Frühere Straffreiheit der Vergewaltigung in der Ehe?

Vor kurzem war ein Jubiläum, zum 1.Juli 1997 war der geänderte  Vergewaltigungsparagraph in Kraft getreten, der nunmehr auch die Vergewaltigung in der Ehe als Vergewaltigung strafbar sein ließ. Anlässlich dieses greift die SZ das Thema auf.

Immerhin geschrieben von einem Juristen, Ronen Steinke.

Dennoch versucht er hier das Bild zu erwecken, dass der BGH tatsächlich eine „Pflicht zum Sex“ festgeschrieben hatte und  nicht tatsächlich festgeschrieben hatte, dass ein Ehepartner eine Recht hat sich auch nach dem Schuldprinzip scheiden zu lassen, wenn der andere ihm gegenüber angibt, dass dieser allenfalls den Beischlaf teilnahmslos über sich ergehen lassen wird, aber sonst keine Freude mehr daraus ziehen wird. 

Er stellt dann dar:

Es war eine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers: Als Vergewaltiger bestraft wurde in der Bundesrepublik nur, wer sein Opfer mit Gewalt zum „außerehelichen Beischlaf“ zwang. Ein Trauschein wirkte wie ein Freibrief. Das Gesetz, das Vergewaltigungen in der Ehe zur Straftat machte, trat erst am 1. Juli 1997 in Kraft, vor nun 20 Jahren; im Bundestag angenommen mit 470 zu 138 Stimmen bei 35 Enthaltungen. So kurz ist das erst her.

„Wer wie der Ehemann auf den Beischlaf ein vollkommenes Recht hat, macht sich durch Erzwingen desselben keiner Nothzucht schuldig“, hatte Carl J. A. Mittermaier, einer der bedeutendsten Strafrechtler, schon im 19. Jahrhundert gemeint. „Notzucht“, „Unzucht“ oder wie immer die Vergewaltigung in den verschiedenen Epochen hieß, war stets nur das, was gegen von der Justiz hochgehaltene Moralvorstellungen verstieß. „Eine an sich zulässige Handlung wird nicht dadurch zu einer unzüchtigen, dass sie mit Gewalt vorgenommen wird“, hielt 1937 das Reichsgericht fest. Und bei dem Prinzip blieb es noch lange.

Der Gedanke entstammt sicherlich einer anderen Zeit. Um ihn ganz zu verstehen muss man sich aber erst bewusst machen, dass – ganz abstrakt gesehen – bei einer Tat erst einmal jeder der Straftatbestände des Strafgesetzbuch geprüft werden kann und dann alle, bei denen sich eine Strafbarkeit zeigt, in einer Konkurrenz zueinander stehen. Diese kann sich auf verschiedene Weisen auswirken und es wird üblicherweise eine Gesamtstrafe gebildet. Zu den Konkurrenzen kann man als Überblick beispielsweise diesen Wikipediaartikel lesen.

Eine Nötigung geht in den allermeisten Fällen insbesondere mit den Straftatbeständen der Körperverletzung und der Nötigung einher.

Der Strafrahmen der Vergewaltigung geht dabei bis 15 Jahren Haft, Mindeststrafe bei vollzogenem Geschlechtsverkehr 2 Jahre.

Der Strafrahmen der einfachen Körperverletzung geht von einer Geldstrafe bis 5 Jahre Haft, bei einer gefährlichen Körperverletzung bis 10 Jahre.

Die reine Nötigung hat eine Höchststrafe von 3 Jahren.

Demnach war der Täter eben nicht straffrei und der Trauschein kein Freibrief. Die Strafandrohung und der Tatvorwurf war eben ein anderer.

Dahinter steckte ein anderer Gedanke, was der Charakter der Ehe ist und was der Grund für die Strafbarkeit der Vergewaltigung, der Strafzweck, war. Ältere Texte stellen eher noch auf eine „Geschlechtsehre“ ab. Die Vorstellung war, dass diese eben dadurch, dass jemand mit einem schlief, beeinträchtigt werden konnte, aber Sex mit dem eigenen Ehemann dieser Ehre nichts anhaben konnte, denn die Ehe war ja gerade eine Institution, die auch umfasste, dass man eine „Geschlechtsgemeinschaft“ hatte und dort eben Kinder produzierte. Insofern fiel nach dieser Vorstellung ein ganz wesentlicher Teil des Grundes für eine Strafe weg, einfach weil man durch den Umstand, dass jemand Sex mit einem hatte, bei dem man geschworen hatte, den Rest seines Lebens Sex mit ihm zu haben, in sexueller Hinsicht nach dieser Vorstellung weniger beeinträchtigt war. Nach dieser Vorstellung blieben dann vom Unrecht her nur noch die evtl. körperlichen Beeinträchtigungen und die Nötigung übrig.

Natürlich fürchtete man auch ein Einmischen in die Ehe und auch die Behauptung des ungewollten Sexes in Scheidungsprozessen etc.

Heute sehen wir zurecht eher die sexuelle Selbstbestimmung jedes Menschen als das wesentliche verletzte Recht und alle anderen Gründe als wesentlich unbedeutender. Das Recht zur sexuellen Selbstbestimmung endet aber nicht mit der Heirat und jeder Mensch kann auch gegenüber seinem Ehegatten erklären, dass er keinen Sex mit ihm möchte. Die gewandelten Anschauung hat sich aus meiner Sicht durchgesetzt und ist insoweit die ganz vorherrschende Meinung geworden. Eine Strafbarkeit nur nach anderen Vorschriften würden die meisten wohl eher merkwürdig finden, wenn es ausdrücklich eine Vergewaltigung ist.

Dennoch ist natürlich die Vergewaltigung in der Ehe oder auch in der Beziehung etwas, was zwar angezeigt werden kann, aber häufig nicht zu einer Verurteilung führt. Was sehr häufig daran liegt, dass dann der Ehegatte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht und die Freundin nicht mehr kooperiert und sich an nichts mehr erinnern kann, einfach weil man sich inzwischen wieder versöhnt hat.

