Warum der Gender Pay Gap im Osten niedriger ist: Weil Frauen keinen Unterhalt erwartet haben

Ein interessanter Beitrag über Frauen im Osten und ihre Verwunderung über das deutsche Familienrecht nach der Wende:

Nicht alles war in der DDR so einfach, wie sich scheiden zu lassen. Eine durchschnittliche Trennung erfolgte in der sozialistischen Republik innerhalb eines Monats, unkompliziert und kostengünstig. Vom Ehekonflikt und von den emotionalen Belastungen abgesehen, blieb das für Ostfrauen wirtschaftlich folgenloser als für Westfrauen. Sie sollten dem sozialistischen Ideal nach emanzipiert und unabhängig sein. Im Verlauf der knapp 40 Jahre DDR-Geschichte wurden sie das auch, mal staatlich verordnet, mal aus eigenem Antrieb – mit oder ohne Gatten.

Eine günstige Scheidung, weil nicht viel verteilt werden musste. Klar, wer in einer angemieteten Plattenbauwohnung wohnte und das Geld im wesentliche verbrauchte, bei beiderseitigen Job, der braucht auch in Deutschland nicht lange.

Im Zuge meiner Forschungen habe ich unter anderem Juristinnen und Juristen aus Ost und West interviewt. Sie erinnern sich an die Verblüffung vieler ehemaliger DDR-Bürger, dass sie trotz der Trennung füreinander sorgen und miteinander verbunden sein sollten. Hatten sie sich nicht scheiden lassen, um genau das zu beenden? DDR-Familienrichterinnen wie Evelyn Tretschow* waren irritiert, dass Dinge wie nachehelicher Unterhalt – für die Frau! – plötzlich eine Rolle spielten. „Es gab ja kaum Hausfrauen. Die Eigenverantwortung war jedem klar.“ Rückblickend sagt sie, sie habe „wenig Einfühlvermögen für viele Westfrauen“ gehabt, „die hier rüberkamen“ und „flotte Locke Unterhalt geltend gemacht haben“. Für die Ostfrau sei klar gewesen, „die muss arbeiten gehen“. Der Westfrau habe sie entgegnet: „Du kannst dich hier nicht ausruhen.“

Das wäre ja mal eine erfrischende Ansicht, die aber bei diversen Frauenverbänden auf Entsetzen stoßen dürfte. Das keine Erwerbsobliegenheiten im Trennungsjahr bestehen, wenn man vorher keiner Erwerbsarbeit nachgegangen ist bzw keine Verpflichtung das zu einer Vollzeitstelle auszuweiten, ist auch nicht wirklich zu rechtfertigen. Und warum sollte eine Frau, die Vollzeit gearbeitet hat, keine Kinder betreut hat, aus der Ehe keine beruflichen Nachteile hatte, aber eben wegen eines anderen Berufes weniger verdient als ihre Mann überhaupt einen Aufstockungsunterhalt erhalten?

 

Das DDR-Scheidungsrecht folgte dem Emanzipationsgedanken im SED-Regime. Die Trennung beendete jegliche familienrechtliche Bindung, außer bezüglich der Kinder. Die geschiedenen Gatten sollten ihr Leben unabhängig voneinander führen und sich entsprechend eigenverantwortlich versorgen. Das klassische Versorgermodell – also die Regelungen des sogenannten Ehegattenunterhalts – gab es nicht. Dieses Konstrukt war Ostdeutschen fremd. Sozialistische Gerichte gewährten es nur in Ausnahmefällen.

Seit den 1970er Jahren erhielten vor allem Mütter mit Kleinkindern finanzielle Unterstützung vom Ex-Ehemann, wenn sie beispielsweise keinen Krippenplatz hatten und den Unterhalt nicht selbst bestreiten konnten. Insgesamt war Ehegattenunterhalt bis zum Ende der DDR zur Marginalie geworden und wurde nur noch in etwa drei Prozent der Scheidungsfälle zugesprochen.

Ehegattenunterhalt wurde nur noch in drei Prozent der Scheidungsfälle zugesprochen. Ein deutlicher Unterschied würde ich vermuten, auch wenn ich die Prozentzahlen aus Deutschland nicht kenne.

Der Anwältin Marie Bergmann* und der Richterin Hanna Nordmann*, die beide in der Bonner Republik sozialisiert wurden, aber in beiden Teilen Deutschlands tätig waren, ist noch sehr präsent, wie selten ostdeutsche Frauen nach der Einheit nachehelichen Unterhalt beantragten. Sie seien erst gar nicht mit dieser Erwartung gekommen, während westdeutsche Mandantinnen massiv auf Alimente gedrängt hätten. Marie Bergmann sagt, der Versorgungsgedanke aus der Ehe heraus sei im Westen noch heute ausgeprägter als im Osten, wo „man für sich selber verantwortlich war“. Die 2008 in Kraft getretene Unterhaltsrechtsreform habe jedoch dazu geführt, dass „die gesamtdeutsche Wirklichkeit den Westen eingeholt“ habe.

Naja, da ist immer noch relativ leicht Unterhalt geltend zu machen, die Gefahr ist allenfalls vorhanden, dass das verfügbare Einkommen durch den Kindesunterhalt bereits aufgebraucht wird.

Hanna Nordmann pflichtet ihr bei. Aus ihrer Sicht sei es für ostdeutsche Frauen normal, „immer ihr eigenes Geld“ zu haben. Sie wollten mit der Scheidung nicht nur unter die emotionalen, sondern auch unter die wirtschaftlichen Beziehungen einen Schlussstrich ziehen. Für viele ostdeutsche Frauen war es trotz der neuen Bedingungen nach 1990 keine Option, „nur“ Hausfrau zu sein, sich vom Ehemann versorgen zu lassen und nach der Scheidung finanziell an den Ex-Mann gebunden zu bleiben. Fast 30 Jahre nach der deutschen Einheit hat sich die Gesellschaft in Ost und West weiter verändert. Ein Blick in die Familiengerichts-Statistiken der Jahre 2012 und 2017 zeigt aber, dass die Frage des Ehegattenunterhalts im östlichen Bundesgebiet im Vergleich zum westlichen bis heute deutlich seltener, nämlich weiterhin nur halb so oft, relevant ist.

Liegt natürlich auch daran, dass Ostmänner weniger verdienen und damit auch bereits zum einen die Gehaltsunterschiede geringer sind und zum anderen der Selbstbehalt in Höhe von 1200 Euro schon nach Zahlung des Kindesunterhalts erreicht ist.

Und ein Überblick über die damaligen Regelungen:

Die Gleichberechtigung war ein sozialistisches Ideal. Frauen sollten nicht nur Familienarbeit als Hausfrau und Mutter, sondern auch Erwerbsarbeit leisten – offiziell im Interesse ihrer Selbstverwirklichung. Jenseits dieser ideologischen Vorstellung veranlassten das SED-Regime auch praktische Nöte dazu, Frauen für die Arbeit zu gewinnen. Es versuchte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf also auch aufgrund des Arbeitskräftemangels in der DDR zu fördern. Insbesondere seit den 1970er Jahren setzte die Parteiführung auf zusätzliche Vergünstigungen für Mütter wie geringere wöchentliche Arbeitszeiten, den monatlichen Haushaltstag, finanzielle Unterstützung während des Studiums oder der Ausbildung oder das sogenannte Babyjahr. Zudem wurde das Kinderbetreuungsnetz ausgebaut, sodass 90 Prozent der Kinder 1989 einen Kindergarten besuchten. Die Frauenerwerbsquote lag bei etwa 80 Prozent. Die Doppelverdiener-Ehe wurde zum dominierenden Modell.

Wenn man den Gender Pay Gap bekämpfen will, dann wäre das sicherlich ein besserer Weg als gegen Männer zu hetzen.

Das Postulat der Gleichberechtigung galt auch für die Ehe. Schon das Gesetz über den Mutter- unXd Kinderschutz und die Rechte der Frau von 1950 trat dem tradierten Geschlechterbild des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) entgegen. Frauen durften demnach nicht daran gehindert werden, einen Beruf auszuüben, und sollten gleichberechtigt mit ihrem Ehemann über die eheliche Wohnung oder das Vermögen entscheiden. Nach dem Familiengesetzbuch von 1965 sollten explizit beide Ehepartner bei der Kindererziehung und Haushaltsführung mitwirken.

Trotz dieser „Emanzipation von oben“ trugen Frauen im Alltag die Doppelbelastung durch Vollzeiterwerb und Familie. Sie verrichteten weiterhin etwa 80 Prozent der Hausarbeit, der nur sekundäre Bedeutung zugemessen wurde. Viele Frauen arrangierten sich aber mit dieser Rolle und empfanden sich insgesamt als gleichberechtigt. Zusammen mit dem in der Familien- und Arbeitswelt stetig propagierten Slogan der Gleichberechtigung entstand eine Art „innerer Emanzipation“, die bis heute spürbar ist.

Anscheinend könnten also Frauen einiges verbessern an ihrem Verhalten um „das Patriarchat“ zu überwinden. Insbesondere weniger Teilzeit und mehr Vollzeit.

77 Gedanken zu “Warum der Gender Pay Gap im Osten niedriger ist: Weil Frauen keinen Unterhalt erwartet haben

    • Wie die Situation für pflegebedürftige Rentner in der DDR war, hab ich mich tatsächlich auch gefragt.
      Immerhin wurde und wird bei uns der Großteil dieser Care-Arbeit von überwiegend weiblichen Familienangehörigen geleistet.

      Interessant fand ich, dass es den entsprechenden Beruf wohl gar nicht gab und nur kirchliche Träger – ohne staatliche Anerkennung – eine Ausbildung anboten. Die Arbeit in den Heimen, in die wohl ein höherer Anteil Alter als im Westen verbracht wurde, erledigten aber überwiegend (sehr wenige) Krankenschwestern. In den Einrichtungen waren Mehrbettzimmer (zwischen 4 und 10 Personen) die Regel, persönliche (Erinnerungs-)Gegenstände durften kaum mitgebracht werden (und Möbel schonmal gar nicht).

