Abwertung der männlichen Sexualität und Frauen als Objekte

Nick hat gerade in einem Kommentar zwei interessante Punkte angesprochen:

Der zweite dreht sich um „Frauen als Sexobjekte“ und entstammt einem Beitrag von Wendy McElroy:

The assumed degradation is often linked to the ‘objectification’ of women: that is, porn converts them into sexual objects. What does this mean? If taken literally, it means nothing because objects don’t have sexuality; only beings do. But to say that porn portrays women as ‘sexual beings’ makes for poor rhetoric. Usually, the term ‘sex objects’ means showing women as ‘body parts’, reducing them to physical objects. What is wrong with this? Women are as much their bodies as they are their minds or souls. No one gets upset if you present women as ‘brains’ or as ‘spiritual beings’. If I concentrated on a woman’s sense of humor to the exclusion of her other characteristics, is this degrading? Why is it degrading to focus on her sexuality?

Der zweite dreht sich darum, dass Männer genau so zu „Objekten“ gemacht werden, nur eben nicht zu Sexobjekten, sondern zu „Versorgungsobjekten“:

„Ich angel’ mir mal einen Banker, damit ich aus dieser grauen Plattenbausiedlung herauskomme“ wäre keine „objektifizierende“ Sichtweise?

Beide zusammen zeigen meiner Meinung nach schön ein Problem auf:

Männer haben im Schnitt eine andere Vorstellung von Sex, sie ist optischer ausgerichtet und eher auf den Sex ausgerichtet, weswegen der Körper der Frau (oder des anderen Mannes bei Homosexuellen) mehr im Vordergrund steht.

Das wird gerne abgewertet und dabei die Sexualität der Frau, die eher auf Beziehungen ausgerichtet ist, als „richtige Norm“ gesetzt, die eigentlich zu praktizieren ist. Pornos sind schmutzig, Sex einfach so ist schmutzig, nur an einer Frau interessiert sein um Sex mit ihr zu haben ist schmutzig. Meiner Meinung nach eine falsche Sichtweise und sehr nachteilig für Männer.

Diese Sichtweise bringt es dann mit sich, dass Frauen das Gleiche machen, nur auf eine andere Art. Es ist vollkommen okay als Frau einen Banker sexier zu finden als einen Gebäudereiniger oder davon auszugehen, dass der Mann einer Versorgerrolle nachkommt oder wegen der insoweit bestehenden besseren theoretischen Möglichkeiten attraktiver ist.

Die Objektivierung des Mannes fällt letztendlich einfach nicht so auf.

Sperma macht glücklich

Ein interessanter Bericht über die „Zusatzstoffe“ im menschlichen Samen, den ich sehr interessant finde:

An ode to the many evolved virtues of human semen

Now, medical professionals have known for a very long time that the vagina is an ideal route for drug delivery. The reason for this is that the vagina is surrounded by an impressive vascular network. Arteries, blood vessels, and lymphatic vessels abound, and—unlike some other routes of drug administration—chemicals that are absorbed through the vaginal walls have an almost direct line to the body’s peripheral circulation system. So it makes infinite sense, argue Gallup and Burch, that like any artificially-derived chemical substance inserted into the vagina via medical pessary, semen might also have certain chemical properties that tweak female biology. It turns out that this insight, so obvious as to be all but invisible, has been a theoretical gold mine for this hawkeyed pair of adaptation-minded thinkers. But before we jump into their rich vat of seminal theory, let’s have a quick look at some of the key ingredients of human semen. In fact, semen has a very complicated chemical profile, containing over 50 different compounds (including hormones, neurotransmitters, endorphins and immunosupressants) each with a special function and occurring in different concentrations within the seminal plasma. Perhaps the most striking of these compounds is the bundle of mood-enhancing chemicals in semen. There is good in this goo. Such anxiolytic chemicals include, but are by no means limited to, cortisol (known to increase affection), estrone (which elevates mood), prolactin (a natural antidepressant), oxytocin (also elevates mood), thyrotropin-releasing hormone (another antidepressant), melatonin (a sleep-inducing agent) and even serotonin (perhaps the most well-known antidepressant neurotransmitter).

