Selbermach Samstag 255 (16.09.2017)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema gibt es andere Blogs

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, der ist dazu herzlich eingeladen.

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252 Gedanken zu “Selbermach Samstag 255 (16.09.2017)

  1. Traurig aber wahr.. soweit es in meine Wahrnehmung hineinreicht.

    PewDiePie hat 57.297.924 Abonnenten und 3.290 Videos mit durchschnittlich 4 Mio views. Er hat in einem Live-Stream einmal „Nigger“ gesagt und sich gleich entschuldigt… Steve, ich habe die schon geblockt, Shives findet man sollte deswegen seinen Kanal dicht machen. Weil es schauen doch Kinder zu! Wenn die jetzt einmal das Wort „Nigger“ gehört haben, brennt es sich sozusagen in ihren aktiven Wortsatz ein. Vor allem weil das Wort sonst niemand benutzt!

    Lächerlich wie das aufgeblasen wird.

  2. Wieder mal ein neuer Meinfeminismus-Feminismus, aufgewärmte Mythen, aber „feministinnen haben den besseren sex!“ 🙄 .. eine reichhaltige Fundgrube meinfeministischer Denkungsart.
    https://sinnwortspiel.wordpress.com/2017/09/16/ueber-den-feminismus-ein-weckruf-und-ein-geheimnis-achtung-explicitcontent-kolumne/
    Warnung: aufgrund der inflationären Verwendung von Punkten mitten im Wort (ohne dass das objektorientiert zu sein scheint), und der Vermeidung von Majuskeln ist die Lesbarkeit erschwert.

    Vielleicht schreib‘ ich ja noch einen Artikel zu dem Text. Zumindest heute habe ich dazu allerdings weder Zeit noch Lust.
    Schönes Wochenende!

    • Der erste Absatz reicht mir schon.

      wir werden nicht mehr mit zwölf verheiratet, wir dürfen […] entscheiden, ob und was wir arbeiten wollen, ob wir bei unseren kindern bleiben

      Klar, alle Mädchen wurden mit 12 Zwangsverheiratet. Und immer mirt notgeilen, fetten, alten Männern.
      Und klar, Jungs durften da immer frei entscheiden.

      Entscheiden, bei den Kindern zu bleiben? Echt jetzt? Wie nennen Feministinnen das doch gleich? Ach ja, „Heimchen hinter dem Herd“!
      Verdirb` dir damit nicht das Wochenende.

      Ansonsten, auch dir ein schönes Wochenende!

      • Nee, diesen Kommentar finde ich jetzt etwas voreilig.

        Aufgrund Deiner Gegenposition übersiehst Du – anscheinend -, welch ungeheuer großes Zugeständnis gleich am Anfang des Textes gemacht wird:

        „feministin zu sein ist heutzutage eigentlich a gmahde wiesn –
        die wirklich drängenden themen haben, zumindest hierzulande, generationen streitbarer vorzeige.emanzen für uns erstritten, …“ es folgen dann ein paar Beispiele.

        Das ist doch wirklich ein starkes Stück: Daß eine Feministin im Jahr 2017 ohne Veranlassung einfach mal so zugibt, daß die wesentlichen Anliegen des Feminismus alle durchgesetzt sind. Ja, durchgesetzt.

        Andere Leute behaupten, die Diskriminierung der Frauen sei noch nie so groß gewesen wie 2017!

        Das ist doch wirklich ein Hammer. Und ich würde eher versuchen, darauf aufzubauen, als die folgenden Unterstellungen zu entkräften („Entscheiden, bei den Kindern zu bleiben? Echt jetzt? …“)

        • Ich halte es eher für einen typischen „Feminismus hat schon einiges erreicht, aber es gibt noch viel zu tun“ Artikel.

          nun wäre es an der zeit, uns tiefer.greifenden themen des feminismus widmen

          Heißt doch dann, dass der F. bisher nur die „oberflächlichen“ Themen angesprochen hat. Und jetzt geht’s erst richtig los!

    • „Vielleicht schreib‘ ich ja noch einen Artikel zu dem Text. “

      Lohnt nicht.

      Die denkt ja sogar, dass Ada das Programmieren erfunden habe. Was man halt so in der Sesamstraße heutzutage lernt.
      Eine Auseinandersetzung damit ist flüssiger als flüssig: überflüssig.

      • Du hast ja recht, es wäre vergeudete Zeit.
        Aber ihre unverfrorene Argumentation, nichtfeministischen Frauen einfach das Recht abzusprechen, ihre Meinung (online) zu äußern, ist schon irgendwie originell.
        Na, und Männer dürfen ihre Meinung erst recht nicht sagen – wegen Mansplaining, Unterdrückung, keine Ahnung und so.

    • Das find ich jetzt interessant, Christian kommentierte dort nämlich:

      „Wenn Männer übrigens auf gleiche Weise Kinder und Karriere vereinbaren, dann erleiden sie sogar noch höherer Einbußen zB bei Teilzeit.“

      Das ist ja so selten, dass das mal angesprochen wird von Masku-Seite aus!

      So selten, dass man sogar meinen könnte, sie hielten diesen speziellen Pay-Gap ebenso für erstunken und erlogen. Tun sie doch nicht? Da wär ich echt überrascht!

      Aber dann sollte man doch wenigstens erwarten können, dass der Grund dafür von ihnen nonchalant in der _Performance_ der betreffenden Männer vermutet würde und nirgendwo anders. Wirkt jetzt aber nicht so oder täuscht das?

      „Für Männer bedeutet die Vereinbarung immer, dass sie gefälligst Vollzeit arbeiten.“

      Und deswegen sollten Frauen das auch auf jeden Fall müssen, sonst dürften sie sich nicht beschweren. Meint Christian. Die Situation am Arbeitsmarkt würde das zwar insgesamt nicht hergeben, aber wieso sollte ihn das interessieren? Was damals in der DDR ging, muss auch jetzt noch bei uns gehen, ganz einfach.

      Und wer weniger noch als regulär Teilzeit angestellt ist, arbeitet in seiner Sicht wahrscheinlich quasi gar nicht?

      Die sehr häufigen Stundenlöhnerverhältnisse in der Frauenbranche Einzelhandel z.B. umfassen i.d.R. max. 100 Stunden im Monat, von denen i.d.R. nur etwa die Hälfte garantiert werden, der Rest läuft spontan nach Bedarf.

      Aber das kann uns natürlich völlig schnurz sein, die Branche stirbt eh schleichend, irgendwie werden wirs schon auch ohne schaffen^^… jedenfalls ist jedes Individuum irgendwie selbst Schuld dran, wenn es sich darauf (kein planbarer Verdienst, später nur Mindestrente, aber auf Abruf bereit stehen) einlässt. Muss ja einfach…

      • Der Vergleich der Erwerbstätigkeit mit der in der DDR oder dem Ostblock allgemein ist immer etwas schief, da wegen der des anderen Wirtschaftssystems, Arbeit nicht diesen Existenzkampfcharakter hatte. Der Druck und Stress ist nicht mit heute vergleichbar. Das sagen übereinstimmend Alle die es aus eigener Erfahrung kennen. Für eine Frau war es damit weniger notwendig ihre geschlechtliche Freiheit, diesen unangenehmen Stress dem Mann zu überlassen zu nutzen. Denn es überwogen auch für sie die positiven sozialen Elemente der Erwerbstätigkeit.

        • „Arbeit nicht diesen Existenzkampfcharakter hatte“

          Hat sie heute auch nicht bei allen, aber es stimmt, es wurden auch Leute mitgeschleppt, die so gut wie gar nicht arbeiteten. Mein Vater erzählte immer von einem, der die meiste Zeit rumlag und schlief. Der war aber auch Lagerarbeiter oder so und nicht voll ausgelastet. Ansonsten gab es da auch Druck, abhängig vom Betrieb. Handwerker (mein Opa mütterlicherseits war Chef einer Maler-PGH) wurden nach Leistung bezahlt. Akkordlöhne gab es auch, im Bergwerk und an den Bändern usw.

          Davon abgesehen war die Bezahlung oft nicht gut. Wer sich ein Minimum an Luxusartikeln (wozu schon eine Dose Pfirsiche oder ein Kassettenrekorder zählte) haben wollte, arbeitete auch mal zusätzlich. Mein Vater hat mal eine zeitlang zwei Schichten hintereinander gearbeitet, weil das Geld knapp war. Der schlief dann immer beim vorlesen der abendlichen Geschichte ein. Kann ich mich gut dran erinnern.

          „Denn es überwogen auch für sie die positiven sozialen Elemente der Erwerbstätigkeit.“

          Das bezweifle ich.

          Es war wohl oft eher so, dass man eine Rechtfertigung brauchte, nicht zu arbeiten. Meine Mutter arbeitete z.B. eine zeitlang nicht, weil das mit 4 kleinen Kindern unmöglich gewesen wäre und sie uns nicht den ganzen Tag in die sozialistischen Indoktrinierungsanstalten ala Krippe und Kindergarten geben wollte.

          Das war nicht gern gesehen! Der sozialistische Mensch hatte produktiv zu sein! Den Kindern sollte zudem eine sozialistische Erziehung zuteil werden! Teilzeit für Frauen gab es wohl schon, aber gar nicht arbeiten, wurde mindestens mit Stirnrunzeln bedacht. Meine Mutter war auch die einzige Frau in der Bekanntschaft, die sich das traute und ich bin ihr dankbar dafür, denn die wenigen Wochen die ich dort im Kindergarten war, fand ich furchtbar (zuviele Kinder, kaum Spielzeug, strenge Erzieherinnen, ekliges Essen, die Geschwister in anderen Gruppen verteilt etc.).

          Du musst bedenken, dass die Produktivität sehr niedrig war und die DDR zusätzlich noch exportieren musste, um an wichtige Devisen zu kommen. Entsprechend war der Druck. Ich habe es selbst nicht mehr erlebt, aber m.W. war auch die Berufswahl nicht vollkommen frei. Wer nicht zu den Klassenbesten zählte und nicht linientreu genug war, bekam halt das ab, was übrig blieb. Nix mit „Philosophie studieren“, die Frauen bekamen dann halt einfach nur Studienplätze für technische Berufe. Aber das weiß ich nur vom hören-sagen.

    • Ich lache mich kringelig. Die Frau besitzt keine Shift-Taste, hat eine Punkt-Taste mit Wackelkontakt und bietet sich als Lektorin an 😂
      Sie scheint nicht in Deutschland zu leben, da sie für Elternzeit den Begriff „Karenz“ verwendet. Ich glaube in Österreich heißt das so.

    • @anne
      „eine reichhaltige Fundgrube meinfeministischer Denkungsart.“

      Das ist aber eine schmeichelnde Bezeichnung 🙂

      Also nee, ganz klar: die ist längst nicht so naiv wie sie tut. Dummerweise aber auch so dumm, das voll durchblicken zu lassen. Eine Analyse hat schon ihren Reiz, denn solchen horrenden Selbstwidersprüchlichkeiten wie hier begegnet man nicht jeden Tag und der Text ist durchaus originell!

      Welche Feministin hätte je zugegeben, dass es tatsächlich „ein, zwei feministinnen“ gegeben hätte, die „mit allzu krassen mitteln versuchten, ihre anliegen durchzusetzen.“ Diese Einlassung, leider ohne jede Namen, ist fast schon antifeministisch zu nennen! Die Autorin befleissigt sich aber sofort dies pflichtbewusst zu rechtfertigen, „es war aber in der geschichte der menschheit schon immer so, dass nur die wahren kämpfer/innen etwas ändern konnten“, so dass natürlich auch „krasse mittel“ immer gerechtfertigt sind.

      Besonders krass ist aber, wie dieser Text Vernunft und Verstand verhöhnt und vergewaltigt, selbst Sprache und Syntax werden nicht verschont.

      Dass sie meinen kann „feministinnen haben den besseren sex!“, auch nicht das Gewöhnlichste, was man liest (ausser bei diesen fake-meinFemFems) ist ganz schnell erklärt. Ihr Massstab für den Standardakt, „der nicht besonders erfüllend“ sind: „vier sekunden“ Dauer. Die mess.latte für den feministen.freund liegt also nicht besonders hoch. Ist ja auch nicht verwunderlich. Jemanden zu finden, der die feministische Weltanschauung toleriert und die Schikanen, die sich daraus immer ergeben müssten, das dürfte wirklich schwierig sein und auf die Bedüftigsten der Spezies Mann selektieren …

    • Wollte mich in den Kommentaren verewigen … hat nicht geklappt. Diese unfreundlichen Worte habe ich geschrieben:

      (…) ich bin schon seit vielen jahren aktive feministin (das bin ich mir, meinen töchtern und allen anderen frauen schuldig) (…)

      Dann darf ich dich beglückwünschen: dass du mit Töchtern gesegnet statt mit Söhnen gestraft bist.

      Dank deiner Information, dass ihr besseren Sex habt, brauche ich nicht dumm zu sterben. Wie darf ich mich erkenntlich zeigen?

      (Brrr.)

  3. Sexismus sexistisch erklärt:

    Se’xis•mus, der; -, keine Mehrzahl Diskriminierung eines Menschen aufgrund seines Geschlechts, v. a. gegenüber Frauen

    https://de.langenscheidt.com/fremdwoerterbuch/sexismus

    Synonyme (Deutsch) für „Sexismus“
    Männlichkeitswahn, Machismo (span.), Chauvinismus

    https://de.langenscheidt.com/deutsch-englisch/sexismus

    Synonyme wurden von „openthesaurus“ übernommen:

    Chauvinismus · Machismo (span.) · Machismus · Männlichkeitskult · Männlichkeitswahn · (männlicher) Sexismus · Androzentrismus (geh.)

    https://www.openthesaurus.de/synonyme/Sexismus

    Se·xịs·mus der; -; nur Sg; die Einstellung und Auffassung, dass das männliche Geschlecht größere Fähigkeiten als das weibliche hat (und die damit begründete Benachteiligung von Frauen und Mädchen)
    || hierzu Se·xịst der; -en, -en; se·xịs·tisch Adj

    „Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache“

    An alle Feministinnen die hier mitlesen:
    Das wäre in eurem „Patriarchat“ schlichtweg nicht möglich!
    Oder glaubt ihr ernsthaft, in eurem „Patriarchat“ würde so etwas in Schulbüchern stehen?

    • Das ist ein guter Punkt! Wir haben es hier mit einem sexistischen Verständnis von Sexismus zu tun.

      Und wenn dies dann auch noch in jeder denkbaren Quelle so ausgebreitet wird, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß im Verständnis der meisten Leute Sexismus gegenüber Männern ein Ding der Unmöglichkeit ist: eine contradictio in adjecto.

    • Ich bin jetzt erst durch Zufall darauf gestoßen, der Artikel erschien in der Zeit Online schon 2016, Hervorhebung von mir:

      Obama hatte im April den Tod unschuldiger Zivilisten durch Drohnenangriffe eingeräumt.

      Es gebe „keinen Zweifel, dass Zivilisten getötet wurden, die nicht getötet werden sollten“.

      Es werde immer darauf geachtet, dass zum Zeitpunkt des Einsatzes keine Frauen und Kinder anwesend seien und es sich beim Zielort nicht um ein Wohngebiet handle, sagte Obama.

      Das steht so unschuldig da, zeigt aber sehr deutlich, dass man Männern selbst als Zivilisten, kein Recht auf Leben zugesteht bzw. mindestens deren Tod billigend in Kauf nimmt. Bei Frauen ist das natürlich anders. Vermutlich gibt es selbst für Tiere einen besseren Schutz.

      Aber schon klar, Sexismus oder Diskriminierung gegen Männer kann es gar nicht geben!

  4. „Life’s restlessness“
    https://aeon.co/essays/paradoxes-of-stability-how-life-began-and-why-it-can-t-rest?
    „Why does life resist disorder? Because ever since the first replicating molecules, another kind of stability has beckoned […]
    Finally the secret of nature’s two material facets – animate and inanimate – is coming into focus. Animate and inanimate forms came about because there are two mathematical engines of stability. Boltzmann showed us the more familiar thermodynamic one, but the other is traceable to the English cleric Thomas Malthus. After all, it was Malthus, studying the economics of famine in the 1790s, who first recognised the profound consequences of exponential growth in a biological context. From Malthus, Darwin took his rise, and then on to the founding fathers of systems chemistry – Sol Spiegelman, Manfred Eigen, Leslie Orgel, Günter von Kiedrowski, and others.
    Of course, once we recognise the existence of two distinct stability kinds, one based on probabilities and energy, the other on exponentially driven self-replication, the reason for the teleological character of all living things becomes obvious. Nature’s most fundamental drive, dictated by logic itself, is toward greater stability. That drive has a thermodynamic manifestation, as expressed through the ubiquitous Second Law, but it also has a kinetic manifestation – the drive toward increasingly persistent replicators. Two mathematics, two material forms. This distinction does not trace the dividing line between living and dead matter precisely – but it does explain it, and many of the other riddles of life into the bargain.“

  5. Kategorie: „Feminismus schießt sich selbst ins Knie“

    Heute: Frauenhaus, historische Bedeutung

    n. gynaeceum, lupanar, hurenhaus: auch ists nicht köstlichs, was die recht zulassen, lassen sie doch zu gemeine frauenheuser, die doch wider gottes gebot sind. Luther 1, 189a; darumb ists gewis, das alle stift und clöster, dar- innen der meinung geistlich leut seind, das der stand sie frum und selig mache, seind vil ärger dan die gemeinen frawenheuser, tabernen und mordgruben;
    des zürnt der keiser überaus, liesz füren sie ins frawenhaus.
    H. Sachs I, 94c, hernach aber:
    und geh aus dem frawhaus darvon.

    Deutsche Wörterbuch (Der Grimm)), 1854

    3. Bordell:
    ein Rudel fahrender Fräulein, die aus dem Frauenhause »Zum Esel« von Würzburg herkamen (Heine, Rabbi 466).

    DUDEN ‒ Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
    (im „einfachen“ Wörterbuch, online, nicht enthalten)

    Und was sagt die Femipedia zur historischen Bedeutung?

    Deutschland
    Im 19. Jahrhundert verstand man unter Frauenhäusern Erziehungsanstalten für sogenannte „gefallene Mädchen“ und mittellose Frauen ohne legale Verdienstmöglichkeiten, in denen die Insassinnen meist unter kirchlicher Aufsicht mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen mussten. Das erste derartige evangelische Frauenhaus wurde von Berta Lungstras 1873 in Bonn gegründet.

    Für die Femipedia sind Bordelle also „Erziehungsanstalten“, „in denen die Insassinnen meist unter kirchlicher Aufsicht mit harter Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen mussten“!

    Na, das ist doch schon einen Asbach-Uralt wert!

  6. Der feministische Tagesanzeiger berichtet von einem Wikinger Grab und glaubt gleich, die Geschichte neu schreiben zu müssen:
    https://blog.tagesanzeiger.ch/historyreloaded/index.php/1599/die-wikinger-kriegerin-von-birka/

    Lauren Southern bezieht sich im folgenden Video darauf (ab der Mitte) und weisst auf Unstimmigkeiten hin. Inbesondere weisst das Skelett der „Kriegerin“ keinerlei Spuren von Verletzungen auf: https://www.youtube.com/watch?v=DLUMINLTNLE

    • Oh, sowas kann es schon gegeben haben:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Schildmaid

      Zieht sich ja durch diverse Sagen.

      Zitat aus Wiki:
      „Saxo beschreibt in seinem siebten Buch, wie Frauen das Leben als Kriegerinnen ergriffen, um einer Heirat zu entgehen.[8]“

      Inwiefern die im Kampf erfolgreich waren, wer weiß? Da man bei Misserfolg mit dem Leben zahlte, dürfte da ein gewisser Druck gewesen sein, sich zu behaupten 🙂

      Es bot wohl zumindest einen legalen Weg aus einer ungewollten Ehe, von einer freien Entscheidung würde ich also nicht unbedingt ausgehen.

  7. Bald bin ich mit dem österreichischen Grundwehrdienst fertig, war auch der Grund wieso ich hier seltener geschrieben hab, auch wenn ich sonst nicht zu den Aktivisten hier gehört habe.

    Befinde mich in dem Moment an der österreich-ungarischen Grenze im Assistenzeinsatz. Grenze bewachen und so. Haben auch heute noch genügend Aufgriffe, nicht so viele wie im Jahr 2015, aber doch einige.

    Was hat mich meine eigene Erfahrung an der Grenze gelehrt?

    Das wovon Medien im Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle berichtet haben, ist in den meisten Fällen manipulativ bis stark propagandistisch angehaucht. Bin in dem einen Monat jetzt mit sehr vielen Polizisten ins Gespräch gekommen, Anrainern aus Nickelsdorf sowie Soldaten, die schon öfters an der Grenze im AssE waren. Deren Geschichten (ich hab mittlerweile ein n von ca. 30) stehen diametral der damals öffentlichten Meinung und Schilderung der Ereignisse der Mainstream-Medien entgegen.

    Persönlich muss ich sagen, bei den ganzen Aufgriffen die wir hatten und die alle unterschiedlich verlaufen sind, dass es ein sehr großer Unterschied ist ob man das Ganze jetzt aus den Zeitungen kennt oder unmittelbar damit konfrontiert wird und plötzlich 12 HsF (Hilfesuchende Fremde) vor einem stehen, die man auflaufen hat lassen, während man sich mit dem WBG (Wärmebildgerät) und NSFG (Nachtsichtferngerät) in den Kornfeldern versteckt hielt und in einem sich günstig bietenden Moment mit Hand an der halbgeladenen Pistole, die im entsicherten Holster lag, leuchtstarken Taschenlampen zum Blenden und unter Gebrüll die Leute einkreist und die aus Furcht und Panik sich alle auf den Boden legen. Wie gesagt, dabei dann weinende Kinder zu sehen ist richtiger harter Scheiß. Wegen den anderen tut es mir ehrlich gesagt weniger Leid.

