Die Geschichte der Evolutionstheorie: Alfred Russel Wallace

Alfred Russel Wallace ist für viele ein vollkommen unbekannter Mann, er wäre aber beinahe derjenige gewesen, der zuerst einen wissenschaftlichen Aufsatz zu dem, was wir heute die  Evolutionstheorie nennen publiziert hätte.

So ist er eher eine Fußnote in der Geschichte geworden, ein weitaus unbekannterer Name als Darwin, der weltweit den allermeisten Menschen, die zumindest über etwas Bildung verfügen, bekannt ist.

Wallace ist mit Darwin über viele verschiedene Punkte verbunden, beispielsweise waren es Darwins erste Berichte über seine Reise mit der HMS Beagle die ihm unter anderen dazu brachte, dass er auch Naturforscher werden wollte.

Aus der Wikipedia:

Wallace begann seine Karriere als Naturforscher und glaubte früh an eine Transmutation der Arten. Er wurde von Robert Chambers Werk Vestiges of the Natural History of Creation beeinflusst. 1845 schrieb Wallace an Henry Bates:

„Ich habe eine weitaus gefälligere Meinung zu ‚Vestiges’ als Du zu haben scheinst. Ich halte es nicht für eine eilfertige Verallgemeinerung, sondern für eine einfallsreiche Hypothese, die von einigen auffälligen Fakten und Analogien gestützt wird, die aber noch durch weitere Fakten und durch zusätzliches Licht, das mehr Forschung auf das Problem aufwerfen könnte, bestätigt werden muss. Es stellt ein Thema dar, dem sich jeder Naturstudierende widmen kann. Jede Tatsache, die er beobachtet, wird entweder dafür oder dagegen sprechen und deshalb dient es der Anregung zur Zusammenstellung von Fakten und als Objekt zugleich, worauf diese angewandt werden können, wenn erhoben.[21]“

An der Geschichte der Evolutionstheorie sieht man auch sehr schön, wie solche Theorien nicht einfach vom Himmel  fallen, sondern oft eine Vorgeschichte haben, die man so gar nicht kennt. Es hat sich eben nicht einfach Darwin an seinen Schreibtisch gesetzt und nach einem Geistesblitz die Theorien aufgeschrieben, sondern es gab Vorgängertheorien, die eine Grundlage bildeten, etwa das Werk von Robert Chambers, welches noch nicht wirklich eine Evolutionstheorie war, da es keine Mechanismen beschrieb, aber schon die Idee hatte, dass die Differenzierung im Tierreich ganz ohne einen Gott abgelaufen sein könnte. Auch andere Schriften, etwa die von Robert Maltus, der davon ausging, dass die Nahrungsproduktion nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten konnte, hatten zwar nichts mit Evolution zu tun, aber brachten sowohl Wallace als auch Darwin auf die Idee, dass Ressourcenmangel ein Selektionsfaktor sein könnte.

Wallace plante einen Teil seiner Feldarbeit von vornherein so, dass die Hypothese, dass unter einem evolutionären Szenario eng verwandte Arten angrenzende Gebiete bewohnen würden, überprüft werden könnte.[22] Während seiner Arbeit im Amazonasbecken erkannte er, dass geographische Barrieren, wie z. B. der Amazonasfluss und seine größeren Zuflüsse, oft die Ausbreitungsgebiete eng miteinander verwandter Arten trennten. Er nahm diese Beobachtungen in seine Veröffentlichung On the Monkeys of the Amazon (Über die Affen am Amazon) auf.[2] Fast am Ende des Artikels stellt er die Frage: „Sind eng verwandte Arten jemals durch einen weiten ländlichen Abstand getrennt?“.

Auch hier erst einmal die kleineren Ideen, man wußte noch nicht wie Evolution läuft, aber es entstand die Idee, dass ländliche Abstände eine Rolle spielen können.

Im Februar 1855, als er in Sarawak auf der Insel Borneo arbeitete, schrieb Wallace On the Law Which has Regulated the Introduction of Species (Über das Gesetz, welches die Einführung der Arten regulierte), ein Schriftstück, das im Annals and Magazine of Natural History im September 1855 veröffentlicht wurde. Hier erfasste und zählte er allgemeine Beobachtungen auf, welche die geographische und geologische Verteilung der Arten betrafen (Biogeographie). Seine Schlussfolgerung, dass jede Art koinzident in Ort und Zeit mit eng verwandten Arten entstanden ist, wird heute als „Sarawak-Gesetz“ bezeichnet. So beantwortete Wallace die Frage, die er in seiner früheren Veröffentlichung über die Affen im Amazonasbecken gestellt hatte. Obwohl es keine möglichen Evolutionsmechanismen erwähnte, war das Schriftstück ein Vorbote zu dem bedeutsamen Artikel, den er drei Jahre später schrieb.

Die Entwicklung der Evolutionstheorie ging bei Wallace und Darwin damit einher, dass beide auf ihren Reisen Unterschiede zwischen Tieren untersuchten und feststellten, dass diese Unterschiede stark an die jeweiligen Lebensräume angepasst waren. Für Darwin waren es zB die Schnabelformen der Darwinfinken oder der Panzer von Schildkröten auf den verschiedenen Inseln, Wallace hatte sehr viele Insekten gesammelt und eben auch Affen genau beobachtet.

