Wenn Männer mit Männern Sex haben, haben sie sehr viel mehr Sexpartner als wenn sie mit Frauen Sex haben

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Whataboutism

Ein beliebtes Argument im Feminismus oder interesektionalen Bewegungen ist, der anderen Seite „Whataboutism“ vorzuwerfen.

Der Wikipedia-Artikel zu dem Begriff ist ganz interessant:

Whataboutism (aus dem englischen What about? = „Was ist mit?“ und dem Suffix -ism = „ismus“ zusammengesetzt) ist eine oft als unsachlich kritisierte Gesprächstechnik, die unter diesem Namen ursprünglich der Sowjetunion bei ihrem Umgang mit Kritik aus der westlichen Welt als Propagandatechnik vorgehalten wurde. Es bezeichnet heute allgemein die Ablenkung von unliebsamer Kritik durch Hinweise auf andere wirkliche oder vermeintliche Missstände.

Whataboutism ist nach der Definition des Oxford Living Dictionary „die Technik oder Praxis, auf eine Anschuldigung oder eine schwierige Frage mit einer Gegenfrage zu antworten oder ein anderes Thema aufzugreifen“. Der Begriff stammt nach Angaben des Wörterbuchs aus den 90er Jahren und ist synonym zu dem Begriff „whataboutery“, der in den 1970er Jahren aufkam.[1] Er wird auch in deutschsprachigen Artikeln verwendet

Whataboutism kann als Spezialfall des tu quoque aufgefasst werden. Das Ziel dieses als rhetorisches Mittel eingesetzten Verfahrens ist oft, die Position des Gegners zu diskreditieren, ohne seine Argumente zu widerlegen. Als klassisches und zum Sprichwort gewordenes Beispiel des Whataboutism gilt der in der Sowjetunion als Erwiderung auf Kritik am Kommunismus häufig geäußerte Satz „Und in Amerika lynchen sie Schwarze“.[4]

Dieses Verhalten bleibt dem Gesprächspartner die sachliche Antwort auf seine Kritik schuldig, kann aber auch die Korrektheit der Vorwürfe direkt oder indirekt eingestehen. Die oft vorwurfsvoll geäußerte Frage spricht dem Kritiker in der Regel die Berechtigung zu seiner Kritik ab

Ein Beispiel wäre:

Feministin: Frauen sind unterdrückt

Gegenmeinung: Männer haben auch viele Nachteile, Frauen dafür andere Vorteile. Insofern kann man nicht einfach behaupten, dass Frauen unterdrückt wären

Feministin: Whataboutism!

Tatsächlich geht es gar nicht darum, dass man unliebsame Kritik abwendet, sondern eher darum, dass man die Behauptung, dass Frauen einseitig alle Nachteile der Gesellschaft tragen, während Männer alle Vorteile der Gesellschaft genießen, widerlegen will.

Es ist also ein Hinweis darauf, dass das System nicht so einseitig ist, wie der Feminismus es darstellen will, der durchaus berechtigt ist.  Tatsächlich kann man da aber aneinander vorbeireden, denn der Hinweis auf Benachteiligungen der Männer ist kein Gegenargument zu bestimmten Benachteiligungen von Frauen. Es lässt diese ersteinmal unberührt, es verweist nur darauf, dass es Männern deswegen nicht gut gehen muss und damit die „Opferhierarchie“ nicht mehr so eindeutig ist.

Tatsächlich kann „Whataboutism“ selbst als Todschlagargument gebraucht werden: Es kann dazu dienen eine Benachteiligung, die sich aus  einem behaupteten System ergibt, vor Kritik zu bewahren, indem der Einwand gegen das System als unzulässige Entkräftung der Benachteiligung umgedeutet und damit für unzulässig erklärt wird.

Aus der „Kritik“-Kategorie der Wikipedia:

Christian Christensen, Professor für Journalismus in Stockholm, macht deutlich, dass die Zurückweisung von Gegenvorwürfen auch ein Ausdruck davon sein kann, dass man die eigenen Fehler in verzerrter Selbstwahrnehmung als geringerwertig empfindet, dass man also doppelte Standards zugrunde legt. So erscheint die Handlung des Gegners etwa als verbotene Folter, die eigenen Maßnahmen als „erweiterte Verhörmethoden“, die Gewalt des anderen als Aggression, die eigene lediglich als Reaktion. Christensen sieht sogar einen Nutzen im Gebrauch des Arguments: „Die sogenannten ‘whataboutists’ stellen das bisher nicht in Frage Gestellte infrage und bringen Widersprüche, Doppelstandards und Heuchelei ans Tageslicht. Das ist keine naive Rechtfertigung oder Rationalisierung […], es ist die Herausforderung, kritisch über die (manchmal schmerzhafte) Wahrheit unserer Stellung in der Welt kritisch nachzudenken.“

In der Tat ist das ein häufiger Ansatz: Denn der Feminismus oder andere intersektionale Bewegungen fordern häufig Gegenmaßnahmen, die sich daraus herleiten, dass einem Gruppe ein besonderes Unrecht passiert. Wenn nun angeführt werden kann, dass andere Gruppen nicht besser dran sind, dann kann das schlicht der Hinweis darauf sein, dass die Beeinträchtigung nicht schlimmer ist als auch bei anderen Gruppen und daher auch nicht mehr Aufmerksamkeit verdient. Damit greift man auch die Position an, dass die Seite um Gleichberechtigung bemüht ist und Männer und Frauen gleichermaßen helfen will.

Die Kritik des „whataboutism“ kann auch einen Selbstwiderspruch enthalten, weil schon der erste Schritt des Gesprächs eine Form des „whataboutism“ sein kann. Vorwurf und Gegenvorwurf können beide Ausdruck einer selektiven und verzerrten Wahrnehmung des anderen und der eigenen Position sein. Daher schreibt Glenn Greenwald: „Der Heuchler ist als derjenige zu definieren, der einzelne schreckliche Handlungen verurteilt, aber nicht alle.“

Und auch diese Verwendung ist häufig: Du kritisierst, dass Frauen weniger verdienen, aber dir ist egal, dass Männer wesentlich mehr Überstunden machen, den überaus größten Teil aller Arbeitsunfälle erleiden und wesentlich weniger Zeit mit ihrer Familie haben. Du suchst dir Nachteile einer Seite heraus, die Nachteile der anderen Seite ignorierst du.

In seiner Analyse von „whataboutism“ kommt Logik-Professor Axel Barceló von der UNAM zu dem Schluss, dass der Gegenvorwurf oft den gerechtfertigten Verdacht ausdrückt, dass die Kritik nicht der wirklichen Position und den wahren Gründen des Kritikers entsprechen.

Ein klassisches Beispiel wäre:

Feminist: Feminismus will Diskriminierungen für beide Geschlechter abbauen.

Erwiderung: Was macht ihr denn dagegen, dass unverheiratete Männer kein Sorgerecht haben?

Feminist: Whataboutism

Zusammenfassend könnte man sagen, dass der Vorwurf des Whataboutism häufig als eine der vielen Immunisierungstaktiken des Feminismus eingesetzt wird, mit dem diese Kritik abwehren ohne sich wirklich mit dem Einwand auseinandersetzen zu müssen.