„7 Regeln nach denen man leben sollte“

Ich fand diesen Tweet ganz interessant, auch weil er sich wohltuend von postmodernen Vorstellungen abhebt.

1. Every person is a sovereign individual and deserves to be treated with the respect, compassion, and dignity that this implies.

2. Individuals should not be judged based on immutable characteristics

3. Individuals should not be judged based on the characteristics of any group to which they may happen to belong.

4. Collections of individuals do not gain moral authority by virtue of being in a group.

5. There exists an objective reality against which our experiences should be tested for truth content using reason and logic.

6. Maximizing truth content is perhaps the most worthwhile endeavor.

7. The scientific method is the most effective process for determining objective truth about the physical world.

 

Oder auf deutsch:

1. Jeder Mensch ist ein souveränes Individuum und verdient es, mit dem damit verbundenen Respekt, Mitgefühl und der Würde behandelt zu werden.

2. Individuen sollten nicht auf der Grundlage unveränderlicher Merkmale beurteilt werden

3. Einzelpersonen sollten nicht aufgrund der Merkmale einer Gruppe beurteilt werden, zu der sie zufällig gehören.

4. Sammlungen von Einzelpersonen erlangen keine moralische Autorität aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe.

5. Es gibt eine objektive Realität, gegen die unsere Erfahrungen mit Vernunft und Logik auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden sollten.

6. Die Maximierung des Wahrheitsgehalts ist vielleicht das lohnendste Unterfangen.

7. Die wissenschaftliche Methode ist das wirksamste Verfahren zur Bestimmung der objektiven Wahrheit über die physische Welt.

Was sagt ihr dazu?

Sollte jemand eine Quelle kennen, aus der sie abgesehen von dem Tweet stammen, wäre ich auch interessiert

47 Gedanken zu “„7 Regeln nach denen man leben sollte“

  1. Wenn es dazu einen gesellschaftlichen Konsens geben würde, gäbe es ganz schnell keinen Feminismus und keinen Rassismus mehr, da diese vorwiegend gruppenbezogen sind. Dann könnte ein Individuum zu einem anderen sagen: „Das darfst du nicht, weil du eine Frau bist.“ Das andere könnte antworten: „Du darfst das auch nicht, weil du ein Mann bist.“ Und keiner hätte pauschal recht.
    Ich finde den Ansatz gut, weil er jedem Menschen die Möglichkeit gibt, durch sein Verhalten zu wirken und nicht dadurch, ob er nun schwarz, weiß, Mann oder Frau ist.

    • „Wenn es dazu einen gesellschaftlichen Konsens geben würde“

      Ein „gesellschaftlicher Konsens“ ist ein kollektiver Beschluß und ausgerechnet mit einem solchen willst du die Freiheit des Individuums sichern (und nebenher Rassismus und Feminismus vernichten, was ist mit den Feministen und Rassisten, müssen die nicht Teil dieses Konsens sein)?

      • „Ein „gesellschaftlicher Konsens“ ist ein kollektiver Beschluß…“

        Das ist nicht zwangsläufig der Fall. Es gab mal eine Zeit, die seit Schaffung der Bismarckschen Sozialgesetzgebung (1889) mehr als 100 Jahre Bestand hat(te), die durch einen (ungeschriebenen) gesellschaftlichen Konsens getragen wurde.

        In einer zunehmend gespaltenen, und immer weiter zersplitterten und zerfallenden Gesellschaft werden immer komplexere Gesetzesregelungen benötigt, in denen sich „bestenfalls“ die (Partikular-)Interessen einer zunehmend „diversen“ Gesellschaft „widerspiegeln“ sollen…

        • Eine gespaltene und zersplitterte Gesellschaft kann sich nicht organisieren, da die Gesetze keine Seite befrieden können. Die Idee von Gesetzen ist, dass es einen gesellschaftlichen Konsens für diese gibt. Liegt keiner vor oder Gesetze sind wegen Komplexität der Regelungen so unverständlich, dass keiner sie versteht, so liegt kein Rechtsstaat mehr vor, da die Menschen zumindest die Idee der Gesetze verstehen müssen, um sie einhalten zu können. Können die Menschen Gesetze nicht einhalten, obwohl sie es eigentlich versuchen, so entsteht Willkür.

          Die Antwort auf Diversität muss also ein großer Konsens sein, der weitgehend von allen getragen werden kann. Das kann kein 1000-seitiges Regelwerk. Daher auch die totale Ahnungslosigkeit gegenüber EU-Regelungen, weil die keiner nachvollziehen kann, insbesondere weil die gleichen Regelungen pro Land auch noch anders sein, obwohl gleich.