Zu dem oben genannten Konkurrenzverhältnis und der früheren Strafbarkeit als Körperverletzung oder Nötigung noch die folgenden Fundstellen:

Einmal eine interessante Abhandlung zur Änderung (die auch rechtsvergleichend andere Länder und die dortige Strafbarkeit betrachtet)

2.1. Gesetzeslage vor der Reform
Die strafrechtliche Norm der Vergewaltigung, § 177 I StGB a.F., lautete bis zu seiner Änderung im Juli 1997 durch das 33. StrÄG wie folgt:
Wer eine Frau mit Gewalt oder durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben zum außerehelichen Beischlaf mit ihm oder einem Dritten nötigt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.
Aufgrund des Tatbestandsmerkmals außerehelich war Vergewaltigung in der Ehe daher nur als Nötigung gem. § 240 StGB und ggf. als Körperverletzung gem. § 223 ff. StGB strafbar, was einen geringeren Strafrahmen zur Folge hatte. Außerdem galt als Vergewaltigung lediglich der erzwungene Beischlaf. Alle anderen erzwungenen sexuellen Handlungen fielen unter den Tatbestand der sexuellen Nötigung gem. § 178 I StGB a.F., der ebenfalls nur außereheliche Aktivitäten umfasste. 178 II StGB a.F. sah eine Mindeststrafe von einem Jahr vor.

Und aus einem tatsächlichen Urteil (BGH NStZ 1989, 483-484)

b) Das Landgericht hat ohne Rechtsfehler festgestellt, daß der Angeklagte seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr und zum Anal- und oralverkehr, also zu sexuellen Handlungen im Sinne des 5 184 c StGB, genötigt hat. Vor der Eheschließung hat er sich dadurch nach den SS 177, 178 StGB strafbar gemacht. Danach ist die Erzwingung der sexuellen Handlungen als Nötigung (S 24o StGB) strafbar; in den Schlägen und sonstigen körperlichen Mißhandlungen vor und während der Vornahme dieser sexuellen Handlungen liegt – jedenfalls bei den Einzelakten nach der Eheschließung – jeweils eine Körperverletzung (S 223 StGB). Der Annahme, der Angeklagte habe sein Opfer zum Geschlechtsverkehr und zu sonstigen sexuellen Handlungen genötigt, ist nicht, wie der Generalbundesanwalt meint, in den Fällen infrage gestellt, bei denen der Angeklagte sein Opfer während des sexuellen Verkehrs und nicht davor geschlagen hat. Nach den Feststellungen hat der Angeklagte seit dem Jahre 1986 sexuelle Handlungen gegen den Willen seiner Lebensgefährtin erzwungen. Die Tatbestände der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung wie auch später der Nötigung sind auch dann erfüllt, wenn das Opfer unter dem Eindruck früherer Gewaltanwendungen und aus Furcht vor Wiederholung keinen Widerstand gegen die Vornahme der sexuellen Handlungen leistet, falls der Täter dies weiß (BGHR StGB § 177 Abs. 1 Gewalt 1; LK, 10. Aufl. § 177 StGB Rdn. 5, 14). Das Vorliegen dieser Voraussetzungen hat die Strafkammer festgestellt.
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c) Das Landgericht hat auch rechtsfehlerfrei dargelegt, daß der Angeklagte sein Opfer aufgrund eines Gesamtvorsatzes fortlaufend vergewaltigt und sonst sexuell genötigt sowie körperlich verletzt hat. Es hat den Entschluß des Täters festgestellt, sein sexuelles Verlangen an seiner Lebenspartnerin und späteren Ehefrau mit großer Häufigkeit und in einer bestimmten Weise, nämlich unter Gewaltanwendung, zu befriedigen. Darin liegt ein auf gleichartige Wiederholung gerichteter Gesamtvorsatz (BGH bei Holtz MDR 1979, 636; BGH, Urteil vom 7. Juli 1987 – 4 StR 313/87 -; LK aaO vor 5 174 StGB Rdn. 23; vgl. auch BGHR StGB vor S 1 / fortgesetzte Handlung Gesamtvorsatz 7,11). Ob dieser von vornherein gefaßte Gesamtvorsatz auch den Zeitraum nach der Eheschließung erfaßt oder ob die Heirat als Zäsur anzusehen ist und der Angeklagte danach einen neuen Gesamtvorsatz gefaßt hat, kann zweifelhaft sein. Darauf kommt es aber nicht an, weil der Angeklagte durch die Annahme des Landgerichts, es liege nur eine fortgesetzte Tat vor, nicht beschwert ist.
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d) Schließlich genügen die Ausführungen des Landgerichts zum Umfang der fortgesetzten Tat den Anforderungen, die an die Festlegung des Schuldumfangs zu richten sind. Bei der fortgesetzten Handlung, die aus einer großen Zahl von Einzelakten besteht, ist es nicht erforderlich, jeden einzelnen Teilakt nach Ort, Zeit etwaigen Modalitäten festzulegen, wenn der Mindestschuldumfang der Tat ausreichend bestimmt ist (BGHR StGB vor S 1 / fortgesetzte Handlung Schuldumfang 1; LK aaO). Der Tatrichter hat den Mindestschuldumfang dadurch festgelegt, daß er Beginn und Ende der Straftat eingegrenzt, die vor und nach der Eheschließung begangenen Einzelakte rechtlich zutreffend bewertet und die Mindestzahl der Einzelakte festgestellt hat. Die Auffassung des Generalbundesanwalts, das Landgericht habe keine konkreten Anhaltspunkte für die Festlegung des Mindestschuldumfanges gehabt, trifft nicht zu. Es hat dazu ohne Rechtsfehler ausgeführt, daß es die Zahl der Einzelakte auf der Grundlage der Bekundungen des Opfers „mit Sicherheitsabschlag“ festgestellt habe.
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3. Zur Frage der Schuldfähigkeit hat die sachverständig beratene Strafkammer angenommen, daß beim Angeklagten „eine sadistische Deviation“, die dem Bereich der schweren anderen seelischen Abartigkeit zuzuordnen sei, naheliege. Im Ergebnis hat sie offengelassen, ob dies tatsächlich der Fall ist oder ob beim Angeklagten „nur ein Charaktermangel“ vorliegt. Dies gefährdet den Bestand des Urteils aber nicht; denn das Landgericht hat Schuldunfähigkeit rechtsfehlerfrei ausgeschlossen und zu Gunsten des Angeklagten angenommen, daß er zur Tatzeit infolge seines Zustandes in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen ist. Der Angeklagte ist nicht dadurch beschwert, daß der Tatrichter sich wegen seiner Zweifel daran, ob die Voraussetzungen des S 21 StGB sicher vorliegen, gehindert gesehen hat zu prüfen, ob der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen ist (vgl. BGHSt 28, 327, 331 f.; BGHR StGB 5 64 Ablehnung 1).
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4. Die Angriffe der Verteidigung gegen die Strafzumessung gehen fehl. Das Landgericht hat es unter Berücksichtigung der für und gegen den Angeklagten sprechenden Gesichtspunkte – auch bei Beachtung des Umstandes, daß seine Schuldfähigkeit erheblich vermindert gewesen sein kann – abgelehnt, die Tat als minder schweren Fall der Vergewaltigung oder sexuellen Nötigung zu bewerten und die Strafe rechtsfehlerfrei dem nach den SS 21, 49 StGB gemilderten Strafrahmen des § 177 Abs. 1 StGB entnommen.