Diese Veröffentlichung erschütterte die Überzeugung von Charles Lyell, dass die Arten unveränderlich waren. Obwohl ihm sein Freund Charles Darwin 1842 geschrieben und seine Unterstützung der Transmutationsidee geäußert hatte, beharrte Lyell auf seiner Ablehnung dieser Idee. Anfang 1856 wurde Darwin durch Lyell sowie Edward Blyth auf das Schriftstück von Wallace hingewiesen. Lyell war mehr beeindruckt und begann mit einem Notizbuch über die Arten, das sich mit den Folgen daraus beschäftigte, insbesondere für die menschliche Abstammung. Darwin hatte bereits seine Theorie ihrem gemeinsamen Freund Joseph Hooker vorgestellt und erklärte jetzt Lyell zum ersten Mal sämtliche Details zur natürlichen Selektion. Obwohl Lyell nicht damit einverstanden sein konnte, bedrängte er Darwin zu veröffentlichen, um Priorität zu erlangen. Darwin äußerte zunächst Bedenken, begann aber dann am 14. Mai 1856, einen Abriss aus seiner andauernden Arbeit zusammenzustellen.[23]

Und das war der „Nachteil“ der Darwin beinahe zum Verhängnis geworden wäre: Sein Ansatz war gründlicher, tiefgehender und methodischer und er wollte es perfekt machen, wohl auch weil ihm bewußt war, dass die Theorie erheblichen Aufruhr machen würde. Der oben erwähnte Robert Chambers hatte genau aus diesen Gründen sein Buch anonym veröffentlicht und erst dreißig Jahre später als Autorenstellung zugegeben. Darwin war auch schon vor seinem Buch sehr bekannt, sein erster Buch über die Reise mit der HMS Beatle hatte ihn insbesondere unter Geologen sehr bekannt gemacht. Gleichzeitig war der Streit unter den Geologen wiederum eine gesellschaftlich geführte Debatte (vgl Neptunismus vs. Plutonismus) und sein Buch wurde in dieser Hinsicht vom Bildungsbürgertum sehr gut angenommen. Er war zudem verheiratet und hatte insofern mehr zu verlieren als Wallace.

Im Februar 1858 war Wallace durch seine biogeographischen Forschungen am Malaiischen Archipel bereits  von der Gültigkeit der Evolution überzeugt. Wie er in seiner späteren Autobiographie schrieb:

„Das Problem war nicht nur, wie und warum sich die Arten verändern, sondern wie und warum sie sich in neue und gut definierte Arten verändern, die sich voneinander so vielfältig unterscheiden, warum und wie sie sich so genau an die unterschiedlichen Lebensbedingungen anpassen und warum die Zwischenstufen aussterben (da die Geologie ja zeigt, dass sie ausgestorben sind) und nur klar definierte und stark ausgeprägte Arten hinterlassen, Gattungen und höhere Tiergruppen.[24]“

Seiner Autobiographie nach machte Wallace sich Gedanken über Thomas Malthus Idee zur positiven Einschränkung menschlichen Populationswachstums, als er mit Fieber im Bett lag und ihm die Idee der natürlichen Selektion einfiel.[2] Wallace schrieb in seiner Autobiographie, dass er zu der Zeit auf der Insel Ternate war, aber Historiker haben das in Frage gestellt und behaupten, es sei aufgrund seiner Sammlungseintragungen wahrscheinlicher, dass er sich auf der Insel Gilolo befand.[2] Wallace beschreibt dies wie folgt:

„Es kam mir damals der Gedanke, dass diese Ursachen oder deren Äquivalente auch im Falle der Tiere ständig am Werk sind und da Tiere sich sehr viel schneller als Menschen vermehren, muss die jährliche Vernichtung aufgrund dieser Ursachen enorm sein, um die Anzahl der Mitglieder jeder Art gering zu halten, da sie offensichtlich nicht von Jahr zu Jahr zunimmt, sonst wäre die Welt von denen übervölkert, die sich am schnellsten vermehren. Unbestimmt über die enorme und konstante Zerstörung nachdenkend, die daraus folgt, stellte sich mir die Frage, weshalb einige sterben und einige überleben.Und die Antwort war klar, die besser geeigneten überleben. Und wenn man die beträchtliche Variation berücksichtigt, die mir meine Erfahrung als Sammler als vorhanden gezeigt hatte, dann folgte daraus, dass sämtliche Veränderungen, die für die Anpassung der Arten an die sich verändernden Bedingungen erforderlich sind, davon hervorgebracht werden. Auf diese Weise könnte jeder Teil des Aufbaus der Tiere genau wie erforderlich verändert werden und im Prozess dieser Veränderungen würden die Nichtveränderten aussterben und so würden die definierten und klar isolierten Merkmale jeder neuen Art erklärt werden.[25]“

Das sind die wesentlichen Grundlagen der „natürlichen Selektion“, das Überleben der am besten Angepassten.

