Finnisches Wahlrecht und der Anteil an Frauen im Parlament

Arne hat einen Leserbrief bekommen:

Finnland wählte gestern die 200 Volksvertreter neu.

Gewählt wurden 92 Frauen (46 %) sowie 108 Männer (53 %).

Geschlechterparität ist nicht vorgesehen, weder bei der Aufstellung der Kandidaten noch bei den Abgeordneten.

Besonders große Geschlechtergefälle ist bei den Grünen zu sehen. Von den 20 Abgeordneten sind nur 3 Männer (15%). Witzigerweise fordern die Grünen z.B. bei der Besetzung von den Vorständen von Börsenunternehmen eine Geschlechterquote von 40%.

In Finnland gibt es keine Listenwahlen. Somit können die Parteien de facto nur sehr wenig Einfluss auf das Geschlecht der Abgeordneten haben. Jener Kandidat, der in einem Wahlkreis die meisten Stimmen unter den Kandidaten der eigenen Partei erhält, belegt den „Spitzenplatz“ seiner Partei. Jeder Wähler hat nur eine Stimme, die man einem besetimmten Kandidaten geben muss.

Den niedrigsten Frauenanteil hatten die Rechtspopulisten mit 31%.

Finde ich ein interessantes Konzept. Man kann den Politiker wählen, den man gerne als Vertreter haben würde. Macht es natürlich Politikern schwieriger, sich in einen (auch für sie teuren) Wahlkampf zu stürzen, wenn ein anderer einfach so an ihnen vorbeizieht, der vielleicht weit weniger Ahnung hat oder bei einer bestimmten Gruppe schlicht besser ankommt. Es macht das Rennen insgesamt offener und wird so mehr „Amateure“ in das Parlament spülen vermute ich. Interessant aber, dass der Frauenanteil dort so hoch steigt.

Für ein solches Wahlrecht müsste sicherlich auch hier die Verfassung geändert werden, aber es wäre interessant zu sehen, wie viele Stimmen bestimmte Politiker bekommen, wenn sie sich nicht auf Listenplätze bzw die Stellung als einziger Kandidat zurückziehen können. Und auch ob es die Politik verändern würde, weil man dann leichter „abgestraft“ werden kann.