          • „Die Antwort auf Diversität muss also ein großer Konsens sein, der weitgehend von allen getragen werden kann.“

            Was die Quadratur des Kreises wäre, denn je heterogener, desto unmöglicher und unwirksamer wird ja jeder Kompromiss. Am Ende bleibt dann i.d.R. nur ein wirkungsloser Formelkompromiss, etwas, was man auf internationaler Ebene oft beobachten kann…

        • „Das ist nicht zwangsläufig der Fall. Es gab mal eine Zeit, die seit Schaffung der Bismarckschen Sozialgesetzgebung (1889) mehr als 100 Jahre Bestand hat(te), die durch einen (ungeschriebenen) gesellschaftlichen Konsens getragen wurde.“

          Damit bezeichnest du alles als Konsens, gegen das nicht aktiv und erfolgreich vorgegangen wird, besonders von den Medien, die ja seit jeher als wichtigste Katalysatoren arbeiten. Kann man machen, das Wort ist im Deutschen nicht ganz eindeutig definiert.

          Nun, einen medialen Konsens gegen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ haben wir, er hat genau zum Gegenteil von dem geführt, was man haben wollte, nämlich zu einer Spaltung der ganzen Gesellschaft in vermeintliche „Menschenfreunde“ und „Menschenfeinde“ (alle die den „Konsens“ ablehnen). Wobei die „Menschenfreunde“ in ihrer ideologischen Verblendung (nur Individuen sehen zu wollen) neue kollektivistische Ideologien importieren, die erst Recht ihren Untergang beschleunigen werden und die sehr wahrscheinlich zu enormen kollektiven Spannungen führen werden. So war es zumindest bisher immer in der menschlichen Geschichte…

      • Was spricht dagegen, kollektiv Freiheit auszurufen? Wenn Feministen und Rassisten in der Minderheit wären, müssten sie mit einer solchen Freiheit ihrer Mitmenschen leben.
        Unter Konsens verstehe ich eher eine Werteverschiebung als einen konkreten Beschluss. Eine solche Verschiebung gibt‘s ja beispielsweise auch im Klimaschutz vs. wirtschaftlichem Wachstum.

        Natürlich ist das eine Illusion, die fühlt sich aber gut an.

        • „Was spricht dagegen, kollektiv Freiheit auszurufen? Wenn Feministen und Rassisten in der Minderheit wären, müssten sie mit einer solchen Freiheit ihrer Mitmenschen leben.“

          Dann ist es ein erzwungener medialer Konsens.

          Genau das haben wir doch schon, bist du blind? Es hat zur Spaltung der Gesellschaft geführt und zu massiver und sich ständig verschärfender Zensur gegen die „Minderheit“ (die du so lapidar als „Rassisten“ bezeichnest). Hast du eine Vorstellung, wie oft ich schon gesperrt wurde, wegen „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“, wenn ich etwa davor warnte hier den muslimischen Bevölkerungsanteil hochzufahren? Menschen sind eben nicht nur Individuen! Statt vielen Gruppen, hast du dann zwei, die sich absolut unversöhnlich gegenüber stehen, nämlich angebliche „Menschenfeinde“ und „Menschenfreunde“. Man könnte auch sagen: du hast damit eine faschistische Diktatur geschaffen, in der die „Menschenfreunde“ ihre eigene „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ ganz ungehemmt und straflos ausleben können!

          Es ist eine dieser unzähligen Ideen, die auf den ersten Blick wunderschön klingen, nach Friede-Freude-Eierkuchen und paradiesischen Zuständen und wenn man sie zu Ende denkt, stellen sie sich als fiese Denkfalle heraus, die genau das Gegenteil bewirkt!

          Merke: niemals darfst du die Natur der Menschen vernachlässigen, das führt immer ins Desaster, immer!

          Menschen sind nicht nur Individuen!

          • Es geht doch nicht darum, keine gruppenbezogene Argumentation führen zu dürfen, sondern es geht darum, ein Individuum nach seinen Taten und Äußerungen zu beurteilen. Jeder sollte doch vor muslimischer Expansion oder vor weißer Dominanz in Westeuropa warnen dürfen. Und daran, also seinen konkreten Taten und Äußerungen, soll er dann auch gemessen werden. Und nicht daran, dass er Mann oder weiß ist, oder sein Opa mal mit einem Panzer großes Leid verursacht hat. Oder er zum selben Gott betet, zu dem auch viele beten, die sich zu einem sog. Heiligen Krieg aufmachen.

