„Adam und Eva waren nicht zwingend Mann und Frau“ Feministische Bibelauslegung

Arne hatte gestern schon berichtet, aber ich möchte den Blödsinn auch noch einmal aufgreifen:

„Gott schuf den Menschen als Mann und Frau“, so steht es in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Solche Bibelzitate werden oft herangezogen, um die Zweigeschlechtlichkeit bis heute zu begründen. Und das ist falsch, sagt der Theologe Stefan Schorch.

Stefan Schorch, Professor für Bibelwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, legt biblische Texte anders aus als es klassischerweise getan wird und begründet das in seinem Vortrag.

Seiner Beobachtung nach wird in der kirchlichen Diskussion sehr verengt auf die Geschlechterfrage geschaut. Biblische Zitate und Belegtexte würden aus dem Zusammenhang gerissen – beispielsweise von erzkonservativen Alt-Bischöfen, die ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen wollten.

Aber auch viele liberale Kirchenvertreter gingen nicht anders vor und ließen ebenfalls wesentliche Teile des Kontextes außer Acht. Es gebe durchaus biblische Stellen, in denen sich andere Vorstellungen von Beziehungen und Sexualität widerspiegeln.

„In der hebräischen Bibel finden sich sehr verschiedene kulturelle Entwürfe von Sexualität, Partnerschaft und Familie.“

Heute sind homosexuelle Partnerschaften sogar unter protestantischen Pfarrerinnen oder Pfarrern grundsätzlich erlaubt. Es dauerte jedoch bis zum Jahr 2010, ehe in Deutschland das Dienstrecht für Pfarrer angepasst und somit neue Möglichkeiten des Zusammenlebens eröffnet wurden.

Zwar haben sich die Urtexte in der Heiligen Schrift nie verändert, doch interpretieren wir sie zu verschiedenen Zeiten immer wieder anders.

In eine Bibel reinzulesen, was man dort lieber stehen hätte, ist eigentlich das Gegenteil von Glauben. Entweder man setzt Gottes Wort absolut – dann verbietet sich eine beliebige Auslegung innerhalb der heutigen Kultur und eine Auslegung kann allenfalls nach dem damaligen Empfängerhorizont erfolgen (was dann nicht gut aussieht für homosexuelle Paare und für eine Neuinterpretation von Adam und Eva) oder man gibt den Wahrheitsanspruch Gottes auf.

Natürlich ist es andererseits zu begrüßen, dass Leute sich von den Schriften einer dermaßen alten Kultur lösen und „moderne Lösungen“ finden. Wenn man dazu die Bibel beliebig interpretieren muss, dann kann das einen Weg darstellen.

Nur müssen dazu die Gläubigen vergleichsweise unreligiös, dumm oder ideologisiert sein, damit sie so eine bescheuerte Erklärung akzeptieren, um ihre Praktiken in die Gegenwart zu retten.

Es geht also immer um Exegese, also um die Auslegung der alten Schriften in bestimmten kulturellen Zusammenhängen. Das führt auch Michaela Bauks in ihrem Vortrag an, Professorin für Bibelwissenschaft am Institut für Evangelische Theologie der Universität Koblenz-Landau. Sie erklärt darin unter anderem, dass der hebräische Name „Adam“ mehrere Bedeutungen hat: Mann, Mensch, Menschheit oder Jemand.

War das erste von Gott geschaffene Lebewesen vielleicht sogar androgyn, hat also weibliche und männliche Merkmale in sich vereinigt? Forschende diskutieren diese Frage, die sich Gläubige über die Jahrhunderte nicht gestellt haben, mit großer Intensität. Dabei tauchen nahezu alle denkbaren Formen auf.

Auch hier ist es natürlich eine sehr theoretische Diskussion, eigentlich ein Glasperlenspiel, also ein rein akademisches, theoretisch-abstraktes Gedankenspiel ohne praktischen Zweck bzw nur mit dem Zweck, dass man eben eine schillerndere These als der Kollege zu Stande gebracht hat.

Denn nur Hardcore-Christen, die dann aber wohl kaum eine solche Abweichung vom Wort Gottes akzeptieren, werden wohl davon ausgehen, dass es Adam und Eva tatsächlich gegeben hat. Die allermeisten Menschen werden es für eine reine Geschichte haben, so dass das Geschlecht beider vollkommen theoretisch ist.

