Oliver Anthony: „Rich Men North of Richmond“: Ein Song für die White Supremacy?

Ein Lied von Oliver Anthony „Rich Men North of Richmond“ finde ich sowohl vom Text her als auch von der medialen Darstellung her interessant:

I’ve been sellin‘ my soul, workin‘ all day
Overtime hours for bullshit pay
So I can sit out here and waste my life away
Drag back home and drown my troubles away

It’s a damn shame what the world’s gotten to
For people like me and people like you
Wish I could just wake up and it not be true
But it is, oh, it is

Livin‘ in the new world
With an old soul
These rich men north of Richmond
Lord knows they all just wanna have total control
Wanna know what you think, wanna know what you do
And they don’t think you know, but I know that you do
‚Cause your dollar ain’t shit and it’s taxed to no end
‚Cause of rich men north of Richmond

I wish politicians would look out for miners
And not just minors on an island somewhere
Lord, we got folks in the street, ain’t got nothin‘ to eat
And the obese milkin‘ welfare

Well, God, if you’re 5-foot-3 and you’re 300 pounds
Taxes ought not to pay for your bags of fudge rounds
Young men are puttin‘ themselves six feet in the ground
‚Cause all this damn country does is keep on kickin‘ them down

Lord, it’s a damn shame what the world’s gotten to
For people like me and people like you
Wish I could just wake up and it not be true
But it is, oh, it is

Livin‘ in the new world
With an old soul
These rich men north of Richmond
Lord knows they all just wanna have total control
Wanna know what you think, wanna know what you do
And they don’t think you know, but I know that you do
‚Cause your dollar ain’t shit and it’s taxed to no end
‚Cause of rich men north of Richmond

I’ve been sellin‘ my soul, workin‘ all day
Overtime hours for bullshit pay

Es ist ein Lied, dass recht offensichtlich klassische linke Themen anspricht. Der arme Arbeiter, der ausgebeutet wird, die reichen Eliten, die ein Interesse daran haben ihn klein zu halten und weiter ausbeuten zu können.
Es ist der alte Kampf derer unten gegen die oben.
Dennoch ist die Darstellung anders:
„Rich Men North of Richmond“: Ein Song für die White Supremacy stürmt die US-Charts

n der Tradition der amerikanischen Volksmusik stellen die Songs eine Art Diagnose der Gesellschaft”, findet Lüthe. Sicherlich behandle der Song von Anthony aktuelle sozio-ökonomische Problematiken des Landes, die einen Nerv treffen – insbesondere den Nerv einer eher konservativen Gruppe.

In einer digitalen Welt schaffe der Song auch „in Windeseile seine eigene Popularität durch das Teilen dieser Gruppe zu multiplizieren.“

Anders als in Deutschland sei in den USA typischer die Assoziation eines Genres zu einer bestimmten politischen Richtung. Obwohl das Genre Folk-Blues-Country zwar vielfältige Wurzeln, sowie Einflüsse von afroamerikanischen Idiomen habe, sei es mittlerweile in die in diesem Fall dargeboten Form durchaus ein typisches Genre für weiße Männer.

Einige politische Akteurinnen haben sich zu dem Song geäußert und sogar Bezeichnungen gegeben wie: „Der Song spricht aus der amerikanischen Volksseele“, so Lüthe. Daher sei davon auszugehen, dass einige von ihnen durchaus kalkulieren, dass „Popkultur Stimmungswandel hervorbringen kann.“

Auf der Seite findet sich noch ein Podcast von 15 Minuten, der mehr in die Tiefe gehen wird, den ich aber nicht gehört habe, aber man würde ja erwarten, dass der Text wesentliche Argumente wiedergibt.

Und die sind anscheinend: Ein weißer Mann singt etwas und die Musikrichtung ist typisch für weiße Menschen und außerdem finden konservative das Lied gut – also ist es anscheinend rechts.

Das ist ein wirklich gewagter Gedanke aus meiner Sicht, den man eigentlich nur teilen kann, wenn man den „Klassenkampf“ so nicht mehr als klares Ziel einer linken Politik sieht. Und das ist ja in der Tat ein ganz wesentliches Element der intersektionalen Theorien: Klasse spielt keine Rolle mehr, Hautfarbe und Geschlecht, Behinderungen oder Transsein sind wesentliche Gruppen – und die kommen eben in dem Lied nicht vor.

Wenn man etwas suchen wollte, was man in dem Text gegen (gegenwärtige) Linke Theorien anführen wollte, dann wäre es vielleicht, dass sie „totale Kontrolle“ haben wollen, was gut auf die Intersektionalen Theorien passt, aber ansonsten? Diese Zeile hier ist vielleicht noch etwas rechter:

Lord, we got folks in the street, ain’t got nothin‘ to eat
And the obese milkin‘ welfare

Well, God, if you’re 5-foot-3 and you’re 300 pounds
Taxes ought not to pay for your bags of fudge rounds

Kommunisten würden andererseits vielleicht unterschreiben:
Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen! Und wer zu dick ist verbraucht über seinen Bedürfnissen.

Aber das könnte man natürlich als Kritik am Sozialstaat sehen, wobei er ja das Geld anscheinend für die verwenden will, die gar nichts zu essen haben.

Deutschlandfunkkultur meint:

Ein Song für abgehängte weiße Männer

Oliver Anthony ist mit dem Song „Rich Men North Of Richmond“ an der Spitze der US-Charts gelandet. Der Überraschungshit bedient lauter Ressentiments, wäre der perfekte Wahlkampfsong für Donald Trump – und ist nicht der erste Country-Titel dieser Art.
Das Musikvideo zu dem Country-Folk-Song, der in den USA offenbar einen Nerv getroffen hat, ist ein simpler Clip einer Live-Session: Ein weißer Mann mit rotem, zauseligen Vollbart steht mit seiner Akustikgitarre mitten im Wald. Er habe seine Seele verkauft, den ganzen Tag gearbeitet, Überstunden gemacht, sei mies bezahlt worden, singt er klagend. Wer ist schuld an seiner Misere? Die „Rich Men North Of Richmond“, so der Titel des Songs: Das lyrische Ich ist wütend auf die reichen Eliten, die Politiker in Washington D.C.. Die Hauptstadt der USA liegt nördlich von Richmond, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Virginia.

Der bis vor Kurzem völlig unbekannte Musiker Oliver Anthony steht mit „Rich Men North Of Richmond“ auf Platz 1 der Billboard Charts. Erstmals gelang dies einem Interpreten, der zuvor noch nie in irgendeiner Billboard-Hitparade aufgetaucht war. Der Song wurde in weniger als einer Woche 17,5 Millionen Mal gestreamt, das einfach gehaltene Musik-Video ging viral. Auf Youtube zählt es knapp zwei Wochen nach Veröffentlichung 34 Millionen Aufrufe.