    Apropos Kinder: Diese bildeten bei der im letzten Monat dreistelligen Aufgriffszahl die absolute Minderheit. Frauen ebenso. Ich schätze gute 85% waren Männer in meinem Alter. Eignen tun sie sich aber hervorragend für propagandistische Zwecke, wie bereits oben beschrieben.

    Vlt. noch ein kurzer Exkurs bezüglich behördlichem Versagen:

    Letzte Woche haben wir 12 HsF auflaufen lassen. Fünf an der Zahl, zwei Frauen, zwei Kinder, ein Vater, wollten Asyl. Erstantrag wurde gewährt, wurden Stunden später nach Eisenstadt gebracht. Bei den anderen sieben nicht. Drei davon waren angeblich schon in Griechenland registriert. Jedenfalls waren wir kurz gegen Dienstende um 6 in der Früh damit beordert worden, uns vor einem bestimmten Posten hinzustellen von wo aus sie nach Ungarn abgeschoben werden sollten (sie müssen freiwillig gehen, wir sind nur dazu da um zu schauen, dass sie nicht sofort wieder nach Österreich reinkommen). Da die ungarische Polizei berüchtigt dafür ist, dass sie mit den HsF weitaus, und ich meine wirklich weitaus, härter mit ihnen umgeht als wir, werden sie es am selben Tag oder in derselben Nacht dann wieder versuchen, nur eben an anderer Stelle über die grüne Grenze zu kommen. Man kann sagen, dass es sich dabei um Ping Pong handelt: Sie kommen zu uns, werden abgewiesen, kommen nach Ungarn, wo sie ebenso nicht erwünscht sind und auch nicht bleiben wollen. Ergebnis daraus: Bei der ersten ungarischen Ortschaft nach der Grenze, Hegyeshalom, koordiniert man sich von wo aus man in Gruppen über die Grenzen will. U.a. auch mit Hilfe von Schleppern. Ab und an versucht man es weiter nördlich bei Deutsch Jahrndorf, dann wieder südlich Richtung Andau und Zurndorf.

    Um zurück zu meinen sieben afghanischen bzw. pakistanischen Zwergen zu kommen. Wir stehen also dort, schon längst Dienstende, eine Stunde länger als üblich in der ich mir millionenfach „Please sir, i want asyl in Austria“ anhören durfte, was von mir mit Schweigen beantwortet wurde. Ablöse ist zwar da, jedoch wären die mit 2:7 unterlegen, daher mussten ich und ein Kamerad noch dort als Unterstützung verweilen. In 5 Stunden dürfte ich auf 48 Stunden das Einsatzgebiet verlassen und Nachhause. Hätte nach sechs Tagen Dienst endlich frei. Doch das blieb mir verwehrt. Genau so auch wie der dringend nötige Schlaf. Wie entledigt man sich also Leuten, die nicht verstehen wollen, was auf ihren Zetteln steht und der ihnen einen Erstantrag aus Gründen verwehrt und sie im Land nicht willkommen sind?

    Es kam also wie es kommen musste: Zwangsgewalt wurde angewendet. (Wir im Bundesheer haben im Einsatz übrigens polizeirechtliche Befugnisse) Das alles geschah natürlich unter weinen, demonstrativen Aufreißen des Hemds, wo mir die Knöpfe entgegenflogen, dem Hinzeigen auf die Brust mit Fingern, die zu einer Pistole geformt wurden und dabei „kill me, shoot me here“ skandiert wurde (übrigens sehr oft zu beobachten gewesen, als ob das ein eingespieltes Schauspieltheater unter vielen HsF ist) und, schlussendlich als Auslöser, denn wir wollten verhältnismäßig handeln, da an der Ecke eines Gebäudes eine Überwachungskamera hing und jeder falsche Tritt da auch für uns Konsequenzen heißen könnte, der Griff nach der Waffe eines Wachtmeisters von uns. Was weiterhin darauf geschah will ich jetzt nicht preisgeben, jedenfalls lag ich eine halbe Stunde später dann Gott sei Dank im warmen Bett.

    Da komme ich also zwei Tage später zurück, erkundige mich nach den sieben und erfahre, dass ihnen schlussendlich doch der Erstantrag gewährt wurde.

    Fazit: Versuche es nur oft und lang genug, lass ein paar Monstertränen fließen und du lässt die österreichischen Behörden weiche Füße kriegen, weil die sich ebenso nicht mit ihnen herumschlagen wollen.

    Zum lachen. Wozu stehe ich an der Grenze und friere mir nachts den Arsch ab für einen mickrigen Sold von 460€ für den ganzen Monat?

    • Slavo, danke für den interessanten Bericht.

      Zum lachen ist das sicher nicht, aber was wäre die Alternative? Nüchtern betrachtet doch lediglich, eine Ausweitung der Zwangsgewalt bis hin zum Töten. Würdest Du das wollen? Oder ist es im Zweifel nicht besser, in dubio pro reo sinngemäß anzuwenden? Also zumindest solange wie es irgend geht?

      • interessant, daß die Tatsache, daß 85% (junge) Männer sind, außer daß verbal auf diese eingedroschen wird (Wirtschaftsflüchtlinge Drückeberger etc.) medial und öffentlich fast überhaupt nicht tiefgreifend analysiert wird. Wahrscheinlich eine Schutzfunktion, um nicht den eher unangenehmen Wahrheiten über die Funktion der menschlichen Gesellschaft ins Auge sehen zu müssen. Letztendlich ist auch den Grenzschützern nicht bewusst, daß sie mit diesen jungen Männern im Prinzip im gleichen Boot sitzen, nur das Glück hatten unter besseren ökonomischen Bedingungen aufgewachsen zu sein.

        Dazu fällt mir der ungarische Schriftsteller Frigyes Karinthy ein, der schon vor nunmehr über 90 Jahren schrieb:

        […]Ich kann nicht anders, halte man mich für feige und ungeschlechtlich: Ich bin außerstande, darin, daß die Männer sich prügeln morden und ruinieren daß sie in schweren Körper- und Verstandeskampf die zur Aufnahme der Lebensfreuden bestimmten Seele aus sich ausrotten, statt die Liebesssehnsucht zu pflegen, währenddessen sich die Frauen mit sich selbst und dem eigenen körperlichen und seelischen Wohlbefinden befassen – ich bin außerstande, darin ein beispielhaftes Symbol für menschlichen Edelmut, für Güte, Tapferkeit, Selbstaufopferung, intelektuelle Überlegenheit und Stärke zu sehen.[….]

        so schrieb er in einem Brief an H.G.Wells (dem wir die Klassiker Krieg der Welten und Zeitmaschine verdanken) in dem er näher auf seine Beweggründe eingeht für die Entstehung seiner Erzählung „Cappilaria“, nach Meinung mancher Kritiker (und auch meiner Meinung nach) eine der besten Satiren auf die Geschlechterverhältnisse.

      • „Also zumindest solange wie es irgend geht?“

        Und das ist wann vorbei? Und mit welchen Folgen für unser Land? Hast du eine ungefähre Peilung, wieviele Menschen mittlerweile in der Welt leben und denen es ganz überwiegend schlechter geht als uns? Tendenz stark steigend?

        Wenn ein Dauerzustrom aus Flüchtlingen besteht, muss man einen Zaun bauen, auch mal schießen, wenn die trotzdem drüberklettern. Ansonsten kannst du unser Land nämlich abhaken! Sozialhilfe und Co, innere Sicherheit usw. noch weit vorher…

        • Es hat halt massive Auswirkungen auch und gerade auf die innere Verfassung der Gesellschaft. Und letztlich ist es so sinnvoll wie es die „Alpenfestung“ 1945 war. Nämlich gar nicht.

          Auf jeden Fall ist es kein Mittel erster Wahl, auch wenn er (also der Schießbefehl, hohe Zäune haben wir schon) früher oder später kommen wird….

    • Sehr interessant! Danke.

      Ich würde es ähnlich sehen wie Peter Müller: Du befindest Dich in einem Problemfeld, in dem es keine Lösungen gibt – nur faule Kompromisse. Oder etwas vornehmer ausgedrückt: nur pragmatisches Vorgehen von Fall zu Fall. Es gibt kein Gut, kein Richtig – vielleicht gibt es gerade mal ein Weniger Schlecht.

      Also bitte nicht verzweifeln, bitte nicht empören – sonder einfach pragmatisch weiterwurschteln.

    • Soweit ich sehe, vertut sich Atheism-is-Unstoppable in einem Punkt:

      Die aufgehängten Schwarzen zu Beginn des besprochenen Video-Clips sind vermutlich eine Anspielung auf einen Song von Billie Holiday:

      „Southern trees bear a strange fruit,
      Blood on the leaves and blood at the root,
      Black bodies swinging in the southern breeze,
      Strange fruit hanging from the poplar trees.

      Pastoral scene of the gallant south,
      The bulging eyes and the twisted mouth,
      Scent of magnolias, sweet and fresh,
      Then the sudden smell of burning flesh.

      Here is fruit for the crows to pluck,
      For the rain to gather, for the wind to suck,
      For the sun to rot, for the trees to drop,
      Here is a strange and bitter crop.“

      Das ist ein großartiger Song – und Billie H. wußte ziemlich genau, wovon sie da gesungen hat.

      Aber man fragt sich natürlich, welchen Sinn es wohl haben mag, wenn der Eindruck erweckt wird, als würden derartige Mißstände auch in unserer aktuellen Zeit noch fortbestehen.

    • Vorsicht: die Männerbewegung macht gelegentlich ähnliche Annahmen. Wenn wir erklären wollen, warum es weiße Ritter gibt, warum es lila Pudel gibt, warum normale Männer – ganz naiv – Frauen für wertvoll halten, für unschuldig, für beschützenswert – und Männer für „disposable“, für gewalttätig usw., ja dann greifen wir auch gerne auf solchen Kategorien wie „falsches Bewußtsein“ zurück.

      Ich denke, das ist ein blinder Fleck in der Männerbewegung.

      • „falsches Bewusstsein“ ist von Adorno. Beruht auf der marxistisch-materialistischen Vorstellung, dass jede „Klasse“ ihr angemessenes, „richtiges“ Bewusstsein habe. Das ist natürlich eine irrationale, fast mystische Vorstellung, die in den allerverschiedensten Varianten existiert, wie zB im Glauben an die Sternzeichen und einem damit verbundenen Schicksal.

        Wenn man das lösgelöst davon und den Ursprung ignorierend benützt, dann kann man natürlich jede Unsinns-Ideologie meinen, inwiesweit sie sich in den Köpfen festgesetzt hat.
        Der heutige Feminismus wäre sicherlich in jeder Hinsicht ein solches „falsches Bewusstsein“.

  8. The Terrible American Turn Toward Illiberalism
    Can it be reversed?

    https://www.commentarymagazine.com/articles/terrible-american-turn-toward-illiberalism/

    „This is a generational challenge for the liberal project. So be it. Liberal societies like America’s by nature invite such questioning. But before we abandon the 200-and-some-year-old liberal adventure, it is worth examining the ways in which today’s left-wing and right-wing critiques of it mirror bad ideas that were overcome in the previous century. The ideological ferment of the moment, after all, doesn’t relieve the illiberals of the responsibility to reckon with the lessons of the past.“

    Über den sich abzeichnenden Zweifrontenkrieg des Liberalismus.

    „By “liberalism,” I was referring not to the left or center-left but to the philosophy of individual rights, free enterprise, checks and balances, and cultural pluralism that forms the common ground of politics across the West.“

  9. Jetzt kapier ich endlich, wieso man bei den „Frauen gegen AfD“ glauben kann, Trump wäre ein Gläubiger der 72 Jungfrauen-Doktrin …. die glauben dem hier:

    „Quran is like Trump. For everything Trump says today, there is an equal and opposite utterance made on another day.“

    • Ein personalisierter Ansatz ist sicher nicht schlecht, aber zu behaupten, es gäbe keine Depression, nur weil sie ähnlich behandelbar ist, wie eine Angststörung und weil sie mit anderen Problemen kombiniert auftritt, finde ich schon etwas seltsam.

      Das ganze Interview ist irgendwie komisch. Und dann auch noch das „zieh dich selbst am Schopf da raus“:

      „Der Schlüssel zur Besserung der depressiven Probleme liegt aber in entscheidendem Maße bei der Person selbst. Tu etwas, um einem Zuviel an Stressreizen vorzubeugen. Schau, was dich glücklich macht oder nicht glücklich macht, langfristig gesehen. Denk darüber nach, was du mit deinem Leben anfangen willst. Diese Art von Fragen regen wir nicht dadurch an, dass wir über “Depressionen” als Störung sprechen.“

      Der Typ könnte Selbsthilfebücher schreiben, die krebsen auch auf so einem Niveau herum, „was dich glücklich macht“ und das von einem Psychologen!

      Und der krönende Abschluss:
      “Was ist für Sie das Wichtigste, das Sie in ihrem Leben tun möchten? Was sind Ihre größten Probleme und warum schaffen Sie es nicht, daran etwas zu verändern?” Dafür würde ich gerne maßgeschneiderte Ratschläge geben. So stelle ich mir eine wirkliche “personalisierte Medizin” vor, jedenfalls für die psychische Gesundheitsversorgung.“

      Das Ende lässt mich echt zweifeln, ob der überhaupt weiß, von was er spricht. Wenn er nicht habilitiert und angeblich erfahren wäre, würde ich das für Fake halten.

      1) „Was ist für Sie das Wichtigste, das Sie in ihrem Leben tun möchten?“
      Schwer Depressive wollen i.d.R. gar nicht mehr leben und sind antriebslos, also nix „tun möchten“.

      2) „Was sind Ihre größten Probleme und warum schaffen Sie es nicht, daran etwas zu verändern?“
      Weil sie es entweder nicht ändern können oder sich ihrer Probleme nichtmal bewusst sind?

      Und dafür will er dann normierte Antworten liefern. Tolle Idee. Etwa: „tut mir leid, dass sie hässlich und arm sind und den Traumpartner nicht mehr finden werden, schlucken sie eine handvoll Schlaftabletten!“

      Mag ja sein, dass das ICD oder DSM ihre Tücken haben, mag ja sein, dass man übergreifender analysieren muss und Kritik angebracht ist, aber der Typ denkt irgendwie schräg, den würde ich da nicht ranlassen.

  10. „Dass in Deutschland seit dieser Zeit [Mitte der 1970er] so wenige Kinder geboren werden, geht zu bedeutenden Teilen darauf zurück, dass sich heute deutlich weniger Elternpaare für dritte und weitere Kinder entscheiden. Haben noch 22,4 Prozent der zwischen 1941 und 1946 geborenen Frauen drei und mehr Kinder zur Welt gebracht, waren es bei den zwischen 1972 und 1976 geborenen nur 17,0 Prozent. Dieser Rückgang der Zahl kinderreicher Familien erklärt Berechnungen von Bujard / Sulak (2016) zufolge rund 68 Prozent des Geburtenrückgangs, wohingegen nur 26 Prozent auf den deutlichen Anstieg der Kinderlosigkeit entfallen. Dennoch wird im politischen und wissenschaftlichen Diskurs über familienpolitische Ansätze zur Stärkung der Geburtenzahlen der Fokus in der Regel auf die Familiengründung und selten auf den Übergang zu drittem und weiteren Kindern gelegt. …

    Im Jahr 2015 lebten von den 865.000 Mehrkindfamilien 728.000 in Westdeutschland. Dies ist ein Anteil von 84 Prozent. …

    Die Nichterwerbsquote von Männern beträgt in diesen Haushalten [mit vier oder mehr Kindern, Anm.] 17,3 Prozent.“

    Frauen aus Paarfamilien erreichen der Befragung zufolge ihre größte Lebenszufriedenheit mit 3 Kindern (88,7 % für „hoch“), die Top-Antwort wurde von den dazugehörigen Männer ebenfalls häufig (82,6 %) gewählt – nur die Väter mit bloß 2 Kindern gaben sich noch zufriedener (86,8 %), siehe S. 31 des hier verlinkten Gutachtens:
    https://www.iwkoeln.de/studien/gutachten/beitrag/christina-anger-wido-geis-axel-pluennecke-die-volkswirtschaftliche-bedeutung-der-mehrkindfamilien-in-deutschland-360395

    Größtes Manko des Ganzen: bei Alleinerziehenden wurde nicht nach Geschlecht differenziert, es scheint sehr unwahrscheinlich, dass die getrenntlebenden Elternteile befragt wurden.

    • Ist dieses Gutachten eine Empfehlung, dass die Familienpolitik ihren Fehler mit der „Familiengründung“ (!) korrigieren sollte und wieder zum 3 und mehr Kinder-Bekommen übergeht?

      Soll das eine Menschenzucht werden?

      „Dass in Deutschland seit dieser Zeit [Mitte der 1970er] so wenige Kinder“

      Da war eine Wirtschaftskrise. Das dürfte der springende Punkt sein: die Kosten. „Die volkwirtschaftliche Bedeutung der Mehrkindfamilien.“

      Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum die Kinder anderer Leute durchezogen werden, durch ein ungerechtes Verteilungssystem, welches viel zu viele free loader angezogen hat und spätenstens jetzt mit der Immigration seine Bedeutung verloren hat. Finanzpolitisch bedeutet das den Ausfall der Renten.

      Und in dem Moment denkt man draüber nach, soziale Wohltaten auszuweiten, indem Grossfamilien begünstigt werden sollen?

      gefällt Semifemi.

      • „Ist dieses Gutachten eine Empfehlung, dass die Familienpolitik ihren Fehler mit der „Familiengründung“ (!) korrigieren sollte und wieder zum 3 und mehr Kinder-Bekommen übergeht?“

        Ich verstehe es so. Irgendwo steht da jedenfalls tatsächlich explizit, dass das Problem bei ausbleibender Familiengründung häufigst auf einen fehlenden, passenden Partner zurückginge – was sich politisch natürlich überhaupt nicht beheben lässt.

        „gefällt Semifemi.“

        Oh ja. Aus eigener Betroffenheit. Bin nämlich sogar gerad wieder schwanger… und es ist bislang die mit Abstand schönste Schwangerschaft bisher 🙂

        • Ach, du bist betroffen? Glückwunsch. Hätte ich nie vermutet. Dann ist das natürlich auch praktisch interessant.

          „dass das Problem bei ausbleibender Familiengründung häufigst auf einen fehlenden, passenden Partner zurückginge – was sich politisch natürlich überhaupt nicht beheben lässt.“

          Da gibt es doch so eine progressive Religion, die …. 😀

          Im ernst: das ist doch völlig realitätsfern. Es liegt doch am Geld und Kinder lohnen sich in dem Sinne nicht, sondern kosten nur. So hat es der moderne Staat organisiert und das ist es doch, was das Kinderbekommen einschränkt, über Effekte, dass auch keine Beziehung mehr gut hält und alles recht unberechenbar ist. Heute ist es ähnlich wie in den 70ern, mit dem Unterschied, dass keine hohe Infaltion stattfindet, bzw nur auf Vermögenswerte, nicht auf Konsumpreise. Schlechte Zeiten für Kinder, also meint der Staat helfen zu müssen…

          • Das größte Problem ist der fehlende Wohnraum.
            Wenn wir in der Vergangenheit gefragt wurden, ob wir nicht nochmal… war unsere Ausrede auch immer: wir haben kein Zimmer mehr frei/nicht genug Platz!
            Jetzt, wo es nunmal so ist wie es ist, finden wir dafür natürlich auch eine Lösung… wir haben ein Haus, da muss dann halt wieder was umgebaut werden in ein paar Jahren, damit später wieder jedes Kind sein eigenes Reich hat. Passt schon.

            Was allerdings nicht mehr für uns passen wird, ist das 5-Sitzer-Kfz, weil wir haben seit letztem Jahr ja auch noch nen Hund. Wenn wir – so wie es geplant ist – nächstes Frühjahr einen Monat nach der Geburt in Urlaub fahren wollen, müssen wir uns bis dahin schon einen hübschen, modernen Kleinbus angeschafft haben. Im Moment hat der Ford Tourneo custom gute Chancen erwählt zu werden, falls es interessiert…

          • „Es liegt doch am Geld und Kinder lohnen sich in dem Sinne nicht, sondern kosten nur“

            Und wieso bekommen in Deutschland dann ärmere Leute mehr Kinder?

          • @adrian, guter Einwand. Ich wollte nur auf die „Mittelschicht“ abstellen.
            Beim Unterschreiten einer gewissen Schwelle des Wohlstands lohnt sich das wieder, bzw es lohnt sich vorübergehend. Vor allem für Mütter, bei deren Vätern ohnehin nichts zu holen ist (dafür aber bei Staat). Und so gibt es nicht wenige Frauen, die ein Kind nach dem anderen haben. Solange das läuft, kann man sich ganz gut über Wasser damit halten. Später dann kommt die Chose mit der „Altersarmut“ und muss miese Jobs annehmen etc.
            Für jeden, der nicht so rumkrebsen will, ist diese „grosszügige“ Sozialhilfe keine Option. Kinder aber eben auch nicht.
            Ob es wohl übertrieben ist, von einem staatlichen Job fürs Kinderbekommen zu reden, der hier einer neuen „Klasse“ der Gesellschaft zufällt? Fast erscheint es mir so. Auch dass es auf die verschiedenste Weise negativ ist für unseren Staat & Gesellschaft.