      Weitergehende Informationen sind herzlich willkommen.

      Insbesondere wüsste ich auch gern, wie beliebt die Übersiedlung in den „freien Westen“ bei den (i.A. völlig verarmten) Rentnern war – denen der Staat (aus Eigennutz) immerhin das Privileg der Reisefreiheit zugestand.

      • „In den Einrichtungen waren Mehrbettzimmer (zwischen 4 und 10 Personen) die Regel, “
        Bitte auch mitschreiben, wie es in der BRD zu der Zeit war (nämlich nahezu genauso)

        “ Die Arbeit in den Heimen, in die wohl ein höherer Anteil Alter als im Westen verbracht wurde, erledigten aber überwiegend (sehr wenige) Krankenschwester“
        Auch heutzutage zählen Krankenschwestern, bzw. Krankenpfleger als Fachkräfte in der Altenpflege.

          • „schon den Eindruck hinterlassen, dass es in der DDR besonders mies war.“

            Fehlt mir zwar die persönliche Erfahrung, aber vorstellen kann ich es mir.

            Allerdings musst du in deine Betrachtung mit einbeziehen:

            1) Durch den Krieg gab es nicht so viele alte Männer, die zudem länger arbeiten mussten und zeitiger starben, die Pflegefälle dürften sich also überwiegend auf Frauen beschränkt haben, das ist abgemildert sogar heute noch so, das Pflegeheim, in dem ich in den 90igern in Bayern Zivildienst machte, war zu über 90% von Frauen belegt.

            2) Wurden die wirklich Alten meist von ihren Kindern in Rente gepflegt, denn die Elternschaft begann sehr viel früher als heute und Frauen konnten schon mit 60 in Rente gehen. Meine Uroma die mit über 80 senil wurde, wurde z.B. von meiner Oma gepflegt, die m.W. in Rente oder kurz davor war. Ob es da gesetzliche Ausnahmen für früheres Aussteigen gab, weiß ich nicht. Bei Problemen übernahm vermutlich meistens der Mann die Finanzierung der Familie und die Frau pflegte (was auch Sinn machte, die Männer konnten ja oft keine Haushaltsführung). Ins Pflegeheim kamen vermutlich nur Leute, die keine Angehörigen hatten, was damals nicht so oft vorkam, wie heute.

            Meine eigenen Großeltern verstarben dann bereits im vereinigten Deutschland. Mein Opa mütterlicherseits nach einem Blutkrebs sehr plötzlich, meine Oma mütterlicherseits im betreuten Wohnen. Dort kümmerte sich gelegentlich noch meine Mutter um sie (die wollte schon seit der ersten Geburt nicht mehr Vollzeit arbeiten, diese Faulheit habe ich von ihr geerbt 🙂

            Mein Opa väterlicherseits kümmerte sich jahrelang, zusammen mit einem mobilen Pflegedienst, um seine alzheimerkranke Frau, sofern er körperlich noch dazu in der Lage war. Ich meine er starb dann sogar vor ihr. Das habe ich nicht mehr so richtig mitbekommen, da ich zu der Zeit nicht mehr in meiner Heimatstadt lebte. Ich habe auch keine einzige Beerdigung mitgemacht, was mir im Nachhinein herzlos vorkommt und leid tut, aber ich hatte damals vermutlich mit mir selbst genug zu tun.

  1. Das war nicht nur in der DDR so, sondern nach meinen Kindheitserinnerungen auch im sonstigen Ostblock zumindest USSR .
    Aber vielleicht ist ja der Sozialismus u.a. auch daran gescheitert, weil er dem innersten Wesen der Frau nicht so entsprach wie der Kapitalismus ??

    Allerdings:
    Auch im Ostblock waren die berufstätigen emanzipierten Frauen zutiefst überzeugt, daß ihnen ein 5 Jahre früherer Renteneintritt zusteht, weil sie es so viel schwerer als Männer hatten. Sie haben pro Monat einen Haushaltstag frei bekommen. Denn natürlich wollten sich die Frauen die Macht die sich aus der Kontrolle über den Haushalt in der Familie ergibt nicht nehmen lassen.
    Insgesamt, trotz aller Meckerei funktionierte das familiäre Zusammenleben aber ganz gut und scheinbar weniger konfliktbeladen als heute.

    Warum kein Selbermachsamstag ?

    deshalb an dieser Stelle was zum schmunzeln, zum Thema unfreiwillige Komik von Frauen:

    • Naja, das mit der Macht im Haushalt mag schon auf einige zutreffen, beim größten Teil wird es wie immer gewesen sein: die Tradition wird nicht hinterfragt, weder bei Männern noch bei Frauen. Die Belastung war schon da, es gab ja weder Geschirrspüler, noch Wäschetrockner, noch Mikrowelle, Fertigessen oder Telefon (hatten nur wenige), auch Zentralheizung gab es in älteren Häusern noch nicht. Man kann den heutigen Luxus nicht auf die damalige Zeit übertragen. Außerdem mußte viel mehr improvisiert werden, etwa beim Essen (Abwechslung schaffen, trotz der ewig gleichen Zutaten) oder der Wäsche (es wurde noch geflickt, selbst genäht und gestrickt).

      Bei den wenigen Glücklichen mit Haus und/oder Auto hatte auch der traditionelle Mann genug zu tun, in der Plattenbauwohnung eher nicht. Es lag aber natürlich auch an den Frauen da Druck zu machen, wie schon ausgeführt waren sie ja nicht mehr nennenswert abhängig vom Mann. Aber wie das bei Frauen halt oft ist, fügen die sich lieber und wenn es ihnen zuviel wird, trennen sie sich. Die Scheidungsrate war wohl unangenehm hoch…

          • Klar.
            Der hat Flicken auf der Hose.
            Weil das damals so war. Das die geflickt wurden.
            Das man Kleidung der Geschwister trug.
            Das Hochzeitskleider selbst genäht wurden.

            Und der Raab, der stammt wohl als Metzgerssohn eher aus einem wohlhabenderem Haus.
            Und selbst da war’s so.

            „Bei den wenigen Glücklichen mit Haus und/oder Auto hatte auch der traditionelle Mann genug zu tun, in der Plattenbauwohnung eher nicht.“

            Und ich würde behaupten, hier im echt westlichen Westen, war der traditionelle Männersport der Hausbau am Wochenende.

            Wie man dem Raab so gut entgehen kann, dass man das mit den Hosen nie gesehen hat, den Trick hätte ich gerne gekannt, nun ist’s zu spät …

          • „Weil das damals so war. Das die geflickt wurden.
            Das man Kleidung der Geschwister trug.
            Das Hochzeitskleider selbst genäht wurden.“

            Ja, ich habe noch Fotos aus der Zeit, gruselig sahen wir aus und da hatten wir noch das Glück, Westverwandtschaft zu haben, die schickten öfter mal so Cordhosen und abgelegte Sachen, die wir dann auftrugen, bis sie total abgewetzt waren und Löcher bekamen (und dann meist noch geflickt wurden). Meine Oma mütterlicherseits konnte noch Socken stopfen, nähte für die ganze Familie und organisierte die Festbraten (das konnte sie, weil mein Opa Malermeister war, mit dem wollten sich alle gutstellen).

            „Und ich würde behaupten, hier im echt westlichen Westen, war der traditionelle Männersport der Hausbau am Wochenende.“

            Ja, da wurde auch sehr viel gearbeitet. Im Unterschied zu heute, soll da das Gehalt einer Person ausgereicht habe, um ein Haus zu bauen. Keine Ahnung, ob das stimmt.

            „Wie man dem Raab so gut entgehen kann, dass man das mit den Hosen nie gesehen hat, den Trick hätte ich gerne gekannt, nun ist’s zu spät …“

            Ich mochte den nie, seine Art sich über ganz normale Typen lustig zu machen und sie im Fernsehen durch den Kakao zu ziehen, fand ich immer irgendwie asozial und habe seine Sendungen daher gemieden. Vielleicht war er am Ende nicht mehr so schlimm, keine Ahnung. Mein Fernsehgeschmack war schon immer eher speziell.

    • „Warum kein Selbermachsamstag ?“

      Wirf doch nur mal einen Blick auf den letzten Selbermach-Mittwoch.
      95% der Postings beschäftigen sich nur noch mit Islam, angeblichem Antisemitismus und betreiben Propaganda gegen alles links von der AfD ist/vermutet wird.
      Ich hab es aufgegeben, die früher interessanten Beiträge zu lesen, weil jeder Aufbau der Site wegen der unzähligen Bilder und Filmchen Minuten benötigt – und das für wenig bis keinen Erkenntnisgewinn und noch weniger Unterhaltungswert.

      • Woher weißt du eigentlich, was die Leute so geschrieben haben, wenn du doch gar nicht liest?
        Und was spricht dagegen, auch solche Themen wie Islam, und Protest gegen Links-Grün zu verfassen?
        Pauschal, weil es mit der AfD zu tun hat und ggf. auch nicht AfD-kritisch ist?

        • „Woher weißt du eigentlich, was die Leute so geschrieben haben, wenn du doch gar nicht liest?“

          Es sind natürlich Vermutungen. Aber ich bin ja nicht erst seit März dabei und denke, dass ich aus Erfahrung aus der Liste der Kommentatoren auf den Inhalt zurückschließen kann.

          „Und was spricht dagegen, auch solche Themen wie Islam, und Protest gegen Links-Grün zu verfassen?“

          Nichts, solange die Beiträge einigermaßen objektiv sind, oder die eigene Meinung wiedergeben.
          Wenn ich aber durch sinnverfälschende Wiedergaben von Politikeräußerungen manipuliert werden soll, dann nervt es. Es unterstellt mir nämlich, dass ich selbst zum Denken nicht in der Lage bin.

          „Pauschal, weil es mit der AfD zu tun hat und ggf. auch nicht AfD-kritisch ist?“

          Nein, weil es immer dasselbe ist und nach mehreren Jahren einfach langweilig wird.
          Wir haben die Botschaft verstanden – und teilen sie mehrheitlich nicht, denke ich.

