„Was mich am Feminismus der heutigen Zeit stört“

Auf dem Blog „Gwendolyn Lovgren“ gibt es einen Artikel, indem die Autorin darlegt, was sie am Feminismus der heutigen Zeit stört.

Sie zählt zunächst auf, dass der Feminismus einiges an Gutem erreicht hat und kommt dann auf den heutigen Feminismus zu sprechen:

Ich selbst bezeichne mich nicht als Feministin. Das liegt zum einen daran, weil ich für die Gleichberechtigung aller Menschen bin, egal ob Mann oder Frau und weil mich der Feminismus wie er im Moment in der ersten Welt von manchen Individuen praktiziert wird abschreckt. Feminismus wurde mir erst so richtig bekannt, als die ersten Nackt-Aktivistinnen der Gruppe Femen im Fernsehen zu sehen waren. Seither habe ich immer mal wieder ein wenig verfolgt, wie sich das Ganze entwickelt. Mit den Jahren und viel Zeit im Internet sind mir dann immer wieder vermehrt Negativbeispiele von Feminismus begegnet. Negativbeispiele, die sich nun immer mehr häufen, was nicht nur dem Feminismus sondern auch dem allgemeinen Frauenbild Schaden zufügt.

Das ist hoffe ich etwas, was bei vielen Frauen passiert: Wenn sie sich anschauen, was im modernen Feminismus los ist, dann wenden sie sich lediglich kopfschüttelnd ab.

In den nächsten Abschnitten erkläre ich Dir einmal, was ich damit meine. Vorab: Die Beispiele sind zum Teil etwas überspitzt, aber ich finde es macht nochmal deutlicher was ich meine!

Überempfindlichkeit

Beispiel:
Er: Hey, wie geht’s dir? Ich finde du siehst echt hübsch aus heute!
Sie: Hi, ja eigentlich ganz gut. Aber nenn mich nicht hübsch!
Er: Aber… du bist hübsch?
Sie: Mag sein, aber ich will sowas nicht hören. Du machst mich hier gerade zu einem Objekt, okay? Weisst du was? Ich glaube du hast 0 Respekt mir gegenüber! Vergiss das ganze einfach!

Die Überempfindlichkeit bei Banalitäten muss wirklich den meisten unverständlich erscheinen. Und es gibt sicherlich noch wesentlich deutlichere Beispiele für Überempfindlichkeit, wenn man sich etwas in dem intersektionalen Feminismus umschaut, wo bereits die Erwähnung, dass Frauen schwanger werden, Transphobie sein kann oder jede Kleinigkeit eine Mikroaggression darstellen kann.

Ein weiteres gutes Beispiel dafür ist wohl Rudy Pantoja aus Seattle welcher eine Auseinandersetzung aufgrund eines Scherzes mit der Black Lives Matter Aktivistin Zarna Joshi hatte. Dieses Aufeinandertreffen ist so sehr ausgeartet, dass Rudy heute nur noch unter seinem Scherznamen Hugh Mungus bekannt ist und schon als Meme zu finden ist. Zarna hatte sein Interview mit einem Fernsehsender mit gefilmt und ihn daraufhin nach seinem Namen gefragt worauf Rudy des Scherzes halber (Halt so ein typischer Dad-Joke den viele Väter machen(Also ich kenne viele Väter/Männer mittleren Alters die gerne Sprüche klopfen)) mit Hugh Mungus antwortete was in der englischen Aussprache als humongous (kann soviel wie enorm, gigantisch oder riesig bedeuten) verstanden werden könnte, was wiederum als eine Anspielung auf seinen Penis gewertet werden könnte worauf Zarna Joshi total perplex dies als sexuelle Belästigung abstempelte und dezent ausrastete. Ich verlinke Dir hier noch rasch eine Seite mit allen Infos zu dem Fall, falls Du Dich dafür interessierst.

Auch ein gutes Beispiel, was normale Leute als (schlechten) Scherz abgetan hätten ist hier gleich eine Belästigung sondergleichen, die zum vollkommenen Ausrasten berechtigt.