Tatsächlich ist – was die meisten akzeptieren – der Mensch durch Evolution entstanden und der „erste Menschenmann“ war definitiv ein Mann und die „erste Menschenfrau“ war definitiv eine Frau, schon weil alle unsere Vorfahren zumindest im Säugetierstamm zwei Geschlechter hatten. Die Frage ist nicht, ob es damals bereits zwei Geschlechter gab, sondern allenfalls ab welcher Mutation man von einem „Menschen“ ausgehen kann und  nicht von einer Vorstufe, denn der Übergang ist natürlich fließend.

„Einige Texte bezeugen die Erschaffung eines männlichen Paares, andere die eines männlichen und weiblichen Typs.“

Auch befasst sich Michaela Bauks mit der These, bei der Erschaffung des Menschen habe es sich in Wahrheit zunächst um nichts anderes als einen Protoplasten gehandelt – also die kleinste lebensfähige Einheit: der Inhalt einer Zelle, die mit einer Zellwand ausgestattet ist.

Die Bibel retten, indem Adam ein Protoplast war?  Erscheint mir etwas weit hergeholt, aber ich bin natürlich kein Bibelexperte. Weit eher ist schlicht anzunehmen, dass die Leute damals schlicht einen Schöpfungsmythos nach der ganz simplen Tatsache erstellt haben, dass man für die Produktion eines Menschen eine Frau und einen Mann braucht. Also musste es ganz essentialistisch gedacht und ohne Wissen um Evolution zunächst zwei Menschen, einen Mann und eine Frau gegeben haben. Und um das Dilemma deren Entstehung zu überwinden braucht man dann einen Gott. Der vorher die Welt, den Himmel und die Tiere schaffen muss, damit es vollständig und umfassend wird (und auch für seine Position als einziger Gott – hat er nicht die Welt geschaffen, dann muss es ja jemand anderes gewesen sein).

Daraus könnten in der weiteren Entwicklung die Menschen entstanden sein. Später geht in den Erzählungen die soziale Bestimmung des Menschen mit dem Geschlechtsakt einher, so Michaela Bauks. Laut Altem Testament hätten sich Frau und Mann miteinander zu „verbinden“, um Nachkommen zu zeugen: Als „Social Gender gepaart mit physical sex“ bezeichnet das Michaela Bauks.

Ein nettes Glasperlenspiel für die heutige Gesellschaft: Sehet, auch nach der Bibel hat erst die Kultur den Mann und die Frau gemacht! Wie es die Gender Studies darlegen!

Am Ende bleibt die Kernfrage weiterhin offen: Wer genau waren Adam und Eva?

Fantasiegestalten in einem Schöpfungsmythos. An die man nur glauben kann, wenn man die evolutionäre Entstehung des Menschen ablehnt. Denn sonst sind diese Namen vollkommen unwesentlich.

„Fluides Geschlecht“ – unter diesem Titel hat die Theologische Fakultät der Universität Halle-Wittenberg am 15. und 16. Januar 2020 ihre Theologischen Tage veranstaltet. Dabei ging es um bibelwissenschaftliche Perspektiven auf Homosexualität, Transsexualität und Jungfrauenschaft.

Der Vortrag der Theologin Michaela Bauks von der Universität Koblenz-Landau trägt den Titel „Der erste Mansch ein Protoplast. Überlegungen zur Genderkonstruktion am Beispiel von altorienrtalischen Schöpfungsmythen im Vergleich mit Genesis 1-3“. Der Bibelwissenschaftler Stefan Schorch von der Uni Halle-Wittenberg spricht über das Thema „Moralisches Chaos oder geschöpfliche Sexualität? Die kirchlichen Diskussionen homosexueller Partnerschaften aus alttestamentlicher Sicht“.

Frau Bauks wird das sicherlich mit tollen Worten und gewichtigen Erklärungen ausgeführt und begründet haben.

Aber es bleibt für mich ein Beispiel für eine „Glaubenswissenschaft“. Darunter verstehe ich eine Wissenschaft, die ihre Grundthesen nicht begründen kann und will, sondern sie als absolut setzt und darauf ausgehend Thesen aufbaut. Hier stoßen zwei Glaubenswissenschaften zusammen:

Einmal die Theologie, die einen Gott voraussetzt und die Auffassung, dass die Bibel Gottes Wort ist und aus dieser heraus argumentiert werden muss ohne das man eine dieser Thesen beweisen kann oder will

Und die Gender Studies, die davon ausgehen, dass alles eine soziale Konstruktion ist, auch wenn sie das nicht beweisen können oder wollen.