            Urteile sollen nicht über Menschen ergehen nur aufgrund von Attributen, die nicht in ihrer eigenen Macht stehen. Wenn einer Incel ist und irgendwelche Incels Mist bauen oder sich zusammenrotten, um sich an irgendwem zu rächen, darf der friedfertige Incel dafür nicht in die Verantwortung genommen und ausgegrenzt werden. Das passiert aber zur Zeit zunehmend.

            Natürlich sind Menschen nicht nur Individuen, aber sie sollten nur als solche be- und verurteilt werden. Denn dann liegt es in ihrer Macht, sich zu ändern oder das eben bewusst nicht zu tun. Und das finde ich fair.

          • @beweis

            „es geht darum, ein Individuum nach seinen Taten und Äußerungen zu beurteilen. Jeder sollte doch vor muslimischer Expansion oder vor weißer Dominanz in Westeuropa warnen dürfen.“

            Siehst du denn den Widerspruch in deiner eigenen Aussage nicht? Wer vor anderen Gruppen warnt, bewertet die Mitglieder dieser Gruppe eben nicht mehr einzeln nach ihren Taten! Er lässt ihnen von vornherein keine Chance, verweigert ihnen z.B. die Aufnahme in diesem Land! Er verstößt also gegen den „Konsens“!

            Nach dieser Ideologie musst du jeden lieb haben, neutral behandeln, nicht ausgrenzen usw., bis sich erwiesen hat, dass er ein Idiot ist und du nicht mit ihm auskommen wirst. Aber gerade bei diesem Thema ist es dann halt u.U. einfach zu spät und du bist nicht mehr in der Lage, die Situation wieder zurückzudrehen.

            Es ist genau das, was wir gerade durchleben, die Medien predigen genau deine Forderungen und scheuen sich nicht, alle Mittel gegen die Gegner einzusetzen. Das Ergebnis ist kein Paradies, sondern ein Alptraum!

            Du kannst, wenn du eine Dschungeltour machst, auch nicht warten, ob das große gestreifte Tier, welches gerade brüllend auf dich zuläuft, eigentlich nur gestreichelt werden will und in Wirklichkeit vegan lebt. Du musst aus der Gruppeneigenschaft „Tiger“ ableiten, dass dich das Vieh mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verspachteln will! Tust du das nicht, dann freut es sich, während du vermutlich keine Chance haben wirst, dich über deine Dummheit zu ärgern…

  2. „Individuen sollten nicht auf der Grundlage unveränderlicher Merkmale beurteilt werden„

    Das ist ein schönes humanistisches Ideal. Aber die Beurteilung eines Menschen wird in vielen Fragestellungen eben von der phenotypischen Ausprägung seiner Genetik bestimmt. Sei es seine intellektuellen Fähigkeiten im Kontext eines bestimmten Anforderungsprofils (Sport, Beruf, Hobby etc) oder seine Attraktivität in Anbetracht von sexueller Vermehrung/Paarung. Auch andere extrinsische Merkmale sind nicht so unveränderlich, dass man sie hier nicht subsumieren muss. Die soziale Herkunft, frühkindliche Prägung, das Erlernte und internalisierte Glaubenssätze sind nicht oder nur sehr schwer zu verändern. Dennoch beurteilen wir Menschen zumindest mittelbar danach, da diese Einflüsse das Wesen und das Handeln eines Menschen bestimmen.

    Dieser Satz ist, wenn man ihn realistisch auslegt, redundant zu 1. Egal wie man einen Menschen in einer Fragestellung beurteilt, kann das niemals seine individuellen und unveräußerliche Würde antasten. In dem Sinne atmet es dann auch die Luft unseres Grundgesetzes.

  3. Sie wird recht rasch erleben wie es ist, den Twitter-Mob auf dem Hals zu haben da sie klassisch westliche Werte reflektiert und „other ways of knowing“ unterdrücke.

  4. Dem Inhalt kann ich bedenkenlos zustimmen, frage mich allerdings, wie das mit „The Science Femme, Woman in STEM“ in Einklang zu bringen ist. Ich sehe da einen gewissen Widerspruch.

    • Wieso? Sie ist eine Frau und sie ist demnach wohl im MINT-Bereich tätig. Dass sie das namentlich betont, könnte eine Replik auf den Zeitgeist sein, der so tut, als müsse man Frauen da künstlich mit Bevorzugungen reinkriegen, weil die das sonst nicht schaffen.

