Warum unser Gehirn aus der Steinzeit sein könnte

Die hier vertretene Theorie ist ja, dass unser Gehirn im wesentlichen aus der „Jäger und Sammler Zeit“ stammt. Ein Beleg hierfür ist die Out of Africa Theorie.

Gerade fiel mir ein Grund dafür ein, warum das Gehirn auf diesem Stand stehen geblieben sein könnte:

In der Jäger und Sammler Phase unseres Daseins konnte der einzelne wesentlich weniger Besitz anhäufen als in der Phase der Sesshaftigkeit. Demnach gab es wesentlich weniger Möglichkeiten Besitz anzufertigen und damit auch verschiedene Berufe auszuüben. Es wurde gejagt und gesammelt, es wurde Kleidung und Waffen hergestellt und die Werkzeuge um dies zu tun. Aber, so meine Vermutung, der Mensch war noch wesentlich weniger Spezialist als vorher. Ein Steinzeitmensch konnte nicht darauf vertrauen, dass er der beste zB Lanzenmacher war und die Sippe immer Lanzen gegen Essen tauschen würde. Gerade wenn die Lanzen alle heil waren, das Essen aber knapp, blieb ihm nichts anderes übrig als mit auf die Jagd oder das Sammeln zu gehen, um etwas zu essen zu haben. Demnach waren genetische Veränderungen, die zu einer Verbesserung einer der generellen Fähigkeiten führte, eher in der Lage sich durchzusetzen, denn eine Verbesserung der Brustmuskulatur war für alle, die eine Lanze in ein Tier oder einen Konkurrenten stechen mussten von Vorteil (sofern sie die zusätzlichen Kosten der Unterhaltung aufwogen). Derjenige, bei dem die Mutation auftritt, kann sich vielleicht eine bessere Position in der Gruppe erarbeiten, von der auch seine Nachkommen profitieren, die wiederum, da kräftiger, ebenfalls mehr Nachkommen haben. Demnach breitet sich das Gen aus.

Mit der Sesshaftigkeit, insbesondere Ackerbau und Viehzucht, änderte sich diese Lage aber. Ein Schafhirte musste nicht mehr unbedingt kräftig sein, die Dorfwache aber vielleicht schon. Ein Schreiber brauchte vielleicht mehr Fingerfertigkeit, ein Holzfäller konnte damit aber wenig anfangen.

Jetzt tritt beispielsweise die Mutation auf, die zu einem stärkeren Brustmuskel führt. Tritt sie bei einem Schreiber auf hat er deswegen nicht mehr Kinder. Auch die Kinder, die er hat und die das Gen erhalten, müssen nicht zwangsläufig Schreiber werden, vielleicht werden sie Schafhirte oder Töpferer und haben dann auch nichts von ihren Brustmuskeln, so dass auch sie nicht mehr Kinder haben.  Das Gen ist daher aufgrund der Arbeitsteilung wesentlich schlechter in der Lage sich auszuwirken und kann daher recht schnell wieder von anderen Genen aus dem Genpool verdrängt werden.

Allenfalls könnte eine Menschenunterart „Schreiber“ oder „Holzfäller“ geschaffen werden. Aber aufgrund der Duchmischung ist eine solche klare Linie der Vererbung bei Menschen nicht eingetreten.

Hinzu kommt, dass das Nomadenleben eher „Inseln“ bietet als feste miteinander vernetzte größere Städte. Auch hier können sich Gene besser durchsetzen, da die Durchmischung Mutationen besser aussiebt (weswegen neue Arten eher auf kleinen Inseln oder anderweitig abzugrenzenden Landteilen entstehen).

Der gleiche Mechanismus greift auch beim Gehirn. Auch die dort gespeicherten Fähigkeiten unterliegen der Mutation und der Selektion. Aber bei starker Arbeitsteilung fehlt ein klarer Vorteil, der sich durchsetzen kann. Wenn wir konsequent Menschen in Kasten oder Zünfte eingeteilt hätten, und auch die Söhne und Töchter stets nur den Beruf des Vaters oder der Mutter hätten ausüben dürfen, und das konsequent über einige 10.000 Jahre, dann hätte eine Spezialisierung eintreten können. So war es wohl besser, das alte Programm einfach beizubehalten, denn die Evolution kann nicht einfach aus sich heraus etwas besseres schaffen, sie kann sich nur langsam in eine Richtung entwickeln.

Zu bedenken ist aber auch, dass die Jäger und Sammler Phase erst seit recht kurzer Zeit (aus Sicht der Evolution) vorbei ist. Der Mensch wurde erst vor ca. 15.000 Jahren in der Jungsteinzeit sesshaft. Viehzucht gibt es erst seit ca. 10.000 Jahren. Bedenkt man, dass der Beginn der Altsteinzeit etwa 2,5 Millionen Jahre zurück liegt wird deutlich, dass der Mensch sehr viel mehr Zeit hatte, sich an die Jäger und Sammler Zeit anzupassen, als an die Sesshaftigkeit.

5 Gedanken zu “Warum unser Gehirn aus der Steinzeit sein könnte

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