Vor seiner Abreise in den Osten, 1854, hatte Wallace Darwin einmal kurz getroffen.[26] Ab 1857 standen sie dann in regelmäßigem brieflichen Kontakt und tauschten sich über ihre Publikationen, Theorien und Erkenntnisse aus. Wallace bewahrte Darwins Briefe sorgfältig auf, auch wenn die ersten Briefe verlorengegangen sind.[27] Im ersten belegten Brief vom 1. Mai 1857 kommentierte Darwin, dass sowohl Wallaces Brief vom 10. Oktober als auch seine Veröffentlichung On the Law that has regulated the Introduction of New Species (Über das Gesetz, das die Einführung neuer Arten regulierte) zeigten, dass beide ähnlich dachten, und dass sie bis zu einem gewissen Grad ähnliche Schlussfolgerungen gezogen hatten.

Das ist insofern interessant, weil durch die gemeinsame Arbeit eben auch jemand bereit stand, dem man Ideen präsentieren konnte und der einem vernünftige Gedanken dazu mitteilen konnte. Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei einer vollkommen neuen Theorie.

Er fügte hinzu, dass er seine eigene Veröffentlichung zur Publikation in etwa zwei Jahren vorbereitete.[28] Wallace traute der Meinung von Darwin und schickte ihm seine Abhandlung On the Tendency of Varieties to Depart Indefinitely From the Original Type (Über die Tendenz der Arten, sich auf unbestimmte Zeit vom ursprünglichen Typ zu entfernen) am 9. März 1858, mit der Bitte, diese durchzusehen und an Charles Lyell weiterzuleiten, wenn er der Meinung war, es würde sich lohnen.[29] Am 1. Juni 1858 erhielt Darwin das Manuskript von Wallace. Obwohl die Abhandlung den Begriff „natürliche Selektion“ nicht explizit verwendete, erläuterte sie die Mechanismen der evolutionären Divergenz der Arten aufgrund vom Druck, der die Umgebung auf sie ausübt. In diesem Sinne war sie der Theorie, an der Darwin 20 Jahre gearbeitet hatte, ohne sie zu veröffentlichen, sehr ähnlich. Darwin schickte das Manuskript an Lyell mit einem Brief, in dem er schrieb: „Er hätte eine bessere Zusammenfassung nicht machen können! Seine Begriffe stehen sogar bei mir als Kapitelüberschriften. Er schreibt nicht, dass ich publizieren sollte, aber ich werde natürlich sofort schreiben und es irgendeinem Fachblatt anbieten“.[30][31]

Es ehrt Darwin, dass er das Schreiben direkt an Lyell weiterleitete, denn es muss ihm bewußt gewesen sein, dass damit sein Buch, wenn auch besser ausgearbeitet und wesentlich umfangreicher, damit etwas an Glanz verliert und als auf den Ideen eines anderen aufbauend angesehen werden würde.

Darwin, der durch die Krankheit seines kleinen Sohnes bestürzt war, übergab das Problem an Lyell und Joseph Hooker. Diese beschlossen, die Abhandlung in einer gemeinsamen Präsentation zusammen mit anderen nicht publizierten Schriften, die Darwins Priorität hervorhoben, zu veröffentlichen. Wallaces Abhandlung wurde der Linnean Society of London am 1. Juli 1858 präsentiert, zusammen mit Auszügen aus einer Schrift, die Darwin 1847 privat Hooker präsentiert hatte und einem Brief an Asa Gray aus dem Jahr 1857.[32]

Wenn ich mich richtig erinnere, dann haben Lyell und Hooker dabei zuerst Darwins Werk präsentiert, so dass streng genommen seine Werke die ersten waren. Es ging aber letztendlich ziemlich unter, wahrscheinlich hat das damalige Publikum die Bedeutung der Ideen nicht erfasst.

Die Reaktion auf die Vorlesung war stumm, während der Vorsitzende der Linnean Society im Mai 1859 bemerkte, dass es in dem Jahr keine bemerkenswerten Entdeckungen gegeben hätte.[32]

Das kann man aus heutiger Sicht wohl als erheblichen Irrtum ansehen, aber man kann ja auch nicht alles mitbekommen und nicht auf allen Gebieten die Wichtigkeit neuer Ansätze erkennen.

Aber mit Darwins Publikation von On the Origin of Species (Die Entstehung der Arten) später im Jahr 1859 wurde ihre Bedeutung offensichtlich. Als Wallace nach Großbritannien zurückkehrte, traf er sich mit Darwin; die beiden pflegten danach freundlichen Umgang miteinander. Über die Jahre sind bei manchen Leuten Zweifel über die Gültigkeit dieser Version aufgekommen. Anfang der 1980er-Jahre erschienen zwei Bücher, eins von Arnold Brackman und eins von John Langdon, in denen sogar angedeutet wird, dass es nicht nur eine Konspiration gegen Wallace gegeben hat, um ihm das gebührende Ansehen zu rauben, sondern dass Darwin sogar eine Schlüsselidee von Wallace übernommen hat, um seine eigene Theorie zu vervollständigen. Diese Behauptungen wurden von anderen Gelehrten untersucht, die sie für nicht überzeugend befanden.

