Radikale Terfs vs intersektionale Feministen

Gerade tobt, entzündet an einen Emmaartikel zu der Bundestagsabgeordneten Tessa Ganserer der gegenwärtig gravierendste Kampf innerhalb des Feminismus.

Die „TERF-Seite“ sind radikale Feministinnen, die in M->F Transsexuellen, zumindest radikalen M->F Transsexuellen, Männer sehen, die sich quasi als Frauen tarnen um in Frauenräume zu kommen und dort auch noch Forderungen erheben, wie das Lesben sie genau wie andere Frauen behandeln und mit ihnen schlafen sollen, auch wenn sie einen Penis haben. Gerade letzteres bedient natürlich aus dieser Sicht wunderbar die Sichtweise, dass sich hier nur Männer einschleichen wollen und Frauen zu Sex zwingen könnne und die anderen Feministinnen sind noch böd genug sie zu schützen und zu unterstützen. Ganserer, die erklärt hat, dass sie das bisher übliche Verfahren zur Änderung des Geschlechts mit Gutachten etc nicht mitmachen will, bietet sich in dieser Sichtweise zumindest als Mann an, der einer Frau den Platz im Bundestag weggenommen hat.

Dagegen folgt der intersektionale Feminismus einer anderen Theorie: Danach stehen Transsexuelle in der Opferhierarchie sehr hoch. Sie sind in der Kategorie: CIS-TRANS die Benachteiligten und weil sie gleichzeitig „Geschlechterrollen aufbrechen“ unbedingt zu akzeptieren. Jedes Anzweifeln des Status als Frau ist ein schwerer Verstoß gegen die Glaubensregeln des intersektionalen Feminismus. Ebenso wäre es ein schwerer Verstoß, wenn man annimmt, dass von ihnen eine Gefahr ausgehen soll. Wie sollte man das auch begründen ohne sie als Männer zu bezeichnen? Frauen sind nicht gefährlich, weil nichtprivilegiert, Transfrauen sind damit doppelt ungefährlich, weil Frauen und Trans.  Man darf Männer unterstellen, dass sie eine Rape Culture errichten, dass sie alle davon profitieren, dass sie Frauen in Angst halten wollen mit einem Klima der Gefahr und das eine Frau insoweit einen Safespace vor ihnen braucht. Aber das ein Mann sich als Trans ausgibt um damit in den Safespace von Frauen einzudringen und sogar gefahrlos Forderungen zu stellen, dass man mit ihm schlafen soll, sonst wäre man transphob, das ist ein absolutes Tabu.
Es ist vergleichbar damit, dass Jesus zwar als Mensch auf die Erde gekommen ist, aber deswegen darf man dennoch nicht annehmen, dass er seinen Ruhm als Messias ausgenutzt hätte, um Frauen flachzulegen. Geht nicht, darf man nicht, kann nicht vorkommen.

Damit wirft die eine Seite der anderen vor, dass sie Frauen verrät und Safespaces für Täter öffnet, die andere Seite ist entsetzt über die Idee, dass man bei ihnen in der Hierarchie hochstehenden guten Person vorwirft, Täter sein zu können. Erkennen diese TERFS denn nicht, dass das ausgeschlossen ist.

Lustigerweise streiten die beiden feministischen Richtungen also darum, ob man den typischen Hass im Feminismus auf Männer auch auf M->F Transsexuelle anwenden darf.
Die eine Seite sagt „Mann ist Mann, ein Penis ist eine Waffe“ und die andere sagt „Es ist ein Mann, also lasst euren Hass hier sein, ein Penis ist in diesem Fall ein weiblicher Penis und damit (ausnahmsweise) nicht böse“

Insofern liegen schlicht beide der extremeren Akteure falsch:

  • Männer sind  nicht grundsätzlich eine Gefahr und der Hass auf Männer und der Feindbildaufbau sind ungerechtfertigt.
  • Es ist vollkommen okay, wenn lesbische Frauen in einem Umfeld sein wollen, in dem nur andere lesbische Frauen sind, weil das ihre sexuelle Orientierung ist und der Ansatz, dass Transfrauen dort zugelassen werden müssen ist übergriffig
  • Der Heiligenstatus für Transfrauen ist auch falsch, schlicht weil sie Menschen sind. Was nicht bedeutet, dass deren Verteufelung richtig ist. Tatsächliche Transsexuelle sind eben Personen mit einem von ihrem übrigen Körper abweichenden Gehirngeschlecht.
  • Wann immer man eine Position mit einer gewissen Macht oder Menschen in dieser Position mit besondere Aufmerksamkeit oder sogar eine Deutungshoheit ausstattet oder ihnen diese Position sonst Vorteile bringt werden Leute das missbrauchen, weil sie Macht oder Aufmerksamkeit wollen. Ob das nun unter Stichwort Autogynophilie läuft oder es schlicht tatsächliche Transfrauen sind, die frustriert sind, weil sie nicht akzeptiert werden und darin eine Möglichkeit finden das zu ändern