Unterschiede Männerfreundschaften – Frauenfreundschaften

Ein interessanter Artikel zu Männer- bzw Frauenfreundschaften:

Zuerst zu Männerfreundschaften:

„Diese Beziehungen basieren zunächst oft auf gleichen Interessen“, sagt Altweger. „Man geht gemeinsam zum Sport, ins Kino oder fährt Motorrad.“

Schwarz und Hartkopf kennen das. Sie treffen sich alle paar Wochen, verbringen dann ein Wochenende zusammen. „Über das gemeinschaftliche Tun kann man sozusagen bei sich ankommen“, sagt Schwarz, „und dann über andere Dinge reden.“ Unter Männern beispielsweise direkt über Gefühle zu sprechen sei verpönt, erklärt Altweger, das treibe den Adrenalinspiegel in die Höhe. Was nicht heißen soll, dass nicht über Emotionen oder Lebenskrisen reflektiert werde. Zum seelischen Ausgleich sei dies auch notwendig. Schwarz ist sich dessen bewusst. „Ich könnte mich mit dir über alles unterhalten“, sagt er zu Hartkopf. Der nickt. „Wenn man über Dinge reden kann, die einem schwerfallen, merkt man erst, wie nah man sich steht.“

Also gemeinsame Aktionen, nicht direkt über Gefühle reden als dennoch Emotionen und Lebenskrisen reflektieren. Man könnte auch etwas kürzer sagen: Es wird eher in der Sache geredet als (nur) über die Gefühle dazu.

Umso wichtiger ist es, Freunde zu finden. Frauen tun sich da leichter, sagt Altweger, sie gehen unbefangener auf andere zu. Männern fällt dies schwerer, dafür tolerieren sie auch längere Pausen in einer Beziehung ohne großes Lamento. Worauf kommt es in einer Freundschaft denn an? „Verlässlichkeit“, sagt Schwarz. „Ich weiß, dass ich Max auch nachts um drei Uhr aus dem Bett klingeln kann, wenn etwas passiert ist.“ Bei Lebenskrisen zur Stelle zu sein, ist laut Psychologen auch typisch für Männer. Action eben. Für Hartkopf ist ein entscheidender Punkt die Solidarität. „Freunde müssen füreinander einstehen, sich gegenseitig den Rücken stärken“, sagt er. „Wer sich als unsolidarisch herausgestellt hat, mit dem habe ich nichts mehr zu tun.“

Das Frauen schneller Anschluss finden hatte ich hier auch schon mal thematisiert. Nicht nur unter Männern, sondern erst recht unter Frauen.
Ich glaube auch, dass viele Männerfreundschaften zur Not mit „weniger“ auskommen. Und klar ist „für einander einstehen“ wichtig.

Aber wie unterscheiden sich nun Frauen- von Männerfreundschaften? „Frauen haben diverse Freundinnen für unterschiedliche Bedürfnisse“, sagt die Psychologin. „Das ist gut für die Partnerschaft, weil der Partner nicht alle Ansprüche erfüllen muss.“ Und sie haben ein größeres Bedürfnis, Seelisches in Worten zu verarbeiten. Kurz gesagt: Sie reden mehr. „Ein Mann, ein Wort; eine Frau, ein Buch – das geflügelte Wort ist nicht ganz verkehrt“, sagt Altweger.

Sind Frauenfreundschaften da breiter gefächert? Wäre mir so noch gar nicht aufgefallen. Klar hat man immer mal Freunde und Bekannte, mit denen man verschiedene Sachen macht.

Das mit den Worten würde ich auch so sehen.

Für Schwarz und Hartkopf liegt der Unterschied zwischen den Geschlechtern im entspannteren Umgang miteinander. Mit einer Frau rede man anders als mit einem Mann, sagen beide. „Bei einer Frau drücke ich mich diplomatischer aus, bei einem Mann bin ich direkter, haue ihm auch mal auf die Schulter“, sagt Hartkopf. Dem anderen sagen zu können, dass das, was er tut, nicht richtig ist, auch das gehöre zu einer Freundschaft. Nachdenkprozesse anregen, nennen das die beiden.

Auch das ist ein klassischer Geschlechterunterschied, schon weil Frauen empfindlicher sind.

Und wo hört die Freundschaft auf? Wenn man in Konkurrenz zueinander trete, sagen Schwarz und Hartkopf. Und dabei gehe es meistens – natürlich – um Frauen.