          • „Ich hätte eigentlich geglaubt, du hättst ein paar Katzen, tbh“
            Erzählen kann man hier viel, kannst es doch eh nicht nachprüfen. Vielleicht ist es auch ein fetter Typ mit seinem Schwanz in der Hand der hier den Feministen spielt.

          • @P&S
            Das macht ja gerade den Reiz des Internets aus. Es könnte auch immer ein Hund sein.
            Das Internet ist, wenn man es ernst nimmt, den user zu den extremsten Abstraktionen zwingt, die vorher nicht möglich schienen 😉

    • Die Gründe wären interessant.

      Ich hätte eigentlich auch ganz gern noch ein drittes, aber auf der einen Seite fühle ich mich mit Anfang 40 einfach zu alt (und will im Leben auch noch was anderes tun, meine Frau auch), auf der anderen Seite fehlt uns auch der Platz. Schon die 2 Kinder jetzt, haben noch keine eigenen Zimmer und der Umbau gestaltet sich äußerst zäh, da sehr altes Haus, ich muss die angrenzende Scheune ausbauen usw. mir fehlt aber die Zeit und oft die Nerven dafür (und mit noch einem Kind würde das garantiert nicht besser werden). Außerdem habe ich jetzt schon immer ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht genug Zeit mit den Kindern verbringe.

      Dazu kommt: ich bin selbst mit drei Geschwistern aufgewachsen. Das ist zwar auf der einen Seite ganz schön, hat auf der anderen aber auch viele Nachteile.

      • „fühle ich mich mit Anfang 40 einfach zu alt“

        Kinder halten jung ist imho nicht bloß ne Floskel 🙂

        Unser Vorteil ist, dass nicht mein Gatte (neben seiner Führungsposition) den Umbau wuppen muss, sondern dass ich das im Team mit meinem (verrenteten) Vater machen kann (fingers crossed). Die Nachricht hat übrigens dazu geführt, dass meine Mutter sich jetzt ausrechnen lassen wird, ob bzw. wieviel früher sie (endlich) in Rente gehen könnte mit tolerablen Einbußen, an sich hatte sie vor, bis zum ihr vorgeschriebenen Zeitpunkt arbeiten zu gehen. Das wäre natürlich für Alle toll…

        „ich bin selbst mit drei Geschwistern aufgewachsen. Das ist zwar auf der einen Seite ganz schön, hat auf der anderen aber auch viele Nachteile“

        Das allerbeste war, dass wir (als mein Mann und ich bereits wussten, dass da jemand unterwegs ist, wir es aber noch niemandem verrieten, weil es dafür noch zu früh war) die Baby-Zwillinge meines Schwagers und seiner Frau besuchten und unsere beiden uns dort ungelogen anbettelten, ihnen noch ein Geschwisterchen zu schenken, sie würden dafür auch ihr Zimmer teilen. 🙂

        Das Lied, das mein Mann die letzten Monate besonders oft liefen ließ, war übrigens:

        • Ich glaube die gesellschaftlichen Konventionen verlangen an dieser Stelle ein: Glückwunsch !
          😉

          Möge das kleine Gör dir gesund entschlüpfen. Wenn die Schwangerschaft angenehm verläuft, wird es oft ein Junge, war zumindest bei meiner Frau und in meiner Bekanntschaft so.

          „Kinder halten jung ist imho nicht bloß ne Floskel“

          Abtreiben, würde ich meiner Frau auch nicht erlauben, aber planen, nee, es reicht erstmal. Klar halten die jung… und beschäftigt. Ich trage mich aber schon seit Jahren mit Plänen zur Selbstständigkeit und gehe mit verschiedenen Ideen schwanger, die ich aus Zeitgründen einfach nicht angehen kann. Worunter ich ein bisschen leide, weil mein Job jetzt auch nicht gerade die Erfüllung ist.

          „sondern dass ich das im Team mit meinem (verrenteten) Vater machen kann“

          Ja. Die Familie in der Nähe zu haben, kann ein Geschenk sein. Wobei das eben auch nur dann was nützt, wenn die Eltern nicht selbst schon 4 Kinder hatten und sich jetzt um (bisher) 7 Enkel kümmern müssen 🙂

        • „Möge das kleine Gör dir gesund entschlüpfen.“

          Dankeschön. Ich hab da übrigens überhaupt keine Sorge, wir verzichten auch auf die Fruchtwasseruntersuchung, obwohl ich diesmal – meines Alters wegen – schon als „risikoschwanger“ gelte. Aber eine Hausgeburt wird’s auch jetzt nicht geben (so schön ich das auch fände), dafür fehlts nicht bloß an Hebammen in meiner Umgebung, wesentlicher ist da tatsächlich mein Körperbau und die damit a.m.S. verbundene, größere Wahrscheinlichkeit, das irgendwas wirklich total schief laufen könnte mit viel Pech.

          „Wenn die Schwangerschaft angenehm verläuft, wird es oft ein Junge, war zumindest bei meiner Frau und in meiner Bekanntschaft so.“

          Das haben mir natürlich schon total viele Personen so gesagt (inklusive dem Gyn), und die Meisten um mich rum würden sich das auch wünschen. Mir ist es tatsächlich sehr schnurz, erste Namensideen hab ich schon für beide Fälle 🙂

          „Abtreiben, würde ich meiner Frau auch nicht erlauben,“

          Seltsame Formulierung, ist Dir schon klar, ne?
          Wir haben es in dem Fall mal ganz kurz angedacht, wenn ich ehrlich sein soll. Musst Du Dir so vorstellen, dass ich nachdem das Stichwort gefallen war mich über die Wirkweise der Abtreibungspille(n) informierte, wobei mir unaufhaltsam die Tränen runterliefen. Kurz drauf ging ich wieder zu ihm, der am Tablet beschäftigt war, und fragte ihn, wonach er so schaute. Antwort: „ein größeres Auto!“
          Damit wars dann endgültig entschieden.

          „aber planen, nee, es reicht erstmal. Klar halten die jung… und beschäftigt. Ich trage mich aber schon seit Jahren mit Plänen zur Selbstständigkeit und gehe mit verschiedenen Ideen schwanger, die ich aus Zeitgründen einfach nicht angehen kann. Worunter ich ein bisschen leide, weil mein Job jetzt auch nicht gerade die Erfüllung ist.“

          Du arbeitest Teilzeit, ne? Könntest Du da nicht – im Prinzip – (als Kleingewerbe) nebenbei den Anfang wagen?

          „Ja. Die Familie in der Nähe zu haben, kann ein Geschenk sein. Wobei das eben auch nur dann was nützt, wenn die Eltern nicht selbst schon 4 Kinder hatten und sich jetzt um (bisher) 7 Enkel kümmern müssen“

          Unser Vorteil umfasst auch die Tatsache, dass ich Einzelkind bin. Meine Eltern hätten wahrscheinlich nie damit gerechnet, mal drei Einkelkinder aufwachsen zu sehen. Es war noch jedesmal überraschend für mich, wie überwältigend positiv die Rückmeldungen meiner gesamten Familie ausfielen 🙂

    • „heißt Antonio Faccilongo“

      muhahaajhah, nicht Schwanzus Longus?

      Und die ganze Jesus-Story ist eine echte MRA-Kiste! Du als Kuckukskind dominate Mutter… Ganz schlecht ist das ausgegangen, wie jeder weiss.
      Aber zurück zu den Palästenensern: Das ist der einzige Job, da unten, der sich lohnt! Die sind alle in dem Geschäft. Pallywood, ein ganzer Operetten-Staat.
      Die ganze Welt, die UN, bezahlt sie dafür.
      Das ist der pure Irrsinn.

      „Jedes Kind eines inhaftierten Terroristen, der von der Hamas als Märtyrer gefeiert wird, erhält besondere Zuwendungen und Privilegien von arabischen Organisationen!“

      Ja, dies sind dann auch alles Kuckukskinder….

      Ich fand immer so mekwürdig, dass die Mutter von „Brian“ so wie eine Palästinenserin rüberkam und den Konflikt persiflierte… sehr genial gemacht und immer noch komisch 😀

      • was es alles gibt, die Seite kannte ich noch nicht, ist lustig.
        Nicht mal Glotzi kennt die obwohl de facto selbst Prinzessin, aber die interessiert sich auch nicht für so Politik, oder besser gesagt ihre Weltsicht ist eher mythisch als rational.

    • @Prinzessin Wolf-Dieter (mit leichtem Bartwuchs)

      http://www.prinzessinnenreporter.de/frauen-gegen-die-afd/

      Pure Panikmache und so so grotesk übertrieben, zB hier:

      „Geht es nach der AfD, wird das Recht auf Abtreibung abgeschafft und Alleinerziehende werden diskriminiert.“ … „Scheidung inakzeptabel“ wird auch behauptet.

      Die gleichen Typen wollen genauso *das* oder noch viel Schlimmeres, „Ehrenmorde“ und Terrorismus in anderen Zusammenhängen nicht sehen und verleugnen, wenn es real ist. Nur wenn es fake ist oder völlig übertrieben, dann wird Propaganda gemacht, wie hier.

      Genau deshalb wählt man die AfD: weil das mit dem Islam eben ein reales Problem ist und die Freunde vom Islam wie die Feministen damit Teil des Problems.

      • Wenn es so wäre, dass die AfD Nazi wäre, dann wäre die der grosse Verbündete des Islam und das mit der „Kritik“ nur vorgeschoben. Wenn man das denkt kann man natürlich nicht AfD gegen den Islam gewählen, das bewirkt genau das Gegenteil dann.

        Aber solange ein Gabriel dem Abbas die Hand so freundlich schüttelt, weiss man wer im Zweifel der Nazi ist.

        • Gut beobachtet. Nazis und Muslime mochten sich im zweiten Weltkrieg. Für mich sind Linke und Nazis Kollektivisten, sie unterscheiden nur nach anderen Kriterien, aber nicht in den Grundansichten und Methoden.

        • @ Alex

          „Wenn es so wäre, dass die AfD Nazi wäre, dann wäre die der grosse Verbündete des Islam und das mit der „Kritik“ nur vorgeschoben.“

          Die AfD ist wesentlich eine rechtskonservative Partei, allerdings mit rechtsradikalen Unterströmungen.
          Des Weiteren spielen die Neue Rechte und die neurechte Ideologie des Ethnopluralismus in der AfD eine wichtige Rolle im Kontext ihrer „Islam-Kritik“.

          Bei vielen vermeintlich islamkritischen rechten Gruppen ist die Ablehnung des orthodoxen und islamistischen Scharia-Islams oberflächlich und kontextspezifisch. Der orthodoxe und islamistische Scharia-Islam ist ihnen durchaus sympathischer als die westliche kulturelle Moderne – sie wollen den Islam eben nur nicht in Deutschland, weil sie dort ihre eigenen rechts-autoritären, kultur-essentialistischen Ideologien zur Durchsetzung bringen wollen.

          In vielen heutigen rechten Gruppen – einschließlich der AfD spielt die neu-rechte Ideologie des Ethnopluralismus eine wichtige Rolle, selbst die NPD hat den Ethnopluralismus inzwischen zumindest formal übernommen – die einen nationalistischen Kultur-Essentialismus vertritt, nach dem jede Kultur – sei sie auch repressiv und menschenrechtswidrig – gut und richtig sei und nur eben auf ihrem „angestammten Territorium“ bleiben solle.

          Diese Position der neuen Rechten richtet sich also nicht prinzipiell gegen den menschenrechtswidrigen orthodoxen oder islamistischen Scharia-Islam – diese rechts-autoritären, fundamentalistischen Islam-Varianten können gemäß ethnopluralistischer Ideologie in islamischen Ländern ruhig repressive, antidemokratische und menschenrechtswidrige Zustände bewirken bzw. erhalten, das ist aus ethnopluralistischer Sicht nicht kritikwürdig, man soll dies in ethnopluralistischer Perspektive auch nicht kritisieren, jede „traditionelle Kultur“ sei gut, so wie sie ist.

          Die deutschen rechts-autoritären Ethnopluralisten wollen den rechts-autoritären Scharia-Islam nur eben nicht in Deutschland, denn dort wollen sie ihre eigene rechts-autoritäre, kultur-essentialistische Ideologie zur Geltung bringen. Das schließt internationale Bündnisse mit islamischen despotischen Regierungen und islamisch-fundamentalistischen Gruppen in islamischen Ländern aber keineswegs aus.

          Der Ethnopluralismus ist nicht in irgendeinem rationalen und humanistischen Sinne islamkritisch, sondern er ist eben kultur-essentialistisch, nationalistisch, rechts-autoritär und basiert auf einem kultur-essentialistischen Rassismus, der universelle Menschenrechte – und d.h. auch universelle individuelle Freiheitsrechte – ablehnt.

          (Fairerweise muss man sagen, dass der neu-rechte Ideologe Alain de Benoist selbst, der den bescheuerten rechten Ethnopluralismus ursprünglich erfunden hat, im Laufe der Zeit versucht hat, das Potential zur Legitimierung menschenrechtswidriger Verhältnisse, das seine Ideologie beinhaltet, etwas abzuschwächen, indem er – trotz ausdrücklicher Ablehnung der Idee universeller Menschenrechte – zumindest bestimmte Formen von Unterdrückung und bestimmte Menschenrechtsverletzungen ausdrücklich auch in anderen Kulturen verurteilte.
          Allerdings müsste Benoist für eine kohärente Begründung dieser Ablehnung irgendeine Konzeption von universellen Rechten heranziehen, sonst bleibt es begründungsgemäß etwas in der Luft hängen, was er bisher nicht tut.
          Durchgesetzt haben sich seine „Reformversuche“ innerhalb der Neuen Rechten m.W. bislang auch nicht.)

          • „sie wollen den Islam eben nur nicht in Deutschland“

            Aus taktischen Gründen, zur Zerstörung der Repubik und des Westens sicher schon. So viel dümmer als die regressiven Linken, die dem Islam deshalb schon um den Hals hängen, sind die sicher nicht.

            Was die Neue Rechte als Surrogat eines Universalismus anzubieten hat, weiss ich auch nicht.

          • @Leszek:
            „Diese Position der neuen Rechten richtet sich also nicht prinzipiell gegen den menschenrechtswidrigen orthodoxen oder islamistischen Scharia-Islam – diese rechts-autoritären, fundamentalistischen Islam-Varianten können gemäß ethnopluralistischer Ideologie in islamischen Ländern ruhig repressive, antidemokratische und menschenrechtswidrige Zustände bewirken bzw. erhalten, das ist aus ethnopluralistischer Sicht nicht kritikwürdig, man soll dies in ethnopluralistischer Perspektive auch nicht kritisieren, jede „traditionelle Kultur“ sei gut, so wie sie ist.“

            Der Gedanke dahinter ist, dass man die eigene Kultur nicht als besser und höherwertig darstellt als diejenige anderer. Warum sollte der Westen für die ganze Welt geltende Standards aufstellen, an die sich alle anderen Völker orientieren müssen? Ist das nicht eigentlich eine ziemlich überhebliche Einstellung?
            Es geht weiterhin keineswegs darum, dass jede Kultur „gut so sei wie sie ist“, sondern darum, dass man selbst (als jemand, der meist das Leben und die Kultur nicht aus erster Hand beurteilen kann) nicht das Recht hat, auf andere Kulturen herabzuschauen und diese als „schlechter“ zu kritisieren. Kritik und Entwicklung innerhalb jeder Kultur ist jedoch durchaus angemessen.

            „Der Ethnopluralismus ist nicht in irgendeinem rationalen und humanistischen Sinne islamkritisch, sondern er ist eben kultur-essentialistisch, nationalistisch, rechts-autoritär und basiert auf einem kultur-essentialistischen Rassismus, der universelle Menschenrechte – und d.h. auch universelle individuelle Freiheitsrechte – ablehnt.“

            Richtig ist, dass Ethnopluralismus an sich nicht islamkritisch ist, das schließt aber nicht aus, dass einzelne Vertreter des Konzeptes des Ethnopluralismus sehr wohl den Islam kritisieren. Was ist deiner Meinung nach rassistisch am Konzept des Ethnopluralismus?
            Man lehnt nicht Menschenrechte und Freiheitsrechte ab, sondern diese anderen von oben aufzudrücken und sich selbst als Maßstab aller Dinge zu sehen. Wenn sich verschiedene Gruppen (Länder, Völker whatever) aber gemeinsam auf Menschen- und Freiheitsrechte einigen, dann wird dies durchaus befürwortet.

          • „Warum sollte der Westen für die ganze Welt geltende Standards aufstellen, an die sich alle anderen Völker orientieren müssen?“

            Weil die Menschen der anderen Kulturen auch so leben wollen wie die Westler, zumindest auf gleichem ökonomischen Niveau. Kulturen sind nicht wertungleich nach irgendeinem moralischen Maßstab, aber sie sind es nach ihrer Fähigkeit, die eigene Existenz ökonomisch abzusichern. Und da ist die westliche Kultur allen aneren überlegen (bisher jedenfalls). Wenn jemand auf westlichem Niveau leben will, materiell im wesentlichen gesichert und ohne ständigen Krieg, muss er wohl bestimmte Verhaltensweisen der westlichen Kultur übernehmen, z.B kooperativ sein anstatt sich nur um seine eigene Familie zu kümmern, Regel einhalten statt korrupt sein usw.

          • @El_Mocho:
            „Weil die Menschen der anderen Kulturen auch so leben wollen wie die Westler, zumindest auf gleichem ökonomischen Niveau. Kulturen sind nicht wertungleich nach irgendeinem moralischen Maßstab, aber sie sind es nach ihrer Fähigkeit, die eigene Existenz ökonomisch abzusichern. Und da ist die westliche Kultur allen aneren überlegen (bisher jedenfalls).“

            Erstens: ob ökonomische Maßstäbe wirklich diejenigen sind, die wichtig sind, sollte man aber wiederum jedem anderen Land selbst überlassen. Zweitens ist auch Asien mit China und Japan beispielsweise nicht unbedingt schlecht, was die Wirtschaft angeht, ganz ohne Erorberungsstreben der westlichen Welt.

            „Wenn jemand auf westlichem Niveau leben will, materiell im wesentlichen gesichert und ohne ständigen Krieg, muss er wohl bestimmte Verhaltensweisen der westlichen Kultur übernehmen, z.B kooperativ sein anstatt sich nur um seine eigene Familie zu kümmern, Regel einhalten statt korrupt sein usw.“

            Klar, weil die westliche Welt ja so dafür bekannt ist ohne Krieg zu leben (in wie viel Kriegen sind aktuell deutsche Soldaten beteiligt?)… Weil bei uns kaum einer korrupt ist. Du scheinst die Welt durch deine rosarote Brille zu sehen und einen hegemonialen Kolonialisierungsanspruch der westlichen Welt zu verteidigen. Finde ich eine gruselige Einstellung.

          • China ist sowohl extrem imperialistrisch, als auch höchst korrupt und kopiert massenhaft westliche Produkte. Es beansprucht die Spratly-Inseln vor den Philippinen für sich, obwohl die 900 km von China entfernt sind, und kauft große Ländereien in Afrika von korrupten afrikanischen Regierungen.

            Ansonsten merkt man, dass du nie in einem dieser Länder gewesen bist, oder zumindest nie näheren Kontakt zu den Menschen hattest. Es herrscht überall extremste Korruption, auf allen Ebenen der Gesellschaft. In Kolumbien legt man immer einen Geldschein in seinen Führerschein, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Den kann die Polizei dann bei Kontrollen einkassieren, ansonsten bekommt man Probleme.

            Ein kolumbianischer Bekannter hat mir mal gesagt: „Ohne die Korruption wären wir das reichste Land der Welt.“ Und er hat nicht Unrecht damit.

          • „Erstens: ob ökonomische Maßstäbe wirklich diejenigen sind, die wichtig sind, sollte man aber wiederum jedem anderen Land selbst überlassen. “

            Dann schau auf den Erfolg von Materialismus und der Wissenschaft über die grössten Feinde der Menschheit, gegen die die intra-menschlichen Kriege harmlos wirken: ein andauernder totaler Siegeszug über die schrecklichsten Krankheiten.
            Das soll nicht klar zeigen, welche Denke überlegen ist?! 😀

          • @El_Mocho:
            Du scheinst meinen Punkt nicht verstanden zu haben… Der war ja gerade, dass es China wirtschaftlich eben nicht schlecht geht, obwohl es nicht „westlich geprägt“ ist. Als Entgegnung zu deiner Aussage, dass für ein ökonomisches Auskommen, unser westliches System das beste wäre.

          • „Der Gedanke dahinter ist, dass man die eigene Kultur nicht als besser und höherwertig darstellt als diejenige anderer. Warum sollte der Westen für die ganze Welt geltende Standards aufstellen, an die sich alle anderen Völker orientieren müssen? Ist das nicht eigentlich eine ziemlich überhebliche Einstellung?“

            Also ich finde eine Kultur, in der Menschen nicht nur Verfügungsmasse der jeweiligen Obrigkeit sind (denn das bedeutet ein Mangel an Menschenrechten ja in der Praxis), anderen klar überlegen. Bin ich deshalb überheblich?