(…)
In den USA wird Oliver Anthonys Hit von Politikern der Republikaner und Medien wie Fox News gefeiert. Denn der Song, dessen Text zunächst wie eine linke Arbeiterhymne beginnt, ist tatsächlich ein Protestsong, der konservative bis erzreaktionäre Narrative aufgreift. „Wenn Donald Trump bei der nächsten Wahl für die amerikanische Präsidentschaft antritt, dann hat er auf jetzt schon den perfekten Wahlkampfsong“, sagt der Autor und Literaturwissenschaftler Florian Werner.

Denn neben dem Hass auf die Eliten, der schon im Songtitel auftaucht, bediene der Song Verschwörungsmythen, Ressentiments und trete „ordentlich nach unten“, indem er die Figur der „Welfare Queen“ aufgreift: Oliver Anthony beschreibt Sozialhilfeempfängerinnen als sehr dicke Frauen, denen der Staat die Schokokekse bezahle. Die Trope der „Welfare Queen“ wird in den USA als alleinerziehende, zumeist schwarze Sozialhilfeempfängerin verstanden, ohne dass dies explizit gesagt werden muss. „Es ist ein rassistischer und auch sexistischer Song“, so Werner.
Davon angesprochen fühlten sich unterprivilegierte weiße Männer. Werner weist darauf hin, dass im Hintergrund des Musikvideos auch mal wie beiläufig ein Klappstuhl mit Bierdosenhalter und ein Jadgsitz mit Tarnnetz zu sehen seien. „Da schillert ein kulturelles Milieu durch, in dem man gerne mal ein großes Miller Lite aus der Bierdose trinkt und Schusswaffen schätzt.“

Das ist immerhin mal etwas konkreter. Wobei es auch genug dicke weiße Sozialhilfeempfänger gibt, ich hätte das jetzt nicht auf Schwarze bezogen, aber da fehlt mir vielleicht auch der kulturelle Hintergrund. Die Einordnung verkennt aber, dass er ja gleichzeitig nicht einfach den Sozialstaat kürzen möchte, sondern eine Verteilung an Bedürftigere (Leute die gar nichts zu essen haben) anregt. Wären die in den USA nicht auch eher schwarz?

Beobachter erkennen in dem Erfolg von „Rich Men North Of Richmond“ einen Trend: Die politische Rechte in den USA versuche immer stärker, Musik und Filme mit konservativen Inhalten gezielt zu fördern. Zur Zeit sind solche Songs in den amerikanischen Charts und Debatten auf jeden Fall sehr präsent: Vor Oliver Anthonys Lied schaffte es Anfang August bereits ein anderer, ebenfalls umstrittener Country-Song auf Platz Eins der Charts: „Try That In A Small Town“ von Jason Aldean.
Der Song, der alles Übel in der Großstadt verortet und das Kleinstadtleben idealisiert, geriet in die Diskussion, da das dazugehörige Musikvideo am Ort eines rassistischen Lynchmordes gedreht wurde. Im Zusammenspiel von Video und Songtext sahen Kritiker einen Aufruf zu rassistischer Selbstjustiz.

Das Bild „der gefährlichen, außer Kontrolle geratenen Großstadt als Feind und Gefahr für die schöne, friedliche Kleinstadt“ sei tief in der amerikanischen Kultur verwurzelt, sagt Charles Hughes, Historiker am Rhodes College in Memphis, Tennessee, und Autor des Buchs „Country Soul: Making Music And Making Race in the American South“. Diese anti-städtischen Ressentiments, die in Country-Songs immer wieder auftauchen, seien Teil einer rassistischen Tradition, die bis zum Bürgerkrieg zurückreiche: Als ehemals versklavte, schwarze Menschen in die Städte der USA zogen, machten sie diese angeblich zu gefährlichen, unwirtlichen Orten.

Das wirkt auf mich sehr weit hergeholt. Die Differenz Großstadt – Land gibt es ja auch in Deutschland ohne das man dort ehemalige Sklaven hatte, die in die Großstädte gezogen sind. Eher dürfte es da ja um eine andere Form des Zusammenhalts und weniger Anonymität gehen.

Dass Country-Musik von solchen Ressentiments geprägt ist, findet Hughes nicht überraschend, denn Country sei ein Produkt der USA und einer von Weißen dominierten Musikindustrie. „Deshalb sieht man dort oft die gleichen Rassismen wie in der Kultur, die das Genre hervorgebracht hat“, so der Historiker. „Das hat der Country aber nicht exklusiv – Rock’n’Roll und andere Musik-Genres haben ein ähnliches Problem.“
Bei seiner Analyse, warum „Try That In A Small Town“ so erfolgreich ist, kommt auch Hughes auf Donald Trump zu sprechen. Die Essenz des Songs sei dieselbe wie die des Slogans „Make America Great Again“. Er glaubt: „Es wird immer einen Markt geben für die Angst weißer Menschen vor gesellschaftlichen Veränderungen.“

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie man alles mit „Rasse“ aufladen kann und das dann ein Totschlagargument ist.

Selbermach Mittwoch

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SheraSeven und „weibliches Pickup“

Gestern hatte Arne einen Bericht zu Shera Seven, die eine Art weibliches Pickup betreibt, in dem es anscheinend darum geht sich einen reichen Mann zu angeln.

Ich habe daraufhin auch mal nach einem Artikel über sie gesucht:

SheraSeven hat einen Ausdruck in Umlauf gebracht: «Sprinkle, Sprinkle!» Was das übersetzt genau bedeutet, ist schwierig zu sagen. Was darunter zu verstehen ist, kann man sich hingegen gut zusammenreimen.

12 Milliarden Aufrufe auf TikTok

Die selbsternannte «Finanz-Beraterin» ist auf ihrem YouTube-Kanal seit gut zehn Jahren aktiv. Zu Beginn erhielten ihre Videos noch kaum Klicks. Man sieht dort eine Frau, die sich einfach gerne aufnimmt, während sie spricht – über Freundschaften, den Vollmond, Ernährung oder Kanye West und Kim Kardashian. Anzahl Klicks: zwischen 4000 und 20’000.

Doch SheraSeven, mit richtigem Namen Leticia Padua, hat nicht aufgegeben. Videos, die sie ein paar Jahre später aufnahm, erhielten zehntausende, danach teils mehrere hunderttausend Klicks. So richtig berühmt hat die US-Amerikanerin allerdings erst TikTok gemacht – obwohl sie selbst keinen Account hat. Ausschnitte aus ihren Videos werden dort massenhaft weiterverbreitet und geklickt. Alle Clips, die von SheraSevens YouTube-Kanal stammen, haben zusammen fast 20 Milliarden Aufrufe erreicht, und es werden täglich mehr.

