Wie können sich Männer überhaupt von „toxischer Männlichkeit“ distanzieren?

Schoppe kommentierte zum Fall Weinstein:

Tatsächlich könnten solche Typen wie Weinstein – einmal vorausgesetzt, die Vorwürfe bewahrheiten sich, was ja kaum jemand bezweifelt – nur dann wirkungsvoll eingehegt werden, wenn Menschen rundweg bei der Aufrechterhaltung ziviler Standards zusammenhalten würden. Frauen sind dabei auf die Kooperation von Männern angewiesen, aber Männer auch auf die Kooperation von Frauen: Wie sollten sich Männer denn wirkungsvoll von einem Typen wie Weinstein distanzieren können, wenn gleichzeitig von feministisch inspirierten Frauen beständig verkündet wird, in Weinsteins Verhalten würde sich lediglich die ganz allgemeine „toxische Männlichkeit“ ausdrücken.

Denn tatsächlich glaube ich, dass der Großteil der Männer ein Verhalten wie das von Weinstein scharf ablehnt. Feministinnen hingegen unterlaufen und negieren diese Ablehnung, wenn sie Weinstein lediglich als besondere Ausprägung eines typischen männlichen Verhaltens hinstellen.

In der Tat ist „Toxische Männlichkeit“ eher daraus ausgerichtet, dass man einen Sündenbock hat. Alles ist sexistisch und alles kann ein Ausdruck toxischer Männlichkeit sein, sogar das man sich gegen eine solche ausspricht, denn damit sahnt man nur Aufmerksamkeit ab, die eigentlich Frauen zusteht, die das schon immer gesagt haben.

In der feministischen Theorie gibt es kein „Genug“, kein „Jetzt wollen wir es mal nicht übertreiben“. Alles männliche Verhalten ist schlecht und führt zu Weinstein. Wer das Binnen-I nicht würdigt hat quasi selbst Frauen belästigt.

Wer tatsächlich Verbündete haben wollte, der müsste anders auftreten. Wer nur einen Sündenbock will, ein Feindbild, auf das er seine Sorgen und seine Wut projizieren kann, der macht hingegen alles richtig. Da ist es gut, wenn das Ideal nicht zu erreichen ist. Da ist es gut, wenn man immer mehr fordern kann.

Der moderne Feminismus braucht sein Feindbild dringender als Verbündete.

Advertisements

Warum zur Rettung der Rape Culture Theorie sexuelle Übergriffe, die nicht in die Theorie passen, klein geredet werden müssen

Es gab mal wieder einen interessanten Kommentar, der etwas mehr Platz verdient hat:

Lucas Schoppe schrieb:

Penny spielt ein unseriöses Spiel mit Wörtern, das heute für viele feministische Stellungnahmen so typisch ist: Sie wendet sich gegen etwas, was alle vernünftigen Menschen ablehnen (Faschismus, Vergewaltigungen, Menschenrechtsverletzungen) – und bezieht das dann völlig beliebig auf ihre politischen Gegner.

„Muslimen und Einwanderern muss es verwehrt bleiben, westliche Frauen zu missbrauchen, aber die Kehrseite davon ist, dass westliche Männer das straffrei tun dürfen“ Was schert mich die Realität, wenn ich mir meine Meinung schon so schön zurechtgelegt habe? „Westliche Männer“ kritisieren brutale muslimische Geschlechterbilder nur, damit ihnen Muslime nicht beim Vergewaltigen in die Quere kommen: Die Unterstellung hat nichts mit Realitäten zu tun, sondern erfüllt lediglich die Funktion, die eigenen Ressentiments ungestört erhalten zu können.

Wer die westliche Kultur rundweg als eine „Rape Culture“ hinstellt, hat eben ein Problem damit, wenn die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht 2015 als erheblicher Bruch einer gewohnten Ordnung und zudem, von Frauen UND Männern, als Skandal und Verbrechen wahrgenommen werden.

Dieselbe Funktion erfüllten ja auch die haltlosen Vergleiche mit dem Oktoberfest durch Anna-Mareike Krause, Anne Wizorek und andere. Ganz dieselbe Unterstellung wie Penny in der taz hatte auch schon Stokowski zu Beginn des letzten Jahres im Spiegel lanciert. Es zeigt einfach nur: Diese Generation von Feministinnen hat keinen Funken Interesse, sich mit sozialen und politischen Realitäten auseinanderzusetzen, sondern ist ganz darauf fixiert, die eigenen Ressentiments zu schützen. Ganz gleich, was auch immer passiert.

In der Tat muss für sich die sich als Vergewaltigungsgegner darstellenden Feministinnen eine Situation, in der Leute und gerade nunmehr tatsächlich eine „Rape Culture“ annehmen, allerdings nicht eine, die ideologiekonform ist und sich auch gegen die falschen Verursacher wendet, als Bedrohung ihrer Theorie darstellen:

Nach ihre Darstellung ist die westliche Welt schon jetzt eine Rape Culture und das geradezu eines der bestimmenden Elemente, in denen die Gefahr nicht groß genug dargestellt werden kann und jede dritte Frau schon vergewaltigt bzw zumindest Opfer sexueller Gewalt war. Viele Frauen trauen sich der von den Feministen gemalten Welt vor Angst vor Übergriffen gar nicht mehr auf die Straße.

Wenn nunmehr ein neuer Umstand in die Gesellschaft kommt, hier: Flüchtlinge und die Vorfälle von Köln, dann bringt das eine gewisse Erklärungsnot: Warum wird so etwas wahrgenommen und führt zu Protesten, der tägliche Terror, der nach den feministischen Theorien aber Frauen gegenüber ausgeübt wird, wird mehr oder weniger Stil hingenommen?

