Biologismus, Sexismus und Heteronormativität?

Die Mädchenmannschaft berichtet ebenfalls über Tränen und Pheromone:

Feministing berichtet wieder einmal vom Dreier schlechthin – Biologismus, Sexismus und Heteronormativität: Der Geruch von weiblichen Tränen soll den Testosteron-Spiegel von Männern sinken lassen, so eine neueste Studie. Nicht nur das: Weil Männer triebgesteuerte Wesen sind, die nur über Hormone zur Interaktion befähigt werden, wollen sie im Angesicht tränenreicher Frauen auch gleich keinen Sex mehr. Also Ladys, wenn ihr mal wieder kein Bock auf ‘ne schnelle Nummer mit ihm habt, einfach losflennen. </ironie off>

Die Vorwürfe mal kurz überprüft:

1. Biologismus

Warum sich hierunter Biologismus verbergen soll verstehe ich nicht. Das Riechen an mit weiblichen Tränen getränkten Stoffen senkte den Testosteronspiegel ab, eine Salzlösung, die (wahrnehmbar) genauso roch, wie die Tränen aber nicht. Das Tränen Pheromone enthalten können war bereits zuvor nachgewiesen worden. Das eine mögliche Erklärung damit ist, dass der durch Testosteron geregelte Sexualtrieb abgemildert werden soll ist dann eine mögliche Schlußfolgerung, die nachvollziehbar ist. Es ist eine THESE, die die Wissenschaftler nach eigenen Angaben weiter überprüfen wollen. Die Männer wollten auch nicht „im Angesicht tränenreicher Frauen“ sondern nach dem Riechen an Stofffetzen weniger Sex (nicht gar keinen Sex).

Interessanterweise wird der zugrundeliegende Artikel auch bei Feministing kritisiert, wo man in den Kommentaren schon einen „science editor“ bei Feministing wünscht.

2. Sexismus

Vielleicht könnte die Mädchenmannschaft noch erklären, warum die Forschung an sich sexistisch ist. Weil sie davon ausgeht, dass Frauen eher ein Interesse daran haben unliebsame Lust von Männern abzuwenden? Ich dachte das wäre feministisches 101, schließlich leben wir ja in einer Rape Culture. Weil es davon ausgeht, dass Frauen weinen? Wohl auch nicht. Weil nur Frauentränen untersucht wurden? Irgendwo muss man ja wohl anfangen, und Frauentränen waren objektiv einfacher zu beschaffen.

The researchers are currently studying men’s emotional tears, so the scientific implications of, say, the weeping of the new House speaker, John A. Boehner, remain an open question. But Dr. Sobel said he believed that men’s tears would also turn out to transmit chemical signals, perhaps serving to reduce aggression in other men.

Dr. Sobel said the researchers started with women because when they advertised for “volunteers who can cry with ease,” they could not find men who were “good criers,” readily able to fill collection vials. Fortunately, he said, “we have a male crier now.”

3. Heteronormativ

Richtig, jede Forschung, die nicht alle Geschlechter umfasst und alle möglichen Kombinationen ist heteronormativ. Es ist ja unwesentlich, dass die Forschung erst einmal grundlegendes über Tränen herausfinden wollte und daher zunächst auf heterosexuelle Paare abstellt, bei denen die Tränen am einfachsten zu besorgen sind und am einfachsten zu testen sind.

Oder ist damit nur der Titel gemeint? Das also der Geruch weiblicher Tränen bei allen Männern wirkt und damit unbeachtet bleibt, dass dies bei Schwulen anders sein kann? Das wäre feministisch interessant. Welcher Vorgang genau bewirkt denn, dass Pheromone auf homosexuelle Männer anders wirken als auf heterosexuelle Männer? Müsste da eine tatsächlich queer denkende Feministin nicht entweder annehmen, dass Pheromone mit einer geschlechtsbezogenen Wirkung gar nicht existieren können oder aber, dass sie auf die homosexuelle Person genauso wirken wie auf die heterosexuelle, weil Homosexualität und Heterosexualität nur gesellschaftliche Vorgaben sind? Da würde mich eine Erklärung durchaus interessieren.