In weiteren Test stellte sich dann auch tatsächlich heraus, dass Frauen, die Sex ohne Kondom haben, weniger Depressionen haben.

Das Beeinflussen der Frau über das Sperma zeigt den „Kampf der Geschlechter“ auf biologischer Seite. Da eh Flüssigkeiten in den Körper der Frau müssen, um die Spermien zu übergeben, ist es naheliegend durch ein paar Zusatzstoffe die eigenen Chancen zu erhöhen, dass die Frau dem Mann gegenüber positiv eingestellt ist, wenn auch nur im geringen Maße (sie wird ja mit den Zusatzstoffen nicht überschwemmt). Die Hormone sind aufgrund der gleichen menschlichen Chemie beim Mann eh alle vorhanden, die Evolution musste sie quasi nur noch in den Samen bekommen. Die Kosten sind minimal, insbesondere, wenn man bedenkt, dass mit jedem Sex die Fortpflanzungswahrscheinlichkeit steigt und eine Bindungswirkung über das Oxytocin hinzukommt.

Interessant ist auch, dass der Artikel dann noch auf Schwule und ungeschützten Analsex eingeht. In einer Befragung hatten Schwule , die dies praktizieren, angegeben, dass sie sich dadurch dem Partner verbundener fühlen. Die damalige Studie ging dann auf die gesellschaftlich hervorgerufene Bedeutung der Übergabe von Sperma als Symbol ein und wie man dies in der AIDS-Bekämpfung berücksichtigen sollte. Auf die biologische Betrachtung, die meiner Meinung nach die Erfahrungen der Schwulen wesentlich besser erklärt, kam man nicht.

Woran man eine gute Freundin erkennt

Das Schöne an einem guten sozialen Zirkel ist, dass er einem neue Möglichkeiten beschert.

Beispielsweise rief mich eine Freundin, mit der ich hin und wieder mal geschlafen hatte, wenn uns beiden danach war, an und plauderte über dies und das. Sie, inzwischen in einer festen Beziehung, meinte, dass wir mal wieder um die Häuser ziehen müssten. Ich stimmte zu, was sie zum eigentlich Kern ihres Anrufs brachte.

Sie: Erinnerst du dich noch an #Große Brüste? Wir waren da mal zusammen auf einer Party.

Ich: Die mit den großen Brusten?

Sie: Ich wusste, dass du das sagen würdest! Aber ja, die.

Ich: Studiert die nicht Theologie auf Lehramt?

Sie: Ja. Aber viel wichtiger: Sie hat sich von ihrem Freund getrennt.

Ich: Schön für sie.

Sie: Ja, ist schon ne Weile her. Sie kommt aber nicht richtig drüber hinweg. Ich hab ihr mal gesagt, dass sie einfach mal etwas leben soll, was mit einem anderen Mann machen soll, damit sie lockerer wird. Aber sie traut sich nicht. Da habe ich an dich gedacht.

Ich: Etwas mehr Respekt bitte! Ich brauche Gefühle und tiefes Vertrauen für Sex! Du lässt es so billig klingen!

Sie: Schon klar. Aber echt, ich habe schon mit ihr darüber geredet und dich empfohlen und sie findet dich sexy. Ich hab ihr gesagt, dass das kein Problem sein würde. Stimmt doch oder?

Ich: Diese blonde Freundin mit dem Pferdezopf, die an deinem Geburtstag da war, ist nicht zufällig auch von ihrem Freund verlassen worden?

Sie: Nun mal nicht gierig werden! Also, übernächstes Wochenende?

Ich: Klar, warum nicht.