Und natürlich muss ebenso das Narrativ gerettet werden, dass es vorher alles besser war. Man braucht also neue Zahlen, mit den richtigen Tätern, nämlich weißen Männern. In der Flüchtlingskrise geht den Feministinnen der „Bösewicht“ verloren und sie kämpfen mühsam darum, ihn wieder zu etablieren, indem sie neue Vorfälle erfinden müssen.

Und natürlich müssen sie eine weitere Verlagerung vornehmen: Es sind nicht die Frauen, die diese Rape Culture bemerken, die eigentlich viel schlimmere schon immer bestehende durch die weißen heterosexuellen Männer aber nicht.

Es sind die weißen Männer selbst, die die andere Rape Culture als Konkurrenz ansehen und deswegen bekämpfen. Das ganze als Machtkampf unter Männern um die „bessere Unterdrückung“ darzustellen erlaubt die Frauen aus der Gleichung zu nehmen, die als Unterdrückte eben nicht zu Wort kommen und denen insofern im Feminismus mal wieder die Stimme genommen wird.

Nur durch den Machtkampf weiße Männer gegen muslimische Männer bleibt die Theorie erhalten. Was die „ihr wollt ja nur selbst vergewaltigen“-Vorhalte erklärt.

„Neofaschismus ist im Kern ein Männlichkeitskult“ Eher ein Kult sehr klarer Zuordnungen zu Geschlechtern. Die Verherrlichung des opferbereiten soldatischen Mannes ergibt nur dann einen Sinn, wenn jederzeit klar ist, WOFÜR dieses Opfer gebracht wird: Für das Volk nämlich, das seinerseits im Kern durch die MUTTER repräsentiert wird.

Faschismus ist im Kern mindestens so sehr ein Mutterkult, wie er ein Männlichkeitskult ist. Daher gibt es denn ja auch deutliche Übergänge zwischen Feminismus und Faschismus, in Deutschland zum Beispiel von der bürgerlichen Frauenbewegung zum Nationalsozialismus. Der Mutterkult von bundesdeutschen Feministinnen wie Anita Heiliger wiederum befindet sich deutlich in der Tradition nationalsozialistischer Mutteridealisierungen.

(Dazu: https://man-tau.com/2016/12/07/die-unmodernen-wurzeln-einer-modernen-geschlechterpolitik/ )

Das heißt nun natürlich nicht, dass alle Feministinnen Nazis sind – aber dass Pennys Gegenüberstellung Faschismus vs. Feminismus haltlos ist.

Da sind wieder die Überschneidungen zwischen links und rechts nach der Hufeisentheorie. Rechts und links treffen sich, weil beide einen Kult um den Schutz der Frau errichten, der eine führt Gleichberechtigung und gegenwärtige aus der Benachteiligung resultierende  Schwäche als Grund an, der andere Differenz, die schutzbedürftig und wertvoll macht. Die Auswirkungen sind letztendlich die gleichen. Ich vermute, dass „Frauen beschützen“ eben etwas ist, was tief in uns verankert ist.

Wenn zudem andere Feministinnen darauf beharren, dass so tief unseriöse, ressentimentgeladene Positionen wie die Pennys nicht repräsentativ für DEN Feminismus sind – dann müssen sie sich halt stärker und kritischer damit auseinandersetzen, als sie es tun. Immerhin publiziert Penny in der taz, Stokowski im Spiegel, und Wizorek wird von Familienministerium protegiert. Das sind keine Randfiguren – im Gegenteil: Randfiguren sind im heutigen Feminismus die paar wenigen Feministinnen, die sich mit einem solchen Mist ab und zu auch mal kritisch beschäftigen.

Leider

 

 

Schoppe zu Beauvoir und Hausarbeit vs. Erwerbstätigkeit

Schoppe kommentierte interessantes unter einen Artikel zum Thema „Hausarbeit vs. Erwerbstätigkeit“ im Feminismus

Wir können sehr gut den *bürgerlichen Feminismus* an Hand der Erfahrungen identifizieren, die dieser NICHT gemacht hat.“ – „*Individualneid*, Neid auf die Herausbildung von *männlicher Autonomie*, ohne zu begreifen, was das eigentlich heißt.“ (Crumar)

Das passt exakt zu der Logik DES Schlüsseltextes der zweiten Welle, de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ – im Original ja eigentlich „Das ZWEITE Geschlecht“.

Vor dem Hintergrund des Existenzialismus hat der Begriff der Selbstverwirklichung eine etwas genauere Bedeutung als die esoterisch-gefühlige, die er längst umgangssprachlich angenommen hat. Da wir radikal in die Freiheit geworfen seien, hätten wir auch die Freiheit, uns selbst zu entwerfen, seien durch nichts dabei gebunden. Wir könnten diese Entwürfe aber nur VERWIRKLICHEN; wenn wir etwas tun, wenn wir handeln, arbeiten.

Die (männliche) Arbeit ist so also Bedingung für die Selbstverwirklichung – die Frau aber, die sich vom Mann abhängig macht, sei in diesem Sinne gar kein wirklicher Mensch, sondern gleichsam Anhängsel der Wirklichkeit des Mannes: das zweite Geschlecht eben, nicht nur das „andere“. Entsprechend radikal verachtungsvoll äußert sich de Beauvoir dann auch über bürgerliche Hausfrauen.

Natürlich hat die Tochter aus gutem Hause dabei selbst ein äußerst privilegiertes Bild von der (Erwerbs-)Arbeit, ohne dass sie sich dieser besonderen Perspektive bewusst wäre. Die radikalen Abhängigkeiten, die Quälereien, die massiven Einschränkungen der Freiheit, die Reduktion auf eine Funktion innerhalb eines Gesamtsystems: Diese Aspekte der Erwerbsarbeit sind grundsätzlich nicht entscheidend für den Gang ihrer Argumentation.

