Bitte im Anspruch an das Schauen des Videos einen Kommentar über die Ideale der Ritter in dem Sinne dieses Videos im Gegensatz zu toxischer Männlichkeit
Autor: Christian - Alles Evolution
Der Bodyguard-Effekt: Warum Frauen Mut mehr belohnen als Muskeln
Eine interessante Studie, die die Attraktivität von „Beschützereigenschaften“ betrifft:
Abstract
Ancestrally, physical violence from conspecifics was a recurrent adaptive problem. Did selection favor preferences for partners who are both strong (highly able) and willing to protect us from violence? Strength and willingness are interrelated, so dissociating their effects is necessary. Here we assessed both inferences and preferences. In 7 experiments (N = 4,508 U.S. adults recruited via MTurk), we systematically varied the willingness of a date or friend to physically protect you from an attack, compared to scenarios where you do not have this information. We also varied that person’s strength. Discovering that a person is willing to protect greatly increased their attractiveness as a romantic partner or friend, regardless of their strength. This held for both women and men raters, and when evaluating both opposite- and same-sex dates and friends. In fact, partners who were willing to protect were attractive even if they tried to do so but failed, and even if you were harmed because of their failure. Discovering that a partner is unwilling to protect decreased their attractiveness, and was a deal-breaker for women evaluating a male date. Unwillingness decreased attractiveness more when the rater was a woman, when the target was a man, and when the target was being evaluated as a date versus friend. Women placed some importance on a male date’s strength, but this was mostly due to inferences about his willingness to protect them. Surprisingly, we found only weak evidence that differences in strength, independent of willingness, increased the attractiveness of a partner.
Quelle: Willingness to protect from violence, independent of strength, guides partner choice
Eine interessante Studie, die Beschützereigenschaften untersucht und dabei zu einem interessanten Ergebnis kommt: Insbesondere die Bereitschaft für den anderen Einzustehen ist attraktiv und das in Bezug auf Männer und Frauen als Partner.
Bei Männern ist allerdings insbesondere die fehlende Bereitschaft zur Verteidigung unattraktiv.
Die Studie erläutert zuerst, warum das so relevant sein könnte, nämlich weil die evolutionär relevante Zeit, in der der Mensch gelebt hat, brutal war (KI-Übersetzt)
Der Vergleich von Raten tödlicher Gewalt bietet einen Einblick in das Risiko, in modernen, historischen und ursprünglichen Gesellschaften körperlich angegriffen zu werden (Daly & Wilson, 1988). In den USA liegen die durchschnittlichen Raten von Todesfällen durch zwischenmenschliche Gewalt heute bei weniger als 1 von 10.000 Personen (Daly & Wilson, 1988; Pinker, 2011, Abb. 2-4, S. 55).
Archäologische und ethnografische Daten legen jedoch nahe, dass in Jäger- und Sammler- sowie Jäger-Gartenbaugesellschaften der Anteil der Todesfälle durch zwischenmenschliche Gewalt – insbesondere durch Gewalt zwischen Gruppen (Wrangham, 2019) – im Durchschnitt etwa 15 % betrug und Werte von bis zu 60 % erreichen konnte (Pinker, 2011, Abb. 2-2, S. 49).
Am oberen Ende dieses Spektrums tödlicher Gewalt starben bei den Waorani-Jägern und Sammlern in Ecuador zwischen 50 und 64 % aller Menschen durch zwischenmenschliche Gewalt, vor allem durch Tötungsdelikte und Kriege mit benachbarten Gruppen (Larrick et al., 1979).
Am unteren Ende des Spektrums lagen die Tötungsraten bei den sogenannten „harmlosen Menschen“ (Thomas, 1958/1989) – den !Kung-Jägern und Sammlern im südlichen Afrika – auf einem Niveau, das mit den heutigen Raten in Detroit und New Orleans, zwei US-amerikanischen Städten mit hoher Kriminalität, vergleichbar war (Lee, 1979).
Bei Schimpansen, unseren nächsten phylogenetischen Verwandten, gibt es Populationen, in denen etwa ein Drittel der Männchen durch Gewalt stirbt, hauptsächlich infolge von Aggressionen zwischen Gruppen (Wilson & Wrangham, 2003; Wrangham, 1999; Wrangham et al., 2006).
Die zentrale methodische Leistung dieser Arbeit besteht darin, zwei Faktoren zu entkoppeln, die in der bisherigen Forschung stets vermischt wurden: die Fähigkeit zu schützen (operationalisiert als körperliche Stärke) und die Bereitschaft zu schützen (operationalisiert als tatsächliches Verhalten in einer Bedrohungssituation).
In sieben Experimenten mit insgesamt 4.508 US-amerikanischen Erwachsenen wurde den Teilnehmenden folgendes Szenario vorgelegt:
Man befindet sich mit einem Date oder Freund in der Öffentlichkeit, als ein betrunkener Fremder angreift. Der Begleiter sieht die Bedrohung – und reagiert entweder schützend, gar nicht (Kontrollbedingung: niemand sieht die Bedrohung rechtzeitig) oder weicht zurück.
Zusätzlich wurde die beschriebene körperliche Stärke des Begleiters systematisch variiert: schwach, durchschnittlich oder stark.
Dieses Design erlaubte es, den unabhängigen Beitrag beider Faktoren zur wahrgenommenen Attraktivität zu messen – sowohl für romantische Partner als auch für Freundschaften, und für gleichgeschlechtliche wie gegengeschlechtliche Konstellationen.
Das Design ist wahrscheinlich das einzig mögliche, man kann ja Leute nicht einfach so angreifen und schauen wie sie reagieren. Aber es hat natürlich den Nachteil, dass der Bewertende die Situation nicht erlebt und dementsprechend die „Tatsächlichen Gefühle der Situation“ erlebt. Aber ich denke es ist dennoch ein gutes Experiment, welches die Richtung zeigt.
Ergebnis 1: Schutzbereitschaft ist ein mächtiger Attraktivitätsverstärker
Der Befund ist eindeutig: Wer bereit war zu schützen, wurde gegenüber der Kontrollbedingung – also gegenüber Personen, über deren Bereitschaft keine Information vorlag – massiv attraktiver bewertet. Auf einer Skala von 0 bis 10 stiegen die Attraktivitätswerte wie folgt:
| Konstellation | Attraktivitätsanstieg (b) |
|---|---|
| Frauen bewerten männliches Date | +2,52 |
| Männer bewerten weibliches Date | +1,96 |
| Gleichgeschlechtliche Dates (homo-/bisexuelle Stichprobe) | +2,05 |
| Freundschaften (alle Geschlechter & Konstellationen) | +3,59 |
b = unstandardisierter Regressionskoeffizient auf einer Skala von 0–10; Vergleichsgröße ist jeweils die Kontrollbedingung (keine Information über Schutzbereitschaft)
Diese Effekte sind nicht trivial. Sie erklären in der Partnerwahlbedingung gemeinsam mit anderen Prädiktoren 46 % der Varianz in den Attraktivitätsbewertungen – ein für sozialpsychologische Feldstudien außerordentlich hoher Wert.
Evolutionsbiologisch ist das konsistent mit der sogenannten Bodyguard-Hypothese (Mesnick, 1997; Wilson & Mesnick, 1997): Der Schutz vor männlicher Aggression, insbesondere in Kontexten häufiger Gruppengewalt, war ein fitnessrelevanter Vorteil, den ein Partner einbringen konnte. Die Autoren schreiben dazu:
„Discovering that a person is willing to physically protect you […] was very attractive to both women and men, in both opposite- and same-sex dates, and in friends of both sexes.“
(Barlev et al., S. 52)
Die Bereitschaft jemanden zu schützen – und dafür auch eigene Verletzungen in Kauf zu nehmen – ist auch ein guter Indikator dafür, dass einem die entsprechende Person tatsächlich etwas bedeutet, weil es ein Signal mit evtl hohen Kosten ist, also ein „Costly Signal“. Der Angreifer kann einen ja tatsächlich schwer verletzen.
Interessant ist auch, dass der Anstieg in der Freundesgruppe sogar der Höchste ist. Vielleicht weil man von einer romantisch interessierten Person eher solche Opfer erwartet, nicht aber unbedingt von jemanden in einer reinen Freundschaft. Es ist vielleicht auch ein Zeichen, dass man für den anderen eine hohe Bedeutung hat, was ihn evtl. wieder für eine romantische Anziehung interessant macht.
Ergebnis 2: Unwilligkeit ist ein Deal-Breaker – vor allem für Frauen
Noch aufschlussreicher als der positive Effekt der Schutzbereitschaft ist der negative Effekt ihrer Abwesenheit. Wer die Bedrohung sah und sich dennoch abwandte, verlor drastisch an Attraktivität:
| Konstellation | Attraktivitätsverlust (b) |
|---|---|
| Frauen bewerten unwilligen männlichen Date | –3,30 (nahe Skalenboden, ~1–2 von 10) |
| Männer bewerten unwillige weibliche Date | –0,73 |
Dieser Unterschied ist bemerkenswert: Der Attraktivitätsverlust bei Frauen war mehr als viermal so groß wie bei Männern. Männliche Dates, die wegtraten, wurden von Frauen nahezu vollständig aus dem Kandidatenpool ausgeschlossen. Die Autoren bezeichnen das ausdrücklich als:
„a deal-breaker for women evaluating a male date“
(Barlev et al., S. 2)
Das entsprichtden evolutionären Erwartungen. Frauen sind aufgrund des ausgeprägten sexuellen Dimorphismus beim Menschen – besonders bei Oberkörperkraft und Körpermasse – physisch verletzlicher als Männer. Sie sind häufiger Ziel sexueller Gewalt und waren in ancestralen Umwelten in besonderem Maße auf koalitionären Schutz angewiesen. Dass ein Partner, der diese Bereitschaft explizit verweigert, für Frauen nahezu unwählbar wird, ist aus dieser Perspektive keine Überraschung – es ist das erwartete Ergebnis evolutionärer Selektion auf Schutzbedürfnis.