Sie scheint also ein erhebliches Publikum zu haben. Natürlich kann es sein, dass sich Leute Videos auch anschauen, weil sie kontrovers sind, aber ich vermute mal der Traum davon sich einen statushohen/reichen Mann zu angeln ist für viele Frauen durchaus attraktiv.

Wie Frauen an reiche Männer kommen

Ihre Videos seien nicht für alle, sagt SheraSeven einmal, und wenn man sich unwohl fühle, solle man doch etwas schauen, das einem ein wohliges Gefühl gibt. Sie selbst rät Frauen über 25, sich ältere, wohlhabende Männer zu suchen, mit ihnen auszugehen und psychologische Spiele zu spielen, um sie am Ende um den Finger zu wickeln. Der Grundstein: Männer seien von Natur aus dazu da, zu geben und für Frauen zu sorgen. Frauen seien von Natur aus dazu da, zu nehmen und umworben zu werden. Das Ziel: als Frau nicht selber zu arbeiten, sondern einen Mann an sich zu binden und ihn arbeiten zu lassen.

Das ist ja geradezu eine klischeehafte Umkehr der „männlichen Pickups“ in dem es (zumindest im ersten Schritt) um Sex geht. Dass Männer eher Sex suchen und Frauen eher Bindung und Versorgung wäre mit evolutionärer Theorie gut zu vereinbaren.

Wie das geht? Die Frauen sollen zum Beispiel ihre Unsicherheiten vor potenziellen Partnern verstecken und überspielen. Sie sollen den Männern sagen, was sie hören wollen, sich aufschreiben, was sie über sich erzählen, und die Dinge beim hoffentlich nächsten Date «subtil erwähnen».

Es wäre interessant mal eine gute Auswertung ihrer Ratschläge zu sehen. Ich kann e schlecht einschätzen und denke dabei auch immer daran, wie schlecht „Pickuptechniken“ oft in Berichten dargestellt werden, weil es oft nur um bestimmte Punkte geht, die sich gut als Aufreger darstellen lassen, etwa der „Neg„, der oft vollkommen falsch als Beleidigung dargestellt wird, den man gegenüber jeder Frau verwenden soll und nicht als etwas, dass bei einer sehr hübschen Frau verwendet wird um mit einem gewissen Desinteresse deutlich zu machen, dass einem ihre Schönheit nicht beeindruckt. 

Die «weibliche Andrew Tate»

Frauen sollten des Weiteren auch nicht mehr als fünf bis zehn Wörter in ihren Sätzen benutzen, damit der Mann weiterhin zuhört und auch zu Wort kommt.

Interessanter Tipp. Fühlt sich der Mann dann verstanden und hat insbesondere das Gefühl, dass sie wirklich an dem interessiert ist was er sagt?

Und, wichtiger Punkt: Als Frau sollte man niemals den Mann um Geld fragen, sondern ihn dazu bringen, dieses selbst anzubieten.

Auch hier wären die konkreten Tipps natürlich interessant. Wie verdeckt man, dass man stark an dem Geld interessiert ist? Klar wäre da die Bitte um Geld schädlich. Wahrscheinlich lockt man damit, dass ihn dafür belohnt, dass er so großzügig ist und betont wie toll man ihn findet?

Sobald sie einen Mann an sich gebunden haben, sollten Frauen darauf drängen, dass er für alle Rechnungen und Ausgaben im Haushalt aufkommt. Männer ohne Geld sind hingegen nichts wert, ihnen sollte keine Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Klar, das macht bei dem Ansatz Sinn. Und natürlich wäre die Frage, was mit „ohne Geld“ gemeint ist. Das wird dann vermutlich auch davon abhängen, was die Frau an Partnern gegen die weibliche Konkurrenz erreichen kann.

Dafür gibt es von SheraSeven zahlreiche Tipps, wo und um welche Uhrzeit frau die reichsten Männer finden kann.

Das ist vermutlich schon einmal ein wichtiger Tipp: Dasein. Es ist für reiche Männer ja auch gar nicht unbedingt so ratsam mit einer überaus hübschen Frau zusammen zu sein, wenn sie selbst nicht gut im Flirten sind und evtl nicht gut aussehen. Zuckerberg etc zeigen das.

Um zu ihrem Ziel zu kommen, sollen Frauen Männer mit umgekehrter Psychologie (auf Englisch: reverse psychology) manipulieren. Damit ist eine Art psychologischer Manipulation gemeint, bei der man jemanden dazu bringt, das zu tun, was man will, indem man die Person auffordert, das Gegenteil zu tun. Weil der Begriff der umgekehrten Psychologie unter anderem durch den misogynen Hate-Influencer bekannt wurde, wird SheraSeven gerne auch als die «weibliche Andrew Tate» bezeichnet.

Das geht natürlich wenig ins Detail. Wenn es darum geht, dass man Männer herausfordert, indem man meint, dass sie etwas gar nicht können oder man meint, dass es zuviel sei, wenn sie etwas machen würden, dann spricht das sicherlich bei einigen den Ehrgeiz an es zu machen.

Keine Hausfrauen aus den 50er Jahren

Auch wenn diese Ideologie stark an das stereotypische Bild der Hausfrau aus den 50er Jahren erinnert, so stimmt das nicht ganz: SheraSeven behauptet nicht, dass Frauen im Gegenzug für finanzielle Unterstützung häusliche Pflichten wie Kochen, Putzen und Kindererziehung übernehmen müssen. Ein wohlhabender Mann kann Leute einstellen, die seiner Frau dabei helfen. Sie selbst hingegen ist dazu da, schön auszusehen und angebetet zu werden. «Vermutlich ist es das, was ihr Evangelium so attraktiv macht», schreibt Kimberly McIntosh vom britischen «Guardian».

Sie scheinen also etwas zu suchen, was man moderner als einen „Simp“ bezeichnet. Das kann natürlich durchaus eine weibliche Fantasie sein, der Mann oder gar Männer, die alles für sie tun und sie umschwärmen „wie Motten das Licht“ (es ist ja umgekehrt auch eine männliche Fantasie, dass alle Frauen einen wollen). Wobei viele Frauen sicherlich auch mit einem Simp gar nicht so zufrieden wären, es dürfte eher eine bestimmte Art von Frau sein, die an sich dominant ist und Spass daran hat, dass der Partner sie vergöttert.

Ist die ökonomische Stagnation Schuld?

