Der Mensch als Rudeltier

Uebsilonniks schrieb in einem Kommentar:

Was ich hierbei immer wieder vermisse, ist die Anerkennung dessen, dass der Mensch (und bestimmte andere Arten) ein Rudeltier ist, ein soziales Wesen, das in der sozialen Gemeinschaft das Überleben auch der Schwachen sichert. Und auch der Sozialdarwinist, der zynisch achselzuckend feststellt, es wäre richtig, wenn einer ohne Gesundheitsversicherung im Krankenhausflur stirbt, lebt und überlebt nur, weil er in einem sozialen Gefüge lebt, in der er von vielen Leistungen profitiert, die er selbst nicht aufbringen kann.

Auf Nachfrage, was ihn daran am meisten interessiert:

Dass der Mensch aus Liebe oder Mitgefühl das Überleben anderer sichert und dadurch soziale Strukturen schafft, die verhindern, dass Schwäche einem Todesurteil gleichkommt, weil man „ausselektiert“ wird – und was sich zum Wohle aller auswirkt, extremes Beispiel: Stephen Hawking. Ich würde nicht in einer Welt leben wollen, in der alle ständig im mörderischen Wettkampf stehen.

Dazu auch noch aus der Wikipedia:

Rudel bezeichnet in der Verhaltensbiologie eine geschlossene und individualisierte Gruppe von Säugetieren. Ein Rudel ist eine geschlossene Gruppe, weil die Mitglieder eines Rudels nicht beliebig austauschbar sind. Ebenso ist es eine individualisierte Gruppe, weil die Mitglieder der Gruppe sich untereinander kennen. Innerhalb eines Rudels herrscht oft eine Rangordnung[1] und eine gewisse „Arbeitsteilung“.[2] Im Unterschied dazu ist eine Herde eine Ansammlung großer, in der Regel gleichartiger Säugetiere, von denen einige zwar verwandtschaftliche oder andere soziale Beziehungen untereinander haben können, dies gilt aber nicht für die Herde als Ganzes.

Zu den rudelbildenden Säugetieren gehören sowohl Pflanzenfresser wie verschiedene Arten der Hirsche, Mufflons, Gämsen und Steinböcke als auch Raubtiere wie Wölfe, Schleichkatzen, Löwen und Hyänen.[1]

Das Sammeln der Tiere, die ein Rudel bilden, nennt man rudeln.

Hier soll es sicherlich nicht darum gehen, ob der Mensch tatsächlich ein Rudeltier ist oder ob man ihn etwas anderes einordnet, etwa es eher eine „Gruppe“ ist, es geht hier um Zusammenarbeit und Kooperation.

In der Tat ist der Mensch ein soziales Tier. Wir sind auf Kooperation ausgelegt, das Zusammenleben mit anderen Menschen, Interaktion.

Aber das Problem bei Kooperation ist, dass sie gefährlich ist bzw Möglichkeiten bietet andere Leute auszunutzen:

Es kann effektiv sein, die Leistungen des anderen anzunehmen und ihm dann nichts zurück zu geben. Es kann interessanter sein, erst gar nicht zu kooperieren, sondern den anderen einfach umzubringen und ihm alles zu nehmen, was für einen interessant ist.

Wann das interessant ist bestimmt sich verkürzt gesagt danach, welche Vorteile eine Kooperation bietet und ob man für eine fehlende Kooperation in der Zukunft bestraft werden kann.

Daraus wiederum folgt auch, dass wir Leute, die nicht kooperieren, wenn sie es hätten machen, gerne bestrafen bzw sie gerne bestraft sehen wollen.

Und es bewirkt, dass man „Ingroups“ und Out-Groups“ (man könnte im Sinne dieses Artikels sagen: Rudel) bildet, damit man weiß, bei wem man eher Kooperation erwarten kann und bei wem nicht. Das hat viel Gutes gebracht, weil wir „unserer“ Rudel recht groß  machen können: Wo es früher vielleicht bestimmte kleinere Gruppen waren, sind es jetzt Länder, Länderzusammenschlüsse etc. Allerdings eben nicht absolut, wir haben „Schichten“ von In-Groups. Es hat auch viel Schlechtes gebracht, von Rassismus bis Kriegen

Näheres auch in: Die Evolution der Kooperation

Können wir `“Schwache“ ausschließen in einer Form von „Sozialdarwinismus“? Ja, wir müssen sie nur eine Outgroup zuordnen oder als Schmarotzer bezeichnen, die nichts zurückgeben.
Oder wir ordnen sie der In-Group zu und schützen sie als Teil der Gemeinschaft.