„Feminist sciencephobia“ ist vielleicht wirklich das richtig Wort

14 Gedanken zu “Biologismus, Sexismus und Heteronormativität?

  1. Ich finde das schon auch heteronormativ! Warum wurden aus der Grundgesamtheit der Menschen nicht anteilhaft erstens aus allen sexuellen Orientierungen (hetero-, homo-, und bisexuell) Menschen ausgewählt; im Verhältnis 1 zu 31,5, 1 zu 32,5; zu dem zweitens kombiniert mit allen nachgewiesenen sexuell möglichen Neigungen, dazu allen Paraphilien. Erst dann wäre es gerecht gewesen. Natürlich bleibt dann die Frage, wer als Erstes befragt worden wäre. Ich würde vorschlagen, dass man hierzu gewürfelt hätte. Natürlich bleibt hier die Frage, wer als Erstes würfeln hätte dürfen. Ein Abstimmen darüber hätte, durch die „Heteronormativität“ nicht stattfinden dürfen. Um der Gerechtigkeit genüge zu tun, würde man wahrscheinlich übereinkommen, dass der nekrophil, sadomasochistisch veranlagte, Pädosexuelle mit gespaltener Persönlichkeit, in welcher die zweite Persönlichkeit zur Objektsexualität mit Fetisch für den Eiffelturm neigt, beginnen hätte dürfen.

  2. Mich würde eine Erklärung der Mädchenmannschaftautorin wirklich interessieren. Leider sieht man ja noch nicht mal die Autorin. Vom Schreibstil her – schnelle, undurchdachte Sexismusvorwürfe – würde ich ja auf Stephanie Mayfield tippen, aber das ist eben auch nur eine Vermutung.

    Der Backtrack wird denke ich auch nicht durchgehen, warum sollte man seine Blogleser auch Kritik lesen lassen? Aber vielleicht wird man ja überrascht und die Mädchenmannschaft ist da doch kritikfähiger als ich dachte. Vielleicht kann ja einer der Leser dort mal nachfragen, warum es genau biologistisch, sexistisch und heteronormativ ist.

    • @Joker

      Ich rechen auch nicht damit, dass sie mich mit offenen Armen aufnehmen.

      Aber eine Diskussion mit ihnen wäre schon interessant. Schade, dass sie sich nicht darauf einlassen werden.

      Es ist aber auch anstrengend dort zu diskutieren, weil man gerade mit biologischen Argumenten nie weiß, ob der Kommentar, den man mühsam geschrieben hat, stehen bleibt und wann man gesperrt wird.

      • Du darfst bei der MM keine Aussagen machen, ob Mann, Frau unterschiedlich sind. Dies widerspricht bereits der Netiquette. Ebenso keine biologischen Argumente anführen. Wenn du allerdings der Auffassung bist, daß Mann, Frau gleich sind, so ist dies kein Sexismus und es sind keine einengenden Rollenbilder. Die gleichen formalen Kriterien sind also einmal in Ordnung ein anderes Mal nicht.

        [Ich finde ihr Verhalten nicht richtig [editiert]], weil sie ihre eigene Ideologisierung nicht bemerken und auch keine Probleme haben, Kommentare von einem Harmlosi wie Dir zu löschen. Ich bin dagegen praktisch der Teufel.

        Wurdest Du bei denen eigentlich schon mal richtig gesperrt via Cookie? Oder per E-Mail-Adresse?
        Das würde mich mal interessieren.

        Du argumentierst sachlich. Da wird man doch einen Trackback durchlassen können. Man muß doch auch vor sich selbst bestehen können. Ich würde selbst den kritischsten Trackback durchlassen. Das ist nunmal demokratische Kultur und wissenschaftliches bzw. diskursives Ethos.

        Das frage ich mich am meisten: Wie diese Leute eigentlich mit sich selbst klarkommen. Gewissenstechnisch usw.

      • Ergänzung:

        Erzähl doch mal in einem Beitrag oder hier Deine Erfahrungen bei MM etc.

        Wie weit diese Leute bei Dir gegangen sind. Was so das krasseste war.

      • @Mutter Theresa

        Wie weit sollen sie schon gehen können bei Kommentaren? Die Diskussionen kannst du ja noch auf dem Blog nachlesen (vorsicht, ich bin nicht der einzige Christian, der dort kommentiert hat), vieles verlief durchaus sachlich, ein paar Anfeindungen sicherlich, aber im Ganzen nicht dramatisches.
        Dadurch, dass die Mädchenmannschaft grundsätzlich erst einmal Kommentare durchlässt, ging es eigentlich. Einige wurden dann aber doch wieder gelöscht, gerade mit fortschreitender Argumentation. Das fand ich immer sehr schade, weil man ja mitunter auch einige Zeit an einem solchen Kommentar sitzt, sich Stellen rausgesucht hat, es Arbeit war und man natürlich auch darauf gespannt ist, was die Gegenseite darauf erwidert. Irgendwann war es dann anscheinend zuviel und ich wurde gesperrt. Ich habe dann noch mal freundlich nachgefragt, woran es denn gelegen hätte, es wäre ja soweit alles sachlich gewesen und wurde sogar wieder entsperrt. Dann ging die Diskussion wieder etwas weiter und kurz danach wurde ich wieder gesperrt.