Klar, viele mögen sich nun denken: Wenn eine Frau weit weg in den USA solche Dinge erzählt, die für viele Menschen diametral dem widerspricht, was sie glauben oder wofür sie lange gekämpft haben, wäre es doch eigentlich das Beste, gar nicht über sie zu berichten und ihr damit auch keine Plattform zu geben.

Doch das «Evangelium», wie es McIntosh bezeichnet, zieht immer mehr junge Frauen an. Es ist offenbar so erfolgreich, dass viele begonnen haben, ihre eigene Suche nach einem Mann zu dokumentieren und ihr Publikum auf dem Laufenden zu halten, während sie dem Rat der amerikanischen YouTuberin folgen.

Warum ist das so? Die wachsende Popularität solcher Influencerinnen hänge «sicherlich mit der wirtschaftlichen Stagnation, hohen Rechnungen und prekären Arbeitsverhältnissen zusammen», erklärt sich McIntosh das Phänomen. Das gilt derzeit natürlich vorwiegend in den USA und Grossbritannien: Statistiken zeigten, dass immer mehr Erwachsene in England und Wales aus Geldgründen bei ihren Eltern leben, so die «Guardian»-Journalistin. «Der reale Wert des Nettoeinkommens ist seit Mai 2022 gesunken, wobei die jüngsten Arbeitnehmenden die grössten Reallohnverluste hinnehmen mussten.»

Den Ausweg aus wirtschaftlich schwierigen Zeiten in einem Mann zu sehen ist ja nichts neues. Ein Beispiel wäre zB das Märchen von Aschenputtel, welches aus schlechter Lage als ausgebeutete Haushaltshilfe mittels eines Mannes in die High Society aufsteigt. Und der Prinz der sich unsterblich verliebt ist ja auch in genug anderen Märchen vorhanden. Eine modernere Version wäre Christian Grey, der „Prinz“ in der moderneren Gestalt eines Milliardärs in Fifty Shades of Grey, der ihr eine komplett Versorgung anbietet, aber gleichzeitig noch eine gewisse Dominanz besitzt, obwohl er ihr komplett verfallen ist. 

Dazu passt, dass sich die Influencerin selbst als Anbieterin von finanziellen – und nicht romantischen – Ratschlägen bezeichnet. Sie würde niemals einen YouTube-Kanal eröffnen, um anderen Menschen Tipps über «reale Beziehungen», die sich nicht um Geld drehen, zu geben – schliesslich gründeten am Ende alle Beziehungen auf Macht, sagt SheraSeven in einem Video.

Und die Idee, dass Frauen in einer Beziehung Macht haben und diese dazu nutzen, dass der Mann der Versorger ist, ist ja auch wirklich nichts neues – zumindest außerhalb des Feminismus.

Einer Userin antwortet sie einmal auf deren Kommentar, wonach sie keine Lust habe, einen älteren Mann zu daten: Sie selbst hätte auch keine Lust, acht Stunden am Tag bis zum Umfallen zu arbeiten. «Entscheide dich für einen Kampf!»

Ihre Gefolgschaft scheint sich offenbar mehrheitlich entschieden zu haben.

Das ist ja durchaus eine interessante Aussage auf die man vielleicht noch einmal zurück kommen kann

Kindergrundsicherung

Die Ampel scheint sich jetzt wohl auf ein Konzept zur Kindergrundsicherung geeinigt zu haben. Aber so richtig ist den meisten denke ich nicht klar, was das eigentlich in der Praxis genau ist.
Ich habe mal das hier gefunden:

Wie soll die Grundsicherung aussehen?

Kindergeld, Kinderzuschlag, Leistungen aus dem Bürgergeld und der Sozialhilfe: In Deutschland gibt es eine Vielzahl finanzieller Leistungen des Staates für Familien. Das macht es für Betroffene oft unübersichtlich. Die Kindergrundsicherung soll ab 2025 bestehende Leistungen zusammenfassen. Dadurch sollen auch Familien erreicht werden, die bisher wegen bürokratischer Hürden oder Unkenntnis die ihnen zustehenden Gelder nicht abrufen.

Die Kindergrundsicherung soll aus zwei Bestandteilen bestehen: einem einkommensunabhängigen Garantiebetrag und einem nach Alter gestaffelten Zusatzbetrag, der vom Einkommen der Eltern abhängt. Der Garantiebetrag soll statt des Kindergelds gezahlt werden. Volljährige Kinder sollen ihn selbst erhalten können.

Darüber hinaus soll es nach Alter der Kinder und Einkommen der Eltern gestaffelte Zusatzbeiträge geben, die die jeweiligen Bedarfe berücksichtigen. Ziel sei es, dass „alle Kinder und Jugendliche profitieren und ihre Ansprüche ohne bürokratische Hürden geltend machen können“, heißt es in der Einigung der Ampelkoalition.

Gibt es mehr Geld für Familien?

Zu den Kosten der Kindergrundsicherung heißt es: Für die Zusammenführung der Leistungen sowie Verwaltungskosten sind 2,4 Milliarden Euro vorgesehen. Zu möglichen konkreten Erhöhungen von Leistungen im Zusammenhang mit der Einführung der Kindergrundsicherung gibt es aber keine Aussagen.

Durch eine Neuberechnung des soziokulturellen Existenzminimums würden sich aber Regelbedarfe in der zweiten Säule der Kindergrundsicherung – dem sogenannten Zusatzbetrag – erhöhen. Konkrete Daten lägen hierzu erst nach Berechnungen durch das Statistische Bundesamt vor. Das sei eine Verbesserung, erklärte Familienministerin Lisa Paus.

Es werde jedoch keine generellen Leistungserhöhungen geben, betonte Finanzminister Christian Lindner. Er wolle vor allem Anreize setzen, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen, sagte der FDP-Politiker.

Wie kann die Kindergrundsicherung beantragt werden?

Die Kindergrundsicherung soll online beantragt werden können. Zuständig sein soll der „Familienservice der Bundesagentur für Arbeit“. Die Familienkassen sind bereits heute etwa für die Auszahlung des Kindergelds zuständig. „Damit werden alle Kinder unabhängig von dem Erwerbsstatus der Eltern gleichbehandelt und Stigmatisierungen verhindert“, so heißt es im Einigungspapier der Ampelkoalition.

Außerdem soll es einen „Kindergrundsicherungs-Check“ geben, womit Eltern einfach überprüfen können, ob eine Familie Anspruch auf den Kinderzusatzbetrag hat.

Aus familienrechtlicher Sicht wäre insbesondere interessant, wie diese Zahlungen sich zu Unterhalt verhalten. Kindergeld wird ja laut der Düsseldorfer Tabelle hälftig auf den Unterhalt angerechnet, damit beide Eltern davon profitieren. Wird das bei den „Zusatzzahlungen“ genau so sein?

