Evolutionäre Vorteile der verdeckten Ovulation

Menschliche Frauen haben im Gegensatz zu anderen Primaten eine verdeckte Ovulation, es ist also nicht ohne weiteres klar, dass sie gerade fruchtbar sind.

Gründe dafür können die Folgenden sein:

1. Investitionen des Vaters sicherstellen

Eine deutlich dargestellte Ovulation, wie etwa bei Schimpansen, erlaubt den Männchen sich nur dann um eine Befruchtung zu bemühen, wenn das Weibchen fruchtbar ist. Brautwerbung kann so auf ein Minimum beschränkt werden.

Eine verdeckte Ovulation bedeutet hingegen, dass sich das Männchen umfangreicher um das Weibchen bemühen muss, da er die genauen Zeiten der Fruchtbarkeit nicht kennt. Statt also einfach zu versuchen mit jedem Weibchen zu schlafen, welches gerade fruchtbar war, lohnte es sich immer wieder nur mit einem Weibchen zu schlafen, um so sicherer den Zeitrahmen der Fruchtbarkeit zu erwischen. Gleichzeitig lohnte es sich eher für das Männchen dauerhaft andere Männchen von der Frau fernzuhalten um so eine Befruchtung zu verhindern, was sonst nur an den fruchtbaren Tagen sinnvoll gewesen wäre. Daraus kann sich dann die Paarbindung  entwickeln und eine Unterstütztung bei der Schwangerschaft.

2. Vaterunsicherheit erhöhen

Ein weiterer möglicher Vorteil könnte darin bestehen, dass eben genau der Effekt, dass jederzeit eine Befruchtung eintreten kann, dazu führen kann, dass andere Männer sich ebenfalls als mögliche Väter sehen und dadurch die Wahrscheinlichkeit besteht, das diese evtl Kinder auch fördern oder im Fall einer neuen Partnerschaft nicht verstoßen/töten.

3. Bessere Möglichkeiten Sex als Belohnung/Tauschmittel einzusetzen

Bei einer angezeigten Ovulation ist Sex nur dann interessant/lohnenswert, wenn Fruchtbarkeit besteht.

Bei einer verdeckten Ovulation hingegen bleibt die Option auf Befruchtung immer bestehen, so dass Sex durchgängig interessant bleibt. Damit kann  durchgängig Sex zB gegen Versorgung getauscht werden zB über Nahrung nach guter Jagdbeute etc.

4. Selbsttäuschung der Frauen

Eine These, die ich neulich hörte, baut darauf auf, dass menschliche Kindern im Verhältnis zur Körpergröße der Frau sehr groß sind und die Geburt des Kindes damit eine der problematischsten und schmerzhaftesten ist, die es gibt. Eine verdeckte Ovulation verhindert, dass Frauen an den fruchtbaren Tagen Sex meiden, um die Schmerzen der Geburt zu vermeiden.

 

44 Gedanken zu “Evolutionäre Vorteile der verdeckten Ovulation

  1. Die Frage ist, ob die verdeckte Ovulation tatsächlich so verdeckt ist. Sie ist sicher verdeckter als bei anderen Primaten, aber in Zeiten der Pille ist es schwerer herauszufinden, ob sich Frauen während ihrer fruchtbaren Tage signifikant anders verhalten.
    Es gibt immerhin auch eine ganze Reihe von Untersuchungen die besagen, dass Männer und Fauen während der fruchtbaren Tage anders aufeinander reagieren (ich merke übrigens gerade, ich schreibe heterosexistisch 😀 )

    Im Übrigen wird einem, wenn man „verdeckte Ovulation“ googelt, Jared Diamond um die Ohren gehauen und seine These, Tiere würden nur dann Sex haben, wenn es der Fortpflanzung dient. Das ist eine wahrlich enttäuschende bis lächerliche These für einen Biologen, den man eigentlich als seriös einstufen kann.

    • @Adrian

      „verdeckte Ovulation“ zumindest in dem Sinne, dass man bei zehn Frauen, die vor einem stehen, nicht sagen kann, welche gerade fruchtbar ist.

      Gewisse andere Reaktionen gibt es durchaus, bei Frauen sind in der Zeit auch einige Hormone erhöht, unter anderem Testosteron, so dass sie gerade an diesen Tagen etwas mehr Sex haben will, es gibt ja auch die Stripper-Studie von Miller, nach der Stripperinnen an ihren fruchtbaren Tagen mehr Trinkgeld bekommen, wobei die Gründe noch nicht hinreichend erforscht sind, kann sein, dass sie sich besser bewegen, weil sie selbst sexueller sind oder die Männer über Pheromone etc die Tänzerinnen sexier finden.