Was ich damit sagen möchte ist eigentlich, dass heutzutage von vielen (und vor allem empfindlichen)Frauen ALLES als sexuelle Belästigung gewertet werden kann, selbst ein ehrlich gemeintes Kompliment. Die Sexismus- und Feminismuskeule wird geschwungen und die bösen, bösen Männer sollen sich zum Teufel scheren. Zugegeben, ich selbst fühle mich auch etwas unwohl, wenn ich mit Komplimenten von einer fremden Person überhäuft werde, nehme sie aber dennoch dankend an anstatt eine Predigt darüber zu halten, dass man heutzutage als Mann nicht einmal mehr Komplimente machen darf einigen Frauen gegenüber. (Umgekehrt herrscht das Problem: Wenn eine Frau einem Mann ein Kompliment macht ist das entweder komisch oder wird als Freifahrtschein gewertet (Hab ich alles schon gesehen *lach*). Vorsicht ist gut, aber in einem gesunden Mass! Nicht alles kann als sexuelle Belästigung gewertet werden finde ich. Man kann auch überempfindlich sein. Ich habe vor Dir bald einmal eine Story zu erzählen, wie ich selbst einmal sexuell belästigt wurde. Dort werde ich dann nochmals näher darauf eingehen.

Und diese Darstellung erscheint mir erfrischend rational, wie sie üblicherweise wohl die meisten Frauen vertreten werden. Sich über ein Kompliment aufzuregen erscheint den meisten Frauen unangebracht, auch wenn es mal creepy sein kann, aber es ist eben ein Kompliment und somit im Zweifel nett gemeint. Deswegen sieht man es eben nicht als Grund zum ausrasten an, was im radikalen Feminismus hingegen als vollkommen berechtigt angesehen werden kann, weil über den Begriff der Mikroaggression alles zu einem Teil einer größeren Ungerechtigkeit aufgeblasen werden kann.

Unnötiger Feminismus oder auch: Ich halte es für Feminismus obwohl ich keiner Frau damit helfe die WIRKLICH Feminismus und Hilfe gebrauchen könnte – Hauptsache mir als EINZELNES INDIVIDUUM geht es gut!

Beispiel: Suzie Grime (Youtuberin, Modejournalistin, Stylistin und Fotografin)
Ich verliere hier keine weiteren Worte mehr über sie, das mache ich in einem separaten Blogpost, freu Dich drauf! Ich bin gespannt, was dann Deine Meinung zu ihr sein wird.

Das ist eine interessante Theorie, die sehr in das sogenannte Virtue Signalling hinein passt. Tatsächlich schadet vieles, was der Feminismus predigt, aus meiner Sicht Frauen eher: Ihnen wird eine absolut sexistische Welt gepredigt, in der Frauen unterdrückt werden, die Netzwerke alter Männer jeden Aufstieg verhindern, Frauen selbst Frauen hassen und deswegen quasi aufgrund ihrer Gehirnwäsche gegen ihre eigenen Interessen wandeln, Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen alltäglich sind und einen Großteil der Frauen betreffen und Frauen für gleiche Jobs 23% weniger Lohn erhalten. Wenn man eine Ideologie erfinden wollte, die Frauen klein hält, dann wäre Feminismus gut dafür geeignet. Sie kämpfen dort gegen imaginäre Unterdrückungen und verwenden diesen Kampf als Zeichen dafür, dass sie die Guten sind. Tatsächlich bringen tut es niemanden etwas, es bringt nur mehr Feindseligkeiten, weil Gruppen gegeneinander gehetzt werden und Leute mit Forderungen überzogen werden, angebliche Privilegien abzulegen.