      • Die vielen Bilder, Videos und insbesondere die langsam ladenden Twitter-Meldungen nervten mich auch. Andererseits wäre es an Christian eine Themenbeschränkung zu machen, ich fand da doch immer wieder interessante Beiträge.

        Vielleicht hatte Christian am Samstag schlicht keine Zeit oder hat es vergessen. Mit kleinem Kind hätte ich überhaupt keinen Nerv, mich auch noch um einen Blog zu kümmern. Ich bewundere sein Beharrungsvermögen.

        • Sign!
          Und er erwähnt ja auch gelegentlich den Themenzusatz ( sinngemäß ) „,…oder was mir gerade interessant erscheint“.
          Dafür verfährt er erstaunlich stabil!

  2. Ich kenne zwar die jetzigen Unterhaltszahlungen an Frauen nicht (bekommen die das auch ohne Kinder?), aber die DDR ist ansonsten kein Vorbild. Das ganze war nur möglich, indem man die Kinder ganztags in Krippe und Kiga steckte, bzw. in den Schulhort was ich für familien- und kinderfeindlich halte (insbesondere bei der Qualität der damaligen Kindergärten, wobei die heute nicht zwingend besser ist).

    Ich bin da vorbelastet, denn ich habe den Kindergarten gehasst und von Krippe halte ich ohnehin nichts.

    Diese Praxis führt zu kultureller Erosion (genau das wollten die Kommunisten ja), da man kaum noch Zeit miteinander verbringt und die praktische Weitergabe von Alltagswissen (z.B. wie koche ich) und Werten an die Kinder sehr eingeschränkt ist.

    Mein Modell ist eindeutig die Teilzeitarbeit beider Partner, sobald Kinder da sind. Wenn man sie eh ständig outsourct, braucht man sich nämlich auch keine anschaffen.

    • Ich war auch im DDR-Kindergarten, mal abgesehen vom verordneten Mittagsschlaf war das ganz okay und ich kann mich erinnern, dass Bildung da sehr gefördert wurde. Das war wohl auch ein Grund, weswegen wir später in der Schule deutlich schneller vorankamen als die Kinder heutzutage.
      Was die „praktische Weitergabe von Alltagswissen“ angeht, frage ich mich wirklich, was du meinst. Fünfjährigen muss man nicht unbedingt beibringen zu kochen, aber das Decken des Tisches und die Ausgabe von Essen haben wir Kinder (mit etwas Hilfe der Erzieherinnen) übernommen. Die Benutzung von Papierscheren und das Binden von Schnürsenkeln wurde ebenfalls im Kindergarten geübt, sehr praktisches Alltagswissen. Wir haben auch zusammen Blumenbeete im Garten des Kindergartens angelegt. Und am Nachmittag und am Wochenende gab es trotzdem Zeit fürs Zusammensein mit Mama und oft auch Papa.
      Ich halte das auch für sehr wichtig, schon früh in der Kindheit viel Kontakt zu Altersgenossen zuzulassen, auch ohne dass ständig die Eltern über die Schulter gucken. Das trainiert das Sozialverhalten. Und außerdem lernt man auch sehr schnell, dass es eben nicht nur immer nach dem eigenen Kopf gehen kann.
      Wir wurden nicht gedrillt, wir wurden nicht geschlagen, wir wurden nicht angeschrien. Ich habe nicht alle der Erzieherinnen gemocht und bin auch nicht unbedingt freudig in den Kindergarten gegangen, aber es war absolut nicht schlimm.

          • Nö! Aber ein anekdotisches Beispiel von hinreichender Deutlichkeit kopiere ich mal eben runter:
            Klopfer klopft ab:
            „Ich halte das auch für sehr wichtig, schon früh in der Kindheit viel Kontakt zu Altersgenossen zuzulassen, auch ohne dass ständig die Eltern über die Schulter gucken.“

            Superkonzentrat kinderfeindlichen Unfugs in rosa Bonbonpapier, nenne ich sowas!
            Und eine seit locker drei Jahrzehnten mit der Rüttelplatte in unbedarfte Gehirne geballerte Umkehrung einer dissozialen Restriktion zur „Wohltat für die lieben Kleinen“.
            Wohlgemerkt: Ich laste den Hirnriss nicht Klopper an, aber er liefert hier gerade das perfekte Beispiel für die gezielte Induktion von kindesvergewaltigendem Massenwahn.

            Okay, ich drösel noch ein wenig auf, weil einige sonst vermutlich Schaum vor’m Mund kriegen, ohne zu kapieren warum.
            Die Bandbreite ( in welcher Hinsicht auch immer ) der Verziehungsanstalten ist extrem beschränkt und in manchen wesentlichen Aspekten praktisch NULL! Ein betonstarres Muster!
            Bspw. ( Kloppers Beispiel, nicht meines ) indem man Kindern jede freiheitliche Entwicklung radikal beschneidet und sie zu Mitmarschierern in nicht altersgerechten Gleichaltrigentrupps unter kaum autoritätsfähigen Führern drillt.
            ( Kommt Dir das bekannt vor? Vergleiche mal mit „Rotärschen“, die man zu „Helden“ macht. Hat ja auch noch „keinem geschadet“, näch? )

            So – und jetzt überlege mal was evolutionär bedingt wohl kindergerecht, angemessen und verhältnismäßig sein könnte……

      • „Ich war auch im DDR-Kindergarten, mal abgesehen vom verordneten Mittagsschlaf war das ganz okay“

        Die Qualität war unterschiedlich, die Ansprüche sind es sowieso.

        Ich zähle mal auf, was mir gestunken hat:

        1) Extrem frühes Aufstehen (Arbeitsbeginn war normalerweise 7:00, da war man dann schon eine halbe Stunde im KiGa), ich halte das nicht für gut bei Kleinkindern. Ich habe meine immer Ausschlafen lassen.

        2) Widerliches Essen, meist gab es Mettwurst oder Blutwurststullen, bei denen es mich gehoben hat, wenn es mal Leberwurst gab, war ich schon glücklich. Und wehe man aß nicht auf! Das hat mich so sehr geprägt, dass ich auch heute noch keine mit Wurst belegten Brote esse.

        3) Unterbringung nach Alter, d.h. ich habe meinen Bruder, mit dem ich am liebsten spielte, den ganzen Tag höchstens mal aus der Ferne gesehen.

        4) Kaum Spielzeug (vieles davon kaputt) welches man sich auch noch erkämpfen musste, weil zuviele Kinder in der Gruppe. Die gespendeten Spielzeuge der „Patenbrigade“ wurden oben auf den Schrank gestellt, damit sie nicht kaputt gehen und bei Bedarf vorgezeigt werden konnten.

        5) Stress durch die ständige Überwachung und Gängelung der strengen Erzieherinnen und die Notwendigkeit sein Spielzeug gegen andere Kinder zu verteidigen.

        6) Ja, Mittagsschlaf auch.

        7) War man dann zum Abendessen zu Hause, waren die Eltern zu abgeschlafft und müde um sich noch nennenswert mit uns zu beschäftigen. Für meinen Vater änderte sich das auch nie, obwohl ich das Gerangel immer sehr vermisste und er sich außerhalb der Arbeitszeiten sehr bemühte.

        Ich war insgesamt nur wenige Monate im Kindergarten, dann hat meine Mutter Erbarmen gehabt und ist zu Hause geblieben. Das Danke ich ihr heute noch. Wir waren auch hin- und wieder in so christlichen Kinderbetreuungsgruppen, die fand ich nur halb so schlimm, schon weil die Erzieherinnen sehr viel freundlicher und persönlicher waren, weil die höchstens zweimal die Woche stattfanden und das Essen richtig gut war (an die Pfannkuchen der Pfarr-Haushälterin erinnere ich mich noch heute). Nur der Mittagsschlaf nervte dort genauso.

      • „Was die „praktische Weitergabe von Alltagswissen“ angeht, frage ich mich wirklich, was du meinst.“

        Glaube ich dir sofort, was man gar nicht richtig kennenlernt, vermisst man auch nicht.

        „Fünfjährigen muss man nicht unbedingt beibringen zu kochen“

        Kinder lernen spielend, indem sie den Eltern helfen, indem sie sehen was die Eltern kaufen und wie sie es zubereiten. Indem sie deren Alltagsleben hautnah miterleben. Von der Gartenarbeit (jaja die gabs im „schönen“ Plattenbau natürlich nicht) über kochen, bis meinetwegen zum gemeinsamen musizieren, lesen, basteln und bauen. Die Fremdbetreuung hörte ja mit dem Kindergarten nicht auf, sondern ging mit dem Schulhort weiter. Meine Schwägerin (in Ostberlin aufgewachsen) hat z.B. nie gelernt zu kochen, ihre Mutter ist irgendwann mal aus allen Wolken gefallen, als sie gemerkt hat: ihre Töchter sind erwachsen und können faktisch nichts, was man zu einer gescheiten Haushaltsführung können sollte. Vieles erlernt man unterbewusst oder zufällig, aus Erwähnungen, Verhaltensweisen, durch Nachfragen.

        „aber das Decken des Tisches und die Ausgabe von Essen haben wir Kinder (mit etwas Hilfe der Erzieherinnen) übernommen. Die Benutzung von Papierscheren und das Binden von Schnürsenkeln wurde ebenfalls im Kindergarten geübt, sehr praktisches Alltagswissen.“

        Ich behaupte gar nicht, dass da nichts vermittelt wurde. Aber es steht zur Direktbetreuung durch die Eltern im Verhältnis, wie eine überfüllte Schulklasse zum Privatlehrer. Meine Eltern hatten uns etwa riesige Tüten mit diesem DDR-Lego organisiert (war im Kindergarten schwierig sich zu erkämpfen, falls es überhaupt welches gab, daran habe ich keine Erinnerung) damit konnte ich stundenlang ungestört spielen. Wir konnten Höhlen bauen und malen und basteln, wenn wir Lust hatten (statt auf Befehl). Wir konnten herumtoben, ohne ständig gemaßregelt zu werden. Wir durften mit einkaufen gehen, beim essen helfen (welches wir nicht aufgenötigt bekamen), uns wurde vorgelesen und zwar das, auf was wir Lust hatten, mit beliebigen Zwischenfragen usw. es ist einfach kein Vergleich. Zu Hause fühlte ich mich frei, im Kindergarten hingegen gefangen und bestraft.

