Dr. Gerald Hüther: Mädchen und Jungs – wie verschieden sind sie?

Aus dm Text unter dem Video:
Der Hirnforscher Dr. Gerald Hüther referierte bei der Fortbildungsveranstaltung zum Girls´ Day zum Thema „Mädchen und Jungen – wie verschieden sind sie?“. Er zeigt, wo und wieso es Unterschiede in der Entwicklung beider Geschlechter gibt und wie sich diese auswirken. Gerald Hüther stellte auch die Sinnfrage, ob es denn einen Girls´ Day geben müsse und ob dieser sinnvoll sei. Seine im Vortrag geäußerten Aussagen, dass Frauen & Mädchen sowieso in die Naturwissenschaft gehen, so wie sie auch in den „Fußball gegangen sind“ und dass sie nun auch zum „Mond fliegen wollen“, möchten wir (das Land OÖ & die Edugroup) an dieser Stelle nicht unkommentiert lassen. – Wir geben Herrn Hüther recht, dass Frauen auch in die Naturwissenschaften und technische Berufe gehen und dort vertreten sind, nur sind sie dort stark unterrepräsentiert (könnte geschätzt jener Quote nahe kommen, wie der Quote im Fußball) – Der Aussage, dass punktuelle Tage nur wenig bringen, können wir grundsätzlich auch zustimmen. Jedoch ist der Girls´ Day nur eine Maßnahme von vielen, um Mädchen für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern – und das quer durch alle Altersstufen (TechnikBoxen in allen OÖ Volksschulen, Power Girls, FIT – Frauen in die Technik, MIT – Mädchen in die Technik, …). In Anbetracht des breiten Angebotes an Maßnahmen sind wir überzeugt, dass diese Impulse durchaus meinungsbildend und motivierend wirken können. – Der Aussage, bei Projekten, wie dem Girls´ Day, würden die Teilnehmerinnen zu Objekten gemacht (dh. Jemanden zur Durchsetzung seiner eigenen Interessen zu benutzen) können und wollen wir uns nicht anschließen. Wir wollen Mädchen abseits von Genderklischees die Bandbreite an (Ausbildungs)Wegen aufzeigen, dazu bräuchte es vor allem ein Elternhaus, das den Kindern diese Möglichkeiten offenlegt und zugänglich macht. Dies ist leider oft nicht der Fall, darum sehen wir es als unsere Aufgabe, Mädchen über deren Chancen zu informieren. Wir zwingen niemandem einen Weg auf. Dass sich die Wirtschaft bzw. Institutionen über mehr Mädchen in technischen Berufen freuen, sehen wir nicht als zum „Objektmachen von Mädchen“ sondern als eine Win-Win –Situation. – Wir würden uns freuen, wenn derartige Förderungsprogramme wie Girls´ Day und Co irgendwann nicht mehr notwendig sind, weil Mädchen und Burschen sich frei nach ihrer Begabung dort hin orientieren können, wohin sie wollen – da wir nach wie vor aber nicht glauben, dass es von Natur aus gegeben ist, dass Mädchen zur Einzelhandels- und Bürokauffrau oder Friseurin geboren wurden (Quelle WKO: http://wko.at/statistik/wgraf/2015_03…) sondern in vielen Facetten ihre Begabungen und Träume haben, werden wir auch in Zukunft an unseren Bemühungen festhalten. Der Vortrag wurde im Rahmen der Girls‘ Day Fortbildung am 15. März 2016 in Linz aufgezeichnet.

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Regionale Unterschiede in den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen in Deutschland (Gender Pay Gap)

Durch den #Equalpayday bin ich auf diese wunderbare Karte gestoßen, die auf der Seite interaktiv ist und die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland genauer darstellt als die Karte aus einem früheren Artikel:

 

Die Karte ist zoombar und man kann nach einzelnen Orten oder Städten suchen. Oder man klickt auf einzelne Flächen und es wird angezeigt, wie groß da der Unterschied ist.
Hier habe ich beispielsweise mal den Cursor auf Berlin gelegt:

Der Umstand allein, dass man da jetzt jeder Berliner Feministin entgegenhalten kann, dass sie privilegiert ist, weil bei ihr bereits der unbereinigte Gender Pay Gap bei nur 3% liegt ist schon eine herrliche Sache an sich.

Hier auch noch mal zur Vereinfachung die „alte“ Karte:

Regionale Unterschiede im Gender Pay Gap Deutschland

Regionale Unterschiede im Gender Pay Gap Deutschland

 

Aus dem Begleittext zur neuen Karte:

Zudem gibt es große regionale Unterschiede – vor allem zwischen alten Bundesländern (22 Prozent) und Ostdeutschland (7 Prozent). So macht die Karte der Gehaltsunterschiede in den 401 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands die ehemalige DDR sichtbar. Sämtliche Gebiete, in denen Frauen mindestens fast das gleiche Geld bekommen, liegen ausnahmslos im strukturschwachen Osten (maximal 3 Prozent Abweichung, gelb und grün auf der Karte). In 15 davon fällt die Gehaltslücke zugunsten der Frauen aus (grün) – allen voran Cottbus (Brandenburg) mit einem Plus von 20 Prozent. In Cottbus wird allerdings auch wenig gezahlt: Das mittlere Gehalt liegt mit 2653 Euro im unteren Fünftel aller Kreise.