Oder ist es eher wie bisherige Leistungen des Sozialamtes bzw der Arbeitsagentur und in der Höhe in der Sozialleistungen ersetzt werden geht der Anspruch auf Unterhalt gegen den Unterhaltspflichtigen auf das jeweilige Amt über?

 

Diskrimierung eines Mannes durch seine Chefin durch Sprüche wie „Man up“ etc

Über Arne habe ich diesen Artikel zu einer gewonnenen Klage eines Mannes wegen Diskriminierung gefunden:

The only male member of an NHS health visitor team has won a sex discrimination case after his female boss told him to ‚man up‘ in front of a room full of women.

Senior manager Lisa Sanchez deliberately excluded Pete Marsh when saying ‚goodbye ladies‘ as she was leaving a meeting because of a ‚growing animus‘ towards him, an employment tribunal ruled.

Das ist auch ein gutes Beispiel, dass nicht ein Geschlecht Macht hat (wie es ja die intersektionalen Theorien gerne annehmen) sondern Leute in hohen Positionen Macht haben über Leute, die ihnen untergeordnet sind.

Mr Marsh – who has worked in the health service for more than 20 years – said he had grown tired of being the ‚butt of jokes‘ about being the only man in the team.

The tribunal ruled that this culture had been tolerated by bosses including head of service Ms Sanchez, who was found to have joined in with the remarks.

Now, after his internal complaints of bullying were rejected, Mr Marsh has successfully sued the NHS for sex discrimination and is in line for compensation.

(…)

In May 2016 he became an accredited Unite trade union workplace representative.

Two years later he was involved in an altercation with a female nursery nurse on the team who had ignored his request to help her.

This resulted in her making a complaint about him which led to mediation between the pair.

The Manchester tribunal heard that this mediation was carried out by Ms Sanchez and Mr Marsh felt she had sided with the nursery worker against him and emailed her afterwards to express his dissatisfaction.

This ‚irritated‘, Ms Sanchez, the tribunal heard.

Gut, da fehlen jetzt einige Details, so dass man nicht weiß, wer hier die Fehler gemacht hat oder wer sich wie verhalten hat.  Hat sie ihm nicht geholfen weil sie ihn nicht mochte, weil er ein Mann war oder weil sie schlicht selbst genug zu tun hatte? Vielleicht gab es nachvollziehbare Gründe dafür, dass sie das nicht wollte und deswegen stellte man sich auf ihre Seite. Vielleicht aber eben auch nicht.

At a staff meeting soon afterwards to discuss a plan for increasing the workload of clinics with no increase in time, the hearing was told Ms Sanchez demanded in an ‚aggressive and confrontational‘ style which staff were a member of ‚Pete’s Union‘.

‚The tribunal considered Ms Sanchez‘ approach was intentionally divisive and intimidatory,‘ the panel said. ‚The implication was that staff were to be seen as either in Pete’s Union or not, and became about taking sides.‘

Mr Marsh claimed that at a meeting in July 2018 Ms Sanchez said hello to every female staff member by name on entering and on leaving said: ‚Goodbye ladies‘, ignoring him entirely.

Vielleicht mochten sie ihn auch lediglich nicht als Gewerkschaftssprecher und da er der einzige Mann war war es leicht dort die Grenze zu ziehen.

In February 2019, the tribunal heard, a team meeting where concerns about poor staff morale were raised descended into a heated row involving Ms Sanchez and Mr Marsh.

Mr Marsh was the only man in the room with ten female colleagues, the panel heard.

‚The atmosphere in the meeting became tense,‘ the hearing was told. ‚There was a five-minute break after which the discussion got out of hand, with most team members involved.

‚[Mr Marsh] complained he was being blanked. Ms Sanchez declared that the behaviour of the team was „childish“ and needed to stop and that the team needed to adopt professional behaviour and to respect Trust values.

‚Ms Sanchez also said that people could only speak when spoken to. [Mr Marsh] objected to this and went to leave the meeting, saying Ms Sanchez needed to sort herself out.

‚In reply, Ms Sanchez told [him], „you need to man up“.

Das wäre ja dann in der Tat ein klassisches vorhalten der Geschlechterrolle – er soll eben ein echter Mann sein.
Wäre interessant, ob es auch als allgemeine Redewendung gegenüber Frauen verwendet wird oder nur Männern gegenüber.

‚The tribunal considered that her remark was said in heat of the moment and was unprofessional. Ms Sanchez lost her temper and should have closed the meeting rather than attack [Mr Marsh] verbally as she did.‘

The tribunal was told Mr Marsh complained about how he had been spoken to at the meeting by Ms Sanchez.

‚[He] said he felt bullied by Ms Sanchez. He also said that, as a lone male in the workplace, he felt that he took a lot of abuse that he would like to challenge but did not, but that he drew the line at being told that he could only speak when spoken to,‘ it said.

Das wäre ja auch ein klassisches Argument in der Geschlechterdebatte „Ich war alleine unter Männern/Frauen und deswegen fühlte ich mich besonders unwohl und konnte mich nicht wehren“.

The tribunal heard that while Ms Sanchez admitted regretting the remark she had never apologised for it.

Mr Marsh went off work with stress and in May submitted a ‚Dignity at Work‘ complaint about bullying and harassment by several staff including Ms Sanchez.

The tribunal heard the Trust then launched an ‚entirely ineffective‘ investigation into the health visitor team which eventually dismissed Mr Marsh’s concerns and concluded the whole team needed to develop ‚emotional resilience‘.

In November 2019 Mr Marsh moved to a different health visitor team and in April 2020 launched tribunal proceedings against his employers, claiming sex discrimination, trade union detriment and disability discrimination.

man könnte sich durchaus vorstellen, dass es gerade auch gedeckt worden ist, weil er ein Mann ist. Bei einer Frau die immer wieder in einer Gruppe von Männern Witze über sich ergehen lassen müsste hätte man vielleicht mehr Angst gehabt, dass sie klagt und man dann schlecht darsteht.

Upholding a number of his sex claims, the panel – chaired by Employment Judge Marion Batten – ruled that Mr Marsh had been discriminated against.

‚The tribunal accepted [his] evidence that he had often been the butt of jokes or remarks about being the only man in the team or about his sex.

‚He gave evidence that such comments were at time innocuous but he had grown tired of them and was on occasion irritated by the fact that his sex was highlighted unnecessarily.

‚The tribunal found that this culture, and approach to [Mr Marsh] was tolerated by his immediate management who took no steps to deter [his] colleagues and Ms Sanchez herself has been shown to have participated in such commentary.‘

The ‚man up‘ remark was not only unprofessional it was ‚less favourable treatment‘ due to Mr Marsh’s sex, the panel found.

