Warum zur Rettung der Rape Culture Theorie sexuelle Übergriffe, die nicht in die Theorie passen, klein geredet werden müssen

Es gab mal wieder einen interessanten Kommentar, der etwas mehr Platz verdient hat:

Lucas Schoppe schrieb:

Penny spielt ein unseriöses Spiel mit Wörtern, das heute für viele feministische Stellungnahmen so typisch ist: Sie wendet sich gegen etwas, was alle vernünftigen Menschen ablehnen (Faschismus, Vergewaltigungen, Menschenrechtsverletzungen) – und bezieht das dann völlig beliebig auf ihre politischen Gegner.

„Muslimen und Einwanderern muss es verwehrt bleiben, westliche Frauen zu missbrauchen, aber die Kehrseite davon ist, dass westliche Männer das straffrei tun dürfen“ Was schert mich die Realität, wenn ich mir meine Meinung schon so schön zurechtgelegt habe? „Westliche Männer“ kritisieren brutale muslimische Geschlechterbilder nur, damit ihnen Muslime nicht beim Vergewaltigen in die Quere kommen: Die Unterstellung hat nichts mit Realitäten zu tun, sondern erfüllt lediglich die Funktion, die eigenen Ressentiments ungestört erhalten zu können.

Wer die westliche Kultur rundweg als eine „Rape Culture“ hinstellt, hat eben ein Problem damit, wenn die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht 2015 als erheblicher Bruch einer gewohnten Ordnung und zudem, von Frauen UND Männern, als Skandal und Verbrechen wahrgenommen werden.

Dieselbe Funktion erfüllten ja auch die haltlosen Vergleiche mit dem Oktoberfest durch Anna-Mareike Krause, Anne Wizorek und andere. Ganz dieselbe Unterstellung wie Penny in der taz hatte auch schon Stokowski zu Beginn des letzten Jahres im Spiegel lanciert. Es zeigt einfach nur: Diese Generation von Feministinnen hat keinen Funken Interesse, sich mit sozialen und politischen Realitäten auseinanderzusetzen, sondern ist ganz darauf fixiert, die eigenen Ressentiments zu schützen. Ganz gleich, was auch immer passiert.

In der Tat muss für sich die sich als Vergewaltigungsgegner darstellenden Feministinnen eine Situation, in der Leute und gerade nunmehr tatsächlich eine „Rape Culture“ annehmen, allerdings nicht eine, die ideologiekonform ist und sich auch gegen die falschen Verursacher wendet, als Bedrohung ihrer Theorie darstellen:

Nach ihre Darstellung ist die westliche Welt schon jetzt eine Rape Culture und das geradezu eines der bestimmenden Elemente, in denen die Gefahr nicht groß genug dargestellt werden kann und jede dritte Frau schon vergewaltigt bzw zumindest Opfer sexueller Gewalt war. Viele Frauen trauen sich der von den Feministen gemalten Welt vor Angst vor Übergriffen gar nicht mehr auf die Straße.

Wenn nunmehr ein neuer Umstand in die Gesellschaft kommt, hier: Flüchtlinge und die Vorfälle von Köln, dann bringt das eine gewisse Erklärungsnot: Warum wird so etwas wahrgenommen und führt zu Protesten, der tägliche Terror, der nach den feministischen Theorien aber Frauen gegenüber ausgeübt wird, wird mehr oder weniger Stil hingenommen?

Und natürlich muss ebenso das Narrativ gerettet werden, dass es vorher alles besser war. Man braucht also neue Zahlen, mit den richtigen Tätern, nämlich weißen Männern. In der Flüchtlingskrise geht den Feministinnen der „Bösewicht“ verloren und sie kämpfen mühsam darum, ihn wieder zu etablieren, indem sie neue Vorfälle erfinden müssen.

Und natürlich müssen sie eine weitere Verlagerung vornehmen: Es sind nicht die Frauen, die diese Rape Culture bemerken, die eigentlich viel schlimmere schon immer bestehende durch die weißen heterosexuellen Männer aber nicht.

Es sind die weißen Männer selbst, die die andere Rape Culture als Konkurrenz ansehen und deswegen bekämpfen. Das ganze als Machtkampf unter Männern um die „bessere Unterdrückung“ darzustellen erlaubt die Frauen aus der Gleichung zu nehmen, die als Unterdrückte eben nicht zu Wort kommen und denen insofern im Feminismus mal wieder die Stimme genommen wird.

