Essstörungen bei Mädchen als Folge intrasexuelle Konkurrenz zwischen Frauen?

Eine Studie hat untersucht, wann bei Schülerinnen Essstörungen auftreten:

Background: Clinical anecdote suggests that rates of eating disorders (ED) vary between schools. Given their high prevalence and mortality, understanding risk factors is important. We hypothesised that rates of ED would vary between schools, and that school proportion of female students and proportion of parents with post-high school education would be associated with ED, after accounting for individual characteristics.

Method: Multilevel analysis of register-based, record-linkage data on 55 059 females born in Stockholm County, Sweden, from 1983, finishing high school in 2002-10. Outcome was clinical diagnosis of an ED, or attendance at a specialist ED clinic, aged 16-20 years.

Results: The 5-year cumulative incidence of ED diagnosis aged 16-20 years was 2.4%. Accounting for individual risk factors, with each 10% increase in the proportion of girls at a school, the odds ratio for ED was 1.07 (1.01 to 1.13), P = 0.018. With each 10% increase in the proportion of children with at least one parent with post-high school education, the odds ratio for ED was 1.14 (1.09 to 1.19), P < 0.0001. Predicted probability of an average girl developing an ED was 1.3% at a school with 25% girls where 25% of parents have post-high school education, and 3.3% at a school with 75% girls where 75% of parents have post-high school education.

Conclusions: Rates of ED vary between schools; this is not explained by individual characteristics. Girls at schools with high proportions of female students, and students with highly educated parents, have higher odds of ED regardless of individual risk factors.

Key messages

  • Eating disorders are more common in some high schools than others.

  • Variation in rates of eating disorders between high schools is not explained by any individual student characteristics that the current study was able to assess.

  • On average a young woman, regardless of her own background, is more likely to develop an ED if she attends a school with a higher proportion of girls or a higher proportion of children of highly educated parents.

Um so mehr Mädchen an einer Schule sind, um so höher war also die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen dort Essstörungen entwickelt. Ein weiterer Faktor war, dass viele Kinder zumindest einen hochqualifizierten Elternteil hatten.
„Viele Mädchen“ bedeutet erst einmal, dass eine hohe Konkurrenzsituation vorlag, es kommen weniger Jungs auf ein Mädchen. Vielleicht bilden sich dadurch auch andere Rankverhältnisse und Fälle sozialer Dominanz aus, die mit mehr Jungs anders ablaufen.
„Hochqualifizierte Eltern“ sprechen wiederum für einen hohen Erfolgsdruck, der ebenfalls als Konkurrenzsituation wahrgenommen werden wird.
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23 Gedanken zu “Essstörungen bei Mädchen als Folge intrasexuelle Konkurrenz zwischen Frauen?

    • Ja, Adipositas korrelliert wohl invers mit dem Bildungsnivea der Familie.

      Das könnte leicht eine solche Messung verzerren (Wer zu fett ist wird nicht wegen ES behandelt?)

  1. Als jemand, der einige Jahre mit einer hochgradig Essgestörten zusammenlebte, kann ich das Bestätigen. Die vergleichen sich ständig mit anderen Mädchen/Frauen. Wobei Frauen grazile Zierlichkeit oft ebenso , wenn nicht noch mehr goutieren, wie weite Teile der Männerwelt.

    • Ein paar Freaks wird es mit Sicherheit geben, aber das ist auch nicht der Punkt. Nicht mal Magersüchtige finden Magersucht attraktiv. Es ist eine Störung der Selbstwahrnehmung. Magersüchtige erkennen sich, meines Wissens nach, meist nicht als zu dünn an.

  2. Ich würde es ganz anders vermuten: Die weibliche Pubertät geht einher mit verstärkter Fetteinlagerung und Herausbildung von Busen und Po. Eine Magersucht kann die Pubertät nach hinten verschieben und männliche Aufmerksamkeit, die je nach psychischem Entwicklungsstand eine Überforderung darstellt, abmildern. Magersucht kann also auch Angst vor dem Erwachsenwerden bedeuten. Die Herbeiführung der Opfersituation kann ein Weg sein bei starkem Leistungsdruck „entschuldigt“ Leistungsunfähig zu werden. In ärmlichen Verhältnissen entfällt der schulische Leistungsdruck öfter. Opfer werden dort abfällig behandelt und damit entfällt auch ein „Krankheitsgewinn“ der Magersucht. Der Zusammenhang mit dem höheren Frauenanteil würde ich eher damit erklären, dass Formen des selbstverlezenden Verhaltens sozialisiert sind. So ritzen sich auch mehr Menschen, wenn es in ihrem Umfeld häufiger vorkommt. Selbst bei Suizid gibt es den „Werthers Effekt“.