        „Wir haben auch zusammen Blumenbeete im Garten des Kindergartens angelegt.“

        Glücklich die Kinder, die in einem Kindergarten mit echtem Garten waren. Ich war in einem der „modernen“ Kinderdepots in einer Plattenbausiedlung untergebracht. Auch heute ist ein Garten noch keine Selbstverständlichkeit.

        „Und am Nachmittag und am Wochenende gab es trotzdem Zeit fürs Zusammensein mit Mama und oft auch Papa.“

        Am Nachmittag? Bei den Vollzeit-Kigas war es eher der Abend. Nein, mich überzeugt das nicht, es ist wie die „quality time“ der Workoholics heutzutage: für die meisten eine Ausrede zur Beruhigung des eigenen Gewissens.

        „Ich halte das auch für sehr wichtig, schon früh in der Kindheit viel Kontakt zu Altersgenossen zuzulassen, auch ohne dass ständig die Eltern über die Schulter gucken. Das trainiert das Sozialverhalten.“

        Ich bin nicht generell gegen Fremdbetreuung, ich habe meine Kinder auch im lokalen Vormittagskindergarten gehabt. Da gab es Mittagessen aber zu Hause, die Gruppen waren gemischtaltrig, ich habe die Kinder ausschlafen lassen und die Sache auch öfter mal ausfallen lassen, um etwa mit ihnen ins Schwimmbad zu gehen (welches am WE und in den Ferien stets überfüllt ist). Außerdem waren die meisten Erzieherinnen nett und Spielzeug gab es auch sehr viel mehr. Trotzdem wäre da noch viel Verbesserungsbedarf gewesen, weil z.B. viel zu wenig Platz zum herumtoben etc.

        „Wir wurden nicht gedrillt, wir wurden nicht geschlagen, wir wurden nicht angeschrien. Ich habe nicht alle der Erzieherinnen gemocht und bin auch nicht unbedingt freudig in den Kindergarten gegangen, aber es war absolut nicht schlimm.“

        Mag sein, bleibt ein Großteil verlorene Kindheit. Kein Modell, welches ich für die Zukunft sehe.

        • Sauber tranchiert, @Androsch!
          Dich würde ich ggf. glatt und ohne Bedenken als Pädagogen ( PÄDAGOGEN, also bspw. Kindergärtner, NICHT Verzieher! ) einstellen! V.wg. aktives Mitdenken auf empatischer Basis und so …..

  3. Vor allem haben die Frauen im Osten nicht diesen feministischen Sprachfirlefanz mitgemacht; da war eine berufstätige Frau ganz selbstverständlich Arbeiter, Ingenieur, Arzt, Ökonom, Professor etc. – alles ohne „-in“. Und Teilzeitstellen waren völlig unüblich.
    Orchideenstudiengänge (Ausnahme: das Propaganda- und Laberfach Marxismus-Leninismus) waren sehr limitiert, wer da keinen Studienplatz bekam, wurde umgelenkt in was „Vernünftiges“ (MINT).

    • Aber Egalist, du musst deinem Betrag eine Trigger-Warnung vorausschicken!

      Wie viele Frauen im Westen sind nicht erwerbstätig gewesen, weil die männliche Form „Arbeiter, Ingenieur, Arzt, Ökonom, Professor“ schon darauf hinweist, dass es sich niemals um weibliche Tätigkeiten handeln kann und diese abschreckend wirken.
      Das sind klare Ergebnisse feministischer Forschung und kein „Sprachfirlefanz“. 😦

      Wenn Ost-Frauen sich nicht von diesen patriarchalen Mikro-Aggressionen haben abschrecken lassen, dann doch nur, weil sie gar keine echte Frauen sind!
      Richtige Frauen sind schreckhafte, sensible Gemüter mit niedriger Frustrationstoleranz, die einer starken Führung bedürfen. So!

      Ich glaube, damit habe ich der Debatte einmal mehr die richtige Wendung gegeben. 🙂

  4. Eines meiner Lieblingsthemen in knallig: Feminismus ist Revisionismus.

    Vom obigen Text zitiert: „Das Postulat der Gleichberechtigung galt auch für die Ehe. Schon das Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau von 1950 trat dem tradierten Geschlechterbild des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) entgegen.“

    Wechselseitig verstanden sich beide deutschen Staaten als Systemalternative auch in Fragen der Gleichberechtigung. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die DDR setzte nichts anderes um, als uralte sozialdemokratische Forderungen, die man schon bei Bebel nachlesen konnte.
    Um ebenfalls keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die in der BRD umgesetzten konservativen Vorstellungen der CDU wurden mehrheitlich von Frauen gewählt.
    Was ebenfalls nicht in die feministische Geschichtsschreibung passt.

    Die bekannte feministische Propaganda, was Frauen alles in Deutschland ohne Zustimmung des Ehemanns nicht durften, wird im Text ein wenig anders dargestellt: „Frauen durften demnach nicht daran gehindert werden, einen Beruf auszuüben, und sollten gleichberechtigt mit ihrem Ehemann über die eheliche Wohnung oder das Vermögen entscheiden.“

    Weil die Erinnerung daran, dass in der DDR von Anfang an andere Verhältnisse existierten, die der heroischen feministischen Geschichtsschreibung aus der BRD im Wege standen, wurde die Geschichte also „gesamtdeutsch“ umgeschrieben.
    D.h. die DDR-Geschichte aus der Geschichte heraus geschrieben.
    Um eine Diskussion über die DDR geht es mit hier nicht, sondern um das offensichtliche Anliegen des West-Feminismus Geschichtsfälschung zu betreiben und das dahinter stehende Motiv.

    Denn wenn für die Durchsetzung von solchen emanzipierten Vorstellungen von Anfang an gar keine Feministinnen erforderlich gewesen wären, weil Männer in der Lage und Willens waren „Gleichberechtigung“ durchzusetzen, wo bleibt da die große Frontstellung von „der“ Gruppe von Männern gegen „die“ Gruppe von Frauen?

    Dass hinter der unterschiedlichen Entwicklung von BRD und DDR in Sachen Gleichberechtigung unterschiedliche politische Vorstellungen standen – und zwar unabhängig vom Geschlecht – passt erstens nicht in ein Narrativ, welches politische Vorstellungen aus der Biologie ableitet.

    Geschichtslüge wird notwendig, weil man nicht dem BRD-Mann von 1955 vorwerfen kann, sein patriarchales Bewusstsein zeige sich schon daran, dass er ein System geschaffen hat, welches seine Frau in Abhängigkeit hält, weil man ihr die Erwerbsarbeit verbieten kann.
    Während der gleiche Vorgang zur gleichen Zeit dem DDR-Mann ein paar Kilometer weiter im Osten nicht möglich war. Und zwar – sozusagen – strukturell.

    Demnach kommt man nicht umhin, entweder von der Existenz von (mindestens!) zwei Patriarchaten auf deutschem Boden auszugehen.
    Oder man schreibt die Geschichte passend zum eigenen Narrativ um.

    Zweitens benötigt die große Frontstellung von „der“ Gruppe von Männern gegen „die“ Gruppe von Frauen engagierte Fürsprecherinnen für „die“ Gruppe der Frauen.
    Nur dieses
    Führungspersonal konnte schließlich für die Beseitigung des historischen Unrechts sorgen, dass Frauen gar keine Erwerbsarbeit aufnehmen konnten, weil sie es nicht durften.

    Neben dem offensichtlichen (Allein-) Vertretungsanspruch einer selbsternannten Avantgarde (dem die historischen Fakten entgegen stehen) kommt hier auch ein Entlastungsmotiv zum Vorschein, für den ich den Begriff „feministischer Ausredenkalender“ verwende.
    Wenn man das Erwerbsverhalten von Frauen aus der Ex-DDR mit dem aus der Ex-BRD vergleicht, ist – seit der Wende besonders – auffällig, dieses differiert stark.

    Rückwärts gerechnet könnte man meinen, der geringere Umfang an Erwerbstätigkeit von Frauen in der Ex-BRD hätte damit zu tun, dass sie nicht wollten; was im Übrigen auch im Einklang mit ihrem Wahlverhalten stehen würde.
    Das ist aber keine „sozial erwünschte“ Betrachtung.
    Viel besser ins Selbstbild passt, dass man nicht durfte.
    Wegen diesem weltweiten Patriarchat, bzw. des deutschen, bzw. des einen Teils davon. 😉

    • Die Feministen leben in einer Parallelwelt jenseits von Zeit und Raum. Sie suchen sich aus den Zeiten und Kulturen das raus, was ihnen gerade passt, bzw legen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so aus, wie es ihre Dogmen vorgeben. Denn die feministische Lehre steht über aller Wirklichkeit, ja alle Wirklichkeit macht überhaupt erst Sinn unter der einzig möglichen Sichtweise des Feminismus.

      • Ja, in genau dieser Wechselwirkung.

        Aus meiner persönlichen Geschichte: Ich war einmal überzeugter Pro-Feminist.
        Nur die historischen Lehrsätze des hiesigen Feminismus widersprachen explizit meinem DDR-Hintergrund, bzw. dem meiner Familie.
        Ich wusste daher, die Geschichte „der Frauen“ made by West-Feminismus muss notwendig falsch sein.
        Wenn einmal diese Skepsis vorhanden ist, wird man sich im nächsten Schritt fragen, warum eine solche Fälschung betrieben wird.

        Für die Linken unter uns nur als kleiner Hinweis, dass ein solcher Feminismus natürlich extrem herrschaftsdienlich ist – nicht nur, weil die DDR aus der Geschichte herausgeschrieben wird, aber auch.
        Sondern weil eine offensichtliche Geschichtsfälschung als „einzig mögliche Sichtweise“ damit sakrosankt geworden ist.