 

 

48 Gedanken zu “Der Mensch als Rudeltier

  1. Schmarotzer werden im großen wie im kleinem dazu angehalten, keine zu sein, also von der Familie, die sozialen Druck ausübt, oder von der Gesellschaft, die einen verpflichtet, Arbeiten anzunehmen.

    Jemanden umzubringen und sich alles von ihm zu nehmen wird als Mord bestraft. Auch ein interessanter Aspekt: Bestimmte Formen des evolutionären „Wettbewerbs“ wie Raub und Mord werden verboten.

  2. „Rudel“ halte ich nicht für das geeignete Wort. Es sei denn, man konzentriert sich auf einen engen Familienverbund. Bei Wölfen ist ein Rudel Vater, Mutter und Nachkommen. Niemand sonst paart sich. Wer sich paaren will, verlässt das Rudel.

    Schimpansen im Vergleich haben eine andere soziale Organisation. Eine Grossgruppe bildet zweckgebundene Kleingruppen. Die sich auch regelmäßig ändern. Sie haben nach meinem Verständnis meist keine sexuelle oder Fortpflanzungsbedeutung.

    Evolutionäre Organisation des Menschen vor der Entdeckung des Ackerbaus bestand nach meiner Kenntnis ebenfalls aus Grossgruppen mit ca. 150-200 Mitgliedern.

    Den Begriff „Rudel“ würde ich also nicht nutzen, er bezeichnet etwas anderes als menschliche, soziale Organisation.

  3. Die frühen Gemeinschaften sicherten das Überleben aber nicht unbegrenzt. In vielen Gesellschaften wurden Alte und Schwache einfach irgendwann zurückgelassen wenn sie nicht mehr mithalten konnten (20 – 30 km/d !). Und wer dem Gruppenstandard nicht entsprach wurde aus der Gruppe ausgestoßen.
    Daher ist der Rekurs vieler Linker auf diese „urkommunistischen“ Zustände (wobei keiner weiß ob damals Waffen und Haushaltsgeräte geteilt wurden oder als Mittel der Produktion allen gehörten) nicht zwingend eine gute Idee.

    • „Die frühen Gemeinschaften sicherten das Überleben aber nicht unbegrenzt. In vielen Gesellschaften wurden Alte und Schwache einfach irgendwann zurückgelassen wenn sie nicht mehr mithalten konnten (20 – 30 km/d !).“

      Hast du eine Quelle dafür? Klingt mir nicht sehr plausibel. Welche Eingeborenenstämme tun so etwas? Die meisten verehren ihre Alten und ihre Ahnen. Da muss die Not schon groß sein, wenn man die einfach sitzen lässt.

  4. Vielleicht ist der Mensch ein Rudeltier, aber inwieweit hat ein Rudel das Recht, ein Individuum, das nicht zum Rudel gehören möchte, in das Rudel zu zwingen und die Regeln des Rudels auch auf ihn anzuwenden?

    • Die Frage stellte sich vor der Erfindung des Sozialamtes nicht. Da war es wichtig, Teil des Rudels zu sein, und man hat sich den Regeln des Rudels unterworfen. Es sei denn man war Alphatier und war irgendwann (vom Rodel akzeptiert) in der Position Regeln aufstellen zu können. Wobei das auch Grenzen hat. Um m es mit meinem Liebstlingszitat aus John Borrmans „Der Smaragdwald“ zu sagen, als der Hauptdarsteller den Häuptling des Indigenen Völkchens auffordert er solle seinen Sohn Zwingen, mit ihm nach Hause zu gehen, er sei doch schließlich der Häuptling: „Wenn ich mein Volk zwingen würde etwas zu tun, was sie nicht wollen, wäre ich nicht mehr lange Häupfling“.

