Selbermach Mittwoch

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Themen des Jahres 2025

Was waren für euch die Themen des Jahres 2025?

Aus meiner Sicht haben dieses Jahr die männerfeindlichen Artikel noch einmal deutlich zugenommen. Das andere große Thema war wahrscheinlich die „große Koalition“ und Trump.

Dazu Israel und die Ukraine.

Im Blog waren folgende Themen besonders interessant:

Das sind natürlich nur die Artikelzugriffszahlen, wer sie direkt über die Hauptseite liest ohne in die Kommentare zu gehen wird darüber nicht erfasst.

Wer noch mal in die anderen Jahre schauen will:

„Wie oft und wann erzählen Männer ihren männlichen Freunden von ihren One-Night-Stands?“

Auf Reddit wird gefragt:

How often and when do men share stories about their hookups with their male friends?

I recently hooked up with a guy a few years younger than me and I was wondering how often men share their sex stories with their friends and how in dept they talk about it.

Und übersetzt:

„Wie oft und wann erzählen Männer ihren männlichen Freunden von ihren One-Night-Stands?
Ich hatte kürzlich Sex mit einem Mann, der ein paar Jahre jünger ist als ich, und ich frage mich, wie oft Männer ihren Freunden von ihren sexuellen Erlebnissen erzählen und wie detailliert sie darüber sprechen.“

Darunter ist aus meiner Sicht ein sehr passender Kommentar:

„Ich habe gehört, dass Frauen mehr und ausführlicher über One-Night-Stands und sexuelle Erlebnisse sprechen als Männer. Meine männlichen Freunde sagen meistens nur: ‚Ich habe gevögelt.‘ Und wir feiern das, wenn es zur Sprache kommt.“

Das ist auch meine Erfahrung. Ich weiß von meinen männlichen Freunden sexuell fast keine Details, habe insbesondere keine Ahnung was ihre Freundinnen so im Bett machen etc.

Ich weiß einiges über die Partner guter Freundinnen und sie selbst und erstaunlich viel über das Sexualleben der Freundin von Südländerin (im Verhältnis zu dem was ich sonst so über das Sexualleben von Leuten weiß).

Die Chance, dass ich zB die Einordnung der Genitallänge von den Freunden von Freundinnen von Südländerin kenne, zumindest wenn sie groß oder klein sind, ist höher als die Chance, dass ich die (errigierte) Länge der Penisse von männlichen Freunden kenne.

Ich bin sicher, dass die engeren Freundinnen von Südländerin auch meine Genitallänge eher einordnen können.

„Ich bin ein perfekter feministischer Mann: Ich räume auf, spüle, wasche, fege und koche. Ich bin jederzeit bereit für Sex, wenn sie es möchte.“

Über diesen Artikel bei Apokolokynthose bin ich auf diesen Artikel über performative Männer gestoßen.

Die waren schon hier im Blog behandelt worden:

In dem Artikel in der TAZ berichtet über ein Theaterstück:

„Stimmt es, dass Männer Feministen sein wollen, um von Frauen gemocht zu werden?“, fragt eine weibliche Stimme aus dem Off. Der Mann auf der Bühne bejaht kleinlaut. „Fühlt sich Feminismus an wie ein Fluch?“, bohrt sie weiter. „Schreibt Feminismus Männern vor, dass sie ihre Männlichkeit aufgeben sollen? Ist das Patriarchat ein Daddy-Issue?“ Er antwortet kleinlaut: „Vielleicht …“

Der verunsicherte Mann spielt am Sonntag den ersten Teil der Theaterperformance „Men in Feminism“, die am vergangenen Wochenende in den Sophiensälen lief. Die Trilogie untersucht die Rolle privilegierter Männer im Feminismus aus indischer, ruandischer und deutscher Perspektive. Im Zentrum steht die Frage: Welche Rollen spielen Männer im Feminismus und was erwarten Feministinnen von ihnen?