Männer erwarten in der Hinsicht wahrscheinlich nicht, dass die Frau sich schützend vor sie stellt und machen daher zwar immer noch einen Abzug, aber einen deutlich kleineren.
Es gibt ja die alte Idee, dass man als Mann jemanden dafür bezahlen sollte, dass er einen auf dem Nachhauseweg mit der Freundin / dem Date überfällt und man schlägt ihn dann heldenhaft in die Flucht. Nach der Studie hat diese Idee (abgesehen von ihrer ethischen Betrachtung) einiges für sich.
Ergebnis 3: Körperliche Stärke wirkt fast ausschließlich indirekt
Eines der überraschendsten Ergebnisse betrifft die Rolle körperlicher Stärke. Zwar bewerteten Frauen stärkere männliche Dates geringfügig attraktiver (b = +0,56), doch eine Mediationsanalyse zeigt, dass dieser Effekt fast vollständig über die erschlossene Schutzbereitschaft vermittelt wird – nicht über die Stärke an sich:
| Mediationspfad | Effektgröße (b) | Einordnung |
|---|---|---|
| Stärke → Fähigkeit → Willingness → Attraktivität | 1,07 | Hauptpfad, hoch signifikant |
| Stärke → Fähigkeit → Attraktivität (direkt) | 0,14 | Nur 1/8 so groß |
| Direkter Effekt Stärke → Attraktivität | –0,04 | Nicht signifikant |
Die Autoren ziehen daraus eine klare Schlussfolgerung:
„The main reason women judge stronger men as more attractive is that stronger men are thought to be more willing to protect them.“
(Barlev et al., S. 23)
Stärke ist demnach kein eigenständiger Attraktor, sondern ein Signal – und was sie signalisiert, ist Schutzbereitschaft. Für die Evolutionsbiologie ist das kohärent: Was letztlich zählt, ist nicht die rohe Ressource Muskelkraft, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass diese Ressource für einen eingesetzt wird. Stärke ohne Bereitschaft hat für den Schutz Empfangenden keinen Nutzen.
Ich bin noch nicht so sicher, ob man das aus dem Szenario so endgültig rauslesen kann. Frauen finden ja auch so sportliche und große Männer attraktiv, auch wenn sie gerade nicht überfallen werden. Aber der Umstand des potentiellen Schutzes könnte eben auch da eine Rolle spielen.
Ergebnis 4: Schutzbereitschaft zählt auch beim Scheitern
Ein weiterer stringenter Test fragte: Ist ein Partner noch attraktiv, wenn er oder sie zwar schützen will, aber scheitert – also vom Angreifer zu Boden geworfen wird? Und selbst wenn man dadurch verletzt wird? Die Antwort ist eindeutig: ja.
| Bedingung | Ø Attraktivität (Skala 0–10) |
|---|---|
| Willing & succeeds (Frauen bewerten männlichen Date) | ~7,8 |
| Willing & fails (Frauen bewerten männlichen Date) | ~7,4 |
| Kontrollbedingung (keine Information über Bereitschaft) | ~5,0 |
| Unwilling | ~2,3 |
Der Attraktivitätsbonus eines schutzwilligen Partners bleibt nahezu vollständig erhalten, selbst wenn der Versuch scheitert – obwohl die Teilnehmenden sehr wohl registrierten, dass ein gescheiterter Beschützer als weniger fähig einzustufen ist. Die Fähigkeitseinschätzung sank, die Attraktivität aber kaum.
Evolutionsbiologisch ist das gut erklärbar. Ein einzelner Misserfolg in einem Kampf ist kein verlässlicher Indikator für generelle Unfähigkeit – situative Faktoren spielen stets eine Rolle. Entscheidend ist das Verhaltensmuster, das auf ein stabiles Motivationssystem schließen lässt. Wie die Autoren anmerken:
„Whatever led to your failure today […] might not lead to your failure tomorrow.“
(Barlev et al., S. 57)
Wer bereit ist, sich für einen in Gefahr zu begeben, zeigt damit etwas Tieferes als Kompetenz: Er oder sie zeigt, wie hoch man im subjektiven Welfare-Kalkül des anderen gewichtet wird.
Wäre allerdings interessant, dass noch nach der Unfähigkeit im Kampf an sich zu bewerten und wie es danach weiter geht (er raubt sie aus oder wendet auch ihr gegenüber Gewalt an, wie stark ist der Angreifer etc)
Ich könnte mir vorstellen, dass gerade bei einem als sehr stark angenommenen Angreifer die Bereitschaft mehr zählt, da sie da ja auch nicht erwarten kann, dass er oder ein anderer normaler Mann da gewinnt. Interessant wäre es, wenn der Gegner nicht stark/gefährlich ist und das Date sich besonders dumm verhält, also Unfähigkeit demonstriert.
Ergebnis 5: Romantische Partner werden strenger bewertet als Freunde
Die Unwilligkeit zum Schutz wird bei romantischen Partnern deutlich härter bestraft als bei Freundschaften:
| Beziehungstyp | Attraktivitätsverlust bei Unwilligkeit (b) |
|---|---|
| Romantischer Partner | –2,08 |
| Freund / Freundin | –0,73 |
Das ist evolutionär plausibel. Freundschaften sind multifunktional – sie werden aus vielen Gründen geschlossen, und kein einzelnes Merkmal ist per se ausschlusgebend. Romantische Partnerschaften hingegen sind in ancestralen Umwelten enger mit physischer Ko-Präsenz, gemeinsamer Nachkommenschaft und gegenseitiger Abhängigkeit verbunden. Die Anforderungen an die Bereitschaft zum Schutz sind dort entsprechend höher.
Einordnung: Was sagen uns diese Befunde über menschliche Psychologie?
Die Autoren diskutieren, ob die gefundenen Präferenzen Ausdruck eines domänenspezifischen kognitiven Systems für Schutz-Willingness sind oder durch ein allgemeines Welfare-Tradeoff-System erklärt werden könnten – also durch die Fähigkeit, aus kostspieligem Verhalten auf den allgemeinen Wert zu schließen, den eine Person einem selbst beimisst.
Gegen die rein domänenallgemeine Erklärung spricht, dass die Effekte von Bereitschaft und Nichtbereitschaft keine Spiegelbilder sind: Während Bereitschaft die Attraktivität universell steigert, zeigt Unwilligkeit stark asymmetrische Effekte entlang von Geschlecht und Beziehungskontext. Ein rein kostenbasiertes Kalkül würde das nicht vorhersagen. Am wahrscheinlichsten erscheint eine hybride Architektur: domänenspezifische Systeme, die auf Signale physischer Schutzbereitschaft sensibilisiert sind, eingebettet in ein allgemeineres System zur Schätzung sozialer Wertschätzung.
Fazit
Diese Studie ist methodisch sorgfältig, theoretisch gut verankert und liefert Befunde von erheblicher Bedeutung für das Verständnis menschlicher Partnerwahl. Sie zeigt: Menschen – Männer wie Frauen, heterosexuell wie homosexuell – bevorzugen Partner und Freunde, die bereit sind, für sie einzutreten. Körperliche Stärke ist dabei kein eigenständiges Attraktivitätsmerkmal, sondern ein Proxy für Schutzbereitschaft.
Dass diese Präferenzen in einer modernen Gesellschaft aktiv sind, in der die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich körperlich angegriffen zu werden, verschwindend gering ist, illustriert einen zentralen Befund der Evolutionspsychologie. Die Autoren bringen es auf den Punkt:
„These ancestral social ecologies left their fingerprints on the design of our modern psychology.“
(Barlev et al., S. 3)
Die Studie zeigt, dass Frauen nicht primär körperliche Stärke suchen, sondern Schutzbereitschaft – und Stärke nur insofern schätzen, als sie als Signal für diese Bereitschaft gelesen wird. Das Bild des „starken Mannes“, das kulturell so wirkmächtig ist, wäre demnach eine Vereinfachung eines komplexeren psychologischen Suchmusters: Gesucht wird nicht der Stärkste, sondern derjenige, der bereit ist, seine Stärke – welcher Art auch immer – für einen einzusetzen.
Ob Frauen dieses Muster bewusst „einfordern“ oder ob es sich als unbewusste Präferenz äußert, lässt die Studie offen. Die Befunde sprechen aber dafür, dass es sich um ein tiefes, kulturunabhängiges Motivsystem handelt: Es zeigte sich gleichermaßen bei heterosexuellen wie homosexuellen Frauen, bei der Bewertung von Langzeit- wie Kurzzeitpartnern, und bei Freundschaften ebenso wie bei romantischen Beziehungen.
Interessant ist schließlich die Frage, ob dieser Selektionsdruck auch umgekehrt funktioniert – ob also Männer, die in einer Kultur aufwachsen, in der Schutzbereitschaft erwartet und belohnt wird, dieses Verhalten stärker internalisieren. Die Studie kann das nicht beantworten. Aber sie liefert den entscheidenden Baustein: Die Präferenz ist real, sie ist stark, und sie ist robust gegenüber situativen Variationen. Das genügt, um einen evolutionären Wirkungsmechanismus zu plausibilisieren.