Wobei ich nicht glaube, dass das letztendlich ein so häufiger Grund ist, auch wenn es natürlich passiert. Aber die meisten Freunde sind sich des Wertes einer Freundschaft ja schon bewußt

Bei Pinkstinks findet sich auch ein Artikel über Männerfreundschaften:

 Psychotherapeut Robert Garfield hat das 2016 in einem Buch als Male Code bezeichnen, den Mann brechen müsste, um die Kraft von Freundschaft wirklich zu erfahren. Männer verharren zu oft in Funktionsfreundschaften: Arbeitsfreunde, Nachbarschaftsfreunde, “Hast du das Spiel gesehen” Freunde, “Hast du den Artikel gelesen” Freunde und “Tja, unsere Kinder verbringen ja jetzt Zeit miteinander, was machst’n du so?” Freunde. All diese Freunde zu haben, ist nichts Schlechtes. Aber wer von denen ist noch mal der “Sie hat mich verlassen, mir geht es beschissenen” Freund? Der “Mein Kind ist krank” oder der “Ich bin so einsam” Freund? Der “Nimm mich in den Arm, mir ist das alles zu viel hier” Freund?

Aus der Gemeinsamkeit, die einen verbindet wird hier eine Zweckfreundschaft. Und im Gegensatz zu den beiden oben versteht Nils nicht, dass das nicht ausschließt, dass man auch über Probleme redet. Und das man dazu nicht zwangsläufig seine Art von Emotionen bedienen muss.

Ich hatte einst so einen Freund. Einen Kindheits- und Jugendfreund, der mir so viel bedeutet hat, dass all diese Dinge hätten möglich sein müssen. Einen Freund, bei dem ich rückwirkend bitter bereue, dass ich nicht in einer Gesellschaft aufgewachsen bin, die mir erlaubt hat, meinen Freund zu lieben. Denn geliebt habe ich ihn zweifellos – auch wenn ich es ihm nie gesagt habe. Ich wäre ihm auch gerne körperlich näher gewesen. Aber er und ich waren das, was die Entwicklungspsychologin Niobe Way als “emotional analphabetisch” bezeichnet.

Die Gefühle waren also da, aber die Möglichkeit und der Raum, sie auszudrücken, fehlte. So sehr, dass es einer absoluten Ausnahmesituation bedurfte, um den Male Code zu brechen. Als ich im letzten Jahr auf der FEBuB Familienkonferenz mein Buch Prinzessinnenjungs vorstellte und diese darin enthaltene Episode erzählte, musste ich ziemlich schlucken: Der einzige Moment, in dem ich meinen Freund nicht knuffend, rempelnd, raufend oder schubsend berührte, war als mich unsere Klassenlehrerin aufforderte, ihm ins Gesicht zu schlagen. Mich und alle anderen. Weil er nicht bei den Jungpionieren war, die er “sinnlos” und “scheiße” fand. Ich hab ihm stattdessen über die Wange gestreichelt und das war auch gut so. Leider nicht häufiger. Leider nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit, obwohl wir uns so nahe waren und es sich gut angefühlt hätte. Das Bedauern darüber kann allerdings nur ein Anfang zu besseren, tieferen Männerfreundschaften sein. Um den Prozess einer emotionaler Alphabetisierung bei gleichzeitigem Entlernen von intimitätsblockierendem Verhalten.

Ich möchte keinen Freund, der mir pausenlos über die Wange streichelt. Auch keine Freundin. Und ich streichele auch nicht pausenlos Freundinnen oder Freunden über die Wange. Selbst Frauen machen das untereinander eher selten.

Und natürlich habe ich mit Männern dennoch tiefgreifende Gespräche geführt, über Beziehugnen, über Probleme, über Krankheiten. Und mit unter hat man auch, obwohl man wußte, dass der andere Probleme hat, einfach still mit ihm ein Bier getrunken oder über ganz andere Sachen geredet, weil er eine Pause oder eine Abwechselung brauchte, weil er das Problem einmal ausblenden wollte und kein über die Wange streicheln ihm da irgendetwas gebracht hätte, weil es keine Lösung bietet.

Männern wegen dieser anderen Vorgehensweisen eine „emotionales Analphabetentum“ zu unterstellen ist schon eine ziemlich harte Sache.