Beides zusammen ergibt dann eben die obigen Thesen.

69 Gedanken zu “„Adam und Eva waren nicht zwingend Mann und Frau“ Feministische Bibelauslegung

    • Ich hätte spontan ja auf Lots Töchter getippt, aber dagegen spricht natürlich, dass sie Lot hinterher n i c h t der Vergewaltigung bezichtigt haben.

      • Die sind mir bei den Ausführungen auch gleich eingefallen. „Ihr wollt einen Engel unbestimmten Geschlechts schänden? Hier habt ihr meine Töchter stattdessen.“

        Wenn Gender und Theologie sich zusammentun, haben sich die zwei richtigen „Wissenschaften“ getroffen. Fehlt nur noch die Homöopathie, vielleicht mit einer Prise Anthroposophie.

          • „Das alte Testament enthält viele Stellen, die schwer nachvollziehbar sind.“

            Aber auch Stellen, die ganz leicht nachvollziehbar sind.

            „Die Lippen des Narren bringen Zank und sein Mund ruft nach Schlägen“
            (Sprüche 18,6)

            Kannten die damals schon Feministinnen?

  1. Nächste Woche in ihrem Gender-Studies-Seminar:

    ♂︎ ist nicht das Symbol für „männlich“ und
    ♀︎ ist nicht das Symbol für „weiblich“
    Warum alles andere als ⚲ oder besser ⚧ für „alles“ konkret Menschen tötet. (Kleiner haben wir’s grad nicht)

  2. „Einige Texte bezeugen die Erschaffung eines männlichen Paares, andere die eines männlichen und weiblichen Typs.“r das männliche ist falsch.“

    Wie viele Texte sagen das es nicht Mann und Frau sind, im Vergleich zu Texten die genau davon ausgehen. Ist das wieder so eine Gender Studies Logik? So nach dem Motto „es gibt asexuelle Mikroorganismen, deshalb ist die Zweigeschlechtigkeit beim Menschen unnatürlich und nur sozial konstruiert“

  3. Nur „Hardcore-Christen“ glauben an die wortwörtliche Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte.
    Und >40% der US- Amerikaner :D.

  4. Es gibt tatsächlich einen Text, in dem steht: „Gott schuf den Menschen als Mann und Mann.“ ?
    Man muss nicht sehr konservativ sein, um das nicht als Kanon zu betrachten…

    In der zweiten Version macht Gott die Frau aus einer Rippe des Mannes, was tatsächlich Knospung darstellen könnte. Was ist das nur für ein Gott, der das nicht als Standard setzt?

  5. Bei dem ganzen Unsinn, der in der Bibel steht, kommt es auf dieses Detail nun wirklich nicht mehr an.
    Die Tatsache, dass es heute noch Löwen gibt, lässt Noahs Leistung in einem ganz anderen Licht erscheinen. Und was Noah als Mensch hin bekommt, sollte für einen Schöpfergott erst Recht kein Problem darstellen, oder?

  6. Warum sollen sie eigentlich nicht auch die Bibel neu schreiben, wenn sie es schon mit Pippi Langstrumpf, Schulbüchern und literarischen Kulturgütern tun? Meinetwegen.

    Das ist doch grenzenlose Herrschsucht. Jahrtausende lang haben die Menschen das gelesen, geachtet, gewürdigt – und jetzt ganz plötzlich ab in die Tonne.

    Die FFF-Mädchen machen aus „Du sollst dir die Erde Untertan machen“ künftig „Du sollst dich der Erde Untertan machen“. Adam, Eva, Jesus und Gott wird jegliches Geschlecht genommen, Sätze mit generischem Maskulinum werden neu formuliert. Die ganzen *Innen und Atempausen lassen die Bibel um zehn Prozent wachsen.

    Dann wissen wir wenigstens, woran wir heute glauben sollen.

      • Ich erinnere mich in meinem ehemaligen Bibelunterricht in der Schule an folgendes:
        Kain erschlug bekanntlich Abel. Nach dem Rüffel von Gott zog er von dannen und heiratete ein Weib.

        Köstlich waren die theologischen Verrenkungen des Pfarrers nach der Frage, woher denn dieses Weib komme, da Kain der Sohn der erstem Menschen sei?

        Ich denke schon, dass für solch schräge Antworten ein jahrelanges Studium von Nöten ist.