        • Du beharrst ja immer drauf, dass der Feminismus „bürgerlich“ sei, das ist ein Beweis dafür. Und zeigt, dass die Beziehung des Feminismus zum Marxismus eine alles andere als gradlinige Sache ist. Wäre es das, würde man auf einer der besten Vorzüge, die man der DDR zusprechen kann – die tatsächliche und unverkrampfte Gleichheit der Gesclechter – doch als gutes Beispiel aufs Banner setzen. Aber sie wollen ja keine Gleichheit, sondern Privilegien.

          • Ja, ich beharre darauf und ich kann es auch beweisen.
            Der springende Punkt ist nämlich nicht, dass sie eine bestimmte soziale Herkunft haben (das wäre sozusagen ein weiteres biologisches Argument), sondern wie sich die soziale Herkunft in der von ihnen vertretenen Ideologie und in ihren Forderungen niederschlägt.

            Also nächstes Beispiel:
            Sowohl der Haus-, als auch der care-„Arbeit“ in Single-Haushalten ist es völlig Wurst, ob sie „weiblich“ oder „männlich konnotiert“ wird, sie muss entweder verrichtet oder als Dienstleistung eingekauft werden.
            Vor dem empirischen Hintergrund, 41% aller Haushalte in Deutschland sind Single-Haushalte wird erstens auffällig, das Beziehungsmodell, mit dem bürgerliche Feministinnen hausieren gehen ist stinktraditionell. Die Nöhlerei bezüglich der „Vereinbarkeit“ von Haus- und Erwerbsarbeit klappt nur bei einem (männlichen) Gegenüber.

            Mich (selbst) der Ausbeutung zu bezichtigen, zusätzlich zur Erwerbsarbeit auch noch die Wohnung putzen, Nahrung zubereiten, etc. zu müssen ist sinnlos. Es ist sonnenklar, diese Tätigkeiten müssen zusätzlich zur Erwerbsarbeit verrichtet werden und dienen meiner eigenen Reproduktion.

            Solche reproduktiven Tätigkeiten, die jede Hausfrau auch für sich selbst verrichten müsste, würde sie für ihre Reproduktion selber verantwortlich sein sollen als „Arbeit“ gelten.
            Genau das zeigt die soziale Herkunft dieses Feminismus.
            Selbstverständlich müsste die tatsächliche Kalkulation eines „Wertes“ solcher Tätigkeiten minus des Aufwands erfolgen, den diese Frau für putzen, Nahrungszubereitung, etc. verwenden würde, würde sie für sich alleine wohnen und dies durch eigene Erwerbstätigkeit finanzieren.

            Dass diese Tätigkeiten der Gesamtsumme von „Arbeit“ im Rahmen einer Partnerschaft/Familie (und nur da) zugeschlagen werden, kann nur aus einem Bewusstsein erfolgen, für die Reproduktion des eigenen Lebens nicht zuständig und auch nicht verantwortlich zu sein.
            Denn die Finanzierung der eigenen Reproduktion durch Erwerbsarbeit übernimmt „irgendein anderes“ Geschlecht – das ist die dahinter stehende Grundüberzeugung.

            Die feministische Diskussion der gesellschaftlichen Bezahlung von Hausarbeit sehe ich als Single mit großer Freude entgegen. Aber ich fürchte, nicht das richtige Geschlechtsteil zu besitzen. 😉

            Dass „die Beziehung des Feminismus zum Marxismus eine alles andere als gradlinige Sache ist“ ist die Untertreibung des Jahrhunderts.
            Der von mir skizzierte Zusammenhang sollte glockenklar sein, trotz alledem plappert ein Großteil der Marxisten diesen feministischen Unsinn seit mehreren Jahrzehnten nach.
            Komplett unkritisch -> siehe „sakrosankt“.

          • „trotz alledem plappert ein Großteil der Marxisten diesen feministischen Unsinn seit mehreren Jahrzehnten nach“

            In der Hoffnung, dass das nicht ausufert…

            Wie stehst du zu dem Widerspruch zwischen:
            „Marxismus ist, was (selbstidentifizierende) Marxisten tun, denken und sagen“
            und
            „Marxismus ist, was sich ohne Bruch aus den Schriften Marx‘ begründen lässt“
            ?

          • Wie stehst du zu dem Widerspruch zwischen:
            „Marxismus ist, was (selbstidentifizierende) Marxisten tun, denken und sagen“
            und
            „Marxismus ist, was sich ohne Bruch aus den Schriften Marx‘ begründen lässt“

            Wenn ich mich als Kampfhubschrauber „identifiziere“, ist das nur in einem Kontext nicht lächerlich, in dem es keinerlei Kriterien für „Kampfhubschrauber“ gibt.
            Daher muss sich selbstverständlich was Marxisten tun, denken, sagen an den Marxschen Gedanken messen lassen.

            Marx war aber kein Prophet, Marxismus hat einen wissenschaftlichen Anspruch und wenn sich die Gesellschaft entwickelt, muss sich marxistische Theorie dementsprechend weiter entwickeln.
            Nur lasse ich mir von einer feministischen, sich selbst als Marxistin identifizierende wie Frigga Haug nicht unterjubeln, Frauen wären eine soziale Klasse.
            Denn dabei handelt es sich definitiv nicht um eine marxistische Definition einer Klasse, noch nicht einmal um die einer sozialen Schicht und damit auch nicht um eine Weiterentwicklung.

            Das ist meine Kritik am eigenen Lager – „fortschrittliche“ und/oder „sich selbst als Marxistin definierende“ Frauen werden ungleich weniger – wenn überhaupt – kritisiert, wenn sie unmarxistischen oder gar inhumanen Unsinn schreiben.
            Beim Thema „Feminismus“ gibt es beinahe einen Freifahrschein.

          • „Denn dabei handelt es sich definitiv nicht um eine marxistische Definition einer Klasse, noch nicht einmal um die einer sozialen Schicht und damit auch nicht um eine Weiterentwicklung“

            Wie lautet denn die genaue Definition einer Klasse oder einer sozialen Schicht? Arbeiter zb sind ja heute auch enorm heterogen, vom Geschäftsführer eines Multimilliardenunternehmens bis zum unqualifizierten Lohnarbeiter. Und Unternehmer bzw Kapitalisten auch: die kleine selbständige Putzfrau oder der Arbeiter, der sich an einen Aktienfond beteiligt

          • @crumar
            „Marx war aber kein Prophet, Marxismus hat einen wissenschaftlichen Anspruch und wenn sich die Gesellschaft entwickelt, muss sich marxistische Theorie dementsprechend weiter entwickeln.“

            Dieser Entwicklungsgedanke hat es dann erlaubt, dass Marxismus eben alles sein und sich grotesk vom Original entfernen konnte.

          • @chris
            „Wie lautet denn die genaue Definition einer Klasse oder einer sozialen Schicht?“

            Das ist eigentlich ziemlich einfach: entweder lebst du hauptsächlich von der *direkten* Arbeit fürs Kapital oder indirekt von der Arbeit anderer, vom *Mehrwert*, den du abschöpfst (als Kapitalist).
            So wäre die Welt bei uns auch heute nach Marx klar in die zwei Klassen einzuteilen.

          • @only_me

            Es ist eine Binsenweisheit, dass wir einer Erwerbsarbeit nachgehen, um unser Leben zu finanzieren und uns selber (täglich) zu reproduzieren. Die (Lohn-) Arbeit geht dabei der Reproduktion voraus, durch die Gesamtheit verschiedener Arbeitstätigkeiten werden die materiellen Grundlagen des Lebens geschaffen – marxistisch gesehen.

            Allein die „Entdeckung“ der feinsinnigen Unterscheidung, es gäbe „bezahlte“ und „unbezahlte“, aber es handle sich dennoch um Arbeit führt diesen Arbeitsbegriff ad absurdum.
            Es unterstellt, bspw. die Nahrungszubereitung für mich selbst sei gleichzeitig eine gesellschaftlich nachgefragte Tätigkeit, die ich genauso gut auch für andere verrichten könnte, die mich dann dafür bezahlen.
            Existiert für meine Tätigkeit aber keine Nachfrage und ich habe ohnehin nur vor, sie für meine eigene Nahrungszubereitung zu verrichten, dann ist es auch keine Arbeit (ganz zu schweigen von meiner Scheißarbeit 😉 ).

            Es ist offensichtlich, hier wird eine feministische Definition von „Arbeit“ verwendet, die zum Ziel hat, von Frauen geleistete Arbeit in der familiären Reproduktion mit einem eigenständigen Wert und diese mit dem Label „unbezahlt“ zu versehen. Fair enough.

            Wenn Frauen in Deutschland aber ökonomisch nur 23% zum Haushaltseinkommen beitragen und auf 50% einen Anspruch haben, dann findet ein Transfer von 27% dieses Einkommens in ihre Richtung statt. Wenn durchschnittlich Familienhaushalte im Monat ein Netto-Einkommen von 3700 Euro zur Verfügung haben und davon 851 Euro von der Frau stammen und sie damit einen Anspruch auf 1850 Euro erwirbt, dann hat sie eine Teilhabe an Ressourcen für 999 Euro Netto im Monat erworben, der über ihren eigenen ökonomischen Beitrag hinausgeht.

            Auf Deutsch: Es handelt sich also erstens – per Teilhabe – um bezahlte Arbeit und um so höher das Haushaltseinkommen, desto höher der Wert ihrer „Arbeit“ – völlig unabhängig von Qualifikation und Marktpreisen/Tarifabschlüssen. Was nur für Frauen gilt -> s. „Hypergamie“.

            Und es handelt sich zweitens um bezahlte „Arbeit“ – also solche Tätigkeiten, die sie auch für sich selber verrichten müsste, würde sie eigenständig in einem Single-Haushalt leben.
            Dass allen Ernstes die Gesellschaft Frauen für bspw. die Bürde der Nahrungsbeschaffung und -zubereitung für sich selbst bezahlen soll (denn genau das meint „bezahlte Hausarbeit“ damit) ist eine Dreistigkeit sondergleichen, die komplett untergeht.

            Beide Beobachtungen widersprechen also direkt der bürgerlichen feministischen Theorie.
            Sickert diese aber in die marxistische Theorie ein, dann hast du diese auf den Kopf gestellt.