Of the ‚Goodbye Ladies‘ salutation, the tribunal said: ‚At best this might be a thoughtless comment but for a senior and experienced manager in the NHS, the tribunal would expect better.

‚In the context of Ms Sanchez’s developing animus towards [Mr Marsh], the tribunal found she was well aware of his presence at the time of her comment.

‚In those circumstances, the tribunal considered on a balance of probabilities that Ms Sanchez had said „Ladies“ and that it was deliberate.

‚In reaching this conclusion, the tribunal took into account that the incident came after the mediation, which Ms Sanchez believed had gone well. However, [Mr Marsh] did not agree.

‚He remained unhappy and had complained, which then irritated Ms Sanchez. She acted to [Mr Marsh’s detriment] and treated him less favourably because of his gender, excluding him by her remark upon leaving.‘

Mr Marsh was also discriminated against by female colleagues who made false complaints against him.

Ich habe keine Ahnung, wie das Schadensersatzrecht in solchen Fällen in der UK ausgestaltet ist. Wahrscheinlich nicht so radikal wie in den USA.

Wäre interessant, wenn man nach diesem Fall in dem Krankenhaus eine Art „Senistivitätstraining“ planen würde in dem weibliche Angestellte lernen Männer nicht diskriminierend zu behandeln. Würde vermutlich nicht in die Kurse der wokeren Trainer passen.

In addition, Ms Sanchez was found to have treated him unfairly in relation to his role with Unite by asking the ‚Pete’s Union‘ question, the tribunal found.

His disability claim was dismissed, however. Mr Marsh’s compensation will be decided at a later hearing.

Das nur zur Vollständigkeit

„Warum es Frauen nicht nötig haben, mit Luxusuhren anzugeben“

Der Anfang eines Artikels beim Spiegel:

Warum es Frauen nicht nötig haben, mit Luxusuhren anzugeben
Die Uhrenkolumne von Felix Dachsel
Ich treffe eine ehemalige Topmanagerin, die eine Crazy Hours von Franck Muller trägt – eine Uhr für den zweiten Blick. Wir reden über weibliche Zurückhaltung und männliche Angeberei.

Der Rest des Artikels ist hinter einer Paywall. Aber das Thema finde ich interessant.

Die Lösung erscheint mir recht einfach:

Aus evolutionären Gründen ist die Darstellung von Ressourcen bei Männern interessanter als bei Frauen weil es dort die intrasexuelle Konkurrenz und die intersexuelle Selektion gleichzeitig bedient.

Frauen haben natürlich auch einen Hang zu Luxusartikeln, etwa Handtaschen oder durchaus auch Uhren oder Schmuck allgemein. Aber es macht sie nicht für Männer interessanter. Da ist körperliche Schönheit wesentlich einflussreicher und deswegen neigen Frauen auch da weniger zu Zurückhaltung und eher zu „weiblicher Angeberei“.

Es wäre insofern interessant darüber nachzudenken, welche Vorteile Luxusgegenstände für Frauen haben (aus evolutionärer Sicht).

Einfach mal ein paar Ideen:

  • Ich habe die Unterstützung mächtiger anderer Menschen, deswegen habe ich wertvolle Gegenstände (oder einfacher: Mein Mann/Mein Vater/mein Bruder kann deinen Mann/Vater/Bruder verkloppen lassen (oder auch meine Mutter/schwester etc wenn diese wiederum Männer kontrollieren)
  • das Aussortieren schlechter Kandidaten: Oh sie hat Luxusgegenstände, also müsste ich ihr schon etwas besonderes bieten können
  • Oder noch einfacher: Ich bin so wichtig in der Gruppe, dass man mir diese Gegenstände zugesteht, stelle dich schlecht mit mir und ich werde meinen Einfluss nutzen um mich zu wehren.

Das trifft sicherlich auch als Zeichen auf Männer zu, evtl in anderen Ausprägungen.

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Der Kuss auf den Mund nach dem Frauen-WmM-Finale

Ein Kuss führt zu Diskussionen:

Die Faz berichtet:

Kuss-Eklat nach WM-Finale: Ein Mann von gestern

[…] Bei der Siegerehrung umarmte er Jennifer Hermoso, die zuvor noch einen Elfmeter verschossen hatte, leidenschaftlich, nahm dann mit beiden Händen ihren Kopf und drückte ihr einen festen Kuss auf den Mund. Die Bilder verbreiteten sich über die sozialen Medien in Windeseile. Kurz darauf gab es Aufnahmen von Rubiales, die ihn zeigen, wie er sich während des Jubels auf der Ehrentribüne – neben ihm standen Königin Letizia und Prinzessin Sofía – kräftig in den Schritt fasst. Und dann ist er in der Kabine zu sehen, wie er den Siegerinnen zur Belohnung eine Urlaubsreise nach Ibiza verspricht, wo er und Jennifer Hermoso heiraten würden – was wohl witzig sein sollte.

Das war es allerdings nicht. Rubiales mag privat ein kumpelhafter Typ sein, der mit unangenehmen Manieren nervt, dem man aber auch verzeiht. Aber er hat vergessen, dass er Vorsitzender eines Verbands mit einer hierarchischen Struktur ist. Es war, als würde ein Firmenchef seine Mitarbeiterin ungefragt auf den Mund küssen – auch wenn die Betroffene später sagte, es habe ihr zwar nicht gefallen, sie wolle daraus aber keine große Nummer machen und sich Rubiales später am Tag zurückhaltend entschuldigte. Spaniens Gleichstellungsministerin Irene Montero nannte den Vorfall eine „Form der sexuellen Gewalt.“

Sportminister Miquel Iceta erinnerte Rubiales zudem daran, dass er als Verbandsvorsitzender Vorbildcharakter genießt. Zum Beispiel im Umgang mit Frauen. In dieser Frage ist Spanien lange Vorreiter, die Gesellschaft ist enorm sensibilisiert für das Thema Gleichstellung, das in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert wird. Ausländische Politikerinnen reisen nach Madrid, um aus dieser Entwicklung zu lernen.