 

Warum zur Rettung der Rape Culture Theorie sexuelle Übergriffe, die nicht in die Theorie passen, klein geredet werden müssen

Es gab mal wieder einen interessanten Kommentar, der etwas mehr Platz verdient hat:

Lucas Schoppe schrieb:

Penny spielt ein unseriöses Spiel mit Wörtern, das heute für viele feministische Stellungnahmen so typisch ist: Sie wendet sich gegen etwas, was alle vernünftigen Menschen ablehnen (Faschismus, Vergewaltigungen, Menschenrechtsverletzungen) – und bezieht das dann völlig beliebig auf ihre politischen Gegner.

„Muslimen und Einwanderern muss es verwehrt bleiben, westliche Frauen zu missbrauchen, aber die Kehrseite davon ist, dass westliche Männer das straffrei tun dürfen“ Was schert mich die Realität, wenn ich mir meine Meinung schon so schön zurechtgelegt habe? „Westliche Männer“ kritisieren brutale muslimische Geschlechterbilder nur, damit ihnen Muslime nicht beim Vergewaltigen in die Quere kommen: Die Unterstellung hat nichts mit Realitäten zu tun, sondern erfüllt lediglich die Funktion, die eigenen Ressentiments ungestört erhalten zu können.

Wer die westliche Kultur rundweg als eine „Rape Culture“ hinstellt, hat eben ein Problem damit, wenn die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht 2015 als erheblicher Bruch einer gewohnten Ordnung und zudem, von Frauen UND Männern, als Skandal und Verbrechen wahrgenommen werden.

Dieselbe Funktion erfüllten ja auch die haltlosen Vergleiche mit dem Oktoberfest durch Anna-Mareike Krause, Anne Wizorek und andere. Ganz dieselbe Unterstellung wie Penny in der taz hatte auch schon Stokowski zu Beginn des letzten Jahres im Spiegel lanciert. Es zeigt einfach nur: Diese Generation von Feministinnen hat keinen Funken Interesse, sich mit sozialen und politischen Realitäten auseinanderzusetzen, sondern ist ganz darauf fixiert, die eigenen Ressentiments zu schützen. Ganz gleich, was auch immer passiert.

In der Tat muss für sich die sich als Vergewaltigungsgegner darstellenden Feministinnen eine Situation, in der Leute und gerade nunmehr tatsächlich eine „Rape Culture“ annehmen, allerdings nicht eine, die ideologiekonform ist und sich auch gegen die falschen Verursacher wendet, als Bedrohung ihrer Theorie darstellen:

Nach ihre Darstellung ist die westliche Welt schon jetzt eine Rape Culture und das geradezu eines der bestimmenden Elemente, in denen die Gefahr nicht groß genug dargestellt werden kann und jede dritte Frau schon vergewaltigt bzw zumindest Opfer sexueller Gewalt war. Viele Frauen trauen sich der von den Feministen gemalten Welt vor Angst vor Übergriffen gar nicht mehr auf die Straße.

Wenn nunmehr ein neuer Umstand in die Gesellschaft kommt, hier: Flüchtlinge und die Vorfälle von Köln, dann bringt das eine gewisse Erklärungsnot: Warum wird so etwas wahrgenommen und führt zu Protesten, der tägliche Terror, der nach den feministischen Theorien aber Frauen gegenüber ausgeübt wird, wird mehr oder weniger Stil hingenommen?

Und natürlich muss ebenso das Narrativ gerettet werden, dass es vorher alles besser war. Man braucht also neue Zahlen, mit den richtigen Tätern, nämlich weißen Männern. In der Flüchtlingskrise geht den Feministinnen der „Bösewicht“ verloren und sie kämpfen mühsam darum, ihn wieder zu etablieren, indem sie neue Vorfälle erfinden müssen.

Und natürlich müssen sie eine weitere Verlagerung vornehmen: Es sind nicht die Frauen, die diese Rape Culture bemerken, die eigentlich viel schlimmere schon immer bestehende durch die weißen heterosexuellen Männer aber nicht.

Es sind die weißen Männer selbst, die die andere Rape Culture als Konkurrenz ansehen und deswegen bekämpfen. Das ganze als Machtkampf unter Männern um die „bessere Unterdrückung“ darzustellen erlaubt die Frauen aus der Gleichung zu nehmen, die als Unterdrückte eben nicht zu Wort kommen und denen insofern im Feminismus mal wieder die Stimme genommen wird.

Nur durch den Machtkampf weiße Männer gegen muslimische Männer bleibt die Theorie erhalten. Was die „ihr wollt ja nur selbst vergewaltigen“-Vorhalte erklärt.

„Neofaschismus ist im Kern ein Männlichkeitskult“ Eher ein Kult sehr klarer Zuordnungen zu Geschlechtern. Die Verherrlichung des opferbereiten soldatischen Mannes ergibt nur dann einen Sinn, wenn jederzeit klar ist, WOFÜR dieses Opfer gebracht wird: Für das Volk nämlich, das seinerseits im Kern durch die MUTTER repräsentiert wird.