Wissenschaftlich gesehen war „On the Origins of Spezies“ sicherlich das wesentlich bessere Buch und die Ideen dort besser aufgearbeitet als bei Wallace. Das fand sogar Wallace selbst:

Nach der Veröffentlichung von Darwins On the Origin of Species wurde Wallace zu einem ihrer überzeugtesten Verteidiger. Ein Vorfall im Jahr 1863 machte Darwin besondere Freude: Wallace veröffentlichte eine kurze Schrift Remarks on the Rev. S. Haughton’s Paper on the Bee’s Cell, And on the Origin of Species, um die Argumente eines Geologieprofessors an der Universität von Dublin vollkommen zu vernichten, der Darwins Anmerkungen in The Origin bezüglich der Art, wie sich die sechseckigen Zellen in Honigwaben durch die natürliche Selektion entwickelt hätten, kritisiert hatte.[2] Eine weitere bemerkenswerte Verteidigung von The Origin war Creation by Law (Schöpfung durch Gesetz), eine Abhandlung, die Wallace 1867 für The Quarterly Journal of Science schrieb, um dem Buch The Reign of Law (Die Herrschaft der Gesetze), das der Herzog von Argyle als Anfechtung der natürlichen Selektion geschrieben hatte, zu widersprechen.[35] Nach einer Versammlung der British Association im Jahr 1870 schrieb Wallace an Darwin und klagte darüber, dass „keine Gegner übrig geblieben sind, die irgendwas über Naturgeschichte wissen, so dass es keine der früheren guten Diskussionen mehr gibt.“[2]

Dies wiederum ehrt Wallace. Er hätte sich natürlich durchaus aufregen können, weil sein Aufsatz nicht die gebührende Beachtung gefunden hat oder er hätte anführen können, dass Darwin ihn reingelegt hat und ihm seinen Ruhm vorbehalten hat. Aber er hat – so entnehme ich es anderen Diskussionen in Büchern zu dem Thema – wohl auch immer angeführt, dass die gründlicheren und besseren Überlegungen Darwin geschrieben hat und das diesem daher auch der Ruhm gebührt.

Unterschiede zwischen den Theorien von Darwin und Wallace

Wissenschaftshistoriker haben angemerkt, dass einige Unterschiede zwischen den Evolutionskonzepten Darwins und Wallaces bestanden, obwohl Darwin Wallaces Ideen als im Wesentlichen gleich mit den seinen betrachtete.[36] Darwin betonte den Konkurrenzkampf unter den Individuen einer gleichen Gattung, um zu überleben und sich zu vermehren, während Wallace den biogeographischen und umfeldbedingten Druck hervorhob, der die Spezies zwingt, sich den örtlichen Gegebenheiten anzupassen.[37][38]

Gerade die Konkurrenz innerhalb einer Art wird heute als ein sehr wesentliches Element der Evolutionstheorie angesehen, Tiere der gleichen Art nutzen eben auch die gleiche evolutionäre Nische und befinden sich damit zwangsläufig in einer Konkurrenz. Das ist ja auch gerade bei dem Beispiel Mensch sehr einfach nachzuvollziehen: Menschen haben immer auch gerade gegeneinander gekämpft, auch wenn sie gleichzeitig viel kooperiert haben. Ein Mittel dies darzustellen ist auch intrasexuelle und intersexuelle Konkurrenz.

Andere haben bemerkt, ein weiterer Unterschied bestehe darin, dass Wallace offensichtlich die natürliche Selektion als eine Art Rückkopplungsmechanismus auffasste, welches die Arten ihrer Umgebung angepasst erhielt.[39] Sie verweisen dabei auf einen meistens übersehenen Absatz seiner berühmten Veröffentlichung von 1858:

„Die Wirkung dieses Grundsatzes ist genau wie die des Fliehkraftreglers der Dampfmaschine, die Abweichungen korrigiert, bevor sie offensichtlich werden und auf die gleiche Art und Weise kann kein unausgeglichener Mangel im Tierreich ein auffälliges Ausmaß erreichen, weil es sofort Auswirkung zeigen würde, indem er die Existenz erschweren und das Aussterben eine fast sichere Folge machen würde.[29]“

Klingt etwas nach Gruppenselektion. Die ja bekanntlich nicht funktioniert.

Warnfärbung und sexuelle Selektion

1867 schrieb Darwin an Wallace, dass es ihm schwerfiel zu verstehen, warum einige Raupen auffällige Farben entwickelt hätten. Darwin war zur Überzeugung gelangt, dass die sexuelle Selektion, ein Phänomen, dem Wallace nicht die gleiche Bedeutung wie Darwin beimaß, viele auffällige Farben in der Tierwelt erklärte. Allerdings merkte Darwin, dass dies bei den Raupen nicht der Fall sein könnte. Wallace erwiderte, er und Henry Bates hätten beobachtet, dass viele der spektakulärsten Schmetterlinge einen eigenartigen Geruch und Geschmack haben und dass John Jenner Weir (1822–1894) ihm mitgeteilt hätte, Vögel würden eine bestimmte Art gewöhnlicher weißer Motten aufgrund ihres schlechten Geschmackes nicht fressen. „Da die weiße Motte in der Dämmerung so auffällig wie eine bunte Raupe ist“, wie Wallace an Darwin zurückschrieb, „sei es wahrscheinlich, dass die auffällige Farbe als Warnung gegenüber möglichen Raubtieren diene und sich deshalb durch natürliche Selektion hätte entwickeln können“.

Ich weiß gar nicht, was da der letzte Schluss ist. Wenn das einer weiß oder auf entsprechende Artikel hinweisen kann, dann gerne in den Kommentaren.