            „Es geht weiterhin keineswegs darum, dass jede Kultur „gut so sei wie sie ist“, sondern darum, dass man selbst (als jemand, der meist das Leben und die Kultur nicht aus erster Hand beurteilen kann) nicht das Recht hat, auf andere Kulturen herabzuschauen und diese als „schlechter“ zu kritisieren. Kritik und Entwicklung innerhalb jeder Kultur ist jedoch durchaus angemessen.“

            Warum sollte man als Außenstehender nicht das Recht haben, klare Fehlentwicklungen zu kritisieren (wie z. B. das Buch „Sick Societies“)? Warum sollten Ehrenmorde, Menschenopfer oder Witwenverbrennungen in der westlichen Welt ein Verbrechen, in anderen Kulturen dagegen OK sein? Weil es da Tradition ist oder sich die Leute dort darauf geeinigt haben? Warum sollten denn Traditionen oder (vermeintliche) Mehrheitsbeschlüsse sakrosant sein?

          • @ JC Denton

            „Weil es da Tradition ist oder sich die Leute dort darauf geeinigt haben?“

            Dahinter steht in letzter Instanz ein Konflikt zwischen den auf der Aufklärung beruhenden universalistischen Moralphilosophien/Politischen Philosophien einerseits und klassischen rechts-autoritären, gegen-aufklärerischen Weltsichten andererseits, über die Frage, ob menschlichen Individuen oder soziozentrischen Kollektivsubjekten ein primärer inhärenter Wert zukommt.

            Universalistischen Moralphilosophien und Politische Philosophien (z.B. Liberalismus, Sozialismus, Marxismus, Anarchismus) gehen von der Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen aus, sprechen dem menschlichen Individuum einen inhärenten Wert zu (oft mit dem Begriff Menschenwürde bezeichnet) und argumentieren auf dieser Grundlage für Menschenrechte, die keinem Menschen vorenthalten werden sollten, die daher universell gelten sollten.

            Die Ethnopluralisten führen hingegen bestimmte gegenaufklärerische rechte politische Perspektiven fort, denen zufolge nicht dem Menschen als Individuum, sondern einem Kollektivsubjekt – im rechten Denken u.a. bezeichnet als „Volk“, „Volkskörper“, „Volksgeist“, „Volksseele“, „Rasse“, „Ethnie“, „traditionelle Kultur“ „das Eigene“ usw. – ein primärer inhärenter Wert zukommt.

            In dieser Sichtweise erlangen Menschen als Individuen erst dadurch einen Wert, dass sie Teil dieses soziozentrischen Kollektivsubjekts sind, dem sie sich anpassen sollen. Es gibt daher in dieser Sichtweise keinen inhärenten Wert im Sinne der Menschenwürde, die dem Menschen als menschlichem Individuum zukommt, sondern ein primärer inhärenter Wert ist nur in dem soziozentrischen Kollektivsubjekt vorhanden und dem Menschen als Individuum kommt nur ein davon abgeleiteter Wert zu, insofern er Teil dieses soziozentrischen Kollektivsubjekts ist, dem er sich anpassen soll.

            Die Ethnopluralisten postulieren, dass die Werte und Normen jeder Kultur als bestmögliche Problemlösungen und Anpassungen bezüglich äußerer und innerer Schwierigkeiten entstehen, sie sind also zu jedem Zeitpunkt die jeweils für diese Kultur richtigen. Jede Kultur wird quasi als eigenständiger Organismus und sich selbstregulierendes System betrachtet, in das nicht von außen eingegriffen werden dürfe. Veränderungen einer Kultur sind nur aus der spezifischen Eigendynamik dieser Kultur selbst heraus wünschenswert.
            Wenn eine Kultur nun autoritäre und menschenrechtswidrige Werte, Normen und Praktiken hervorbringt, so werden auch diese als kontextspezifisch angemessene Problemlösungen und Anpassungen gesehen, durch die sich eben die Selbstregulation dieser Kultur bzw. ein Anpassungssprozess dieses spezifischen „völkischen Organismus“ zu einem gegebenen Zeitpunkt manifestiert.

            Nur dem soziozentrischen Kollektivsubjekt – also dem „Volk“, „Volkskörper“, „Volksgeist“, der „Volksseele“, „Rasse“, „Ethnie“, „traditionellen Kultur“ oder wie immer die präferierte Bezeichnung im rechten Jargon gerade lautet – kommt also ein primärer inhärenter Wert zu und daher ist auch nur dieses Kollektivsubjekt Träger universeller Rechte. Die soziozentrischen Kollektivsubjekte haben in dieser Perspektive z.B. ein Recht darauf ohne Einmischung anderer soziozentrischer Kollektivsubjekte gemäß ihrer Eigendynamik zu funktionieren. Menschen stehen hingegen keine universellen Menschenrechte zu, da sie ja Teile der soziozentrischen Kollektivsubjekte sind und sich diesen anpassen sollen, damit die Kollektivsubjekte optimal funktionieren können.

            Universalismus wird daher von Ethnopluralisten ausdrücklich als Totalitarismus bezeichnet, der Ethnopluralismus sieht sich als Philosophie der Differenz, die für die Identität und Rechte der Völker – immmer verstanden als Kollektivsubjekte – eintritt. Das meinen Neu-Rechte, wenn sie vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ sprechen, damit ist keine an den Individualrechten orientierte, menschenrechtlich basierte Demokratie gemeint, sondern die Gewährleistung des von außen unbeeinflussten Funktionierens von Kulturen verstanden als selbstregulierende Systeme bzw. von Völkern verstanden als kollektiven Organismen.

          • @Leszek:

            Du überzeichnest die Ethnopluralisten ziemlich und wirst sogar falsch wenn Du meinst, dass dem Individuum kein eigener Wert beigemessen wird. Ethnopluralismus meint, dass das Individuum ein Bedürfnis nach Gemeinschaft hat oder danach, sich mit ähnlichem zu umgeben, weil dann Gemeinschaft einfacher hergestellt werden kann. Und die Idee ist sehr vernünftig. Um miteinander kooperativ umgehen zu können, braucht man sowohl eine gewisses Maß an gemeinsamen Wertvorstellungen, die man beim Gegenüber voraussetzen kann als auch idealer Weise ein gemeinsames Interesse für ein gemeinsames Größeres zu arbeiten. Theoretisch können das beliebige Individuen, aber das ist nicht realistisch. Tatsächlich tun sich viele Individuen trotz ihres Bedürfnisses nach Kooperation relativ schwer damit „gute Kooperationen“ zu finden und wachsen zu lassen.

            Und tatsächlich umgeben sich die allermeisten Menschen mit ihresgleichen. Wenn es nicht Rasse oder Nationalität ist, dann ist es eben Klasse, Schicht, Bildungshintergrund etc. Die Gefahr nun nur noch diese gemeinschaftsstiftenden Distinktionsmerkmale zuzulassen läuft darauf hinaus, als Gesellschaft die weniger Privilegierten zurückzulassen. Wenn man eine solidarische Gesellschaft will, dann wird man nicht umhin kommen, noch dem niedrigsten Mitglied der Gesellschaft etwas zu geben, weswegen er „mehr wert“ als ein beliebiges Nicht-Mitglied ist. Und das heißt noch lange nicht, dass man alle Nichtmitglieder gleich abknallen will.

          • Leszek,

            netter Versuch von Dir:

            „…Politische Philosophien (…Sozialismus, Marxismus,… gehen von der Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen aus, sprechen dem menschlichen Individuum einen inhärenten Wert zu“

            Kauft bloß keiner. Was den einen Nation, Volk und Rasse ist den anderen die soziale Klasse oder Kaste. Da sind kollektivistische politische Philosophien sich gleich 😉

          • Hier noch eine interessante Passage zum Thema Ethnopluralismus aus einem Buch über die Neue Rechte aus dem Jahre 1998.
            Der Text beschreibt Aspekte der Theoriebildung des rechten französischen Theoriezirkels GRECE, der den Ethnopluralismus wesentlich prägte:

            „Mit diesen Positionen richtete sich GRECE gegen die Grundüberzeugungen der Aufklärung, des politischen Liberalismus und die „Ideen von 1789“: Einbezogen in diese Frontstellung sind auch die Menschenrechte, die mit einer selbst für rechtsextremistische Intellektuelle unserer Zeit erstaunlichen Aggressivität und Offenheit attackiert werden. Dabei geht es im Kern darum, individuelle Menschenrechte gegen das angebliche Recht der Völker auszuspielen. Benoist: „Der Liberalismus behauptet immer wieder die Rechte der Individuen, schweigt aber über die Rechte der Völker, der Staaten und der Nationen.“ Vom „Mythos der Menschenrechte“ ist die Rede, der einen Einheitstyp von Gesellschaft etabliere und organisch gewachsene Kulturgemeinschaften zugrunderichte. In den Menschenrechten laufen alle egalitären Ideologien zusammen, sie werden zudem als rein politisches Instrument zur Durchsetzung bestimmter Interessen angesehen.
            Ausgangspunkt für die damit verbundene Kritik ist die Ablehnung der naturrechtlichen Begründung für die Menschenrechte, die den GRECE-Intellektuellen als Fiktion gilt: es gebe keine von den Zufälligkeiten der Geburt und Erziehung unabhängige Würde, diese sei keinesfalls jedem Menschen eigen und sofern sie vorhanden sei, erscheine Menschenwürde in verschiedenen Abstufungen. (…) Die Vorstellung von allgemeinen Menschenrechten gilt lediglich als humanistischer Glaube und bar jeden Sinnes. Entsprechende Vorstellungen werden auf den Einfluss egalitärer Ideologien zurückgeführt und gelten als Ausdruck eines abstrakten Rechts, das der in konkrete Kulturen eingebundene Mensch gar nicht wahrnehmen könne. Mit dieser Interpretation wird gleichzeitig auch die Vorstellung von einer einheitlichen Menschheit negiert. Der Mensch sei kein rein biologisches, sondern auch ein kulturelles Wesen und müsse über seine Zugehörigkeit zur Kultur definiert werden. Eine einheitliche menschliche Kultur gebe es aber nicht, insofern könne auch nicht von einer einheitlichen Menschheit als moralischer Kategorie gesprochen werden.
            Konkretes Ziel dieser Kritik an den Menschenrechten ist die Verwerfung der Vorstellung von einem autonom handelnden, mit entsprechenden Rechten ausgestatteten Individuum. Der Einzelne gilt nur etwas in seiner Eigenschaft als Angehöriger einer Gruppe, einer Kultur oder eines Volkes. Im Individualismus sieht die Nouvelle Droite eine die Gemeinschaft als Organisationsprinzip zersetzende Kraft, die letztendlich ihre geistige Herkunft und das Wirken aus den allgemeinen Menschenrechten herleite. Demgegenüber trete GRECE als Verteidiger des Rechts der Kulturen und Völker auf Selbstbestimmung auf. Völker seien eben keine Ansammlung von Individuen, sondern Organismen und gewachsene Kulturgemeinschaften und daher in der Wertekategorie höher zu bewerten als Orientierungswerte, die sich auf das einzelne Individuum beziehen. Hier handelt es sich um einen schon klassischen rechtsextremistischen Topoi der Überbewertung ethnischer Zugehörigkeit, mit dem die absolute Unterordnung des Einzelnen unter die angeblichen Interessen der Allgemeinheit bzw. der Gemeinschaft begründet werden. Die Ablehnung der Menschenrechte als Ausdruck des Individualismus folgt daraus zwangsläufig.“

            (aus: Armin Pfahl-Traughber – ‚Konservative Revolution‘ und ‚Neue Rechte‘. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Leske & Budrich, 1998, S. 138 f.)

          • Das sind auch nur Zuschreibungen politischer Gegner. Ich versuche ja auch nicht Marx zu verstehen, indem ich Hayek und Friedman lese.

          • @ Ih

            „Das sind auch nur Zuschreibungen politischer Gegner.“

            Es handelt sich um ein Zitat von einem Extremismusforscher, insofern stimmt es natürlich, dass hier ein Gegner dieser Ideologie seine Meinung sagt. Aber ich hatte nicht vor, es nur bei dieser Perspektive – der ich bei diesem Thema allerdings zustimme – zu belassen.

            „Ich versuche ja auch nicht Marx zu verstehen, indem ich Hayek und Friedman lese.“

            Ja, damit hast du natürlich Recht.
            Daher hier ein Artikel von Alain de Benoist (als dem bekanntesten Vertreter des Ethnopluralismus) zu seiner Ablehnung der Menschenrechte:

            http://www.thule-italia.net/sitotedesco/Vari/debenoist/alain%20de%20benoist%20-%20religion%20der%20menschenrechte.pdf

            Hier ein Zitat, aus dem Text, in dem Benoist verdeutlicht, dass soziozentrische Kollektivsubjekte wie Volk und Nation seiner Ansicht nach stets Vorrang haben sollten und das Individuum nur insofern Rechte hat bzw. haben soll als es einer von einem solchen Kollektivsubjekt geprägten kulturellen Sphäre angehört:

            „Das Volk hat Rechte. Die Nation hat Rechte. Die Gesellschaft und der
            Staat haben Rechte. Umgekehrt hat der Einzelne auch Rechte, gemäß
            der historischen, ethnischen oder kulturellen Sphäre, der er angehört: es sind Rechte, die von den Werten und Merkmalen dieser Sphäre nicht zu trennen sind. Deshalb sind individuelle und kollektive Rechte in einer organischen Gesellschaftsform ebensowenig unvereinbar wie das Individuum selbst und das Volk, dem es angehört.“

            Der französische Ethnopluralismus ist übrigens bis zu einem gewissen Grad die politisch rechte Variante jener philosophischen Tendenz im französischen Denken von der der französische Poststrukturalismus die politische linke Variante darstellt. Es finden sich daher bei beiden hin und wieder gewisse thematische Überschneidungen und Ähnlichkeiten in der Argumentation, beide Richtungen verstehen sich als eine „Philosophie der Differenz“.
            Und wie beim poststrukturalistischen Relativismus finden sich auch beim ethnopluralistischen Relativismus regelmäßig interessante Widersprüche.

            So findet sich z.B. mitten in Benoists Verdammung der Menschenrechte, des Universalismus, des Egalitarismus und des Liberalismus und seinem Plädoyer für die „Rechte der Völker“ auf einmal unvermittelt eine Formulierung, in der er sagt, dass Freiheit erobert werden müsse und dass dies sowohl von Individuen als auch von Gemeinschaften geplant werden könne. Das steht dann so unvermittelt neben dem Rest, der damit logisch nicht in Einklang zu bringen ist, denn würde eine Idee der Eroberung der Freiheit wirklich ernst genommen, würde die ethnopluralistische Ideologie in ihrer Strukturlogik auseinanderbrechen. Es käme dann zu Liberalismus und Egalitarismus, die ja für Ethnopluralisten ganz böse sind.

            Es finden sich weitere Widersprüche in Benoists Werk. Ein m.E. sehr interessanter Artikel zur Kritik an Benoists Kritik der Menschenrechte findet sich hier:

            http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/dieter-stein-und-die-junge-freiheit-jf-1/artikel/alain-de-benoist-menschenrechtler-wider-willen-zur-kritik-der-menschenrechte-2004.html

          • Der letzte Link scheint aus irgendwelchen Gründen gerade nicht zu funktionieren.

            Daher: Der erwähnte Artikel zur Kritik an Benoists Auffassungen zum Thema Menschenrechte, der u.a. auf Widersprüche in Benoists Argumentation eingeht, findet sich auf der Seite „Endstation Rechts“:

            Mathias Brodkorb – Alain de Benoist: Menschenrechtler wider Willen – Zur „Kritik der Menschenrechte“ (2004)

            Dürfte leicht zu finden sein.

          • @Leszek
            Hervorragende Darstellung des Kollektivismus der „Neuen Rechten“ — und der Rechten überhaupt.
            Genau das unterscheidet die Linke von der Rechten: Individualismus Kollektivismus.

            Da die Kollektivisten ihren Kollektivismus verstecken wollen, üben sie sich in einer individualistischen Rhetorik und benutzen die üblichen, notorischen Inversionen (zB dass der Individualismus „totalitär“ sei und ähnliche Lügen).

          • Hören wir mal noch eine weitere Meinung zu Benoist und seinem Ethnopluralismus.
            Der Konservative Michael Böhm versucht in einem Buch zur Einführung in Benoists Werk an einer Stelle diesen vom Vorwurf rechtsradikal zu sein freizusprechen und Benoist zum großen Menschenfreund zu stilisieren.
            Das sehe ich anders, aber das Zitat ist interessant, insofern Böhm nicht leugnet, dass es Benoist darum geht, die Idee der Menschenrechte abzuschaffen und durch eine Idee der „Rechte von Völkern“ zu ersetzen.

            Michael Böhm:

            „Es dürfte mithin also bloß noch Benoists Ablehnung der Menschenrechte als extremistisch gelten können, sowie die Idee diese durch ein „Recht der Völker“ zu substituieren. Doch selbst wenn dies im Widerspruch zu jenen demokratischen Gepflogenheiten stehen sollte, die gemeinhin mit dem „zivilisatorischen Fortschritt“ assoziiert werden, erscheint es fragwürdig, de Benoists Haltung dahingehend zu interpretieren, er teile nicht jene „universelle Philanthropie“, die – nach Backes – in der liberalen Tradition zum Ethos fundamentaler Menschengleichheit und so zu den Menschenrechtserklärungen geführt habe. (…) Vielmehr wird man einräumen müssen, dass sich im beständigen Thema de Benoists, seiner Sorge um die Erhaltung der verschiedenen Völker und Kulturen, geradezu ein zutiefst philanthropisches Denken ausdrückt – nur eben, dass dessen Konsequenzen gänzlich andere sind als in der liberalen Tradition. Sie bestehen nicht in der Postulierung von Menschenrechten, wohl aber der Forderung nach einem „Recht der Völker“, ihnen liegt nicht die Vorstellung einer universalen Menschheitskultur zugrunde, wohl aber die konkrete Idee eines ethnopluralistischen Konzepts.“

            (aus: Michael Böhm – Alain de Benoist und die Nouvelle Droite, LIT, 2008, S. 284 f.)

            Tja, ich sehe kulturrelativistische Ideologien hingegen grundsätzlich nicht als menschenfreundlich an. Der Kitik an kulturrelativistischen Perspektiven aus folgendem anarchistischen Artikel stimme ich weitgehend zu:

            „Die Idee der Gleichheit rührt von dem Umstand her, das Menschen politische Wesen sind. Als solche besitzen wir die Fähigkeit verschiedene Kulturen zu erschaffen; das bedeutet aber nicht, dass alle Kulturen gleich sind. Wenn die Idee der Gleichheit aller Menschen durch die Idee der Gleichheit aller Kulturen ersetzt wird, schließt das die Möglichkeit sozialer Gleichheit völlig aus. Es ist eine entscheidende Fähigkeit der menschlichen Entwicklung, dass wir soziale, moralische und technischen Fortschritt zustande bringen, Ideen erschaffen, die nicht einfach nur unterschiedlich, sondern manchmal einfach besser sind (manchmal auch schlechter), als die vorangegangener Generationen oder anderer Kulturen.

            Die Anhänger des Multikulturalismus nötigen uns jede Absicht auf Veränderung und Entwicklung zu ignorieren und sie stattdessen durch die Notwendigkeit des Respekts für andere Kulturen zu ersetzen, unabhängig welcher, so dass die von ihnen vertretenen Traditionen gestärkt und nicht kritisiert werden. Warum sollte ich Kulturen respektieren, deren Ansichten meiner Auffassung nach reaktionär und manchmal sogar verachtenswert sind? Warum sollte man sich mit rückständigen, frauenfeindlichen und homophoben Positionen bestimmter Religionen arrangieren? Warum sollen wir nicht nach vorne sehen, in eine Zeit wenn diese Kulturen verschwunden sein werden, genau wie wir uns danach sehnen, dass kapitalistische, faschistische und autoritäre Gesellschaften endlich der Vergangenheit angehören. Wie kann ich sie respektieren ohne dabei meine eigenen Standpunkte zu diskreditieren?

            Verschiedenheit an sich, ist nicht automatisch gut. Es ist notwendig, denn es versetzt uns in die Lage verschiedenen Werte, Glauben oder Lebensweisen zu vergleichen und darüber zu entscheiden was besser oder schlechter ist. Es erlaubt uns in den politischen Dialog einzutreten und für einen universellen Wertekanon zu argumentieren, durch den Freiheit und Gleichheit erblüht und der gleichzeitig verschiedene Lebensweisen beinhaltet, die sich nicht notwendigerweise widersprechen. Das Versagen des Multikulturalismus besteht darin, dass er Dialoge und Diskussionen verhindert und außerdem die Beurteilung bestimmter Werte im Namen von „Toleranz“ und „Respekt“ erschwert. Durch ihn werden nicht die Vorteile kultureller Diversität gestärkt, sondern die Menschen werden ermutigt intolerante Positionen noch hartnäckiger zu verteidigen.“

            http://internationalworkersassociation.blogspot.de/2011/02/multikulturalismus-diversitat-und.html

          • @Leszek:

            In dem von Dir zitierten Stück findet sich die Vorstellung, dass Rechte des Kollektivs über denen des Individuums stehen sollen gar nicht. Er sagt nur, dass es die Rechte des Individuums ohne das Kollektiv gar nicht gibt. Und praktisch hat er damit völlig recht. Dafür muss man sich ja nur die Entwicklung der Bedeutung der Menschenwürde als Individualrecht im Zeitraum 1944-1954 ansehen.