Faschismus ist im Kern mindestens so sehr ein Mutterkult, wie er ein Männlichkeitskult ist. Daher gibt es denn ja auch deutliche Übergänge zwischen Feminismus und Faschismus, in Deutschland zum Beispiel von der bürgerlichen Frauenbewegung zum Nationalsozialismus. Der Mutterkult von bundesdeutschen Feministinnen wie Anita Heiliger wiederum befindet sich deutlich in der Tradition nationalsozialistischer Mutteridealisierungen.

(Dazu: https://man-tau.com/2016/12/07/die-unmodernen-wurzeln-einer-modernen-geschlechterpolitik/ )

Das heißt nun natürlich nicht, dass alle Feministinnen Nazis sind – aber dass Pennys Gegenüberstellung Faschismus vs. Feminismus haltlos ist.

Da sind wieder die Überschneidungen zwischen links und rechts nach der Hufeisentheorie. Rechts und links treffen sich, weil beide einen Kult um den Schutz der Frau errichten, der eine führt Gleichberechtigung und gegenwärtige aus der Benachteiligung resultierende  Schwäche als Grund an, der andere Differenz, die schutzbedürftig und wertvoll macht. Die Auswirkungen sind letztendlich die gleichen. Ich vermute, dass „Frauen beschützen“ eben etwas ist, was tief in uns verankert ist.

Wenn zudem andere Feministinnen darauf beharren, dass so tief unseriöse, ressentimentgeladene Positionen wie die Pennys nicht repräsentativ für DEN Feminismus sind – dann müssen sie sich halt stärker und kritischer damit auseinandersetzen, als sie es tun. Immerhin publiziert Penny in der taz, Stokowski im Spiegel, und Wizorek wird von Familienministerium protegiert. Das sind keine Randfiguren – im Gegenteil: Randfiguren sind im heutigen Feminismus die paar wenigen Feministinnen, die sich mit einem solchen Mist ab und zu auch mal kritisch beschäftigen.

Leider

 

 

Vergewaltigung, Hinderungsgründe für Verurteilungen und Täter-Opfer-Beziehungen

Ich bin auf diese Studie gestoßen, die zwar gleich mit „Vergewaltigungsmythen“ anfängt, was mich etwas mißtrauisch macht, aber die dennoch interessante Zahlen bietet:

Rape myths affect many aspects of the investigative and criminal justice systems. One such myth, the ‘real rape’ myth, states that most rapes involve a stranger using a weapon attacking a woman violently at night in an isolated, outdoor area, and that women sustain serious injuries from these attacks. The present study examined how often actual offences reported to a central UK police force over a two year period matched the ‘real rape’ myth. Out of 400 cases of rape reported, not a single incident was found with all the characteristics of the ‘real rape’ myth. The few stranger rapes that occurred had a strong link to night-time economy activities, such as the victim and offender both having visited pubs, bars, and clubs. By contrast, the majority of reported rape offences (280 cases, 70.7%) were committed by people known to the victim (e.g., domestic and acquaintance rapes), occurred inside a residence, with most victims sustaining no physical injuries from the attack. The benefits of these naturalistic findings from the field for educating people about the inaccuracy of rape myths are discussed.

 

Quelle: Myths and legends: The reality of rape offences reported to a UK police force

Es wurden also 463 Fälle untersucht. Dabei ist bei der „Aussortierung“ gleich interessantes dabei:

Some cases (63) had been ‘cancelled’ by the police. This happened when there was significant evidence that the reported rape had not occurred (for example, if the entire event was filmed and showed the victim to be a willing participant or if the rape was reported by someone other than the victim, who then went on to deny rape having occurred). These were removed from the dataset. This resulted in 400 cases being included in the final analysis.

Von den 463 Anzeigen waren also 63 Falschbeschuldigungen, die recht schnell erkannt worden sind. Das sind immerhin 13,6% wenn ich richtig gerechnet habe. Das waren die mit hochwertigen Beweisen, das es sich nicht um Vergewaltigungen gehandelt hat. Es können also weitere in den noch verbleibenden 400 Fällen enthalten sein.

The majority of these cases remained undetected (319 cases, 79.8%) and this was mainly because the Crown Prosecution Service (the UK government department who advise the police as to whether to proceed cases to prosecution) advised not to charge the suspect due to a lack of evidence (see Table 3) or because the victim had not supported the investigation from the start or withdrew their support of the case after making the allegation. When examining only the stranger rapes, the outcomes were similar; the majority were undetected due to insufficient evidence, and in many cases the victim did not support the investigation or withdrew their support for pressing charges (see Table 3).

Die Tabelle ist durchaus interessant:

Vergewaltigung Gründe für Nichtverfolgung

Vergewaltigung Gründe für Nichtverfolgung

Es erscheint nicht ungewöhnlich ein, dass bei der Vergewaltigung durch einen Fremden die Nichtaufklärungsquote relativ gering ist, zumindest wenn dieser im dunklen Zuschlägt, schlecht zu erkennen ist oder sein Gesicht verdeckt hat. Interssant ist, dass hier 16,5% der Opfer ihre Unterstützung zurückgezogen haben oder von Anfang an nicht kooperativ waren. Auch hier könnte durchaus noch ein gewisses Potential für Falschbeschuldigungen vorhanden sein, denn einen fiktiven Vergewaltiger kann man nicht ermitteln und die Anzeigenerstatterin wird gerade in diesen Fällen auch nicht unbedingt kooperativ sein, denn das birgt die Gefahr in sich, dass sie sich wiederspricht.