Es macht Sinn, dass natürliche Selektion eine Rolle spielt. Denn diese muss ja insbesondere bei den Tieren, die sonst die bunten Tiere fressen einsetzen. Es ist aber eine schwierige Selektion bestimmte Tiere, die leichter zu sehen sind, nicht zu fressen, denn hat sich die Regel zu stark etabliert, dann lohnt es ich für alle Tiere farbiger zu werden. Interessant ist es allenfalls wenn man lebendig und ohne größere Beschädigungen wieder ausgespuckt wird, dann kann ein Tier lernen, welche anderen Tiere nicht schmecken. Etwas anderes wäre es noch, wenn ein giftigeres Tier automatisch eine deutlichere Farbe hätte, also der Stoff, der dagegen spricht es zu essen, die Farbe hervorruft. Dann sind Farbe und Giftigkeit/Ungenießbarkeit gekoppelt, was allerdings dann auch gleich wieder eine Möglichkeit für sexuelle Selektionn gibt und  den Prozess verschärfen kann.

Darwin war von dieser Idee beeindruckt. In einem nachfolgenden Treffen der Entomological Society bat Wallace um jegliche vorhandene Nachweise zum Thema. 1869 veröffentlichte Weir Daten aus Versuchen und Beobachtungen an bunten Raupen, die Wallaces Vermutungen unterstützen. Warnfärbung zählte zu den Beiträgen von Wallace auf dem Gebiet der Evolution der Tierfärbung allgemein und zum Konzept der schützenden Färbung im Besonderen.[2] Dies war auch Teil einer lebenslangen Meinungsverschiedenheit zwischen Wallace und Darwin über die Bedeutung der sexuellen Selektion. In seinem Buch Tropical Nature and Other Essays (Tropische Natur und andere Abhandlungen) schrieb er 1878 ausführlich über die Färbung von Tieren und Pflanzen und schlug alternative Erklärungen zu verschiedenen Fällen vor, die Darwin der sexuellen Selektion zugeschrieben hatte.

Es gibt dennoch viele Fälle in denen sexuelle Selektion bzw sexuelle Konkurrenz vieles im Verhalten und Aussehen der Lebewesen erklärt. Es macht die Theorie aus meiner Sicht erst richtig rund, ist aber obwohl es ein so wichtiger Baustein ist in breiten Teilen der Bevölkerung vollkommen unbekannt. Was sehr schade ist.

Er schrieb eine ausführliche Abhandlung darüber in seinem Buch Darwinism von 1889.

Das Buch „Darwinism“ zu nennen ist selbst dann eine erstaunliche Anerkennung Darwins, wenn es inzwischen ein allgemeiner Begriff geworden war.

Wallace-Effekt
In Darwinism verteidigte Wallace die natürliche Selektion. Darin postulierte er die Hypothese, dass die natürliche Selektion die reproduktive Trennung zweier Arten antreiben könne, indem die Ausbildung von Barrieren gegen eine Hybridisierung verstärkt wird. So würde sie zur Entwicklung neuer Arten beitragen. Er wies auf das folgende Szenario hin: Nachdem zwei Populationen einer Art über einen bestimmten Punkt hinaus divergiert sind, passt sich jede davon den bestimmten Umwelteinflüssen an, wobei hybride Nachkommen weniger gut angepasst sind, als die jeweiligen Elternarten. Zu diesem Zeitpunkt wird die natürliche Selektion dazu neigen, die Hybride zu eliminieren. Darüber hinaus würde die natürliche Selektion unter solchen Bedingungen die Entwicklung von Hybridisierungshemmnissen fördern, da Individuen, die hybride Paarungen vermeiden, besser geeignete Nachkommen erzeugen und so zur reproduktiven Isolierung beider beginnenden Arten beitragen würden. Diese Hypothese wurde als Wallace-Effekt bekannt.[2] Schon 1868 hatte Wallace in Briefen an Darwin angedeutet, dass die natürliche Selektion eine Rolle in der Verhinderung der Hybridisierung spielen könnte, hatte diese Idee aber nicht im Detail ausgearbeitet.[2] Noch heute ist sie Gegenstand der Forschung zur evolutionären Biologie, wobei sowohl Computersimulationen als auch empirische Ergebnisse ihre Gültigkeit unterstützen.[40]

Wie man sieht hat er – neben einem Buch über seine Forschungsreisen mit Bildern vieler Tiere, das ein großer Erfolg war – auch einige weitere wichtige Theorien entwickelt, die zum Gesamtverständnis beitragen.

Anwendung der Theorie auf den Menschen

1864 veröffentlichte Wallace die Abhandlung The Origin of Human Races and the Antiquity of Man Deduced from the Theory of Natural Selection (Ursprung der menschlichen Rassen und Alter des Menschen, gefolgert aus der Theorie der natürlichen Selektion), in der er die Theorie auf den Menschen bezog. Darwin hatte sich bislang nicht öffentlich mit dem Thema befasst, obwohl dies Thomas Huxley in Evidence as to Man’s Place in Nature (Zeugnisse für die Stellung des Menschen in der Natur) getan hatte. Kurz darauf wurde Wallace Spiritualist und behauptete, die natürliche Selektion könne nicht zum mathematischen, künstlerischen oder musikalischen Genius, sowie zu metaphysischen Gedanken, Geist und Humor führen. Anschließend behauptete er, dass etwas im „unsichtbaren Universum des Geistes“ mindestens drei Mal während der Evolution eingegriffen hätte. Das erste Mal sei die Schöpfung von Leben aus anorganischer Materie. Das zweite Mal die Einführung von Bewusstsein bei höheren Tieren. Und das dritte Mal die Bildung höherer mentaler Fähigkeiten beim Menschen. Er glaubte auch, dass der Grund für das Sein des Universums die Entwicklung des menschlichen Geistes sei.[41]