Sie berichtet von einer Befragung proletarischer Frauen, die doch tatsächlich in einer deutlich überwiegenden Mehrheit eine Präferenz hätten, die de Beauvoir eigentlich gar nicht ins Konzept passt: Wenn sie die Wahl hätten, würden sie als Hausfrauen zu Hause bleiben und nicht in der Fabrik arbeiten. Die Autorin erklärt sich das nicht etwa dadurch, dass die Frauen die Fabrikarbeit als quälend empfunden hätten – sondern dadurch, dass sie aufgrund der fehlenden männlichen Mithilfe im Haushalt eine doppelte Arbeit hätten. Hätten sie die nicht, würden sie gewiss für die Erwerbs- und gegen die Hausarbeit optieren.

Die guten Gründe der Frauen für eine Option GEGEN die Fabrikarbeit sind der Autorin überhaupt nicht präsent, oder nicht wichtig. In meinen Augen ist das allgemein übrigens ein wesentlicher Grund für die weitgehende Kommunikationsunfähigkeit (und -unwilligkeit) heutiger Feministinnen: Ihre Position baut grundsätzlich auf der Ausblendung großer, wesentlicher Teile der sozialen Wirklichkeit auf. In jeder offenen Diskussion wären sie in Gefahr, dass diese Aspekte in ihr Weltbild einbrechen.

So erklärt sich dann auch die Dauermoralisierung, der Moral-Priapismus, der politische Diskussionen heute oft so nervtötend macht: Die Unterdrückung einer wirklich offenen Diskussion lässt sich auf Dauer nur legitimieren, wenn die ausgegrenzten Positionen so scharf wie möglich diskreditiert werden.

Das der Feminismus große Teile der sozialen Wirklichkeit ausbremsen muss ist aus meiner Sicht richtig. Es ist schon erstaunlich, wenn eine eigentlich linke Philosophie nicht auf die Idee kommt, dass neben Geld eben auch andere Faktoren die Berufsentscheidung und die „Work-Life-Balance“ bestimmen kann und das es nicht Ziel des Einzelnen sein muss, dass er die Gruppe voranbringt, sondern viele ihr eigenes Leben mit gänzlich anderen Prioritäten voranbringen will.

Natürlich hat das die dritte Welle noch etwas unlogischer gemacht: Im Intersektionalen Feminismus kann man auch Hausfrau sein wollen, nur sollte man es nicht wollen oder muss es irgendwie umdeuten als Reclaimen von Weiblichkeit. Man muss auch nicht Karriere machen wollen, aber dennoch steht einem eine entsprechende Position zu, weil alles andere sexistisch wäre. Insofern wäre die Ausblendung der sozialen Wirklichkeit eher noch größer geworden.

Hat der Feminismus Angst vor gleichen Rechten UND Pflichten und deswegen ein so schlechtes Frauenbild?

Lucas Schoppe stellt die negative Sicht auf Frauen in dem gegenwärtigen Feminismus dar:

Skandalös ist aus dieser Sicht nicht die Fixierung auf Ängste und Schutzbedürftigkeiten – skandalös ist lediglich, dass der Schutz nicht total ist, dass der allgute Vater Staat noch Lücken in seinem schützenden Mantel toleriert.

Damit wird Frauen dann der verrückte Eindruck erweckt, sie könnten sich eine Erfahrung ersparen, die für Männer – zu deren Vorteil, übrigens – ganz selbstverständlich ist: Dass es keinen absoluten Schutz gibt, und dass Menschen daher auf sich selbst und aufeinander aufpassen müssen. (….)

Ähnlich die von Schwesig finanzierte Kampagne zur Hate Speech im Netz. In der Welt der Ministerin kommt der Hass von Männern, die Opfer sind Frauen – Frauen selbst sind hier zu Hass gar nicht fähig, schlimmstenfalls zu niedlichen kleinen Aggressiönchen. Ebenso in der häuslichen Gewalt: Was der Mann der Frau tut, ist schrecklich und gewalttätig, was aber die Frau dem Mann tun kann, ist allezeit nicht der Rede Wert.

Wer einen anderen Menschen als Erwachsenen ernst nimmt, weiß allerdings immer auch, dass dieser Mensch ihm potenziell Schaden zufügen kann. Wer das Menschen  nicht zutraut, nimmt sie als Erwachsene nicht ernst.

Die Ministerin entwirft eine Welt, die für Frauen allezeit bedrohlich ist und die ihnen keine Möglichkeit des Schutzes und der Gegenwehr lässt – als wären sie existenziell hilflose Wesen, ausgesetzt in einer feindseligen Welt wie Vögelchen, die zu früh aus dem Nest gefallen sind.

Auch eine berufliche Karriere lohnt sich hier natürlich nicht. Da die Ministerin mitsamt ihrer Partei ausdauernd verkündet, Frauen würden 23% weniger verdienen als Männer, müsste eigentlich jedem jungen Paar klar sein, wer im Zweifelsfall daheim bleibt: Wie verrückt wäre es, wenn es der Mann wäre, der doch in der rauen Wirtschaft dort draußen jederzeit um ein Viertel mehr verdient als die Frau.

Dass das Gerede vom Gender Pay Gap schon vielfach widerlegt worden ist, ändert nichts an seiner Langlebigkeit. Es bedient Bedürfnisse, schürt Ängste und Schutzansprüche – und kann daher lästige Quälgeister wie Tatsachen und sachliche Analysen recht leicht beiseite legen.

Welche Arbeitgeber würde, andererseits, auch gern Menschen einstellen, die davon überzeugt sind, die Erwartung eines realitätsgerechten Verhaltens sei ein übler Trick einer böswilligen Umwelt? (…)

Warum fällt linken Feministinnen nicht auf, dass solche Positionen geschlechterpolitisch frauenfeindlich sind und allgemein politisch reaktionär und autoritär?