Nur durch den Machtkampf weiße Männer gegen muslimische Männer bleibt die Theorie erhalten. Was die „ihr wollt ja nur selbst vergewaltigen“-Vorhalte erklärt.

„Neofaschismus ist im Kern ein Männlichkeitskult“ Eher ein Kult sehr klarer Zuordnungen zu Geschlechtern. Die Verherrlichung des opferbereiten soldatischen Mannes ergibt nur dann einen Sinn, wenn jederzeit klar ist, WOFÜR dieses Opfer gebracht wird: Für das Volk nämlich, das seinerseits im Kern durch die MUTTER repräsentiert wird.

Faschismus ist im Kern mindestens so sehr ein Mutterkult, wie er ein Männlichkeitskult ist. Daher gibt es denn ja auch deutliche Übergänge zwischen Feminismus und Faschismus, in Deutschland zum Beispiel von der bürgerlichen Frauenbewegung zum Nationalsozialismus. Der Mutterkult von bundesdeutschen Feministinnen wie Anita Heiliger wiederum befindet sich deutlich in der Tradition nationalsozialistischer Mutteridealisierungen.

(Dazu: https://man-tau.com/2016/12/07/die-unmodernen-wurzeln-einer-modernen-geschlechterpolitik/ )

Das heißt nun natürlich nicht, dass alle Feministinnen Nazis sind – aber dass Pennys Gegenüberstellung Faschismus vs. Feminismus haltlos ist.

Da sind wieder die Überschneidungen zwischen links und rechts nach der Hufeisentheorie. Rechts und links treffen sich, weil beide einen Kult um den Schutz der Frau errichten, der eine führt Gleichberechtigung und gegenwärtige aus der Benachteiligung resultierende  Schwäche als Grund an, der andere Differenz, die schutzbedürftig und wertvoll macht. Die Auswirkungen sind letztendlich die gleichen. Ich vermute, dass „Frauen beschützen“ eben etwas ist, was tief in uns verankert ist.

Wenn zudem andere Feministinnen darauf beharren, dass so tief unseriöse, ressentimentgeladene Positionen wie die Pennys nicht repräsentativ für DEN Feminismus sind – dann müssen sie sich halt stärker und kritischer damit auseinandersetzen, als sie es tun. Immerhin publiziert Penny in der taz, Stokowski im Spiegel, und Wizorek wird von Familienministerium protegiert. Das sind keine Randfiguren – im Gegenteil: Randfiguren sind im heutigen Feminismus die paar wenigen Feministinnen, die sich mit einem solchen Mist ab und zu auch mal kritisch beschäftigen.

Leider

 

 

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17 Gedanken zu “Warum zur Rettung der Rape Culture Theorie sexuelle Übergriffe, die nicht in die Theorie passen, klein geredet werden müssen

  1. Was Feministinnen wohl wichtiger ist? Das Frauen geholfen wird oder das ihre männerfeindlichen Theorien (mit dem WHM als Schuldigen für alles) passen?

  2. Eine Frage an die Experten in „feministischer Theorie“: Hat es im Bereich „feministischer Theoriebildung“ jemals einen Fall gegeben, wo eine frühere Theorie als falsch erkannt und darauf hin überwunden, abgelegt, durch etwas Neues ersetzt wurde?

    • Wie es sich für eine revolutionäre Bewegung gehört, wird die eine „Theorie“ durch die andere durch Oktroyieren ersetzt. Die Evolution der „feministischen Theorie“ erfolgt so in diskontinuierlicher Weise, durch spezielle Führerinnen, die die neueste Offenbarung durchsetzen und die alten Vertreter einfach beiseite schieben. Eine „race to the bottom“, in der sich die absudesten, wildesten und radikalsten Ideen tendenziell durchsetzen.

  3. „Guten Morgen, Deutschland!“

    „Mehrheit der Frauen fühlt sich in Deutschland unsicher. Mehr als die Hälfte der Frauen halten den öffentlichen Raum für unsicherer als früher. In einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ gaben 58 Prozent der Befragten an, dass öffentliche Orte für sie heute weniger sicher sind als früher…… “

    http://www.achgut.com/artikel/fundstueck_guten_morgen_deutschland

    „Aber es gibt auch gute Nachrichten! Klicken Sie auf den Link.“

        • Die Frage ist, warum Du diesen Link gepostet hast.

