Männerhass als Frauenrecht?

Eine junge Frau in Frankreich schreibt, wie auch Arne schon berichtete, ein Buch warum sie alle Männer zurecht hasst. Also in gewisser Weise klassischer radikaler dritte Welle Feminimus. Ein Mitarbeiter eines Ministeriums für Gleichstellung stört sich daran, dass es so etwas zu kaufen gibt und löst darüber einen Streisand Effekt aus. Das Buch wird massig gekauft. Zum Inhalt aus der NZZ:

Während sich die Verleger die Hände reiben, fasst sich die Leserin an den Kopf: Der Titel des Traktats ist tatsächlich ernst gemeint und soll ein feministisches Statement sein. Pauline Harmange, die 25-jährige Autorin, ist zwar mit einem Mann verheiratet, verficht aber auf 80 Seiten ihr Recht, Männer zu hassen – und zwar nicht bestimmte Männer, sondern alle Männer. Die Misandrie, die sie verteidigt, definiert sie als «negatives Gefühl» gegenüber sämtlichen Vertretern des männlichen Geschlechts, wobei die Ablehnung von simplem Misstrauen bis zu entschiedener Feindseligkeit reichen könne.

Wer das nun sexistisch findet, ist laut Harmange vollkommen fehlgeleitet. Man könne, so erklärt die Autorin, Misogynie und Misandrie unmöglich mit gleichen Ellen messen, da die männerhassenden Frauen erstens aus einer Position der Unterdrückung agierten und ihren Hass zweitens auf ganz andere Weise lebten als die Männer. Bei diesen äussere sich die Verachtung der Frauen regelmässig in Tötungsdelikten, und mildere Formen männlicher Gewalt, ist Harmange überzeugt, erfahre jede einzelne Frau. Wenn nun aber Frauen, auf dieses Übel reagierend, die Gesamtheit der Männer geringschätzten, tue das niemandem weh und im Gegenteil den Frauen wohl. Verschwistert, zusammengeschlossen in rein weiblichen Kreisen, könne jede ihre Stärke entdecken, die die Männer dauernd unterdrückten.

Also klassische Argumente dieser Denkweise:

  1. Wir treten ja nur nach oben und das ist nicht schlimm
  2. Wenn Männer hassen, dann töten sie Frauen, wenn Frauen hassen, dann beschweren sie sich nur über ihre Unterdrückung und macht den Männern zudem ihre Privilegien bewußt.

Diese Argumentation ist selbstverständlich nicht strafbar, und wer nur mit Frauen leben will, soll das tun. Wer aber meint, mit platten Pauschalisierungen den Feminismus voranzubringen, muss den Kontakt zur Realität verloren haben. Anstatt die Diskussion über berechtigte Anliegen zu stimulieren, kann das Buch bloss jene sterilen Debatten über das Wesen der Geschlechter befördern, die wir schon in der Vormoderne führten. Bestimmt werden wir auch im deutschsprachigen Raum wieder ausgiebig über die leidigen alten Themen reden, die Übersetzungsrechte für das Buch sind bereits an Rowohlt verkauft. Dem Beamteneifer sei Dank.

Da hat sich Claudia Mäder noch nicht so viel mit dem Feminismus beschäftigt, denn der lebt ja gerade von Pauschalierungen.

Aber gut, dass sie sich dagegen ausspricht.  Mal sehen, was noch über den Inhalt berichtet wird, wenn es in Deutschland erscheint. Wenn jemanden mit mehr Französischkenntnissen als ich mehr zum Inhalt sagen kann: Gerne in den Kommentaren.
Wobei regelmäßige Leser dieses Blocks den ungefähren Inhalt sicherlich gut vor Augen haben. Männerhass zu entschuldigen ist ja im Feminismus nichts neues.