Kreuzigung und andere grausame Strafen: Welche Wirkung sollten sie haben?

Zum Tode von Jesus am Kreuz hatte ich ja schon einige Artikel:

Interessant ist aus meiner Sicht auch, warum es solche Strafen wie die Kreuzigung überhaupt brauchte.

Sie haben aus meiner Sicht eine vielfältige Funktion, die auch sonst in den Straftheorien vertreten wird:

  • Generalprävention: Die Schrecklichkeit der Strafe hält andere davon ab etwas ähnliches zu tun
  • Spezialprävention: Die Strafe hält den jeweiligen Täter ab so etwas noch einmal zu machen (und das bei einer Todesstrafe ja recht effektiv)

Wie man Strafe auslebt ist dabei sehr abhängig von kulturellen Gegebenheiten und es ist davon auszugehen, dass man hier durchaus spieltheoretische Regeln finden kann:

Ich würde vermuten, dass körperliche Strafen immer dann interessanter werden, wenn Ressourcen knapp sind. Jemand in ein Gefängnis zu stecken kostet ja erst einmal Geld für das Gefängnis, dann für die Nahrung etc. Im die Hand abzuhacken oder ihm ein „D“ für Dieb auf die Stirn zu brennen kostet fast nichts im Vergleich.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass solche Strafen attraktiver werden, wenn Informationsverteilung und Identifizierungsmöglichkeiten nicht so gut sind wie heute. In einem Staat mit einer guten Informationsbasis ersetzt das Strafregister das „D“ auf der Stirn oder eben auch die abgehauene Hand oder die Striemen auf dem Rücken, die deutlich machen: Der spielt nicht kooperativ, passt auf. Und auch: „wenn du nicht willst, dass alle dich als Ausgestoßenen  behandeln und du ein niedriges Leben führen musst, als Ausgestoßener, dann verhalte dich nicht falsch“.

Was aber macht die öffentlichen Bestrafungen auf so grausame Weise wie mit einer Kreuzigung so interessant: Einmal bekommen es mehr mit wenn es ein Spektakel ist, wenn dort leid zu sehen ist etc und es bleibt eher in Erinnerung und schreckt mehr ab.
Um so ziviler eine Gesellschaft, um so eher sich ein kooperativer Stil lohnt und man keinen bewaffneten Aufstand befürchten muss um so eher kann man auch auf die damit verbundene Einschüchterung verzichten, die sich gerade gegen Umstürzler richtet.

27 Gedanken zu “Kreuzigung und andere grausame Strafen: Welche Wirkung sollten sie haben?

  1. „Um so ziviler eine Gesellschaft, um so eher sich ein kooperativer Stil lohnt “

    Im Umkehrschluss: Je unziviler die Gesellschaft und je mehr Teilnehmer, die „kooperativ“ nicht wollen oder können, desto…

    …fürs Migrationsthema gibt es andere Blogs…

  2. Strafen schrecken nicht ab. Das Risiko erwischt zu werden schreckt ab.

    Ganz konkretes Beispiel. Du parkst dein Auto im Halteverbot. Das Risiko des Erwischtwerdens erscheint dir relativ gering.
    Was wirst du wohl run, wenn du dein Auto gerade parken willst aber in 50m Entfernung eine Politesse siehst, die in deine Richtung geht?

      • Mathematisch ausgedrückt geht es um Erwartungswerte. Chance auf potentiellen Gewinn mal eben diesen Gewinn minus Chance auf Strafe mal Wertigkeit der Strafe muss größer Null sein, dann lohnt sich der Regelverstoß. Hier z.B: Parkticket für 3 Euro mal Chance, dass ich die 3 Euro spare, hier 100% (ich kaufe das Ticket mit Gewissheit nicht), ergibt +3 Euro. Wenn ich die Chance, erwischt zu werden, auf über 20% ansetze, lohnt sich der Regelverstoß nicht, denn bei 20% haben wir einen zu erwartenden Verlust von mehr als 20% mal 15 Euro = mehr als 3 Euro, ich erwarte also auch insgesamt einen Verlust. Mit der Politesse die Straße runter liegen meine Chancen fürs Erwischtwerden fast bei 100%, wodurch der Verlust durch die Strafe von 15 Euro die gesparten 3 Euro weit überwiegt.
        Komplizierter wird es, wenn die Wertigkeit nicht so leicht vergleichbar ist wie in diesem Beispiel. Wie viel wert wäre es, schnell einen Parkplatz zu finden? Je nach Situation kann einem das die 15 Euro wert sein. Bei Redefreiheit vs Todesstrafe ist die Wertigkeit dieser Alternativen auch noch extrem subjektiv. Der eine „legt mehr Wert“ darauf, seine Klappe aufzureißen als der andere… noch dazu sind wir Menschen natürlich auch nicht perfekt beim Einschätzen von Chancen und Abschätzen von Erwartungswerten, viele Experimente zeigen dies.
        Dennoch glaube ich, dass wir Menschen intuitiv jeden Tag Abwägungen solcher Erwartungswerte vornehmen. In aller Regel ohne konkrete Zahlenwerte und Rechnungen, aber mit einem Gespür für die Chancen und die „Mächtigkeit“ von Gewinn und Verlust. Es ist also nicht allein die Angst vor Strafe, die Strafe selbst oder der Gewinn, sondern das im Erwartungswert ausgedrückte Verhältnis von alldem, was uns bei unserer Entscheidungsfindung leitet.
        (Ob Dinge wie moralische Vorstellungen noch hinzukommen, oder im Gewinn/Verlust mit eingepreist werden (können), ist eine Frage für sich.)