      „seine These, Tiere würden nur dann Sex haben, wenn es der Fortpflanzung dient.“

      Die These ist so natürlich falsch. Hast du einen Link dazu?

        • @Adrian

          Ich sehe es eher so, dass er biologische Gründe nennt, wie bestimmte Einrichtungen der Fortpflanzung dienen. Folge der Theorie, dass der Mann so mehr investiert ist ja, dass man logischerweise Sex hat, ohne sich jeweils fortzupflanzen. Und Spass am Sex dient eben auch der Fortpflanzung und nur deswegen haben wir ihn.
          Das Tierreich zeigt ja, dass man Genmaterial auch mit recht wenig Lust übergeben kann.

          Ich würde da jetzt keine Spassfeindlichkeit rauslesen. Stellst du auf einem bestimmten Satz ab?

          • @Adrian

            „Und nur deswegen haben wir ihn“

            Ich denke er meint es in einer „Ultimate Cause“ Sicht. Da stimmt es natürlich auch. Lust am Sex ist ein Proximate Cause, der wegen des Ultimate Cause „Fortpflanzung“ besteht.

            „Lust am Sex“ ist ja nichts festes. Es ist einfach nur eine Belohnungssteuerung für gewünschtes Verhalten, die nicht vorhanden sein muss.

        • Zumindest bei Primaten ist Sex aber doch deutlich mehr. Für die Fortpflanzung wäre doch weitgehend „ökonomischer, wenn man einmal im Monat Sex hat, wenn das Weibchen ihren Eisprung aht. Aber nein, wir und andere Primaten rammeln wild durch die Gegend, mit Mänchen, mit Weibchen, während und nach der Fortpflanzungszeit. DIe soziale Komponente des Sex sollte man m. E. nicht unterschätzen.

          • @Adrian

            „Aber nein, wir und andere Primaten rammeln wild durch die Gegend, mit Mänchen, mit Weibchen, während und nach der Fortpflanzungszeit.“

            Das hat ja auch seine Funktion. Bei den meisten Primaten Spermienkonkurrenz und Bindung, beide erhöhen die Vaterschaftswahrscheinlichkeit und dienen damit der Fortpflanzung.

            „DIe soziale Komponente des Sex sollte man m. E. nicht unterschätzen.“

            Diese soziale Komponente besteht ja auch nur, weil sie der Fortpflanzung dient, ggfs indirekt. Wenn wir zB Fluchttiere wären, die in Herden lebten, dann wäre unser Sexualkontakt auf ein paar Sekunden beschränkt. Wir sind aber Gruppentiere und Allianzen bilden etc stärkt unsere Position in der Gruppe und damit unseren Partnerwert. Sexualität wäre nicht, wie sie ist, wenn es nicht der Fortpflanzung dienen würde. „Nebenprodukte“ (ohne Abwertung gemeint) wie homosexueller Sex, der Spass macht, weil die gleiche Verdrahtung genutzt wird und diese Genkombinantionen anderweitig, zB bei Schwestern oder Müttern, die Fortpflanzung erhöhen, widersprechen dem nicht.

      • Übrigens: Folgender Satz:

        „Bei einer verdeckten Ovulation hingegen bleibt die Option auf Befruchtung immer bestehen, so dass Sex durchgängig interessant bleibt.“

        ist sicherlich falsch, denn Sex ist nicht interessant wegen der Befruchtung.
        Auch bei der Vaterschaftsthese sollte man m. E. aufpassen, wie man formuliert. Tiere sind nicht in der Lage eine Zusammenhang zwischen Sex, Befruchtung und Elternschaft herzustellen.

        Oder anders gesagt: Wenn Vaterschaft oder die Weitergabe der Gene an sich interessant wäre, bräuchte Sex keinen Spaß machen.

        • @Adrian

          „interessant“ in biologisch-evolutionärer Hinsicht. Es erfolgt also keine Selektion dahin, sich die „Arbeit“ des Sex zu sparen und diesen nur an den fruchtbaren Tagen zu haben.

          Ein Gorilla hat meine ich 2 mal im Jahr mit seinen Damen Sex. Mehr lohnt sich für ihn nicht, da er die intrasexuelle Konkurrenu ja „direkter“ löst. Er steht nicht in Spermienkonkurrenz und kann sich die „Arbeit“ sparen, entwickelt sich daher dazu, dass Sex für ihn nicht so häufig interessant im tatsächlichen Sinne ist.