        • Nein eher nicht. Die wenigsten Menschen waren vor 2000 Jahren in der Lage alleine zu überlebenden, Klar wird es auch damals schon den Typen „Trapper“ gegeben haben, der neue Lebensräume erschließt, aber der wird die absolute Ausnahme gewesen sein.

          • Ich denke wir reden aneinander vorbei. Selbst wenn es eine Notwendigkeit gibt, in einem Rudel zu leben stellt sich die Notwendigkeit der Frage, wie dieses Rudel organisiert ist und wieviel Freiraum das Rudel dem Einzelnen lässt.

            Bsp 1: Ich bin ein guter Speerfischer. Aber muss ich mich deshalb mit einer Frau verpaaren?

            Bsp 2: Ich kann gut Felle zu Kleidung vernähen. Darf ich die geile Schnalle aus Rudel 2 vögeln oder darf das nur der Rudelchef?

          • „Bsp 1: Ich bin ein guter Speerfischer. Aber muss ich mich deshalb mit einer Frau verpaaren?“

            Aus Sicht der Gruppe ist es zweifellos ein Gewinn, dich dabei zu haben, solange du der Gruppe etwas abgibst. Und für den guten Speerfischer wäre es vorteilhaft einiges abzugeben, gerade ohne Kinder, es gibt ja keine Speerfischeralterskasse. (Wobei ich keine Ahnung habe bis zu welchem Alter man ein guter Speerfischersein kann)

            „Bsp 2: Ich kann gut Felle zu Kleidung vernähen. Darf ich die geile Schnalle aus Rudel 2 vögeln oder darf das nur der Rudelchef?“

            Das kommt auf a) die Schnalle an bzw b) die Eltern dieser Schnalle, was wiederum in b sich vielleicht danach entscheidet wieviel Auskommen dir deine Fellkleidung so bringt.

          • „Das kommt auf a) die Schnalle an bzw b) die Eltern dieser Schnalle, was wiederum in b sich vielleicht danach entscheidet wieviel Auskommen dir deine Fellkleidung so bringt.“

            Möglicherweise kommt es auch auf den Rudelchef und die Regeln beider Rudel an.

            Regeln gibt es immer, die Frage ist, wie sehr greifen diese Regeln in die Freiheit des einzelnen Rudelmitglieds ein. Es ist ja nicht so, als wäre die Frage so neu. Das beschäftigt jede Gesellschaft seit Anbeginn der Menschwerdung.

        • Warum nicht?

          Wie soll Recht denn sonst funktionieren, denn als Verabredung der Gemeinschaft?

          Dein Plädoyer, Recht und Sitte komplett abzuschaffen, würde das Leben für fast alle deutlich schlechter machen als ein System, das für einzelne suboptimal ist.

          Sicherheitshalber, weil man ja jeder Dummheit heutzutage ein Caveat vorschieben muss: Ich spreche mich NICHT dafür aus, Schwule zu verfolgen. Ich sage nur: Eine Gesellschaft, in der es keinerlei Regeln gibt, funktioniert nicht.

        • „Ich sage nur: Eine Gesellschaft, in der es keinerlei Regeln gibt, funktioniert nicht.“

          Und wo steht, dass ich mich für eine Gesellschaft ohne Regeln ausgesprochen habe? Hier noch einmal meine modifizierte Auusage:

          „Regeln gibt es immer, die Frage ist, wie sehr greifen diese Regeln in die Freiheit des einzelnen Rudelmitglieds ein. Es ist ja nicht so, als wäre die Frage so neu. Das beschäftigt jede Gesellschaft seit Anbeginn der Menschwerdung.“

          Manchmal glaube ich wirklich, ich lebe in einer Gesellschaft, in der es weder NS noch DDR gegeben hat und niemand eine Ahnung hat, warum es überhaupt so etwas wie Grundrechte gibt:

          Person A: „Wie können wir eine totalitäres System verhindern?“

          Deutsche: „ABER ES MUSS DOCH REGELN GEBEN!“

          Man, man, man…

          • Dein Problem ist wohl, dass du so schlampig formulierst.
            „Hat eine Gesellschaft das Recht, ihre ganz eigenen Regeln zu setzen?“ ist halt eine ganz ganz ganz andere Frage als „Welche Regeln findest DU gut und welche nicht?“

            Die Muslime haben das Recht, ihre Gesellschaft so zu gestalten, wie sie wollen und du hast nicht das geringste Recht, ihnen dieses Recht abzusprechen. Du hast das Recht, ihnen zu sagen: „Ich finde nicht gut, was ihr macht“, während sie das Recht haben, dir zu sagen: „Uns doch egal“.