Wie wäre es zur Abwechslung einmal mit einem feministischen Aufschrei?

Das ist eine alte Klage, die aber dadurch nicht falsch wird:

Wenn der Feminismus recht hat, dann sind Frauen schlicht unfähig und als Arbeitnehmer oder sonstige Führungspersonen nicht zu gebrauchen.

  • Sie sind die einzige Bevölkerungsgruppe, die es mit freien geheimen allgemeinen Wahlen und einer Mehrheit in der Bevölkerung nicht schafft, ihre Interessen durchzusetzen
  • Sie schaffen es nicht eine rein feministische Partei aufzustellen und sie in diesen Wahlen wählen zu lassen oder zumindest die Gelder der Wahlwerbung zu nutzen um Frauen zu sensibilisieren
  • Sie verkaufen sich beständig unter Wert ohne die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen, wie etwa ein Unternehmen mit den ganzen bei den Beförderungen übergangenen Frauen zu besetzen, ihnen nur etwas mehr zu zahlen und so am Markt konkurrenzlos zu sein, bis dann alle anderen auch Frauen einstellen
  • Ihre Belange werden von der gesamten Wirtschaft übergangen ohne das eine Frau dies ausnutzt und bei einem gewaltigen Markt die Produkte anzubieten, die Frauen tatsächlich wollen. Es würde bereits reichen, dass man Rosa Rasierer zum gleichen Preis verkauft wie „normale Rasierer“ um im Rennen zu sein, und so die „Pink Tax“ auszuschalten, aber Frauen nutzen diese Möglichkeit einfach nicht. Es gäbe noch viele weitere Möglichkeiten, bei denen man sich fragt, warum eine Feministin, die an ihre eigenen Theorien glaubt, sie nicht ergreift. Sie könnte, wenn ihre Theorien zutreffen, so schnell reich werden.
  • Sie wären je nach Theorie entweder bereits durch die Erziehung unfähig oder bräuchten nur daran erinnert zu werden, dass sie Frauen sind um sich jedem Mann aufgrund des Bias unterlegen zu fühlen.
  • Sie werden in jedem einzelnen Land dieser Welt unterdruckt und in jedem einzelnen Land gibt es auch eine Rape Culture zu Lasten von Frauen ohne das es je Frauen gelungen ist, diese Unterdrückung zu beenden.

Und in der Tat wäre der Feminismus eher ein Stabilisator der Unterdrückung:

  • Niemand macht Frauen effektiver deutlich, dass sie niemals soviel Geld wie ein Mann bekommen werden, dass überall nur Sexismus und Unterdrückung lauert, dass eben nirgendwo auf dieser Welt die Frau ein Bein auf den Boden bekommt, ja dass sogar in einem der sichersten Länder der Welt viele Frauen sich noch nicht einmal mehr auf die Straße trauen.
  • Es wäre in dieser sexistischen Welt, die der Feminismus malt in der Tat das Beste dem Mann das Geldverdienen zu überlassen und die Kinderbetreuung zu übernehmen, denn man verdient ja eh weniger, man wird nie befördert etc.

Lucas führt an:

Meine einzige Erklärung ist: Diese Akteurinnen haben Erfolg, weil sie viele Menschen ansprechen, Frauen UND Männer, die vor den Konsequenzen gleicher Rechte Angst haben. Die Angst vor einer Welt haben, in der Frauen prinzipiell dieselben Möglichkeiten haben wie Männer, Männer prinzipiell dieselben Möglichkeiten wie Frauen – und in der sie alle gemeinsam dieselbe Verantwortung tragen.

Sie sprechen Männer an, die den Glauben brauchen, sie hätten eine ganz besondere Macht und einzigartige Privilegien, nur weil sie Männer sind – auch und gerade dann, wenn sie abhängig sind von einem beschissenen Arbeitsplatz, ihre Kinder kaum noch sehen und ein paar Jahre eher sterben als ihre Frauen.

Sie sprechen Frauen an, die von der alten Forderung der sozialdemokratischen Frauenbewegung – „Gleiche Rechte, gleiche Pflichten“ – den Begriff Pflichten gestrichen haben, weil er ihnen irgendwie Angst machte und unbequem war, und die von gleichen Rechten auch nur dort etwas wissen wollen, wo Männer rechtliche Vorteile haben.

Es kann gut sein, dass das mit hineinspielt. Es ist aber auch einfach eine sehr dankbare Position, wenn alle anderen schuld sind und man plötzlich Ansprüche statt Pflichten hat, nach denen die etwas ändern müssen, damit es einem besser geht. Man kann dabei nicht scheitern, denn wenn es nicht klappt, dann muss man einfach nur fordern, dass der andere noch mehr macht. Es passt gut in die Figur der Unterverantwortlichkeit der Frau und die Hyperverantwortlichkeit des Mannes. Zudem erlaubt es einem, dass Thema rein emotional zu besetzen: „ich fühle mich unterdrückt, also werde ich unterdrückt, wen interessieren die Fragen, meine Gefühle müssen reichen, alles andere ist ein Angriff.“ Und es spricht sowohl den weißen Ritter an, der den Damen zur Rettung beisteht als auch denjenigen, der signalisieren möchte, dass er einer von den Guten ist.

Gäbe es ein Zentralkomitee des Patriarchats, das sich eines Tages mit der drängenden Frage beschäftigte, wie sich eigentlich selbstbewusste Frauen weiter in Abhängigkeiten halten lassen – dann wäre es, wenn es klug wäre, zu einem einfachen Schluss gekommen. Es hätte eine Politik entworfen, die Frauen wieder und wieder erklärt, dass sie beständig existenzielle Angst haben müssten, sei es in der Öffentlichkeit oder daheim – dass sie auch vor Gerichten keine Chance auf Hilfe hätten – dass sich ihre Erwerbsarbeit kaum lohne, weil sie ohnehin immer weniger verdienen würden als ihre Männer – und dass sie Schutz nur im Vertrauen auf mächtige väterliche Instanzen finden würden.

