Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

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Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Die Geschichte der Evolutionstheorie: Robert Chambers

Im Jahre 1844, also 15 Jahre vor Darwins Buch „On the Origins of Species“ (1859) erschien ein Buch, welches für einen erheblichen Wirbel sorgte. Es handelt sich um „Vestiges of the Natural History of Creation“ (deutsch: Spuren der Naturgeschichte der Schöpfung)  und es wurde anonym veröffentlicht, Der Name des Autors, des 1871 verstorbenen schottischen Verlegers Robert Chambers, wurde erst in der 1884 posthum erschienenen 12. Auflage des Buches offengelegt.

Der grobe Inhalt war die Idee, dass ein Gott allenfalls, wenn überhaupt, die Grundlage geschaffen hat und sich dann die übrigen Tiere und auch der Mensch „natürlich“ entwickelt haben.

Aus der Wikipedia:

The work puts forward a cosmic theory of transmutation as the „natural history of creation“ which we now call evolution. It suggests that everything currently in existence has developed from earlier forms: solar system, Earth, rocks, plants and corals, fish, land plants, reptiles and birds, mammals, and ultimately man.

The book begins by tackling the origins of the solar system, using the nebular hypothesis to explain its formations entirely in terms of natural law. It explains the origins of life by spontaneous generation, citing some questionable experiments that claimed to spontaneously generate insects through electricity. It then appeals to geology to demonstrate a progression in the fossil record from simple to more complex organisms, finally culminating in man—with the Caucasian European unabashedly identified as the pinnacle of this process, just above the other races and the rest of the animal kingdom.[3]

Auch hier sieht man wieder, dass die Evolutionstheorie  nicht einfach bei Darwin entstanden ist und es keine Vorläufer gab, die den Weg bereitet haben. Es  passt mal wieder das Gleichnis, dass der jeweilige Wissenschaftler ein Zwerg ist, der auf den Schultern von Riesen sitzt. Was den Wert von Darwin nicht mindern soll, er war derjenige, der die Mechanismen dieser Entwicklung erst richtig herausgearbeitet und entwickelt hat und insoweit aus einer groben These eine echte Theorie gemacht hat.

Man sieht auch erneut die starke Verknüpfung der Biologie mit der Geologie in der damaligen Zeit, denn die Geologie brachte eine Vielzahl von Fakten in die Diskussion, für die man Erklärungen brauchte und an denen man schwer vorbeikommen konnte. Zum einen war da das Alter verschiedener Gesteinsschichten, aber auch die Fossilien mit erkennbar heute nicht mehr existierenden Tieren, die irgendwann einmal auf unserer Erde gelebt haben mussten.

Das Gedankengebäude war hier noch ein ganz anderes, man hing noch einer Fehlannehme an, die auch heute noch verbreitet ist, nämlich einer Entwicklung mit einem bestimmten Ziel, insbesondere einer stetigen Höherentwicklung. Deswegen musste alles in eine Reihenfolge gebracht werden und natürlich musste dann der europäische Mensch in dieser falschen Hierarchie ganz oben stehen.
Heute wissen wir, dass Evolution kein Ziel verfolgt und keinen Sinn hat und auch keine moralische Wertung oder eine Hierarchie enthält, es ist einfach ein Prozess zufälliger Mutationen, die dann selektiert werden nach deren Fähigkeit Gene in die nächste Generation zu bringen. Dabei kann nicht in die Zukunft geschaut werden, wie der Dodo zeigt oder ein Plan verfolgt werden.

 It even goes so far as to connect man’s mental reasoning power with the rest of the animals as an advanced evolutionary step that can be traced backwards through the rest of the lower animals. In this sense, the evolutionary ideas offered in Vestiges aim at being complete and all-encompassing.

Die Wikipedia enthält dazu ein Bild:

Diagram from the first edition shows a model of development where fish (F), reptiles (R), and birds (B) represent branches from a path leading to mammals (M).

Andere Arten sind hier also nur Abspaltungen eines  Weges des sozusagen eigentlich wichtigen Tieres bzw letztendlich des Menschen oder lassen sich zumindest so darstellen.

It contains several comments worthy of repetition in light of more recent debates, such as regarding Intelligent Design. For example:

Not one species of any creature which flourished before the tertiary (Ehrenberg’s infusoria excepted) now exists; and of the mammalia which arose during that series, many forms are altogether gone, while of others we have now only kindred species. Thus to find not only frequent additions to the previous existing forms, but frequent withdrawals of forms which had apparently become inappropriate – a constant shifting as well as advance – is a fact calculated very forcibly to arrest attention. A candid consideration of all these circumstances can scarcely fail to introduce into our minds a somewhat different idea of organic creation from what has hitherto been generally entertained. (p. 152)

In other words, the fact of extinction — which can be observed in the fossil layers —suggests that some designs were flawed. From this, the author concludes:

Some other idea must then come to with regard to the mode in which the Divine Author proceeded in the organic creation. (p.153)

But the suggestion is not a mechanism, as Darwin would propose fifteen years later. The author merely notes that a continually active God is unnecessary:

Er bringt hier also, wenn auch nicht so deutlich ausformuliert, den Ansatz, dass es gegen einen andauernden Schöpfungsprozess eines Gottes spricht, dass bestimmte Tiere ausgestorben sind, also anscheinend nicht hinreichend an ihre Umwelt angepasst waren.