            Selbst „Wie können wir eine totalitäres System verhindern?“ ist ausgesprochen schlampig formuliert.
            Meinst du: „Wie können wir verhindern, dass unser System totalitär wird“ oder „Wie können wir verhindern, dass ein anderes Land totalitär wird?“ oder „Wie können wir verhindern, dass ein anderes Land totalitär wird, ohne dass unser Land sich diesem Land gegenüber totalitär verhält?“

            Und wieso setzt du „Ich darf nicht ficken, wen ich will“ mit „totalitär“ gleich?

          • „Die Muslime haben das Recht, ihre Gesellschaft so zu gestalten, wie sie wollen und du hast nicht das geringste Recht, ihnen dieses Recht abzusprechen.“

            Ich würde es anders formulieren. Ein Gruppenrecht steht nicht höher über dem Recht des Individuumms auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück. Fairness und Ausgleich ist innerhalb einer Gruppe m.E. zwingend notwendig, um die Individuen zufrieden zu stellen und die Gruppe langfristig stabil zu halten.

            Wäre es anders bräuchten wir nicht über die Benachteiligung von Männern in unserer Gesellschaft zu diskutieren. Sondern könnten einfach sagen: „Die Deutschen haben halt das Recht, ihre Gesellschaft so zu gestalten wie sie wollen und Männer scheiße zu behandeln.“

          • „Und wieso setzt du „Ich darf nicht ficken, wen ich will“ mit „totalitär“ gleich?“

            Tu ich nicht. Ich dachte es klingelt irgendwas – von wegen deutsche Geschichte und so. Aber das ist wohl schon zu lange her…

    • inwieweit hat ein Rudel das Recht, ein Individuum, das nicht zum Rudel gehören möchte, in das Rudel zu zwingen

      Inwiefern bestand denn dieser Zwang?

        • Wenn ein Rudel totalitär ist, sind dann nicht automatisch auch seine Mitglieder totalitär? Denn ansonsten gäbe es ja eine totalitäres Rudel innerhalb des Rudels.

          • Wie totalitär darf ein Rudel gegnüber seinen Rudelmitgliedern sein.

            Dann ergibt dieser Satz aber keine Sinn, da ein Rudel ja gar nicht totalitär gegenüber seinen Mitgliedern sein kann, wenn diese alle nicht totalitär sind.

          • Dann handelt es sich aber um zwei Rudel, nämlich ein Rudel A mit totalitären Mitgliedern und ein Rudel B mit nicht totalitären Mitgliedern, das von Rudel A unterdrückt wird. Dies widerspricht aber deiner ersten Aussage, wonach es nur ein Rudel gibt. Denn ein Rudel kann ja nicht totalitär gegenüber sich selbst sein, da die totalitäre Einstellung ja nur auf einen Teil seiner Mitglieder zutrifft. Deine Aussage müsste eher lauten: wie totalitär dürfen Mitglieder eines Rudels gegenüber den anderen Mitgliedern sein.

          • Gar nichts. Aber deine Formulierung war falsch. Du sprachst von einem Rudel und nicht von Mitgliedern eines Rudels.

        • Ein Rudel (ich würde „Menschengruppe“ präferieren) sagt einem Misfit irgendwann ganz simpel: „Pass dich an oder verpiss dich!“
          Wer dann nicht geht (zumindest ganz an den Rand der Gruppe) wird platt gemacht. Die „Überschüsse“ die so eine Gruppe erwirtschaftet reichen einfach nicht für viel Unnützes und wer Stress macht kostet. Dann ist das Überleben der Gruppe wichtiger als das des Einzelnen.
          Moderne Gesellschaften erwirtschaften viel höhere Überschüsse und können Misfits ein Stück weiter ertragen. Aber auch nicht beliebig.