Von da an war alles erschreckend einfach. Ich fuhr zu ihr, wir gingen in die Stadt, trafen ihre Freundin, ein paar Negs, etwas Komfortmaterial, viel unverdächtiger Körperkontakt, der problemlos akzeptiert wurde, ein Ortswechsel in eine Kneipe bei ihr in der Nähe, der Hinweis der Freundin „Ach, schon so spät. Wir müssen langsam ins Bett, aber ihr seht ja noch topfit aus, ihr könnt ja noch etwas weitermachen, Nein wirklich, kein Problem und viel Spass noch!“. Kaum war man allein konnte man etwas intensiveren Körperkontakt machen, Knutschen, puh ist das heiß hier, lass uns doch mal raus gehen, ach hier wohnst du ja, zeig doch mal dein Zimmer, mehr knutschen, aufs Bett legen, Sex. Gut, leichte Last Minute Resistance war vorhanden, als es an die Hose ging, aber das ließ sich mit etwas Humor schnell aus der Welt schaffen. Sie musste mir  doch noch ein paar Mal versichern, dass das wirklich nicht s ihre Art war, und das sie wirklich ein anständiges Mädchen war und das das wirklich unter uns bleiben muss. Aber die Kombination von großen jungen Brüsten und dieser Schüchternheit/Unverdorbenheit hatte irgendwie was.

Im Englischen würde man sagen „like shooting fish in a barrel“. Es war auch der erste Sex, den ich auf einem Bett mit einem relativ großen christlichen Kreuz an der Wand hatte.

Männliche Privilegien und weibliche Privilegien: Argumentationsstrukturen

Patrick Pricken hat eine Frage zu weiblichen Privilegien beantwortet:

Männer sind privilegiert. Können auch Frauen im Verhältnis zu Männern privilegiert sein in bestimmten Bereichen? zB Sorgerecht oder der Umstand, dass von ihnen weniger erwartet wird eine Familie zu versorgen?

Frauen könnten privilegiert sein, sind sie aber nicht. Frauen werden möglicherweise in manchen Bereichen bevorzugt, aber den Begriff „Privileg“ verstehe ich als gesamtgesellschaftliches Fazit, wenn man so will. So, wie die Minderheit die Mehrheit nicht unterdrücken kann.

Die Antwort zeigt ein häufiges Argument in der Privilegiendebatte und soll daher hier näher untersucht werden.

Meiner Meinung nach ist bietet die Theorie der Privilegierung insbesondere den folgenden Vorteil:

Die feministische Theorie hatte immer mehr den Nachteil, dass sie nicht darstellen konnte, wie Männer konkret Frauen unterdrücken, weil viele Männer zurecht gesagt haben, dass sie einfach ihr Leben leben und keiner Frau was böses wollen.
Es musste daher ein neues Konstrukt geschaffen werden, dass keine aktive Handlung des Mannes voraussetzt. Dies geschah durch das Privileg.
Der Mann braucht in dieser Konstruktion nicht mehr zu handeln, er erfährt die Vorteile, die die Gesellschaft im aufgrund seines Geschlechts zuweist unabhängig davon, ob er sie will oder nicht.
Demnach ist das Gegenargument, dass man ja gar nichts macht, wertlos, weil man dennoch die Stellung als Mann innehat und selbst gegen seinen Willen die Vorteile hiervon mitnimmt.

In dieser Argumentation kann man nun entweder auf konkrete Privilegien abstellen, wie es auch in verschiedenen Listen gemacht wird. Fragt man sich nunmehr, ob sich die Privilegierung des Mannes in einem bestimmten Bereich auswirkt, dann muss man schauen, ob er in diesem Bereich einen Vorteil hat.

Geht es beispielsweise darum, dass Frauen seltener befördert werden, dann kann man darauf verweisen, dass hier eine Privilegierung besteht und dabei zu einer Auswirkung der Privilegierung kommen. man spart sich damit meist auch eine Begründung, denn die reinen Mehrheitsverhältnisse reichen meist schon aus, um den Punkt als Privileg zu nehmen. Gründe, wie etwa andere Lebensschwerpunkte, andere Berufswahl, die bewusste Entscheidung, dass Leben mehr auf Familie und weniger als Karriere auszurichten, sie alle verblassen hinter dem Begriff Privilegierung, der insoweit eine Form des Derailens sein kann.