            Daran ändert sich auch nichts, wenn man die Menschenrechte wie die wohl herrschende Meinung als Ausgestaltungen eines Naturrechts versteht. Das betrifft nur die Begründung dieser Rechte und sagt über die Bedeutung der Durchsetzung noch nichts aus.

            Das steht dann so unvermittelt neben dem Rest, der damit logisch nicht in Einklang zu bringen ist, denn würde eine Idee der Eroberung der Freiheit wirklich ernst genommen, würde die ethnopluralistische Ideologie in ihrer Strukturlogik auseinanderbrechen. Es käme dann zu Liberalismus und Egalitarismus, die ja für Ethnopluralisten ganz böse sind.

            Das steht da nur dann unvermittelt, wenn man Ethnopluralisten für Wiedergänger Hitlers hält und nicht richtig ließt. Wenn man sich auf die Konzepte einlässt, ist der Gedanke das Freiheit erobert werden muss und soll sehr naheliegend. Und da fällt auch überhaupt nichts auseinander, ganz im Gegenteil. Im Gegensatz zum Universalismus hat der Ethnopluralismus keinerlei Problem, wenn er feststellt, dass Freiheit endlich ist und die Freiheit des einen häufig zu Lasten des anderen geht. Der Universalismus fällt an der Stelle auseinander bzw. kann sich nur mit Ignoranz helfen.

          • Warum sollte ich Kulturen respektieren (…)

            Weil die Alternative darin besteht auf die Individuen aus dieser Kultur zu schießen? Denn wenn man das nicht will, wird einem ganz praktisch nichts anderes übrig bleiben, als das Recht dieser Individuen ihre Kultur zu leben und zu stützen zu respektieren.

          • @Ih
            „Er sagt nur, dass es die Rechte des Individuums ohne das Kollektiv gar nicht gibt. Und praktisch hat er damit völlig recht. Dafür muss man sich ja nur die Entwicklung der Bedeutung der Menschenwürde als Individualrecht im Zeitraum 1944-1954 ansehen.“

            Was muss man sich da genau ansehen?

            Meiner Meinung nach ist der Begriff der „Menschenwürde“ einer jener Versuche, die Idee vom Menschenrecht aufzuweichen und beiseitezuwischen….

            Daher würde es mich ungemein interessieren, inwiefern genau in den Begriff der Menschenwürde kollektivitische Vorstellungen eingebracht wurden! Von der reinen Begrifflichkeit der „Würde“ her war mir das schon immer klar, da „Würde“ und „Ehre“ immer auch kollektivistisch sind und niemals individualistisch sein können (denn „Würde“ und die nahe verwandte „Ehre“ sind immer *nur* denkbar, wenn man von einem Bezugsrahmen des „Volkes“ oder anderer Kollektive ausgeht).

          • @ Ih

            „In dem von Dir zitierten Stück findet sich die Vorstellung, dass Rechte des Kollektivs über denen des Individuums stehen sollen gar nicht. Er sagt nur, dass es die Rechte des Individuums ohne das Kollektiv gar nicht gibt.“

            Nein, der Kontext ist ein anderer. Er kritisiert, dass die von ihm abgelehnte Menschenrechtsperspektive primär einerseits die Menschheit und andererseits das Individuum im Blick hat und aus der Zugehörigkeit zur Menschheit universelle Rechte für das Individuum zu begründen versucht.

            Für Benoist ist aber eine andere „Ebene“ die wichtigste, nämlich die der „Völker“, die er zwischen Menschheit und Individuum ansiedelt. Diese „Völker“ – verstanden als Kollektivsubjekte – hätten auch Rechte und diese „Rechte der Völker“ würde in der Menschenrechtsperspektive nicht anerkannt. Erst durch die Zugehörigkeit zum Kollektivsubjekt („Volk“, „Nation“, „Kultur“ etc.) ergeben sich nach Benoist auch Rechte für das Individuum – und das meint er nicht nur deskriptiv, sondern auch normativ. Das „Recht der Völker“ ist primär, Rechte der Individuen sind nur abgeleitet durch Zugehörigkeit zum Kollektivsubjekt „Volk“, „Nation“ usw.

            Darum heißt es in dem Text z.B. (S. 5):

            „Die von ihr (der Menschenrechtspespektive des Liberalismus) entwickelte Logik schließlich läuft den KOLLEKTIVEN WESENHEITEN am ehesten zuwider.“ (Hervorhebung von mir)

            „Das steht da nur dann unvermittelt, wenn man Ethnopluralisten für Wiedergänger Hitlers hält und nicht richtig ließt. Wenn man sich auf die Konzepte einlässt, ist der Gedanke das Freiheit erobert werden muss und soll sehr naheliegend. Und da fällt auch überhaupt nichts auseinander, ganz im Gegenteil.“

            Das Amüsante an seiner Betonung, dass Freiheit nicht als abstraktes Prinzip bestünde, sondern sich nur in der „Eroberung von Freiheit“ manifestiere, ist, dass er hier quasi wie Michel Foucault argumentiert – nur um die Freiheit sogleich wieder einzuschränken, denn Benoist macht im Folgenden sehr deutlich, dass mit einer von ihm als wünschenswert angesehenen Freiheit keine Freiheit von „Zugehörigkeiten“ gemeint ist, was von ihm als Vorwurf gegenüber einem liberalistischen Verständnis von Freiheit gemeint ist, das in seinen Augen eine zu starke Befreiung von „Zugehörigkeiten“ erlaube.

            Der Selbstwiderspruch liegt nun darin, dass wenn er einerseits so argumentiert, dass er rationale Begründungen für Freiheit ablehnt, dass also Freiheit nicht als Prinzip besteht, sondern nur im Sinne der konkreten „Eroberung von Freiheit“, er dieser Logik gemäß auch nicht gegen jenen „liberalistischen“ Freiheiten argumentieren dürfte, die er ablehnt, wenn sie denn konkret „erobert“ werden. Dann auf einmal gibt es bei ihm aber prinzipielle Kriterien, dann haben Freiheiten plötzlich doch auch eine normativ-abstrakte Dimension.

            An anderer Stelle des Textes schreibt unser großer Freiheitsfreund übrigens (S. 6):

            „Was bedeutet Freiheit für die Anhänger der Menschenrechte? Blandine Barret- Kriegel antwortet: Es ist „die Zerstörung aller Disziplin.“ Deutlicher geht es nicht.“

            Da ist also nix mehr mit dem „Erobern von Freiheit“.

          • „Da ist also nix mehr mit dem „Erobern von Freiheit“.“

            Ganz genauso wird von der „progressiven Linken“ der „Imperialismus“ zum Sündenfall des Westens hochstilisiert, während alle anti-westlichen Stömungen prinzipiell als „progressiv“ zu gelten hätten und als „Befreiung“.
            Genau der gleiche logische Bruch.

          • Ah, die Verlinkung auf den lesenswerten Text von „Endstation Rechts“ klappt wieder. Folgende Passage zu Widersprüchen bei Benoist fand ich sehr interessant:

            „Aber wenn man sein 160 Seiten umfassendes Büchlein aufmerksam liest, wird man finden, dass letztlich auch Alain de Benoist entgegen seiner erklärten Absicht ein Menschenrechtstheoretiker ist. Denn völlig unvermittelt bekennt er auf den Seiten 78 und 79, dass man als Westeuropäer Beschneidungen und Steinigungen vielleicht doch besser schlicht als „kulturelle Eigenart“ so mancher Völker akzeptieren solle, um sich wenig später dahingehend zu positionieren, dass eine Gesellschaft, „in der Despotismus herrscht, eine schlechte politische Gesellschaft ist“ (140). Der Kampf gegen „alle Formen der Tyrannei und Unterdrückung“ sei eine Notwendigkeit. Auch habe die Ablehnung der Menschenrechte nicht die „automatisch Billigung“ (94) aller gesellschaftlichen Zustände zur Folge. Jedoch müssten Probleme jeweils im Inneren des jeweiligen Landes gelöst werden, man solle „interne Kritik anregen.“ (78)

            Plötzlich also wechselt der Franzose argumentativ von der Ebene der Philosophie pragmatisch auf die der Politik. Während er zunächst theoretisch behauptete, dass es keine „unabhängige Instanz“ (95) und keine „Universalität der Sprache“ (86) gebe, in der sich die Menschen erkennend auf ein universell gültiges, normatives, transkulturelles Rechte-Modell verständigen könnten, spricht er plötzlich nur noch pragmatisch über die Frage, wie ein solches Modell gehandhabt werden sollte. Wenn es keine Möglichkeit gibt, Menschenrechte zu begründen – also einen minimalen, absolut verbindlichen Katalog für alle Menschen zu formulieren -, ist es schlicht nicht mehr möglich, den Despotismus als eine „schlechte politische Gesellschaft“ zu bezeichnen oder jede Form von Tyrannei abzulehnen. Mit welchem Recht will Alain de Benoist Beschneidung und Steinigung als Ausdruck kultureller Eigenart respektieren, aber bspw. in einem breit getragenen despotischen Regime „interne Kritik anregen“? Das „Anregen interner Kritik“ wäre nach konsequenten ethnopluralistischen Kriterien nur eine sanftere Form des Imperialismus, eine Spielart der ungerechtfertigten Einmischung eines Westeuropäers in die inneren Angelegenheiten einer anderen Kultur. Er ignorierte den Respekt vor dem Unterschied und wäre höchstens zurückhaltender in der Wahl der kulturimperialistischen Mittel. Noch einmal: Ein konsequenter relativistischer Ethnopluralist, der eine alle Menschen umfassende verbindliche normative Basis (Menschenrechte) ablehnt, könnte zu keinerlei politischen Erscheinungen mehr moralisch-wertend Stellung nehmen, seien es Beschneidungen, Diktaturen oder Steinigungen. Dies alles wären ebenso zu respektierende Erscheinungsformen des Lebens wie die katholische Kirche. Aber so konsequent ist Alain de Benoist nicht. Seine Argumentation bleibt fatal selbstwidersprüchlich.

            Kritik ist per definitionem nicht möglich ohne die Anwendung eines objektiven, unverrückbaren Maßstabs, denn sie besteht in dem Geltendmachen eben jener Differenz zwischen dem Maßstab und der Wirklichkeit. Im Bereich der Politik stehen genau hierfür die Menschenrechte. Alain de Benoist mag sich politisch darin von anderen unterscheiden, dass er die bestehende Ausformulierung der Menschenrechte und ihre mögliche politische Instrumentalisierung kritisiert. Aber der Anspruch auf eine wie auch immer geartete Form von universellen Menschenrechten ist letztlich auch bei ihm gegeben, auch wenn er sich dies nicht eingestehen mag.“

            http://www.endstation-rechts.de/news/kategorie/dieter-stein-und-die-junge-freiheit-jf-1/artikel/alain-de-benoist-menschenrechtler-wider-willen-zur-kritik-der-menschenrechte-2004.html

          • Wofür kritisiert man ihn denn jetzt? Dafür dass er für oder gegen universelle Menschenrechte ist?

            Dabei ist seine Position im Grund sehr einfach zu verstehen, wenn man sie nur mit dem üblichen Verständniswohlwollen liest. Er will nicht, dass das der eine Staat das Recht haben soll, die Rechte der Individuen eines anderen Staates gegen diesen anderen Staat durchzusetzen. Das ist einfach Anti-Imperialismus.

            In dem Zusammenhang verwundert es mich übrigens auch immer wieder, wenn von Linken das Konzept der völkerrechtlichen Großraumordnung mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte kritisiert wird. Denn die Alternative, welche ein Interventionsrecht aus Gründen universeller Menschenrechte postuliert, ist geopolitisch betrachtet vor allem eine Rechtfertigung des maritimen Imperiums USA den Rest der Welt nach Gusto mit Krieg zu überziehen.

          • „Im Gegensatz zum Universalismus hat der Ethnopluralismus keinerlei Problem, wenn er feststellt, dass Freiheit endlich ist und die Freiheit des einen häufig zu Lasten des anderen geht. Der Universalismus fällt an der Stelle auseinander bzw. kann sich nur mit Ignoranz helfen.“

            Ich sehe nicht, wo hier das Problem des Universalismus sein soll: Jeder Mensch hat bestimmte Rechte und muss gleichzeitig mit Einschränkungen dieser Rechte leben.

            „Warum sollte ich Kulturen respektieren (…)

            Weil die Alternative darin besteht auf die Individuen aus dieser Kultur zu schießen?“

            Warum sollte das die Alternative sein? Ich kann eine Kultur ablehnen und versuchen, sie zu ändern, ohne gleich auf Menschen zu schießen. In manchen Fällen habe ich allerdings auch kein Problem damit.

            „Dabei ist seine Position im Grund sehr einfach zu verstehen, wenn man sie nur mit dem üblichen Verständniswohlwollen liest. Er will nicht, dass das der eine Staat das Recht haben soll, die Rechte der Individuen eines anderen Staates gegen diesen anderen Staat durchzusetzen. Das ist einfach Anti-Imperialismus.“

            Ich verstehe Benoists Ethnopluralismus wie Leszek: Kulturen/Völker haben einen eigenen Wert, der absoluten Vorrang vor den Rechten der individuellen Menschen hat (seine Widersprüchlichkeit ignoriere ich hier mal). Das ist schon etwas anderes als simpler Anti-Imperialismus oder die Feststellung, dass auch Gruppen/Kollektive für das Leben der Menschen wichtig sind.

            @ Leszek

            Was sind die Teilwahrheiten des Ethnopluralismus?

          • JC Denton schrieb:

            „Ich verstehe Benoists Ethnopluralismus wie Leszek: Kulturen/Völker haben einen eigenen Wert, der absoluten Vorrang vor den Rechten der individuellen Menschen hat (seine Widersprüchlichkeit ignoriere ich hier mal).“

            Hier noch einmal ein Zitat dazu von dem Konservativen Michael Böhm aus einem Einführungsbuch zu Alain de Benoist, das mir als Kopie vorliegt.
            Der Autor Michael Böhm hegt offenkundig Sympathien für Benoist, das Buch, aus dem ich im Folgenden zitiere, ist außerdem im Antaios Verlag, einem Verlag der Neuen Rechten, erschienen.
            Niemand kann hier also behaupten, es ginge in diesem Buch darum Benoist und seinen Ethnopluralismus negativ darzustellen.

            Michael Böhm:

            „Die Völker, so erklärte er (Alain de Benoist), seien nicht „zufällige Aggregate von Individuen“, sondern schöpferische Organismen, Traditionen bedeuteten ihnen das, was den Individuen ihr Erbteil bedeute. Daraus folgte, dass Institutionen, die sich für ein bestimmtes Volk eigneten, nicht „beliebig transferierbar“ seien. Wie die Menschen entwickelten die Völker „Schicksale“ und wie diese seien sie vom Bewusstseinszerfall bedroht, wenn sie ihre Vergangenheit verdrängten oder verleugneten. Deshalb hätten sie ein Anrecht darauf, sich dem universalistischen Assimilationsdruck zu entziehen und ihre ethnisch-kulturelle Eigenheit zu verteidigen.
            Das Volk als ein „schöpferischer Organismus“ – das war die Idee der (deutschen) romantischen „Volksgeistphilosophie“, der sich Alain de Benoist in den 1980er Jahren zuwandte. In ihrer organisch-naturalistischen Interpretation stand sie dem Gedanken des „Weltgeists“ von Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770 – 1831) entgegen, der einen teleologischen Fortschritt im Bewusstsein universeller Freiheit zu Grunde legte und genauso widersprach sie der Vorstellung von Menschenrechten, die die Individuen abstrakt und herausgelöst aus ihren konkreten kulturellen Bezügen zu fassen versuchten.“

            (aus: Michael Böhm – Alain de Benoist. Denker der Nouvelle Droite, Edition Antaios, 2008, S. 120 f.)

          • @ Peter Müller

            „netter Versuch von Dir:
            „…Politische Philosophien (…Sozialismus, Marxismus,… gehen von der Idee der Gleichwertigkeit aller Menschen aus, sprechen dem menschlichen Individuum einen inhärenten Wert zu“
            Kauft bloß keiner. Was den einen Nation, Volk und Rasse ist den anderen die soziale Klasse oder Kaste. Da sind kollektivistische politische Philosophien sich gleich 😉“

            Ich hatte hier natürlich die freiheitlichen, antiautoritären, libertären Strömungen des Sozialismus und Marxismus gemeint:

            https://en.wikipedia.org/wiki/Libertarian_socialism

            https://en.wikipedia.org/wiki/Libertarian_Marxism

            Ich vertrete ja die Ansicht: Sozialismus ist Liberalismus ohne Kapitalismus. 🙂

            Die philosophische Anthropologie des libertären Sozialismus lehnt die Reduktion menschlicher Individuen auf Kollektivsubjekte ab.
            Der anarcho-syndikalistische Theoretiker Rudolf Rocker fasst den libertär-sozialistischen Standpunkt dazu in dem Artikel “Die Gefahren psychologischer Kollektivbegriffe” folgendermaßen zusammen:

            “Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Klasse, Nation oder Rasse entscheidet noch lange nicht über das gesamte Denken und Fühlen des Einzelwesens, ebensowenig lässt sich aus der Denkweise oder Charakterveranlagung Einzelner der Wesensinhalt einer Nation, Rasse oder Klasse herausdestillieren. Jedes größere gesellschaftliche Gebilde umfasst Menschen mit allen nur denkbaren Charaktereigenschaften, Geistesanlagen und praktischen Betätigungen. Zwischen den Menschen, die einem solchen Gebilde angehören besteht in vielen Fällen ein gewisses Verwandtschaftsgefühl, das dem Einzelwesen zwar nicht angeboren, wohl aber anerzogen wird, (…). Dasselbe gilt auch für gewisse Ähnlichkeiten physischer und geistiger Art, welche durch die äußeren Bedingungen der Umwelt verursacht werden. In jedem Fall treten die besonderen Anlagen des Einzelwesens in seiner ganzen Entwicklung stärker hervor als alle äußeren Einflüsse. Das hatte übrigens Schopenhauer bereits sehr klar erkannt, wenn er schreibt:

            „Übrigens überwiegt die Individualität bei weitem die Nationalität, und in einem gegebenen Menschen verdient jene tausenmal mehr Berücksichtigung als diese. Dem Nationalcharakter wird, da er von der Menge redet, nie viel Gutes ehrlicherweise nachzurühmen sein. Vielmehr erscheint nur die menschliche Beschränktheit, Verkehrtheit und Schlechtigkeit in jedem Lande in einer anderen Form und diese nennt man den Nationalcharakter. Von einem derselben angeekelt, loben wir den anderen, bis es uns mit ihm ebenso ergangen ist. Jede Nation spottet über die andere und alle haben recht.“

            Was Schopenhauer hier über die Nationalität und den Nationalcharakter sagt, lässt sich ohne weiteres auf alle ähnlichen Kollektivbegriffe anwenden.”

            (Rudolf Rocker – Aufsatzsammlung Band 1, Die Gefahren psychologischer Kollektivbegriffe, Verlag freie Gesellschaft, 1980, S. 147)

          • @ JC Denton

            „Was sind die Teilwahrheiten des Ethnopluralismus?“

            Also, nach meinen Kenntnissen ist Alain de Benoist intelligenter und theoretisch anspruchsvoller als der Rest der Bagage, ich beschränke mich bei meiner Antwort jetzt also mal auf seine Version des Ethnopluralismus.

            Ich kenne das oben genannte Einführungswerk über Benoist von Michael Böhm sowie mehrere Interviews mit Benoist sowie mehrere Artikel von ihm, habe aber bislang keines seiner Bücher gelesen. Von diesem Kenntnisstand ausgehend würde ich bisher sagen – wenn man von dem einseitigen, dogmatischen und durchgeknallten „Anti-Liberalismus“, „Anti-Universalismus“, „Anti-Egalitarismus“, seiner Ablehnung der Menschenrechte und seiner theoretischen Neufassung des faschistischen Prinzips „Du bist nichts, dein Volk ist alles“ unter dem Titel Ethnopluralismus – in meinen Augen alles Elemente, die man m.E. durchaus begründet als rechtsradikal bezeichnen kann – mal absieht und die maßlos überzogenen Kritiken am Liberalismus etc. auf ein differenziertes und ausgewogenes Maß herunterbricht, dann bleiben als Teilwahrheiten, die man m.E. auch aus liberaler, egalitaristischer, universalistischer und menschenrechts-basierter Perspektive anerkennen kann folgende:

            – Eine liberale, an Freiheit, Gleichheit, Solidarität und universellen Menschenrechten orientierte moderne Gesellschaft sollte nicht nur Rechte, sondern auch Verantwortung als wesentliches Prinzip berücksichtigen, beides sollte idealerweise in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, dies impliziert, dass sowohl der Freiheit im Sinne persönlicher Selbstentfaltung als auch der Freiheit Verantwortung zu übernehmen gesellschaftliche Anerkennung zukommen sollte und dass das kulturelle Wertesystem und das politische System darauf ausgerichtet sein sollten beides – die Freiheit zur persönlichen Entfaltung UND die Freiheit Verantwortung zu übernehmen – zu ermöglichen.