Der indischstämmige Mann spielt einen Schauspieler, der an einem Casting teilnimmt, das nach dem „idealen feministischen Mann“ sucht. „Wir alle spielen eine Rolle. Mit Engagement kann ich jeder werden: auch ein feministischer Mann“, sagt er überzeugt. Die unsichtbare Stimme – teils Regie, teils Gewissen, teils gesellschaftlicher Spiegel – testet ihn: Ist Feminismus Schauspielerei? „Äh, ja!“, meint der. „Es ist eine Performance. Und ich bin Schauspieler.“

Es folgt eine Tanzsequenz: Er trägt Sonnenbrille und pinkfarbene Bomberjacke, in der Hand bell hooks’ Buch „Alles über Liebe“. Aus dem Off kommentieren weibliche Stimmen: „Was für ein Typ: Er hört tatsächlich zu! Er liest, er geht zur Therapie, er ist sanft, er kocht und putzt!“

„Performative Males“-Debatte

Es soll eine Anspielung auf „performative Males“ sein. Auf Tiktok werden so cis-Männer bezeichnet, die sich nur zu Selbstvermarktungszwecken feministisch inszenieren. Das Problem an dem Trend: Er trifft die falschen. Nicht diese Männer sind die Hauptgegner von Feministinnen. Es sind die Männer, die geschlechtsspezifische Gewalt legitimieren oder reproduzieren, die feministische Errungenschaften angreifen und patriarchale Machtverhältnisse verteidigen.

Da verkennt Lilly Schröder, dass gerade der performative Mann ein besonderer Verrat ist: Er will dem Feindbild Mann entfliehen und auf die gute Seite gelangen, aber in Wahrheit ist er auch nur ein Mann, also böse.

Schon immer hat man Überläufer und Doppelagenten besonders kritisch gesehen, weil sie eben eine besondere Gefährlichkeit haben. Man gibt ihnen Vertrauen und sie hintergehen einen. Das ist unehrlicher als erkennbar ein schlechter patriachaler Mann zu sein.

Insoweit ein klassisches Denkmodell, welches gerade davon lebt, einen solchen Feind, der sich als Freund ausgibt zu enttarnen.

Das Stück karikiert Männer, die behaupten, Feministen zu sein. Eine solche Überspitzung kann unterhaltsam sein, doch solange es kaum Theaterarbeiten von Männern gibt, die sich ernsthaft, selbstkritisch und tiefgehend mit der eigenen Verstrickung in patriarchale Strukturen auseinandersetzen, reproduziert diese Form ein altbekanntes Muster: Feminismus wird zum Gegenstand des Spotts statt zum Anlass echter Auseinandersetzung.

Wenn „Echter Feminist“ ein Titel ist, den man sich verdienen muss und bei dem man davon ausgeht, dass die meisten Männer ihn natürlich nicht verdient haben, gar nicht verdienen können, weil sie ja privilegiert sind, macht das Sinn.

Das Stück lässt wenig Raum für Ambivalenzen, buchstabiert Pointen aus, statt Räume für Reflexion zu öffnen, und reproduziert stereotype Geschlechterbilder (ironisch!). So heißt es etwa im zweiten Teil des Stücks „Kalinga“, das Geschlechtergerechtigkeit im heutigen Ruanda hinterfragt: „Ich bin ein perfekter feministischer Mann: Ich räume auf, spüle, wasche, fege und koche. Ich bin jederzeit bereit für Sex, wenn sie es möchte.“ Ihm wird ein toxischer Mann gegenübergestellt, der alle Klischees bedient.

Auch bei Apokolokynthose stellt man sich die Frage, was der perfekte feministische Mann ist.

Er schreibt:

das liegt auch daran, dass IHR keine Ahnung hat, wie diese Rolle aussehen soll. Ihr könnt noch nicht einmal sagen, dass Männer ihre bisherige Rolle ersatzlos ablegen sollen und machen können, was sie wollen.