Was das gesellschaftlich bedeutet, ist eine offene Frage. Man könnte argumentieren, dass weibliche Schutzpräferenzen traditionelle Rollenbilder stabilisieren – oder umgekehrt, dass das zugrunde liegende Muster (Verlässlichkeit, Einsatz für andere, emotionale Präsenz in Gefahrensituationen) ein Ideal beschreibt, das weit über körperliche Dominanz hinausgeht. Beide Lesarten sind mit den Daten vereinbar. Was die Daten nicht zulassen, ist die Schlussfolgerung, dass diese Präferenzen kulturell konstruiert oder beliebig veränderbar sind. Sie sind, nach allem, was die Studie zeigt, tief in der menschlichen Partnerwahl-Psychologie verankert.
(ja, teile des Artikels habe ich einer KI-Zusammenfassung entnommen)
„Männer zwischen „Alpha“-Kult und Unsicherheit“
Eigentlich ja ein spannendes Thema. Und auch verständlich: Warum sollte man es gut finden, wenn sich Jungen als Verlierer fühlen.
Entsteht also gerade ein neues, toxisches Männerbild? Die Soziologin Sylka Scholz von der Universität Jena hält das für verkürzt. „Gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit sind eigentlich immer im Wandel“, sagt sie. Bereits seit den 1980er-Jahren werde über engagierte Väter diskutiert. Tatsächlich habe sich das Ideal vom distanzierten Ernährer zum präsenten Vater verschoben.
Gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit sind gleichzeitig im Wandel und konstant. Männer sollen immer noch stark sein, Versorger, Beschützer. Sie sollen üblicherweise die Hauptverdienerrolle einnehmen, einen guten Job haben etc.
Sie sollen, dass ist vielleicht das Neue, aber auch aktiver im Haushalt und der Kinderbetreuung sein. Wobei das auch wieder relativ ist, meist sollen sie es neben der Vollerwerbstätigkeit sein.
Und das wollen ja auch viele Männer. Sie wollen für ihre Kinder da sein, Zeit mit ihnen verbringen, etwas mit ihnen zusammen erleben.
Wobei für viele Frauen diese Gleichwertigkeit bei einer Trennung dann nicht so klar ist. Sie wollen dann eher kein Wechselmodell (auch wenn sich heute einige Paare durchaus auch darauf einigen können) sie wollen lieber die Kinder bei sich und sie bekommen Unterhalt und nur Umgang für den Vater
Auch die Frauenrolle ist da traditionell.
Doch dieser Wandel ist widersprüchlich. Fürsorge werde weiterhin mit Weiblichkeit verbunden und überwiegend von Frauen geleistet. Zugleich erlebten traditionelle, autoritäre Entwürfe ein Comeback. Die größere Vielfalt an Lebensentwürfen eröffne Chancen, glaubt Sylka Scholz. Sie könne aber auch verunsichern. Theoretisch stünden Männern viele Möglichkeiten offen, „doch die Ressourcen sind gesellschaftlich sehr ungleich verteilt“.
Mal sehen was sie damit meint.
Fitness, Proteine und Abwertung von Frauen
Unsicherheiten würden in der sogenannten „Manosphere“ aufgegriffen. Antifeminismus werde von rechten Kräften „als Brückenideologie instrumentalisiert“, so die Soziologin. Emanzipierte Frauen oder Migranten würden als Konkurrenten dargestellt. Doch solche Schuldzuweisungen lösten keine sozialen Probleme.
Da fehlen erst einmal die Inhalte. Es ist erstaunlich, dass Frauen über Männer herziehen können wie sie wollen, sogar in Magazinen wie Spiegel und Co und das aber keine Brückenideologie ist.
Es ist auch nicht so, dass nur Männer etwas gegen ungebremste Einwanderung haben.
Der Autor und Comedian Aurel Mertz beschreibt in seinem Buch „Alpha Boys“, wie junge Männer in sozialen Netzwerken auf Influencer stoßen, die Dominanz, Disziplin und Härte propagieren. Oft sei das verbunden mit Fitnesskult, Protein-Diäten und Abwertung von Frauen. „In Zeiten von Krisen sind die einfachen Antworten die, die am leichtesten gewinnen“, sagt Mertz.
Fitnesscult bei den Männern ist etwas schlechtes. Warum eigentlich? Bei Frauen gibt es das ja durchaus auch und genug Frauen lieben es ihren Körper zu zeigen. Und Dominanz ist ja bei Frauen durchaus gefragt, ebenso wie eine gewisse Härte. Ist Disziplin jetzt etwas negatives?
Das Versprechen laute: Wer an sich arbeite, könne zum „Alpha“ werden. Dabei beruhe schon der Begriff auf einem Mythos. Die Vorstellung vom dominanten Alphawolf gilt in der Verhaltensforschung längst als überholt. Dennoch halte sich das Bild vom natürlichen Anführer hartnäckig, auch als Projektionsfläche für männliche Selbstbilder.
Da wird auch einiges zusammengewürfelt. Bei Frauen gibt es ja auch den Wunsch „Alpha“ zu sein, es ist nur etwas anderes definiert: Nicht umsonst spielen Mädchen gern Prinzessin. Frauen wären natürlich auch gerne sehr schön, alle Jungs, aber insbesondere die Schönen und Coolen wollen sie als feste Freundin und alle Mädchen wollen sein wie sie. Stehen ganz oben in ihrer Clique und alle Mädchen wollen gerne mit ihnen befreundet sein.
Und es mag sein, dass man in der Verhaltensforschung mal auf den Wolf abgestellt hat, aber in Primaten gibt es relativ unstreitig Alphamännchen, etwa bei Schimpansen, die aber natürlich, genau wie Menschenmänner auf Koalitionen angewiesen sind und ihre Unterstützer brauchen.
Und natürlich gibt es auch Menschen, die „natürliche Anführer“ sind und die es eher schaffen sich an die Spitze einer Gruppe zu setzen – was dann üblicherweise auch bei Frauen gut ankommt.
Frauen finden Männer mit Status und Ressourcen interessant.
Verunsicherung in der Jugend sei normal, betont die Soziologin Sylka Scholz. In der Adoleszenz müssten sich alle mit Geschlechterrollen auseinandersetzen. Für Jungen blieben die Erwartungen erstaunlich konstant: Unabhängigkeit, Härte, emotionale Selbstkontrolle. Dieser „Boy Code“ sei trotz gesellschaftlicher Öffnung wirkmächtig. Wie Männer damit umgingen, hänge stark von den ungleich verteilten Ressourcen ab. Aus Sicht der Soziologin verfügen nicht alle jungen Männer über die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten. Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sieht Scholz bei heutigen Jugendlichen allerdings kaum noch. Entscheidend seien soziale Ressourcen, nicht die Region.
Das sagt ja alles erst mal wenig aus.
Wie stark prägen Filme und Serien solche Vorstellungen? Medienbilder würden nicht eins zu eins übernommen, glaubt die Soziologin. Sie müssten individuell angeeignet werden. Dennoch verhandle die Popkultur gesellschaftliche Konflikte oft früher und sichtbarer als politische Debatten.
Warum werden da eigentlich immer Soziologinnen befragt? Das die Unterschiede zwischen den Geschlechtern tiefe evolutionäre Wurzeln haben ist in den Bereich ja leider noch nicht vorgedrungen.
Vom Western zur Netflix-Serie „Adolescence“
Schon die klassischen Hollywood-Western erzählten von klaren Rollen. Schauspieler wie John Wayne stünden für den wortkargen Einzelgänger, der Recht mit Härte durchsetzt. Stärke zeige sich in körperlicher Überlegenheit und moralischer Entschlossenheit. Zweifel oder Verletzlichkeit blieben Randnotizen.
Männlichkeit als Selbstbehauptung in einer feindlichen Welt: Ein Ideal, das über Jahrzehnte wirkmächtig geblieben ist. Heute verschieben sich allerdings die Schauplätze. Serien im Streaming-Zeitalter zeigen Männer häufiger als Suchende. Die Konflikte spielen nicht mehr nur im staubigen Grenzland, sondern in Klassenzimmern, Familien oder digitalen Räumen.
Moralische Entschlossenheit ist auch nichts schlechtes.
Die Netflix-Serie „Adolescence“ erzählt von Jungen, die in Online-Männerforen radikalisiert werden. Hier wird Männlichkeit nicht als naturgegebene Stärke inszeniert. Sie wird vor allem im Netz performt und ständig bewertet. Zugehörigkeit, Status und Abwertung anderer greifen ineinander. Der Druck entsteht öffentlich, in Chats und Kommentarspalten.
Die Serie hatte ich hier besprochen. Sie zeigt auch nicht wie Jungen in Online-Männerforen radikalisiert werden. Das wird nur angedeutet, genauso wie eine Erklärung über den Vater, der auch zur Wut neigt.
Ich hasse ja solche kurzen Absätze. Im Netz gibt es genug Materialien, auch gerade in schlimmen „Männerforen“ die ohne Abwertung anderer auskommt und eher Selbstentwicklung anspricht: Jemand werden, an sich selbst arbeiten.
Ein Inner Game Ansatz wäre zB , dass man sein Leben so einrichtet, dass man selbst mit Stolz auf sich blicken kann. Es geht um Punkte wie Authentizität etc.