Was ich eigentlich mit dieser Kategorie meine sind Frauen, die glauben, dass wir hier in der ersten Welt wie im Mittelalter leben. Europa sei eine Rapeculture (Rapeculture bezeichnet soziale Milieus oder Gesellschaften, in denen Vergewaltigungen und andere Formen sexualisierter Gewalt verbreitet sind und weitgehend toleriert oder geduldet werden) und die Gender Pay Gap würde uns alle betreffen. SCHWACHSINN! Uns Frauen geht es hier gut und wir haben genug Rechte und Anlaufstellen, von denen wir Gebrauch machen können. Keiner WIRKLICH leidenden Frau ist damit geholfen, dass man als einzelne Frau keinen BH mehr trägt oder sich die Beinhaare nicht mehr rasiert und dann blau färbt. Du als einzelne hilfst einer wirklich leidenden Frau auch nicht, indem du dein Leben selbst bestimmst und dich zum Beispiel gegen eine Familienplanung entscheidest um Karriere zu machen. Das ist BULLSHIT! Damit hilfst du dir selbst, aber zum Beispiel nicht einer Frau in Saudi Arabien die froh sein kann, wenn sie nach einer Vergewaltigung nicht gleich zu Tode gesteinigt wird weil ihr Mann sie für eine Schlampe hält weil sie ihm ja fremdgegangen sei und das obwohl SIE das Opfer ist. DORT WIRD FEMINISMUS GEBRAUCHT!!! Da wo die Welt wirklich noch im Mittelalter stehen geblieben ist! Als Feministin sollte man sich für die wirklichen Probleme der Frauen einsetzen und nicht für die Luxusprobleme hier in unserer Gegend, bloss weil man sich als einzelne Person nicht auszuleben wagt (Dazu auch noch ein anderer Blogeintrag).

Schön gesagt. Im radikalen Feminismus wird man darauf wohl erwidern, dass man erstens einen Kulturrelativismus vertritt, der einem nicht erlaubt, die Praktiken einer anderen Kultur (zumindest einer nichtwestlichen Kultur) zu verurteilen und zum anderen, dass sie eben aufgrund ihres internalisierten Frauenhasses gar nicht erkennt, wie schlecht die Welt hier ist. Denn die westliche Kultur ist natürlich der Ursprung alles Übels und damit automatisch schlimmer als alle anderen. Sofern man andere schlechte Praktiken nicht über den Kulturrelativismus kleinreden kann kann man noch anführen, dass sie eigentlich Produkte des Westens und der Kolonalisierung sind. Schließlich wird man noch darauf verweisen, dass eine schlimmere Unterdrückung (so sie denn besteht) ja die hier bestehende Ungerechtigkeit (jede dritte Frau wird vergewaltigt, alle wichtigen Positionen sind männlich besetzt, Männer verdienen im gleichen Job 23% mehr und andere feministische Mythen) nicht nichtig macht.

Männerhass #killallmen

Das schiesst den Vogel meiner Meinung nach ab. Wenn Feminismus als liebenswerter klingendes Wort genutzt wird um seinen Männerhass breit zu machen. Männerhass, der zum Teil schon fast krankhaft nach aussen wirkt. Ein gutes Beispiel dafür habe ich erst letztens in einem Interview einer amerikanischen Nachrichtensendung gesehen, in welcher eine Frau dazu aufgerufen hatte alle männlichen Babys abtreiben zu lassen damit die keine weiteren weissen, heterosexuellen Männer mehr auf die Welt gesetzt würden. Die *seufz* wie wir ja alle wissen laut manchen extremen Feministinnen der Untergang des weiblichen Geschlechts sind. Hier  noch ein Youtubevideo, in welchem eine Frau genau dasselbe sagt. Bei so viel Cringe und Dummheit (Ich kann es einfach nicht anders nennen, tut mir Leid) stehen mir die Haare zu Berge. Es sind noch viele weitere Aussagen, die Feminismus einfach nur in den Dreck ziehen.

Es ist doch schön, dass eine Frau das einmal so deutlich ausspricht. Der moderne Feminismus ist leider in vielen seiner Ausrichtungen in einen Männerhass abgeglitten, der dort vollkommen unverholen gepredigt werden darf, weil die Männer eben als die vergewaltigenden Unterdrücker, die Vertreter des Patriarchats entmenschlicht werden und zu Ungeheuern gemacht werden, gegen die man sich nur wehrt. Einer radikalfeministischen Mutter eines Sohnes bleibt da nur noch ihn entweder als potentiellen Feind zu sehen oder ihn als Umerziehungsprojekt zu sehen, zumindest solange er noch jung ist.

Es wirkt so als wüssten diese Frauen gar nicht, was Feminismus bedeutet und wofür diese Bewegung seit jeher steht.