      Grundsätzlich bezeichnet sie sich somit selbst nur als Frau in der Wissenschaft, was sie wohl auch ist (also sicher Frau und mutmaßlich in der Wissenschaft), aber sie stellt sich darüber nicht als „Mitglied eines Kollektivs der Frauen“ dar. Würde sie das tun, DANN wäre es ein Widerspruch zu den Thesen.

      • Welche Rolle spielt ihr Geschlecht bzw. warum ist es ihr wichtig, als Frau im MINT-Bereich wahrgenommen zu werden? Im Berufsleben sollte allein die Qualifikation zählen, sonst nichts. „Woman in STEM“ ist für mich ähnlich sinnlos wie „Linkshänder in MINT“.

        • warum ist es ihr wichtig, als Frau im MINT-Bereich wahrgenommen zu werden?

          Warum es ihr wichtig ist, ist in diesem Kontext doch völlig irrelevant.

          Twitter bietet wenig Platz, für die Profilbeschreibung, so dass die Detailtiefe beschränkt ist.
          Es möchte auch nicht jeder mit Klarnamen und konkreten Daten auf Twitter aktiv sein.
          Andererseits ist das Profil dazu konzipiert, dass andere Nutzer ungefähr erfahren können, mit wem sie es zu tun haben.
          Üblicherweise schreibt man also in sein Profil ein paar Stichpunkte, die einem zum aktuellen Zeitpunkt gerade wichtig sind (und kann die ggf. leicht ändern).
          Manche Nutzer stellen dabei ihr Privatleben in den Vordergrund, andere ihren Beruf, wieder andere Hobbys oder andere Besonderheiten (z.B. „Radfahrer“), oder Kombinationen daraus.
          Twitter hat ansonsten nichts mit dem „Berufsleben“, bzw. der „Qualifikation“ dafür zu zu tun, sondern dient der öffentlichen Meinungsäußerung und Gedankenaustausch mit anderen.
          Nur weil sie sich ausdrücklich „Woman in STEM“ (ich gehe mal davon aus, dass dies zutrifft) nennt, wertet das nicht ihre Aussagen ab oder erzeugt einen Widerspruch.

  5. Zu Punkt 2:
    Wenn ich jemanden kenne, der ist dumm wie ein Stück Brot, dann kann der daran nichts ändern. Das darf dann in meinem Urteil über ihn keine Rolle spielen?
    Was ist mit einer, die in Blankenese sozialisiert wurde, das wird die auch nicht wieder los. Wird gefälligst auch ignoriert?

    Zu 3:
    Ich treffe eine, die hat pinke, asymmetrische Haare und #killallmen in ihrer Twitterbio. Wieviel zusätzliche Datenpunkte muss ich einholen, bevor ich ein grobes, provisorisches Urteil über sie fällen darf?

    Zu 5 und 7:
    Was ist mit all den Dingen, die wissenschaftlich nicht greifbar sind, über die man nicht klar reden kann. Über die wird dann bitteschön ein Schweigen erzwungen?

    Wie man sieht, habe ich meine Schwierigkeiten mit diesen Regeln, u.a. weil ich bei „reason and logic“ immer an Terence Popp denken muss.

    • Wenn man sich solche Grundsätze für das eigene Verhalten aufstellt, heißt das natürlich nicht, dass man sich immer ausschließlich daran hält. Aber man strebt es an. Und das macht den Unterschied. Es sind nicht immer automatisch die anderen böse, weil sie Teil einer „bösen“ Gruppe sind. Es eröffnet plötzlich die Möglichkeit, dass man selbst falsch handelt – und es sogar merkt.

      • Zu beschließen, man wolle ganz ohne Vorurteile leben, ist unreasonable and illogical, da schlichtweg unmöglich.

        Was sagt das über einen Menschen, der auf den Marktplatz geht und das Schild mit diesen 7 Regeln hochhält? Mein Vorurteil: Virtue Signalling.

        Vor allem, weil es ja nicht so ist, dass Feministinnen oder auch Gender-Studie*ende sich offiziell der Irrationalität und Unlogik verschrieben haben. In jeder Diskussion mit einer Feministin hörst du Argumente, die voller Überzeugung davon sind, dass sie rational auf Beobachtungen basieren.
        Dass Männer alles potentielle Vergewaltiger sind, die von der Unterdrückung der Frauen profitieren ist in deren Augen eben kein Vorurteil und keine gruppenbezogene Feindlichkeit, sondern empirisch belegter Fakt.