Bzw., Ihr habt Angst, dass Männer genau das täten…

Zu bedauern ist die Unterkomplexität des Stücks vor allem, weil der Ansatz, Feminismus aus einer nicht-eurozentrischen Perspektive zu betrachten, großes Potenzial hat. So erfährt man etwa, dass der Begriff Feminismus in der Sprache Kinyarwanda nicht existiert, obwohl Gleichberechtigung in Ruanda auf allen politischen Ebenen propagiert wird und Frauen 74 Prozent der Erwerbstätigen stellen.

Doch die Frage, welche Rolle Männer im Feminismus spielen sollten, bleibt unbeantwortet. Allenfalls wird sie ironisch und in Negativform verhandelt: So sollten feministische Männer nicht sein.

Und das reicht auch im intersektionalen Feminismus. Mann sein ist ja nicht etwas, was verbessert werden soll, es ist etwas auf das man Herabschauen können soll. Kein Mann kann jemals nicht privilegiert sein. Er kann nicht aufsteigen zu einem guten Mann oder gar (wie unvorstellbar) zu einem perfekten Mann. Er ist ja nicht eine Person, sondern er ist Teil eines Systems.

Man kann ihn also praktischerweise immer zurückstoßen, ihn immer vorhalten, dass er noch nicht gut genug ist. Das er daran schuld ist, wenn es auch nur zB einen Femizid, eine Vergewaltigung, eine Microaggression gibt. Weil er für alle Männer haftet.

Der perfekte Mann? Ist im System als Mann gar nicht vorgesehen. Vielleicht als TransMann, vielleicht noch als Schwarzer oder schwuler, aber auch dann nur in diesem Bezug. Als Mann kann er nicht perfekt sein.

„Wenn ich etwas lernen muss, dann ist es kein Instinkt“

Und gleich noch ein Artikel der sich mit einem Fehlverständnis zu Biologie und Verhalten beschäftigt:

Der Account RFH (was tatsächlich „Radical feminist Hitler“ bedeutet und der dementsprechend von einer radikalen Feministin betrieben wird ) schreibt:

If I have to learn how to do something it’s not an instinct

Und noch einmal der etwas längere Dialog, in dem der Tweet steht:

Wenn ich etwas lernen muss, dann ist es kein Instinkt

Wenn ich etwas lernen muss, dann ist es kein Instinkt

Dazu wurde von der Evolutionsbiologin Diana Fleischman kommentiert:

Instinct doesn’t always mean “born knowing.” It often means “born motivated to learn.” The motivation to learn how to take care of a baby is an instinct in women and other female mammals. Men are more violent than women- but men aren’t born knowing how to fight. They are motivated to learn about weapons and engage in rough and tumble play.

Übersetzt:

„Instinkt bedeutet nicht immer ‚mit dem vollen Wissen wie man etwas macht geboren“. Oft bedeutet es ‚geboren mit der Motivation zu lernen‘. Die Motivation zu lernen, wie man sich um ein Baby kümmert, ist ein Instinkt bei Frauen und anderen weiblichen Säugetieren. Männer sind gewalttätiger als Frauen – aber Männer werden nicht geboren, um zu kämpfen. Sie sind motiviert zu lernen, wie man Waffen benutzt und sich in grobem, wildem Spiel misst.“

Es wäre die Frage, ob man das dann Instinkt nennen sollte, aber es ist jedenfalls eine Veranlagung und gerade Interessen und Motivationen sind für hochintelligente Wesen wie uns Menschen sehr interessant. Ich hatte das schon mal in einem anderen Artikel dargestellt:

Im Militär gibt es zwei Arten, Ziele zu erreichen.

  • das Führen über Befehl: Es können bestimmte Handlungen vorgegeben werden, die dann so ausgeführt werden sollen
  • das Führen über den Auftrag: Es wird ein Ziel vorgegeben und dem Soldaten überlassen, wie er es erreicht.

