Lernen, Blank Slate und Einwirkungen der Biologie auf menschliches Verhalten

Hier ein paar Probleme, die bei Vorstellungen von einem „Blank Slate“ oder Theorien, die an diesen nahe dran sind bzw. bei Argumentationen gegen biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens gerne übersehen werden.

1.Was ist für „Lernen“ erforderlich und wie komplex ist eine „Lern-Software“

Was mich immer wieder erstaunt sind Aussagen wie „das ist für eine biologische Begründung viel zu kompliziert, dass muss erlernt sein“. Sicherlich ist das bei der Annahme eines „Geistes“ oder einer „Seele“, also eines übernatürlichen Konzeptes noch vertretbar, aber ansonsten scheinen sich die Leute nicht bewußt zu machen, dass „Erlernen“ ein überaus komplexer Vorgang ist.

Einfache biologische Regelungen wie „Auf Lichteinfall hin bestimmte Schwimmbewegungen durchführen“ wie bei einer Qualle sind relativ simpel im Vergleich zu dem gleichen Vorgang, wenn er erlernt werden soll.

Denn das Erlernen bedeutet zunächst, dass man bestimmte Signale auswerten muss, etwa Lichteinfall auswerten und zu einem Bild zusammensetzen, ebenso bei Schallwellen etc. Dann müssen daraus bestimmte Aussagen oder Regeln logisch hergeleitet werden und diese müssen in eine speicherbare Form gebracht werden, vergleichbar damit, dass ein geschriebener Text in einem Computer als Nullen und Einsen abgelegt wird. Diese einmal erkannte Regel muss dann bei einem Auftreten einer neuerlichen Situation als für diese Situation zutreffend erkannt werden, abgerufen werden und auf die konkrete Situation angewendet werden.

Wer einen heutigen Maschinenhersteller vor die Aufgabe stellt, entweder einen Roboter zu programmieren, der eine Tasse greift und an einen bestimmten Ort stellt oder aber einen Roboter zu programmieren, der sich ein Video anschaut, in dem ein Objekt gegriffen wird und dann an einem bestimmten Ort stellt, der kann sicher sein, und ihn fragt, was er eher umsetzen kann, der wird wenig erstaunt sein, wenn der Hersteller Option 1 wählt. Die Programmierung lernfähriger Roboter stellt uns immer noch vor sehr große Probleme.

Die Zerlegung des Lernprozesses kann dabei noch in viel kleinere Schritte erfolgen, etwa indem man die Einzelnen Stationen immer weiter unterteilt und die dortigen Schwierigkeiten behandelt, etwa die Umsetzung eines abstrakten Gedankens in die „Nullen und Einsen“ unseres Gehirns. Wenn man zB eine soziale Regel wie „wer eine besonders hohe soziale Position hat muss mit Respekt behandelt werden“ als erlernte Regel abspeichert muss dies eben in eine speicherbare Form bringen, die ein Ablegen im biologischen Gedächtnis erlaubt und diese Regel dann mit verschiedensten Positionen zum Thema „was ist eine soziale Position“ „wie erkennt man eine soziale Position“ und „was ist respektvolles Verhalten“ anreichern, die ihrerseits alle wieder biologisch abgespeichert und verknüpft werden müssen. Der dazu notwendige“Rechenschritt“ wird in diesen Betrachtungen schlicht mit „das hat er gelernt“ abgehandelt. Damit wird ein ungeheuer komplizierter Vorgang, den wir bis heute nicht hinbekommen, vorausgesetzt. Solche Vorgänge, die modernste Computer überfordern, gelingen allerdings Babys mit einer überaus hohen Rate: Sie können bereits nach der Geburt beispielsweise das Herausstrecken einer Zunge erkennen und die dabei eingehenden Signale als etwas verarbeiten, was sie ebenfalls können und spiegeln sollten. Sie können bereits die Stimme ihrer Mutter oder andere Bezugspersonen erkennen und zuordnen. Sie können sogar grundlegende physikalische Regeln voraussetzen (etwa bei der Bewegung von Bällen) oder ähnliches. Sie können auch später eine Sprache erlernen, ein Vorgang der unglaublich komplex ist und dennoch von Kindern in einem bestimmten Alter problemlos durchgeführt wird, während Erwachsene an der gleichen Aufgabe regelmäßig scheitern und weitaus mehr Unterstützung benötigen (etwa einen Grammatikunterricht etc).

Mitunter scheint die Gleichung da in ihrer Einfachheit dem gnomischen Geschäftmodell zu entsprechen:

1. Soziale Regeln wirken ein

2. ?