            – Eine liberale, egalitäre, menschenrechts-basierte moderne Gesellschaft sollte sowohl individuelle Rechte als auch das Gemeinwohl als Wert anerkennen, auch individuelle Rechte und Gemeinwohl sollten idealerweise in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

            Für das Genannte braucht es freilich keinen neurechten Ethnopluralismus, Nationalismus oder andere rechte Ideologien.
            Versuche einer rational begründeten, ausgewogenen Verhältnisbestimmung von Individuum und Gesellschaft werden in anderen Politischen Philosophien wie dem egalitären Liberalismus, der Diskursethik, dem libertären Sozialismus, dem marxistischen Humanismus oder dem liberalen Kommunitarismus vorgenommen ohne dabei in anti-liberale, anti-universalistische, anti-egalitaristische und menschenrechtswidrige Affekte zu verfallen.

            – Benoists Weltsicht beinhaltet neben seinen rechten bzw. rechtsradikalen Elementen auch einige Aspekte, die er klassisch linken politischen Strömungen entnommen hat: Kapitalismuskritik; zumindest für europäische Gesellschaften befürwortet Benoist außerdem die Herstellung von Chancengleichheit und lehnt klassenspezifische Benachteiligung ab und er bejaht z.T. gewisse basisdemokratische Ideen.

            Gegen authentisch linke Elemente seiner Weltsicht habe ich natürlich nichts einzuwenden, nur braucht man auch dafür Benoists Ethnopluralismus nicht, solche Dinge finden sich in den Werken linker Denker in Vergangenheit und Gegenwart ausführlicher dargestellt und begründet und zudem ohne Beimischung rechts- ideologischer Elemente.

            – Benoists anti-imperialistische Sichtweisen beinhalten m.E. manchmal Teilwahrheiten (z.B. berechtigte Kritik am US-Imperialismus), allerdings nur, wenn er anti-imperialistische Sichtweisen links – also kapitalismuskritisch und machtkritisch – begründet anstatt rechts – völkisch und ethnopluralistisch – begründet. Beides kommt bei ihm vor.
            Seine Vorstellung, dass jegliche Beeinflussung anderer Kulturen hin zu Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie kritikwürdiger „Kulturimperialismus“ sei, lehne ich allerdings entschieden ab.

            – Dass die Idee der Menschenrechte leider auch als Deckmantel zur Förderung egoistischer Macht- und Profitinteressen mißbraucht werden kann, stimmt natürlich, nur spricht das nicht gegen die Menschenrechte und ihre Förderung, sondern nur gegen die Instrumentalisierung von Menschenrechten für Macht- und Profitinteressen.
            Welche gute politische Idee ließe sich nicht irgendwie mißbrauchen? Die Instrumentalisierung der Idee der Menschenrechte für egoistische Macht- und Profitinteressen lässt sich immanent – vom Standpunkte der Menschenechte selbst aus – kritisieren und bekämpfen.

            – Dass der Versuch menschenrechtswidrige Traditionen in vormodernen Kulturen zu beseitigen und durch menschenrechtlich-basierte Traditionen zu ersetzen im Einzelfall – wenn man dabei die entsprechenden spezifischen sozio-kulturellen Bedingungen nicht angemessen berücksichtigt – auch negative Effekte nach sich ziehen kann, stimmt natürlich, ist aber an sich ebenfalls eine äußerst triviale Erkenntnis.
            Alle möglichen Neuerungen in einer Kultur können – bei nicht ausreichender Berücksichtigung des spezifischen soziokulturellen Kontexts – u.U. auch negative Effekte hervorrufen. Das spricht aber nicht gegen die Förderung der Menschenrechte, sondern verweist lediglich darauf, dass man, um Fehler so weit wie möglich zu vermeiden, auf der Grundlage fundierten Wissens agieren sollte.

            Also, es finden sich in Benoists Weltsicht m.E. Teilwahrheiten, nur stellt sich eben die Frage, ob es auch solche Teilwahrheiten bei ihm gibt, die man tatsächlich als originelle und originäre bedeutende Beiträge zur Politischen Philosophie seinerseits ansehen müsste, die also weder rechtsradikal, noch trivial sind, noch bei anderen Philosophen, Soziologen etc. schon vorher ausführlich behandelt und von Benoist nur übernommen wurden.

            Und diesbezüglich habe ich bislang bei Benoist meine Zweifel, dass man ihm den Status eines neueren Klassikers der politischen Philosophie zusprechen müsste. Meinem bisherigen Eindruck nach stellt sich sein Werk folgendermaßen dar:

            – Ein Teil ist in meinen Augen rechtsradikaler Müll. Benoists Modernisierung rechtsradikaler Ideologie mag in Kreisen der Neuen Rechten als große philosophische Leistung gelten, in meinen Augen ist sie das nicht.

            – Ein weiterer Teil beinhaltet Teilwahrheiten, die allerdings eher trivial sind.

            – Ein weiterer Teil beinhaltet tatsächlich wichtige Teilwahrheiten, die aber bereits vorher von anderen Philosophen, Soziologen, Politikwissenschaftlern etc. ausführlich behandelt wurden und die Benoist von diesen lediglich übernimmt ohne bedeutsame neue Erkenntnisse hinzuzufügen.

            So mein bisheriger Eindruck.

            Nun ist es allerdings nicht meine Absicht dem armen Benoist als politischem Theoretiker Unrecht zu tun, ich nehme meinen häufig geäußerten philosophischen Grundsatz jede Strömung/Richtung/Schule der Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft auf ihre Teilwahrheiten hin zu befragen durchaus ernst und das bedeutet, dass zum Beispiel auch ein rechtsradikaler oder stalinistischer Philosoph/Soziologe/Politikwissenschaftler etc. oder ein Vertreter der widerlichen rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie oder ein Vertreter der links-regressiven, politisch korrekten Variante des Postmodernismus DANN von mir als bedeutender Philosoph/Geisteswissenschaftler/Sozialwissenschaftler etc. anerkannt wird, wenn sich begründet zeigen lässt, dass diese Person, neben dem autoritären/totalitären/menschenrechtswidrigen Müll, der mit solchen wie den genannten Ideologien einhergeht, in ihrer jeweiligen Disziplin trotzdem auch irgendwelche bedeutenden Leistungen erbracht hat, es also tatsächlich irgendetwas gibt, das man in diesem Fall mit guten Gründen als „Teilwahrheiten“ und „Errungenschaften“ bezeichnen kann.

            Bei Alain de Benoist bin ich da – ähnlich wie z.B. auch bei Judith Butler – bisher noch nicht fündig geworden.

            Aber meinetwegen kann uns Miria ja erklären, warum wir in Alain de Benoist einen großen politischen Denker von rechts sehen sollten?

            An dieser Stelle noch zwei Interviews (aus dem Jahre 2014) mit Alain de Benoist aus der neurechten Zeitschrift „Sezession“, da kann man nachlesen, was Benoist zur Zeit so vertritt:

            Der Hauptfeind heißt Liberalismus – Alain de Benoist im Gespräch über sein Lebenswerk, Teil 1:

            https://sezession.de/47402/der-hauptfeind-heisst-liberalismus-alain-de-benoist-im-gespraech-ueber-sein-lebenswerk

            Alain de Benoist im Gespräch über sein Lebenswerk, Teil 2

            https://sezession.de/47415/alain-de-benoist-im-gespraech-ueber-sein-lebenswerk-teil-2:

          • Ich verweise an dieser Stelle auch nochmal, da es thematisch passt, auf den schon mehrfach von mir verlinkten Artikel der beiden dänischen linken Multikulturalismus-Kritiker Jens-Martin Eriksen & Frederik Stjernfelt „Kultur als politische Ideologie“, die einen linken theoretischen Ansatz entwickelt haben, auf dessen Grundlage sie den (pseudo-)linken kulturrelativistischen Multikulturalismus und den neurechten Ethnopluralismus gleichermaßen kritisieren.

            Sie haben zu diesem Thema auch ein m.E. sehr lesenswertes Buch geschrieben, das leider bislang nicht auf deutsch, aber auf englisch vorliegt:

            Jens-Martin Eriksen & Frederik Stjernfelt – The Democratic Contradictions of Multiculturalism

            https://www.bol.de/shop/home/recentartikel/democratic_contradictions_of_multicultur/jens_martin_eriksen/EAN9780914386469/ID41906912.html?retn=thdehien%3Aq1

            Im Folgenden zitiere ich den Anfang des verlinkten Textes „Kultur als politische Ideologie“, (der Text findet sich übrigens auch als Kapitel in dem genannten Buch):

            „Die Kontroverse über den Multikulturalismus hat die politischen Frontverläufe verändert. Die Linke verteidigt den Respekt vor Minderheitskulturen, während die Rechte als Hüterin der Nationalkultur auftritt. Doch diese beiden Positionen bilden lediglich zwei Spielarten einer kulturalistischen Ideologie.

            Kulturalismus nennen wir die Vorstellung, dass Individuen von ihrer Kultur determiniert sind, dass diese Kultur eine abgeschlossene, organische Ganzheit bildet und das Individuum nicht in der Lage ist, seine oder ihre Kultur zu verlassen, sich vielmehr nur innerhalb dieser verwirklichen kann. Zudem behauptet der Kulturalismus, Kulturen hätten Anspruch auf besondere Rechte und Schutzmaßnahmen – auch wenn sie selbst die Rechte des Einzelnen verletzen.

            Der heutige Kulturalismus, der aus Kultur eine politische Ideologie macht, floriert bei der Linken wie bei der Rechten. Am bekanntesten ist der linke Multikulturalismus, den es in einer radikalen, antidemokratischen Variante gibt und in einer gemäßigten Variante, die ihn mit (sozial-) liberalen Vorstellungen in Einklang bringen möchte.

            Allerdings gibt es den Multikulturalismus auch bei der extremen Rechten, zum Beispiel in Form der französischen Konzepte des Ethnopluralismus. Danach haben alle Kulturen ein Recht auf Autonomie, solange sie jeweils innerhalb ihrer eigenen Territorien bleiben. Dieser rechte Ansatz führt zu dem politischen Schluss, dass Einwanderer es hinnehmen müssten, voll und ganz assimiliert zu werden, angefangen bei ihrer Religion bis hinunter zu ihrer Küche, wenn nicht, müssten sie in ihre ursprünglichen Heimatländer zurückkehren (was voraussetzt, dass es diese gibt).

            Der Kulturalismus teilt eine Reihe von Denkmustern mit dem Nationalismus. Tatsächlich ist der Nationalismus, für den eine einzige Kultur das Fundament des Staates bildet, in Wirklichkeit eine Unterart des Kulturalismus. Es überrascht daher nicht, dass die gegenwärtige Renaissance des Nationalismus in Europa in hohem Maße auf kulturalistischen Vorstellungen gründet. Das eindringlichste Beispiel auf lokaler Ebene ist die Dänische Volkspartei, die nationalistisches Gedankengut aus dem neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert wiederbelebt, wozu auch ihre radikal antiaufklärerische Position zu zählen ist. Seit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen hält es diese Partei aus strategischen Gründen für nötig, sich den Verteidigern der Redefreiheit gegen islamistische Machenschaften anzuschließen. Unabhängig von den Beweggründen für diese Kehrtwende muss festgehalten werden, dass sie nur möglich war, weil die Partei die Redefreiheit als „dänischen Wert“ in Anspruch nimmt – als ob sie eine hausgemachte Erfindung wäre. Offensichtlich handelt es sich um eine kulturalistische Geschichtsfälschung: Die Redefreiheit ist keine dänische Schöpfung. Sie hat ihren Ursprung in den Aufklärungsbewegungen verschiedener Länder; die Redefreiheit ist für Dänemark ein Import erster Güte. Liberale und demokratische Kräfte mussten sie unter großen Mühen und Kosten, in Auseinandersetzung mit dem dänischen Absolutismus und der dänischen Staatskirche erkämpfen, bis dieses Recht schließlich in der Juniverfassung von 1849, der ersten demokratischen Verfassung Dänemarks, festgeschrieben wurde.

            Ein drängendes Problem in Dänemark – wie auch in der internationalen Politik – besteht also darin, dass der Kulturalismus auf beiden Seiten des politischen Spektrums vertreten wird. Von der Linken hören wir kulturalistische Schlachtrufe nach Anerkennung der modernitätsfeindlichsten und unappetitlichsten kulturellen Praktiken; die Rechte propagiert das Dänentum und fordert die Neubelebung des modernitätsfeindlichsten und ungenießbarsten dänischen Nationalismus. Diese beiden Spielarten des Kulturalismus sind natürliche Feinde füreinander, und doch beruhen sie auf dem selben brüchigen Gedankengerüst. Ein Jahrhundert lang betrachteten der französische und der deutsche Nationalismus einander als Hauptfeinde, während beide sich doch ganz selbstverständlich auf dasselbe geistige Erbe beriefen. Der eine Kulturalismus ist automatisch der Feind des anderen, weil die Kulturalismen nun einmal zwangsläufig Partikularismen sind, weil jeder mit seinem erwählten Volk einhergeht – und nicht alle Völker gleichermaßen erwählt sein können.

            Dieser schrille Wechselgesang von Partikularismen, bei dem das Erstarken des linken Kulturalismus der kulturalistischen Rechten weitere Wähler in die Arme treibt und umgekehrt, sollte jedoch niemanden zu dem Schluss verführen, die wesentliche Konfliktlinie der heutigen Politik verlaufe zwischen den Kulturalismen der Linken und der Rechten. Im Gegenteil, der eigentliche Konflikt besteht zwischen Aufklärung und Kulturalismus – zwischen der Demokratie, dem politischem Liberalismus, den Rechten des Individuums, dem Universalismus und der Aufklärung auf der einen Seite und der unaufgeklärten Bewahrung von Kultur, Tradition und Authentizität sowie dem konservativen Glauben, das Individuum sei schicksalhaft an eine bestimmte Kultur gebunden, auf der anderen Seite.“

            https://www.perlentaucher.de/essay/kultur-als-politische-ideologie.html

          • Ein weiteres, in meinen Augen sehr lesenswertes Standardwerk linker Multikulturalismus-Kritik, auf das ich bereits mehrfach hingwiesen hatte, ist das Buch der linksliberalen Multikulturalismus-Kritikerin H.E. Baber “ The Multicultural Mystique: The Liberal Case Against Diversity“ (leider bislang nur auf englisch erhältlich):

            https://www.bol.de/shop/home/suchartikel/ID14585082.html?sq=the%20multicultural%20mystique

            Obwohl es in diesem Buch nicht um den neurechten Ethnopluralismus geht, sind ihre Argumente gegen den kulturrelativistischen Multikulturalismus zum Teil auch geeignet um den Ethnopluralismus zu kritisieren (was eben daran liegt, dass Multikulturalismus und Ethnopluralismus beide kulturalistische und kulturrelativistische Ideologien sind).

            Ein Zitat aus dem Buch:

            “Does multiculturalism make us more or less free? The answer
            seems obvious at first: multiculturalism, which supports the coexistence and equal dignitiy of diverse cultures, expands the range of cultural options and therefore enhances human freedom. But there´s a logical trick here, a fallacy. Even if there is a wide range of cultural options available within a multicultural society, it does not follow that there is a wide range of cultural options to any given individual within that society. Indeed, multiculturalism restricts freedom by locking individuals into unchosen identities, affiliations and social arrangements, some of which are themselves highly restricitive. Liberals value individual freedom. Multiculturalism restricts individual freedom. That is the liberal case against multiculturalism.“ (S. 17)

        • Also zumindest muss man Miria zugestehen, dass sie wahrscheinlich die einzige Anhängerin des rechts-autoritären neurechten Ethnopluralismus ist, die es fertig bringt gleichzeitig eine zunehmende Islamisierung Deutschlands und Europas gut zu finden und die sich dabei außerdem auch noch ausdrücklich zu einem liberalen sex-positiven Feminismus bekennt. 🙂

          • Beim Ethnopluralismus hat sie ausnahmsweise auch gute Argumente.

            Ich kann ja verstehen, dass die Entwicklung von offenem Rassismus zu Ethnopluralismus bei den Rechten viele Linke rot sehen lässt. Aber wenn man die Idee des Ethnopluralismus ohne den ideengeschichtlichen Hintergrund betrachtet, was ist daran eigentlich so schlimm?

            Deine obige Argumentation überzeugt dabei nicht. Soweit mir bekannt wollen auch die Ethopluralisten der Neuen Rechten die universelle Gültigkeit der Menschenrechte eventuell mit Ausnahme des Asylrechts hierzulande gar niemandem absprechen. Wenn Du nun kritisierst, dass sie Geltung dieser Rechte aber nicht überall auf der Welt befürworten, macht das eigentlich nur dann einen praktischen Unterschied, wenn es um einen Imperativ oder eine Rechtfertigung militärischer Abenteuer geht. Ansonsten ist das ein Streit um des Kaisers Bart. Das kann ja wohl kaum den Ethnopluralismus so böse machen?

          • „wenn man die Idee des Ethnopluralismus ohne den ideengeschichtlichen Hintergrund betrachtet, was ist daran eigentlich so schlimm? “

            Die Weigerung zum ethischen Werturteil, die damit untrennbar verbunden ist, ist schlimm, da sie Barbarei auf die gleiche Stufe stellt wie die Zivilsation.
            Und damit wird „Ethnopluralismus“ nichts anderes als ein neues zweckdienliches Instrument zur Entwertung und zum Angriff auf die westlichen Werte.

          • Die Weigerung zum ethischen Werturteil, die damit untrennbar verbunden ist, ist schlimm, da sie Barbarei auf die gleiche Stufe stellt wie die Zivilsation.

            Der Satz könnte genau so von einem Erz-Rassisten des frühen 20. Jahrhunderts stammen, der damit den Kolonialismus gegen „universelle Menschenrechte“ verteidigt. Da muss man sich doch fragen, was hier nicht stimmt?

          • „Der Satz könnte genau so von einem Erz-Rassisten des frühen 20. Jahrhunderts stammen, der damit den Kolonialismus gegen „universelle Menschenrechte“ verteidigt. Da muss man sich doch fragen, was hier nicht stimmt?“

            Vielleicht hat der Erz-Rassist des frühen 20. Jahrhunderts ja einfach recht.

          • @Leszek
            Islamisieurng != Islam, nur mal als kleiner Hinweis 😉

            Und hast du außer irgendwelchen Aussagen, mit denen du versuchst mich persönlich anzugreifen auch Argumente?

          • @lh:
            „Beim Ethnopluralismus hat sie ausnahmsweise auch gute Argumente.“

            Danke, aber wieso bitte „ausnahmsweise“?

            „Soweit mir bekannt wollen auch die Ethopluralisten der Neuen Rechten die universelle Gültigkeit der Menschenrechte eventuell mit Ausnahme des Asylrechts hierzulande gar niemandem absprechen.“

            Auch das Asylrecht möchte niemand jemandem absprechen. Man richtet sich lediglich gegen den Missbrauch desselben.

          • @Alex:
            „Die Weigerung zum ethischen Werturteil, die damit untrennbar verbunden ist, ist schlimm, da sie Barbarei auf die gleiche Stufe stellt wie die Zivilsation. Und damit wird „Ethnopluralismus“ nichts anderes als ein neues zweckdienliches Instrument zur Entwertung und zum Angriff auf die westlichen Werte.“

            Eben nicht. Gerade dadurch, dass man keine Wertung/Hirarchisierung verschiedener Kulturen vornimmt, entsteht auch keine Entwertung einer Kultur bzw. bestimmter Werte!
            Man stellt auch nicht Barbarei auf die gleiche Stufe wie Zivilisation indem man diese hier akzeptieren würde, sondern ist einfach der Meinung, nicht das Recht zu haben, andere Kulturen/Völker von oben herab wie Kinder erziehen und bewerten zu müssen. Ethnopluralismus richtet sich gegen Hegemonie und Kolonialisierung und nicht gegen irgendwelche Werte.

          • „ausnahmsweise“?

            Also wenn Du so fragst: meistens erweckst Du den Eindruck gefällig klingen zu wollen aber das Thema nicht wirklich verstanden zu haben. Ich gebe Dir mal einen Tip: Besorg Dir ein Profilbild mit Dekolleté, dann funktioniert das noch viel besser. 😛

            Auch das Asylrecht möchte niemand jemandem absprechen. Man richtet sich lediglich gegen den Missbrauch desselben.

            „Asyl-Missbrauch“ ist im Gegensatz zu Ethnopluralismus übrigens wirklich ein Begriff, der die Beschränkung des Asylrechts nur verschleiert. Entweder es gibt ein Recht auf Asyl, dann kann jeder einen Antrag stellen und hat Anspruch auf eine rechtsstaatliche Behandlung desselben – und genau das passiert aktuell. Oder man will das nicht.

          • „Der Satz könnte genau so von einem Erz-Rassisten des frühen 20. Jahrhunderts stammen, der damit den Kolonialismus gegen „universelle Menschenrechte“ verteidigt. Da muss man sich doch fragen, was hier nicht stimmt?“

            Dein Vergleich, @Ih, ist schief. Haben denn in den kolonialisierten Ländern universelle Menschenrechte irgendwas gegolten? Haben dem Kolonialisten universelle Menschenrechte etwas gegolten?

            Wenn das letztere der Fall war, dann hat dieser Aufgeklärte ganz sicher nicht die Kultur, die da durch Kolonialismus terminiert wurde, bedauert, höchstens die Menschen, die dabei umkamen. Bedauert, insofern als dass sie eben Menschen waren.

            Und dann, pünktlich zum Ende des 2.WK kommen Denker daher, die eben das nahelegen: dass die Kulturen an sich zu bedauern wären (und man sich mit den Menschen vermutlich nicht lange aufhalten muss), denn diese sind ja alle gleich.