Das Führen über Befehl hat den Vorteil, dass man bestimmte Handlungen schnell erreicht und nicht davon abhängt, dass der Soldat die falschen Überlegungen anstellt. Das Führen durch Auftrag hat hingegen den Vorteil, dass der Soldat flexibler agieren kann und auf unvorhergesehene Umstände besser reagieren kann. Beide Prinzipien lassen sich auf die Steuerung durch Reflexe, Instinkte und Wünsche übertragen. Ein Reflex ist geeignet, wenn eine Reaktion möglichst schnell erfolgen soll. Nährt sich ein Objekt sehr plötzlich und schnell oder taucht ein anderer Mensch sehr plötzlich und schnell vor einem auf, dann ist es sicherer zunächst zurückzuzucken als die Lage zu analysieren. Wenn man nahezu alles frisst, was sich bewegt und die richtige Größe hat und vorbeifliegt, dann lohnt sich ein diesbezüglicher Schnappreflex. Das menschliche Leben erfordert allerdings wesentlich komplexere Entscheidungen. Dies dürfte auch daran liegen, dass die Gegenspieler intelligenter sind und daher ein verdrahtetes Verhalten zu schnell durchschauen und ausnutzen könnten. Wer immer gleich reagiert ist berechenbar, wer sich neue Wege ausdenken kann nicht. In dieser Hinsicht ist ein freier Wille sinnvoll. Allerdings ist es aus der imaginären Sicht der egoistischen Gene weiterhin wichtig, dass die Ziele „Weitergabe der Gene“ erhalten bleibt.

Um so komplexer die Reaktionen des anderen und um so komplizierter die Situation um so günstiger ist die „Führung über Auftrag“. Wünsche sind daher nichts weiter als eine Auftragserteilung und die Intensität der Wünsche kann steuern, welche Priorität ein Wunsch hat. Dabei sind Maßstab für die Intensität des Wunsches – die Notwendigkeit der Wunscherfüllung – die Einfachheit der Wunscherfüllung Wer seit 2 Tagen nichts gegessen hat, der wird hungriger sein als jemand, der vor einer Stunde gegessen hat. Weil die steinzeitliche Erfahrung besagt, dass die Notwendigkeit für eine Wunscherfüllung steigt. Wer gut gegessen hat, aber etwas besonders nahrhaftes sieht, was er sich einfach nehmen kann, der mag noch einmal Hunger bekommen, weil eine solch gute Gelegenheit nicht ungenutzt bleiben sollte (vielleicht der Grund, warum Nachtische meist sehr Kalorienreich sind: Sie verführen uns so eher zum Essen trotz eigentlicher Sättigung („etwas süßes geht immer“)). Die Vorgabe „Hunger“ ermöglicht uns beliebige Wege einzuschlagen, sei es Jagd, die Suche nach Früchten etc oder das Einkaufen in einem Supermarkt. Es ermöglicht uns in der heutigen Welt unsere Planung so auszurichten, dass wir einer bestimmten Tätigkeit nachgehen, die kein Essen produziert, aber über das dafür erzielte universelle Tauschmittel Geld Lebensmittel zu erwerben. Dies wäre über einen Schnappreflex natürlich nicht möglich.

Auch für andere Wünsche kann man entsprechende Betrachtungen vornehmen. Unser Sexualtrieb stellt beispielsweise einen Wunsch dar, der aber wenn keine Reize vorhanden sind, relativ niedrig gehalten werden kann, da die Notwendigkeit der Wunscherfüllung keine Frage des täglichen Überlebens ist. Bietet sich aber eine Gelegenheit dann bietet es sich gerade bei Männern an, den Wunsch recht hoch anzusetzen. Zu Bedenken ist dabei, dass der Wunsch nicht auf das tatsächliche Ziel ausgerichtet sein muss. Es reicht, wenn eine Motivation zu Handlungen besteht, die üblicherweise zu einer Zielerfüllung folgen. Bei Sex wäre es beispielsweise viel zu kompliziert das eigentlich Ziel vorzugeben, also „erreiche eine Befruchtung“. Denn die Vorgänge, die für eine Befruchtung notwendig sind, sind viel zu kompliziert und können automatisiert werden. Ebenso wie wir nicht wissen müssen, wie Sauerstoff ans Blut abgegeben wird, solange wir das Bedürfnis haben Luft in unsere Lungen zu bekommen oder genau zu verstehen, welche Muskeln wir wie benutzen müssen, um einen Arm zu bewegen, ist das Wissen um die Einzelheiten des Vorganges nicht erforderlich. Es reicht, wenn der Wunsch nach Sex entsteht. Um so unberechenbarer die Umstände, um so wichtiger ist eine Führung über Aufträge. Gerade das Leben der Menschen ist aufgrund ihrer Intelligenz besonders kompliziert. Aber auch bei einer extremen Intelligenz lohnt es sich immer noch Zielvorgaben zu haben bzw. eine Selektion gegen Zielvorgaben wie Sex, Essen etc ist wenig effektiv, weil sich diese nie geändert haben.