3. Erlernt

Auch Gegenargumente scheinen mir teilweise so zu laufen: „Das kann biologisch nicht gehen, weil so etwas biologisch nicht möglich ist, es muss also erlernt sein“. Eine Auseinandersetzung damit, was „erlernt“ dabei überhaupt bedeutet erfolgt dann aber nicht. Insbesondere wird nicht behandelt, warum die Regel zwar nachdem sie erlernt worden ist, abgespeichert und später einem Problem zugeordnet werden kann, das Abrufen einer aufgrund biologischer Selektion entstandenen Regel aber gleichzeitig nicht möglich sein soll. Selbst wenn man argumentieren würde, dass so etwas eben nicht durch Selektion entstehen kann, dann müsste man ja gleichzeitig erklären, wie dann die kompliziertere Lernsoftware durch Selektion entstehen konnte.

2. Ab wann haben wir von der Befolgung biologischer Regeln umgeschaltet auf reines Lernen und wie lief dies ab?

Was auch beständig ausgeblendet wird ist unsere evolutionäre Vergangenheit und der Aufbau unseres Gehirns. Unsere Vorfahren waren zweifellos Tiere im klassischen Sinne und bei diesen wird üblicherweise auch von sonstigen Hardcore-Biologiegegnern nicht bestritten, dass ihre Verhaltensweisen einen großen Rückhalt in der Biologie hatten. Wobei mich da eine Stellungnahme interessieren würde, wie sie dies bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten sehen, die ja schon eine ziemliche Intelligenz, aber auch recht eindeutige Verhaltensweisen und Geschlechterrollen besitzen. Der Aufbau der Gehirne ist dabei recht gleich, es gibt eigentlich keinen Bereich, den ein sonstiger Primat hat, wir aber nicht. Dennoch scheint man dort der Auffassung zu sein, dass diese kompletten Bereiche, die vorher das geschlechtliche Verhalten geprägt haben, nunmehr aufgrund der gesteigerten Intelligenz des Menschen keine Funktion mehr haben.

Dabei folgen natürlich auch die Primaten nicht einfach schlicht verkabelten biologischen Vorgaben. Schimpansen kämpfen beispielsweise genau wie Männer um Status und dies durchaus mit Intrigen, Bündnissen, sozialen Interaktionen, den Versuch, teile der Gruppe gegen sich einzunehmen und Unterstützer von anderen Konkurrenten abzuwerben. Menschliches Verhalten unterscheidet sich insoweit in bestimmten Taktiken nicht grundsätzlich, es ist lediglich komplexer aufgebaut und gerade heute auf größere Gruppen bezogen.

3. Welche Folgen hätte ein reines Erlernen?

Auch wird selten bedacht, dass ein reines Erlernen bestimmter Regeln und Verhaltensweisen zu einer weitaus stärkeren Zergliederung der Menschen führen würde. Zwar erscheinen uns die verschiedenen Kulturen schon sehr verschieden, wir finden allerdings in den meisten die gleichen Grundelemente und auch die gleichen Geschlechterrollen vor, zumindest entsprechen abweichende Geschlechterrollen den sonstigen biologischen Regeln, wie beispielsweise der, dass hohe Vaterunsicherheit eine geringe Investition in den eigenen Nachwuchs nach sich zieht (und man dann eher auf die Unterstützung der Kinder der Schwester ausweicht).

Auch wird nicht bedacht, dass stark verschiedene soziale Praktiken, die nicht über biologische Regeln eingeschränkt werden, auch eine stark unterschiedliche biologische Selektion zur Folge hätten, wenn sie lange genug andauern. Wenn ein Volk beispielsweise unbeeinflusst durch biologisch abgespeicherte Schönheitsideale alles schön finden würde, beispielsweise einen Damenbart, dann hat das eine Selektion in diesem Volk auf Frauen mit Damenbärten zur Folge (und damit wahrscheinlich auch in Richtung einer niedrigeren Fruchtbarkeit). Das an sich ist nichts schlimmes, allerdings würden sich solche Selektionen eben auch zeigen und wir müssten verschiedene Völker haben, die sich mehr in Richtung Unfruchtbarkeit orientiert haben.

4. Die Unvereinbarkeit von vielen grundsätzlichen Ausschlüssen mit bereits einfachen Zugeständnissen

Grundsätzliche Ausschlüsse von biologischen Einwirkungen auf das Verhalten kranken daran, dass deren Vertreter kaum konkret werden wollen, wenn man sie mit bestimmten Sachverhalten konfrontiert. Das verwundert nicht, denn die meisten Erklärungen dieser Art können kaum Ausnahmen ihres Modells zulassen ohne in sich unstimmig zu werden.