        • @Adrian

          “ Tiere sind nicht in der Lage eine Zusammenhang zwischen Sex, Befruchtung und Elternschaft herzustellen“

          Da wäre ich mir aber nicht so sicher. Dazu hätte ich gerne mal etwas Weiterführendes bitte.

        • @ Adrian

          „Tiere sind nicht in der Lage eine Zusammenhang zwischen Sex, Befruchtung und Elternschaft herzustellen.“

          Woher weisst Du das?
          Die Femis behaupten dies auch von
          den frühen Menschen.
          Woher stammen diese „ERkenntnisse“?

        • @ basti @ DdBz
          Weil man, um diesen Zusammenhang zu erkennen, Abstraktionsfähigkeit besitzen muss und die Fähigkeit logische Schlussfolgerungen zu ziehen. Da diese Fähigkeiten bei vielen Menschen schon sehr beschränkt sind, kann ich mir kaum vorstellen, dass Tiere diese Fähigkeiten besitzen.

          • @Adrian

            Sie müssen die Zusammenhänge auch nicht verstehen. Es reicht wenn sie instinktiv reagieren. Eine Selektion für und gegen einen stärkeren Sexualtrieb oder für oder gegen eine Ausschüttung von den Sexualtrieb erhöhenden Testosteron auf einen bestimmten Reiz hin setzt kein Bewusstsein voraus. Als Heterosexueller Mensch weiß ich ja auch nicht, dass bestimmte weibliche Körperformen für gute Gene stehen. Ich empfinde aber eine gewisse Erregung, wenn ich sie sehe. Das reicht aus.

        • @ Adrian

          „.. kann ich mir kaum vorstellen, dass Tiere diese Fähigkeiten besitzen.“

          Gut, Du weisst es nicht; dachte ich mir schon.

        • @ Christian
          Wieso sagst Du mir das?

          @ DdBz
          Natürlich weiß ich es nicht. Um es konkret zu wissen, müsste ich ein Tier fragen. Alle Indizien sprechen aber dagegen, dass Tiere, selbst Menschenaffen, es wissen.

          • @Adrian

            ich meinte es auch eher in der Definition, dass man jemanden etwas erklärt, was er schon weiß.

            In der Moderationsansicht muss man zwar nicht mit den Gliederungsebenen kämpfen, dafür geht schnell der Kontext verloren.

  2. @ Christian

    *Bei einer verdeckten Ovulation hingegen bleibt die Option auf Befruchtung immer bestehen, so dass Sex durchgängig interessant bleibt. Damit kann durchgängig Sex zB gegen Versorgung getauscht werden zB über Nahrung nach guter Jagdbeute etc.*

    Ja, schrecklich, diese Weiber.

    Und so raffineirt.

    Schießen ihre Eierchen verdeckt in die Umlaufbahn, nur um uns Männer ganzjährig ausnehmen zu können.

    Ihr Hintern müsste sich ja nicht mehr knallrot verfärben, nein, ein zartes Apricot würde genügen und mann wäre gewarnt.

    So muss mann das auch noch von Hand machen.

    Obwohl…, dieses zarte Rosa auf den Bäckchen., also richtig abschrecken tut das nicht.

    • @ Alexander

      „So muss mann das auch noch von Hand machen.“

      Und wenn mann es ordentlich macht tut
      einem zum Schluss auch noch die Hand
      weh. Das Leben ist wirklich nicht
      einfach. 🙂

    • um mal eine unsinnige Verschwörungstheorie zu basteln:
      Wenn Frauen zeigen würden, wann sie fruchtbar wären, würde ein Großteil der Menschenmännchen sie an diesen Tagen meiden.

      Die Menschliche Fortpflanzung wäre nicht gesichert, da zu viele keine Verantwortung für ihren Nachwuchs übernehmen wollen.

      (Aber ich weiß, dass das eher ein heutiges kulturelles Phänomen ist…. zumindestens in dieser Häufigkeit. Männliche „Schmarotzer“ die ihren Samen verbreiten und sich dann verdrücken gab es sicher schon immer.)

      • @unkraut

        „Wenn Frauen zeigen würden, wann sie fruchtbar wären, würde ein Großteil der Menschenmännchen sie an diesen Tagen meiden.“

        Wenn sonst alles gleich bliebe, dann wäre das wohl ein gutes Verhütungsmittel.
        Wenn sich allerdings ein deutliches biologisches Zeichen Fruchtbarkeit entwickelt hätte, dann durch sexuelle Selektion, was bedeutet, dass die Männer es ganz besonders erregend finden würden.