Die Reaktion auf Wallaces Ideen zu diesem Thema unter den führenden Naturalisten dieser Zeit war unterschiedlich. Charles Lyell stimmte Wallaces Ideen eher zu als Darwins.[42][43] Viele hingegen, einschließlich Huxley, Hooker und selbst Darwin, waren Wallace gegenüber kritisch.[2] Insbesondere Darwin war bestürzt. Er argumentierte, dass spirituelle Anreize nicht nötig seien und dass die sexuelle Selektion scheinbar nicht anpassungsfähige Geistesphänomene leicht erklären könne.

Wie ein Wissenschaftshistoriker dargelegt hat, widersprachen Wallaces Ansichten zu diesem Thema zwei Hauptlehren der aufkommenden darwinistischen Philosophie der Zeit, die besagten, dass Evolution weder teleologisch noch anthropozentrisch sei.[44] Während manche Historiker zu dem Schluss gekommen sind, dass Wallaces Glaube, die natürliche Selektion könne die Entwicklung des Bewusstseins und des menschlichen Geistes nicht erklären, auf seinen Spiritualismus zurückzuführen sei, streiten andere Wallace-Experten dies ab. Manche behaupten, Wallace habe nie das Prinzip der natürlichen Selektion auf diese angewandt.[45][46]

Da wurde er also aus heutiger Sicht etwas unwissenschaftlich.

Bewertung der Rolle von Wallace in der Evolutionstheorie

In vielen Beschreibungen der Geschichte der Evolution wird Wallace nur beiläufig einfach als „Anreiz“ für die Veröffentlichung von Darwins eigener Theorie erwähnt.[2] Tatsächlich entwickelte Wallace jedoch eigenständige Ansichten, die sich von Darwins unterschieden und er wurde von vielen (vor allem von Darwin) als einer der führenden Denker über Evolution seiner Zeit gehalten, dessen Ideen nicht ignoriert werden konnten. Ein Wissenschaftshistoriker hat angemerkt, dass sowohl Darwin als auch Wallace Wissen per Briefwechsel und Veröffentlichungen austauschten, wodurch sie sich über einen längeren Zeitraum gegenseitig inspirierten.[47] Wallace ist der meistzitierte Autor in Darwins Descent of Man, oft in starkem Widerspruch zu seinen eigenen Thesen.[2] Wallace blieb für den Rest seines Lebens ein vehementer Verteidiger der natürlichen Selektion. Um 1880 war die Evolution in wissenschaftlichen Kreisen auf breiter Ebene akzeptiert, aber Wallace und August Weismann waren praktisch die einzigen unter bekannten Biologen, die glaubten, sie sei durch die natürliche Selektion getrieben.[48][49]

Ein schönes Schlußwort, welches noch einmal deutlich macht, dass sich Wallace nicht verstecken muss.

29 Gedanken zu “Die Geschichte der Evolutionstheorie: Alfred Russel Wallace

  1. Was ich hierbei immer wieder vermisse, ist die Anerkennung dessen, dass der Mensch (und bestimmte andere Arten) ein Rudeltier ist, ein soziales Wesen, das in der sozialen Gemeinschaft das Überleben auch der Schwachen sichert. Und auch der Sozialdarwinist, der zynisch achselzuckend feststellt, es wäre richtig, wenn einer ohne Gesundheitsversicherung im Krankenhausflur stirbt, lebt und überlebt nur, weil er in einem sozialen Gefüge lebt, in der er von vielen Leistungen profitiert, die er selbst nicht aufbringen kann.

      • Dass der Mensch aus Liebe oder Mitgefühl das Überleben anderer sichert und dadurch soziale Strukturen schafft, die verhindern, dass Schwäche einem Todesurteil gleichkommt, weil man „ausselektiert“ wird – und was sich zum Wohle aller auswirkt, extremes Beispiel: Stephen Hawking. Ich würde nicht in einer Welt leben wollen, in der alle ständig im mörderischen Wettkampf stehen.

        • Aus Liebe oder Mtgefühl?
          Oder doch eher weil das Zusammenleben in Gruppen auch eolutionäre Vorteile haben kann? Schon die Einzeller haben sich nicht zu Mehrzellern zusammengefunden weil sie sich so mochten sondern weil das Zusammenleben Vorteile brachte.

          • Das ist doch kein Widerspruch. Zumindest laut Evolutionstheorie sind „Liebe“ und „Mitgefühl“ ja deshalb entstanden, weil es evolutionäre Vorteile brachte.

      • Dass Schmarotzer im Rudel unzeremoniell „beseitigt“ wurden.
        Dass die natürliche Rudelgröße laut Dunbars Number erwa 150 ist und sich nicht ohne weiteres skalieren lässt.
        Welche kulturellen Vorkehrungen notwendig bzw funktional sind, um auch bei starker Skalierung ein Wir-Gefühl zu etablieren. Welche nicht.
        Wie „Wir sind alle Teil eines Rudels“ und „Du musst Opfer bringen für andere, von denen du nichts weißt, als dass sie dich verachten“ unter einen Hut zu bringen wären.