Immer auf der Suche nach einer „Retterin“
Gleichzeitig entstehen Gegenentwürfe: verletzliche Helden, fürsorgliche Väter, Männerfiguren, die scheitern dürfen. Doch diese Bilder stehen im Wettbewerb mit hypermaskulinen Idealen, die in sozialen Netzwerken millionenfach geklickt werden. Drehbuchautorin Anika Decker kritisiert, viele Formate reproduzierten weiterhin problematische Muster, etwa den emotional verschlossenen Mann, den eine Frau „retten“ müsse.
Fürsorgliche Väter sind glaube ich heutzutage kaum noch ein Bild, welches Kontrovers ist. Die meisten auch von Männern verbreiteten Männlichkeitsvorstellungen sehen das so. Und auch scheitern kommt darin vor, aber natürlich mit dem Wunsch, dass man wieder aufsteht und sich verbessert oder reflektiert, was schief gegangen ist.
Aber es ist auch eine sehr positive Darstellung von „Gegenentwürfen“. Weitaus häufiger als der liebevolle Vater oder der Mann, der scheitern darf, ist der männliche Idiot, der neben der weiblichen Heldin alles falsch macht. Oder der Gegner der weiblichen Heldin, der nur eine Witzfigur ist.
Ein Beispiel wären die letzten Starwars Filme. Welche positiven „Männlichkeitsentwürfe“ waren dort enthalten? Die Schurken waren alle unfähige Karikaturen, die männlichen Protagonisten Nebenfiguren der Heldin, die wie etwa Poe jederzeit von den Frauen ausgebremst werden konnten. Selbst Luke wurde der Mann, der aufgegeben hat und durch die neue Heldin ersetzt wurde die aus irgendwelchen Gründen dann auch eine Skywalker war um die Ersetzung noch deutlicher zu machen.
Ein klar umrissenes „neues Männerbild“ gibt es nicht. Stattdessen konkurrieren unterschiedliche Entwürfe, zwischen Gleichberechtigung und Dominanz, Fürsorge und Abgrenzung. Die politische Debatte um Jungenförderung trifft auf tiefere gesellschaftliche Fragen: Wer hat Zugang zu Bildung und Aufstieg? Welche Werte gelten als erstrebenswert?
Die Antworten entstehen nicht allein im Netz. Ausgehandelt werden sie in Schulen, Familien und kulturellen Erzählungen. Ob junge Männer sich als Verlierer fühlen oder als Teil einer vielfältigen Gesellschaft, hängt deshalb nicht nur von Leitbildern ab, sondern von realen Chancen.
Auch sehr nichtssagend. Es wird nicht angesprochen, warum sie sich als Verlierer fühlen, was für sie verbessert werden muss etc.
Selbermach Mittwoch
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Iran
Was wird es im Iran geben?
Die Lage im Iran ist interessant:
- Die USA und Israel wollen anscheinend für einen Systemsturz und eine Revolution des Volkes sorgen
- Sie haben das bisherige Oberhaupt weggebombt und die Nachfolger haben anscheinend auch eine Lebensdauer, die eher in Stunden zu rechen ist.
- Trump hat den Vorteil, dass die Leute wissen, dass er sich nicht großartig um Diplomatie und Völkerrecht kümmern wird, er hat sozusagen einen gewissen Verrücktenbonus, bei dem sich jeder Regimetreue Politiker überlegen muss, ob er als nächster dran sein will
- Die Frage ist, ob das reicht. Kann man die republikanischen Garden aus der Luft bekämpfen? Oder müsste man dafür Bodentruppen einsetzen, etwas was wahrscheinlich selbst Trump nicht im größeren Stil machen wird
- Welcher Druck entsteht dadurch, dass dort Schifffahrtswege gesperrt werden?
Trumps Rede dazu ist ganz interessant (übersetzt):
Viele Iraner sind auf der Straße und feiern den Sturz, aber reicht es für einen Umschwung? Oder können sei sich dann nicht durchsetzen?
Und was überhaupt wird der Zeitrahmen sein, in dem sich das alles abspielt?
Grundsätzlich würde ich sagen: Jeder Staat, der nicht mehr radikal islamisch ist, sondern idealerweise säkulär, ist ein Gewinn für die Welt.
Aber es müsste auch dort wahrscheinlich eine „Entislamisierung“ stattfinden und man müsste einen Weg finden mit den Folterknechten, Revolutionsgarden etc umzugehen.
Ich hoffe es gelingt
Der Anteil junger Menschen, die sich als Feministinnen und Feministen bezeichnen, sinkt: von 50 % im Jahr 2021 auf 38 % im Jahr 2025 (in Spanien)
Interessante Daten aus Spanien: (via Arne)
- 48,9 % der jungen Menschen nehmen in Spanien erhebliche Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern wahr; die Kluft in dieser Wahrnehmung beträgt fast 20 Prozentpunkte zwischen Mädchen (61,4 %) und Jungen (36,7 %), was auf sehr unterschiedliche Interpretationen der sozialen Realität hinweist.
Wenig verwunderlich, wenn das eine Geschlecht beständig als Opfer dargestellt wird und das andere beständig als Täter.
- Die feministische Gesinnung junger Menschen wird bis 2025 auf 38,4 % sinken; 2017 lag sie bei 34,6 %, 2021 erreichte sie 49,9 % und 2023 bei 42 %, was fast 12 Punkte weniger als ihr historischer Höchststand ist.
Die Zahlen finde ich interessant.
- 2017: 34,6%
- 2021:49,9%
- 2023: 42 %
- 2025: 38,4%
Das wäre ja immerhin ein sehr deutlicher Abwärtstrend. Allerdings gleichzeitig noch nicht auf dem Stand von 2017.
- Im Alltag zeigen junge Menschen einen breiten egalitären Konsens: 81,8 % verteidigen die offene Kommunikation als Grundlage der Partnerschaft und 77,4 % sehen die Gleichberechtigung von Rechten und Pflichten als zentrales Element der Beziehung.
Das ist auch interessant, weil es eine Spaltung von Zustimmung zur Gleichberechtigung und Zustimmung von Feminismus zeigt. Wobei der Feminismus vermutlich sagen würde, dass man das gar nicht spalten kann.
Allerdings bestehen weiterhin Stereotypen und Diskriminierungserfahrungen: Nur 17 % geben an, sich noch nie diskriminiert gefühlt zu haben, wobei Aussehen und Geschlecht die Hauptgründe dafür sind.
Das ist ja durchaus eine interessante Zahl, wenn sie auf beide Geschlechter zusammen bezogen ist.
Die Studie analysiert die Wahrnehmungen, Einstellungen und Erfahrungen junger Spanierinnen und Spanier in Bezug auf Geschlecht, Beziehungen, Ungleichheiten und Gewalt. Sie wird von der Regierungsdelegation gegen geschlechtsspezifische Gewalt des Ministeriums für Gleichstellung finanziert und seit zehn Jahren mit Unterstützung der Banco Santander und Telefónica durchgeführt. Die Präsentation erfolgt in Zusammenarbeit mit Article 14 .
Fast vier von zehn jungen Menschen in Spanien (38,4 %) bezeichnen sich als Feministinnen und Feministen , während fast die Hälfte (49,2 %) den Feminismus als Instrument politischer Manipulation wahrnimmt . Dieses Nebeneinander von Unterstützung und Misstrauen zeichnet ein komplexes Bild, in dem die Positionen zur Geschlechterfrage nicht einheitlich sind und die Spannungen der aktuellen öffentlichen Debatte widerspiegeln.
Im Vergleich zur spanischen Gesamtbevölkerung ist die feministische Gesinnung unter jungen Menschen etwas geringer: 42,1 % der Gesamtbevölkerung bezeichnen sich als Feministinnen und Feministen . Die Unterstützung für den Feminismus nimmt mit dem Alter zu und erreicht ihren Höhepunkt (52,2 %) bei den 30- bis 39-Jährigen
Eine interessante Grafik. Auch im spanischen einfach zu lesen.Ich habe sie aber mit KI noch einmal auf deutsch erstellen lassen:
Als erstes natürlich interessant: Der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Leider wird er nicht über die Altersgruppen aufgeschlüsselt. Das hätte ich sehr interessant gefunden.
Der Wert der Frauen insgesamt mit Zustimmung ist mit 51,3% aber immer noch sehr hoch, der Wert bei den Männern mit 26% Zustimmung zu 60,6% Ablehnung schon sehr niedrig.
Auch interessant, dass die 15-19jährigen insgesamt die niedrigste Zustimmung haben, wobei sie dann ja recht deutlich steigt. Hier müsste man wissen, ob das eine neuere Sache bei der jüngeren Generation ist oder eher typisch, weil diese noch nicht so viel Kontakt mit Berufsleben, Beziehungen etc hat.
Das feministische Bewusstsein junger Menschen hat damit den niedrigsten Stand seit 2021 erreicht. 2017 lag der Anteil bei 34,6 %, stieg 2021 auf 49,9 % – den Höchstwert in dieser Reihe – und erreichte 2023 42 %. Der Wert für 2025 liegt fast 12 Punkte unter dem Höchststand von 2021 , was die erheblichen Schwankungen im feministischen Selbstverständnis im letzten Jahrzehnt bestätigt.
Unterdessen sind 48,9 % der jungen Menschen der Ansicht, dass die Geschlechterungleichheit in Spanien erheblich oder sehr erheblich ist . Diese Wahrnehmung wird jedoch nicht gleichermaßen geteilt: 61,4 % der Mädchen geben an, ein hohes Maß an Ungleichheit zu erleben, verglichen mit 36,7 % der Jungen – ein Unterschied von mehr als 20 Prozentpunkten .
