-female and male-offspring bonding mechanisms and hormones that promote such bonding (e.g., oxytocin, vasopressin, dopamine, decreased testosterone) may demonstrate that human males were designed by natural selection to increase cooperative sentiment with female partners and to help raise highly dependent offspring (Gray et al. 2004). These mechanisms may set humans apart from other apes and may provide a window into the social structure of our hominin ancestors. Undoubtedly, spousal conflicts arise because of male mating goals, and these conflicts may modify men’s behavioral patterns. Rather than continue to argue over monocausal explanations of men’s hunting, new studies should examine how costs and benefits of male mating and parenting investment vary with ecological circumstance, partner status, condition and need of offspring, and availability of substitutable aid. In addition, they should examine how hunting rather than gathering might best meet male goals given the constraints of human social living.

Die Jagd erlaubte den Männern also besser als das Suchen nach Nahrung sowohl ihre „guten Gene“ darstellen zu können und somit Qualitäten zu zeigen als auch genügend Nahrung herbeizuschaffen. Diese Lage machte Jagd für Männer zusätzlich attraktiv.

Matrilokal oder patrilokal

Die Frage, ob Primaten patrilokal oder matrilokal leben, also ob die Männchen bei ihrer Familie leben oder die Weibchen, entscheidet sich wohl im wesentlichen wie folgt:

Weibchen sind im stärkeren Maße als Männchen auf beständige Nahrungsversorgung angewiesen. Dies resultiert insbesondere darauf, dass sie als Säugetiere zum einen das Kind im Mutterleib unterhalten müssen und bei kurzzeitiger starker Unterversorgung zu befürchten ist, dass das Kind nicht geboren wird und zudem daraus, dass danach das Kind noch versorgt werden muss und über lange Zeit unselbständig bleibt.

Ein sicherer Rückhalt ist dabei die Familie, bei denen bereits aufgrund der Verwandtenselektion ein gewisses Interesse daran besteht, dass das Kind, dass eben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch ihre Gene verbreitet, überlebt. Dies ist wohl auch der Grund, warum die meisten Säugetiere eher in diesem Modell leben. Hier können sich dann die Weibchen untereinander Schutz geben und sich so auch gegen stärkere Männchen durchsetzen.

Die Versorgung durch die Familie hat aber einen Nachteil: Wenn Nahrungsmittel knapp sind, dann befinden sich die Familienmitglieder in direkter Konkurrenz um die Nahrung. Dies kann ein Verhalten begünstigen, bei dem patrilokal gelebt wird, da dann die Mutter und das Kind nicht mit den Genen der Verwandten in einem Konflikt stehen, sondern mit denen des Vaters, was für die Mutter günstiger sein kann.

In einer Spezies mit starker Paarbindung unter den Männchen und den Weibchen mag zudem noch der Vorteil bestehen, dass das Weibchen über die Bindung zu ihrem Mann auch die Vorteile von dessen Verwandten nutzen kann, wenn diese auch nicht in einem so engen Verhältnis zu ihr wie zu ihm stehen.

Der weitere Vorteil ist, dass in diesem Modell die Männchen von der leichteren Gruppenbildung profitieren. Kommt dann noch intrasexuelle Konkurrenz unter den Männchen dazu und werden Hierarchien ausgebildet, dann lohnt sich die Zusammenarbeit noch mehr, da zwei Männchen sich auch gegen ein Männchen durchsetzen können, welches eigentlich stärker ist als sie einzeln. Da zudem intrasexuelle Konkurrenz unter Männchen nicht nur zum Schutz und Nahrungssuche genutzt wird, sondern auch zum Statusaufbau und besseren Fortpflanzungsmöglichkeiten besteht hier üblicherweise eine höhere Konkurrenz.

 

Error Management Theorie

Ein interessanter Aspekt, der letztendlich in den Bereich Spiele Theorie fällt ist die Fehler Management Theorie:

Error Management (EM) is a theory that looks at history of cognitive biases throughout evolution. It was put forth by David Buss and Martie Haselton. Such biases and heuristics over the vast time line of evolutionary history could have only existed if they held at least slight reproductive benefits. The drive to reduce or manage costly reproductive errors is the root of the theory. However, since evolution is purposeless—it has no „intentions“—EM adaptations are not aimed at accuracy but are „designed to err in the direction of lower survival or reproductive cost“.[1]

Letztendlich geht es darum, dass einige Fehler teurer sind als andere: Es ist günstiger sich einmal zuviel vor einer giftigen Schlange zu fürchten als einmal zu wenig, wenn die Kosten auf der einen Seite unnötiger Schrecken und auf der anderen Seite der Tod durch den Biss der Schlange sind. Es lohnt sich dann immer eher, sich auf der Seite des weniger kostenintensiven Fehlers zu irren.

In der Wikipedia dazu:

In the decision making process, when faced with uncertainty, a subject can make two possible errors: type I or type II. A type I error is a false-positive or in layman’s terms, playing it safe. A fire alarm that later turns out to be a false alarm is a type I error. A type II error is a false-negative, or the siding with skepticism. Ignoring the fire alarm because it is often wrong, but it later turning out to be accurate is a type II error.

Wann immer die Folgen eine Irrtums in die eine Richtung geringer sind als eines Irrtums in die andere Richtung lohnt es sich eher einen Fehler in eine bestimmte Richtung zu machen.

Ich kann mir vorstellen, dass darauf ein gewisser Teil menschlichen Verhaltens beruht.

Beispielsweise ist eine übertriebene Gesichtererkennung sinnvoll, weil ein potentieller Mensch in der Gegend gefährlicher ist als die Wahrnehmung eines falschen Gesichtes. Gleichzeitig führt dies dazu, dass wir überall Gesichter zu erkennen glauben und Sachen personalisieren, die nicht menschlich sind.

Auch ein Handlungsmotiv in verschiedenen Zusammenhängen zu erkennen mag vorteilhafter sein als ein solches Motiv zu übersehen, was uns zu allerlei Verschwörungstheorien bringen könnte.

Ein weiteres Beispiel, welches den Geschlechterbereich betrifft, führt die Wikipedia an:

Error Management theory asserts that such errors had an important role in human evolution, with certain errors benefiting certain sexes. In males, a type I error of assuming sexual interest on the part of a female is less costly than assuming the female is not interested when in fact she is. The former costs embarrassment, rejection and in rare cases the anger of her current mate. The latter (type II) cost is the loss of an interested reproductive partner. In women, a type I error is assuming that a man is dedicated to resource commitment when he is not is more costly than assuming he is not when he is. The former is costly in that woman has been abandoned and tricked by the male into giving reproductive access. The latter, she has given up nothing and missed out on one of many commitment-oriented men.

Accordingly, men may be predisposed due to evolutionary incentives to over-perceive female sexual interest whereas females are oriented to under-perceive male commitment signals.

Ich hatte diesen Ansatz hier schon einmal besprochen