    • Jein. Die Bibel war und ist für Milliarden Menschen Leitschnur. Da ist es schon angebracht das zu erforschen. Halt nicht als Ausforschung göttlichen Willens sondern als Unterfach der Ethnologie.

  7. War das erste von Gott geschaffene Lebewesen vielleicht sogar androgyn, hat also weibliche und männliche Merkmale in sich vereinigt? Forschende diskutieren diese Frage, die sich Gläubige über die Jahrhunderte nicht gestellt haben, mit großer Intensität. Dabei tauchen nahezu alle denkbaren Formen auf.

    Feministische Theologie – da muss ich einen Schreikrampf unterdrücken. Das ist wahrscheinlich das Beknackteste, was es so an Absonderlichkeiten im feministischen Paralleluniversum gibt. Schrupp kommt doch auch aus dieser Ecke. Die hat aber mittlerweile das Christlich-Theologische entsorgt und ist nur noch feministisch unterwegs.
    Weiber fahren oft auf Esoterik ab, mehr als Männer, so scheint mir. Feminismus hat ja auch in einigen Ausprägungen stark esoterische, d.h irrationale Züge.

    • „War das erste von Gott geschaffene Lebewesen vielleicht sogar androgyn, hat also weibliche und männliche Merkmale in sich vereinigt?“

      Man braucht einfach nur auf die Wissenschaft zu schauen: Das erste Lebewesen hatte noch kein Geschlecht. Das ist Einzellern so eigen.

  8. Das finde ich eigentlich die Krönung:

    „Biblische Zitate und Belegtexte würden aus dem Zusammenhang gerissen – beispielsweise von erzkonservativen Alt-Bischöfen, die ihre eigenen Vorstellungen durchsetzen wollten.“

    Es ist doch wohl eher Herr Schorch, der eindeutige Texte über Mann und Frau aus dem Zusammenhang reißt, um seine eigene Agenda durchzusetzen.
    Die „erzkonservativen Alt-Bischöfe“ lesen die Bibel zumindest, wie sie geschrieben steht.

  9. Soweit ich weiß, ist die Kirchen in Deutschland eine Hochburg des Feminismus: vor allem die evangelische, aber auch die katholische.

    Das ist es nur konsequent, wenn sie die Bibel entsprechend umschreiben. Endlich wird Gottes Wort gegendert.

    • Meines Erachtens ist vor allem die protestantische Kirche eine Hochburg (wobei es dort ein sehr breites Spektrum gibt, da zählen ja alle möglichen konservativen und/oder extremen Freikirchen auch dazu).

      Wirkliche hardcore-Femis haben der katholischen Kirche mit ihrem Patriarchat (rein männliche Hierarchie) längst den Rücken gekehrt. Auch wenn es natürlich immer mal wieder Anläufe diverser Grüppchen gibt, z.B. das Priesteramt für Frauen zu öffnen. Aber sogar der progressive Franziskus hat sich das bisher nicht getraut (die konservativen Beharrungskräfte sind in der katholischen Kirche noch vergleichsweise mächtig).

  10. Abgesehen von Hardcore-Bibelfans, glaubt das Zeug kaum jemand. Meine Eltern sind z.B. in so einen Wohlfühlglauben gerutscht. Es interessiert sie gar nicht, was wahr und was falsch ist, die Widersprüche ignorieren sie gekonnt, alles außerhalb ihres Glaubenssystems ist irgendwie anrüchig. Sachliche Diskussionen, auch nur Spekulation (wie ich sie gern anstelle) werden äußerst humorlos aufgenommen, die Verwandtschaft wird mit Geschenken (meist Bücher, Videos, Kerzen etc.) aus irgendeinem christlichen Verlag bedacht (Zeug mit meist grottiger Qualität aber viel Missionierungsblabla).

    Sie sind sich ihrer Ignoranz erstaunlicherweise sogar bewusst, die machen das absichtlich, weil es sich für sie gut anfühlt! Außerdem haben sie ihren Rentneralltag drum herum aufgebaut, sämtliche verbliebenen sozialen Kontakte (die Kinder sind ja alle weit weg) gehen in diese Richtung usw. Es hat was von einer Sucht: Wohlgefühl und Milieu überblenden alle Nachteile.

    Mich schmerzt es das zu sehen, aber die meisten Menschen brauchen anscheinend so etwas, mehr oder weniger intensiv. Bei den einen ist es halt komplett irrational, bei den anderen wenigstens plausibel (Glaube an die unbeweisbare Evolutionstheorie), bei einigen scheinrational (der Glaube an eine unabhängige und nur an Fakten interessierte Wissenschaft etwa).