Wie unser Patriarchat aussehen könnte, wenn wir es gestalten könnten, wurde ja bereits in einer Patriarchatssitzung in diesem Blog diskutiert. Die meisten Männer wollen die unterdrückte Frau weit weniger als es der Feminismus glaubt. Aber wollte man Frauen Angst einjagen, der Feminismus wäre ein gutes Mittel dazu. Überall außerhalb des Feminismus sieht die Lage für die Frau besser aus. Nirgendwo hat das Patriarchat mehr Macht als in den Darstellungen des Feminismus. Und das bei gleichzeitiger Vertretung, dass die Darstellung komplett die Gesellschaft erzeugt: Was wäre da nahelegender als die Welt als Platz darzustellen, in denen Frauen keine Chance haben?

Diese Politik allerdings auch noch als „Feminismus“ zu bezeichnen, wäre ein ganz besonders gewagter Geistesblitz. Aber wenn er erfolgreich wäre, würden sich selbst Feministinnen nicht mehr gegen diese Politik wehren können, ohne Angst haben zu müssen, sogleich als antifeministisch dazustehen.

So würden dann vermutlich irgendwann die einzigen Menschen, die sich überhaupt noch trauen, feministisch zu argumentieren – ein paar Männerrechtler sein.

Ja, die Feministinnen, die tatsächlich dafür eintreten, dass Frauen nicht die unterdrückten und ausgebeuteten und chancenlosen Wesen sind, die nirgendwo eine Chance haben, sind alle aus Sicht der meisten Feministinnen Antifeminsten. Christina Hoff Sommers, Cathy Young und andere gelten dort als Persona non grata.

Wer auch immer die Lage der Frau besser schildert, der wird mit Argwohn betrachtet. Das Narrativ der Unterdrückung darf nicht angegriffen werden und Wege, wie Frauen als Gruppe ihre Lage verbessern können (weniger Literaturwissenschaften, mehr Naturwissenschaften; die Männerwahl auf Kompatibilität mit Karriere ausrichten/ alles in die Karriere stecken und Kinderbetreuung auf Dritte verlagern) gelten als Verrat und Victim Blaming.

Ironischerweise könnte man also zu der obigen Liste dessen, was Frauen nicht gebacken bekommen, auch eine Frauenbewegung hinzufügen, die Frauen sytematisch ausbremst und schlecht macht. Allerdings wohl auch nur, wenn man verkennt, dass auf diesem Weg einiges an Sonderbehandlung, getarnt als Gleichberechtigung, hängen bleibt.

Der moderne Feminismus ist die Krankheit, deren Heilung zu sein er vorgibt.

Schoppe schrieb mal wieder einen schönen Kommentar, in dem es darum ging, wofür man als Frau dem Feminismus durchaus dankbar sein kann, warum aber der moderne Feminismus damit nichts zu tun hat.

Ich hab mich angesichts des heutigen Feminismus schon öfter gefragt, wie Frauen ihn eigentlich als ermutigend und unterstützend empfinden können. Tatsächlich kenne ich auch kaum noch Frauen, die sich als feministisch bezeichnen – und wenn sie es tun, dann im Hinblick auf das, was der Feminismus aus ihrer Sicht für Frauen einmal geleistet habe, nicht für das, was Feministinnen heute tun.

Im Hinblick auf die Vergangenheit finde ich durchaus – gute oder schlechte – Gründe, warum eine Frau dankbar für den Feminismus sein konnte.

  • Fast immer kommt der Hinweis auf das nun etwa 100 Jahre alte Frauenwahlrecht. Das war zwar nicht allein das Verdienst von Feministinnen, und auch ein großer Teil der Männer durfte nicht wählen – aber es ist ein Symbol dafür, dass Frauen Gleichberechtigung erkämpfen konnten. Dass Frauen später ohne Erlaubnis des Ehemannes kein Konto hätten führen und keinen Job hätten annehmen können, ergänzt das – auch wenn Feministinnen notorisch den Nachweis schuldig bleiben, wann denn ein Gericht einer Frauen das tatsächlich untersagt habe.
  • Viele Berufsfelder, in die Frauen neu eintraten, waren nun einmal männlich geprägt. Frauenfreundschaften und feministische Überzeugungen gaben vielen Frauen tatsächlich eine Rückendeckung, die sie brauchten.
  • Es war für viele Frauen tatsächlich nicht selbstverständlich, sich zuzutrauen, dasselbe tun zu können wie Männer – studieren, die Familie ernähren etc. In der Hinsicht waren einige Feministinnen tatsächlich eine Ermutigung für Frauen. Dass es vielen Männern ganz ähnlich ging, musste dabei keine Rolle spielen.
  • Verhalten von Männern wurde nicht selbstverständlich akzeptiert, sondern konnte angezweifelt werden. Nach der eigenen Legende wurde und wird das erst durch feministische Kritik möglich – das allerdings ist natürlich ausgesprochen unglaubwürdig.

Immerhin gibt es ein paar Gründe, warum der Feminismus nicht bei allen Frauen einen schlechten Ruf hat. Wenn aber tatsächlich einmal etwas Ermutigendes und Aufbauendes hatte, dann ist das heute verschwunden. Die Fixierung darauf, Positionen in Institutionen zu besetzen und öffentliche Gelder sowie rechtliche Privilegien zu beanspruchen, macht auch etwas ganz anderes nötig als „Empowerment“, nämlich das beständige Vorführen von Hilflosigkeit und Schutzbedürftigkeit.