          Wolltest Du damit sagen:
          „Schaut mal, Frauen fühlen sich unsicher – weil NAFRIS“

          Oder wolltest Du sagen:
          „Schaut mal, Frauen fühlen sich unsicher, obwohl sie die sicherste Bevölkerungsgruppe überhaupt sind.“

        • Da ist leider was dran und kein feministisches Gerede.

          Ich hasse das zwar (da für andere nur zu glauben), aber ich bring es hier mal an:
          Neulich bekam ich von einer flüchtigen Bekannten, 100 % durchschnittlich und „gutbürgerlich“ erzählt, wie sie von einer ca 20 Mann starken Truppe im Zentrum einer Stadt verfolgt wurde, konsequente Flucht sicherte ihr Entkommen. „Bist du zur Polizei gegangen?“ war mein einziger Kommentar. „Nein, das hätte ja eh nichts gebracht, hätte auch wohl keinen einzigen wiedererkannt.“
          Sicher hätte im Zweifel auch keiner nichts gesehen.

        • Die Alternative sind die Kipping-Pöbelralle-Beck’schen Sprachverbotsversuche, die bei Rot Rot Grün reflexhaft kommen, weil sie die moralische Deutungshoheit erlangen möchten: Sag, was wir wollen, oder wir nennen Dich einen Rassisten. Harmlosere Worte sollen den Einstieg in eine harmlosere Debatte ermöglichen, aber das ändert nichts daran, dass am Bahnhof in Köln über Tausend und in München jeden Tag über hundert unerquickliche Zeitgenossen sind, die nur die wenigsten als Bereicherung oder auch nur dauerhaft erträglich empfinden. Eine nüchterne, gelassene und Probleme ansprechende Politik, die nicht ideologisch, sondern realistisch ist, kann einen Konsens herstellen. Aber wenn die erste Reaktion auf solche Ereignisse ist, anderen über den Mund zu fahren, damit das Thema in den gewünschten Bahnen bleibt und Meinungsfreiheit nur dann gilt, wenn sie gefällt, ist die Kommunikation eine einseitige Sache.

          http://blogs.faz.net/deus/2017/01/07/der-nafri-seine-invasion-und-das-schwammerl-4012/

        • „Da ist leider was dran und kein feministisches Gerede.“
          Kommt drauf an.
          Zumindest z.T. ist es auch das.
          Denn:
          Von der momentanen Geschichte seit Köln 15/16 mal abgesehen, besteht dieser Trend ja schon ein paar Jahre länger. Das ist insofern also zwar kein feministisches Gerede, wohl aber auch eine Folge desselben.

        • @Fiete
          Das „feministische Gerede“ bezog sich auf dieses notorische Narrativ, dass alle Männer Vergewaltiger seien, früher auch und nunmehr praktisch *ausschliesslich* westliche Länder betreffend („ausnahmlos“), da man jetzt ein ganz fortschrittlicher, moderner Rassist ist.

    • Just for the record: Wenn oben geschrieben steht:

      „Mehrheit der Frauen fühlt sich in Deutschland unsicher. Mehr als die Hälfte der Frauen halten den öffentlichen Raum für unsicherer als früher“,

      dann lauert hier ein Fehlschluß.

      Aus der letzteren der beiden zitierten Aussagen folgt nicht die erstere der beiden zitierten Aussagen: Daraus, daß ich – oder eine Gruppe von Leuten – das und das für „unsicherer als früher“ (weniger sicher als früher) halte, folgt nicht, daß ich es für „unsicher“ halte.

      Analog: daraus, daß Anna größer als Otto ist, folgt nicht, daß Anna groß ist.

      Fehlschlüsse solcher Art finden sich häufig im deutschen Qualitäts-Journalismus.

      • @Jochen Schmidt

        Das sind einfach zwei Fragen gewesen und zwei Antworten darauf. Hier ist keinerlei „Fehlschluss“, jedenfalls was den Bericht darüber angeht. Auch das Dafürhalten der Befragten scheint doch insgesamt stimmig zu sein: diese fühlen sich selbst unsicherer und halten gleichzeitig den „öffentlichen Raum für unsicherer“.