Manche sehen im von vielen Männern durchaus geteilten Feminismus in Spanien sogar einen Grund für den WM-Erfolg der Fußballspielerinnen. Eine aktive Gleichstellungspolitik und mehr Chancengleichheit führten zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit der Frauen, die dadurch wiederum mehr Zeit für die Entwicklung ihrer sportlichen Talente hätten, schrieben drei Sport- und Wirtschaftswissenschaftler dieser Tage in der Tageszeitung „El País“. […]

Und noch einmal aus der Faz:

Nach Kuss-Eklat bei Frauen-WM: Spanische Regierung fordert Rücktritt von Verbandspräsident Rubiales

„Dieses Verhalten ist nicht zu akzeptieren. Seine Entschuldigungen sind weder ausreichend noch angemessen.“ Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte an diesem Dienstag von seiner Besprechung mit König Felipe VI. über die Regierungsbildung berichten, doch dann wurde er zu Luis Rubiales befragt, dem Chef des spanischen Fußballverbands, der von einer Spielerin des Weltmeisterteams am Sonntag einen Kuss auf den Mund erzwungen hatte. „Er muss weitere Schritte machen“, sagte Sánchez während Vizeregierungschefin Yolanda Díaz die Richtung wies: Sie forderte den Rücktritt von Rubiales. […]

[…] n der spanischen Tagespresse finden sich neben Berichten über die Begeisterung beim Autokorso der Spielerinnen zwei Tage nach dem Erfolg weiter Kommentare zu Rubiales. Er beschmutze „die Heldentat der Weltmeisterinnen“, schrieb die konservative Tageszeitung „El Mundo“. Rubiales verstehe weder die Bedeutung des Erfolgs noch die Verantwortung, die das Amt mit sich bringe.

Auch die auf Gleichstellungsthemen spezialisierte Redakteurin von „El País“, Isabel Valdés, unterstrich, es sei Rubiales selbst, der den Fokus weg vom historischen Sieg auf sich selbst gelenkt habe. Sie sah hinter der Affäre den alten Glauben, dass eine Frau und damit auch ihr Körper dem Mann gehörten. Allein nur zu denken, Rubiales könne eine Spielerin einfach auf den Mund küssen, ohne dass dies Konsequenzen haben würde, sei ein Zeichen „für eine mangelnde Kultur des gegenseitigen Einvernehmens im Verhalten der Geschlechter zueinander“, so „El País“.

„La Vanguardia“ zitierte am Dienstag aus einem Protokoll des spanischen Fußballverbands. Dort steht zu den Beschreibungen von möglichen Fällen sexueller Gewalt: „Jemanden in einer Umarmung an sich ziehen mit dem Versuch zu küssen“, und „gegen den Willen küssen“. „Solches Verhalten ist nicht zu akzeptieren“, heißt es im Verbandsdokument weiter, „und führt sofort zu Konsequenzen.“

Um zu verstehen, warum so viele spanische Medien den Fall jenseits der sonst tiefen ideologischen Gräben so wichtig nehmen, muss man wissen, wie intensiv in Spanien die gesamte Gesellschaft Fragen der Gleichstellung und des Feminismus verhandelt, eben auf einer viel breiteren Ebene als in vielen anderen europäischen Ländern. Die Folge sind auch eine ganze Reihe von Gesetzen gegen Gewalt gegen Frauen, zur Gleichstellung in Politik und Wirtschaft oder auch ein gerade reformiertes Sexualstrafrecht, in dessen Zentrum das gegenseitige Einvernehmen steht, das sogenannte Ja-heißt-Ja-Gesetz.

Ob Rubiales nun trotz des immer größeren gesellschaftlichen Drucks an der Spitze des Fußballverbands bleibt, ist schwer einzuschätzen. Nur die Landesverbände könnten ihn absetzen. „Wer hält ihn eigentlich noch im Amt?“, schrieb „El Mundo“, „eine Frage, die wir uns schon zu lange stellen.“

Ich kann nicht verstehen, wie man einen fremden Menschen in einer solchen Situation einfach auf den Mund küssen kann. Das ist ja üblicherweise eine klare Grenzüberschreitung. Aber ich bin andererseits ja auch noch nie Weltmeister geworden. Ich habe extra das Video oben reingenommen, weil ich die Bilder des Kusses dramatischer finde als das Video oben, bei dem er erst umarmt, und dann erkennbar sehr enthusiastisch ist. Vielleicht ist es ihm tatsächlich einfach passiert, aber ich würde auch sagen, dass man Leute nicht einfach auf den Mund küsst.
Muss man deswegen gleich zurücktreten? Keine Ahnung, wenn es ein ehrlicher Fehler war, aus dem Augenblick heraus, dann sollte man es vielleicht auch nicht überbewerten. Ich kenne aber auch seine Vergangenheit nicht.

Kann mir jemand erklären warum Ausschnitte oder kurze Röcke oder bauchfreie Oberteile unprofessionell sind aber ‚alle sagen das‘ zählt nicht als Argument

Diesen Tweet hier hier fand ich interessant.

Und noch mal als Text:

Kann mir jemand erklären warum Ausschnitte oder kurze Röcke oder bauchfreie Oberteile unprofessionell sind aber ‚alle sagen das‘ zählt nicht als Argument

Ich schrieb:

Weil das Senden (zu) sexueller Signale eine zweite Ebene eröffnet, die neben der Geschäftsebene steht und damit von dieser ablenkt. Diese zweite Ebene der sowohl intrasexuellen Konkurrenz als auch der intersexuellen Selektion stört in dem Zusammenhang

Die Antwort war:

Ich sende keine sexuellen Signale wenn ich bei 30 grad eine Bluse mit Ausschnitt trage weil es warm ist

Und ich bin tatsächlich immer wieder fasziniert, dass man das wirklich glauben kann. Eigentlich sollte ja absolut jeder Frau bewusst sein, dass ihre Brüste sexuelle Signale senden. Und das sie der Auffassung sind, dass Bequemlichkeit oder Wärmeregulierung als ihr eigenes Motiv anscheinend verhindert, dass dennoch andere ein sexuelles Signal sehen.

In der weiteren Diskussion taucht dann auch noch ein beliebtes Argument auf, welches ungefähr so lautet:

Das ich sexuelle Signale sende ist doch nicht mein Problem. Sollen die Männer sich eben beherrschen.

Und auch das hat eigentlich nicht wirklich etwas miteinander zu tun. Männer können sich beherrschen, aber trotzdem das sexuelle Signal als unpassend ansehen.

Und natürlich blendet die ganze Diskussion aus, dass Frauen zu viel Sexualität bei anderen Frauen auch meist nicht gut finden. Eine Frau, die beständig einen großen Ausschnitt im Büro anhat kann relativ sicher sein, dass unter anderen Frauen über sie gelästert wird.

Hier hatte ich noch einen weiteren Einwurf:

Aber bei Frauen ist da ja auch weitaus mehr erlaubt als bei Männern. Wenn da einer seine Brustmuskeln zeigen würde, dann wäre der Eindruck auch nicht professionell. mehr als der erste Hemdknopf ist da nicht drin. Warum meinst du ist das so?