Im Feminismus würde man sagen, dass die Privilegierten eben ihre Privilegien nicht sehen. Im Maskulismus vielleicht eher, dass Frauen immer noch Ungleichheit mit Benachteiligung verwechseln, also Ergebnisgleichheit statt Chancengleichheit fordern und die Männer eben deutlich merken eher differenzieren.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass im Alltag ein breiter Konsens über egalitäre Beziehungsmodelle besteht. 81,8 % der jungen Menschen befürworten offene und ehrliche Kommunikation als Grundlage einer gesunden Beziehung, und 77,4 % betrachten die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Pflichten als grundlegendes Element in einer Partnerschaft . Diese Daten deuten auf eine starke Verinnerlichung der Prinzipien geteilter Verantwortung und Autonomie hin.
Hatte ich schon oben etwas zu geschrieben. Die Frage wäre dennoch wie man das jeweils auslegt und was passiert, wenn Kinder da sind (vorher ist ja alles einfach)
Bei der Analyse bestimmter Einstellungen zum Thema Kontrolle in Beziehungen gewinnt der Generationenvergleich jedoch an Bedeutung. In der erwachsenen Bevölkerung ist die Zustimmung zu diesen Vorstellungen deutlich geringer: Nur etwa 11,7 % interpretieren Eifersucht als Liebesbeweis (22,9 % der Jugendlichen), und 20,9 % sind der Ansicht, man solle jederzeit den Aufenthaltsort des Partners kennen (gegenüber 31 % der Jugendlichen). Diese Daten legen nahe, dass bestimmte Kontrolldynamiken in allen Altersgruppen verbreitet sind, wenngleich es generationsbedingte Unterschiede gibt.
Eifersucht als Liebesbeweis finde ich etwas schwierig, kann aber auch eine kulturelle Sache sein. Vollkommene Gleichgültigkeit ist sicherlich auch nicht optimal. Wobei die Frage ist in welchen Situationen man Anlass zur Eifersucht hat.
„Jederzeit den Standort kennen“ würde ich persönlich etwas viel finden, wobei ich auch Leute kenne, die das praktisch finden. Meist Leute aus dem Apple-Ökosystem, vielleicht ist es da ein verbreiteteres Feature über Familiepläne oder etwas in der Art. Ich bin eher bei Android dabei, wo man sicherlich auch einen Standort teilen kann. Aber mein Ding wäre es nicht (auch wenn mein Standort innerhalb der Woche sehr langweilig wäre. Meist Büro oder Zuhause)
Laut Beatriz Martín Padura , Generaldirektorin von Fad Juventud, „ zeigen die Daten eine Jugend, die egalitäre Rahmenbedingungen in viele Aspekte ihres täglichen Lebens integriert, aber gleichzeitig widersprüchlichen Diskursen ausgesetzt ist, die ihre Positionierung beeinflussen. Wir sprechen nicht von linearen Rückschlägen oder einheitlichen Fortschritten, sondern von einem komplexen Szenario, in dem ein breiter Konsens neben divergierenden Wahrnehmungen existiert .“
Dies sind einige der Ergebnisse des Jugend- und Geschlechterbarometers 2025 , das auf einer Online-Umfrage unter 3.327 Personen mit Wohnsitz in Spanien basiert, darunter 1.528 junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren. Die Datenerhebung fand zwischen April und Mai 2025 statt. Diese fünfte Ausgabe baut auf einer Reihe auf, die 2017 begann und die Analyse von Trends über ein Jahrzehnt ermöglicht. Die Studie wurde von der Regierungsdelegation gegen geschlechtsspezifische Gewalt finanziert und ihre Präsentation von Artikel 14 unterstützt.
Beziehungen, Rollen und Stereotypen
Der Beziehungsbereich ist einer der Bereiche, in denen junge Menschen ihren egalitären Konsens am deutlichsten zum Ausdruck bringen. Neben einer breiten Übereinstimmung in Bezug auf offene Kommunikation ( 81,8 % ) und Gleichberechtigung ( 77,4 % ) halten 72,1 % es für unerlässlich, dass jeder Partner seinen persönlichen Freiraum wahrt . Frauen stimmen diesen Aussagen um 10 bis 15 Prozentpunkte häufiger zu als Männer .
Da wäre interessant, wie die Aussagen jeweils ausfallen. Frauen sind danach also eher für Freiraum als Männer? Bei Gleichberechtigung kann ich es noch verstehen, weil das ein sehr weiter Begriff sein kann und es vielleicht die Frage ist, was man darunter versteht. Auch was offene Kommunikation ist wäre näher zu definieren.
Diese Daten deuten auf eine deutliche Verinnerlichung der Prinzipien von Autonomie, Respekt und geteilter Verantwortung hin. Dieser erklärte Konsens steht jedoch im Widerspruch zur weit verbreiteten Kontrolldynamik . 32,1 % der jungen Frauen berichten, dass ihr Partner wütend geworden ist, weil er nicht sofort auf Nachrichten oder Anrufe reagiert hat ( 17,5 % der Männer ); 27,3 % berichten, dass ihr Partner ihr Handy kontrolliert hat ( 17 % der Männer ); und 26,6 % berichten, dass ihr Partner ihnen vorgeschrieben hat, mit wem sie sprechen dürfen und mit wem nicht ( 17,2 % der Männer ). Das egalitäre Ideal existiert somit neben Praktiken, die Mädchen deutlich stärker betreffen .
Das finde ich erstaunlich hohe Werte. Ich habe noch nie das Handy meiner Partnerinnen kontrollieren wollen und würde ihnen auch nie vorschreiben, mit wem sie sprechen dürfen. Südländerin ist schon mal wütend gewesen, weil ich nicht auf Nachrichten reagiert habe, aber ich habe mein Handy meist auf lautlos, gerade im Büro.
Darüber hinaus stimmt fast die Hälfte den Grundsätzen romantischer Liebe zu: 48,4 % sind der Meinung, dass eine Beziehung absolute Hingabe an den Partner impliziert , und 46,8 % glauben, dass sie von Anfang an als lebenslange Bindung betrachtet werden sollte . 31 % meinen, sie hätten ein Recht darauf, jederzeit den Aufenthaltsort ihres Partners zu kennen , 22,9 % interpretieren Eifersucht als Liebesbeweis und 20,9 % halten es für normal, das Handy des Partners zu kontrollieren . Auch wenn dies nicht die Mehrheitsmeinung darstellt, offenbart sie das Nebeneinander von toxischen und besitzergreifenden Vorstellungen von Beziehungen.
Das ist vielleicht auch eher Teil der spanischen Kultur
Ich habe die Grafik dazu mal auch umgewandelt
Die größten Unterschiede sind, dass Männer eher für das Teilen des Standorts sind und Eifersucht eher als Liebesbeweis sehen, eher verzeihen und eher Freundschaften vernachlässigen und eher aufs Handy schauen oder das eher dulden.
Das Barometer deckt auch das Fortbestehen von Stereotypen am Arbeitsplatz und im Privatleben auf . 27,2 % glauben, dass Forschung und Wissenschaft eher Männerdomänen seien, und zwischen 36 % und 45 % assoziieren Branchen wie IT, Unternehmensführung und Ingenieurwesen überwiegend mit Männern.
Stereotyp Accuracy wäre eine bessere Bezeichnung
Im Haushalt geben 56,2 % an, dass die Hausarbeit gleichberechtigt aufgeteilt ist. Ist dies jedoch nicht der Fall, fällt die Arbeit hauptsächlich auf Frauen (38,5 %), verglichen mit 2,3 %, die dies bei Männern angeben. Darüber hinaus berichten nur 6,9 % aller jungen Menschen, keinen sozialen Druck zu verspüren. Dies unterstreicht den Druck in Bezug auf Erfolg, Aussehen und emotionale Selbstregulation.
UNGLEICHHEITEN UND POSITIONEN
48,9 % der jungen Menschen halten die Geschlechterungleichheit in Spanien für erheblich oder sehr erheblich . Die Kluft zwischen den Geschlechtern ist besonders deutlich: 61,4 % der Mädchen nehmen ein hohes Maß an Ungleichheit wahr, verglichen mit 36,7 % der Jungen . Dieser Unterschied von mehr als 20 Prozentpunkten zeigt, dass die Erfahrung und Interpretation von Ungleichheit nicht einheitlich ist.
Rund ein Drittel der jungen Menschen leugnet die Existenz des geschlechtsspezifischen Lohngefälles am Arbeitsplatz, was auf erhebliche Unterschiede im Verständnis struktureller Ungleichheiten hinweist.
Hatten wir auch schon besprochen.
Was die ideologische Orientierung betrifft, bezeichnen sich 38,4 % der jungen Menschen als Feministinnen und Feministen . Die 2017 begonnene Umfragereihe zeigt eine deutliche Entwicklung: Von 34,6 % in der ersten Erhebung erreichte der Wert 2021 einen Höchststand von 49,9 %, sank anschließend auf 42 % im Jahr 2023 und erreichte 2025 den aktuellen Wert. Der Rückgang um fast 12 Prozentpunkte gegenüber dem Höchststand von 2021 bestätigt, dass die feministische Selbstidentifikation junger Menschen nicht statisch ist, sondern auf sich verändernde gesellschaftliche und politische Dynamiken reagiert.
Die Aufschlüsselung nach Geschlecht offenbart deutliche Unterschiede. 51,3 % der jungen Frauen bezeichnen sich als Feministinnen , verglichen mit einem deutlich geringeren Anteil bei den Männern ( 26 % ). Doch selbst unter den Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang zu verzeichnen: 2023 lag der Anteil bei 57,4 %, was einem Rückgang von mehr als sechs Prozentpunkten innerhalb von nur zwei Jahren entspricht . Obwohl Mädchen weiterhin deutlich mehr Unterstützung zeigen als Jungen, ist auch die letztere Gruppe von diesem Rückgang betroffen .