Oder wie Schopenhauer es ausdrückte:

Wir sind frei, zu tun, was wir wollen, aber nicht frei, zu wollen was wir wollen.“

Genauso sprechen uns einfach bestimmte Sachverhalte je nach unserer Biologie an. Männer zB interessieren sich mehr für spielerische oder kämpferische Konkurrenz unter Männern und schauen daher lieber Fußball oder andere Sportarten als Frauen und schauen auch lieber Kriegsfilme, interessieren sich eher für Warhammer oder spielen Ritter und Cowboy.

Frauen hingegen interessieren sich (im Schnitt) mehr für ihre Art der intrasexuellen Konkurrenz und spielen daher vielleicht lieber als Kind mit Puppen oder machen Kaffeekränzchen mit allen Stofftieren, bei denen sie die Chefin am Tisch sind, sie schauen lieber Soapoperas oder Realtyleben der (weiblichen) Stars und sie reagieren eben auch anders auf Kinder.

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

„Vorlieben brauchen keine erfundene Biologie.“

Ein Rant auf Reddit:

I don’t get why people can’t just say “this is what I’m attracted to” and leave it there. Why does it always turn into this fake biology lecture about evolution, survival, fertility, or “hardwired instincts”? Liking tall men or big boobs doesn’t suddenly mean you unlocked ancient caveman knowledge. Most of the time it’s just a preference shaped by culture, media, and personal taste.

What annoys me is how people use biology to make their attraction sound more valid or morally superior, like “I can’t help it, science made me this way.” No. You like what you like. That’s fine. Everyone has preferences and standards. But making up pseudo-scientific explanations to justify them just feels insecure, like you need an excuse instead of owning it.

Attraction doesn’t have to make sense. It doesn’t have to be deep or noble or backed by evolutionary theory. Sometimes it’s just vibes, conditioning, or aesthetics. Turning it into “this is natural and therefore correct” is unnecessary and honestly kind of embarrassing. Just say what you like and move on.

Edit: Some people think I don’t believe in biology at all, read the title again, FAKE biology. As in made-up none-sense

Und ich würde ihm sogar teilweise und mit Einschränkungen zustimmen.

Die Einschränkungen sind insbesondere:

Vieles von dem, was wir unter Attraktivität verstehen kann man sehr gut mit Evolutionsbiologie begründen. Und bezüglich dieses groben Schemas können sich Menschen an sich nicht aussuchen, was sie attraktiv finden (oder wie man im Pickup sagen würde „Attraction is not a choice“ und vor dem Hintergrund sind männliche und weibliche Attraktivität an sich sehr interessant, um so mehr auch, weil wir uns bestimmte „Motivationen“ gar nicht erklären können, sie vielleicht sogar bestreiten und leugnen. Ein Beispiel dafür ist, dass die meisten Frauen sagen würden, dass sie natürlich nicht auf Ressourcen bei Männern stehen, aber bei der Wahl zwischen dem Arzt und dem Lageristen bei sonst gleichen Kriterien den Arzt üblicherweise  interessanter finde. (was vielleicht wiederum ein evolutionärer Mechanismus ist, denn offensichtlich auf Ressourcen zu stehen ist gleichzeitig ein schlechtes Zeichen für die Paarbindung aus Sicht des Mannes, hatte ich da nicht auch mal einen Artikel zu? Aber ich schweife ab).