Frauen verdienen dort mehr, wo sonst wenig verdient wird. Doch nicht nur die hohe Arbeitslosigkeit und die wenigen gut bezahlten Jobs spiegeln sich hier wider. Auch die Arbeitskultur aus der DDR wirkt nach. „Es gab nicht diese klassische Rolle der Hausfrau und Mutter. Stattdessen war es selbstverständlich, dass Frauen neben der Familie auch Karriere machen konnten“, sagt Katharina Wrohlich vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Kindertagesbetreuung im Osten sei deshalb noch immer besser ausgebaut.

Im reichen Süden Deutschlands haben Frauen deutlich weniger auf dem Gehaltszettel als ihre männlichen Kollegen. Spitzenreiter bei der Negativlücke ist hier der Kreis Dingolfing-Landau (Bayern), 38 Prozent weniger verdienen Frauen hier. Dies sagt allerdings mehr über die Beschäftigung der Frauen – aber wenig zur Gehältergerechtigkeit aus. Die Karte und die Gesamtzahlen zeigen den unbereinigten Gender Pay Gap – also nur die allgemeinen Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern, unbeachtet von Qualifikation, Branche oder Position. Doch auch unter sonst gleichen Bedingungen klafft eine Lücke: Sechs Prozent waren es laut letzter Berechnung des Statistischen Bundesamts. Den Gender Pay Gap gibt es wirklich, wenn auch bereinigt nicht ganz so groß.

Ich hatte schon bei der anderen Karte angeführt, dass die großen Gehaltsunterschiede gut zu erklären sind, wenn man sich mal die einzelnen Orte anschaut. Dort sind meist große Industriestandorte. Was findet man beispielsweise zu dem oben angeführten Dingolfing?:

Dingolfing war und ist ein bedeutender Standort des Fahrzeugbaus. Die Automarke Glas, die in den 1950er Jahren vor allem durch ihr Modell Goggomobil bekannt war, stammte aus der Stadt und auch der frühere Traktorhersteller Eicher aus Forstern hatte ein Landmaschinenwerk in Dingolfing. Dort wurden von 1962 bis 1972 auch Lastkraftwagen produziert, zunächst unter der Marke Eicher, dann in Lohnfertigung für Magirus-Deutz. Größter Arbeitgeber für die Stadt und ihr Umland sind die BMW-Werke mit rund 18.300 Arbeitnehmern, die jährlich etwa 360.000 Autos der 3er-, 4er-, 5er-, 6er- und 7er-Reihe herstellen. Dingolfing ist der weltweit größte von insgesamt 24 Produktionsstandorten der BMW Group. Durch die Ansiedlung von BMW wurde Dingolfing zu einer der reichsten Gemeinden in Deutschland. Hervorgegangen ist dieses Werk aus der Übernahme der Firma Glas durch BMW 1967

BMW dürfte unter gewerkschaftliche Tarifverträge (IG Metall würde ich vermuten) fallen und alle seine Mitarbeiter absolut gleich bezahlen. Autounternehmern zahlen traditionell sehr gut, aber besonders lukrativ, aber auch das Privatleben belastend ist üblicherweise das Schichtsystem und die Wochenendsarbeit, weil Sonntagsarbeit und Nachtarbeit Zuschläge geben und diese noch dazu steuerfrei sind:

Steuerfrei sind Zuschläge, die für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit neben dem Grundlohn gezahlt werden. Bei einer Nettolohnvereinbarung ist der Zuschlag nur steuerfrei, wenn er neben dem vereinbarten Nettolohn gezahlt wird. Die Zuschläge dürfen folgende Prozentsätze des Grundlohnes nicht übersteigen:

  • für Nachtarbeit 25 Prozent,

  • für Sonntagsarbeit 50 Prozent,

  • für Arbeit am 31. Dezember ab 14 Uhr und an den gesetzlichen Feiertagen 125 Prozent und

  • für Arbeit am 24. Dezember ab 14 Uhr, am 25. und 26. Dezember sowie am 1. Mai 150 Prozent.

Wer also ein Woche Nachtschicht mit 25% Aufschlag steuerfrei arbeitet, der erzielt natürlich einen hohen Lohn, gerade wenn er eh schon qualifiziert ist und einen hohen Grundlohn hat. Aber gleichzeitig ist die Schichtarbeit natürlich auch mit Kindern schwerer in Einklang zu bringen, bedeutet, dass man in der Zeit eher neben der Familie lebt, weil man schläft, wenn sie wach sind und arbeitet, wenn sie schlafen und kann auch Beziehungen stark belasten.

Dass und der Umstand, dass die Berufe dann auch meist eher technisch sind, dürfte dazu führen, dass die Frauen weitaus seltener im Werk arbeiten. Da kaum ein anderer Arbeiter mit den Löhnen mithalten kann kommt es dann eben zu erheblichen Gehaltsunterschieden.

Ich vermute mal, dass die Schichtarbeit in einem Industriewerk den meisten Frauen nicht vorschwebt, wenn sie an den Gender Pay Gap denken. Sie haben eher Führungspositionen vor Augen, einen netten Bürojob. Es dürften weit eher diese Jobs sein, die die Unterschiede herbeiführen.