        • Kooperation ist prinzipiell eine evolutionär instabile Strategie, weil ein „Schmarotzer“ sie immer aussnutzen kann, und die Evolution das „selfish gene“ selektiert. Im Tierreich findet man auch nur äußerst selten Kooperation, die über „die Famile/ das Rudel“ hinausgeht. Eines der ganz wenigen Beispiele ist der Formationsflug von Zugvögeln: https://www.pnas.org/content/112/7/2115

          Andererseit ist die Spezies Mensch ja gerade so erfolgreich, weil sie weitreichende Kooperation zustande bringt, z.B. durch Politik und Recht. Das ist einzigartig im Tierreich. Wie dieses Verhalten evolutionär entstehen konnte, ist ein Rätsel.

          • Ja, genau.
            Und dass der Mensch das zustande bringt, liegt nicht daran, dass alle sich so lieb haben und Mitgefühl zeigen, sondern an was anderem.

          • Korrekt. Und die Kooperation beim Menschen (die sogar bei recht grossen „Rudeln“ bis hin zu Staaten mehr oder weniger gut funktioniert) funktioniert auch nur, wenn es Mechanismen gibt, mit der man der „Schmarotzer“ mächtig werden kann. Also sowas, wie Strafen (bis zur Hinrichtung), Ausstossen usw.

            Sobald allerdings einer mit „schmarotzen“ durchkommt, dann fällt das Rudel über kurz oder lang auseinander, weil dann irgendwann jeder zum „schmarotzen“ umsteigt. Das ist das Problem von idealistischen Weltanschauungen.

          • „Wie dieses Verhalten evolutionär entstehen konnte, ist ein Rätsel.“

            Ein so großes Rätsel ist das nicht:
            1. Nur bedingungsLOSE Kooperation ist evolutionär instabil. Die Strategie, nur mit denen zu kooperieren, die sich kooperativ gezeigt haben oder sich gar zu rächen an denen, die einem geschadet haben dagegen lohnt sich auf jeden Fall. Da eine altsteinzeitliche Gruppe nur 150 Mitglieder hat und nur so einer begrenzten Zahl von Gruppen umgeben ist, so dass man sich merken kann, wer sich gut oder schlecht verhalten kann, ist man sogar gezwungen, sich für Unrecht zu rächen, da man sonst als leichte Beute angesehen würde. Wenn aber alle nur bedingt Kooperieren, dann schreckt das Betrüger ab und erhöht somit die Kooperativität generell.
            2. Da wir gegenüber Leuten, die wir nicht oder kaum kennen, also in der Steinzeit gegenüber Mitgliedern anderer Gruppen, egoistischer sind (weil wir keine emotionale Bindung an sie haben), kam es in der Steinzeit trotzdem immer wieder zu Kriegen zwischen den Gruppen, was das Vertrauen in Fremde erniedrigte und somit zu noch mehr Egoismus gegenüber anderen Gruppen führte. Die in der Folge entstandene familien-/gruppenzentrierte Moral (nur das Wohl von Familie/Gruppe zählt) tat ein Übriges. Da es sich aber (siehe 1) nicht lohnte STÄNDIG Kriege zu führen, schuf die Evolution ein gewisses Gegengewicht, um den Gruppenegoismus und damit die Kriege etwas einzudämmen. Als sich dann ein Staat etablierte, der solche Konflikte unterband und gleichzeitig Betrüger und dergleichen verfolgte, war mehr Vertrauen in Fremde möglich, was wiederum die Kooperativität ihnen gegenüber erhöhte. Nun musste nur noch die wahrscheinlich als Relikt aus der Altsteinzeit übriggebliebene familien-/gruppenzentrierte Moral überwunden werden, was lokal die Aufklärung bzw. der Konfuzianismus schafften und schon wurde das in modernen Gesellschaften zu sehende Ausmaß an Kooperativität gegenüber Fremden möglich, weil es nun gegenüber dem genannten Gegengewicht kein natürliches Gegengewicht in Richtung Gruppenegoismus mehr gab. Das heißt natürlich nicht, dass ein Rückfall unmöglich ist. V.a. wenn Leute importiert werden, deren Herkunftskultur die familienzentrierte Moral nie überwunden hat…

          • PS: Da Menschen intelligent sind, haben die altsteinzeitlichen Gruppen die Verfolgung von Verbrechern nicht in jedem Fall den Opfern/deren Angehörigen überlassen, was die Kooperativität noch mehr förderte. Die Staaten waren aber meist nicht durch friedliche Vereinigung der (jung-)steinzeitliche Gruppen entstanden und die neuen Herrscher sprachen nur Recht, um nicht wieder gestürzt zu werden.

          • @antidogmatiker

            Die in der Folge entstandene familien-/gruppenzentrierte Moral (nur das Wohl von Familie/Gruppe zählt) tat ein Übriges. Da es sich aber (siehe 1) nicht lohnte STÄNDIG Kriege zu führen, schuf die Evolution ein gewisses Gegengewicht, um den Gruppenegoismus und damit die Kriege etwas einzudämmen.