Bereits Punkte wie „ist Homosexualität/Heterosexualität biologisch bedingt und wenn nicht, warum kann man sie dann nicht „verlernen“ bzw. sich umentscheiden“ können innerhalb dieser Theorien nicht gelöst werden: Die meisten werden wohl heute davon ausgehen, dass hier ein starker biologischer Einfluss vorliegt, aber wenn ein biologisches Begehren dazu führt, dass man nur Sex mit Menschen eines bestimmten Geschlechts hat, wenn man es sich aussuchen kann, dann ist dies bereits schwer in das Modell einzubauen.

Andere Punkte wie die Wirkung von Hormonen oder auch Verhaltensveränderungen bei Gehirnverletzungen oder Erkrankungen sind ebenfalls bisher aus meiner Sicht nicht wirklich mit einem Modell, welches nicht auf Biologie zurückgreift erklärbar.

„Wenn dort die Biologie Einfluss auf das Verhalten hat, warum soll es dann in anderen Fällen ausgeschlossen sein“ ist ein Argument, dass bereits viele dieser Theorien nie in ihre Erwägungen einbezogen haben, sie bleiben bei einer rein abstrakten Betrachtung, die sich diese Fragen gar nicht stellt.

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13 Gedanken zu “Lernen, Blank Slate und Einwirkungen der Biologie auf menschliches Verhalten

  1. @christian, den wohlmeinenden soziologisten ist allen gemein, dass

    „der Einbruch der Wirklichkeit in die heile Welt der Theorie. Das ist mehr, als die meisten Intellektuellen verkraften können, deren Weltbild keine Erschütterungen duldet.“

    @lomi und @elmar scheinen auch irgendwie durch eine biologische prägung persönlich beleidigt zu werden. @leszek hat es da leichter. er schreit nach belegquellen und darf weiter seinen anarchosyndikalisten phantasien nachhängen, da ja absolut keine gefahr besteht, jemals an der realität gemessen zu werden.

  2. @C et al.: „… Erlernen bestimmter Regeln …“

    Ich will man vorsichtig fragen: habt ihr schon mal von neuronalen Netzwerken gehört? Insb. von von künstlichen neuronalen Netzen, die das Verhalten der natürlichen imitieren und für alle er denklichen Klassifizierungsaufgaben eingesetzt werden?

    Eine zentrale Eigenschaft von NNs ist: „…Dazu gehört die Eigenschaft, dass sie komplexe Muster lernen können, ohne dass eine Abstraktion über die diesen Mustern eventuell zugrunde liegenden Regeln stattfindet.“
    Das ist das Kuriose an den Dingern: sie funktionieren ohne eine Theorie im Sinne von Wenn-Dann-Aussagen. D.h. schon das Erkennen und Klassifizierung von Sachverhalten in der Realität folgt gerade nicht der klassischen Logik, wonach man aus sehr elementaren Fakten mit Implikationen andere Fakten ableitet.

    Für Philosophen ist das vermutlich schockierend, weil des die elementarste Form des logischen Schlußfolgerns infrage stellt. Ist aber so. Das ganze nennt man ggf. Intuition, weil unerfindlicherweise ein angelerntes Netz meistens richtig erkennt (also klassifiziert) und entscheidet, ohne daß man sinnhafte logische Implikationen angeben kann.

    Diese intuitiven Lernprozesse sind meines Wissens auch nicht abschaltbar, weil sie unterbewußt ablaufen. Die Klassifizierung selber ist nie 100% sicher, und jede Benutzung kann das NN verändern. Das betrifft vor allem das Erkennen und Klassifizieren.

    • @ MITM

      Das ist das Problem der Philosophen…solange es an der Möglichkeit der empirischen Prüfung fehlte, konnten sie konfabulieren, wie ihnen das introspektive Hirnchen gewachsen war.

      Sie waren sich in weiten Grenzen gegen Widerlegung sicher.

      Die Biologie im Allgemeinen und die Genetik (und mit ihr die Evolution) im Speziellen sind für die postmodernen Protagonisten der Sozial- und Geisteswissenschaften eine tiefgehende narzistische Kränkung.

      Da man das Vorhandensein und die Genese differenter genetischer und somit auch körperlicher, kognitiver und emotionaler Eigenschaften empirisch nicht widerlegen kann, versucht man die Kränkung dadurch zu vermeiden, dass man diejenigen, die das Unaussprechliche aussprechen, sozial zu marginalisieren versucht…dem dienen die diffamierenden Etikettierungen als „biologistisch“, „rassistisch“, frauenfeindlich“ etc. etc.