Ein weiterer Schritt, den man diskutieren muss, ist, dass die Privilegierungen auf Einzelpersonen herunter gebrochen werden. Das obige Beispiel würde dann wie folgt lauten. „Die konkrete Frau wurde nicht befördert, dass muss daran liegen, dass Männer privilegiert sind und sie nicht“. Auch dies versperrt die Würdigung des Einzelfalls und verallgemeinert unzulässig.

Jetzt folgt Patricks Schritt: Die Privilegierung nicht mehr auf konkrete Fälle abstellen, sondern auf alle Situationen unabhängig vom Einzelfall. Dieser Ansatz hat schon erhebliche Rechtfertigungsprobleme: Nehmen wir an, dass Männer in 100 Bereichen privilegiert sind, Frauen in 99 Bereichen. Dann ist einmal logisch nicht zu erklären, warum die 99 Bereiche wegfallen sollen und zum anderen nicht, warum sich die dann so erreichte Privilegierung umfassend auswirken soll. Zumindest in den 99 Bereichen, in denen Frauen privilegiert sind,  würde es ja wenig Sinn machen, von „privilegierten Männern“ zu sprechen. Gerade nach dieser Betrachtung ist eine Aufteilung nach Bereichen die einzig sinnvolle Vorgehensweise. Die genauen Zahlen spielen dabei letztendlich keine Rolle, um so geringer der Unterschied um so paradoxer erscheint nur das Ergebnis. Eine „Benachteiligungsolympiade“, bei der der mit den meisten Benachteiligungen sich Privilegiert nennen darf, führt jedenfalls nicht weiter.

Eine andere Möglichkeit ist es natürlich weibliche Privilegierung ganz zu leugnen.

Die Art der Verwendung des Privilegienbegriffs deutet eher darauf hin, dass er ein Kampfbegriff ist. Eine wirkliche Hinterfragung der Vor- und Nachteile scheint mir bei den meisten Feministen nicht erwünscht.

Sexuelle Selektion und Vererbbarkeit

Über Heinz bin ich auf einen Artikel in der TAZ von Cord Richmann aufmerksam geworden, in dem es heißt:

Die sexuelle Selektion hat mit Natur nicht viel zu tun. Charles Darwin schrieb eigentlich Kulturgeschichte.

Sexuelle Selektion ist aber mehr als eine Kulturgeschichte. Denn Kultur impliziert, dass man sie frei verändern kann, dass sie nur einem Geschmack darstellt. Dies ist aber so nicht richtig. Viele Merkmale einer sexuellen Selektion starten sicherlich durch Zufälligkeiten und freie Wahl, meist aber stellen sie ein „ehrliches Signal“ im Sinne der Signaling Theorie dar und sind insoweit ein Kennzeichen für die Fitness des jeweiligen Individuums. Nur wenn solche Signale als Attraktivitätsmerkmal bei dem wählenden Geschlecht gespeichert sind, lohnen sich die Kosten für das andere Geschlecht, sie zu produzieren. Handelt es sich nur um eine reine Mode, dann ist die Gefahr zu hoch, dass irgendwann das Merkmal unattraktiv wird und die hohen Investitionskosten sich nicht mehr auszahlen. Der Pfauenschwanz als klassisches Element der sexuellen Selektion ist damit nur erklärbar, wenn die Vorliebe vererbbar ist.

Dies deutet der TAZ-Artikel dann auch im weiteren Verlauf zumindest an:

Das heißt aber nicht, dass sich nicht bestimmte Vorlieben über eine Population verbreiten können und so, über Generationen verfestigt, so etwas wie eine Wahlregel etablieren. Darwin findet sie selbst beim Menschen. Unsere Haarlosigkeit sieht er als ein Produkt genau jenes Vermögens der Wahl, das er bei den Pfauenhennen fand.