            Das ist ja genau der Punkt, an dem die Kooperation über genetisch eng verwandte Individuen (das Rudel) hinaus geht. Hier muss die Evolution dann etwas schaffen (Moral / Gegengewicht zu Gruppenegoismus), was über die Selektion des „selfish gene“ hinausgeht. Zweifellos existiert das, ein evolutionsbiologischer Mechanismus zu dessen Erklärung überzeugt mich noch nicht.

          • „Zweifellos existiert das, ein evolutionsbiologischer Mechanismus zu dessen Erklärung überzeugt mich noch nicht.“

            Das steht dir natürlich frei.

            PS: Ich habe noch eine Erklärungslücke entdeckt: Da wir Leute nicht einschätzen können, die wir kaum kennen, macht es Sinn ihnen weniger zu vertrauen. Und dann macht es auch Sinn, ihnen gegenüber egoistischer zu sein. Der Übergang von ersterem zu letzterem, wird dabei u.a. durch unsere (fehlende) emotionale Gebundenheit vermittelt, die Teil der Tit-for-tat-Strategie* ist, die ich weiter oben ausgeführt habe (ohne sie so zu nennen).

            *Also nur mit Kooperierern kooperieren bzw. sich an Verbrechern rächen.

      • Zum Beispiel wäre es interessant mal so eine Art Hierarchie von Punkten zu erstellen, die eine Rudelgröße oder generell die Größe von Menschengruppen bestimmen.

        1. Individuum: Primär geht es nur um die Sicherung der eigenen Existenz und die Weitergabe der eigenen Gene.
        2. Verwandte: auch hier werden meine Gene indirekt weitergegeben
        3. Gruppe: bietet Schutz vor Fressfeinden und anderen Gruppen, was die Möglichkeit der Weitergabe meiner Gene verbessert
        4. Gesellschaft: hier wäre man dann auf der kulturellen Gruppe angekommen und es geht weniger um Schutz, sondern um Wahrung von Interessen, Ressourcen und Vergrößerung des Lebensraums

        Für die Ausbreitung einer Gruppe wäre also dessen Größe entscheidend, gleichzeitig verliert das Individuum (und somit meine Gene) aber an Bedeutung.

        PS: nur ein geistiger Schnellschuss, ohne Anspruch auf logische Unantastbarkeit

  2. Auch Wikipedia:

    Wenn ein Eigenname auf einem S-Laut endet und kein Artikel, Possessivpronomen oder dergleichen davor steht, wird zur schriftlichen Kennzeichnung des Genitivs gemäß § 96 der Regeln zur Deutschen Rechtschreibung der Apostroph verwendet. Endungen können folgende sein: s (Klaus’), ss (Grass’), ß (Weiß’), tz (Katz’), z (Merz’), x (Marx’) und ce (Bruce’).

    https://de.wikipedia.org/wiki/Genitiv

  3. Gedankenspiel: Wallace wäre eine Frau gewesen. Wie würde man heute über sie und Darwin denken?
    Wäre Wallace bekannter? Wäre Darwin ein böser weißer Mann, weil er einer Dame den Ruhm gestohlen hat?

    • Man könnte mal eine Umfrage starten, ob mehr Leute mit dem Namen „Charles Babbage“ oder „Ada Lovelace“ was anfangen können (inkl. welchen Studiengang die haben, die nur einen der beiden Namen kennen).
      Ich wäre nicht überrascht, wenn Ada einen höheren Bekanntheitsgrad hat.

      • Also meine Erwartungshaltung wäre, Leute aus dem feministisch/woken Umfeld kennen vor allem Ada, und zwar als „also EIGENTLICH … !!!1!elf“. Leute vom Fach kennen mit Sicherheit beide.

        Ob die beiden jetzt aber in irgendeiner Weise als Argument und Beleg weiblicher oder männlicher Überlegenheit dienen … ich denke nicht.

      • Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass Babbage generell unbekannter ist. Mit der Evolutionstheorie wird idR Darwin in Verbindung gebracht. Wobei man sicherlich trotzdem feststellen muss, dass eine Lovelace doch schon stark gepusht worden ist durch den Femifaschismus.

  4. „Es ist aber eine schwierige Selektion bestimmte Tiere, die leichter zu sehen sind, nicht zu fressen, denn hat sich die Regel zu stark etabliert, dann lohnt es ich für alle Tiere farbiger zu werden. Interessant ist es allenfalls wenn man lebendig und ohne größere Beschädigungen wieder ausgespuckt wird, dann kann ein Tier lernen, welche anderen Tiere nicht schmecken.“
    Die Beute muss nicht unbedingt wieder lebendig ausgespuckt werden. Es ist für alle mit der gleichen (oder ähnlichen) Farbgebung günstig, wenn der „Räuber“ lernfähig ist und in Zukunft solche Färbungen nicht mehr anrührt und vielleicht sogar seinem Nachwuchs beibringt, dass „sowas“ ihh-bäh ist 😉
    Statistik.
    Und für „giftige“ Arten kann es sich auch lohnen, Warnfarben zu entwickeln, weil dann die Wahrscheinlichkeit fürs Gefressen (und danach voll Ekel wieder ausgespuckt) werden geringer als für unscheinbare Artgenossen ist (man wird nicht so leicht mit was „Fressbarem“ verwechselt).

    Mimikri ist ja genau das: Auszusehen, als ob man gefährllich oder giftig wäre, es aber nicht ist, und davon Nutzen zu haben.

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