Das wäre ja ein positives Zeichen. Ich bin ja immer noch dafür, dass man „Ich stimme dem Feminismus zu“ oder „Ich bezeichne mich als Feministin“ mal nach den verschiedenen Aussagen innerhalb des Feminismus aufspalten würde. Das könnte interessante Einsichten bringen.
Obwohl fast die Hälfte der jungen Menschen (49,2 %) der Meinung ist, dass Feminismus notwendig ist, um echte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu erreichen, besteht diese Zustimmung neben kritischen Wahrnehmungen, die eine ambivalente Haltung gegenüber dem Konzept erkennen lassen.
Weil eben auch nur nach Feminismus gefragt wurde. Würde man fragen ob man gleiche Rechte für Frauen und Männer braucht wäre die Antwort eben eine andere als bei der Frage nach intersektionalen Theorien und der Aufteilung in „Männer sind privilegiert, Frauen benachteiligt“
Diese Ambivalenz variiert auch je nach Alter innerhalb der Bevölkerung. Die feministische Identifikation nimmt stetig zu und erreicht ihren Höhepunkt zwischen den 30- und 39-Jährigen (52,2 %). Dies ist die einzige Altersgruppe, in der sich mehr als die Hälfte als Feministinnen und Feministen bezeichnet. Bei den 15- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bei 38,4 %, während er ab 40 Jahren auf etwa 40 % sinkt.
30-39 ist auch ein Alter, in dem man häufig kleine Kinder hat. Das könnte auch die Einstellung verändern.
DISKRIMINIERUNG UND GEWALT
Diskriminierungserfahrungen gehören zum Lebensweg der meisten jungen Menschen. 83 % geben an, sich schon einmal diskriminiert gefühlt zu haben , und nur 17 % sagen, sie hätten dies noch nie erlebt. Die häufigsten Gründe sind Aussehen ( 35,5 % ), Geschlecht ( 34,6 % ) und Alter ( 24,9 % ).
Darunter gibt es noch etwas Auschlüsselung:
Frauen berichten häufiger von Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts ( 44,2 % ) als Männer aufgrund ihres Geschlechts ( 25,4 % ), was erneut auf signifikante Unterschiede in der Alltagserfahrung hinweist.
Wäre interessant, ob man das noch um
Geschlechterunterschiede zeigen sich besonders deutlich bei Gewalt in Partnerschaften . 27,3 % der jungen Frauen geben an, dass ihr Partner ihr Handy kontrolliert hat (im Vergleich zu 17 % der Männer), und 32,1 % berichten, verärgert gewesen zu sein, weil sie nicht sofort auf Nachrichten oder Anrufe reagiert haben – fast doppelt so viele wie bei Männern (17,5 %). Im Bereich sexueller Gewalt gibt jede fünfte junge Frau (20,3 %) an, gegen ihren Willen zum Sex gezwungen worden zu sein, im Vergleich zu 8 % der jungen Männer. Darüber hinaus sind die Auswirkungen und Folgen von Gewalt in Partnerschaften vielfältig: 44 % der Frauen berichten von psychischen Problemen, im Vergleich zu 19,6 % der Männer, und 43 % geben an, Schuld- oder Schamgefühle empfunden zu haben, im Vergleich zu 19 % der jungen Männer.
Müsste man auch die Ereignisse näher kennen.
Verantwortung übernehmen: Wie eigentlich?
In dem PurplePill Subreddit wird eine interessante Frage aufgeworfen:
Red-Piller lieben es, vage Aussagen darüber zu machen, dass Frauen „Verantwortung übernehmen“ sollten, aber selten wird erklärt, was das eigentlich bedeutet.
Ich höre oft, dass Frauen Verantwortung dafür übernehmen sollten, dass sie Männer daten, zu denen sie sich hingezogen fühlen, dass sie Single sind, dass sie keinen Sex mit unattraktiven „guten“ Männern haben oder einfach generell.
Aber ich habe nie verstanden, was das eigentlich bedeutet. Daher habe ich ein paar Fragen an euch:
- Was bedeutet „Verantwortung übernehmen“ für dich im Allgemeinen?
- Wofür sollten Frauen Verantwortung übernehmen?
- Wie kann jemand Verantwortung übernehmen? Kannst du konkrete Beispiele nennen, welche Maßnahmen Frauen ergreifen sollten, um Verantwortung zu übernehmen?
Aus den Antworten:
Verantwortung im Kontext von Dating bedeutet, sich bewusst zu machen, wie das eigene Verhalten die romantischen Beziehungen beeinflusst. Es ist der Unterschied zwischen „Männer sind Dreck! Sie tun nicht einmal das Mindeste“ und „Was mache ich falsch, dass die Männer, mit denen ich zusammenkomme, mich nicht so behandeln, wie ich es mir wünsche? Wie kann ich mich anders verhalten, um die Männer anzuziehen, die ich möchte, und sie dazu bringen, mich besser zu behandeln?“
Auch Männer sind davon nicht ausgenommen. Ein Problem, das ich bei vielen Red-Pill-Typen sehe, ist, dass ihnen ebenfalls die Verantwortung fehlt. Wenn alle Frauen, mit denen du zu tun hast, emotional instabil oder nur auf Geld aus sind, solltest du vielleicht einmal hinterfragen, warum genau diese Frauen die einzigen sind, die du anziehst.
Oder:
Verantwortung („Accountability“) überschneidet sich meist mit wahrgenommenen „Pflichten“ in der Beziehung, mangelndem Einsatz oder der Wahrheit.
Frauen werden in der heutigen Gesellschaft und Kultur weitgehend darauf konditioniert zu glauben, dass Männer für 99 % des Gelingen oder Scheiterns einer Beziehung verantwortlich sind, und versuchen, ihre eigene Handlungsfähigkeit und Verantwortung aus der Beziehung zu entfernen und sich selbst als Opfer darzustellen. Dies wird stark durch Medien, Social Media und auch Frauen selbst verstärkt. Es ist wie ein Schutzschild, das verhindert, dass sie jemals zugeben, etwas falsch gemacht zu haben. Es ist immer die Schuld des Mannes. Punkt. Männer wissen das im Allgemeinen bereits, aber schaut man sich irgendein Beziehungsthema auf Reddit an und vertauscht die Geschlechter, erkennt man die Trends im Feedback sofort.
- Wenn die Intimität nicht gut läuft, ist es die Schuld des Mannes, obwohl Frauen 50 % der Beziehung ausmachen.
- Wenn du einem Mann etwas vormachst (besonders bezüglich Beziehung, sexueller Geschichte, Wünsche oder Vorlieben) / Verantwortung
- Wenn du aufhörst, dich um sexuelle Intimität oder Zufriedenheit zu bemühen / Verantwortung
- Wenn du deine Fehler nicht zugeben kannst oder nicht gern zugibst, dass du in etwas falsch liegst / Verantwortung
- Wenn du „Verantwortung übernimmst“, aber dann keine Anstrengungen unternimmst, um das Fehlverhalten zu korrigieren / Verantwortung
Und:
Ist das diese berühmte „Tagesbetreuung für Erwachsene“, wo wir heute ein erwachsenes Konzept lernen wie „Verantwortung übernehmen“? Okay, Kinder, Verantwortung übernehmen bedeutet, zu akzeptieren, dass Dinge teilweise (oder ganz) deine Schuld bzw. dein Verdienst sind und Verantwortung für dein eigenes Handeln zu tragen.
Es ist nicht die Schuld vom Eis, dass es lecker ist, es ist deine Schuld, dass du es gekauft, in deinen Mund gesteckt und dadurch vielleicht zugenommen hast.
Nein, dieser „böse Junge“ hat dich nicht manipuliert, mit ihm zu schlafen – du wolltest es schon selbst und wurdest nur leicht überzeugt.
Schwanger zu werden, wenn du es nicht wolltest, ist ebenfalls deine Schuld.
Alleinerziehend zu sein… Weißt du, dass man dafür zwei Menschen braucht? Wenn es nicht funktioniert hat, ist es teilweise auch deine Schuld.
Brauchst du noch mehr Beispiele, etwa im beruflichen Umfeld? Oder reicht das? Ich hoffe, es reicht, denn Dinge wie Vertragsstrafen für grobes Versagen klingen beängstigend, und das Patriarchat dafür verantwortlich zu machen, wird diesmal nicht funktionieren.
Wie Neanderthaler und Menschen sich genetisch vermischt haben
Eine interessante Studie geht gerade durch die Presse:
Sex biases in admixture and other demographic processes are recurrent features throughout human evolution. For admixture between Neanderthals and anatomically modern humans (AMHs), sex bias has been proposed as an explanation for the relative lack of Neanderthal ancestry in modern human X chromosomes compared with that in modern human autosomes. By observing a 62% relative excess of AMH ancestry in Neanderthal X chromosomes, we characterized the interbreeding between the two groups as predominantly male Neanderthals with female AMHs. Analytic and numerical modeling presents mate preference as a more parsimonious cause of the sex bias than purely demographic processes with differential patterns of male and female migration.
