Zweisprachige Erziehung

Wir versuchen Fräulein Schmidt zweisprachig zu erziehen. Ich rede mit ihr Deutsch und Südländerin südländisch. Gemeinsam reden wir in Ermangelung von Südländischkenntnissen bei mir deutsch. Wir hoffen, dass sie südländisch nachher wenigstens versteht und einigermaßen sprechen kann, es wäre auch für ihre Verwandten schön, die kein Deutsch und nicht alle englisch sprechen, aber auch ansonsten schadet eine weitere Sprache ja nichts.

Jetzt plappert sie schon ziemlich und man merkt wie gerade in den letzten Wochen ihre Sprachfähigkeiten noch mal einen Sprung gemacht haben und sie viel mehr nachspricht als vorher und vielmehr neue Worte aufschnappt. Das meiste ist natürlich deutsch, einfach weil das die Sprache um sie herum ist und sonst ja keiner südländisch mit ihr spricht. Ein paar Worte sagt sie auch auf südländisch.

Ich glaube auch, dass das für ein Kind eine wunderbare Sache ist, schließlich lernt man gerade in diesem Alter Sprachen wie von selbst und Forschung besagt auch, dass Kinder in dem Alter noch eigene Sprachzentren für jede Sprache anlegen während sie das später nicht mehr machen. Der einfache Spracherwerb ist eben eine vorübergehendes biologisches Zeitfenster, dass man nutzen sollte.

Insofern kann ich auch jede Familie verstehen, die es ebenso macht und das Zeitfenster nutzt.
Gerade war allerdings auch eine Debatte auf Twitter, die sich mit Zweisprachigkeit beschäftigte und von der ich mal einen Tweet stellvertretend herausgreifen möchte:

Nun ist Englisch sicherlich praktischer als türkisch, aber das ist ja letztendlich nicht der Grund.
Ich vermute, dass die Frage, wie man es bewertet, in gewisser Weise eine „Klassenfrage“ ist und auch ganz wesentlich davon abhängt, inwieweit in dem Elternhaus zusätzlich noch Deutsch gesprochen werden kann.

Bei Engländern oder Amerikanern wird man eher davon ausgehen, dass sie sich nicht in eine englischsprachige Gesellschaft zurückziehen können, vielleicht abgesehen von bestimmten Städten, sondern eher noch deutsch lernen müssen und die Sprache dann beherrschen. Das um so eher, wenn auch das Bildungsniveau höher ist.
Bei türkisch hingegen kennt man eben genug Türken, bei denen zB die Mutter nie deutsch lernt und sich im wesentlichen unter Türken bewegt oder auch der Vater eher ein rudimentäres Deutsch spricht. Und das hat natürlich für das Kind erhebliche Nachteile, schon weil man es dann nicht bei Hausarbeiten unterstützen kann, es eher keine deutschen Bücher vorfindet etc. Man befürchtet also in diesem Fall geringere Fördermöglichkeiten als dies bei englischsprachigen Eltern der Fall ist. Das kann natürlich ein Vorurteil sein, aber das ist ja bei den wenigen Informationen, die hier bereit gestellt werden, auch kaum anders möglich.

Sind diese Vorurteile dann rassistisch? Aus meiner Sicht nur, wenn man davon ausgeht, dass es für Türken immer schlecht ist  und man nicht differenzieren kann. Ich vermute, dass bereits der Zusatz „Beide Eltern sprechen gutes deutsch, wollen aber, dass ihr Kind auch die weitere Sprache lernt“ die Situation bei jeder Sprache stark entspannt.