            Unter Zugrundelegung der Theorie, die der bürgerlichen Ehe zugrunde liegt, dass es sich um einen Tausch von Äquivalenten handelt, ist die jeweils von beiden Geschlechtern geleistete Arbeit gleich viel wert. Aus dieser lustigen Vorstellung von Gerechtigkeit lässt sich auch herleiten, dass Männer unter den real existierenden Bedingungen gefälligst die Hälfte der Haus- und care-Arbeit verrichten sollen.
            Zusätzlich zu den 77% ihres Beitrags zum Haushaltseinkommen – versteht sich.

            Die Ignoranz der Frage gegenüber, wer eigentlich die Mittel für das Haushaltseinkommen erarbeitet und die Leugnung, dass der materielle Transfer stattfindet bedeutet im Grunde, es gibt gar keinen Zusammenhang zwischen Lohnarbeit und (familiärer) Reproduktion.
            „Arbeit“ ist das, was ich sage, das Arbeit ist.
            Listen and believe.

            Besagte Frigga Haug – die als feministische Marxistin identifizierte und sich identifizierende – stellt dann fast logisch fest, die „meisten notwendigen Tätigkeiten“, dazu „gehören zum einen fast alle Arbeiten, die zwischenmenschlich geschehen und die wir als Reproduktionsarbeit zu bezeichnen pflegen (…) werden meist unentgeltlich und von Frauen getan.“

            Dass sie damit „zwischenmenschliche“ Tätigkeiten erst einer Kommodifizierung unterwerfen müsste, um plausibel zu machen, warum diese Tätigkeiten Reproduktionsarbeit sind, geschenkt.
            Wenn ich meiner Freundin demnächst bei ihren Problemen zuhöre, werfe ich erst einmal einen Taxameter an und schreibe ihr dann eine Rechnung. 😉

            Aber die Leugnung der Tatsache, dass die „Reproduktionsarbeit“ der Frauen überhaupt erst geleistet werden kann, weil sie durch männliche Lohnarbeit dafür freigestellt worden ist, ist sagenhaft.
            Sie kann erst „unentgeltlich“ sein, weil für ihre eigene Reproduktion ein „anderes Geschlecht“ per Lohnarbeit vorab gesorgt hat.
            Die offensichtliche (nicht nur sprachliche, sondern auch theoretische) Gleichsetzung von Erwerbsarbeit und „Reproduktionsarbeit“ leugnet nicht nur den Zusammenhang, sondern dessen Kausalität.

            Die Gleichsetzung der beiden Sphären folgt dabei offensichtlich keiner marxistischen Logik, sondern der der bürgerlichen Ehe, wonach es sich um einen Tausch von Äquivalenten handelt.
            Wenn erst einmal gesetzt ist, alles ist nur eine Frage der „Verteilungsgerechtigkeit“, weil der Anspruch auf 50% der Ausgaben fest steht, dann erübrigen sich Fragen der Finanzierung von „care-Arbeit“.
            Aus dieser – bürgerlich-feministischen – Perspektive ist das Geld immer schon vorhanden und muss nur anders verteilt werden.
            Nämlich „geschlechtergerecht“ – also mit dem Anspruch auf 50% der Ausgaben bei 23% der Einnahmen.
            Listen and believe: Reproduktionsarbeit ist Arbeit (inkl. Scheißarbeit)!

            Ohne verschwörungstheoretisch sein zu wollen oder zu wirken – dieser bürgerliche Feminismus ist unser „trojanisches Pferd“. Er hat mit Feminin-ismus alles und mit Marxismus nichts zu tun.

      • Und Du möchtest es jetzt aber nicht verraten, weil? Ich nicht explizit danach gefragt habe?^^
        Soll Fräulein Schmidt eigentlich ein Einzelkind bleiben?

          • Müsste aber bald sein, oder? Allzu jung dürfte sie ja auch nicht mehr sein (oder war vielleicht sogar schon die 1. Schwangerschaft altersbedingt offiziell eine Risikoschwangerschaft)?

            Habt ihr die Betreuung denn auch schon im Sack?
            Wird (weibliches) Kitapersonal, eine (weibliche) Tagesmutter, oder gar eine glückliche Oma den Großteil der wachen Zeit Eures (dann immernoch für längere Zeit sprechunfähigen) Kleinkinds begleiten?

          • „Müsste aber bald sein, oder? Allzu jung dürfte sie ja auch nicht mehr sein (oder war vielleicht sogar schon die 1. Schwangerschaft altersbedingt offiziell eine Risikoschwangerschaft)?“

            Südländerin ist um einiges jünger als ich, da ist also noch Raum.

            „Habt ihr die Betreuung denn auch schon im Sack?“

            ja.

            „Wird (weibliches) Kitapersonal, eine (weibliche) Tagesmutter, oder gar eine glückliche Oma den Großteil der wachen Zeit Eures (dann immernoch für längere Zeit sprechunfähigen) Kleinkinds begleiten?“

            Klar, in dem Bereich sind ja größtenteils Frauen aktiv. Männliches Kitapersonal und männliche Tagesmütter sind nun einmal sehr rar.

          • Habt ihr die Betreuung denn auch schon im Sack?
            Wird (weibliches) Kitapersonal, eine (weibliche) Tagesmutter, oder gar eine glückliche Oma den Großteil der wachen Zeit Eures (dann immernoch für längere Zeit sprechunfähigen) Kleinkinds begleiten?

            Semi, es ist noch viel schlimmer als du den… ähm, glau… ähm, fantasierst. Nicht nur wird weibliches Kitapersonal oder eine weibliche Tagesmutter (sic) sich tagsüber um Fräulein Schmidt kümmern, sie werden für diese schwere Arbeit auch noch völlig unangemessen entlohnt. Mindestens 23% weniger als würde die Arbeit eine männliche Tagesmutter (sic) machen, was meinst du? Oder sind wir inzwischen schon bei 35%? Die Oma hats sogar noch schlechter erwischt, die bekommt für ihre Betreuungsarbeit natürlich gar nichts.
            Aber es geht noch weiter: All diese Frauen werden Fräulein Schmidt selbstverständlich völlig unangemessen sozialisieren. Die arme kleine wird, noch bevor sie sprechen kann, von diesen ausschließlich weiblichen Bezugspersonen mit einer ordentlichen Dosis internalisiertem Sexismus geimpft, ganz so wie es der perfide Plan des Patriarchats vorsieht. Und damit nicht genug. Wenn sie dann endlich der Hölle der Kita und den darin malochenden und total überforderten weiblichen Betreuerinnen (sic) entkommen ist, geht es ohne Unterbrechung weiter in die Grundschule. Auch dort wird Fräulein Schmidt einem Lehrpersonal gegenüberstehen, welches zu 90% weiblich ist. Und auch dort wird der geheime Plan des Patriarchats gnadenlos weiter verfolgt, teuflisch präzise ausgeführt von den unwissenden weiblichen Lehrerinnen (sic). Das junge Fräulein Schmidt wird tagaus tagein indoktriniert werden: Die Welt draußen ist ganz furchtbar, vor allem die Männer. Diese Rüpel hatten doch noch nie in der Menschheitsgeschichte besseres zu tun gehabt als Frauen zu unterdrücken. „Seht mich zum Beispiel an“, wird die weibliche Klassenlehrerin (sic) sagen, „ich verdiene 47% weniger als der Direktor dieser Schule. Ist das etwas fair? Informiert hat mich der Kerl auch nicht, als er sich um den Direktorposten beworben hat. Hätte er es getan, hätte ich ihm gesagt dass ich mich selbst gerne beworben hätte. So habe ich es dann halt gelassen und mich nicht beworben. Welche Chance hätte ich denn auch gehabt wenn mein Widersacher mir nicht einmal unaufgefordert mitteilt was er für seine berufliche Zukunft plant? Wie kann er es wagen! Werden so weibliche Frauen (sic) in Deutschland im Jahr 2025 behandelt? Aber so war es eben schon immer, Männer haben es einfach leichter an die hohen Positionen zu kommen…“
            Fräulein Schmidt wird all diese Botschaften aufsaugen wie ein Schwamm, und sobald sie alt genug ist um selbst zu lesen wird sie ähnliche Botschaften in der Zeitung, im Internet, einfach überall in den Medien finden. Geschrieben von ganzen Heerscharen weiblicher Journalistinnen (sic), diesen willfährigen Helfern des weltumfassenden Patriarchats.
            Im Gymnasium wird Fräulein Schmidt erstmals häufiger auf männliche Lehrer (sic) stoßen, aber dieser Lichtblick wird nicht von Dauer sein, denn aus völlig rätselhaften Gründen wird sich Fräulein Schmidt nach der Schule für ein geisteswissenschaftliches Studium entscheiden, eventuell Soziologie oder Pädagogik oder etwas ähnliches. Der arme Christian hat zwar seit die kleine zu sprechen begann verzweifelt versucht sie für Technik zu interessieren, hat sie während der Grundschulzeit 3 mal im Jahr auf den Girls Day der Technischen Universität geschleppt. Als mit 16 Jahren ihr Moped einen Schaden hatte, hat Christian ihr das Geld für die Reparatur verweigert und ihr gesagt sie solle doch mal selber den Schraubenschlüssel in die Hand nehmen. Hat alles nichts genutzt, Fräulein Schmidt will später „was mit Menschen“ machen, deshalb Soziologie, Punkt. An der Uni gäbe es zwar sogar noch deutlich mehr männliche Dozenten (sic) als im Gymnasium, diese unterrichten aber hauptsächlich Fächer wie Informatik, technische Mathematik usw. In der Soziologie wiederum dominieren hauptsächlich weibliche Professorin… ähm, weibliche externe Lehrbeauftragtinnen (sic). Die besser bezahlten Professorenposten sind nämlich selbstverständlich für Männer reserviert, an die kommt Frau nicht so einfach ran.

            Eine schreckliche Aussicht Semi, oder? Unter unter solchen Umständen fragst du Christian auch noch, ob ein zweites Kind geplant ist. Hast du denn gar kein Mitgefühl???