      Prototypen für die unterschiedlichen Haltungen zur Realität sind „Race“ des Anthropologen John Baker und „The Myth of Race: The Troubling Persistence of an Unscientific Idea“ des Anthropologen Robert Wald Sussman.

      Da die Position Sussman´s empirisch nicht verteidigt werden kann, ergeht er sich zu weiten Teilen in wilden Diffamierungen und Falschbehauptungen.

      Den Realitätsleugnern fällt das Hüttendach auf den Kopf.

      • ät Ratloser:

        Habe mich neulich mit einem Philosophiestudenten unterhalten, der gegen Religion ist, aber Genderansichten vertritt.
        Außerdem ist er der Meinung, daß die deutsche Geschichte deswegen so gewalttätig verlaufen sei, weil Deutschland ein christliches Land ist.

        Bei den Philos und anderen Laberfächern sammeln sich mittlerweile wirklich die Technik- und MINT-Feinde.

    • @mitm

      Ja und?

      Die neuronalen Netze von Männern und Frauen sind nicht gleich, sondern unterschiedlich von Anfang an.

      Ein klarer HInwweis darauf, dass sie unterschiedlichen Aufgaben genügen mussten, unterschiedliche Funktionsoptima haben.

      Und kein Mensch hat bisher einen Weg gefunden, sie gleich zu machen.

      Alle Lernförderung für Mädchen und Lernbehinderung für Jungen hat da noch nichts gebracht.

      Jungen verhalten sich sehr zum Ärger der Genderisten immer noch wie Jungen und Mädchen – I’M SHOCKED – wie Mädchen.

      So wie der Mensch seine künstlichen Netzwerke konstruiert (grundlegend-anfänglich), so die Natur die ihren.

      http://www.uphs.upenn.edu/news/News_Releases/2013/12/verma/

      Und die der Männer und Frauen sind UNTERSCHIEDLICH von Anfang an und entwickeln sich dann auch noch AUSEINANDER unter dem Einfluss von Geschlechtshormonen, Genen (Y-Chromosom, das tut ja etwas, in jeder einzelnen Hirnzelle eines jeden Mannes, nur was, das wissen wir noch nicht so genau, es ist jedenfalls da und aktiv, beeinflusst über Proteine die Zelle/das Ablesen des Genoms in einer Weise, der Frauen nicht unterliegen), unter dem Einfluss einer unterschiedlichen Benutzung (Frauen machen anderes besonders gern als Männer, IM SCHNITT und benutzen daher ihr GEhirn anders – falls überhaupt).

    • @roslin, ratloser: Ihr habt das Problem nicht verstanden. Neuer Versuch:

      1. Die künstlichen NN, die in der Praxis vielfach erfolgreich eingesetzt werden, imitieren die elektrisch-/chemischen Strukturen in Neuronen, soweit man diese Mechanismen versteht. Insofern sind sie ein sehr plausibles Modell für die Lernprozesse von intelligenten Lebewesen (nicht nur bei Menschen), zu dem auch sehr viele Beobachtungen passen, speziell im Zusammenhang mit unterbewußtem Lernen und dem Bilden von Stereotypen. Die KNN liefern aber kein 100% korrektes Modell dafür, wie wir lernen bzw. automatisch Erfahrungswissen ansammeln. Also: diese Art des Lernens ist relevant, erklärt aber nicht alles.

      2. NN sind insoweit, wie sie in künstlichen NN imitiert werden, im Prinzip beliebig lernfähig! Der Anfangszustand vor einem Lernprozeß spielt eine geringe Rolle. Man kann damit kein angeborenes Wissen oder Talente, also unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten erklären.

      3. NN sind nur anwendbar für Klassifizierungen bzw. Einschätzungen. Beispiele: Hat der Mann mir gegenüber einen aggressiven Gesichtsausdruck? Soll ich einen Kampf riskieren? Verhält sich die Frau mir gegenüber werbend oder abweisend? Sind die Äpfel in der Auslage wohl lecker oder nicht? Schaffe ich den Sprung über den Bach, obwohl der Boden am Ufer weich und glitschig aussieht? Eingeschätzt werden also Handlungsoptionen bzw. deren Voraussetzungen, wobei die die Voraussetzungen sehr komplexe Sinneseindrücke sein können. „Technisch“ gesehen sind die Sinneseindrücke eine riesige Datenlawine von Bildern, Tönen u.a. Würde man diese Rohdaten als elementare logische Fakten ausdrücken („Pixel X ist dunkel“, „Objekt X bewegt sich mit Geschwindigkeit Y in Richtung Z“), hätte man nahezu unendlich viele denkbare Kombinationen elementarer Fakten, für die man die Reaktion angeben müßte – das geht nicht.