        Insofern ist das da oben für mich auch nicht mehr als das pinkerianische Glaubensbekenntnis.
        „…wie auch ich vergebe meinen Gläubigern“ für’s 21. Jh 🙄

        Nicht meine Tasse Tee.

        • Wenn ich die Frau richtig verstehe, dann geht es ihr gar nicht darum, ihre Position anderen überzustülpen, sondern individuell so weit es geht danach zu leben. Das hat was von MGTOW, weil es einfach ihr individueller Entschluss ist.

          Klar ist das eine Art Glaubensbekenntnis. Finde ich aber dufte. Der Kern der Botschaft ist nicht übergriffig, missionarisch oder geht anderen tierisch auf den Sack. Ich bin dankbar für jeden, der selbst denkt und sich nicht mitläuferisch in das eine oder andere bestehende Lager schlägt, um so die Gesellschaft intersektional immer kleinteiliger zu spalten.

          • „Der Kern der Botschaft ist nicht übergriffig, missionarisch oder geht anderen tierisch auf den Sack. “

            Das ist richtig.

            Ich habe, glaube ich, inzwischen etwas besser eingegrenzt, was mir an der Liste so gegen den Strich geht: Sie redet von Wahrheit.
            Wissenschaft weiß, was funktioniert und was falsch ist, aber nicht, was wahr ist.

            Wer glaubt zu wissen, was wahr ist – mit welcher Methode er auch immer zu dem Glauben gekommen ist, egal ob „wissenschaftliche Methode“ oder „lived experience“ – ist automatisch im Krieg mit jenen, die zu anderen Aussagen gekommen sind und tendenziell gefährlich.

            Sobald ein Mensch von Wahrheit redet, ist er kein Wissenschaftler mehr.

            So sieht es für mich aus. (Nicht: „so ist es“… Was weiß ich denn?)

    • Dein Einwand zu 3. ist nicht stichhaltig. Denn da steht „zufällig zu einer Gruppe gehören“. Wer ganz bewusst Embleme, Fahnen, Dresscodes u.ä. benutzt, um seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe offensiv zu zeigen, macht das nicht zufällig, sondern absichtlich.

      • „…to which they may happen to belong“ ist nicht zu übersetzen mit „Es ist rein zufällig und ist ohne ihr Zutun so“

        Sondern eher: „Sie gehören halt auch zu jener Gruppe, na und?“

        Und egal ob zufällig oder nicht: Wenn diese Gruppe ein Merkmal hat, dass in der Menge (Gesamtheit – Gruppe) deutlich seltener vorkommt, dann nenne ich jeden einen Idioten, der dieses Merkmal in seinem provisorischen Urteil nicht mit einbezieht.

        Beispiel: Bei einer Frau gehe ich bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass sie hypergam ist. Bei einem Mann vom Gegenteil. Das ist sowohl „vernünftig“ als auch „logisch“, so vorzugehen.

    • Nein, die Frau sagt nur, dass es eine objektive Realität gibt. Sie sagt nicht, dass man nicht über Fantasie reden darf!

      Aber ein wichtiger Punkt von heutigem Diskurs ist, dass die Linke davon ausgeht, dass es keine objektive Realität gibt und die Feststellung per Messung und Experiment ein faschistisches Unterfangen wäre. Das ist der Angriffspunkt, mit dem Geisteswissenschaftler und Gender und sonstige Grievance Wissenschaftler die Naturwissenschaft und deren Methodik ausschalten wollen und auch ausschalten. Und daher ist Punkt 5 wichtig.

      Ansich ist es so, dass aus dem Problem, dass es nicht einfach ist, die Realität festzustellen, macht der Postmodernismus und seine Pseudowissenschaften, dass es keine Realität gibt und dass die Sprache die Realität schafft. Also Relotius hat in dem Sinne auch alles richtig gemacht, da es keine Realität gibt und er einfach das korrekte behaupten kann und es damit stimmt…. wird nur noch nicht von allen so gesehen, insbesondere den bösen STEMlern und normalen Menschen.

  6. Also bei 5. würde ich einschränken, dass diese „objektive Welt“ nicht wirklich wichtig für uns ist. Wenn Gras – objektiv gesehen – nicht grün ist, ist es irrelevant, wenn es intersubjektiv als Grün akzeptiert ist.

    Und zur Wissenschaft: Wenn man damit klarkommt, dass (um es mit Hamlet zu sagen)
    There are more things in Heaven and Earth, Horatio, than are dreamt of in your philosophy(AKA science)
    dann kann ich auch mit dem Loblied auf die WIssenschaft leben.