        Widersprüchlich (aber noch längst kein „Fehlschluss“) wäre es, wenn die Befragten sich jetzt sicherer fühlten, aber den „öffentlichen Raum“ für unsicherer hielten. Was aber leicht durch den Schluss aufzulösen wäre, dass diese Befragten jetzt einfach den „öffentlichen Raum“ meiden.

  4. @chris
    „Ich vermute, dass „Frauen beschützen“ eben etwas ist, was tief in uns verankert ist.“

    Das wäre dann schon hinreichend, die „Hufeisentheorie“ hätte hier dann aber nichts verloren, da sie nichts zusätzlich erklärt. Es kann ja auch nicht sein, dass die „Hufeisentheorie“ lediglich auf allgemeinen Mitmenschlichkeiten beruht, sondern die beruht schlicht auf der Neigung zu einem strikten Autoritarismus, das politische Vorzeichen wird dann sekundär. Dass solcher politischer Autoritarismus andere vorgeblich „beschützen“ will, das ist natürlich nur der Trick andere zu bevormunden und zu bestimmen. Bestenfalls wird die „tiefe Verankerung Frauen zu beschützen“ hier als Mittel zum Zweck benutzt und fürs eigene Machtstreben missbraucht.

  5. Dazu passt ein kleiner Ausschnitt aus einem Jahresrückblick, den ich gerade bei man tau veröffentlicht hatte:

    https://man-tau.com/2017/01/05/fakten-fakes-und-massenmorde/

    „Der Minister Heiko Maas wiederum setzte Facebook unter Druck, Hate Speech zu löschen. Eines der ersten Opfer war Anabel Schunke, die von Johannes Boie in der Süddeutschen Zeitung als „eine konservative und vom Ton her hemdsärmelige Publizistin“ vorgestellt wird.

    Schunke hatte es sich unüberlegt herausgenommen, eine gegen sie gerichtete Vergewaltigungsdrohung zu veröffentlichen. Da aber diese Drohung dem Augenschein nach von einem muslimischen Mann stammte, entschied Facebook wohl, die Veröffentlichung könne Muslime insgesamt in schlechtem Licht erscheinen lassen. Schunke wurde von Facebook gesperrt. https://facebook-sperre.steinhoefel.de/anabel-schunke-24-11-2016/

    Feministinnen pflegen ja seit Jahren den Begriff „Rape Culture“: die Unterstellung, dass wir in einer Kultur leben würden, die Vergewaltigungen von Frauen systematisch ermöglicht, die sie verharmlost und die gar zu ihnen ermutigt. Dass eine Frau in sozialen Medien gesperrt wird, weil sie eine gegen sich gerichtete Vergewaltigungsdrohung öffentlich macht, ist der beste – genau genommen sogar der einzige – Beleg für eine Vergewaltigungskultur, den ich kenne. Wie empört und nachdrücklich reagierten also Deutschlands Feministinnen?

    Gar nicht reagierten sie. Sind Vergewaltigungsdrohungen etwa für die Aufschrei– und Ausnahmslos-Aktivistinnen ganz okay, solange sie nur von den richtigen Leuten kommen (keine weißen heterosexuellen Männer) und die richtigen Frauen treffen (antiemanzipatorische Kräfte, irgendwie)?“

    Ich verstehe natürlich, dass die Ausnahmslos-Aktivistinnen keine Fans von Schunke sind, bin ich auch nicht. Ihnen fehlt aber offenbar die selbstverständliche Überzeugung, dass auch Menschen einen Anspruch auf Schutz vor Gewalt haben, die nicht dem eigenen politischen Lager angehören. Für Wizorek+co sind Rechte von Frauen gerade so lange wichtig, so lange deren Schutz in ihre eigene politische Agenda passt.

    • @Lucas
      „ist der beste – genau genommen sogar der einzige – Beleg für eine Vergewaltigungskultur, den ich kenne.“

      Da gibt es noch den Popmusik-Bereich, genauer gesagt die Rap-Musik. Hier ist tatsächlich auch sowas wie eine „rape culture“ anzutreffen, nebst der Verherrlichung von Gewalt, Verbrechen und Drogen. Dieser Stil gilt den „Progressiven“ als vorbildlich, als authentischer Ausdruck der Unterdrückten.

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