          • Schon wieder so vage.
            Ich mein, der Schnitt läge irgendwo um 4-6 Jahre Altersunterschied. „Um Einiges“ meint dann wohl, dass sie Anfang, aber noch nicht Mitte 30 ist (während bei Dir schon das 5. Lebensjahrzehnt angebrochen ist)?

            Hat eigentlich der drohende Einbruch beim Elterngeld irgendeinen Einfluss auf Eure Zeitplanung? Sprich will sie für min. ein Jahr wieder voll einsteigen, auch um da nicht spürbar billiger abgespeist zu werden beim Zweiten?

            Ich nehm mal an, es wird eine Tagesmutter werden? Welche Kosten plant ihr dafür ein (pro Stunde/im Monat)? Und entspräche dieses Modell so sehr eurem Wunsch, dass ihr euch selbst dann noch genauso entschiedet, wenn – sagen wir mal – Südländerin ein zweites Jahr Elterngeld erhielte?

          • @Semi:

            Schon wieder so vage.
            Hat eigentlich […]?
            Sprich will sie […]?
            Welche Kosten plant ihr […]?

            Der Hinweis vorher war wohl doch etwas zu subtil und ist ganz offensichtlich nicht angekommen, deshalb hier nochmal in aller Deutlichkeit: Wie Christian und Südländerin das Familienleben und die Betreuung von Fräulein Schmidt organisieren geht dich genau nichts an. Wenn Christian Details dazu erzählen will schön und gut, aber du hast bestimmt kein Recht hier Erklärungen zu verlangen.

          • Ich frage mich hintergründig, was die richtige Politik wäre – also eine, die größtmögliche Wahlfreiheit gewährte, allgemeine Wohlfahrt und individuelle Zufriedenheit maximierte.

            Und klar bin ich auch schlichtweg neugierig, wie ein erklärter Anti-Feminist und die von ihm als sehr konservativ beschriebene Ehefrau abwägen etc.

            Ich kenn viele Varianten aus dem erweiterten Freundeskreis, auch z.B. die, (beim 1. Kind zumindest) direkt nach dem Mutterschutz wieder voll einzusteigen, die mit Hausmann usw.
            Dass die Wenigsten langfristig glücklich werden mit ihrer ursprünglich-getroffenen Entscheidung gehört für mich allerdings auch zum Gesamteindruck.

          • „Ich frage mich hintergründig, was die richtige Politik wäre“
            WTMF?!?!
            Diese Lüge willst Du selbst dem Dümmsten hier nicht wirklich unterjubeln, oder?
            Deine Botschaft besagt das exakte Gegenteil und steht wie’n Feuerwerk vor Auge und Ohr!

            @Pingpong hat es noch sehr dezent ausgedrückt, weshalb ich mich ihm hier mal anschließe, schon um nicht immer der mit dem Knüppel zu sein.

          • Welche Botschaft meinst Du denn vernommen zu haben?

            Ich hab ja gerad selbst ein Baby von etwas über einem Jahr, das soeben etwa eine Stunde lang wach war – am Oberkiefer kommen nämlich (endlich!) die ersten Zähnchen durch und sie ist etwas verschnupft. Normal verlangt sie aber immernoch i.d.R. 2 mal pro Nacht nach mir, wo ich sie dann nur – ungefähr 20 Minuten lang jeweils – stille. Zugefüttert wird nicht, was aber keine Entscheidung war, die ich getroffen hätte; sie trinkt einfach keinen einzigen Schluck aus der Flasche, egal wer und wie oft wir sie anbieten, und sie braucht aber natürlich weiter ihre Milch. Weil mich das körperlich so auszehrt, hatte ich mir nun einen Rest vom Mittagessen warmgemacht und vertilgt und gleich nach diesem Kommi werd ich noch eine kurze, heiße Dusche nehmen, in der Hoffnung, danach dann tiefenentspannt 2 oder gar 3 Stunden Schlaf am Stück zu bekommen vor der nächsten Runde (vor Sonnenaufgang).

            Alles kein Problem, ich beschwer mich hier nicht etwa – eben weil ich weiß, dass dafür der morgige vormittag ziemlich gechillt verlaufen wird, ich da nochmal ein paar Stündchen extra-Schlaf (zusammengekuschelt mit ihr) bekommen werde (aller Voraussicht nach jedenfalls). Ich denke aber, dass ich mich genau jetzt sehr gestresst fühlte, wenn mir die Verpflichtung an der Backe hinge, trotz einer besonders unruhigen Nacht ab acht Uhr (oder so) bis irgendwann am nachmittag in der Arbeit zu hocken.
            (Ich bin aber wahrscheinlich auch insgesamt einfach nicht so belastbar wie manch andere, habe mir schon vor jeder familiären Belastung so manche Mittagspause ein ruhiges Plätzchen für ein kurzes Schläfchen gesucht.)
            Und wenn zu Rotznase und Husten auch noch Fieber käme, müsste man dann halt spontan umdisponieren, was i.d.R. wohl bedeuten würde, dass ich meinem Arbeitgeber mit schlechtem Gewissen gegenüberträte wegen einer unplanmäßigen Fehlzeit… ach herrje, jetzt weint sie wieder.
            Nun denn, bis hierhin erstmal…

          • „Welche Botschaft meinst Du denn vernommen zu haben?“

            Irgendwas scheint dich ja umzutreiben, vielleicht willst du mich irgendwie eines Fehlverhaltens überführen oder mir deutlich machen, dass ich auf Frauen angewiesen bin oder eine Ungerechtigkeit in der Arbeitsteilung ausmachen. Ich habe keine Ahnung. Aber es scheint mir über das normale Interesse an unserer Familienorganisation hinauszugehen

          • So, jetzt schläft sie (mal schauen wie lange…). Uff.
            Was ich noch sagen wollte: ich weiß, dass manche Paare sich auch abwechselnd nachts die Kindersorge aufteilen, bei einem Flaschenkind wirkt das (theoretisch) ja auch besonders fair.
            Allerdings musste ich aber schon beim 1. Kind feststellen, dass er nächtliches Babygeschrei überraschend konsequent ausblenden kann, wo ich senkrecht im Bett stehe ab dem ersten Pieps quasi. Und dann ist es mir eben auch deutlich lieber, wenn wenigstens er, der inzwischen täglich eine weitere Strecke mit dem Auto zur Arbeit pendelt, durchgeschlafen hat. Wenn er mal deutlich weniger als 6 Stunden Schlaf abbekommen hat (weil er noch was gucken wollte oder wegen Sex oder so), mach ich mir gleich endlos Sorgen um seine Sicherheit.

          • Was für ein widerlich billiges Ablenkungsmanöver!

            Und funktioniert noch nicht mal, da Du Dich wieder nicht wirklich beherrschen kannst und eindeutig „Zweibeiner gut, Dreibeiner schlecht, mäh“ vor Dich hin maulst.
            Heul doch!

          • „vielleicht willst du mich irgendwie eines Fehlverhaltens überführen“

            Also mein Verdacht ist schon, dass Dir mehr daran gelegen sein könnte als Südländerin, dass sie wieder Vollzeit einsteigt mit dem 1. Geburtstag.

            „oder mir deutlich machen, dass ich auf Frauen angewiesen bin“

            Bezweifelst Du, dass Du es bist?

            „es scheint mir über das normale Interesse an unserer Familienorganisation hinauszugehen“

            Nach den Kosten für die Kinderbetreuung z.B. fragt sonst nie jemand? Fänd ich aber seltsam.

            Wir haben das übrigens immer privat geregelt bekommen, d.h., als ich noch im Prinzip Vollzeit studierte und zeitgleich 20 Stunden pro Woche arbeitete, führte ich dauerhaft einen Kalender für bis zu 13 mögliche Betreuungspersonen gleichzeitig. Damit ich eben immer wusste, wann wer verhindert ist, den ich dann nicht fragen brauchte. Und ich habe es gehasst. Absolut jeden Morgen erwachte ich mit nur einem Gedanken: „Scheiße, Scheiße, Scheiße…“. So muss halt jeder seine Erfahrungen machen.

          • @semikolon

            „Also mein Verdacht ist schon, dass Dir mehr daran gelegen sein könnte als Südländerin, dass sie wieder Vollzeit einsteigt mit dem 1. Geburtstag.“

            Und, wäre das schlimm?

            „Bezweifelst Du, dass Du es bist?“

            Nein, aber ich bin natürlich genauso auf Männer angewiesen, vielleicht nicht für die direkte Betreuung, aber für das drumherum natürlich, schon was Strom etc angeht. Es ist eine zu erwartende Folge unseres evolutionären Erbes, dass in berufen mit kleinen Kindern häufiger Frauen arbeiten und in besonders konkurrenzlastigen statusbezogenen Berufen häufiger Männer.

            „Nach den Kosten für die Kinderbetreuung z.B. fragt sonst nie jemand? Fänd ich aber seltsam.“

            Sicher fragen Leute danach. Aber die Information dazu ist mit relativ vielen persönlichen Informationen verbunden. Deswegen werde ich dazu nichts sagen.

          • „Und, wäre das schlimm?“

            Weiß ich doch nicht… aber im Zweifelsfall wird sie Dir das schon zu verstehen geben früher oder später.
            Na, warum krieg ich denn jetzt nicht diese Tasse eingebunden?
            https://www.shirtcity.de/happy-wife-happy-life-tasse-138288?gclid=Cj0KCQjw5J_mBRDVARIsAGqGLZC35_t49P5VGd1Eki1UYtiAewyozG5YGxxKJzowu6sNyT8Q0r0TGBYaAqBoEALw_wcB
            Als Geschenkidee für Dich, fürs Büro gedacht (in pink natürlich). Bittegern^^

            „Nein, aber ich bin natürlich genauso auf Männer angewiesen, vielleicht nicht für die direkte Betreuung, aber für das drumherum natürlich, schon was Strom etc angeht. Es ist eine zu erwartende Folge unseres evolutionären Erbes, dass in berufen mit kleinen Kindern häufiger Frauen arbeiten“

            „Fast nur“, meintest Du wohl… (und in der Alten- bzw. Krankenpflege ja ebenso)

            Ich finde es halt ziemlich verlogen, wenn Du gegen die Problematisierung des GPGs einwendest, dass Frauen „einfach nur“ aus der Care-Verantwortung fliehen müssten, damit nicht weiterhin jede einzelne ihrer Arbeitsstunden um im Schnitt 20+ % geringer entlohnt würde als die von Männern geleisteten.