        Trackbacks würde nahezu immer durchlassen, für mich sind sie das, was Blogs unter anderem so großartig macht, weil man schnell auf vollkommen andere Meinungen kommt. Sie schränken ja den Blog nicht weiter ein und ich traue meinen Lesern durchaus zu, sich mit Gegenmeinungen auseinandersetzen zu können.Diskursives Ethos trifft es da ganz gut. Es ist auch etwas Internetethik.

      • Mich würde jetzt interessieren, inwieweit du gesperrt wurdest. Gab es vorher irgendwelche Vorwarnungen oder ein Angeben von Gründen?

        Ich beziehe mich auch nicht auf konkrete Kommentare von dir. Ich habe davon nicht viel mitbekommen, weil ich natürlich irgendwann aufgehört habe, dort zu kommentieren.

        Wurdest Du vollständig gesperrt, daß du die Seite nicht mehr aufrufen konntest oder wurden deine Kommentare nur automatisch geblockt?

        Welche Argumente haben die denn bei Deinem freundlichen Nachfragen angeführt? Haben die gesagt, man darf keine biologischen Argumente anführen? Was hattest du denn konkret verbrochen?

        Auch beim zweiten Mal hätte es ja irgendwelche Vorwarnungen geben müssen.

        Wenn ich diese Leute als geisteskrank bezeichne, sind sie es natürlich nicht im medizinischen Sinne. Ich finde solch ein Verhalten allerdings auf einer emotionalen Ebene unfaßbar und solch einen Ausdruck nachvollziehbar.

        Es gibt ja entsprechende Fakten, die für sich sprechen. Ich denke mir das ja nicht aus und wähle nur einen emotionalen Ausdruck. Kurz: der Begriff ist zwar überspannt aber letztlich gerechtfertigt. Außerdem entspricht er der Netiquette.

        Ich wäre übrigens dafür, daß man sich vielleicht mal als Internetmeute organisiert und dort bei den Artikeln unzählige irrelevante Kommentare platziert und die Diskussionen dort zuspamt. Also leicht kritische bis harmlose Kommentare, die durchgelassen werden müssen, aber den Blog praktisch sabotieren.

      • „Mich würde jetzt interessieren, inwieweit du gesperrt wurdest. Gab es vorher irgendwelche Vorwarnungen oder ein Angeben von Gründen?“

        Ich würde sagen nein.

        „Ich wäre übrigens dafür, daß man sich vielleicht mal als Internetmeute organisiert und dort bei den Artikeln unzählige irrelevante Kommentare platziert und die Diskussionen dort zuspamt. Also leicht kritische bis harmlose Kommentare, die durchgelassen werden müssen, aber den Blog praktisch sabotieren.“

        Da wäre ich dagegen. Das ist im Endeffekt Internetvandalismus und rechtfertigt umfassendes Sperren ja noch.

        Dann lieber beständig sinnvolle Kommentare schreiben und sachlich auf Fehler hinweisen, selbst wenn die dann nur in der Moderationsschleife gelesen werden. Oder über eigene Blogs die Kritik vorbringen und dann ggfs in Kommentaren darauf verweisen.
        Damit meine ich allerdings auch keine Fragerunden a la „Erklär mir das und beantworte meine Fragen ohne das ich selbst was sage“. Das ist ermüdend.

    • @Lucia

      Doxosophen mußte ich ersteinmal nachschlagen:

      Der Begriff Doxosoph ist eine Zusammensetzung des griechischen Wortes doxa für überweltliche Majestät Gottes, göttliche Wirklichkeit und des Wortes Sophisten für Meinungsträger. Der Begriff wurde von Platon geprägt und u.a. Pierre Bourdieu hat zu dessen Bekanntheit beigetragen.
      Im Buch Gegenfeuer, aber auch anderen Werken, meint Bourdieu mit Doxosophen Menschen in Medien und Politik, die neoliberales Wissen vertreten ohne Fachwissen zu haben.

      Der Vorwurf scheint also zu sein, dass entweder ich wenig Fachwissen habe und die Mädchenmannschaft daher nicht mit mir diskutieren will oder aber, dass du verstehst, warum andere nicht solche Optimisten sind wie ich und nicht gerne mit der Mädchenmannschaft diskutieren („nicht nur bei Frauen“).

      Da du einige der biologischen Themen in deinem Blog ja selbst aufgreifst, zB Geoffrey Miller, gleichzeitig aber Feministin bist, gehe ich einfach mal davon aus, dass du ebenfalls bedauerst, dass man mit vielen Feministinnen nicht über Biologie reden kann, sondern sich diese auf wenig wissenschaftliche gesellschaftliche Konstruktionen zurückziehen.
      In der Tat bedauerlich.

  3. Pingback: Die Piratenpartei und der Feminismus: Ein offener Brief « Alles Evolution

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