          • „Pass dich an oder verpiss dich!“

            Ja, und da geht es doch los. Inwieweit ist ein Anpassen gerechtfertigt? Dient dieses Anpassen wirklich nur dem Überleben der Gruppe oder dient es nur dazu, Macht auszuüben?

          • @ Adrian: Ich antworte mir einmal selber da ich auf https://allesevolution.wordpress.com/2022/01/17/der-mensch-als-rudeltier/#comment-657693 nicht mehr antworten kann:
            Wir reden hier von Gruppen/Rudeln die immer wieder an der Grenze zum Verhungern stehen. Alle unabgestimmten Verhaltensweisen verringern die Marge zum Abgrund. Jedes sozial lebende Tier das keine Lösung gefunden hat, mit Misfits umzugehen ist ausgestorben.
            Und sieht man sich Stammesgesellschaften an sind die durchweg von starker sozialer Kontrolle geprägt. Da steht kein bewusster „Wille“ dahinter. Das ist genetisch fest verdrahtet nachdem ungezählte Generationen mit diesem Vorgehen überlebt haben. Was abweicht wird an den Rand gedrängt und muss auf Nutzung von Ressourcen der Gemeinschaft verzichten.
            Was wiederum eine „Abweichung“ darstellt ist verschieden und relativ zu existierenden Traditionen. Die Hebräer haben Homosexuelle gehasst, die Prärieindianer haben sie als eigenes Geschlecht akzeptiert (aber auch wieder mit vorgegebenem Verhalten) und die Römer haben Schwule nur als aktiven Part akzeptiert.
            Solche Traditionen verändern sich zwar auch, aber i.d.R. sehr langsam und nur schrittweise um sicherzustellen, dass die Veränderungen keine kritischen Folgen haben.

          • Eher nicht, es wird sagen: Wir haben hier jetzt das Sagen, also tu, was wir von dir verlangen und beschwer dich nicht. Es nützt dir eh nichts.
            (Warum fällt mir da jetzt das Beispiel ein, dass die Muslime die Sharia hier in Deutschland einführen, und alle früheren Bewohner zum Mitmachen zwingen. Auswandern ist nicht … 😉 )

  5. Über die Frage, ob der Mensch ein Rudeltier ist oder nicht, kann man Vieles sagen.
    Daß der Mensch ein SOZIALwesen ist, ist dagegen unbestritten; dies ergibt sich bereits aus seiner nach Geburt, und lange Zeit danach, fehlende Überlebenfähigkeit, wäre er auf sich allein gestellt.
    De Mensch ist aber nicht NUR Sozialwesen; vielmehr ist er Individuum UND Sozialwesen zugleich…

  6. Es stimmt, dass insbesondere die Frühmenschen ohne Zusammenhalt in einer größeren Gruppe kaum eine Überlebenschance gehabt hätte.
    Es gibt und gab aber auch immer freiwillige Einzelgänger, die lieber ihren eigenen Weg gehen, als ständig mit ihren „Stammesgenossen“ zusammenzuhängen.

    Bei unsere nahen Verwandten leben Gorillas und Schimpansen zwar in Gruppen, aber die Orang-Utans einzeln. Kontakt mit Artgenossen haben sie nur zwecks Paarung oder zur Aufzucht des Nachwuchses.

    • Er spricht auch vieles dafür, dass unsere gemeinsamen Vorfahren mit anderen Primaten in Gruppen gelebt haben, bei denen man nicht nur als Gruppe unterwegs warm, sondern auch in teilgruppen oder über gewisse Zeit alleine um dann zb abends wieder zusammen zu finden (Fission–fusion)

