Selbermach Mittwoch 129 (13.09.2017)

Am Mittwoch, dem 13. bringt bekanntlicherweise Nichtkommentieren Unglück

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Als Gruppe handeln

Oft kommt der Vorwurf, Frauen oder Männer würden als Gruppe auf eine bestimmte Weise handeln un dadurch beispielsweise Druck auf das andere Geschlecht ausüben.

„Als Gruppe handeln“ ist allerdings durchaus schwierig, es erfordert eigentlich eine gewisse Abstimmung, die bei einer so heterogenen Gruppe wie den Geschlechtern auch nur schlecht möglich ist.

Häufig erweckt ein Handeln aufgrund geteilter oder ähnlicher Vorlieben oder Charaktereigenschaften oder ähnlicher Eigenschaften, die eine gewisse Übereinstimmung in der Gruppe aufweisen, allenfalls den Eindruck eines geplanten gemeinsamen Vorgehens.

Ein Beispiel wäre etwas wie „Frauen halten Sex zurück um Macht über Männer zu gelangen“. Tatsächlich wird es schlicht so sein, dass die andere Einstellung von Frauen zu Sex einfach so und der geringere Sexualtrieb im Schnitt den Eindruck eines geplanten Vorgehens erwecken, tatsächlich aber schlicht Ausdruck dieses Unterschiedes sind. Frauen brauchen im Schnitt eben eine andere Form von Vertrauen und eine höhere „sexuelle Motivation“ um sich darauf einlassen zu können, sie bedauern eher Sex, den sie zu schnell hatten und messen ihm damit einen anderen Wert zu. Die daraus begründete Zurückhaltung im Vergleich zu Männern kann schnell als „gemeinsamer Plan“ angesehen werden, obwohl kein vorsätzliches planmäßiges Handeln damit verbunden ist.

Ein andere Beispiel wäre alles, was der Feminismus als „Das Patriarchat“ definiert: Männer würden als Gruppe Frauen ausschließen, ihnen die besseren Jobs vorenthalten und sie durch sexuelle Gewalt und Zwangsheterosexualisierung etc klein halten. Auch hier wirkt sich schlicht aus, dass Männer eher Status und Geld erlangen wollen, aus intrasexueller Konkurrenz, aber auch, weil es ihren Partnerwert erhöht. Das alles führt dazu, dass der einzelne Mann auch oft schlicht die bessere Wahl ist für eine bestimmte Position als die einzelne Frau, die zudem noch das Risiko der Schwangerschaft und des langen Aussetzens mit sich birgt.

In beiden Fällen könnte man sagen, dass Frauen oder Männer zwar nicht als Gruppe handeln, aber eben die Konsequenzen ihres Handeln negativ sein können oder vorwerfbar wären, weil sie zu ungünstigen Ergebnissen führen.

Allerdings ist man da wieder bei einem Allmendenproblem: Keine Frau und kein Mann sieht es ein, dass er für die Vermeidung dieser Konsequenzen gegen seine Interessen und Wünsche, die als Einzelposition auch nicht zu beanstanden sind, handeln sollte. Es bringt der einzelnen Frauen nichts zur Entlastung der Männer Sex zu haben, den sie nicht will. Es bringt auch einzelnen Männern nichts, mehr Frauen nach oben zu lassen und sich mehr einzuschränken, weil er ja selbst auch nach oben will.

Die Gruppe für das teilweise übereinstimmende, aber nicht abgesprochene Handeln verantwortlich zu machen, welches auf Unterschieden beruht (und nicht auf  Kultur, die Abgrenzung kann schwierig sein) bringt damit wenig.

Immer dann, wenn ein Lösungsansatz „Jeder müsste doch nur zum Wohle der (evtl sogar anderen) Gruppe sein Verhalten wie folgt ändern…“ ist der Lösungsansatz schwierig, um so schwieriger, wenn der Einzelne aus einem unveränderten Verhalten Vorteile hat oder es ihm schlicht besser gefällt.

Das Unterstellen, dass die Gruppe vorsätzlich handelt, scheint mir auch Ausfluss unseres Denkens zu sein, dass gene planmäßiges Handeln sieht, wo keines ist.