Schutz vor sexueller Belästigung: Was rät man seiner Tochter?

Semikolon schrieb in einem Kommentar:

„Der äußert sich so, dass man etwa anführt, dass Frauen nicht beigebracht werden sollte, sich gegen Belästigungen zu schützen, sondern Männern, sie nicht zu belästigen“

Was konkret willst Du/wollt Ihr Eurer Tochter denn beibringen, um mit einer gewissen Sicherheit zu gewährleisten, dass sie nicht (ab) in 12-14 Jahren von Mitschülern oder älteren Jungen an Brüsten und/oder Hintern betatscht wird? Und was wird sie zu hören kriegen, wenn es dann doch passiert (und sie das mitnimmt)?

Sicherlich keine einfache Frage, aber was sollte es meiner Tochter bringen, wenn ich ihr raten würde

  • anzuprangern, dass Männer toxisch sind und man sie dazu erziehen muss niemanden zu belästigen
  • ihr beibringe, dass Frauen Opfer sind und Männer Täter sind

(würde sie ja schon aufgrund ihres wunderbaren Vaters nicht glauben können).

Mir scheint ein Ansatz, bei dem man ihr erklärt, dass einige Leute rücksichtslos sind, aber die allermeisten Menschen nicht, wesentlich realistischer. Weder kann man alle Leute umerziehen noch könnte man es bei den Jungs, die sie dann belästigen, selbst wenn es ginge. Weit eher wird es Jungs/Männer abschrecken, wenn man nicht Opfer, sondern selbstbewußt ist. Wenn man sich wehrt und sich beschwert. Und solche Jungs/Männer dann eben in Zukunft meidet, wenn sie eigene Grenzen missachten. Eine vollkommene Sicherheit wird es im Leben nie geben. Jungs werden sich falsch benehmen, Mädchen werden sich falsch benehmen. Das ist das Leben.

Und natürlich: Wenn sie selbstbewusst ist, dann wird sie eine Hand auf dem Hintern oder ein Busengrabscher auch nicht umbringen. Ich hoffe, dass sie es als unangenehme, aber jetzt auch nicht weltverändernde Angelegenheit ansieht, eben als Handlung eines Idioten. Das wäre eine Perspektive, die ich ihr vermitteln würde: Es hat sich im Endeffekt nichts verändert, die Welt ist nicht untergegangen, morgen ist ein neuer Tag.

Wenn es sie in eine Krise stürzt, dann würde ich ihr so etwas vorschlagen, wie einen Kampfsport als Sport zu lernen, damit sie sich wehren kann. Und vielleicht andere Selbstvertrauenstrainings mit ihr machen, damit sie sich behaupten kann.

Natürlich würde sich aber ein Junge, der das aus ihrem Umfeld oder wiederholt macht oder dafür bekannt ist, dass mit Mädchen aus der Schule zu machen auch mit mir anlegen und – schlimmer für ihn – mit Südländerin. Erst mal würde man in dem Alter wohl mit den Eltern reden bzw mit den Lehrern.

Bei einer 6 Monate alten Tochter habe ich noch etwas Zeit bis dahin. Und in der Tat ergeben sich da im Bereich der „Sexualaufklärung“ einige interessante Themen. Natürlich wird man bei einer Tochter im Schnitt andere Sorgen haben als bei einem Sohn. Und natürlich möchte man nicht, dass sie belästigt wird oder sonst schlimme Erfahrungen macht. Wenn man die Umgebung nicht beliebig kontrollieren kann, dann bleibt nur, dass man dem Kind beibringt sich zu schützen, aufzupassen und zu schauen, mit welchen Leuten man sich einlässt. Aber zuviel steuern kann man wahrscheinlich auch nicht, sonst erreicht man vielleicht auch nur den „Was verboten ist, ist um so interessanter“ Effekt.