    • „Also bei 5. würde ich einschränken, dass diese „objektive Welt“ nicht wirklich wichtig für uns ist. Wenn Gras – objektiv gesehen – nicht grün ist, ist es irrelevant, wenn es intersubjektiv als Grün akzeptiert ist.“
      😀

      Das ist jetzt aber schon sehr spitzfindig. Ich denke, es ergibt sich aus der Logik, dass man mit „objektiv“ eigentlich immer die „intersubjektive“ Wahrnehmung der Spezies Mensch meint. Wenn wir „objektiv“ tatsächlich stets in unsere Überlegungen mit einfließen lassen müssen, wie Gras wohl für Vogelarten aussieht, deren Augen fünf statt unserer drei Grundfarben wahrnehmen können (meines Wissens inklusive des für uns völlig unzugänglichen Ultravioletts), kommen wir nie zu einem Ergebnis.

      • Das ist doch objektiv..

        Messbar ist, welche Photonen wie von Gras reflektiert werden. Diese befinden sich, messbar, in dem Frequenzband, das wir uns geeinigt haben „grün“ zu nennen.

        Also haben sie die Farbe (das was wir uns geeinigt haben, Reflexions/ absorbationsverhalten zu nennen) grün.

        (Bin kein Physiker daher schwammig in der Detailtiefe, aber um die geht es denke ich nicht).

        Andere Kulturen nennen das vielleicht color oder Green, und manche können das selbst vielleicht nicht sehen.

        Aber hier von objektiv zu sprechen ist denke ich angemessen.

        • Objektiv gesehen hat dieses Licht eine Wellenlänge von soundsoviel nm.
          Objektiv gesehen sehen Menschen diesen Wellenlängenbereich des elektromagnetischen Spektrums als grün
          Objektiv gesehen wird dieser Bereich bei der Photosynthese typischerweise verschmäht.
          usw
          geht doch.

    • Ehrlich gesagt, kann ich das Hamlet-Zitat nicht mehr hören. Ich hab wohl zu viel mit Esoterik-Fans diskutiert, die das dauernd bringen.
      Aber das ist ein Strohmann. Denn erstens behauptet kein ernstzunehmender Wissenschaftler, daß wir alles wissen, zweitens heißt das noch lange nicht, daß irgendwelche Phänomene, für die wir derzeit keine Erklärung haben, nicht mit naturwissenschaftlichen Modellen erklärbar wären, und drittens wird das auch oft im Zusammenhang mit behaupteten Effekten verwendet, die eigentlich gar nicht existieren.

  7. Jein.

    „1. Jeder Mensch ist ein souveränes Individuum und verdient es, mit dem damit verbundenen Respekt, Mitgefühl und der Würde behandelt zu werden.“

    Ja, zumindest solange er sich auch entsprechend würdig erweist.

    „2. Individuen sollten nicht auf der Grundlage unveränderlicher Merkmale beurteilt werden.“

    Das ist eine komische Aussage, die zu schwammig ist. Sie zielt vermutlich auf Hautfarben usw. ab, aber unveränderliche Merkmale gibt es viele (z.B. eine körperliche oder geistige Behinderung) und die muss ich doch zumindest bei einer „Beurteilung“ berücksichtigen, oder nicht?

    „3. Einzelpersonen sollten nicht aufgrund der Merkmale einer Gruppe beurteilt werden, zu der sie zufällig gehören.“

    Jein. Wer gehört „zufällig“ zu einer Gruppe? Sind damit wieder Merkmale aus Punkt 2 gemeint? Oder spielt das auf Religionen etc. an? Oder war das nur so dahingeschrieben? Wenn jemand den Muslim Brüdern oder dem KuKluxClan angehört, werde ich das selbstverständlich in meine „Beurteilung“ einfließen lassen. Prinzipiell sollte man ein Individuum aber immer erstmal neutral behandeln,bevor man es beurteilt!

    „4. Sammlungen von Einzelpersonen erlangen keine moralische Autorität aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe.“

    Ah, es zielt gegen die Opferhierarchie. Der Satz ist irgendwie komisch formuliert, ich lasse den mal so stehen.

    „5. Es gibt eine objektive Realität, gegen die unsere Erfahrungen mit Vernunft und Logik auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden sollten.“

    Das halte ich leider für falsch. Es ist vermutlich auch gegen das Gejammer von SJW usw. gerichtet, aber ich kann nicht anders, als auch sogenannte paranormale Phänomene mit einzubeziehen die sich eben jeder (Alltags-)Logik und (Alltags-)Vernunft widersetzen und die dann als Spinnereien oder Lüge abgetan werden müssten, selbst wenn mehrere (glaubhafte) Personen sie bestätigen.