Interessant sind auch die Zahlen bei einem Partner, also Domestic. Hier schnellt die Quote derer, die die Unterstützung der Aufklärung zurückgezogen haben auf fast die Hälfte, 46,6%. Das dürften auch Fälle sein, in dem danach die Beziehung wieder fortgesetzt worden ist, aber auch Fälle, bei denen man sich nach einer Trennung von einem Partner an diesem Rächen wollte kommen durchaus in Betracht (was auch in der Kategorie „unzureichende Beweise“ passen würde)

Bei Bekannten sinkt hingegen wie zu erwarten die Rate, bei der die Unterstützung zurückgezogen wird, wieder ist aber immer noch sehr hoch. Auch hier scheint es aber erhebliche Beweisschwierigkeiten zu geben, was eben auch dann der Fall sein kann, wenn es „Regret rape-Fälle“ sind. Interessanterweise hat das englische Recht bereits ein Vergewaltigungsstrafrecht, welches nicht auf Gewalt, sondern auf Konsens abstellt:

1-(1) A person (A) commits an offence if—(a) he intentionally penetrates the vagina, anus or mouth of another person (B) with his penis,
(b) B does not consent to the penetration, and
(c) A does not reasonably believe that B consents.
(2) Whether a belief is reasonable is to be determined having regard to all the circumstances, including any steps A has taken to ascertain whether B consents.
(3) Sections 75 and 76 apply to an offence under this section.
(4) A person guilty of an offence under this section is liable, on conviction on indictment, to imprisonment for life.

(man beachte auch, dass Männer nach diesem Recht nicht vergewaltigt werden können). Insofern scheint das diesbezügliche Recht nicht viel daran zu ändern, dass es keine eindeutigen Fälle sind, sondern in vielen die Beweise nicht ausreichen, obwohl der Täter eindeutig bekannt ist (wie bei Partnern oder Bekannten).

Interessant ist auch das Alter der Opfer und Täter, welches in der nächsten Tabelle dargelegt wird:

Alter von Vergewaltigungsopfern

Alter von Vergewaltigungsopfern

Danach wären also 7% der Opfer im Alter von 0-12 und 40,75% der Opfer zwischen 13 und 19. Gerade letzteres finde ich eine etwas unglückliche Wahl der Alterspanne, weil es aus meiner Sicht schon ein großer Unterschied zwischen der Vergewaltigung einer 13jährigen und einer 19jährigen ist, einfach wegen der Minderjährigkeit und dem Umstand, dass hier ab einem gewissen Alter des Täters wenn Sex stattgefunden hat eben ein Kindesmißbrauch mit Vergewaltigung vorliegt. Hier könnte ich mir vorstellen, dass der Täter häufig zB ein paedophiles Familienmitglied ist.

Das 4 Täter in die Alterskategorie  0-12 fallen ist bizarr auf seine eigene Art.

Es findet sich auch noch eine interessante Aufschlüsselung der Zahlen nach Art des Täters:

In only four cases was it not possible to determine the relationship between the victim and the offender. Most reported rapes were carried out by men that were known to their victim (70.7%; see Table 6). Cases of domestic rape were reported most often (nearly 40%). However, in a large proportion of cases (i.e., 30.1%), the victim and offender were simply acquaintances.

Stranger rapes accounted for slightly less than a third of all reported cases. Of these stranger rape cases, the majority of victims (69 cases, 59.5%) had met the suspect socially before the offence occurred, but did not know them well (e.g., had been drinking with them prior to the attack). Some (12, 10.3%) knew of the suspect, but had not met them before (e.g., the offender was a friend of a friend that they were meeting for the first time). Less than a third (35, 30.2%) of stranger rape cases were carried out by a man whom the victim had never met before, heard of, or seen. In cases in which the victim had met the offender before but the offence was still categorised as a stranger rape, the place of initial contact between the two was frequently in a pub, club, or in the town centre generally (47 cases, 40.5%). The next most frequent meeting places were in the street (22 cases, 19%) or through friends (14 cases, 12.1%).

Das ist auch noch mal in einer Tabelle festgehalten:

Verbindung Täter Opfer Vergewaltigung

Verbindung Täter Opfer Vergewaltigung

Auch hier lassen sich natürlich alle Konstellationen denken: Der Ex-Partner, der das Nein nicht akzeptiert. Die Ex-Partnerin, die sich rächen will oder bei einem ONS mit ihrem alten Partner dem neuen Partner, der davon erfährt, eben erzählt, dass sie vergewaltigt worden ist. Der Freund oder sonstige Bekannte, der Signale falsch liest oder falsch lesen will und ein Nein nicht akzeptiert oder eben eine Geschichte, bei der sie mehr will und sich rächen/es als Vergewaltigung ansieht will, wenn er das nicht will.

Auch eine  Aufschlüsselung zur Vorgehensweise findet sich:

Vorgehensweise des Täters bei Vergewaltigung

Vorgehensweise des Täters bei Vergewaltigung

verstehe ich das richtig, dass in 40% der Fälle Gewalt angewendet worden ist, die keine Verletzungen zur Folge hatte, in 11% der Fälle wurde Gewalt angewendet und es kam zu leichten Verletzungen?

Interessant finde ich, wie oft Alkohol eine Rolle spielte:

Whether the victim or offender had been drinking alcohol prior to the offence taking place was not reported in 186 (46.5%) cases. However, in the majority of cases where data on alcohol was available, both the victim and offender were reported as having drunk alcohol (104 cases, 48.6%). In 31.3% (67) of cases only the victim was reported as having drunk alcohol, whereas in 14% (30) of cases the offender was reported to have been the only one doing so prior to the offence.

Die Fälle, in denen beide betrunken waren können natürlich auch gerade die Fälle sein, bei denen es sich schwer aufklären lässt. Sie ist am nächsten Morgen entsetzt, was da passiert ist und fühlt sich benutzt, er ist entsetzt, dass sie entsetzt ist, weil sie am Abend nach seiner Erinnerung noch eifrig mitgemacht hat.

In stranger rape cases, alcohol was also a significant factor. There was a statistical association between the victim being reported as drinking alone (e.g., the offender was not reported as having drunk any alcohol) and rape type (e.g., domestic, acquaintance, or stranger), χ2(2) = 14.62, p = .001; odds ratio indicated the victim was 3.33 times more likely to have reported being the only one to have drunk alcohol when the offender was a stranger to them, compared to when the offender was not a stranger. Additionally, there was a significant association between the offender being reported as drinking alone and the rape type (e.g., domestic, acquaintance, or stranger), χ2(2) = 17.15, p < .001. The odds ratio showed that the offender was 5.75 times more likely to have been reported as drinking alone in cases in which the offender was not a stranger to the victim compared to cases where the offender was a stranger. Additionally, offenders are reported as having been the only one drinking alcohol 4.24 times more frequently in domestic rape cases than in other rape cases. Thus, stranger rapes are associated with solely the victim drinking and rarely involve solely the offender drinking in comparison to the rapes reported with other victim-offender relationships. In contrast, domestic rapes were most likely to involve only the offender having drunk alcohol.