            So konnte – auf dieser Grundlage – der „Postkolonialismus“ überhaupt erst entstehen, der einseitig den westlichen Imperialismus für alles verantwortlich machte, das Schlüsselwerk ist „Orientalismus“ von Edward Said, für die „palästinensische Sache“, ie den modernen Antisemtismus. Hier sind wir dann mitten im Intersektionalismus, „Postkolonialismus“ ist auch die direkte Grundlage für den modernen anti-Weissen Rassismus (Critical Whiteness), der – du rätst es – wen als oberste Weisse Rassisten und Nationalisten sieht?

            Das ist jetzt ein ganz kurzer Abriss, wie die Linke zu einer neuen Rechten wurde. Es fing mit dem Kultur-Relativismus an.

            Und das ist, was hier überhaupt nicht stimmt: dass der Kultur-Relativismus irgendwie links wäre. Das hat auch schon der Franzose Finkielstein über den Multikulturalismus behauptet, womit er wohl der erste ist, der dieser Verdrehung auf der Spur war…

            Das, was Ethnopluralismus genannt wird, ist dementsprechend auch praktisch das Gleiche wie Multikulturalismus.

          • Alex und JC kritisieren den Ethnopluralismus für seinen Anti-Imperialismus. Das ist neu, das ist aufregend. Wie wundervoll die Postmoderne doch ist! Tatsächlich ist diese Richtung der Kritik aber um einiges rationaler als die übliche linke.

            Dennoch: Einfach nur das Eigene, zu dem man Alternativen gar nicht wirklich kennt, für das beste zu halten und zwar auch für den Rest der Welt, finde ich geradezu einfältig. Und zwar nicht wegen des inhärenten Imperialismus. Das eigene für das beste zu halten und damit die Welt erobern zu wollen ist im Prinzip vernünftig. Aber man sollte sich dabei bewusst bleiben, dass dabei der eigene Sieg wichtiger als der Sieg des Eigenen ist, sonst macht man taktische Fehler.

          • @lh:

            „Also wenn Du so fragst: meistens erweckst Du den Eindruck gefällig klingen zu wollen aber das Thema nicht wirklich verstanden zu haben.“

            Du kannst dir sicher sein, dass ich ein Thema verstanden habe, wenn ich eine Meinung dazu habe. Denn meist bilde ich mir meine Meinung erst durch die Beschäftigung mit verschiedenen Positionen zum jeweiligen Thema. 😉
            Wem gegenüber außerdem gefällig?

            “ Ich gebe Dir mal einen Tip: Besorg Dir ein Profilbild mit Dekolleté, dann funktioniert das noch viel besser. 😛“

            Auf Twitter reicht offensichtlich auch ein ganz harmloses Porträt:

            https://nur-miria.blogspot.it/2017/09/als-junge-hubsche-frau-sollten-sie-doch.html?m=1

            Was das Thema“ Asyl-Missbrauch“ angeht: Es gibt ein Recht auf Asyl, aber das ist an bestimmte Bedingungen geknüpft, z. B dass diejenigen Schutz vor Verfolgung benötigen. Jemand, der einfach nur keinen Job hat, hat kein Recht auf Asyl. Das Problem ist, dass zu viele Menschen herkommen, die eben kein Recht darauf haben und selbst bei abgelehnten Asylanträgen nur sehr selten abgeschoben wird.

          • „Einfach nur das Eigene, zu dem man Alternativen gar nicht wirklich kennt, für das beste zu halten und zwar auch für den Rest der Welt, finde ich geradezu einfältig.“

            Das stimmt schon, allerdings geht es hier ja nicht um „das Eigene“ im Sinne einer gesamten Kultur, sondern um universelle Menschenrechte.

            „Aber man sollte sich dabei bewusst bleiben, dass dabei der eigene Sieg wichtiger als der Sieg des Eigenen ist, sonst macht man taktische Fehler.“

            Das kann zweierlei bedeuten:
            1. Man darf sich nicht scheuen, von anderen Kulturen zu lernen.
            2. Macht ist wichtiger als moralische Überlegenheit.
            Beides ist wahr.

          • @JC Denton

            „Vielleicht hat der Erz-Rassist des frühen 20. Jahrhunderts ja einfach recht.“

            Ach was. Alex hat nur kapiert, dass Ethnopluralismus eine Art Isolationismus ist bzw. diesem Vorschub leistet. Als Israel-Fan kann er sich das nicht leisten, denn wenn Amerikaner und Europäer keine Kriege mehr gegen die israelischen Feinde führen, bekommt Israel vermutlich irgendwann ein echtes Problem.

        • @Miria
          „dass es China wirtschaftlich eben nicht schlecht geht, obwohl es nicht „westlich geprägt“ ist. “

          China hat den Kommunismus übernommen, der ist eine westliche Erfindung.
          Danach hat China den westlichen Kapitalismus imitiert und das ist der Grund für die wirtschaftliche Realität Chinas heute.
          Das moderne China ist also durch und durch westlich geprägt.

        • @ Ih

          „Du überzeichnest die Ethnopluralisten ziemlich“

          Das finde ich nicht.
          Die genannten Aspekte sind für ein Verständnis und eine Beurteilung der weltanschaulichen Grundlagen des Ethnopluralismus m.E. wichtig.

          „und wirst sogar falsch wenn Du meinst, dass dem Individuum kein eigener Wert beigemessen wird.“

          Dem Individuum wird nur als Teil des „völkischen Organismus“ ein Wert beigemessen, sagte ich.
          Das, was du hervorhebst, ist m.E. nur die Kehrseite davon, eben eine „philosophische“ Anthropologie bzw. ein Menschenbild, dem zufolge der Mensch sich primär und vor allem durch ein Bedürfnis nach unbedingter Identifikation mit einer kulturellen Gemeinschaft auszeichnet und die Menschenrechte diesem Bedürfnis gegenüber nachrangig sind.

          Die Betonung des Kollektivs vor dem Individuum und das Hervorheben von auf das jeweilige idealisierte Kollektiv ausgerichteten Gemeinschaftsbedürfnissen des Individuums (vor allen anderen Bedürfnissen und mit Primat gegenüber den Menschenrechten) sind in rechten Ideologien zwei Seiten einer Medaille.

          „Ethnopluralismus meint, dass das Individuum ein Bedürfnis nach Gemeinschaft hat oder danach, sich mit ähnlichem zu umgeben, weil dann Gemeinschaft einfacher hergestellt werden kann.“

          Ethnopluralismus meint schon noch etwas mehr als das. 🙂
          Es gibt ja potentiell viele Möglichkeiten Gemeinschaftsbedürfnisse von Menschen und die Idee universeller Menschenrechte in Einklang zu bringen.
          Im Ethnopluralismus geht es hingegen – wie in allen rechts-autoritären Ideologien – um die Legitimierung der Unterordnung des Individuums unter idealisierte Kollektivsubjekte und um die Instrumentalisierung von Gemeinschaftsbedürfnissen zur Erhaltung oder Herbeiführung anti-aufklärerischer, anti-liberaler kultureller Ordnungen. Nicht zufällig sieht der Ethnopluralismus ja im Liberalismus seinen zentralen Gegner.

          • Ich wunder mich halt, was aus der linken Globalisierungskritik geworden ist. Die Frage ist ja heute nicht, ob das Kollektiv „über alles“ (ich denke dabei an die Dead Kennedys) ist, sondern ob überhaupt noch ein identifikationsfähiger Kollektivrest im globalen Markt der miteinander konkurrierenden Individuen bleiben darf.

        • @Alex:

          Nein, die Menschenwürde ist schon die Kondensation des Gedankens, dass das Individuum vor dem Kollektiv geschützt werden muss. Gerade in der Ideengeschichte der deutschen Verfassung ist Menschenwürde geradezu als Anti-Faschismus und Anti-Nazismus definiert.

          Mein Argument ist nur, dass das Konzept der Menschenwürde für sich alleine, also ohne einen Staat der dieses Recht respektiert und auch durchsetzt, keinen feuchten Kehricht wert ist. Auch wenn man die Menschenwürde aus dem Naturrecht begründet, ist das Individuum als Träger des Rechts dennoch in keiner Weise in der Lage, dieses Recht alleine und selbstständig gegenüber anderen durchzusetzen.

  11. Wenn man böse ist, kann man der Welt Wahlhilfe für die AfD nachsagen. Oder sind die einfach nur blöd?
    Spätestens jetzt hätten sie ja mit weiteren emails und sowas kommen müssen, um ihre story zu untermauern.

  12. „“If we love ourselves and our people, we will defend our lives and humanity by any means necessary“ @BlakeDontCrack“

    Oh ja, diese Gestapotypen sehen total friedfertig aus. Ist aber nur „Selbstverteidigung“. Und nur nebenbei „revolutionär“.

  13. Neben dem Vatertag versuchen Feministinnen ja auch immer wieder jeden anderen Männertag abzuschaffen oder in einen Feiert-und-ehrt-Frauen-Tag zu ändern. Frauen-Equality kann nämlich nur erreicht werden wenn niemand mehr irgendwelche positiven Gedanken mit Männern in Verbindung bringt.

    Nun seht euch mal das hier an:

    http://australianmensnetwork.com

    „Proudly brought to you by…“

  14. Laut der neuesten Ausgabe der Zeitschrift GEO haben Politikwissenschaftler aus Chicago und Montreal ( Oeindrila Dube und S.P. Harish) 193 europäische Regierungen aus den Jahren 1480 bis 1913 analysiert, davon wurden 34 von Frauen geführt.
    Die Wahrscheinlichkeit, daß Königinnen in Kriege zwischen Staaten verwickelt waren, war 27 – fach höher als bei Königen.
    Die Wissenschaftler glauben, daß Frauen Krieg und Gewalt eigentlich eher ablehnen, da? Staatsführer ihre Entscheidungen aber eher aus strategischen Überlegungen treffen und persönliche Ansichten weniger wichtig sind.
    Als weiteres Argument wird aufgeführt, daß Frauen männlichen Herrschern als leichtes Angriffsziel gegolten haben mögen.
    Umgekehrt sei die Ursache für Angriffslust der Königinnen, daß sie schlicht mehr Zeit hatten, sich um Kriegsführung zu kümmern, da sie die Staatsführung z.T. einfach dem Ehemann übertrugen, was umgekehrt weniger gestattet war.
    Für die These, daß sich Königinnen durch Krieg beweisen wollten, oder leichter durch Minister beinflussbar waren als Könige fanden sich keine Beweise.
    Auf die heutige Zeit sei das nicht übertragbar, sie verweisen auf eine andere Untersuchung. In dieser wurden Demokratien zwischen 1970 und 2000 untersucht. Wurden diese von einer Frau geführt, so waren Verteidigungsetat und Ausmaß externer Konflikte zwar überdurchschnittlich hoch, waren jedoch mehr Frauen insgesamt in der Regierung beteiligt , waren Etat und Konfliktzahl eher niedriger.
    Soweit kurz der Inhalt der Untersuchung , wie in der Zeitschrift GEO wiedergegeben.

  15. Martenstein über die Berfragung von Berliner Lehrern:

    „Alle Lehrer sollen detaillierte Angaben zu ihrer Person machen, Schultyp, Adresse der Schule, Alter, Dienstjahre, von Anonymität kann nicht die Rede sein. Die Uni sagt, dass sie die individuellen Daten nicht an ihren Auftraggeber weitergibt, da muss man wirklich viel Vertrauen aufbringen.

    Die Fragen klingen zum Beispiel so: „Wie oft haben Sie Geschlechterrollen hinterfragt? Wie oft haben Sie Materialien verwendet, in denen Personen vorkamen, die Geschlechterstereotypen widersprachen, zum Beispiel Mädchen, die Fußball spielen? Sollte sexuelle Vielfalt thematisiert werden?“ Und: „Was ist Ihre sexuelle Orientierung?““

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/martenstein-ueber-gesinnung-was-ist-ihre-sexuelle-orientierung/20338390.html

    Hat vielleicht jemand ein paar Hintergründe dazu?

    • „Federführend ist die private Sigmund-Freud-Universität“

      Wer steckt denn da hinter? Hört sich nach postdemokratischen Umtreiben a la Tony Blair an …

      Der Senatsverwaltung sollte die Hölle heiss gemacht werden. Wehret den Anfängen!

      • War mir unbekannt diese Universität. Ist ganz klar ein Produkt der New-Age-Psychoindustrie, völlig gruselig….

        Ein Skandal, dass die eine Universität für ihren Hokuspokus aufmachen können.

        Eigentlich kann man sich dann auch über die grosse Akzeptanz von Islam und anderem tiefst reaktionären Zeuchs wie eben dieser New-Age-Schleuder nicht mehr wundern ….

        Da kann man nur noch meinen: Guttenberg als Bildungsminister der neuen Groko! YES!

  16. „Und deshalb, liebe Freunde, haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen. Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

    https://tapferimnirgendwo.com/2017/09/17/alexander-gauland-und-sigmar-gabriel-sind-sich-aehnlicher-als-sie-meinen/

    Ob Gauland wohl auch auf die Leistungen der EU stolz ist? Immerhin hat die ja geschafft, was die Heere Deutschlands nicht geschafft haben: Europa zu dominieren….

    Und diesbezüglich könnten sich Gauland und Gabriel auch „ähnlicher sein, als sie meinen“.

    Der gravierende Unterschied zwischen beiden ist der, dass Gabriel noch frisch ist und Gauland schon in die Phase des Sporulierens übergegangen ist, weit über jedes vernünftige Mindeshaltbarkeitsdatum hinaus 😀

    Wer ist noch ekliger als Gauland? Der toppt doch alles…. Platz 2 geht für mich an Schäuble. Gibt noch jede Menge extrem nerviger Typen, aber das ist schon eine andere Kategorie (Roth, Stegner).

    • Gauland ist nicht eklig, er hat recht.

      Was dir (und den Hetzmedien) entgangen ist, er weist diskret daraufhin, dass die Franzosen mit Napoleon auch ihren Hitler hatten (und ihn heute noch verehren), die Briten mit Nelson, dem hier:
      „Nelson hatte entscheidenden Anteil daran, dass die britische Marine in den Koalitionskriegen nahezu nach Belieben die Weltmeere beherrschen konnte.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Horatio_Nelson,_1._Viscount_Nelson#Nelsons_Wirkung
      und Churchill:
      https://zuercherin.com/warum-winston-churchill-ein-kriegsverbrecher-war/

      Aber nur wir haben in dieser Hinsicht unsere Geschichte kritisch aufgearbeitet, die Moral der Aussage besteht also darin: „wenn ihr eure Verbrecher verehrt, können wir unsere auch verehren“.

      Im Übrigen würde ich die Wehrmacht auch nicht als verbrecherisch einstufen, sie ist ein Instrument der Diktatur gewesen. Ein Hammer ist ein Hammer, ob man damit Schädel einschlägt oder Nägel, dafür kann er nichts. Die allermeisten deutschen Männer konnten sich nicht aussuchen, ob sie kämpfen wollten, sie mussten. Und sie sind doppelt gestraft dafür, dass man sie danach noch dafür runtergemacht hat. In der Liga spielen auch die aktuellen Säuberungen der vdL, die Transatlantik-Trulla, die gar nichts kapiert hat.

      Leider finde ich die Rede nicht im Volltext, aber bei youtube:

      Eine gute Rede, Gauland ist ein kluger Mann, deshalb verstehen die 0815-Hetzjournalisten die Aussagen ja auch nicht.

      • „dass die Franzosen mit Napoleon auch ihren Hitler hatten“

        Napoleon hat keine Leute zum Spass umgebracht und das war geradezu das Kennzeichen vom Hitlerstaat. Napoleon waren Sodatenheere, die haben die Verluste ertragen, Krieg war beschränkt und professionalisiert (um das mal modern auszudrücken).
        Dieser Vergleich ist also bestenfalls revanchistisch und will auchrechnen.
        Also, dass nenn ich mal Aufstachelung, solche Vergleiche.

        Extrem dubios, wie dieser Mann an die Spitze dieser Partei kommen konnte und auch sich noch halten kann. Gehen die auch mal an die „Externsteine“ oder gar mal nach Stonehenge, wenn die am Kyffhäuser tagen? Oder ist das so eine Rocky Horror Picture Show mit Kaiser Rotbard?

        Ja, der Mann hat es geschafft, dass die Neue Rechte eine neue Partei unterwandern konnte. Tolle Arbeit, liebe Regierung (diefe Ironie)
        Aber wer weiss, vielleicht bräuchen wir den guten Kaiser tatsächlich bald? Soll Gauland den doch beschwören 😀
        So was Dämonisches hat er ja auch drauf.

    • Ich finde diese Äußerung auch ziemlich dämlich. Mein Vater war Soldat, zwangsweise, mit 17 Jahren 1945. Nach seiner Erzählung haben alle nur versucht, sich möglichst schnell nach Westen abzusetzen, um in amerikanische und nicht in russische Gefangenschaft zu geraten. Alles nicht heroisch und auch keine große Leistung.

  17. „Es ist nicht alles schlecht, was #Scharia ist. Ein Kommentar.“

    Das kann ja sein, aber das *Prinzip* ist an sich schlecht und zB mit der FDGO und – wichtiger – mit den westlichen Werten völlig unvereinbar. Allein der Gedanke, es gäbe unhinterfragbare göttliche Gebote, Regeln oder Direktiven – eine solche Idee ist mit der unsrigen von Justiz völlig unvereinbar. Noch schlimmer ist, dass verschiedene Arten von Recht für die „Rechtgläubigen“ und die „Ungläubigen“ da sind.

    Die „Links“-Regressiven wie vom „Tagesspiegel“ hier sind als die Rechtsextremen, die sie in Wirklichkeit sind, wollen nur das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz zerstören. Und dafür ist ihnen jedes Mittel recht, auch der Pakt mit dem Islam.

    Diese reaktionäre Linke und der Islam — ein moderner Hitler-Stalin-Pakt.

    • Dazu passt ja die Verherrlichung des islamischen Terrorismus als „Mut“, die in der unsäglichen „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen war:

      Aristoteles ist hier ganz klar falsch zitiert und man kann gar nicht glauben, dass dies unbeabsichtigt geschehen ist. Denn die Tugenden des Aristoteles, wie der Mut, kennzeichen sich durch ihre „Mitte“ und „Angemessenheit“ aus und das müsste jeder wissen. Selbstmordterrorismus wäre nach Aristoteles als extremer „Übermut“ aufzufassen und als Untugend vollkommen abzulehnen.

      Aus dem aristotelischen Übermut macht die SZ einfach „ungeheuren Mut“, also einen ganz besonders augezeichneten Mut, was schlicht und ergreifend eine Verherrlichung der völlig unmenschlichen „Selbstmord“-Attentats-Waffe ist.

      Das haben nicht mal die Nazis gebracht, das was Khomeinei für den politischen Islam geleistet hat. Insofern wäre es eine Untertreibung zu sagen, dass die SZ Nazimethoden verherrlichen würde.

      SZ & Chef Prantl: IHR WIDERT MICH AN.
      Das was ihr hier schreibt ist objektiv schlimmer als der schon super-widerliche Spruch Gaulands mit den angeblichen „Verdiensten“ der deutschen Armee in den Weltkriegen (s.o.), da es die Top-Waffe eines neuen, noch wahnwitzigeren Imperialismus als äusserst tugendhaft verklärt und dann noch als „Selbstüberwindung“ anpreist.

      http://www.sueddeutsche.de/kultur/debatte-warum-wir-neidisch-auf-terroristen-sind-1.3654049!amp

      Den Autor muss man sich merken: „Christoph Türcke ist Philosoph und hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig gelehrt. In Kürze erscheint sein Buch „Umsonst leiden. Der Schlüssel zu Hiob“ (zu Klampen Verlag).“

      Weiterhin unterstellt der Autor, dass in „der Empörung gegen ihn“ (den „Fundamentalismus“, bzw gegen den Terror) „auch verstohlener Neid“ stecke …. und:

      „Der islamistische Terror legt den Finger in die Wunde der „postheroischen Gesellschaft“, die von Herfried Münkler und anderen Interpreten konstatiert wird …“

      So haben die Feinde der Demokratie diese immer denunziert: sie hätte keine Glorie, keinen Heldenmut, keine Identitfikationsperspektive.

  18. „Wer in Afrika hungert oder keine Chance auf Frieden hat, kommt halt. Wer sagt denn, dass Deutschland den Deutschen gehört? Das ist ein Stück Land, das bewirtschaftet werden muss, damit die Menschen leben können.“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-09/bundestagswahl-waehler-eva-esche/komplettansicht

    Wisst Ihr, liebe Leute, liebe Frau Escher, von der evangelischen Kirche … Ist Euer Reich nicht das, welches *nicht* „von dieser Welt“ ist? Warum also mischt Ihr Euch in weltliche Angelegenheiten ein und wollt vorschreiben, was Deutschland zu machen hat?! Warum sorgt ihr nicht dafür, dass es in anderen Ländern der Welt nicht auch so gut läuft wie in Deutschland, ihr seid dort doch schon so lange tätig!

    Ich finde auch nicht, dass eine Ansicht wie „Deutschland den Ausländern“ moralisch besser wäre als eine „Deutschland den Deutschen“. Was aber ganz sicher *nicht* auch sein darf ist „Deutschland der evangelischen Kirche“ und genau diese Kompetenzüberschreitung leisten Sie mit Ihrem Rumpolitisieren, Frau Escher und die „Zeit“ leistet die unrühmliche Schützenhilfe dafür.

    Und deshalb werde ich mich dafür einsetzen, dass Deutschland für Euch keine Steuern mehr erhebt und endlich die Entschädigungszahlungen einstellt (die wegen der Säkularisierung).