Die Behauptung, dass diese Hilflosigkeit nicht in der „Natur der Frau“, sondern in der Struktur der Gesellschaft begründet sei, ist nur ein oberflächlicher Unterschied zu den klassischen Damsel-in-Distress-Klischees. So ist denn eigentlich alles am heutigen Feminismus darauf ausgerichtet, die Selbstständigkeit von Frauen zu schwächen – wer sich selbst helfen kann, kann schließlich nicht mehr glaubwürdig Hilfe einfordern.

  • Die beständige Beschwörung einer feindlichen Umwelt zerstört nicht nur, wie im Comic oben, Selbstvertrauen. Sie erschwert auch die Kooperation mit anderen (nicht nur mit Männern, sondern auch mit Frauen, die andere Ansichten haben), die für ein selbstständiges Leben so wichtig ist. In der Verherrlichung der sogenannten „Alleinerziehung“ z.B. wird das Fehlen von (oder die Unfähigkeit zur) Kooperation gar zu einer Heldentat stilisiert.
  • Sich selbst als handlungsmächtig zu erleben, ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, auch in schwierigen Situationen stabil und einigermaßen gesund zu bleiben. Das prinzipielle Leugnen weiblicher Handlungsmacht (angesichts umfassender patriarchaler Strukturen, natürlich) ist für Frauen, die das ernst nehmen, also eine erhebliche Belastung. Diese Probleme können dann allerdings wiederum als Bestätigung für die Annahme patriarchaler Strukturen interpretiert werden.
  • Das Fehlen der Handlungsmacht bringt Frauen unweigerlich in Abhängigkeiten, sei es von institutionellen Strukturen oder von GUTEN Männern, die Frauen gegen die patriarchale Übermacht beistehen. (HeForShe) Frauen als grundsätzlich hilflos und abhängig, sich selbst aber als handlungsmächtig erleben zu können, ist m.E. eines der wichtigsten Motive dafür, dass Männer Feministen werden.
  • Die Belohnung dafür, das Gefühl eigener Handlungsmacht aufzugeben, ist die Befreiung von Verantwortung. Das kann tatsächlich eine enorme Entlastung sein, für die Menschen erhebliche Nachteile in Kauf nehmen. Die extremen Feindseligkeiten gegen „Fettlogik überwinden“ z.B. sind wohl darin begründet, dass das Buch zwar Mittel an die Hand gibt, sich selbst besser zu kontrollieren und so handlungsmächtiger zu werden – aber es weist Menschen eben auch die Verantwortung dafür zu. Dieser Preis für Handlungsmacht ist den Gegnern einfach zu hoch.
  • Um aber Verantwortung verlässlich bei anderen zu finden, ist es nötig, Freund-Feind-Strukturen aufrecht zu erhalten. Das gilt nicht nur für das Verhältnis zu Männern, sondern auch für das Verhältnis feministischer Frauen untereinander. Jede ist ständig in Gefahr, auf die Seite des Feindes zu geraten oder nicht vollständig genug auf der Seite der guten, emanzipatorischen Kräfte zu stehen. Kräfteraubende und sinnlose Kämpfe untereinander und ein großer Anpassungsdruck sind aber natürlich erhebliche Hindernisse für ein selbstständiges Leben.

Dass durch solche Positionen Selbstständigkeit von Frauen erheblich behindert wird, kann dann allerdings wieder auf das Konto patriarchaler Strukturen etc. gebucht werden. Tatsächlich ist der Feminismus – um mal ein Zitat von Karl Kraus abzuwandeln – damit eben die Krankheit, deren Heilung zu sein er vorgibt.

Der Eindruck, für schutzlose Frauen zu kämpfen, ist für viele Männer in ganz besonderer Weise gewaltenthemmend

In einem interessanten Kommentar führt Lucas Schoppe eine interessante mögliche Geschlechtdynamik aus, nämlich den Umstand, dass Männer durchaus bereit sind, Gewalt für Frauen einzusetzen und dann die Gewalt eher als gerechtfertigt ansehen:

Augsburg, wo die Mutter unseres Kindes eine Zeitlang mit ihm lebte, am frühen Nachmittag. Ich gehe allein durch ein Wohngebiet in der Nähe der Innenstadt, durch wenig befahrene Straßen mit drei- bis vierstöckigen Häusern. Plötzlich rennen zwei Jungen Männer in sehr hohem Tempo quer und im Zick-Zack über die Straße, der etwas ältere hinter dem etwas jüngeren her – und gerade zwei Meter vor mir, neben einem Hauseingang, hat er den anderen eingeholt, presst ihn gegen die Hauswand und schlägt auf ihn ein.

Ich sprach ihn sofort an (griff aber nicht körperlich ein, weil ich das Gefühl hatte, das würde die Situation eher eskalieren), versuchte ihn zu beruhigen, sagte ihm, dass er aufhören solle zu schlagen – und er hörte tatsächlich auf, hielt den anderen aber weiter fest und erzählte in etwas gebrochenem Deutsch (ich hielt die beiden für Albaner), was los war. Offensichtlich war der etwas jüngere Mann mit der Schwester des etwas älteren zusammen und hatte sie in irgendeiner Weise schlecht behandelt.

Nun kam ein alter Mann aus dem Haus, in dem die Familie offensichtlich wohnte – er kannte die beiden – und zum Glück beruhigte auch er die Situation, so dass es zumindest nicht mehr danach aussah, dass der eine den anderen zusammenschlagen würde. Dann aber…

…kamen noch zwei Frauen aus dem Haus, und beide verhielten sich ungeheuer aufgeregt. Besonders eine von ihnen, etwas zwanzig Jahre älter als die beiden jüngeren Männer, schrie laut, und es war offensichtlich, dass beide Frauen mit Macht versuchten, die gerade beruhigte Situation wieder zu eskalieren. Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich über sie ärgerte. —

Natürlich geht es mir hier nicht um die Behauptung, dass etwa Ausländer sich primitiver verhalten würden als Deutsche (die primitivste, nervtötendste Situation, die ich erlebt habe, entstand, als in einem ICE-Großraumwagen einmal eine Gruppe angetrunkener deutscher Männer zufällig auf eine Gruppe angetrunkener deutscher Frauen traf; die Situation war unter anderen sehr übergriffig – nicht von den Männern gegenüber den Frauen, sondern von beiden Gruppen gegen die anderen Passagiere). Wichtig ist aber, dass die Geschlechterrollen in der Augsburger Familie offenbar deutlich traditioneller waren, als die meisten Familien in Deutschland das mittlerweile gewohnt sind.