  3. @ Christian

    *Wenn wir zB Fluchttiere wären, die in Herden lebten, dann wäre unser Sexualkontakt auf ein paar Sekunden beschränkt.*

    Aha.

    *Notiere*:

    Frauen sind Flucht -und Herdentiere.

    Nur nicht, wenn das Ei springt.

    Dann werden sie zu Raubtieren.

    Und ich muss flüchten.

    Biologie ist eigentlich ganz einfach.

  4. Eine verdeckte Ovulation bedeutet hingegen, dass sich das Männchen umfangreicher um das Weibchen bemühen muss, da er die genauen Zeiten der Fruchtbarkeit nicht kennt.

    Wieder mal eine just-so-Story. Es ist wirklich nicht einfach mit Dir, Christian: Bei anderen Primaten, die keine verdeckte Ovulation kennen, fällt es Dir ebenso leicht, Vorteile zu nennen. Das liebe ich so an Deinen Storys: Kein Fakt zu mysteriös, als dass sich nicht im Handumdrehen die geeignete Story erzählen liesse, und ist das Gegenteil der Fall, auch kein Problem.

    • @Peter

      „Bei anderen Primaten, die keine verdeckte Ovulation kennen, fällt es Dir ebenso leicht, Vorteile zu nennen.“

      Warum sollte das ein Problem sein? Natürlich hat beides seine Vorteile, sonst würde es ja nicht vorkommen. Ich kann auch Vorteile von Polygamie und Monogamie nennen, es kommt eben auf die Umstände an.

      Der Schluß hier scheint mir sehr naheliegend. Ich habe ihn mir auch nicht ausgedacht, es sind die vorherrschenden Thesen dazu.

      Was du nicht bedenkst: Alles, was durch Evolution entstanden ist, muss selektiert worden sein und hat sich durchgesetzt. Sehr häufig kann man diesen Selektionsprozess nachvollziehen.

      • Was du nicht bedenkst: Alles, was durch Evolution entstanden ist, muss selektiert worden sein und hat sich durchgesetzt.

        Eine triviale Feststellung.

        Sehr häufig kann man diesen Selektionsprozess nachvollziehen.

        Man kann sich leicht eine Geschichte ausdenken, die plausibel erscheint.

        Und wo bleibt in deiner determiniert-mechanistischen Welt der Zufall? Glaubst Du ernsthaft, dass auf einer Prallelerde, die die gleichen Umweltbedingungen wie die unsere hätte, sich die gleichen Spezies entwickelt hätten?

        • @ Peter

          *Glaubst Du ernsthaft, dass auf einer Prallelerde, die die gleichen Umweltbedingungen wie die unsere hätte, sich die gleichen Spezies entwickelt hätten?*

          Natürlich nicht.

          Auf einer Prallelerde hätten sich nur pralle Frauen durchgesetzt.

          *Tschulligung. Es ist Frühling, Tippse duftet wie ein Maiglöckchen – wer kann da verdeckte Ovulation schon ernsthaft diskutieren?

          Adrian – natürlich.

          Wieso auch nicht.*

        • @Peter
          Bei dieser Diskussion wurde vielleicht nur die Mutation vergessen durch welche die vorhandenen Selektionskriterien überhaupt erst einen Zweck für die Evolution haben. Dann wäre dein lieber Zufall auch dabei!

      • Warum sollte das ein Problem sein? Natürlich hat beides seine Vorteile, sonst würde es ja nicht vorkommen.

        Beides hat seine Vorteile? Vielleicht ist es bloss neutral bezüglich der Selektion, d.h bietet weder besondere Vorteile noch Nachteile. In diesem Fall sind Deine just-so-Storys bloss nett ausgedachte Geschichten.

        • aber die Vorteile bestehen hier ja recht objektiv und stabilisieren den Zustand jedenfalls. auch eine Abwägung dieser Kosten kann insoweit durchaus helfen, die Vorgänge zu verstehen. bonobos beispielsweise harten erst eine anzeigende schwellung, die genau deswegen ausgedehnt wurde und nun auch die nicht fruchtbaren Tage erfasst.

  5. Pingback: “Beim Theoretisieren auf der Grundlage evolutionsbiologischen Halbwissens kann man alles “beweisen”” | Alles Evolution

  6. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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