Betrunkene Frauen sind also anscheinend häufigere Opfer, vermutlich weil sie ein einfacheres Ziel abgeben (oder eben auch, weil sie den Sex am nächsten Morgen bedauern bzw sich ausgenutzt fühlen (was ja auch der Fall sein kann)). Zu Vergewaltigungen in der Beziehung kommt es hingegen eher, wenn er etwas getrunken hat und sie nicht. Man kann vermuten, dass in letzterem Fall die Hemmungen geringer sind, vielleicht auch der typische Säufer eher auch aggressiv wird.

Selbst Bilder von Anti-Vergewaltigungskampagnen oder Berichten sind eigentlich Rape Culture

Bei der Mädchenmannschaft stellt Steinmädchen, von der ich auch hier schon mal einen Artikel besprochen hatte, klar, dass auch die Berichte über Vergewaltigungen selbst auf perfide Art Sexismus und selbst Rape Culture sind:

Doch eine Auseinandersetzung mit dem Strafrecht reicht nicht, solange unsere gesellschaftlichen Bilder über Vergewaltigung Männerfantasien entspringen. Männerfantasien haben in unserer Gesellschaft die seltsame Eigenschaft, zu Objektivität zu werden. Immer wieder wird diese mit allen Mitteln hergestellt, Realität geschaffen. Nicht nur Sprache schafft Wirklichkeit, sondern auch Bilder.

Dabei geht es jetzt nicht im irgendwelche Vergewaltigungsszenen in Filmen oder Gewalt in Pornos, sondern um Bilder und Berichte bzw. um Kampagnen gegen Vergewaltigungen, also zB um Bilder wie diese:

Vergewaltigung in dunkler Gasse

Vergewaltigung in dunkler Gasse

Vergewaltigung im dunklen Park

Vergewaltigung im dunklen Park

Hier wird kritisiert, dass diese Bilder ja Vergewaltigungsmythen bedienen, denn Frauen werden eben seltener im Park vergewaltigt oder in dunklen Gassen, sondern eher zuhause. Nach dieser Auffassung müssten entprechende Kampagnen demnach andere Bilder zeigen:

Sonst würden auf den Bildern auch nicht Parkbänke und Schummerlicht im Dunkeln zu sehen sein, sondern Wohnungstüren.

Geschlossene Räume müssten auf den Bildern sein und der liebende Boyfriend. Aber unsere Gesellschaft lehrt uns immer wieder: Nur das Fremde ist gefährlich. Andere Bilder würden sich nicht so gut verkaufen, sie würden zu tief reingreifen in unsere patriarchale und rassistische Gesellschaftsstruktur. Es ist Teil einer Männerfantasie, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist, Teil einer Fantasie, in der im nur der Andere ein Täter sein kann, in der sexualisierte Gewalt ihre eigene Frauen, ihren Besitz angreift. Das kann natürlich nur im Außen passieren.

Wer also bei einer Anti-Vergewaltigungskampagne nicht den liebenden Freund darstellt, der bedient Männerfantasien und schützt die Vergewaltigungskultur. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Bei Vergewaltigungskampagnen muss man sich die heimische Wohnung und den liebenden Freund vorstellen, sonst ist man quasi Teil des Patriarchats oder arbeitet diesem zu.

Das viele Frauen selbst diese Fantasien einfach nicht haben wollen und das keineswegs aus patriarchalen Gründen, sondern weil es eine Sicht ist, die man einfach nicht gerne hat, das ist im Feminismus dieser Art schwer vermittelbar. Dort gilt eben, dass die Rape Culture so schonungslos wie möglich bekämpft werden muss und da darf man vor solchen Gedanken eben nicht zurückschrecken.

Auch die Frau, die dargestellt wird, entspricht nicht feministischen Anforderungen:

Eine Frau, die vergewaltigt wird, ist immer sehr feminin dargestellt. Sie entspricht den gesellschaftlichen, heteronormativen Vorstellungen von Weiblichkeit. Sie ist jung und schlank, hat keine sichtbaren körperlichen Einschränkungen, meist lange Haare und ist niemals androgyn, burschikos, gar trans – nichts an ihr stellt Weiblichkeitskonzepte in Frage. Das sind in diesen Bildern Frauen, bei denen sich vorgestellt werden kann, dass sie vergewaltigt werden. Hässlichkeit und Abweichung von Geschlechtsvorstellungen wirkt in diesen Bildern letztendlich als Gegenbild – geschützt vor Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt durch Abnormitäten. Dass dies mit der Realität nichts zu tun hat, hindert nicht daran, diese Bilder immer wieder zu verbreiten. Denn sie sind Teil einer Männerfantasie, in der Vergewaltigung immer etwas Erotisches hat und das würde gestört werden, wenn deutlich werden würde, wer alles vergewaltigt wird.

In dieser Weltsicht ist das Schutz des Egos. Ich vermute, dass es der klassische Weg ist, der auch ansonsten in der Werbung eingeschlagen wird: Wer für ein Opfer werben will, der muss eine Identifikationsfläche bieten und den Wunsch zu beschützen hervorrufen. Und der entsteht eben bei schönen Menschen eher und mit schönen Menschen können wir uns auch eher identifizieren. Das kann man unter allgemeinen Schönheitszwang einordnen, also letztendlich unter Patriarchat, ich würde eher vermuten, dass es klassische Biologie ist: Leuten mit hohem Partnerwert will man eben eher helfen, man will lieber etwas schönes retten, findet es schlimmer, wenn etwas schönes angegriffen wird.