Das was ich zugestehen würde: Attraktivität in Bezug auf einzelne Personen, die andere einzelne Personen attraktiv finden muss nicht in vollen Umfang erklärbar sein. Weil jemand vielleicht eine bestimmte Gesichtsform (unter verschiedenen attraktiven Gesichtsformen), ein bestimmtes Lachen oder eine bestimmte Art mag muss das nicht Biologie sein. Es kann schlicht eine Vorliebe sein, die man vielleicht aus seiner Lebenshistorie verstehen kann oder die er einfach zufällig mag.

Und natürlich gibt es auch Menschen, die etwa eine Vermischung der für die Geschlechter typischen Vorlieben haben, die noch nicht einmal eine Bisexualität ergeben müssen, aber vielleicht finden sie dadurch zB  maskulinere Frauen attraktiv ohne das man dazu eine für den Phänotyp passende Erklärung finden muss. Oder sie haben bestimmte Vorlieben gar nicht abgespeichert (wie im Extremfall der Asexualität).

Dazu kommen Faktoren, die wie etwa Status auch stark von dem jeweiligen Verhältnis zu bestimmten kulturellen Statusgegebenheiten geprägt sein können. Der Punk kann für die eine Frau Status haben, weil er sich gegen das System stellt und für die andere ein Penner sein, der zerlumpt rumläuft und vollkommen uninteressant ist.

Für das große Bild sind evolutionäre Erklärungen hochgradig interessant. Und viele Menschen fügen sich in das große Bild ein. Aber natürlich nicht alle und es gibt soziale und kulturelle Ausgestaltungen.

 

vgl. auch

Weihnachten alleine

Ein Freund der Familie, inzwischen auch schon  in Anfang Achtzig hat vor einigen Jahren seine Frau an Krebs verloren. Wir fragen ihn, was er diese Weihnachten macht. Er berichtet freudestrahlend, dass es das erste Weihnachten seit langem ist, bei dem er nicht alleine ist.

Er hat eine neue Freundin, in den 70ern, und sie verstehen sich gut. Sie mag sogar seinen Hund.

Weihnachten verbringen sie zusammen, am ersten Weihnachtstag kommen die Kinder vorbei und feiern.

Er hat nach dem Tod seiner Frau, die er bis zu diesem gepflegt hat, sehr gelitten. Brauchte Zeit zum trauern.

Stolz zeigt er uns ein Foto von dem „jungen Hüpfer“, wie er scherzhaft sagt.  Sie ist ja noch unter 80. Und sie sieht wirklich nett aus. Beide kochen gerne und sie haben schon ein tolles Weihnachtsmenü geplant.

Es ist schön ihn wieder so glücklich zu sehen.

Motiviert durch die Geschichte frage ich eine andere Freundin bei einem Treffen, wie es ihrer Mutter geht. Ihr Vater ist relativ früh gestorben, auch an Krebs (eine verdammte Krankheit). Hat sie einen neuen Partner?

Nein, sagt sie, sie will auch nicht mehr. Der verstorbene Partner wird auf immer ihr letzter Partner bleiben.

Sie haben Weihnachten mit ihr gefeiert und sie hat mit den Enkelkindern schon Plätzchen gebacken.  Es geht ihr gut, aber einen neuen Partner kann sie sich nicht vorstellen.

Beides ist auf seine Weise schön. Man will seinem Partner, wenn man verstirbt ja auch wieder Glück wünschen, auch wenn man vielleicht etwas egoistisch nicht vergessen werden will.

Wichtig ist, dass man nicht alleine ist.

Was ist die Verbindung von Weihnachten und Evolutionsbiologie?

Ihr seid eh alle mit Weihnachten beschäftigt und lasst euch hoffentlich im Kreise der Familie eine Gans schmecken und habt besseres zu tun als heute auf den Blog zu kommen (wie mir die Zugriffszahlen der letzten Jahre an diesem Tag verraten haben)  deswegen habe ich Gemini einfach gefragt:

Was ist die Verbindung von Weihnachten und Evolutionsbiologie?