Lustigerweise würden moderne Feministen ihr ebenso vorwerfen, dass sie es eben nicht weiß, denn der Kampf gegen die Unterdrückungen der Frau, die durch den Mann ausgeübt werden, ist ja von Anfang an Teil der feministischen Theorie gewesen.

Kennt ihr das noch? Zu Schulzeiten haben wir ein Spiel gespielt. Man musste in einen Kreis sitzen mit den Klassenkameraden und die Lehrerin flüsterte dem Kind neben sich etwas ins Ohr. Das Kind muss seinem Sitznachbarn dasselbe flüstern und so geht es weiter bis die Nachricht wieder bei der Lehrerin ankommt. Schlussendlich haben sich dann viele gewundert warum die Nachricht nicht mehr komplett wieder am Anfang angekommen ist und genau so kommt es mir mit Feminismus vor. Man erzählt einander davon, bis sich schlussendlich die richtige Erzählung in Luft auflöst und man etwas total anderes glaubt.

Auch das halte ich für eine gute Beobachtung: Der moderne Feminismus bewegt sich in einer Echokammer, einer Filternblase, in der das Falsche und das Undurchdachte alltäglich und selbstverständlich geworden ist. Es wird zudem sogar noch ein Tabu errichtet, nachdem das Hinterfragen bereits verboten ist und insofern Kritik ausgeblendet werden muss. In dieser Umgebung kann der größte Unsinn bestehen bleiben und es kommt hinzu, dass das Auffinden immer kleinere Benachteiligungen als Wert gilt, der Ansehen bringen kann. Es ist eben ein Race to the Bottom

Auch habe ich das Gefühl, dass jene extremen Feministinnen gefrustet sind und nur für sich kämpfen weil es ihnen nicht gut geht und sie sich in ihrer Spirale aus eventuell nicht verarbeiteten Erlebnissen und Wut verlieren. In der ersten Welt ist Feminismus doch sowieso nur ein Wort, um sich selber besser dastehen zu lassen weil man es ja soooo schwer hat und von allen Seiten unterdrückt wird. Falls dies wirklich der Fall ist: Tut etwas. Wendet euch an Hilfehotlines und Vertrauenspersonen. Gerade hier in Europa haben wir so viele Möglichkeiten uns helfen zu lassen, die anderen Frauen in anderen Kulturen nicht haben. Wenn wir Feminismus einsetzen, dann bitte für diese Frauen!

Die moderne radikale Feministin als frustrierte und wütende, die austeilt, damit es ihr besser geht. Und die statt die Schuld auf andere zu schieben sich lieber Hilfe für ihre tatsächlichen Probleme holen sollte und nicht andere Unterdrückungen erfinden sollte. Passt aus meiner Sicht durchaus.

Ich finde es unheimlich wichtig, dass Feminismus wieder in sein richtiges Licht gerückt wird und dort eingesetzt wird, wo er wirklich gebraucht noch dringend gebraucht wird.

Das würde ich tatsächlich auch gut finden. Gegen einen nichtradikalen Feminismus, der für tatsächliche Gleichberechtigung eintritt und sich gegen tatsächliche Ungerechtigkeiten einsetzt ist nichts zu sagen, er ist sogar zu begrüßen.

Wir können uns glücklich schätzen hier in Europa geboren worden zu sein, wo die Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung gross sind und man Anschluss zu allen möglichen Leuten findet. Ich habe das Gefühl, man ist als Frau für viele Dinge gar nicht mehr dankbar, weil man sie als Selbstverständlichkeit ansieht. Das bezieht sich nicht nur auf Feminismus und Frauen, das betrifft in vielerlei Hinsicht auch Männer. Mich würde jetzt Deine Meinung zum Thema Feminismus interessieren. Brauchen wir Feminismus in Ländern wie Frankreich, Deutschland, Österreich oder hier bei mir in der Schweiz noch? Wenn ja wofür? Wenn nein, vielleicht hast Du ja eine Idee wo und wie Feminismus besser eingesetzt werden kann. Ich freue mich auf Kommentare und Meinungen und wünsche dir noch einen schönen Tag. Wenn du willst, lesen wir uns im nächsten Beitrag wieder. Machs gut!

Kommentare auch gerne hier!