Merkels Strategie?

Natürlich ist es immer gefährlich, eine Strategie zu unterstellen, wenn auch ganz andere Motive bestehen können. Aber ich möchte einfach mal folgendes in den Raum werfen.

Die Flüchtlingskrise wird von Merkel – ganz christlich – als menschliches Anliegen gesehen, bei dem sie helfen muss. Gleichzeitig könnte sich hier aber auch eine Strategie für sie bieten:

Merkels Strategie könnte schlicht die Absicherung nach links sein.

Kohl als Vorgänger von Merkel wurde abgelöst als mit Schröder und Fischer zwei Politiker auftraten, die die SPD bzw die Grünen mehr zur Mitte rückten.

Merkel bietet der SPD quasi keine Angriffsfläche mit den klassischen Themen. Der Ehe für alle hat sie bereits vor der Wahl zugestimmt. In der Flüchtlingskrise werden viele in der CDU eigentlich einen schärferen Kurs wollen, sie hält aber nach wie vor einen eher linken Kurs der großzügigen Einreise.

Das Thema dürfte eines der ganz zentralen Themen dieser Wahl sein. Aber auf der linken Seite kann man Merkel damit nicht angreifen. Dazu müsste man fast schon über die CDU hinaus in die Mitte rücken. Das bekommen die SPD, die Linke und die Grünen aber nicht hin, im Gegenteil sie sind eher noch unterstützender.

Alle anderen Themen sind vergleichsweise wischi-waschi. Ein klares Profil, eine Abgrenzung zwischen SPD und CDU ist kaum möglich. Die die „mehr Sicherheit“ wollen müssen dennoch eher CDU und FDP wählen, wenn ihnen die AFD zu rechts ist (was bei vielen der Fall sein wird). Ähnlich wie nach dem Ruck zur Mitte die Linke gestärkt wurde musste die CDU vielleicht auch mit einem erstarken der AFD rechnen, aber man kann gut begründen, dass das ein kleineres Risiko ist als eine SPD, die sich stärker profilieren kann.

Eine Krise auf einem Gebiet, auf dem die Gegenseite Probleme hat, sich zu etablieren, weil die Mittel dazu nicht zu dem passen, was ihre Wähler üblicherweise vertreten, kann durchaus günstig sein. Und gerade in Krisen wählt man auch eher die Beständigkeit statt eines neuen vergleichsweise unbekannten Kandidaten.

Ein Schröder könnte das vielleicht verwerten, weil er es mit genug Charme verbinden könnte um es für die eigenen Genossen abzumildern. Ein Schulz kann es glaube ich nicht.

Das Zusammenspiel biologischer und sozialer Faktoren

Ein Grundmodell für das Zusammenspiel biologischer und sozialer Faktoren wäre für mich, dass beide Verhalten attraktiver machen können, also sich auf die Motivation in eine bestimmte Richtung auswirken.

Nehmen wir Hunger als einfache biologisch bedingte Motivation zu essen. Üblicherweise haben wir ein gewisses Hungergefühl abhängig von der Zeit, die wir nichts gegessen haben. Soziale Gründe wie etwa der Wunsch abzunehmen (der natürlich auch wieder in biologischen Vorstellungen von Schönheit und dem Wunsch einen hohen Partnerwert verankert ist) können dem entgegenstehen.

Jemand kann gleichzeitig eine starke Erziehung in die Richtung genossen haben, dass er Wünschen nicht sofort nachgeht. Er kann sich deswegen leichter einem Reiz, etwa einer Tafel Schokolade, widersetzen. Andere können das gar nicht gelernt haben und geben solchen Reizen sehr schnell nach.

Es können weitere soziale Faktoren hinzukommen: In einer Gesellschaft von Dicken mag der Wunsch abzunehmen kleiner sein als in einer Gesellschaft von Schlanken, weil die Intrasexuelle Konkurrenz wiederum geringer ist.

In einer Gesellschaft, die dicke Frauen attraktiver findet als eine andere Gesellschaft, kann entsprechend eher den Wunsch geben zuzunehmen und das eigene Sättigungsgefühl zu überwinden. Sowohl das Hungergefühl als auch das Sättigungsgefühl verschwinden in beiden Gesellschaften nicht. Es kostet gegebenenfalls Kraft beide zu überwinden.

Und Hunger ist auch keine Konstante: Die Motivation kann immer größer werden, um so länger wir das Bedürfnis nicht befriedigen, bis wir ausgehungert sind, das Hungergefühl kann auch bis dann ein Reiz dazu kommt (ein Essensgeruch beispielsweise) auch vorerst verschwinden.

Das alles macht die Darstellung der genauen Verhältnisse, wie man an dem Beispiel sieht, schwer. Und es wird noch komplizierter, weil unser Handeln häufig auf einer Gemengelage verschiedener Motivationen beruht (etwa dem Wunsch Status zu erwerben, aber gleichzeitig auch Energie zu sparen, sprich faul zu sein. Oder dem Wunsch mit einer attraktiven Frau zu schlafen mit der Furcht sich zu blamieren, wenn sie einen abweist). Auch hier können Erfahrung und Reizabschwächung durch Gewöhnung als soziale Faktoren mit hineinspielen.

Zu bedenken ist zudem, dass sich unsere Kultur, unsere Erziehung unsere Gesellschaft, natürlich auch an unserer Natur orientiert hat. Geselschaften, die die Natur zu weit einengten, hatten erhebliche Probleme

Ein anderes Beispiel für die Wirkung biologischer Motivationen wäre Homosexualität und empfindlichen Strafen wie beispielsweise Folter und Todesstrafe darauf. Es ist so gesehen verhältnismäßig einfach unter diesen Bedingungen keinen Sex mit Männern zu haben. Dennoch haben Menschen immer wieder diesen Drängen trotz der erheblichen sozialen „Gegenmaßnahmen“ nachgegeben.  Das zeigt, dass man biologisches nicht einfach beseitigen kann, indem man eine entsprechende Kultur dagegen hält.