Quelle: Interbreeding between Neanderthals and modern humans was strongly sex biased
und die Zusammenfassung auf der gleichen Seite:
Obwohl ein geringer Anteil an Neandertaler-Erbgut bei den meisten Menschen vorhanden ist, ist dieses Erbgut nicht gleichmäßig verteilt. Einige wenige Regionen auf den Autosomen sind bei praktisch allen lebenden Menschen vollständig frei von Neandertaler-Erbgut, und das X-Chromosom ist über seine gesamte Sequenz stark reduziert. Platt et al. modellierten die möglichen demografischen Prozesse und Selektionsmechanismen, die dieses Muster hervorgebracht haben könnten. Sie fanden heraus, dass diese Muster am besten mit einer stark männlich geprägten Neandertaler-Beitragung zu menschlichen Populationen vereinbar sind. Die gleichzeitig zusätzlich verringerte Präsenz in funktionalen Bereichen des X-Chromosoms deutet darauf hin, dass die Auswirkungen dieser Schieflage durch negative Selektion gegen Neandertaler-Varianten verstärkt worden sein könnten.“
Und aus einem Bericht darüber:
Es wurden keine Genome von Neandertalern gefunden, die nach der Paarung mit modernen Menschen vor etwa 50.000 Jahren lebten. Als Platt und seine Kollegen jedoch die Autosomen einer Neandertalerin untersuchten, die vor etwa 122.000 Jahren in Sibirien lebte, entdeckten sie Spuren früherer Begegnungen zwischen Neandertalern und H. sapiens. Ihre Studie von 2023 schätzte, dass diese Verbindungen etwa 5.000 Generationen vor der Geburt der sibirischen Neandertalerin stattfanden, also ungefähr vor 250.000 Jahren.
Bei der Untersuchung der X-Chromosomen derselben Neandertalerin fanden Platt und die UPenn-Kollegen Daniel Harris und Sarah Tishkoff etwa 1,6-mal mehr H. sapiens-DNA als in ihren anderen Chromosomen. Ähnliche Überschüsse modernen menschlichen Erbguts auf X-Chromosomen wurden auch bei Neandertalern aus zwei anderen Fundstellen nachgewiesen, datiert auf 80.000 bzw. 52.000 Jahre vor heute.
Um zu verstehen, wie diese überschüssige H. sapiens-DNA auf den Neandertaler-X-Chromosomen landete, simulierten die Forschenden verschiedene Szenarien von Migration und Paarung. Sie testeten beispielsweise, ob der 1,6-fache Überschuss entstanden sein könnte, wenn die Gruppe moderner Menschen, die in das Neandertalergebiet zog, überwiegend weiblich war. Selbst im extremsten Fall – ausschließlich weibliche Immigrantinnen – ergab die Rechnung nur einen 1,3-fachen Überschuss an H. sapiens-DNA auf den X-Chromosomen im Vergleich zu den Autosomen.
Am plausibelsten für den 1,6-fachen Überschuss war eine verzerrte Paarungspräferenz: ein Szenario, in dem männliche Neandertaler und weibliche moderne Menschen am häufigsten zusammenkamen.
„Es ist eine wirklich clevere Analyse“, sagt die Populationsgenetikerin Sohini Ramachandran von der Brown University, die an der Studie nicht beteiligt war. Sie betont, dass Faktoren wie Paarungspräferenzen bisher als Einfluss auf die Vermischung der beiden Arten unterschätzt wurden. „Geschlechtsspezifische Verzerrungen sind etwas, das in der Geschichte der Menschheit sehr weit verbreitet ist.“
Peter stimmt zu, dass der Befund von überschüssiger moderner DNA auf dem Neandertaler-X „wirklich auffällig“ ist. Er weist jedoch darauf hin, dass das simulierte Paarungsereignis lange vor der Vermischung stattfand, die Neandertaler-DNA vor 50.000 Jahren in den modernen Genpool brachte. Mit anderen Worten: Nur weil männliche Neandertaler und weibliche moderne Menschen vor 250.000 Jahren bevorzugt zusammenkamen, heißt das nicht, dass dies auch vor 50.000 Jahren der Fall war. Andere Mechanismen wie natürliche Selektion könnten die Knappheit von Neandertaler-DNA auf unserem eigenen X-Chromosom erklärt haben.
Die von Tishkoff und ihren Co-Autorinnen aufgedeckte Paarungspräferenz spiegelt ihrer Ansicht nach etwas über die Kultur und das Sozialverhalten beider Arten wider. Das Team wagte es nicht, darüber zu spekulieren, ob der Geschlechtsverkehr einvernehmlich oder erzwungen war. Für Steven Churchill, einen Paläoanthropologen der Duke University, der an der Forschung nicht beteiligt war, deutet der Befund jedoch auf Aggression hin.
Wenn männliche Vertreter einer Art weibliche Vertreter der anderen monopolisierten, sagt er, „ist es schwer, dies mit etwas anderem als einem wettbewerbsorientierten, unfreundlichen Verhalten in Einklang zu bringen.“
Anscheinend haben sich insofern eher Neanderthaler eher mit Homo Sapiens Frauen gepaart als andersrum.
Eine einfache Erklärung wäre, dass die Neanderthalerfrauen für die Homo Sapiens Männer nicht so interessant waren. Eine andere wäre, dass Schwangerschaften von Neanderthalerfrauen mit Homo Sapiens Kindern eher schiefgegangen sind.
Selbermach Samstag
Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?
Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)
Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?
Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?
Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs
Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.
Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.
Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen
Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.
„Es ist gut dokumentiert, wie stark finanzielle Ungleichheit das Leben von Frauen bestimmt“ – Die SZ zum Equal Pay Day
Gestern war je der Equal Pay Day und natürlich gab es wieder viele Artikel zur Diskriminierung der Frau. Ich fand diesen bei der Süddeutschen ganz interessant, weil er die schlimme Lage der Frauen kurz und prägnant zusammen fasst:
Es ist gut dokumentiert, wie stark finanzielle Ungleichheit das Leben von Frauen bestimmt.
Ganz abgesehen davon, dass viele Frauen mit ihren Ehemännern eine wirtschaftliche Einheit bilden, die man hier einfach mal ausblendet, genauso wie die familienrechtlichen Ausgleichsansprüche, die das zusätzlich absichern, bin ich mal gespannt was kommt.
Das fängt damit an, dass Produkte, die als „weiblich“ vermarktet werden, oft deutlich teurer sind als die „männlichen“ Pendants.
Das stimmt so auch nicht. Frauenschuhe zB scheinen mir zB häufig billiger zu sein, einfach weil Frauen davon mehr haben wollen, passend zu diversen Anlässen.
Aber dazu hatte Teardown hier auch mal etwas schlaues angeführt:
Preiselastizität
Einkommenselastizität
Preisdiskriminierung
Pareto-Effizient
Giffen-Gut
Reservationspreis
Markträumung
Indifferenzkurve
Nutzenniveau
Auf Nachfrage führte er weiter aus:
Die beste Antwort, die alle mikroökonomischen Konzepte zusammenfasst, hat die frz. Ministerin für Frauenfragen letztes Jahr gegeben:
„Ehrlich gesagt habe ich das so wie viele andere Frauen auch bemerkt, aber mich nicht weiter darum gekümmert“
Jopp. Bitte, danke!
Also:
Offenbar weichen die Nutzenfunktionen zw. Männern und Frauen bei Luxusgütern voneinander ab. Frauen spenden Güterbündel mit einem höheren Anteil von Kosmetika z.B. höhere Nutzenniveaus, als das bei Männern der Fall ist. Daher haben wir bei diesen Produkten unterschiedliche Indifferenzkurven. Bei jeder gegeben Budgetgerade geben Frauen mehr Geld für Kosmetika aus. Daher haben sie einen höheren Reservationspreis und es kommt aus Sicht des Anbieters (Mit Hilfe von MaFo) bei höheren Preisen zur Markträumung. Und da der Anbieter seine Produzentenrente optimieren will, ruft er höhere Preise für Frauenprodukte ab
Oder kurz:
Die Preise für „Productsforher“ sind teurer, weil Frauen es kaufen.
Thats it!
Oder anders ausgedrückt: Die „Pink Tax“ besteht, weil Frauen für das Pinke Produkt gerne mehr ausgeben, aber es gibt keine „Blue Tax“ für Männer, weil Männer dann eben das schwarze, grüne oder graue Produkt kaufen und es sie nicht so interessiert.
Das man Produkte für Frauen TEURER verkaufen kann zeigt im übrigen das Gegenteil davon, was hier eigentlich dargelegt werden soll: Frauen sind nicht arm und haben kein Geld, sie können es sich leisten für besondere Produkte mehr auszugeben als es Männer tun würden (gut, die haben andere Produkte, aber da reicht dann üblicherweise nicht die Farbe)
Männer bekommen mehr Geld, auch für die gleiche Arbeit.
Da wird ein bereinigter Gender Pay Gap verlinkt, aber eben keine endgültige Bereinigung. Sondern die nach den Faktoren, die das Statistische Bundesamt vorliegen hat. Danach sind es dann gegenwärtig etwa 6%. Aber es sind ja niedrigere Bereinigungen möglich, etwa auf 2% und der Rest belegt auch keine Diskriminierung, sondern ist eben ungeklärt.
Auch diese Aufschlüsselung von Prof Conny Wunsch ist dazu sehr lesenswert.
Männer investieren deutlich häufiger in Aktienanlagen, ein wichtiger Faktor bei der Vermögensbildung.
Das allerdings ist ja Frauen leider verboten… oder? Sonst macht das Argument ja wenig Sinn. Wobei eben wahrscheinlich auch mehr Männer Vermögen verloren haben, weil sie risikoreicher angelegt haben als Frauen und hier natürlich in vielen Fällen die Frau über die Ehe beteiligt ist.