Allerdings wird deutlich, dass der genaue Zusammenhang durch den Autor nicht verstanden wurde:

Mit Stärke oder Gesundheit sind diese Merkmale bei Darwin nicht konnotiert. Und wenn man sich an seine Bemerkung über die Plan- und Regellosigkeit des Evolutionsprozesses erinnert, dann kann man aus seinen Gedanken nicht einmal schließen, dass Weibchen immer Männchen wählen müssen oder umgekehrt. Möglich bleibt alles, was sich zur Wahl anbietet. Und die Wahl trifft ein Individuum, keine Art, keine Rasse und auch kein Naturgesetz. In Darwins Konzeption kennt das Vermögen zur Wahl im sexuellen Geschehen keine normativen Vorgaben wie das Gute oder Gesunde. Die Natur verfährt ungeregelter, freier in ihrem Evolutionsprozess, als es die Gesetze der menschlichen Gesellschaften tun. Einfach auch deshalb, weil die sexuelle Selektion kein Naturgesetz ist. Sie kann, muss aber nicht stattfinden.

Die sexuelle Selektion muss zum Zeitpunkt der Entstehung in der Tat nicht stattfinden. Aber in der Evolutionsbiologie werden die Wahlkriterien behandelt, die inzwischen bereits verfestigt sind. Das Merkmal, dass der sexuellen Selektion unterliegt, bleibt damit attraktiv, sofern nicht eine neue Mutation auftritt, die dies ändert. Dass die Wahl damit durch das Attraktivitätsmerkmal beeinflusst wird ist dann quasi ein Gesetz. Das sexuelle Selektion Vererbbarkeit voraussetzt ist in der Biologie auch nahezu einhellige Meinung. Auch sexuelle Selektion beim Menschen muss daher von einer Vererbbarkeit ausgehen. Das Attraktivitätsmerkmal kann nicht plötzlich unattraktiv werden. Pfauenschwanze werden für Pfauenhennen nicht aus der Mode geraten.

Der Blick

Eine Freundin schickt eine Email. Ob ich ihr auf dem Rückweg von der Arbeit etwas vorbeibringen könne, sie sei krank, sie würde auch Kaffee und Kuchen bereitstellen, den Käsekuchen nach dem Geheimrezept ihrer Mutter? Es liegt auf dem Weg und wir haben uns eh eine Weile nicht gesehen. Ich lasse mir versichern, dass der Kuchen frisch ist, dann steht dem Treffen nichts mehr im Weg.

Als sie die Tür öffnet sieht man schon, dass es ihr nicht richtig gut geht. Sie hat ein schwarzes, weiches  Baumwohloberteil und ein paar kurze Shorts an, die Sachen in denen sie sonst immer schläft. Ihr Haar ist nicht geglättet, wie sonst, sondern in einer Naturkrause, die ihr gut steht, die sie selbst aber hasst. Vielleicht weil die Haare zusehr ihre Herkunft betonen und sie eher in der Menge aufgehen möchte, vielleicht weil glatte Haare modischer sind. Würde man die Stunden auflisten, die sie in ihrem Leben mit einem Glätteeisen in der Hand verbracht hat, man wäre erstaunt, wie sie überhaupt noch andere Sachen geregelt bekommt. Ihre Lebenslage ist an ihren Haaren ablesen, kommt sie vom Weg ab, brechen auch die Haare in alle Richtungen auf. Der etwas verschmierte Mascara wäre als weiterer Hinweis gar nicht nötig gewesen.

„Ein neues Glätteeisen stand aber nicht auf der Liste?“ sage ich und reiche ihr die Tüte. Es ist ein Running Gag sie etwas mit ihrem Haar aufzuziehen. „Ich dachte du magst es kraus?“ sagt sie und geleitet mich in die Küche. Die Shorts sind etwas weit, verbergen ihren Hintern, aber ich habe seine runde Form noch gut in Erinnerung. Der dunkle Stoff geht in ihre braunen Beine über.

In der Küche ist der Tisch schon gedeckt. Ich setze mich, sie gibt mir etwas Kuchen. „Keine Sahne?“ „Doch, noch im Kühlschrank.“ Sie holt sie heraus. Wunderbar. Ein leichtes Vanillearoma. Während ich das erste Stück esse schaue ich an, ziehe eine Augenbraue hoch. Sie fängt an zu erzählen. Warum die Männer so sind. Es lief eigentlich alles gut, aber er sei so unzuverlässig! Sie war ein paar Tage krank und er habe sich kein bisschen gekümmert, sei Party machen gegangen und die Nächte auch weg gewesen. Keine Ahnung was er gemacht hat und wo er gewesen sei. Und dann sei er für eine Stunde vorbeigekommen und habe sich entschuldigt, er habe so viel zu tun, er sei eben so, er rede gern mit Leuten und habe die Zeit vergessen. Irgendwie sei das doch auch nicht das richtige oder?