Die Evolution des Schenkens (Altruismus)

Warum geben wir Unmengen an Geld aus, um anderen etwas zu schenken? Evolutionsbiologen untersuchen dies unter dem Aspekt des reziproken Altruismus. In der Geschichte der Menschheit stärkte das Schenken soziale Bindungen und sicherte das Überleben der Gruppe. Wer großzügig war, konnte in Notzeiten eher auf die Hilfe anderer zählen. Zudem gibt es die Verwandtenselektion: Dass wir vor allem unsere engsten Familienmitglieder beschenken, lässt sich biologisch damit erklären, dass wir indirekt den Erfolg unserer eigenen Gene fördern.

Zumal gerade in der kalten Jahreszeit Schenken und Zusammenhalt besonders wichtig für das Überleben sind.

Domestizierung: Das Rentier und der Weihnachtsbaum

Die Symbole von Weihnachten sind perfekte Beispiele für die Evolution unter menschlichem Einfluss. Rentiere (Rangifer tarandus) sind die einzigen Hirsche, bei denen auch die Weibchen ein Geweih tragen. Da Männchen ihr Geweih oft schon im Spätherbst abwerfen, während Weibchen es bis zum Frühjahr behalten, waren die Rentiere des Weihnachtsmanns biologisch gesehen wahrscheinlich alle weiblich! Auch Tannenbäume sind ein Beispiel: Die Zucht von Nordmann-Tannen auf maximale Symmetrie und Nadelfestigkeit ist eine Form der künstlichen Selektion, die die natürliche Evolution im Zeitraffer nachahmt.

Das ist eine alte Geschichte, allerdings gibt es auch schon eine Reaktion darauf: Schlittenrentiere sind meist kastriert und verlieren ihre Geweihe daher deutlich später. Das Patriarchat am Schlitten ist also gerettet.

Winterruhe und Biologische Rhythmen

Weihnachten liegt nah an der Wintersonnenwende. Viele unserer Bräuche wie viel Essen und Kerzenlicht sind biologische Antworten auf den Lichtmangel und die Kälte. Der Drang, uns an Weihnachten mit kalorienreicher Nahrung vollzustopfen (Gänsebraten, Plätzchen), ist ein evolutionäres Erbe aus Zeiten, in denen es überlebenswichtig war, im Winter Fettreserven anzulegen, um die karge Zeit zu überstehen.

Da hatte ich letztes Jahr am 26.12 eine Geschichte zu, die die Wintersonnenwende und das kapern dieser durch das christliche Fest behandelt

Phylogenetik der Weihnachtsplätzchen

Man kann die Vielfalt der Weihnachtsgebäcke wie einen Stammbaum betrachten. Gewürze wie Zimt, Nelken und Muskatnuss sind eigentlich Verteidigungsmechanismen, die Pflanzen entwickelt haben, um Fraßfeinde abzuwehren. Wir Menschen haben jedoch eine Vorliebe dafür entwickelt. Ein Biologe könnte zudem die „Evolution“ des Lebkuchens von einfachen Honigfladen bis hin zu den heutigen regionalen Varianten untersuchen – eine Form der kulturellen Evolution.

Wunderbar! Es ist schon faszinierend, dass die „Abwehrmechanismen“ im Prinzip das Überleben vieler Gewürze gesichert haben, weil wir sie anbauen um sie zu essen.

Der Stammbaum des Weihnachtsmanns

Evolutionsbiologen nutzen oft Methoden wie die Phylogenetik, um die Abstammung von Arten zu klären. Dieselben Methoden nutzen Historiker, um die Entwicklung des Weihnachtsmanns zu verfolgen: Vom historischen Nikolaus über den niederländischen Sinterklaas bis hin zum modernen Santa Claus. Es ist ein Prozess der Mutation und Selektion von Legenden, bis die „fitteste“ Version (die populärste) übrig bleibt.

Der Weihnachtsmann als Meme (im Sinne von Dawkins)

Selbermach Mittwoch

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