  7. Die Leistung anderer anzunehmen und nichts zurückzugeben ist etwas, das in einem funktionierenden Sozialgefüge schnell unterbunden wird. Durch Ausschluss.
    Habe ich erstaunlich gut funktionieren sehen, als mein Sohn gelarpt hat. Da sind 70 Kindern im Bergedorfer Gehölz unterwegs gewesen und haben Ritter „gespielt“ (LARP hat da sehr strenge Regelsets https://de.wikipedia.org/wiki/Live_Action_Role_Playing). Ich habe es nicht einmal erlebt, dass sie wirklich zerstritten aus dem Wald kamen. Obwohl nur zwei Abiturienten als Spielleiter dabei waren, die natürlich nichts das ganze Spielfeld im Blick hatten (das Waldstück ist insgesamt knapp 2 Quadratkilometer groß und das Spiel erstreckte sich über ca. ein Viertel davon). Kinder, die sich nicht an die Regeln hielten, wurden durch Ausgrenzung sehr schnell wieder auf Spur gebracht. Es spielte halt keiner mehr mit ihnen und sie durften dann alleine durch den Wald rennen.
    In Rudel oder Menschengruppen funktioniert das ähnlich. Es ist mittlerweile durch Studien recht gut belegt, dass Menschen lieber auf eigene Vorteile verzichten, als dass sie es akzeptieren, dass andere Gruppenmitglieder sich unlautere Vorteile verschaffen.

    • Es ist mittlerweile durch Studien recht gut belegt, dass Menschen lieber auf eigene Vorteile verzichten, als dass sie es akzeptieren, dass andere Gruppenmitglieder sich unlautere Vorteile verschaffen.

      Ist vielleicht auch eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung. Einerseits verzichte ich auf meinen eigenen Vorteil (Kosten), andererseits funktioniert durch anerkannte Regeln das Spiel, wodurch ich Spaß gewinne.

  8. Die politische Linke hält ja heute leider nichts mehr von Kooperation, was direkt aus der Tatsache abgeleitet werden kann, dass sie alle soziale Transaktion als hartes Nullsummenspiel sieht, hier siehe das wieder mal, was Oxfam verzapft hat:

    Da gibt es dann nur noch ein Befehlen und Gehorchen und eine autoritäre Führungsstruktur, die die Gesellschaft, das „Rudel“ durchziehen muss, wenn man alles nur als Nullsummenspiel begreifen kann.

    Oxfam versteift sich dagegen auf eine krude Null-Summen-Rhetorik: Was die Reichen gewinnen, geht auf Kosten der Ärmeren, also muss man nur den Reichen genug Geld wegnehmen – und sie in die Geschichtsbücher verbannen.

  9. Der Begriff „Rudel“ (https://www.wortbedeutung.info/Rudel/) im Zusammenhang mit Menschen trifft in zivilisierten Gesellschaften allenfalls z.B. auf kindlich-spielerische Ausnahmesituationen oder sogenannte „Halbstarke“ zu.
    Im Zuge von „replacement migration“ (https://www.gatestoneinstitute.org/10525/europe-population-replacement) beobachten wir aber auch hier zunehmend Rudel-Verhalten in Form von mehr oder weniger spontanen Zusammenschlüssen von „Cousins“ (i.d.R. per Handy) kurzfristig herbeitelefoniert zur Demonstration von „Stärke“, aber auch in Form von Rudel-Vergewaltigung (Kölner und Mailänder Domplatte; Vorkommnisse in Freiburg und Hamburg mit weiblich-jugendlichen Opfern, etc.; https://www.bedeutungonline.de/was-bedeutet-taharrush-gamea/).

  10. „Das hat viel Gutes gebracht, weil wir „unserer“ Rudel recht groß machen können: Wo es früher vielleicht bestimmte kleinere Gruppen waren, sind es jetzt Länder, Länderzusammenschlüsse etc. Allerdings eben nicht absolut, wir haben „Schichten“ von In-Groups. Es hat auch viel Schlechtes gebracht, von Rassismus bis Kriegen“

    Das ist die Diskussion um „Gruppen“, wie wir sie schon einige Male hatten.

    Das Rudel ist laut Definition eine Kleingruppe:
    „Ein Rudel ist eine geschlossene Gruppe, weil die Mitglieder eines Rudels nicht beliebig austauschbar sind. Ebenso ist es eine individualisierte Gruppe, weil die Mitglieder der Gruppe sich untereinander kennen.“

    Beides trifft auf Großgruppen, z.B. Nationen, nicht zu. Ich weiß zwar, wie es gemeint ist, aber mangelnde Trennschärfe führt hier schnell zu falschen Verallgemeinerungen. Eine Großgruppe funktioniert nämlich auf fatale Weise anders, als eine Kleingruppe.