Ich werde mich hüten, mich da einzumischen. Ihn loben könnte kontraproduktiv sein. Ihn runtermachen auch. Sie soll sich selbst entscheiden. Ich zucke die Achseln. „Er verpasst jedenfalls einen guten Käsekuchen“. Sie schmunzelt etwas.  „Macht mich total fertig. Bin heute gar nicht aus dem Bett gekommen“ teilt sie mir dann mit. „Ach tatsächlich?“ Ich schaue einmal an ihr hoch und runter. „Ja, irgendwie ist es nicht mehr wie am Anfang. Ich glaube, heute komme ich aus dem Bett nicht mehr raus.“ Sie schaut nach unten.  Dann geht der Blick langsam hoch, direkt zu mir, in meine Augen. „Machst du heute noch was?“ Und mit diesem Satz sind ihre Augen bei den meinen angekommen und bleiben dort. Sie ist süss, so leicht verheult und verletzlich. Die Augen sind noch etwas größer als sonst und große Augen kann ich schwer widerstehen. Leicht von unten scheinen sie herauf, rufen um Liebe, ein Auflebenlassen des Damals, etwas Bestätigung und versprechen Sex deutlicher als es ihr Mund könnte. Ich kenne diesen Blick bei ihr.

Es wäre einfach sie rüberzuwinken, sie in den Arm zu nehmen und ihr zu sagen, dass alles gut wird, ihr einen Kuss auf die Stirn zu drücken und ihr dann ebenfalls in die Augen zu schauen, wie um ihr Trost zuzusprechen. Dann den Kopf etwas schief legen und einen Millimeter vor rücken und schauen, ob sie es imitiert, die Lippen leicht öffnet. Oder einer der Klassiker: „Würdest du mich gern küssen?“ oder „Du riechst so verdammt gut, es ist echt schwer dich jetzt nicht zu küssen“ Von dort an wäre es so einfach.

Aber Fremdgehen im Freundeskreis ist nicht die beste Option. Gerade Frauen erzählen häufig, zumindest ihren besten Freundinnen. Selbst wenn man selbst schweigt wie ein Grab. Ich habe es selten anders erlebt. Sie ist zu aufgewühlt. Außerdem kenne ich ihn etwas, über sie, wie man Freunde von Freundinnen kennt. Ich habe bei ihm ein paar mal Bier getrunken, bevor wir mit einer Gruppe losgezogen sind. Männerkodex und so.

„Hab gleich noch ein Treffen.“

„Oh….werde wohl noch etwas fernsehen“

„Wird schon wieder. Wenn du noch was brauchst…?“

Wir verabschieden uns. Ich gehe im letzten Sonnenschein nach Hause.

Warum unser Gehirn aus der Steinzeit sein könnte

Die hier vertretene Theorie ist ja, dass unser Gehirn im wesentlichen aus der „Jäger und Sammler Zeit“ stammt. Ein Beleg hierfür ist die Out of Africa Theorie.

Gerade fiel mir ein Grund dafür ein, warum das Gehirn auf diesem Stand stehen geblieben sein könnte:

In der Jäger und Sammler Phase unseres Daseins konnte der einzelne wesentlich weniger Besitz anhäufen als in der Phase der Sesshaftigkeit. Demnach gab es wesentlich weniger Möglichkeiten Besitz anzufertigen und damit auch verschiedene Berufe auszuüben. Es wurde gejagt und gesammelt, es wurde Kleidung und Waffen hergestellt und die Werkzeuge um dies zu tun. Aber, so meine Vermutung, der Mensch war noch wesentlich weniger Spezialist als vorher. Ein Steinzeitmensch konnte nicht darauf vertrauen, dass er der beste zB Lanzenmacher war und die Sippe immer Lanzen gegen Essen tauschen würde. Gerade wenn die Lanzen alle heil waren, das Essen aber knapp, blieb ihm nichts anderes übrig als mit auf die Jagd oder das Sammeln zu gehen, um etwas zu essen zu haben. Demnach waren genetische Veränderungen, die zu einer Verbesserung einer der generellen Fähigkeiten führte, eher in der Lage sich durchzusetzen, denn eine Verbesserung der Brustmuskulatur war für alle, die eine Lanze in ein Tier oder einen Konkurrenten stechen mussten von Vorteil (sofern sie die zusätzlichen Kosten der Unterhaltung aufwogen). Derjenige, bei dem die Mutation auftritt, kann sich vielleicht eine bessere Position in der Gruppe erarbeiten, von der auch seine Nachkommen profitieren, die wiederum, da kräftiger, ebenfalls mehr Nachkommen haben. Demnach breitet sich das Gen aus.

Mit der Sesshaftigkeit, insbesondere Ackerbau und Viehzucht, änderte sich diese Lage aber. Ein Schafhirte musste nicht mehr unbedingt kräftig sein, die Dorfwache aber vielleicht schon. Ein Schreiber brauchte vielleicht mehr Fingerfertigkeit, ein Holzfäller konnte damit aber wenig anfangen.

Jetzt tritt beispielsweise die Mutation auf, die zu einem stärkeren Brustmuskel führt. Tritt sie bei einem Schreiber auf hat er deswegen nicht mehr Kinder. Auch die Kinder, die er hat und die das Gen erhalten, müssen nicht zwangsläufig Schreiber werden, vielleicht werden sie Schafhirte oder Töpferer und haben dann auch nichts von ihren Brustmuskeln, so dass auch sie nicht mehr Kinder haben.  Das Gen ist daher aufgrund der Arbeitsteilung wesentlich schlechter in der Lage sich auszuwirken und kann daher recht schnell wieder von anderen Genen aus dem Genpool verdrängt werden.

Allenfalls könnte eine Menschenunterart „Schreiber“ oder „Holzfäller“ geschaffen werden. Aber aufgrund der Duchmischung ist eine solche klare Linie der Vererbung bei Menschen nicht eingetreten.

Hinzu kommt, dass das Nomadenleben eher „Inseln“ bietet als feste miteinander vernetzte größere Städte. Auch hier können sich Gene besser durchsetzen, da die Durchmischung Mutationen besser aussiebt (weswegen neue Arten eher auf kleinen Inseln oder anderweitig abzugrenzenden Landteilen entstehen).

Der gleiche Mechanismus greift auch beim Gehirn. Auch die dort gespeicherten Fähigkeiten unterliegen der Mutation und der Selektion. Aber bei starker Arbeitsteilung fehlt ein klarer Vorteil, der sich durchsetzen kann. Wenn wir konsequent Menschen in Kasten oder Zünfte eingeteilt hätten, und auch die Söhne und Töchter stets nur den Beruf des Vaters oder der Mutter hätten ausüben dürfen, und das konsequent über einige 10.000 Jahre, dann hätte eine Spezialisierung eintreten können. So war es wohl besser, das alte Programm einfach beizubehalten, denn die Evolution kann nicht einfach aus sich heraus etwas besseres schaffen, sie kann sich nur langsam in eine Richtung entwickeln.

Zu bedenken ist aber auch, dass die Jäger und Sammler Phase erst seit recht kurzer Zeit (aus Sicht der Evolution) vorbei ist. Der Mensch wurde erst vor ca. 15.000 Jahren in der Jungsteinzeit sesshaft. Viehzucht gibt es erst seit ca. 10.000 Jahren. Bedenkt man, dass der Beginn der Altsteinzeit etwa 2,5 Millionen Jahre zurück liegt wird deutlich, dass der Mensch sehr viel mehr Zeit hatte, sich an die Jäger und Sammler Zeit anzupassen, als an die Sesshaftigkeit.