    • Eigentlich ist es Strafe mal Eintrittswahrscheinlichkeit geteilt durch Gewinn. Wenn die Strafe nur 2 € sind aber das Parkticket 5 € kostet, dann ist die Strafe egal. Wenn die Strafe 100 € sind aber nur alle 2 Jahre jemand vorbei kommt dann ist es das Risiko (Eintrittswahrscheinlichkeit) wert. Erst wenn die Strafe entsprechend hoch ist, die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden hoch ist und der Gewinn niedrig ist dann wird man es sich schenken.

  3. Interessant ist aus meiner Sicht auch, warum es solche Strafen wie die Kreuzigung überhaupt brauchte.

    Wer sagt die würden heute was anderes verstehen?
    Macht hier nicht den Eindruck, als wären die Leute aus der Gegen von Resozialisierungsansätzen beeindruckbar.

  4. Hab mal was über Leute mit Suizidneigung im Mittelalter gelesen, die durften ja bei Höllenstrafe nicht selbst Hand an sich legen.
    Dann haben sie eben ein Kind umgebracht und sich, teilweise wohl sogar recht euphorisch, aufs Rad flechten lassen, in dem „Wissen“, daß sie spätestens in 3 Tagen im Himmel sind.

  5. Vielleicht liegt es daran, dass das Leben (besonders die Arbeit) früher massiv härter war als heutzutage. Ein Gefängnisaufenthalt hier und heute ist vermutlich angenehmer als das ganz durchschnittliche Leben eines Bauern im Mittelalter. Eine „moderne“ Strafe unter Wahrung der Menschenrechte wäre also sogar noch ein Belohnung für ein Delikt; die Strafen mussten grausam sein, um sich gegenüber dem harten Alltag abzuheben. Nur so eine Theorie.

    • Ich würde den Wert, den Freiheit und ein halbwegs selbstbestimmtes Leben haben, nicht unterschätzen. Mal abgesehen davon, dass ich Knast nicht für einen Urlaubsaufenhalt halte. Knasthierarchie und so. Da wäre ich vielleicht doch lieber Bauer.

    • „Eine „moderne“ Strafe unter Wahrung der Menschenrechte wäre also sogar noch ein Belohnung für ein Delikt; die Strafen mussten grausam sein, um sich gegenüber dem harten Alltag abzuheben. Nur so eine Theorie.“

      Für da Römische Reich kann ich nicht reden, aber im Mittelalter waren die extremen Strafen ein Zugeständnis für das staatliche Gewaltmonopol.
      Zuvor nahm jeder die Bestrafung eines Täters selbst in die Hand. Schwerpunktmäßig schadete man den Täter in gleicher Weise, wie der das Opfer geschädigt hatte.
      Ähnlich wie heute in Teilen des Balkans und auf Sizilien war Blutrache über Generationen die Folge.
      Dem wollte irgendeiner der damaligen Kaiser abhelfen – ich weiß leider nicht mehr welcher.
      Der Staat wollte/sollte die Bestrafung von Verbrechern übernehmen, nach allgemein anerkannten und gleichen Standards. Damit dieses staatliche Gewaltmonopol von der Bevölkerung akzeptiert wurde, mussten die Strafen hart sein. Erst viele Jahrhunderte später dachte man auch an Resozialisierung, als man feststellte, dass man mit den einseitig harten Strafen eigentlich nicht das erreichte, was man anstrebte – die Bekämpfung des Verbrechens.

      • „Dem wollte irgendeiner der damaligen Kaiser abhelfen – ich weiß leider nicht mehr welcher.“

        Maximilian der Erste mit seinem „Ewigen Landfrieden“

        • Könnte passen.
          Hatte zwar selber nach gesucht, aber wohl die falschen Stichwörter eingegeben. Und bei Maximilian I bin ich bei einem Bayerischen König gelandet, der es nun wahrlich nicht war 🙂

          Vielen Dank jedenfalls.

  6. Jemand, der zehn Menschen umbringt, muss härter bestraft werden als jemand, der einen umbringt. Wenn auf einen Mord die Todesstrafe steht, müssen 10 Morde mit Folter extra bestraft werden. Reichsbürger müssen milder bestraft werden als Kolonialisierte. Und wer sich ohne Genehmigung König nennen lässt, kriegt noch ein Dornenkrone.

    Das wäre sonst nicht fair den Mördern an den anderen Kreuzen gegenüber.

  7. Man sollte die Gelegenheit nutzen, an die Reaktion einer modernen Feministin und Weltligapolitikerin wie Hillary Clinton auf die anale Pfählung eines Nordafrikaners zu erinnern.

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