        • In der Oh cutüre! Da laufen doch immer mehr oder weniger starke Legionen von Hungerhaken über die Laufstege.

          Das ist mE analog so wie mit den Windhunden, die ja auch ein modisches Accessoire der „oberern Klasse“ (bzw wer sich dafür hält) darstellen.

          Magersucht wäre also als (unerwünschte) Nebenwirkung von „Klassismus“ (-> die Klasse betreffend und sie herausstellend und dann verherrlichend) anzusehen.

          Man bespiegelt sich mit dem Eigen-Ideal einer extrem regen Person, die „alles gibt“, hyper erfolgreich ist und als sichtbarer Ausdruck davon dann dünn. Das proletarische Prekariat auf der anderen Seite ist fett.

          Dieses Idealbild der Ultra-Schlanken Frau wäre dann also ein gesellschaftliches elitäres Ideal. Ein a-sexuelles, um Sexualität geht es ja nicht, da es ein sehr individualistisches Ideal ist…..

        • „In der Oh cutüre! Da laufen doch immer mehr oder weniger starke Legionen von Hungerhaken über die Laufstege.“

          Und dennoch werden die Frauen im Alltag immer dicker. Und die Männer nehmen sich an männlichen Modells auch kein Beispiel. Leider.

        • „Und dennoch werden die Frauen im Alltag immer dicker.“

          Hach, der Plebs halt……

          Und ist der Ruf erst mal ruiniert, dann lebt es sich ganz ungeniert.

          „Und die Männer nehmen sich an männlichen Modells auch kein Beispiel. Leider.“

          In einer Zeit, die auf Frauen ausgerichtet sind, eignen sich Männer als Vorzeigeobjekte nur als Ersatz-Liga. Sie entsprechen ja nicht dem herrschenden Ideal, wie auch mollige Frauen-Models und müssen eine Nebenrolle spielen.

          Ist es da nicht logisch, dass Männer modisch gesprochen, eher in „Sack und Asche“ gehen?
          Die ausgeprochene Anti-Mode-Haltung von so vielen Männern ist die Anpassung, Reaktion auf das.

        • @Alex
          Nenne mir doch mal ne Hand voll Models, die magersüchtig sind. Die sind selbst in ihrer Branche die absolute Ausnahme.
          Unteres Normalgewicht und sogar Untergewicht sind nicht gleich Magersucht. Models sind außerdem bezahlte Kleiderständer und haben wohl eher begrenzte Vorbildfunktion. Das Schlanksein ein (leider meist unerreichtes) Ideal ist, ist wohl unbestritten, aber Magersucht? Nö. Wie auch Adrian so schön sagt, zeigt uns die Realität täglich etwas anderes: 2/3 der Deutschen sind übergewichtig, oder adipös. Magersucht dagegen ist äußerst selten.

        • @Frank, im Nennen von Namen von Celebrities bin ich extrem schlecht, da habe ich wirklich keinen Kopf für, weil alles so austauschbar ist. Ausserdem gibt es eine sehr undurchdringliche Wand von Gerede und Geschwätz, das Geflecht aus fake news hier dürfte das am engste gewebte überhaupt sein.

          Ich meine die stilbildene Ikone Twiggy wäre so eine gewesen. Eigentlich spielt es auch keine Rolle, da Magersucht ja nur ein unerwünschtes Nebenprodukt ist, im Idealfall ist Frau ja ganz natürlicherweise möglichst schlank.

          „Unteres Normalgewicht und sogar Untergewicht sind nicht gleich Magersucht.“

          Ehrlich gesagt: ich bin da skeptisch, wenn ich sehe, wie diese Dinge derzeit wissenschaftlich zementiert werden sollen.

          Aber sicherlich haben das eine mit dem anderen nichts zu tun. Verhungern hat auch mit Magersucht nichts zu tun.

          „2/3 der Deutschen sind übergewichtig, oder adipös. Magersucht dagegen ist äußerst selten.“

          Es ist eben nur deshalb so ein grosses Ding, weil es eine negative Folgeerscheinung des herrschenden Ideals ist. Daher ist die Aufmerksamkeit stark verschoben, von der Fettsucht hin zur Magersucht. Die Aufmerksamkeitsökonomie folgt dem Idealbild, nicht der Realität.