In Steinmädchens Sicht muss es natürlich eine Form der Erotik sein. Was schon eine sehr bizarre Sicht ist, was genau würde gestört werden, wenn auf so einem Plakat eine hässliche Frau abgebildet ist? Steinmädchen scheint die Männer masturbierend vor den Fotos von Anti-Vergewaltigungskampagnen sitzen zu sehen. Oder sie scheint die Ersteller dieser Kampagnen als Männer zu sehen, die sabbernd vor dem Foto sitzen und sagen „mach die mal hübscher, das hässliche Ding vergewaltigt doch keiner“. Was sollten Männer damit eigentlich erreichen wollen? Wenn Vergewaltigungskultur den Postern nach nur hässliche Frauen treffen würde, dann hätte wir sie aus meiner Sicht weitaus eher verharmlost („es trifft ja eh nur die hässlichen, die keinen Mann abbekommen, der sie beschützt, nimm also besser ab und mach Sport“).  Oder es würde zu Witzen einladen wie „eine hässliche wie die bekommt auch anders keinen Mann ab“. Es sind die hübschen Frauen, die Männer schützen und begehren wollen.

Auch die Haltung vergewaltigter Frauen ist nach diesen Bildern immer eindeutig: Zusammengekauert, mit den Armen die Beine umschlungen. (Habt ihr das mal probiert? Es ist keine so einfache Position! Ich schwöre, mit ein paar Fettfalten dazwischen funktioniert das zusammenkauern einfach nicht mehr.) Immer wieder werden diese Bilder reproduziert.

Das Gesicht der Frauen bleibt fast immer unsichtbar, ihre Augen sind bedeckt von Händen – oder der ganze Kopf ist gebeugt. Oft sind es eben auch die Bilder wie oben, der Blick des Mannes und Täters wird zur Blickrichtung auf die Frauen, die Bilder zeigen Männerfantasien. In den Bildern wir eins immer und immer wieder klar: Die Frau ist in sich passiv.

Was sind wir Männer doch für durchtriebene Schurken. Da machen wir mit den Postern zum einen noch Fat Shaming und stellen solche Frauen auch noch leidend und hilflos dar. Natürlich: Wir wollen ja damit auch nicht etwa Mitleid oder Schutzinstinkte ansprechen und über die Gesichtslosigkeit darstellen, dass es jede Frau treffen kann und über die Passivität auch nicht, dass sie Hilfe braucht, sondern wir wollen einfach nur deutlich machen, dass man sich als Frau nicht gegen Vergewaltigungen wehren kann und besser passiv bleiben soll:

Wenn das Wehren erfolgreich ist, wird dies in der Zeitung nicht so kommuniziert. Die Frau bleibt Opfer. Es ist, als könnte sie nichts anderes sein. Selbst wenn ein Täter in die Flucht geschlagen wird, er bleibt das Subjekt, sie flieht. Er bleibt immer Subjekt, sie Objekt. Es wäre leicht zu schreiben: Frau schlägt Vergewaltiger in die Flucht. Aber das ist nicht der Text, nicht das Bild. Ihr passiert, er tut. Manchmal kommt die Tat in den Fokus. Niemals ist es ihr Blick, der zählt.

Ich würde wirklich gerne mal ein von Steinmädchen entworfenes Bild sehen. Auf den ersten Blick würde man folgendes Motiv versuchen: Eine nicht hübsche, vermutlich schwarze queere Frau schlägt ihren Freund bei einer versuchten Vergewaltigung in die Flucht, sie als Mittelpunkt des Bildes, er fliehend. Würde ich gerne die feministische Reaktion drauf wehren: Sie muss sich also wehren, sind dann Frauen schuld die das nicht schaffen? Werden etwa nur hässliche Frauen vergewaltigt? Warum guckt sie so selbstbewußt, wenn sie eigentlich gerade von ihrem Freund traumatisiert wurde? Soll das leiden von Frauen herabgesetzt werden? Natürlich kann es gar kein richtiges Bild geben. Es ist klassischer „Nicht gut genug Feminismus

Es ist kein Wunder, dass in unserer Gesellschaft Vergewaltigung nicht verurteilt wird, wenn das die Bilder sind, die davon gepredigt werden, immer und immer wieder. Man kann noch so oft rufen: Vergewaltigern auf’s Maul, denn es gibt doch keine Täter. Vergewaltiger können dank dieser Bilder sagen: Das bin nicht ich, ich habe nicht in einer Unterführung gestanden und bin brutal über ein Frau hergefallen. Das war halt eine Freundin, die es eigentlich ja auch wollte.

Die Antivergewaltigungskampagnen sind schuld an den Freisprüchen von Vergewaltigern. Habe ich das gerade richtig im ersten Satz gelesen? Und die übrigen Sätze scheinen davon auszugehen, dass Vergewaltiger (ich vermute sie setzt hier eigentlich „Männer“ ein) Berichte über andere Taten lesen und sich denken „Vergewaltigung ist eine dunkle Gasse und eine kauernde Frau, da kann ich ja jetzt mal meine Freundin zum Sex zwingen, das ist ja nicht so schlimm, da sie gerade nicht kauert und wir auch nicht in einer dunklen Gasse leben“. Scheint mir eine geradezu bizarre Vorstellung zu sein.

Dank dieser Bilder können Betroffene sich keinen Glauben schenken. Es war ja nicht wie auf den Bildern. Also kann es nicht echt gewesen sein.

Steinmädchen hat die Lösung: Einfach keine Bilder mehr in Zeitungen und Antivergewaltigungskampagnen. Schon würden alle den Betroffenen glauben. Die Bilder hingegen scheinen in ihrer Vorstellung noch nicht einmal nur eine Mitschuld zu haben, sondern sie sind der Anlass. Das an sich ist schon eine sagenhafte Übertreibung, aber durchaus typisch für einen so radikalen Feminismus: Jede Kleinigkeit kann aufgebläht werden, bis sie gleich dem Patriarchat ist.

Denn wahrhaft glaubhaft kann eine Vergewaltigung nur sein, wenn alle Mythen erfüllt werden, der Täter in rassistische Schemata passt, massive Verletzungen vorliegen – und am besten tödlich geendet hat

Oben war ich noch gar  nicht darauf eingegangen: Wo nimmt sie eigentlich das rassistische Schema her? Gibt es irgendwo auch nur eine Kampagne gegen Vergewaltigung, die andeutet, dass der Täter Ausländer ist? Es würde sich meiner Meinung nach keine Kampagne trauen.