Es geht mir bei der Geschichte auch nicht darum, dass das alte Klischee von der friedfertigen Frau und dem gewalttätigen Mann einfach umgekehrt werden müsste. Wichtig ist mir aber, dass Männer- und Frauenverhalten, auch im öffentlichen Raum, sehr viel mehr miteinander zu tun hat, als solche Gut-Böse-Gegenüberstellungen suggerieren.

Meine These: Der Eindruck, für schutzlose Frauen zu kämpfen, ist für viele Männer in ganz besonderer Weise gewaltenthemmend. Das heißt nicht, dass die Männer dann schuldlos sind und bloß weibliche Wünsche exekutieren – sie sind ja erwachsen und selbst verantwortlich für das, was sie tun. Aber Männer- und Frauenverhalten spielt eng zusammen und ist nicht unabhängig voneinander zu verstehen.

Das im Blick auf den 2. Weltkrieg formulierte Mitscherlich-Klischee von der „friedfertigen Frau“ macht in diesem Sinne die Welt keineswegs friedfertiger, sondern es reproduziert eher die Geschlechterstrukturen, die es angeblich verändern soll. Gerade im Krieg kann deutlich werden, wie diese Strukturen Verantwortung verwischen. Die männlichen Soldaten im Einsatz müssen sich nicht verantwortlich fühlen, weil sie ja nicht – egoistisch – für sich kämpfen, sondern für sie schutzlosen Frauen und Kinder. Die Frauen wiederum müssen sich nicht verantwortlich fühlen, weil sie ja selbst gar keine Gewalt ausüben.

Das lässt sich so problemlos auf heutige Verhältnisse im Netz übertragen. Die hier fast ausschließlich von Frauen zelebrierte Kultur der Hypersensibilität, der „Trigger Warnings“ und „Safer Spaces“, der extremen Empfindlichkeit noch für de kleinsten Nuancen einer diskriminierenden Sprache – diese Kultur befriedet das Netz nicht, sondern macht es gewaltsamer.

Denn wer dann als Bedrohung identifiziert ist, als Angreifer der Schutzlosen, der hat natürlich keine Rücksicht mehr verdient. Das gilt interessanterweise auch für Frauen selbst, die – sobald sie andere, nämlich feministische Frauen kritisieren – problemlos als „Masturbationsvorlage“ verhöhnt oder gar mit Vergewaltigungen bedroht werden können. (Dazu:http://man-tau.com/2015/10/17/frauenfeindlichkeit-und-feminismus/ ) Eine Frau, die sich als Gegnerin der Schutzlosen geoutet hat, hat sich eben auf die Seite des Feindes geschlagen, ist selber Schuld und dann auch nicht mehr Wert als ein Mann.

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Tweets, auf die der oben zitierte Tweet antwortet. (https://twitter.com/Chriss_m/status/678457006047498240). Brianna Wu berichtet dort von einem Mann, der im öffentlichen Raum grundlos schreit – und sie fordert andere Männer auf, einzugreifen.

Das ware nach meiner Einschätzung – soweit sie die Situation schildert – ganz falsch. Es gibt dort außer Wus Unwohlgefühl keinen dringlichen Grund zum Eingreifen, und es ist überhaupt nicht einzuschätzen, ob dadurch die Situation nicht möglicherweise erheblich schlimmer würde. Wus Aufforderung würde also mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Eskalation beitragen, wenn ein Mann ihr Folge leisten würde.

Aber das kann Wu egal sein – sie würde ja nicht selbst eingreifen, sondern nur einen Mann zum Eingreifen bewegen.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass da Zusammenhänge bestehen. Kampf von Männern untereinander ist intrasexuelle Konkurrenz und das Ergebnis intrasexueller Konkurrenz bietet sich für sexuelle Selektion an: Wer sich im Kampf gegen andere Männer durchsetzt gilt als besser, attraktiver, stärker. Dazu kommt, dass eine Frau in einer Gefahrenlage anscheinend einen Beschützer braucht und dies einen guten Einstieg bietet: Man präsentiert sogleich die Fähigkeit, die sie braucht. Und sich einer solchen Aufforderung nicht zu stellen könnte eben auch dazu führen das man als schwach wahrgenommen wird, was ebenso den Partnerwert hinabsenken kann.

Insofern ist eine Selektion darauf, dass man einer solchen Aufforderung nachkommt gut denkbar. Sowohl Konfrontation als auch Frauen und wahrscheinlich auch die direkte Beobachtung von Frauen dürften den Testosteronspiegel erhöhen.

Ich würde Schoppe zustimmen, dass dabei aber zunächst der Mann für seine Taten verantwortlich bleibt und man das nicht auf die Frau abschieben sollte und diese als Anstifter überbewerten sollte. Für einige Männern muss auch gar keine Anstiftung, die über das Vorhandensein einer Frau hinausgeht bestehen, damit sie sich beweisen und für die Frau einsetzen wollen.