  3. Nur so allgemein: Es gibt eine Theorie, gemäß der Magersucht bei Frauen eine Methode ist, um Unfruchtbarkeit herzustellen. Unfruchtbarkeit soll hergestellt werden, weil es „gefühlt“ zuviele junge Menschen in der eigenen Umgebung gibt.

    Soweit ich das gehört habe, gibt es im Tierreich teilweise ähnliche Erscheinungen. Weibliche Füchse (?) werden unfruchtbar, sobald die Fuchs-Population in der entsprechenden Umgebung zu groß wird.

    Eine meiner Kolleginnen war früher mal in der Irrenanstalt. Sie hat folgendes erzählt: Dort gab es auch etliche magersüchtige Frauen (jung). Die waren alle Kontroll-Freaks. Bei denen ging es sehr stark ums Beherrschen: zum einen sich selber, aber auch das, was ihnen von den Therapeuten dort auferlegt wurde, z. B. körperliche Bewegung, oder bestimmte Beschäftigungen (Basteln u.dgl.). Es konnte so harmlos und so vernünftig wie sonstwas sein, die magersüchtigen Frauen waren grundsätzlich dagegen und haben immer „gefeilscht“: Basteln machen sie nicht, überhaupt nicht, und wenn, dann eben nur für eine Viertelstunde (keine halbe Stunde) – aber auch nur dann, wenn sie dafür am Abend keinen Apfel essen müssen: sie essen höchstens noch einen halben Apfel. Usw.

    • Ja, das hört sich auch interessant an. Kommt mir aber zu spekulativ vor. Es gibt solche Sachen bei „niederen Lebenwesen“ als evolvierte Mechanismen, bei Vielzellern wie den Säugern aber nicht. Bei Überbevölkerung bzw Nahrungsknappheit etc schlägt der „Stress“ einfach nur auf die allgemeine Fitness und damit natürlich auch auf die Fruchtbarkeit.

      Das mit dem Kontrollwahn ist sehr interessant, spricht ja für allgemeinen „Stress“.

      Also eher keine „Methode ist, um Unfruchtbarkeit herzustellen“, sondern eher negative Umstände, die Unfruchtbarkeit nach sich ziehen ….

      Seltsam, dass Magersucht keine Jungs/Männer zu betreffen scheint (?).

    • Ich bin ja jetzt nicht sonderlich fit in der Thematik, aber m.W.n. gestattet die Leitwölfin die Verpaarung ohnehin keiner Anderen aus ihrem Rudel. Nur Leitwolf mit Leitwölfin vermehren sich, das ist zumindest die Ordnung.
      Und handelt es sich nicht btw auch noch um ein monogames Tier?

  4. Armes Opfer Frau ist natürlich magersüchtig, was sonst. lh ist ja bloß Frauenfeind …

    Kleiner Realitätsabgleich:
    55 059 females born in Stockholm County

    Hier dürfte es ja wohl kaum um Magersucht gehen.

  5. Die Große hat mit ihren nichtmal 11 Jahren übrigens bereits so ne Gestörte als Sitznachbarin in der Schule. Diese isst kaum was (Frühstück hat sie nie mit) und lässt Sprüche ab wie „wer 30 kg wiegt ist übergewichtig“. Unser Kind hat verstanden, dass sie bemitleidenswert ist, weil sie schon verloren hat. Nur man fragt sich natürlich, wie sowas kommen kann. In dem Fall tippe ich hat es etwas mit dem Sport zu tun, dem sie nachgeht – Turnen. Ballett wäre eine genauso plausible Möglichkeit dafür gewesen. Das sind m.M.n. jedenfalls beides Sportarten, die Essstörungen (bei Mädchen in der Pubertät) stark befördern können.

      • Sollte sie tatsächlich noch unter 30kg wiegen (ich hab sie nicht gesehen oder bewusst wahrgenommen bislang, kann das also nicht beurteilen), wäre das ein allmählich oder bald wahrscheinlich doch besorgniserregender Wert, vgl.

        Verloren hat sie, weil das ja nicht so bleiben kann und wird.
        Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass sich ihre Panik „verwächst“ in den kommenden zwei, drei Jahren. Das halte ich nur nicht für so wahrscheinlich.

        Für die meisten Mädchen ist es glaube ich unangenehm zu merken, dass sich ihr Körperfettanteil erhöht. Unser Kind hat aber zum Glück einen sehr gesunden Appetit und die richtige Einstellung (als wir durchgegangen sind, was echte Magersucht bei ihrer Sitznachbarin z.B. für Konsequenzen haben könnte, hat sie aus Sorge um sie übrigens gleich angefangen zu weinen. Ich sollte nicht überrascht sein bei sowas – bin es aber doch)

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