Das Argument würde uns vielleicht heute nicht mehr so überzeugen, weil wir davon ausgehen würden, dass die Tiere ja nur an ihre damalige Umwelt angepasst sein mussten und die sich verändern kann. Aber für die damaligen Christen war es schon ein brisanteres Argument, denn ein allwissender Gott hätte ja das Tier schon so kreieren können, dass es auch auf die Änderungen vorbereitet war. Die Frage inwieweit Arten ausgestorben waren, war also eine Frage, die als Kritik an einem allwissenden Gott verstanden werden konnte bzw als Gotteslästerung bzw Bestreiten, dass es überhaupt einen Gott ist.
Ins gleiche Horn stieß die These, dass ein Gott in dem Prozess gar nicht nötig sein sollte, der natürlich mit der Schöpfungsgeschichte nicht in Einklang zu bringen ist und damit die Bibel angreift.

Dazu geht es auch gleich weiter:

…how can we suppose that the august Being who brought all these countless worlds into form by the simple establishment of a natural principle flowing from his mind, was to interfere personally and specially on every occasion when a new shell-fish or reptile was to be ushered into existence on one of these worlds? Surely this idea is too ridiculous to be for a moment entertained. (p.154)

Also das Argument, dass es ein Prinzip gibt, dass sich das Höhere aus dem niedrigen entwickelt und das von einem Gott so eingerichtet ist und es dann keinen Sinn macht, wenn dieser Gott dennoch immer wieder für jedes neue Reptil selbst eingreifen müsste.

Und das wird dann auch noch als zu lächerlich als das man überhaupt darüber nachdenken muss, bezeichnet. Das ist eben der Vorteil der Anonymität. Man kann einfach solche Thesen deutlich freier schreiben als wenn man dann gleich den kirchlichen Bannhammer spürt.

He furthermore suggests that this interpretation may be based upon corrupt theology:

Thus, the scriptural objection quickly vanishes, and the prevalent ideas about the organic creation appear only as a mistaken inference from the text, formed at a time when man’s ignorance prevented him from drawing therefrom a just conclusion. (p.156)

And praises God for his foresight in generating such wondrous variety from so elegant a method, while chastening those who would oversimplify His accomplishment:

To a reasonable mind the Divine attributes must appear, not diminished or reduced in some way, by supposing a creation by law, but infinitely exalted. It is the narrowest of all views of the Deity, and characteristic of a humble class of intellects, to suppose him acting constantly in particular ways for particular occasions. It, for one thing, greatly detracts from his foresight, the most undeniable of all the attributes of Omnipotence. It lowers him towards the level of our own humble intellects. Much more worthy of him it surely is, to suppose that all things have been commissioned by him from the first, though neither is he absent from a particle of the current of natural affairs in one sense, seeing that the whole system is continually supported by his providence. (pp.156–157)

Für die damalige Zeit sicherlich auch ein Ansatz, der einfacher zu kommunizieren war. Es gibt ja einen Gott, er hat nur schlauer agiert als ein Handwerker, sondern eher wie ein König, der die Gesetze der Entstehung schafft und dann nicht mehr einschreiten muss, weil das von ihm konzipierte System eben gut funktioniert.

In der Wikipedia zu den Auswirkungen auf die Publikationen von Darwin:

Following its publication, there was increasing support for ideas of the coexistence of God and Nature, with the deity setting Natural Laws rather than continually intervening with miracles. It is perhaps for this reason that Origin of Species was accepted so readily, upon its eventual publication.

On the other hand, the knowledge of the scandal and experience of the reaction of his scientist friends confirmed Darwin’s reluctance to publish his own ideas until he had well researched answers to all possible objections (though, in the end, Darwin had to publish earlier than he had wanted to anyway).

Darwin hatte 1834, also 10 Jahre vor dem Buch von Robert Chambers, bereits mit der Ausarbeitung seiner evolutionären Theorien begonnen, nachdem ihm Maltus noch einmal deutlich gemacht hatte, wie eine Selektion aussehen kann. 1844 wurde ihm durch das Buch von Chambers und die auch sehr heftige Kritik daran deutlich, dass er erheblichen Widerstand haben wird. Er fing dann lange Studien an Flußrankenkrebsen (Barnacles) an und als ihm diese zu uninteressant wurden begann er Tauben zu untersuchen, bei denen Einigkeit bestand, dass die dann verbreiteten Zuchttauben aus einer Wildart hervorgegangen waren und sich durch Zucht die verschiedensten Arten entwickelt hatten. In der Tat schien er die Publikation seines Buches herauszuzögern. Erst als er 1859 einen Brief von Russel Wallace erhielt, in dem er ihn ein Paper übersandte, welches sich ebenfalls mit Evolution beschäftigte, hielt er zunächst eine Präsentation seines und des Papers von Russel Wallace und brachte dann ein Jahr später, 1859 sein Buch, an dem er dann 25 Jahre geschrieben hatte, heraus.

In der Wikipedia findet sich eine Darstellung, wie das Buch von Chambers aufgenommen worden ist. Da sieht man, dass es ein Kampf Kirche vs Aufklärung war. die Idee aber viele schon dort überzeugt hat. In der Hinsicht hat Chambers mit seinem anonymen Buch für Charles Darwin den Boden vorbereitet, die Idee war wenn auch in einer anderen Form bereits bei einem gewissen Teil der gebildeteren Bevölkerung angekommen. Einige der Kämpfe waren bereits geführt, es musste nicht ganz vorne angefangen werden.