Aber es gibt eben auch genug Frauen, die sich durchaus nach dem obigen Schema verhalten. Die Fähigkeit, Männer dazu zu bringen, für sie etwas zu ändern, ist ihnen sehr bewusst und einige sehen das entsprechend als Anspruch an. Gerne wird hier auch mit einer Mischung aus „ein echter Mann würde da einschreiten“ bzw abfälligen Blicken gearbeitet. Und dieses „Shaming“, diese Anspruchshaltung bei „macht mir die Welt gefälligst besser, es gefällt mir so nicht“ könnte auch dazu beigetragen, dass die feministische Forderung die Welt besser zu machen, bei einigen Frauen so unproblematisch als Forderung artikuliert wird.

Männer als Objekt und der Habitus der gutbürgerlichen Ehefrau

Schoppe kommentiere zu einem Artikel, in dem eine Frau die Schwierigkeiten von Frauen darstellte und die Männer aufforderte, den Frauen insoweit zuzuhören und zu glauben:

Dass IHRE Realität anders ist als meine, dass Frauen im Schnitt bestimmte Situationen anders erleben, als Männer es tun – das kann ich so ohne Weiteres akzeptieren, und ich glaube es auch. Falsch wird diese Position dann, wenn Frauen denken, dass ihnen die Situation von Männern ganz selbstverständlich präsent sei – oder dass ihnen die Situation von Männern ganz gleichgültig sein können. In beiden Fällen kommt es eben nicht auf ein gegenseitiges Erzählen und Zuhören an, sondern die “Listen!”-Forderung bleibt einseitig. He for She – wie im oben zitierten Text.

Zuhören muss man eben nur den Unterdrückten, den Opfern, den Benachteiligten. Und das kann der Mann in dieser Vorstellung schlicht nicht

Auf solche Texte reagiere ich manchmal ratlos mit dem einfachen Gedanken, dass Leben nun einmal manchmal schwierig und ungerecht sein könne. Ich weiß nicht, wie die Autorin wiederum auf den Gedanken kommt, das sei nur für Frauen so. Aber ich habe eine Hypothese: Sie kommt deswegen auf diesen Gedanken, weil sich hier der Habitus der gutbürgerlichen Ehefrau hält – nämlich der Glaube, dass sie als Frau eigentlich einen Anspruch darauf habe, dass ihr doch jemand die Härten und Schwierigkeiten des Lebens vom Leib halten müsse. Erst vor dem Hintergrund dieses Glaubens wird es dann verständlich, warum auch kleinere Störungen als Symptome einer großen, feindseligen Ungerechtigkeit wahrgenommen werden.

Das finde ich durchaus einen überlegenswerten Gedanken, denn einige Frauen scheinen diese Idee tatsächlich zu haben: Das sie einen Anspruch darauf haben, dass ihr Leben frei von Beeinträchtigungen bleibt und sich ansonsten eben nicht sie zu ändern haben bzw auf die Schwierigkeiten zu reagieren haben, sondern das sich die Welt zu ändern hat. Man könnte das unter „Hypoagency“ fassen, also der Auffassung, dass man selbst nicht verantwortlich ist und andere eben die eigenen Probleme lösen sollen und müssen. Es ist eigentlich interessant, wie nahe der moderne Feminismus mit seinen Prinzipien an Klischees von Weiblichkeit liegt – Das Gefühl ist alles, Verantwortlichkeit für Mißstände besteht nicht, man ist, was man fühlt, es geht um prosoziale Dominanz,

Mir kam dieser Gedanke, als hier mal irgendwann über das Stichwort “Objektifizierung” diskutiert wurde – dass Männer Frauen zum Objekt machen würden. Als ob das für Männer anders wäre. Männer sind noch immer viel weitreichender in der Erwerbsarbeit tätig als Frauen, in aller Regel ohne die Alternative, ebenfalls ganz oder zumindest teilweise zu Hause bleiben zu können und nur Teilzeit zu arbeiten.

Wer sich aber auf dem Arbeitsmarkt anbietet, muss nicht nur akzeptieren, dass er dabei für andere zum Objekt wird, er muss sich – wenn er sich auf diesem Markt einigermaßen vernünftig bewegen will – auch selbst als Objekt sehen: “Was hab ich zu bieten, das anderen nützt?” Möglicherweise ist das ein weiterer Grund, warum so wenige Männer Gender Studies studieren…

Das Männer ebenfalls Objekt sind – das ist im Feminismus wohl unverständlich. Nur dann eben Versorgerobjekt oder etwas anders ausgedrückt „Bankautomat“ oder eben Objekt innerhalb des Arbeitsmarktes.

Hinter der Klage über die weibliche Objektifizierung steht also nicht etwa die Erfahrung, dass Frauen zum Objekt gemacht würden und Männer nicht – sondern ganz im Gegenteil die Erfahrung, dass Männer allgemein viel vollständiger und selbstverständlicher zum Objekt werden. Bei Männern fehlt daher, anders als bei manchen Frauen, in aller Regel der Gedanke, dass es auch anders sein könne. Es fehlt die soziale Erfahrung der bürgerlichen Ehe- und Hausfrau – ein Leben führen zu können, das ein anderer Mensch (nämlich der bürgerliche Ehemann) von den Zwängen der Selbst-Vermarktung eben dadurch weitgehend freistellt, dass er selbst sich umso gründlicher den Marktlogiken unterwirft.

Eben dadurch bleibt das Gespräch, dass die oben zitierte Autorin anstrebt, auch so einseitig: Der Anspruch, auch als Subjekt wahrgenommen zu werden, gilt nur für selbst – und ganz selbstverständlich nicht für ihre männlichen Gesprächspartner (bzw., um etwas exakter zu sein, Gesprächsobjekte).

Der Vorwurf wäre dann also „beide Geschlechter werden auf ihre Art zum Objekt gemacht – aber bei Frauen ist das nicht okay“. Wobei man es modifizieren müsste, da die Sichweise, dass auch Männer Objekte sind im Feminismus gar nicht erst vorkommt.