    Meiner Ansicht nach kann man sich der Wahrheit nur empirisch nähern und jedes erreichte Modell steht mit neuen Erkenntnissen immer wieder komplett zur Disposition. Allerdings setzt das voraus, dass man wirklich alle (regelmässig und weltweit beobachtbaren) Seltsamkeiten untersucht, die halt so auftreten bzw. es wenigstens versucht und nicht selektiv einen riesigen Brocken ausklammert, weil er nicht ins Konzept passt (so wie das unsere „Wissenschaft“ derzeit größtenteils tut).

    Aber bei keiner Sache jemals wirkliche Sicherheit zu haben, ist halt offenbar schwer zu ertragen, auch und gerade für Wissenschaftler, die ja am fanatischsten nach fixen Regeln und absoluten Erkenntnissen suchen (nur halt in der messbaren Realität, statt in alten Büchern). Und abseits von direkt und (so gut wie immer) stabil nachweisbaren physikalischen Gegebenheiten wird es zugegebenermaßen schnell sumpfig, schwer greifbar, driftet in Wahrscheinlichkeiten und Statistikhuberei ab und wird damit natürlich auch teuer in der Erforschung. Immerhin steht mit der Quantenforschung die Tür zumindest schon einen Spalt weit offen und deutet in durchaus beunruhigende Richtungen, die wenig mit unserem (immer noch) vorherrschenden makroskopisch dominierten Weltbild gemein haben…

    • „Außerdem haben sie ihren Rentneralltag drum herum aufgebaut, sämtliche verbliebenen sozialen Kontakte (die Kinder sind ja alle weit weg) gehen in diese Richtung usw. Es hat was von einer Sucht: Wohlgefühl und Milieu überblenden alle Nachteile.“

      Ich denke es ist einfacher für die meisten Menschen eine Lüge zu leben als sich einer schmerzhaten Wahrheit zu stellen. Vor allem wenn du nur noch ein paar Jahre vor dir hast. Wer wird dann schon freiwillig ein ganzes Leben in die Tonne kloppen und sich eingestehen, dass er eine Lüge gelebt hat?

      • Ja, vermutlich hast du Recht. Scheint aber irgendwie auch Veranlagung zu sein, ob man sich das traut oder nicht. Mein Opa väterlicherseits war ähnlich wie ich und interessierte sich bis zuletzt für alles was neu und ungewöhnlich war. Andere lehnen das hingegen schon im jungen Alter ab, sobald sie sich einmal festgelegt haben.

    • Was nützt dir die Wahrheit? Wer die Wahrheit spricht ist meist alleine aber eine gesellschaftliche Lüge bringt dir jede Menge anderer Lügner mit denen man sich zusammen fühlen kann.
      Ich kann die Eltern verstehen. Vielleicht ist DAS ja auch die echte Wahrheit, es geht um Gemeinschaft und die braucht eine Grundlage die jeder, sei er auch noch so dumm, verstehen kann. Der organisierte Glaube ist da eine praktische Sache.

      • Ich weiß nicht, ob es um Gemeinschaft geht und wenn ja, ob die auf einer Lüge basieren sollte. Mein Weg ist das jedenfalls nicht, ich kann Dummköpfe so schon schwer ertragen, schon gar nicht klammere ich für die an Lügen fest.

        Klar, jede Art gesellschaftlicher Lüge hat auch ihre Vorteile, aber es braucht auch immer diejenigen, die dahinter schauen. Ich halte es für fatal, wenn Journalisten und vor allem Politiker diesen Lügen glauben und danach handeln, sowas kann nämlich schnell beliebig dumm und hässlich werden.

        Die ideologische Starrheit des Menschen ist einerseits ein Klotz am Bein, andererseits wirkt sie natürlich auch sehr stabilisierend. Vermutlich geht es nicht anders. Ich wüsste auch gar nicht, wie man das ändern könnte, auch die Schule vermittelt ja letztendlich Glaubenssysteme, obwohl sie eigentlich die Instanz sein sollte, die Kindern das Hinterfragen und logische Denken beibringt. Das gelingt m.E. nur sehr partiell, weil Lehrer halt auch nur Menschen sind. Tja.