            Es gibt ja nun wirklich auch ne Menge – z.T. sehr gut bezahlter – Bullshit-Jobs, wo es praktisch niemandem unangenehm auffiele, wenn diese „Arbeit“ überhaupt nicht geleistet würde. Auch gerade solche Diktaturen wie die DDR dürften eine erkleckliche Menge (rational betrachtet) völlig überflüssiger Vollzeitstellen gekannt haben.

            Welche Vorstellung hast Du von gesellschaftlichem Fortschritt? Ist es tatsächlich, dass Frauen sich in ihrem Verhalten anpassen, also lernen mehr wie Männer zu werden, andersrum Männer hingegen gar Nichts ändern müssten?

            „Sicher fragen Leute danach. Aber die Information dazu ist mit relativ vielen persönlichen Informationen verbunden. Deswegen werde ich dazu nichts sagen.“

            Solange man nicht auch weiß, wo genau ihr wohnt, lässt sich aus dem von den Eltern an eine Tagesmutter gezahltem Stundensatz bzw. Monatsbeitrag noch nicht rückschließen auf Eure Einkommenshöhe.

            Es wäre für mich primär interessant zu wissen, wie hoch Eure Lösung staatlich subventioniert wird und natürlich, ab welchem Verhältnis (ihr Lohn vs. privater Betreuungskostenanteil) sogar Du sagen würdest: nein, unter diesen Umständen möchte ich dann doch lieber, dass meine Frau mit unserem(unseren) Kind(ern) zuhause bleibt die ersten Jahre.
            (Du selbst scheinst ja überhaupt kein Bedürfnis nach mehr Familienzeit zu haben, oder täuscht dieser Eindruck?)

          • „Ich finde es halt ziemlich verlogen, wenn Du gegen die Problematisierung des GPGs einwendest, dass Frauen „einfach nur“ aus der Care-Verantwortung fliehen müssten, damit nicht weiterhin jede einzelne ihrer Arbeitsstunden um im Schnitt 20+ % geringer entlohnt würde als die von Männern geleisteten.“

            Was ist daran verlogen? Es ist vollkommen unabhängig davon, dass Frauen da hauptsächlich arbeiten. Wenn Frauen die Arbeit dort allerdings der geringere Lohn wert ist, weil Kinder, dann kann man das wohl kaum den Männern vorhalten

            „Ist es tatsächlich, dass Frauen sich in ihrem Verhalten anpassen, also lernen mehr wie Männer zu werden, andersrum Männer hingegen gar Nichts ändern müssten?“

            Frauen müssen sich gar nicht anpassen. Sie müssen es nur, wenn sie den Gender Pay gap schließen wollen, aber der ist den meisten Frauen vollkommen egal. Wahrscheinlich begrüßen sie ihn sogar: Das ihr Mann mehr verdient ist ja gut für sie, wenn sie aussetzen wollen und dennoch ein gutes Leben haben wollen.

            „Es wäre für mich primär interessant zu wissen, wie hoch Eure Lösung staatlich subventioniert wird und natürlich, ab welchem Verhältnis (ihr Lohn vs. privater Betreuungskostenanteil) sogar Du sagen würdest: nein, unter diesen Umständen möchte ich dann doch lieber, dass meine Frau mit unserem(unseren) Kind(ern) zuhause bleibt die ersten Jahre“

            Da sind die Rechnungen auch meist falsch: Es wird schlicht auf den Nettolohn geschaut, aber nicht auf die Rente, die Wiedereinstiegszeit etc.

            „(Du selbst scheinst ja überhaupt kein Bedürfnis nach mehr Familienzeit zu haben, oder täuscht dieser Eindruck?)“

            Nein, das ist bei mir gegenwärtig nicht drin.
            Aber die Zeit an sich mit der kleinen, die ich habe, ist sehr schön.

          • Nein, das ist bei mir gegenwärtig nicht drin.

            Das von Feministierenden ewig ignorierte Opfer des Mannes.
            Gleichzeitig der Beleg für die Größe des Privilegs, das Männer durch dieses Opfer ihren Frauen einräumen.

            Was sehen Frauen? „WAAA, wir kriegen weniger Lohn! (Wir geben doppelt so viel Geld aus wie Männer, aber wir bekommen weniger buchstäblichen Lohn). WAAAAA!!“

  5. So gehört sich das auch! Wenn eine Ehe geschieden ist, ist sie geschieden – vor allen Dingen, nicht erst nach einem verordneten Trennungsjahr, wenn der Mann oder die Frau nicht gerade dem Partner an die Gurgel springen wollte. Das gehört sich gleich erledigt, wenn einer von beiden nicht mehr verheiratet sein will – sowas nennt man u. a. „Freiheit“.

    Seltsam ist es, dass, trotz aller neoliberalen Umbauten in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und täglichem Leben, sich in diesem Punkt im BRD-System im Grunde nichts geändert hat. Überall tönt es sonst „jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“, selbst in den unmöglichsten Lebenssituationen, wo es schon zynisch ist, das zu sagen – aber beim Eherecht liegt dieser Maßstab bis heute nicht an. Da hält sich bis heute wacker das Gegenteil – such‘ dir jemanden, der dich aushält -, und bereitwillig trägt es das breite Band aus der Politik mit (sogar die größten Maulhelden des Liberalismus und der Freiheit machen mit – die FDP).
    Wie nennt man das? „Inkonsequent“.

    Kann man sogar als großen Kritikpunkt nach der Einführung der sogenannten „Ehe für alle“ anmerken lassen.
    Heiraten dürfen jetzt alle Geschlechtseinträge miteinander und sie dürfen nicht mehr ungleich behandelt werden im Vergleich zu konventionellen Paaren, aber sie dürfen alle, wenn die Ehe in die Brüche geht, gleichermaßen mit einer Eisenkugel am Bein herumlaufen.
    Das hätte man an dieser Stelle gleich mit regeln können… (Aber wahrscheinlich wäre das für die Grauköpfe von der CDU dann doch zu viel des Guten gewesen.)

    • „Seltsam ist es, dass, trotz aller neoliberalen Umbauten in Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und täglichem Leben, sich in diesem Punkt im BRD-System im Grunde nichts geändert hat. “

      Doch! Wie Du selbst ja bereits feststellst. Man hat die Ausnahmen, die immer wieder zu intelligenten Überlegungen führten, entfernt, indem man ihnen einredete, daß sie diskriminiert werden, wenn sie ein freieres Partnerschaftsmodell leben. Und die Idioten haben den Mist gekauft, um auch ja genau so verarscht zu werden, wie die Heten-Deppen.

      • So würde ich das nicht formulieren, allerdings sticht es mich schon länger ins Auge, dass man offensichtlich versucht, das klassisch konservative Modell von „Ehe, Familie, Haus, dickes Auto“ auch gegenüber den Homosexuellen zu bewerben. Obwohl ich es glatt in der Situation als eine Chance sehen würde, sein Leben anders als der übliche Durchschnitt zu leben (wozu soll man schließlich den ganzen anderen Ramsch mitmachen? wer befiehlt das?), eben weil hier der natürliche Weg verschlossen bleibt und man gesonderte Anstrengungen anstellen müsste, wenn man bei diesem Ideal mithalten wollte.

        Was ich aber meinte, ist die Sache: Ständig wird von „Selbstverantwortung“ und „Freiheit“ inflationär schwadroniert, aber will man mal seine „Freiheit“ wahrnehmen, will man ganz einfach nur eigenständige Entscheidungen treffen, und sei es auch nur bei so einer Trivialität wie der Ehe oder deren Scheidung, dann kommt plötzlich der Staat an und sagt dir „Nein, darfste nich‘, weil is‘ nich‘!“. Sieht der CDU ähnlich (mit ihrem Traum vom 1000-jährigen Stillstand) und dem Rest des stockkonservativen Parteienapparates der BRD, der sich hinter anderen blumigen Namen versteckt.

        • „dann kommt plötzlich der Staat an und sagt dir „Nein, darfste nich‘, weil is‘ nich‘!“

          Da gibt es noch viel mehr solcher Dinge, @matrixmann.
          Neolberalismus war einst das Zurückschneiden einer arroganten, unnützen und überbordenen Bürokratie (der Grossbritanniens), mit dem erklärten Ziel, dass der Staat seinen Bürgern wieder dienen soll, statt die nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Dann wurde das zum Kampfbegriff von Kapitalismushassern und korrupten Deregulierern.

          • Und das soll dir einer abkaufen?
            Neoliberalismus war schon immer der gezielte Rückbau von sozialen und gesellschaftlichen Errungenschaften des Pöbels gegenüber seinen Regierenden (also den Reichen) unter dem Deckmantel der Freiheit. „So wenig Staat wie möglich, so viel wie nötig“ – war das nicht sein Credo?
            Komischerweise, die Bürokratie wurde nur da abgebaut, wo es um Ansprüche der Nicht-Reichen gegenüber dem Staat oder anderen Personen ging und wenn es um den Willen der Reichen an den Rest der Welt ging. Schleichend zurück zum Feudalismus – dahin ging der Kurs! Und das ist, was in der Praxis passiert ist, nicht was im Werbeprospekt steht.

          • „Und das ist, was in der Praxis passiert ist, nicht was im Werbeprospekt steht.“

            Neoliberalismus ist die Wiedereinführung der Tagelöhnerei, „Deregulierung des Arbeitsmarkts“ genannt.
            Gleichzeitig lassen sich die Superreichen ihre Vermögensverluste, wenn sie sich an der Börse verzockt haben, aus Omas Sparstrumpf erstatten.

            Willkommen im sozialen 19. Jahrhundert!

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