    In der Kleingruppe hat eine Person i.d.R. eine Funktion. Eine Person die man kennt, die man einschätzen kann, mit der man sprechen kann und der man im Extremfall auch mal ein Messer in den Rücken stecken kann. Reibungslose Zusammenarbeit, Ehrlichkeit, Kooperation usw. gewährleistet den Erfolg und das Überleben der Gruppe.

    In der Großgruppe werden hingegen alle wichtigen Funktionen wiederrum von (i.d.R. Groß-)Gruppen ausgeführt, was mannigfache Nachteile mit sich bringt, insbesondere wenn man keiner dieser speziellen Funktionsgruppen angehört, sondern zur Mehrheit des unspezialisierten Fußvolkes gehört!

    Jede dieser Gruppen läuft zudem Gefahr, ihr eigenes Wohlergehen über das der Gesamtheit zu stellen, sich sozusagen an den anderen schadlos zu halten. Ehrlichkeit und Kooperation bleiben schnell auf der Strecke und man wird diese Gruppen auch nicht mehr so einfach los (Parteien, Massenmedienkonzerne, Gewerkschaften, Behörden etc.), insbesondere, wenn sie sich ans Plündern des Fußvolkes gewöhnt haben und sich gegenseitig decken, „Messer in den Rücken“ ist in dem Fall (leider) keine praktikable Lösungsmöglichkeit.

    Aus dieser Situation ergeben sich auch all die negativen Dynamiken, die man Nationen zuschreibt. Die Gruppe, welche den Krieg anordnet, ist für denjenigen, die sich abknallen lassen müssen, unerreichbar (die kennen sich i.d.R. auch nur noch indirekt, über die Medien). Die erstere Gruppe erhofft sich eine Ausweitung ihrer Macht und Ressourcen, die Letztere muss vielfältig und hart dafür zahlen…

  11. Rob Henderson hatte diese Woche in seinem Newsletter einen Beitrag, der ganz gut illustriert, warum eine Gesellschaft, die vorgeblich schwerpunktmäßig auf „Liebe und Mitgefühl“ setzt, nicht funktioniert.

    Seit amerikanische Colleges eine Opfersituation bei der Zulassung schwerer gewichten als die SAT Ergebnisse, haben Kinder aus reichem Hause NOCH bessere Karten, einen Platz zu kriegen, als vorher. Studenten mit Bildungshintergrund können das Opfer-Lied wesentlich besser und effizienter singen als Leute, die tatsächlich in den Rändern der Gesellschaft aufgewachsen sind.

    In the opening scene of the 2010 film “The Social Network,” the Mark Zuckerberg character asks, referring to the Harvard student body, “How do you distinguish yourself in a population of people who all got 1600 on their SATs?”

    Victimhood narratives seem to be the answer elite colleges have provided.

    A recent story in The Chronicle of Higher Education tells the story of a student named Mackenzie Fierceton at the University of Pennsylvania who, the article suggests, embellished her background. Fierceton described herself as a first-generation, low-income, former foster youth in her application to the Ivy League university and, later, the Rhodes Scholarship. After two investigations, one by Penn and one by Rhodes, the university is reportedly withholding Fierceton’s degree and she has subsequently withdrawn from the scholarship.

    The story delves into her background, describing how she had grown up in an affluent suburb of St. Louis with her mother, a radiologist, and attended private schools.

    Fierceton indeed spent less than a year in foster care during her final year of high school, but the reasons why are unclear.

    My blood boiled when I read that in her Rhodes statement, describing the turmoil of herself and her foster siblings, Fierceton wrote, “Why does this keep happening to us?” Us?

    As someone who never knew my father and grew up in foster homes after my mother succumbed to a drug addiction, I couldn’t imagine myself or my foster siblings putting Fierceton in the same category as ourselves.

    And even if she did not embellish her backstory, she had plenty of reason to. Elite universities incentivize victimhood.

    The Chronicle describes a NYT op-ed by a high-school senior who confessed that college advisers told him, „sell your pain.“

    In my first year at Yale, I spoke with a fourth year student who told me he had grown up poor, and that his dad was a construction worker. Months later, he revealed to me that his father in fact owned a construction company, and that he’d grown up in a nice house in Scarsdale.

    I asked him why he told me he’d been poor. He replied, “Because it makes a better story.”