        • „Ich weiß nicht, ob es um Gemeinschaft geht und wenn ja, ob die auf einer Lüge basieren sollte. Mein Weg ist das jedenfalls nicht, ich kann Dummköpfe so schon schwer ertragen, schon gar nicht klammere ich für die an Lügen fest.“
          Hmm, es ist eine Lüge aber ob es reine Dummheit ist sei dahingestellt. Wenn dein Ziel Gemeinschaft ist und es dafür eine Lüge braucht, dann ist es viel klüger wenn du die Lüge schluckst als wenn du die Wahrheit sagst. In früheren Gesellschaften wurden Leute die an Gott gezweifelt haben ausgestoßen (oder umgebracht). Leute die ausgestoßen waren haben oft den Tod gefunden, daher ist der Glaube an die Lüge durchaus klug, sogar besser als nur vorzugeben du glaubst dran, denn das bringt dich immer wieder in innere Konflikte.
          Und wohin der Abschied einer verbindenden Lüge geführt hat sehen wir heute – dutzende atheistische Pseudoreligionen von denen jede glaubt die Wahrheit gepachtet zu haben. Nur die Staatsgewalt und die Bequemlichkeit sorgt dafür, dass wir uns nicht gegenseitig umbringen.
          Aber vielleicht ist auch das die eigentliche Wahrheit hinter der Sache.

          • Wer glaubt das Wahrheit(en) ™ in 1300-1400 gr Hirnchen passen, der hat generell schwer einen an der Waffel.

    • „Es interessiert sie gar nicht, was wahr und was falsch ist, die Widersprüche ignorieren sie gekonnt, alles außerhalb ihres Glaubenssystems ist irgendwie anrüchig“ Das ist wirklich wie im Neofeminismus. Aber auch wie bei angeblich empirie- und faktenbasierten Auffassungen zu Klimawandel und Coronabekämpfung. Es gibt da meist nur selektive Wahrnehmung. Die wird aber mehr oder minder meinungstotalitär verbreitet und verteidigt. Eigentlich sind wir in unserer angeblich naturwissenschaftlich basierten Sichtweise auf die Dinge nicht viel weiter als die Gläubigen.

      • „Eigentlich sind wir in unserer angeblich naturwissenschaftlich basierten Sichtweise auf die Dinge nicht viel weiter als die Gläubigen.“

        Ja, es wird halt immer nur rausgepickt, was einem gefällt und ins Weltbild passt. Selbst Wissenschaftler handeln zuweilen viel zu oft so. Vermutlich unvermeidbar, mache ich sicherlich auch gelegentlich, aber ich versuche wenigstens, es zu vermeiden.

      • „Eigentlich sind wir in unserer angeblich naturwissenschaftlich basierten Sichtweise auf die Dinge nicht viel weiter als die Gläubigen.“
        Sehe ich auch so. In Wirklichkeit ist alles Glaube.

  11. Jetzt wird – Gender sei dank – der Bibel jede Grundlage von Naturwissenschaftlichkeit ausgetrieben, ein uneingeschränkter Fundamentalismus kann sich endlich breitmachen!
    Du Elender glaubst, dass der Himmel blau ist?! Du wirst dich noch wundern ….

    Was hier passiert ist „finsterstes Mittelalter“. Das allerdings ebenso allegorisch zu sehen ist wie Adam und Eva als „erste Menschen“!

    Statt endlich der Naturwissenschaft den ihr gebührenden Platz nach Darwin einzuräumen, holt sich die protestantische Theologie den irrationalsten und antiwissenschaftlichen Quatsch, der nur irgendwie geht ins Haus. Was sagt uns das über diese Religion? Wer will *da*, ja *kann* noch dabeisein?

  12. „Und Gott sprach: Wir wollen Menschen machen nach unserm Bild uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh auf der ganzen Erde, auch über alles, was auf Erden kriecht! Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.“

    Nach der Genderlogik muss also Gott ein Protoplast gewesen sein, der die Menschen nach seinem Ebenbild schuf.