Das ganze wird ja nur als Einschränkung der Frau diskutiert. Würde sich ein Mann da ein zu viel erlauben wäre die Diskussion wieder eine ganz andere. Wahrscheinlich wäre es da direkt sexuelle Belästigung oder jedenfalls unangebracht.

Der schrecklichste Paragraf im neuen Selbstbestimmungsgesetz

Der Rechtsanwalt Udo Vetter, der auch hier schon etwas zum Selbstbestimmungsgesetz gesagt hat, beleuchtet einen Paragraphen im Selbstbestimmungsgesetz, den er besonders problematisch findet:

Der schrecklichste Paragraf im neuen Selbstbestimmungsgesetz

Morgen soll das Selbstbestimmungsgesetz beschlossen werden. Bei der Diskussion bleibt meist eine Regelung außen vor. Gleichwohl hat gerade diese geradezu orwellsche Dimensionen. Es geht um die Frage, wer aus einem Kind künftig ein Transkind machen kann. Hier die Antwort: Es sind die Eltern, und deren Freiheit werden dabei juristisch keinerlei Grenzen gesetzt, wenn es um den sogenannten „Geschlechtseintrag“ geht. Der Geschlechtseintrag regelt, halten wir es einfach, ob jemand juristisch als Frau oder Mann gilt.

Für Kinder zwischen 0 und 14 Jahren sieht das Gesetz folgendes vor (§ 3 Abs. 2 SBGG): „Ist die minderjährige Person geschäftsunfähig oder hat sie das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet, kann nur der gesetzliche Vertreter die Erklärungen zur Änderung des Geschlechtseintrags und der Vornamen (§ 2) für die Person abgeben.“

Übersetzt bedeutet das, Eltern dürfen künftig ab der Geburt absolut frei entscheiden, welches „Geschlecht“ ihr Kind hat. Ein neugeborener Julius kann an seinem ersten Lebenstag zu einer Sophie werden, eine Julia umgekehrt zu einem Sebastian. Das Kind erhält den passenden Namen und Papiere, die jedenfalls nicht zu seinem biologischen Geschlecht passen. Das Mädchen wird als Junge aufwachsen müssen und der Junge als Mädchen – bloß weil die Eltern es so wollen. Dem Standesbeamten steht bei so einem Antrag kein Prüfungsspielraum zu. Eine gerichtliche Kontrolle ist nicht vorgesehen, das Kindeswohl spielt erst mal keine Rolle.

Anders übrigens bei 14- bis 18-Jährigen. Diese können auch gegen den Willen ihrer Eltern das eigene Geschlecht anpassen. Sollten die Eltern dagegen sein, muss das Familiengericht nach dem Kindeswohl entscheiden.

Bei 0- bis 13-Jährigen gibt es so eine juristische Instanz aber nicht. Eltern haben also die absolute Dispositionsfreiheit über das Geschlecht ihres Kindes. Die elterlich oktroyierte Geschlechtsanpassung hat weitreichende Folgen. Großeltern, Kita-Mitarbeiter, Lehrer und die Eltern anderer Kinder dürfen nicht einmal ansatzweise zum Ausdruck bringen, dass Sophie vielleicht eigentlich doch lieber so wäre wie ihre männlichen Altersgenossen, mit denen er das Y-Chromosom teilt. Tun sie das, droht ihnen gemäß § 14 SBGG ein Bußgeld bis zu 10.000 Euro, weil sie gegen das „Offenbarungsverbot“ verstoßen. So wird es also möglich sein, ohne jede Kontrolle Säuglinge geschlechtsumzuwandeln und darum einen Kordon des pflichtgemäßen Schweigens zu errichten.

Natürlich kann man sagen, dass „normale“ Eltern einem Einjährigen kaum das andere Geschlecht aufzwängen werden. Aber umgekehrt muss man dann erklären, warum überhaupt die gesetzliche Möglichkeit für so eine frühkindliche soziale Totaltransformation geschaffen wird. Noch dazu ohne jede behördliche oder gerichtliche Kontrolle.

Und was ist mit Sophie selbst, die nach wie vor in ihrem männlichen Körper steckt (und deren Eltern möglicherweise dem größten Irrtum ihres Lebens aufsitzen)? Sophie wird vorgehalten bekommen, dass sie kein Julius sein kann, weil in ihrer bürokratisch korrekt angepassten Geburtsurkunde ja nun mal Sophie steht. Und wenn man Sophie heißt, ist man ein Mädchen, so ein Penis führt ja bekanntlich oftmals in die Irre. Welches Kind wird sich nicht entsprechend formen lassen bzw. letztlich kapitulieren? Ich sage es noch mal: Das Szenario ist schon ab Tag 1 nach der Geburt denkbar – und absolut legal.

Und was ist, wenn die Eltern letztlich mit ihrer Einschätzung daneben liegen? Wenn sie ihr Kind 14 Jahre in die falsche Geschlechterrolle zwängen, bis es – ggf. mit Hilfe des Gerichts – den Geschlechtseintrag selbst wieder rückgängig machen kann. Und wie geht es dann weiter? Spätestens mit 18 Jahren kann Sophie die eigenen Eltern auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagen, und das wahrscheinlich mit einiger Aussicht auf Erfolg. Wenn der neu erstandene Julius dann psychisch nicht schon gebrochen ist. Schöne neue Welt.

Die Kombination aus „Keine Überprüfung“ und „Offenbarung bzw Protest kann Bußgeld auslösen“ und „bereits kurz nach der Geburt möglich“ ist in der Tat nicht ohne. Um so gefährlicher bei dem alleinigen Sorgerecht eines Elternteils.

Natürlich kann man das auch schon ohne Selbstbestimmungsgesetz zu einem gewissen Teil machen, wie etwa Megan Fox auch deutlich macht:

Aber wenn man mittels des Selbstbestimmungsgesetz noch jedes Hinterfragen strafbewehrt machen würde dann hätte das natürlich noch radikalere Möglichkeiten.

Und mit Recht fragt Udo Vetter warum diese Möglichkeit ohne Überprüfung bei der Geburt besteht. Wie kann jemand sicher sein, dass ein Neugeborener sich auf eine bestimmte Weise identifiziert?
Dagegen wird eingewandt: Es ist ja nur der Eintrag, um mehr geht es ja gar nicht. Aber durch das dahinter stehende System eröffnet das schon Regelungen, die eine „Konversionstherapie“ einfacher machen.

Warum sollte jemand so etwas machen? Warum sollte überhaupt jemand eine Konversationstherapie machen? Das ist von Schwul zu Hetero nicht weniger unlogisch als von CIS zu Trans. Der Ansatz dürfte jedes Mal sein: Weil derjenige es besser finden würde, wenn sein Kind nicht so sondern so wäre.