    Es ist eine Naturwissenschaftssicht, gegen die innerhalb der Naturwissenschaften nichts einzuwenden ist, diese Sicht ist aber nicht uneingeschränkt für unsere gesamte Realität gültig. Das weiß die Naturwissenschaft ja auch, weshalb sie es verweigert, bestimmte Phänomene zu untersuchen, weil sie dort absehbar keine objektivierbaren Erkenntnisse erlangen kann. Genau aus diesem Grund kann sie aber auch keine prinzipielle Allgemeingültigkeit für ihre Aussagen beanspruchen. Vor zehn Jahren hätte ich hier vielleicht noch zugestimmt, jetzt halte ich es für zu pauschal.

    „6. Die Maximierung des Wahrheitsgehalts ist vielleicht das lohnendste Unterfangen.“

    Ähm, ja, fällt mir spontan keine Gegenrede ein.

    „7. Die wissenschaftliche Methode ist das wirksamste Verfahren zur Bestimmung der objektiven Wahrheit über die physische Welt“

    Das ist eng verwandt mit Punkt 5, es ist vermutlich so, dass psychische und physische Welt nicht derart getrennt sind, wie sich das die derzeitige Wissenschaft vorstellt, es demzufolge zwar vielleicht so etwas wie eine objektive Wahrheit gibt, die sich aber u.U. nicht allein mit physischen Methoden bestimmen lässt. Aber ich gebe zu, dass es sich dabei i.d.R. um Grenzfälle handeln dürfte.

    Die Auflistung ist jetzt kein Unsinn, kann man drüber diskutieren, eine Position die man von einer STEM-Studentin erwarten kann. Die Frage ist, was sie mit diesen Formulierungen eigentlich erreichen will.

      • Der zu Punkt 5 nicht.
        Denn wenn es keine objektive Realität gibt, dann braucht man gar nicht erst anfangen, naturwissenschaftliche Forschung zu betreiben, dann ist alles beliebig. (Der Punkt richtet sich übrigens primär gegen den Sozialkonstruktivismus und dagegen, daß das Ergebnis von der Betrachtungsweise abhängt. Feministinnen behaupten ja immer wieder, die Naturwissenschaften bräuchten auch eine feministische Forschung. Das halte ich für Unsinn. Das Ergebnis der Forschung muß völlig unabhängig von der Ideologie oder dem Weltbild der Forscher sein. Sonst ist es keine Forschung.)
        Und bei den meisten der sogenannten „paranormalen Phänomene“ handelt es sich um Behauptungen, wo ein derartiger Effekt überhaupt nicht nachweisbar ist.

        • Wer Punkt 5 ablehnt, sagt, dass Gender Studies eine korrekte Wissenschaft ist und keiner widersprechen darf. Klar, Esoteriker sind letztlich Gender-Studies-Leute ohne Professor und Lehrstuhl.

          • Es gibt vermutlich eine objektive Realität, mein Einwand bezieht sich auf den zweiten Teil „gegen die unsere Erfahrungen mit Vernunft und Logik auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden sollten“

            Was machst du, wenn jemand nach seiner OP behauptet aus dem Körper ausgetreten zu sein, und sich von oben betrachtet zu haben?

            Richtig, du fängst mit Geschwafel über Sauerstoffmangel und Halluzinationen an (was auch nur Spekulation ist) weil das deiner „Vernunft“ und deinen Erfahrungen mehr entspricht, als ein außerkörperliches Erlebnis.

            Was, wenn die entsprechende Person im behaupteten Zustand Sachen beobachtet hat, die sich im Nachhinein als richtig erweisen (und solche Fälle gab es bereits mehrere)? Und zwar bei Dingen, die sich nicht seriös mit Zufall wegerklären lassen? Ist das dann noch esoterisch? Sollte das deine Erfahrungen ergänzen/überschreiben oder sind deine Erfahrungen wichtiger, weil du ja nicht in der Lage bist, das Phänomen zu erklären?

            An diesen Punkt kommst du immer wieder, wenn du dich mit diesen Sachen beschäftigst, weil Logik halt immer nur Schlußfolgerungen innerhalb eines bekannten Bezugsrahmens erlaubt und Erfahrungen immer unvollständig sind.

            Rechtfertigt das (die aktuellen) Gender-Studies? Natürlich nicht! Deren Behauptungen sind m.E. mehrheitlich grob selbstwidersprüchliche Behauptungen und werden noch nichtmal empirisch begründet. Es handelt sich einfach um dümmliches Geschwafel zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele.