  13. Für mich sind alle Religionen menschliche Erfindungen ohne Wahrheitsgehalt. Das meine ich gar nicht abwertend, ich halte das für menschlich und erkenne an, dass Religion viele Bedürfnisse erfüllt. Nur wenn das alles nur menschliche Behauptungen sind, ist es halt etwas merkwürdig, wenn man nun sagt „die eine religiöse Deutung ist besser als die andere“

    „In eine Bibel reinzulesen, was man dort lieber stehen hätte, ist eigentlich das Gegenteil von Glauben.“

    Bei dem Satz musste ich schmunzeln, weil ich eher gesagt hätte: Reinlesen, was man dort gerne stehen hätte, IST doch das Wesen von Religion. Da ist ein Text den Leute vor tausenden Jahren geschrieben haben in einer völlig anderen Sprache. Und der Inhalt stammt ja nicht mal aus einem überschaubaren Zeitraum, sondern ist seinerseits über tausende Jahre hinweg entstanden. Innerhalb der Entstehungszeit der Bibel gab es ja schon viele politische und gesellschaftliche Veränderungen. Kein Wunder(!), dass die Bibel voller Widersprüche ist. Und folglich kann man da alles mögliche rauslesen.

    Und auch wenn du jetzt dann sagst:
    „Entweder man setzt Gottes Wort absolut […] oder man gibt den Wahrheitsanspruch Gottes auf.“
    stellt sich die Frage: wer sagt eigentlich, dass Gott wollte, dass man die Bibel wörtlich nimmt anstatt sie auszulegen? Dass man die Bibel wörtlich nehmen sollte, ist doch an sich schon eine religiöse Setzung, die man glauben kann oder auch nicht. Wenn einer sagt „ich glaube halt nicht, dass die Bibel wörtlich zu nehmen ist, sondern sie ist metaphorisch gemeint“ – dann kannst du ja schlecht sagen „nein, du hast zu glauben, dass die Bibel wörtlich zu nehmen ist“

    Was ich im Kern sagen will ist, dass religiöse Überzeugungen immer ein Stück weit willkürlich sind. Da ist es halt sinnlos, über logische oder weniger logische Glaubensinhalte zu diskutieren. Wenn die glauben, dass Adam und Eva nicht als Mann und Frau zu verstehen sind, dann ist das halt so.

    • Im NT gibt’s zig Stellen, wo Jesus eine Metapher raushaut, Jünger nehmen die wörtlich, Jesus: *facepalm.

      Die Bibel „absolut“ zu sehen, bedeutet also nicht, sie komplett wörtlich zu nehmen. Nur die Formulierung „als Mann und Weib schuf er sie“ als Metapher zu nehmen für:“ Menschen sind eigentlich protoplastische Zwitter“ ist, ähm sehr abwegig?

  14. „In eine Bibel reinzulesen, was man dort lieber stehen hätte, ist eigentlich das Gegenteil von Glauben.“

    Nein, im Gegenteil, es ist genau das – GLAUBEN.
    Nur MINT-Wissenschaft entzieht sich einer Interpretation.
    Jedenfalls grundsätzlich.

    „Entweder man setzt Gottes Wort absolut – dann verbietet sich eine beliebige Auslegung innerhalb der heutigen Kultur “

    Es ist aber nun mal schwierig, Gottes Wort absolut zu setzen in einer Zeit, die den Gläubigen mit Techniken und Möglichkeiten konfrontiert, die es vor 2.500 Jahren noch gar nicht gab.
    Als die Bibel verfasst wurde, gab es noch keine Möglichkeiten der Blutwäsche und auch die Frage nach der Nutzung von Smartphones am Sonntag stellte sich nur selten.
    Die Bibel unterliegt also einer Interpretation der jeweiligen Zeit und Kultur.

    Ich glaube allerdings nicht, dass sich eine androgyne Lesbe als Gott durchsetzen wird.
    Der christliche Gott wird in allererster Linie von Frauen am Leben gehalten. Und das wahrscheinlich nicht zuletzt auch deshalb, weil sie ihn mit VÄTERLICHKEIT, Männlichkeit, Stärke, verbinden.

    • Ich glaube nicht, das für JHWH ein biologisches Geschlecht vorgesehen ist (und auch kein soziales). Das ist ja eine der Neuerungen, die mit dem Monotheismus einhergehen: Es gibt keine in einer Art Seifenopern verpackte Verklausulierung von Zusammenhängen mehr, sondern eine als unbegreiflich postulierte Instanz*, die mit den Menschen kommuniziert, was niedergeschrieben wird (Götze -> Schrift). Väterlichkeit im weiteren Sinne und Stärke, da gehe ich mit. Männlichkeit würde ich explizit ausschließen.

      * Aus der postulierten Unbegreiflichkeit folgt mMn auch zwingend die Interpretierbarkeit.