    How many supposedly underprivileged students admitted to elite universities are truly underprivileged? For every Mackenzie Fierceton we learn about, how many embellishments and outright fabrications go undiscovered?

    Beyond gaming college admissions, there is also widespread dishonesty in the universities themselves, perhaps because they select for deceitful students.

    As an undergraduate at Yale in 2018, I knew of students falsely claiming to have dyslexia in order to bypass the foreign language requirement. This is consistent with a 2018 report, indicating a sharp uptick in special accommodations for students with learning disabilities.

    Cheating was widespread on campus. When I had to take military examinations for promotion, before we began, a proctor collected everyone’s phones. In college, students would go to the bathroom in the middle of a midterm and scroll their phones to check their notes. In 2019, the year after I graduated, the Yale Daily News found that 14 percent of students admitted to academic dishonesty. In 2021, the number doubled to 28 percent. Another 2015 survey at Harvard found that 1 in 4 of their first year students acknowledge cheating prior to matriculation.

    Plainly, duplicity is pervasive at elite colleges, which champion moral rectitude while incentivizing dishonesty. And now it seems that people want Fierceton to be a scapegoat—someone to condemn for doing what her peers are doing, and have been doing for years.

    Some might simply ask, “Why not just select students on merit?”

    The fact is, Fierceton had a stellar academic record (“one B-plus in chemistry short of straight A’s” according to The Chronicle), as do most students at Ivy League colleges.

    It appears these institutions are filtering for students who are at once academically adept and socially strategic in how they portray themselves.

    And ironically, affluent people can figure out the ways they are marginalized more fluently.

    As a brief example of this, I recently re-listened to a discussion between Patrice O’Neal and Marc Maron.

    Bill Burr and Louis C.K., among others, have stated that Patrice O’Neal was their favorite comedian before he died in 2011.

    In the middle of his conversation with Maron, O’Neal described how he didn’t realize until he was 40 years old that he had grown up without a father. He didn’t know what it meant to have a father, and the role such a figure plays in the life of a young man. Because O’Neal had never had a dad and a lot of the people without him were also fatherless, it hadn’t occurred to him until relatively late in his life what a sharp lack it was.

    The first time I heard this a few years ago, it hit me pretty hard. I knew exactly what he was talking about. Even though it had never really surfaced in my mind as a conscious thought before.

    This phenomenon is why it took someone like George Orwell, who grew up with privilege, to go to the slums and write about it in a way other affluent people would care about. I had to spend time around upper middle class before understanding how to describe my life in a way they would comprehend.

    Marginalized people often have difficulty detailing their hardships in a way others can understand.

    As colleges continue to ditch standardized testing requirements, victim narratives in college essays will proliferate because applicants will want to stand out among the competition.

    Naturally, the most applicants from affluent families will excel at this game. They already do. In fact, a recent study found that family income is more highly correlated with admissions essay content than with SAT scores.

    As elite colleges attempt to admit more students with underprivileged backgrounds, they also create incentives for applicants from well-to-do families to accentuate their supposedly marginalized identities. Rather than incentivizing victimhood, these institutions should direct their attention to reconfiguring the pervasive, deceitful culture they have cultivated.

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    • LOL…da musste man dem Vaterlosen erst klar machen, dass er in eine Opferkategorie gehört, weil er bis 40 sich dessen gar nicht bewusst war?:D
      Auch Megalustig wäre, wenn der ganze LGBTQ Genderstudy Quark am Ende nur dazu dient, den Afluenten aller Ethnien den Weg zu zeigen, wie man in der heutigen Gesellschaft den begehrten Opferstatus erreicht und das Narrativ der Diskriminierung auf dem Niveau von Diskriminierten spinnt und damit am Ende wieder in die „ausbeutende“ Kaste zu gelangen…ziemlich amüsant.
      Hoffentlich bekommen die Randgruppen, für die man vorgibt sich einzusetzen, das nicht mit, sonst wird das angepasst und man muss am Ende den Opferstatus mit körperlichen Gebrächen nachweisen…Bein ab für Studienplatz, damit man sich gegen die anderen Highsociety gören ,die alle tun als wären sie arm, durchsetzen kann:D

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