        • „Und bei den meisten der sogenannten „paranormalen Phänomene“ handelt es sich um Behauptungen, wo ein derartiger Effekt überhaupt nicht nachweisbar ist.“

          Was wiederum auch nur wieder eine Behauptung ist und zwar eine, die nicht von viel Sachkenntnis getragen ist..

          Es gibt jede Menge „Nachweise“ für unerklärliche Phänomene, es gibt sogar statistische „Beweise“. Was normalerweise nicht funktioniert, ist sie entsprechend den Ansprüchen (unserer aktuellen) materiellen Physik zuverlässig zu wiederholen (was vermutlich daran liegt, dass wir die Randbedingungen nicht kennen). Wahrscheinlich handelt es sich zum Großteil um parapsychologische Phänomene, was die Sache noch schwieriger macht, weil der menschliche Geist mit hineinspielt (spätestens an der Stelle steigen die Physiker aus, während sich die Psychologen als nicht zuständig erklären).

          „Das Ergebnis der Forschung muß völlig unabhängig von der Ideologie oder dem Weltbild der Forscher sein. Sonst ist es keine Forschung.“

          Schön dahin gesagt und schon in den Naturwissenschaften sehr schwer einzuhalten, wo sich bei der Auswertung massenhafter Messdaten auch schnell mal ein Erwartungsfehler einstellt…

          Was, wenn Geist und Materie sich verschränken könnten und wechselwirken (eine Position die Walter von Lucadou vertritt und behauptet bewiesen zu haben)? Darf man das dann nicht untersuchen? Oder müssen wir dafür gesonderte Regeln aufstellen?

          Ich verstehe was du meinst, aber man muss da schon sehr vorsichtig sein, was man für Forderungen stellt und wie man sie formuliert.

    • Ich denke, da tust du ihr etwas Unrecht.

      Zu 1. Mit Respekt, Mitgefühl und Würde sollten wir alle Menschen behandeln, sogar Massenmörder oder alte weiße Männer. Das macht uns besser.

      Zu 2. Jemanden aufgrund unveränderlicher Merkmale zu beurteilen heißt nicht, solche Merkmale in eine Beurteilung nicht einfließen lassen zu können, weil die ja auch auf sein Verhalten einwirken. Aber der Gold-Standard für die Bewertung ist eben das Verhalten und nicht die Tatsache, ob der kleinwüchsig, dunkelhäutig oder Penisträger ist.

      Zu 3. Sie benutzt den Begriff „zufällig“. Wenn ich jetzt Christ bin, damit zur Gruppe der Christen gehöre und die Christen üble Dinge machen, dann bin ich nicht für die Dinge verantwortlich, die andere Christen verbrechen. Wenn ich KuKluxClan-Mitglied werde, dann unterstütze ich ja durch meine Mitgliedschaft die Kernbotschaft. Damit muss ich mich auch für die Unterstützung der Kernbotschaft rechtfertigen.

      Zu 5. Da bin ich auch gestolpert. Wenn man auf die Verhaltensebene von Menschen geht, gibt es dann wirklich eine objektive Realität? Aber selbst wenn nicht, ist der Versuch mit Vernunft und Logik die Wahrheit erreichen zu wollen mangels Alternativen ein anzustrebendes Verhalten.

      Klar gibt es sehr wahrscheinlich viele andere relevante Ebenen, die wir mit Naturwissenschaft und unseren beschränkten Sinnen nicht klären und erreichen können. Also müssen wir mit unseren bescheidenen Bordmitteln arbeiten. Und da finde ich Vernunft und Logik sinnvoll und vor allem halbwegs konsensfähig.

      Was will sie erreichen? Vielleicht das, was wir hier machen: Gedanken darüber, ob es uns und die Welt weiterbringt, wenn wir auf allen Seiten mit Vorurteilen, Schubladen und Stigmatisierungen agieren.

  8. Hach ja, schöne Leitsätze – wenn da nicht das Ego wäre, was jedem ab und zu mal im Weg steht. Dennoch ist es zumindest ein Ziel bzw. sind es 7 Ziele, die man ja ruhig im Laufe seines Lebens anstreben sollte. Die Welt macht es deshalb nicht besser (weil es immer noch die anderen Egos gibt), aber man hat die Möglichkeit beruhigter im Sterbebett zurück zu blicken und sich nicht auf einmal in Reue zu winden.

    Mein Leitsatz: Sei heute immer ein bisschen besser als gestern!

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