      • „Väterlichkeit im weiteren Sinne und Stärke, da gehe ich mit. Männlichkeit würde ich explizit ausschließen.“

        Ich hatte schon vermutet, dass ich mich missverständlich ausgedrückt habe.
        Männlichkeit wollte ich nicht im sexuellen Sinne verstanden wissen, sondern im Sinne von Kraft und Stringenz, Zuverlässigkeit.
        Väterlichkeit, mit der ich eher Güte und Hilfsbereitschaft verbinde, deckt das nicht komplett ab.

  15. Die Genesis ist, soweit ich es beurteilen kann (ich kann kein Hebräisch), recht lyrisch. „Adam“ hat im Hebräischen tatsächlich mehrere Bedeutungen. Eine davon ist „Lehm“. In der Geschichte wird also aus „Lehm“ durch die Schöpfung ein Mensch. Im Deutschen ist diese Transformation nicht so schön sichtbar, weil es die Doppelbedeutung nicht gibt. „Adam“ heißt aber nicht zufällig so (genauso wie der Name „Eva“ (=“Leben“ oder „die Leben spendende“) nicht zufällig gewählt ist)

    Die gängigste Deutung ist, dass der Mensch Ackerbau betrieben hat. Das würde auch zum nächsten Kapitel passen, in dem ein Ackerbauer einen Schafhirten aus Neid erschlägt.

    Kurz: Die hier besprochene Deutung ist sehr … extravagant.

    • „Die gängigste Deutung ist, dass der Mensch Ackerbau betrieben hat. Das würde auch zum nächsten Kapitel passen, in dem ein Ackerbauer einen Schafhirten aus Neid erschlägt.“
      ————————————–
      Ich kenne die Geschichte von Kain und Abel aber andersherum, (sofern das von Bedeutung sein sollte)!

        • Möglich. Ich glaube eher, es wird der Konflikt zwischen Erfolgreichen und Erfolglosen thematisiert und damit der Neid. Denn warum erschlägt Kain seinen Bruder? Weil der mehr Erfolg hat. Die ersten Kapitel der Genesis behandeln – da würde ich den Erläuterungen von JP folgen – grundlegende menschliche Eigenschaften: Bewusstsein, Moral (Untersscheidung zwischen Gut und Böse), Neid, …

          Geordnet vom Basalen zum Speziellen.

  16. „einfacher für die meisten Menschen eine Lüge zu leben als sich einer schmerzhaten Wahrheit zu stellen.“

    Kennt hier jeder den Total Perspective Vortex?

    KEINER von uns lebt keine Lüge.

  17. „In eine Bibel reinzulesen, was man dort lieber stehen hätte, ist eigentlich das Gegenteil von Glauben.“

    Ich fürchte es geht gar nicht anders. Die Bibel wortwörtlich zu verstehen führt zu absolutem Unsinn. Sie ist zudem selbstwidersprüchlich, in vielen Dingen unklar, und in weiten Bereichen nur metaphorisch gemeint. Es bleibt also gar nichts anders übrig, als sie interpretierend zu lesen. Dabei kommen notwendigerweise verschiedene Auffassungen raus.

    „Entweder man setzt Gottes Wort absolut – dann verbietet sich eine beliebige Auslegung innerhalb der heutigen Kultur und eine Auslegung kann allenfalls nach dem damaligen Empfängerhorizont erfolgen“

    Ich kann nur annehmen du bist protestantisch aufgewachsen 🙂 Die katholische Theologie nimmt die Bibel weniger wichtig und erfindet auch mal was dazu.

    Entscheidend für den Betreff ist mMn, dass es Adam und Eva nie gab, die Autoren des Textes wohl eine metaphorische Absicht hatten, und es notwendigerweise Interpretation (oder negativ Spökenkiekerei) sein muss, zu interpetieren was sie meinten. Für radikalfeministische Interpretationen ist da auch Platz, aber sie bedeuten nicht mehr als jede x-beliebige andere Interpretation.

  18. Man kann so Glasperlenspiele durchaus machen, ist in der Mathematik Gang und Gäbe (Kalküle, Lemmata, etc…). Dann muss man sich aber an die eigene Logik halten, und dieser nicht widersprechen. Wer das nicht macht, verliert meinen Respekt für Wissenschaftler.

  19. Ich denke, die Bibel sagt ganz klar: „1Mo 1,27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. “
    Da gibt es nichts zu rütteln. Ausserdem ist die nachfolgende Narrative, dass Adam den Tiere Namen gegeben hat und dass Eva Kinder bekommen hat usw, nur von echten Menschen machbar.

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