      4. @C: „…Dann müssen daraus bestimmte Aussagen oder Regeln logisch hergeleitet werden und diese müssen in eine speicherbare Form gebracht werden, vergleichbar damit, dass ein geschriebener Text in einem Computer als Nullen und Einsen abgelegt wird.“

      Nein, gerade das passiert bei (K)NN gerade nicht. Vergleiche es am besten mit einen Kurzwellenempfänger mit 4 unbeschrifteten Drehknöpfen, deren Sinn unbekannt ist. Wenn man daran herumdreht, kann man beobachten, ob sich der Empfang verbessert. Nach einer Weile Herumprobieren hat man eine Einstellung, wo der Empfang OK ist, hat aber keine „logische“ Theorie, warum das so ist. NN haben Milliarden Drehknöpfe, an denen unser Hirn selber herumdreht. Die NN sind lernfähig, sie funktionieren auch ziemlich gut, solange nichts „ungewöhnliches“ passiert, was nicht zur bisherigen Erfahrungsbasis paßt. Lernen in NN führt eben gerade nicht zu der Abstraktionsleistung, „sinnvolle Regeln“ zu bilden. Noch ein Beispiel: wir sehen eine Schale mit exotischen Früchten aus einem fremden Land, die wir noch nie gesehen haben, uns jemand aus diesem Land soll uns erklären, wie man die leckersten erkennt. Und dieser Fremde hat noch nie Äpfel gesehen und wir müssen ihm erklären, was wir in Sekundenbruchteilen denken, wenn wir zielsicher den wahrscheinlich reifsten Apfel aus der Schale aussuchen.

      5. @ratloser: „Problem der Philosophen … Möglichkeit der empirischen Prüfung fehlte, konnten sie konfabulieren,..“ Das ist leider sprachlos und inhaltlich niveaulos und stellt die Realität auf den Kopf. Amateure verwenden ad-hoc-Theorien über soziale Vorgänge viel häufiger und unkritischer als die einigermaßen qualifizierten Philosophen (oder Soziologen), die sich über das Risiko, daß Aussagen falsch und Regeln nicht anwendbar sind, sehr bewußt sind. Wir hatten hier kürzlich eine lange Diskussion um den Begriff Kontingenz, der gerade das Problem behandelt, daß man nicht sicher einschätzen kann, ob Behauptungen zutreffen bzw. künftig zutreffen werden.
      Mein Einwand ist hier, daß man in manchen Bereichen menschlichen Verhaltens überhaupt keine logischen Regeln formulieren kann, die dieses Verhalten beschreiben. Vielleicht gibt es schon längst Unterdisziplinen der Philosophie, die sich damit befaßt haben – ich kenne die Philosophie zu wenig, um das zu beurteilen.

      Jedenfalls scheint auch hier in den Diskussionen immer unterstellt zu werden (s. 4.), daß man alles Verhalten durch sinnhafte, logische Regeln beschreiben kann, die man wiederum moralisch beurteilen und ggf. verbieten oder fördern kann. Ich bezweifle, daß diese Unterstellung allgemein gültig ist, und da, wo sie nicht gültig ist (Beispiel: Affekthandlungen, Bildung von Stereotypen), muß man anders über moralische Bewertungen, Ge- und Verbote und insb. Lernprozesse nachdenken.

  3. @ Christian

    Wie oft willst du den immergleichen Strohmann noch erledigen? Wer vertritt denn die absurde Theorie, dass die Biologie keinen Einfluss auf das menschliche Verhalten hat?
    Wir fliegen nicht wie die Vögel, weil wir keine Flügel haben. Hat was mit Biologie und der Evolution zu tun. Das darfst du als bekannt voraussetzen.

    • ät Peter:

      Jaja, der Körper ist natürlich darwinisch. Außer die Mumu und der Strulli vielleicht.
      Aber der Geist ist völlig rational, sozial konstruiert, frei….

      Christian bekämpft keine Strohleute. Er hat als einzelner Mensch gezwungermaßen eine eingeschränkte Perspektive, die aber mit Hilfe von Wissenschaft überprüft werden kann.

      Wenn man recherchiert, findet man dann so etwas:

  4. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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