Denn wenn es im eigenen Zimmer war, wenn sich nicht „genug gewehrt“ ™ wurde, dann muss sie es ja doch gewollt haben. Der Tod bietet die Gewissheit, dass sie es wirklich nicht gewollt hat. Vorher bleiben immer diese Zweifel, ob die Frau es nicht doch gewollt hat, die Tat herbeigeführt, provoziert hat. Eine seltsame Vorstellung, kombiniert mit der Vorstellung der absoluten Passivität gibt es hier eine Männeropferfantasie, die Hure, das Monster, die alle Männer ihrer Kontrolle beraubt.

Da der gesamte Diskurs mehr von Männerfantasien geprägt ist als von Realitäten, ist es kein Wunder, dass Vergewaltigung nicht verurteilt wird. Diese Bilder, die täglich in Berichten zu sehen sind, halten diese Mythen aufrecht, sie sind Teil der Fantasien.

Schon interessant, wie viel hier aus Bildern hergeleitet wird. In ihrem Artikel betont sie die Männerphantasie der Vergewaltigung. Das diese Bilder der Idee nach gegen Vergewaltigungen gerichtet sind, Mitleid und Sympathie gegenüber der Frau erzeugen sollen, dass hat in ihrem Weltbild keinen Platz.

In den Kommentaren in ihrem Blog schreibt sie immerhin:

Eine Männerfantasie ist es deshalb, weil es einen patriarchalen Blick auf Sexualität und Gewalt widerspiegelt. Diese Fantasie wird jedoch nicht nur von Männern geteilt, sondern zieht sich durch Geschlechter durch. Wirkmächtige Fantasien nisten sich in unseren Köpfen ein und sind schwer zu bekämpfen.
Deshalb benenne ich sie als Männerfantasie, nicht weil ich denke, dass alle Männer zwangsläufig diese Fantasien haben und Frauen und Transpersonen nicht, sondern ich benne sie so, um die strukturelle Herkunft dieses Blickes greifbarer zu machen.

Also auch Frauen scheinen darauf wert zu legen, dass Frauen eigentlich bei der Vergewaltigung irgendwie doch selbst schuld sind und scheinen zu denken, dass hässliche Frauen nicht vergewaltigt werden. „Strukturelle Herkunft“ ist dabei eine typische feministische Aussage: Irgendwie haben Männer und Frauen diese Gedanken, weil die Gesellschaft sie eben allen einpflanzt (und Frauen zu blöd sind um zu merken, dass sie in einer Vergewaltigungskultur leben und diese damit unterstützen), aber die Männer oder jedenfalls die hegemonialen Männer sind ja die eigentlichen Strippenzieher, die an allem Schuld sind.

Männermenschen bleiben letztendlich doch die Schlimmsten.

 

„Die Rape Culture Theorie behindert die Bekämpfung sexueller Gewalt“ (RAINN)

Die Organisation RAINN ( Rape, Abuse & Incest National Network, das größte amerikanische Netzwerk gegen sexuellen Belästigung) hat eine interessante Erklärung abgegeben, in der sie sich zur feministischen Rape Culture Theorie wie folgt außern:

In the last few years, there has been an unfortunate trend towards blaming “rape culture” for the extensive problem of sexual violence on campuses. While it is helpful to point out the systemic barriers to addressing the problem, it is important to not lose sight of a simple fact: Rape is caused not by cultural factors but by the conscious decisions, of a small percentage of the community, to commit a violent crime.

While that may seem an obvious point, it has tended to get lost in recent debates. This has led to an inclination to focus on particular segments of the student population (e.g., athletes), particular aspects of campus culture (e.g., the Greek system), or traits that are common in many millions of law-abiding Americans (e.g., “masculinity”), rather than on the subpopulation at fault: those who choose to commit rape. This trend has the paradoxical effect of making it harder to stop sexual violence, since it removes the focus from the individual at fault, and seemingly mitigates personal responsibility for his or her own actions.

By the time they reach college, most students have been exposed to 18 years of prevention messages, in one form or another. Thanks to repeated messages from parents, religious leaders, teachers, coaches, the media and, yes, the culture at large, the overwhelming majority of these young adults have learned right from wrong, and enter college knowing that rape falls squarely in the latter category.

Research supports the view that to focus solely on certain social groups or “types” of students in the effort to end campus sexual violence is a mistake. Dr. David Lisak estimates that three percent of college men are responsible for more than 90% of rapes.iii Other studies suggest that between 3-7% of college men have committed an act of sexual violence or would consider doing so. It is this relatively small percentage of the population, which has proven itself immune to years of prevention messages, that we must address in other ways. (Unfortunately, we are not aware of reliable research on female college perpetrators.)

Consider, as well, the findings of another studyiv by Dr. Lisak and colleagues, which surveyed 1,882 male college students and determined that 120 of them were rapists. Of those determined to be rapists, the majority — 63% — were repeat offenders who admitted to committing multiple sexual assaults. Overall, they found that each offender committed an average of 5.8 sexual assaults. Again, this research supports the fact that more than 90% of college-age males do not, and are unlikely to ever, rape. In fact, we have found that they’re ready and eager to be engaged on these issues. It’s the other guys (and, sometimes, women) who are the problem.

Auf in diesem Text wird noch mit sehr hohen Zahlen gearbeitet, beispielsweise den bekannten „1 von 6“. Aber er kritisiert ansonsten recht nachhaltig die „Rape Culture Theorie“, die auch hier schon Gegenstand einer Vielzahl von Artikeln war.

Es ist interessant, dass sich eine solch große Organisation der Hystery, die teilweise gerade auf amerikanischen Universitätsgeländen über die Theorie der Rape Culture erzeugt wird, entgegen stellt und deutlich macht, das die Kultur Vergewaltigungen nicht unterstützt oder fördert, sondern im Gegenteil immer deren Gefährlichkeit und Verwerflichkeit hervorhebt. Es wird sogar angeführt, dass durch die Rape Culture Theorie die Bekämpfung sexueller Gewalt eher erschwert wird, weil der Focus von bestimmten vielleicht gefährlichen Personen weg auf die Kultur verlagert wird. Es wird sogar angeführt, dass man nicht eine abstrakte „Männlichkeit“ verantwortlich machen sollte, sondern eben Vergewaltiger.