    Und vor allem: Entschuldigt Euch erst mal für die Weltkriege und wie ihr die Leute da mit reingehetzt habt, bevor Ihr wieder rumpolitisiert. Ja, auch und gerade Sie Frau Escher, sind hier angesprochen!

  19. „Ist Fotografie grundsätzlich rassistisch?

    Seit Ende August geistert die These durch die Lande, dass Fotografie grundsätzlich rassistisch sei, weil sie für die Wiedergabe heller Hauttöne optimiert wäre

    Ausgelöst durch ein Tagesspiegel-Interview mit der Uni-Dozentin Natasha A. Kelly vom 30. August, steht der Vorwurf im Raum, dass Fotografie grundsätzlich rassistisch sei, weil sie von Anfang an auf die Wiedergabe heller Haut optimiert sei: „Wenn wir etwa die Technik der Fotografie anschauen: Die Belichtungstechnologie wurde für weiße Haut entwickelt. Das ist eine Normsetzung, wie es sie in zahlreichen anderen Bereichen auch gibt, ohne dass das vielen Menschen bewusst wäre“.

    Erweitert wurde der Vorwurf, dass Fotografie rassistisch sei, in einem zweiten Artikel des Tagesspiegel am Abend des 30. August unter dem Titel Kann Technik rassistisch sein?. Auch dort hieß es, sie Belichtungstechnologie sei „für weiße Haut entwickelt worden.“ Der Vorwurf wird generell für die analoge, wie auch die digitale Fotografie einschließlich aller Wiedergabemethoden erhoben.“

    https://www.heise.de/tp/features/Ist-Fotografie-grundsaetzlich-rassistisch-3830367.html

  20. Jetzt was zum Lachen wäre unbedingt nötig **

    Locker bleiben, alles schon mal dagewesen 🙂

    „Wäre ich in der Lage, mir so etwas auszudenken, würde ich Science-Fiction-Geschichten schreiben und nicht Texte über das Autofahren. Aber – so neu und revolutionär solche Innovationen scheinen, sie sind es nicht, es gab sie schon im analogen Zeitalter.

    Es waren Geräte zum Binden von Schnürsenkeln und Belegen von Klappstullen; Mini-Kettensägen zum Zusammenklappen, Büstenhalter mit eingebauter Geldbörse oder batteriebetriebene Waffelhörnchen, in denen die Eiskugel rotierte, sodass man die Zunge nicht bewegen musste. All das konnte man auf Erfindermessen besichtigen und bestaunen. Nichts davon hat sich durchgesetzt, nicht einmal die „Urinella“, ein Trichter aus Pappe, der es Frauen ermöglichen sollte, im Stehen zu pinkeln.“

    https://www.welt.de/motor/article168683962/Die-Idiotisierung-der-Autofahrer-schreitet-voran.html

    „Dabei ist die Privatsphäre ein Wert an sich. Auf jedem Postamt, in jeder Bank heißt es: „Bitte Abstand halten!“ Nur in der digitalen Welt ist diese Regel außer Kraft. Es wundere sich bitte niemand, wenn er demnächst im Kofferraum seines Autos keine Lieferung von Amazon oder Zalando, sondern den Hausmüll seines Nachbarn findet.“

    Der ganze Hype um KI, selbstfahrende Autos mit Elektroantrieb…. hahaha

  21. Leide ich an Verfolgungswahn?

    Geschichte: Eine junge Serbin wird in Italien von ihrem Vater vier Jahre gefangen gehalten, um mit 17 jungfräulich als Braut verkauft zu werden. Irgendwann entdeckt sie mit ihrem SIM-losen Handy ein WLAN, dann irgendwann den Multiplayer-Modus in ihrem Spiel, dann irgendwann den Chatroom, so dass sie endlich um Hilfe rufen kann.

    Und dann dieser Satz: „She used the chat room to try to get help but most players ignored her until a young person in Sicily took her seriously and alerted authorities“

    Warum „person“?

    Ist das Geschlecht unbekannt? Oder darf in so einer Geschichte kein guter Mann auftauchen?

    Was meint ihr?

    • So wie Du sagst: Es darf kein guter Mann auftauchen.

      Aber ich würde doch folgendes überlegen: Bei Dingen, die durch und durch böse sind, oder unheimlich, oder irgendwie gespensterhaft, neigen Menschen ja dazu, die Namen dieser Dinge mit einem Tabu zu belegen. Diese Namen dürfen nicht verwendet werden – stattdessen verwendet man Andeutungen oder Umschreibungen.

      Möglich wäre also, daß die Autorin des oben verlinkten Artikels nicht etwa vorsätzlich „person“ formuliert hat, weil sie nicht wollte … usw., sondern daß sie einfach meint, Männer wären eben böse oder gespensterhaft, und daß sie dann einfach das entsprechende Sprach-Tabu befolgt hat.

    • Ich denke auch, die Sprachwahl hat dramaturgische Gründe: Wenn es jetzt ein junger Mann war, der die junge Frau aus den Fängen zweier Männer befreit hat, wird die Frau zur passiven Trophäe im Kampf Mann gegen Mann und ihre Eigenleistung dabei marginalisiert.

      Dies konterkariert die Intention der Autorin wie sie die Geschichte erzählen möchte: Als pfiffigen und erfolgreichen Widerstand einer jungen Frau gegen die finstere Übermacht zweier böser Männer und insbesondere gegen ihren Vater.

      P.S: Warum hatte sie eigentlich ein Smartphone und kein Strickzeug? Tststs…

  22. Eene, meene, SPON, das hast du jetzt davon!

    „Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Entwicklung bei SPON. Wurde dort vor kurzem noch gründlich recherchiert, wie zum Beispiel bei dieser Geschichte über eine unbefleckte Empfängnis mit Hilfe eines Füllfederhalters und eines Schokoriegels, an der nur Querulanten wie Gerd Buurmann Anstoß nahmen. Letztens aber werden immer öfter Texte veröffentlicht, die sich nur noch moralisch oder genauer: moralistisch gebärden, ohne dass der Verfasser oder die Verfasserin eine Ahnung von Geschichte hätten. …..“

    http://www.achgut.com/artikel/eene_meene_spon_das_hast_du_jetzt_davon

  23. WHY CLOSING THE “GENDER PAY GAP” IS PERNICIOUS MISOGYNY

    I hope I have shown that women often “make less” because they’re making more sensible choices. They manage risk better and elect for better conditions, where possible. They avoid fool’s bets that injure, kill, disemploy or make many men homeless. Still, many believe women must be coaxed and cajoled into preferring the “right” jobs that pay more. They must be conditioned, educated, inspired, or prompted. Fortunately, this is as incorrect as it is subliminally misogynistic.

    Women took over several fields, such as teaching and much of psychology and anthropology, the moment that basic social barriers were removed. They didn’t need coaxing or special awareness programs. The first generation faced far more severe sexism, harassment, and assault. And yet, that never stopped them. They took over anyway. The lesson to be taken is not that women are delicate flowers who must be paternalistically prodded into wanting the right things. It’s that they know what they want, and own sufficient agency to go after it in spite of major obstacles.

    Our obligation is to remove all undue obstacles and, for fuck’s sake, respect the indomitable spirit of women by not suggesting they’re children in need of constant supervision. Also, we ought to start respecting the stereotypically feminine wisdom that gambling our lives and happiness for a slim chance at a few more dollars is a stupid idea.

    https://www.skepticink.com/incredulous/2017/04/05/gender-pay-gap/

  24. nuclear take, literally.

    „If only Burma treated Rohingya the way Iran treats Syrian Sunnis. Now watch how this man is feted in NYC this week:“ Michael Weiss

    „Int’l community has no excuse to allow the genocide of Rohingya Muslims continue in front of our eyes. We must act now before it’s too late.“ Aussenminister Iran

    Die iranische Expansion in Syrien ist ja eine innermuslimische Angelegenheit. Und Saudi-Arabien ist ja auch ganz doll schlimm

  25. Antifa:

    It’s an anti-rights organization. It is explicitly opposed to equal rights. That’s the entire point of its existence @notwokieleaks

        • Das ist kein Witz, genauso kenn ich das aus dem RL 😦

          „As a millennial feminist, allow me to run with this victim thing. Last week I had a new air conditioner delivered, only to realize that it was too heavy for me to carry up four flights of stairs to my apartment. So, being single, I had to hire a random man from the Internet to carry it for me. Then I had to hire a different man to install it, only to have that man explain that I’d bought an AC with the wrong voltage for my building, which meant that I had to rehire the first man to carry the AC back downstairs again. When I told this story to my mom, she responded with a sigh, “See, this is why you need a boyfriend: Air conditioners, broken toilets, a raccoon in the basement—that all becomes their problem.”“

          Statt Waschbär wäre „Spinne“ sicherlich realistischer gewesen. Auf die hat die Tussi doch nur deshalb verzichtet, weil ihr klar war, wie lächerlich das gewesen wäre …..

          • Ach, auch mit Spinnen wäre es nicht lächerlich gewesen. Sondern knochentrockener weiblicher Pragmatismus. Der alte Deal eben: „Mann nützlich, Frau willig“ mit dem neuzeitlichen Versuch von frau, diese Sache mit dem Beine breit machen möglichst wegzuoptimieren… 😉

  26. „Tuvia Tenenbom, that most acute and incendiary observer of what’s festering beneath the surface of polite society, has turned his attention to Germany’s “refugees”. To his surprise and no little dismay, what he has found out is not so much about these migrants but about Germany itself, and it isn’t pretty at all.“

    Wer hätte das gedacht?!?

    „In Hello Refugees “Toby the German”, his previous persona, has become “Toby the Jordanian”. Posing as the son of Jordanian and European parentage, he uses his fluent Arabic to gain access to refugee camps in Germany where access is routinely denied to the media.“

    „Everywhere he goes, people tell him the same thing: that Chancellor Angela Merkel famously invited in more than one million migrants in order to erase the moral stain of Germany’s Nazi past. He concludes that this was not an act of conscience.“

    „He finds that “anti-racist”, “human rights” activists extolling Germany’s humanitarian gesture and calling for yet more refugees to be allowed in are in fact deep-dyed racists and antisemites.“

    http://www.theaugeanstables.com/2017/09/18/hello-refugees-a-post-by-melanie-phillips/

    -> Hat Merkel die reingelassen, um Deutschland zu re-nazifizieren?

  27. Das hier ist wieder so eine Aktion, um die Demokratie zu deligitimieren. Man kennt das auch über die Schiene, *Minderjährigen* ausdrücklich zu erlauben zu wählen, Es geht jeweils um Aushöhlung der Idee der Bürgerrechte.

    Die gleichen Leute, die so „progressiv“ sein wollen, Kinder und Ausländer an Wahlen zu beteiligen, wollen mitunter und scheinbar im Gegenzug ältere Menschen von der Wahl ausschliessen, denn die hätten ja soweso nichts mehr für ihr Leben zu gewinnen….

    Ich staune immer wieder über diesen tiefschwarzen Balken, der angekündigt, dass die Demokratie in Finsternis sterben werde …., ja die „Washington Post“ arbeitet fleissig dran.

  28. Augstein empfiehlt die Wahl von „die Linke“, weil Merkel die Mutter der „echten Nazis“ sei:

    „Angela Merkel ist die Mutter der AfD.“

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2017-angela-merkel-die-mutter-der-afd-kolumne-a-1168481.html

    Und wer hat den Demokratie- und Israelhasser Augstein zu verantworten?

    „Nazis. Hartes Wort. Verharmlost man damit nicht die Judenmörder und Weltkrieganzettler des „Dritten Reichs“? …..
    Sigmar Gabriel hatte recht, als er neulich sagte, in naher Zukunft würden „zum ersten Mal nach 1945 im Reichstag am Rednerpult echte Nazis stehen“.“

    Bei Augstein glaube ich noch viel mehr als bei Gabriel, dass der all die Nazis im Bundestag nach 1945 wegwischen möchte. Denn er legt ja noch nach, die von der AfD seien nicht bloss „Nazis“, sondern sogar „echte Nazis“! Die wahren Nazis sind dem Augstein offenbar nicht echt genug. Echte Nazis sind nur die AfD, was waren schon all die anderen dagegen, die ganzen Filbingers, Zimmermänner und wie sie alle hiessen ….

  29. World ends? Well it may take a bit longer now…

    http://www.melaniephillips.com/world-ends-well-may-take-bit-longer-now/

    „A study in the journal Nature Geoscience says the world has warmed more slowly than had been forecast by computer models, which were “on the hot side” and overstated the impact of emissions. You don’t say.“

    Hahaha.

    „But if the computer models were wrong, on what basis do these scientists base any calculation of what reductions in emissions will be required? On what basis do they still maintain there is a need for any reductions at all?“

    „As many of us have been saying since AGW theory was first invented in 1988, the idea that computer modelling could ever predict something as stupendously complex as climate change was always scientifically illiterate. Computers are only as good as the information that is fed into them. If you feed rubbish in, you get rubbish out. Fed inadequate information designed to prove AGW theory, the computers disgorged predictions that proved AGW theory.

    The whole thing was a scam from start to finish. ….“

    Jeder müsste das einsehen.

    “ We have been the victims of junk science. Maybe the highly limited admission of error in this study will help blow down the whole rotten facade of pseudo-science and finally expose this charlatanry for the ideological con-trick that it is.“

  30. Alle sind betroffen
    „Die Identitätspolitik ist zu einem Begriff geworden, mit dem sich Linke selbst zerfleischen. Andere geben ihr die Schuld am Aufstieg der AfD. Wie konnte das passieren?“
    http://www.zeit.de/kultur/2017-09/identitaetspolitik-bundestagswahl-queere-people-of-color-frauen/komplettansicht

    Ja, wie konnte das alles passieren? Vielleicht auch weil ua die „Zeit“ diese Ideologie der Identitätspolitik propagiert hat?

    Dieser Artikel wabert feige um jeden heissen Brei herum, jedes Suchen nach einer deutliche Aussage erinnert an den Versuch einen Pudding an der Wand festnageln zu wollen.

    Offenbar hat der Gender-Terf-Streit in der Szene eine tiefe Verunsicherung ausgelöst. Es sei …

    „Schwer, hier dem eigenen Wirklichkeitsgefühl zu trauen, in einem Klima der Polemik, wo alles, was Gender, Sexualität oder Migration betrifft als „Aufregerthema“ überproportional medial ausgewalzt wird.“

    Mit anderen Worten: da unklar ist, wer gewinnt, weiss ich nicht, wessen Lied ich pfeifen soll….

    Die Identitätspolitik habe aber die Rechte erfunden und zuerst ins Feld geführt und nur aufgrund „irgendeiner Metaphysik der gesellschaftlichen Balance, oder auch nur banal der Logik der polemischen Verkürzung durch die sozialen Medien“ sei jetzt die Linke davon betroffen, dass sich „eine habituelle Haltung der Entrüstung und eine Enthemmung des Tonfalls breitgemacht haben.“

    Nach dieser lächerlichen Umdeutung heuchelt die „Zeit“ dann kurz Interesse für marginalisierte Nicht-Minderheiten:

    „Mit Blick auf diejenigen, die sich keiner Minderheit zurechnen können (also beispielsweise weiße heterosexuelle Männer), ist verständlich, dass die ständige Identitätszuweisung zu einer üblen hegemonialen Herrschaftsgruppe persönlich liebenswerten und individuell unschuldigen Menschen Unbehagen bereitet.“

    und geht dann dazu über Identitätspolitik als „historisch sehr sinnvoll gewesen“ zu rechtfertigen. „so etwas Grundlegendes wie die Forderung nach gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit“ „bedarf auch 2017 noch einer entschiedenen identitätspolitischen Lobbyarbeit.“

    So klein geredet, wird Identitätspolitik plötzlich in „“ geschrieben und der „polemische Unterstellung“ wird entgegen getreten, „dass es sich bei „Identitätspolitik“ im wesentlichen um abgehobene Anerkennungsbedürfnisse von ohnehin privilegierten akademischen und urbanen Minderheiten-Milieus handele“. Also ne, das kann wirklich nicht sein….

    Dann wird die Identitätspolitik als solche „philosophisch“ gerechtfertigt:

    „Auch als philosophische Idee ist das, was die Grundlage der Identitätspolitiken ausmacht, nach wie vor solide. Nämlich die Erkenntnis, dass es erstens keinen absoluten Standpunkt gibt, sondern nur die je einzelnen menschlichen Perspektiven.“

    Wobei die Zeit hier die übliche Lüge aller neuen Kollektivisten, ob rechts- oder linksextremistisch, auftischt, dass Identitätspolitik irgendwie auf das Individuum zurückzuführen sei. Hier ist es die sattsam bekannte „menschliche Perspektive“, die immer rein abstrakt und ideell gefasst wird, was verschleiern soll, wie total ablehnend diese Ideolgie gegenüber den „Perspektiven“, also Ansichten und Meinungen tatsächlicher Menschen in Wirklichkeit ist.

    Das Menschenbild, welches dem zugrunde liegt, offenbart die „Zeit“ auch noch, dass eines unmündigen Wesens, welches der Führung bedarf:

    „dass der Mensch weder ein besonders rationales Wesen ist noch ein autonomes, solitäres Subjekt. Sondern ein verletzliches, auf die Hilfe und Unterstützung von anderen angewiesenes Wesen.“

    Emphohlen wird eine „Emotionsdemokratie“ mit „Emotionsmanagement, eine Kultivierung und Pflege von angemessenen Emotionen.“

  31. Erschreckend! Obwohl ich mich als Linken verstehe, fühle ich mich beim Thema Feminismus(-kritik) dem AfD-Vertreter deutlich näher, auch wenn ich seine Positionen zu anderen Bereichen nicht teile. Die Linken-Vertetererin hat das übliche und banale feministische Programm drauf: Gender-Pay-Gap, gläsere Decken, Quote usw. Es ist zum Verzweifeln! Ich muss wirklich FDP wählen.
    http://ze.tt/streitgespraech-zwischen-afd-und-linke-es-ist-okay-auf-die-politische-korrektheit-zu-scheissen/?utm_campaign=ref&utm_content=zett_zon_parkett_teaser_x&utm_medium=fix&utm_source=zon_zettaudev_int&wt_zmc=fix.int.zettaudev.zon.ref.zett.zon_parkett.teaser.x

  32. http://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/erziehung-von-jungen-und-maedchen-so-maechtig-sind-geschlechterklischees-a-1168866.html

    Interessante Studie bei Spiegel online:

    „Wir haben festgestellt, dass Kinder schon sehr früh den Mythos verinnerlichen, dass Mädchen verletzlich und Jungen stark und unabhängig sind“, sagt Robert Blum von der Johns Hopkins University, der die Studie leitet. „Und diese Botschaft wird ständig untermauert – von Geschwistern, Mitschülern, Lehrern, Eltern, Verwandten, Geistlichen, Trainern.“

    Und dies in den verschiedensten Ländern und Kulturen:

    „Die Stereotypen seien zwar an sich nicht überraschend, sagt Mmari – aber es sei doch unerwartet, dass sie über alle Kulturen und sozialen Schichten hinweg den Kindern bereits so früh anerzogen werden.“

    Das ist allerdings überraschend, wo der Schluss, dass sie eben nicht anerzogen sondern biologisch verankert sind, doch viel näher liegt.

    Es muss natürlich dringend etwas dagegen unternommen werden:

    „Will man verhindern, dass Jugendliche für sie schädliche Geschlechterklischees verinnerlichen, müsste man spätestens zu Beginn der Pubertät gegensteuern, so das Fazit der Forscher. Doch vielleicht ist auch das schon zu spät?“

    Habe dort schon mal entsprechend kommentiert; mal sehen ob es erscheint.

    • Hmm, wenn man als Fallbeispiel dort liest:

      „Eine Mutter aus Shanghai erzählte den Forschern beispielsweise, dass eine Gruppe von Jungen verschiedenen Alters beim Spielen feststellte, dass ein Fünfjähriger lackierte Fußnägel hatte, weil er den Nagellack seiner Mutter so mochte. Die älteren forderten ihn auf, seine Hose runterzuziehen – um zu beweisen, dass er kein Mädchen ist. Der Junge trägt seitdem keinen Nagellack mehr und sagte seiner Mutter, er würde seine Finger davon lassen, weil er ein Junge, ein Mann, ist – so die Erzählung der Frau.“

      dann sehe ich so spontan allerdings nicht, was genau daran biologisch sein soll. Alleine schon lackierte Nägel sind ein kultureller Artefakt, der auch nur rein kulturell einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Und insbesondere eine monopolistische Zuordnung ist eine kulturelle Eigenleistung. Die Seggregation der Geschlechter wird schon sehr deutlich durch Erziehung auf allen Ebenen sehr frühzeitig forciert.

      Und es wird eben durch die Gesellschaft versucht, natürliche Graubereiche in individuellen Verhaltensmustern zugunsten einer starren Binarität auszumerzen.

      Und genau dies hat die Studie untersucht.

  33. Es ist Vergewaltigung wenn die Frau es sagt, auch wenn es vor, während oder kurz nach dem Sex keine Vergewaltigung war. Wenn die Frau sich anders erinnern will, dann ist es Vergewaltigung. Wir können nicht von Frauen verlangen mit schlechten Entscheidungen leben zu müssen. Es ist viel besser ihnen einzureden das sie Opfer einer schwere Straftat wurden und dafür irgendein unschuldigen Mann einzusperren.

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