„Strukturell“

Blue Jaw schrieb

Ich schlage einen Extra- Faden zum Begriff „strukturell“ vor.

Meiner Erfahrung nach wird er von regressiven Linken als Wieselbegriff mißbraucht, ganz nach Bedarf bedeutet „strukturell“ bei ihnen „staatlich“ oder „gesellschaftlich“. Meinem Verständnis nach das hier viel zitierte Motte & Bailey- Prinzip.

Angeblich kommt der Begriff der strukturellen Diskriminierung tatsächlich von einem der alten Recken der Frankfurter Schule.

Da ich da theoretisch nicht fit bin, bitte ich die Experten um Rat.

Gunar schrieb:

@Blue Jaw

Wie so oft lohnt ein Blick in mein „Schwarzbuch Feminismus“ 🙂
1971: „Der Norweger Johan Galtung formuliert das Konzept der »strukturellen Gewalt«, das von Feministinnen dankbar aufgenommen wird, um jede erlebte Frustration zur Unterdrückung zu erklären.“

Renton schreibt:

Nein, nein, die Strukturen sind (auch und vor allem) überlieferte Verhaltensregeln, umgangssprachlich „Traditionen“ genannt.

Das schöne an diesen Traditionen ist, sie werden immer als Nachteil für Frauen ausgelegt.
Klassisches Beispiel: Wer einer Frau in den Mantel hilft, ist ihr nicht be-hilflich, sondern erzieht sie zur Unmündigkeit.
Und wer von seiner Frau, mit der er ausgemacht hat, dass sie sich ums Kind kümmert, während er das Geld ranschaffen geht, erwartet, die mentale Last der Alltagsorganisation des Kindes zu tragen, erzieht sie nicht etwa zur Mündigkeit, sondern verweigert ihr die ihr zustehende Unterstützung.

Catch-22 eben.

El Mocho schreibt:

Hier heißt es:

„Von struktureller Diskriminierung wird gesprochen, wenn die Benachteiligung einzelner Gruppen in der Organisation der Gesellschaft begründet liegt. Die über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsene Art des Zusammenlebens (Arbeitsteilung, Verteilung der Entscheidbefugnisse etc.) geht in der Regel mit patriarchalen, postkolonialen, homophoben, religiösen oder wie auch immer gearteten und begründeten Konventionen, Gebräuchen und Traditionen einher, welche die Privilegierung einzelner Gruppen bzw. die Schlechterstellung anderer Gruppen als «normal» und vorgegeben erscheinen lassen. Diese allen Gesellschaften immanente Form der Diskriminierung ist ebenfalls nicht immer einfach zu erkennen, da bestehende und vertraute Strukturen häufig nicht hinterfragt und auch von den Betroffenen selber nicht als diskriminierend erkannt werden.“

Wirklich sehr unklar. Was heißt das, dass Diskriminierung „in der Organisation der Gesellschaft begründet liegt“? Die Diskriminierung muss doch nachweisbar sein, es muss einen konkreten Nachteil für jemanden geben, der auf einen Urheber zurückführbar ist, ansonsten kann man wohl nicht von Diskriminierung reden. Dass ich in Kolumbien mir schnell einen Sonnenbrand hole während meine Frau sich noch nicht mal einreiben muss, dass ich Milch und Käse essen kann und sie davon Magenbeschwerden bekommt (genetisch bedingte Laktose-Unverträglichkeit), das sind sicher Nachteile, aber man würde sie nie als Diskriminierung bezeichnen, weil niemand dafür verantwortlich ist.

„Organisation“ ist ein genauso unklarer Begriff wie Struktur, das erklärt wenig. Wer ist für die Organisation der Gesellschaft verantwortlich?

Und das die Betroffenen die angebliche Diskriminierung selber nicht erkennen, spricht auch eher gegen die Realität des Phänomens.

Ich halte das alles nur für Gerede, das vorgeschoben wird, um politische Forderungen zu begründen, für die man keine vernünftigen Argumente hat.

Und ich greife noch mal Gunar auf und zitiere dazu auch die Wikipedia:

Structural violence is a term commonly ascribed to Johan Galtung, which he introduced in the article „Violence, Peace, and Peace Research“ (1969).[1] It refers to a form of violence wherein some social structure or social institution may harm people by preventing them from meeting their basic needs. Institutionalized adultism, ageism, classism, elitism, ethnocentrism, nationalism, speciesism, racism, and sexism are some examples of structural violence as proposed by Galtung.[2][3] According to Galtung, rather than conveying a physical image, structural violence is an „avoidable impairment of fundamental human needs“.[4] As it is avoidable, structural violence is a high cause of premature death and unnecessary disability. Because structural violence affects people differently in various social structures, it is very closely linked to social injustice.[5] Structural violence and direct violence are said to be highly interdependent, including family violence, gender violence, hate crimes, racial violence, police violence, state violence, terrorism, and war.[6]

In his book Violence: Reflections on a National Epidemic, James Gilligan defines structural violence as „the increased rates of death and disability suffered by those who occupy the bottom rungs of society, as contrasted with the relatively lower death rates experienced by those who are above them“. Gilligan largely describes these „excess deaths“ as „non-natural“ and attributes them to the stress, shame, discrimination, and denigration that results from lower status. He draws on Sennett and Cobb, who examine the „contest for dignity“ in a context of dramatic inequality.[7]

Bandy X. Lee wrote in her textbook Violence: An Interdisciplinary Approach to Causes, Consequences, and Cures, „Structural violence refers to the avoidable limitations that society places on groups of people that constrain them from meeting their basic needs and achieving the quality of life that would otherwise be possible. These limitations, which can be political, economic, religious, cultural, or legal in nature, usually originate in institutions that exercise power over particular subjects.“[8] She goes on to say that it „is therefore an illustration of a power system wherein social structures or institutions cause harm to people in a way that results in maldevelopment and other deprivations.“[8] Rather than the term being called social injustice or oppression, there is an advocacy for it to be called violence because this phenomenon comes from, and can be corrected by human decisions, rather than just natural causes.[8]