Zudem dürfte einer der häufigsten Vermögensbildungen auch immer noch die Immobilie sein, bei der meist beide im Grundbuch stehen aber einer den größten Teil des Abtrags vornimmt.
Bekommen Paare Kinder, beeinflusst das die Erwerbssituation von Vätern kaum, während Frauen oft ihre Arbeitszeit reduzieren und auf Einkommen verzichten.
Verzichten klingt so selbstlos. Als wäre jede Arbeit ein Vergnügen oder eine Karriere. Genug Leute haben langweilige, körperlich anstrengende oder stressige Jobs und genug Frauen wollen aussetzen und suchen ihren Job gerade danach aus, dass er gut mit Elternzeit und Teilzeit zu vereinbaren ist oder wechseln bei ernster Kinderplanung in die Bereiche. Und das Ideal vieler Frauen ist auch, bis zur Rente in Teilzeit zu arbeiten und einen Mann zu haben, der bis dahin den Lebensstandard hochhält.
Und das nicht nur jetzt, sondern auch im Alter: Männer bekommen deutlich mehr Rente, etwa ein Viertel mehr als Frauen.
Dafür bekommen sie sie kürzer ausgezahlt als Frauen, weil sie kürzer leben und die Frauen bekommen dann die Witwenrente. Und vorher leben beide von den jeweiligen Renten gemeinsam, er hat also ebenso einen Nachteil dadurch, weil er mit einer höheren Rente von ihr auch mehr für das gemeinsame Leben hätte.
Zugegeben: Wenn er 2000 Euro bekommt und sie 1000 Euro, dann steht sie schlechter da, wenn er stirbt, weil sie nur einen Teil seiner höheren Rente bekommt, während er in diesem Fall seine hohe Rente bekommt und noch einen Teil ihrer niedrigeren Rente. Aber angesichts der unterschiedlichen Lebenserwartung und des Umstandes, dass der Mann meist älter ist…
Und auch ökonomische Gewalt spielt eine wichtige Rolle: wenn Männer kontrollieren, welche finanziellen Möglichkeiten ihre Partnerin hat, also zum Beispiel verhindern, dass sie selbst Geld verdient, verwaltet oder nutzt.
Da halte ich den alten Spruch „Sein Geld ist unsere Geld, mein Geld ist mein Geld“ gegen. Aber natürlich muss sie diese Art von Beziehung auch nicht eingehen.
Frauen, die ihrem Partner finanziell unterlegen sind, werden außerdem häufiger Opfer von körperlicher Gewalt, ihre finanzielle Abhängigkeit kann also sogar lebensgefährlich werden.
Allerdings in sehr wenigen Fällen. Aber das spielt ja im Feminismus keine Rolle, wenn es um Horrorszenarios geht.
Beim Thema Gleichberechtigung ist es deshalb wichtig, auch über Geld zu sprechen. Individuelle Freiheit in einem marktwirtschaftlich-kapitalistischen System ist nur mit finanzieller Unabhängigkeit möglich. Geld ist schließlich auch ein Machtfaktor: Es gibt dem Menschen mehr Macht über seine eigenen Lebensentscheidungen, etwa einen Umzug oder eine Trennung. Es gibt dem Menschen aber auch Macht über jene, die weniger haben. Und es sind nun einmal häufiger Männer, die diese Macht haben.
Niemals würde sie auf die Idee kommen, dass die finanzielle Freiheit nach einer Trennung dann den Mann treffen könnte. Etwa wenn sie den Unterhalt für die Kinder bekommt, er auf den Selbstbehalt von 1.450 € bei Vollerwerbsbeschäftigung verwiesen wird, sie zudem mit einem anderen Mann zusammenwohnt und an dessen Gehalt partizipiert und nebenher nur Teilzeit arbeiten geht.
All das ist kein natürlicher Zustand, sondern ein bewusst geschaffenes System der Benachteiligung und der Abhängigkeiten.
Anders kann es auch gar nicht sein.
Ein System, das lang genug ja sogar staatlich gewollt war: Bis 1958 war es in der BRD gesetzlich vorgeschrieben, dass Ehemänner sämtliche finanzielle Angelegenheiten bestimmen. Bis 1977 durfte die Ehefrau ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht arbeiten gehen.
Da hatten wir auch mal einen Artikel zu:
Es ist nicht richtig, dass sie ohne Erlaubnis des Mannes nicht arbeiten durfte. Der Mann konnte lediglich beantragen, dass sie nicht arbeitet, wenn sonst die Kinderbetreuung nicht gesichert war, aber es gibt keinen einzigen Fall eines solchen Antrags.
Aus dem Artikel:
b) ab 1958 BGB
§ 1356 BGB i.d.F. des Gleichberechtigungsgesetz v. 18.6.1957, BGBl I 1957, 609 m.W.v. 1.1.1958
1Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.
2Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.
3Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf und Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.
c) ab 1977
§ 1356 BGB i.d.F. des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts (1. EheRG) v. 14.6.1976, BGBl I 1976, 1421 m.W.v. 1.1.1977
(1) 1Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen.
2Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.
(2) 1Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.
2Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.
Und auch noch (allerdings leider ohne Quellen und Belege) :
Man muss dazu wissen, dass dieses Gesetz zuvor, vor Gründung der BRD, ausschließlich zum Schutz des Kindswohls angewendet wurde: gab es ein versorgungsbedürftiges (kleines!) Kind, dann konnte der Ehemann vor dem Vormundschaftsrichter ein Urteil beantragen, das es der Frau untersagte, eine ansonsten unanfechtbare Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Nur der Richter konnte (und nur unter ganz bestimmten Umständen) der Frau die Tätigkeit zugunsten des Kindes untersagen, der Ehemann selbst – konnte das nie! Insofern bestand aus Männersicht schon eine hohe Hürde, um evtl Meinungsverschiedenheiten zu klären: der Rechtsweg zum Gericht war angesagt.
Es hat bis 1958 (und auch danach) keinen einzigen Fall in der BRD gegeben haben, in dem der §1358 BGB von einem Mann gegen seine Frau vor Gericht angewendet wurde! Für die Männer und Frauen der BRD hat der § nie eine Rolle gespielt!
Man muss sich dazu daran erinnern, dass es in den 50ern einen gehörigen Frauenüberschuss gab. Kriegsbedingt waren Männer – knapp. Weil sie tot waren. Oder verschollen. Die Männer die noch da waren, waren in Zeiten des Wirtschaftswunders gesuchte Arbeitskräfte. Vollbeschäftigung, steigende Löhne, es ging aufwärts! Zunächst begründete also das Ehefrauendasein einen gewissen bürgelichen bequemen Wohlstand auf Grundlage des Erwerbseinkommens des unterhaltsverpflichteten Ehemanns.
Der Anteil der Arbeit, die mit der Hausfrauentätigkeit verbunden war, reduzierte sich in den 50er Jahren erheblich: die Wirtschaftswunderanschaffungen Waschmaschine, Elektroherd, Kühlschrank und Staubsauger erleichterten den Hausfrauenalltag enorm! Die Zahl der kinderreichen Familien nahm rapide ab: die Anzahl der Kinder/Familie sank, und der Arbeitsaufwand für die Kinder nahm entsprechend auch ab. Ein durchaus angenehmes Leben! Eine sehr verlockende Chance also für jede Frau, sich einen der noch zu habenden, ledigen, heiratsfähigen und wirtschaftlich zukunftsträchtigen Männer zu angeln, und dann von diesem sofort nach Recht und Gesetz VOLL versorgt zu werden.
Jeder der in Saft und Kraft und Lohn und Brot stehenden Männer war, kein Wunder, selbstverständlich ein beliebtes und begehrtes Objekt der Begierde für die große Mehrheit der heiratswütigen Kriegerwitwen und ledigen Frolleins: Wirtschaftswunder, Vollversorgung bis ans Lebensende, DAS bedeutete das Privileg, eine verheiratete Hausfrau sein zu dürfen!
Den Frauen in den 50er Jahren war immer durchaus bewusst, welche Vorteile sie auf Grund der Hausfrauenehe nach dem damaligen BGB hatten. Sie wussten, dass dies ein echtes Frauenprivileg war und haben entsprechend lange um ihren Erhalt gekämpft.
Die Hausfrauenehe war nie das Unterdrückungsinstrument, zu dem u.a. die HERstory-Geschichtsschreibung sie verzerren will. Sie war, wie gesagt, ein Frauenprivileg! Was sie eigentlich immer noch geblieben ist, bis heute.
Wer heute lebt, kennt also ziemlich sicher noch eine Frau, die davon betroffen war. Dass solche Ungerechtigkeiten inzwischen aus den Gesetzen gestrichen sind, darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie tief sie gesellschaftlich verankert sind.
Aber auch hier arbeitet man ja ohne Belege. Kein Wort darüber, dass Teilzeit für viele Frauen der erklärte Idealzustand ist.
Die Ungerechtigkeiten schneller zu beseitigen, bleibt eine große Aufgabe
Wer als Ausweg nun die Eigenverantwortung anführt, der ignoriert den kompletten Kontext, in dem Frauen solche Entscheidungen meist treffen müssen.
Genial! Wie könnte man auch auf Eigenverantwortung abstellen? Also bei Frauen. Männer haben natürlich Verantwortung für die weitere Unterdrückung der Frau.
Oft ist es die Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen, die mehr Erwerbsarbeit oder besser bezahlte Führungspositionen verhindert. Oft arbeiten Frauen in Branchen, in denen die Löhne niedriger sind. Zum Beispiel in sozialen Berufen, die für eine funktionierende Gesellschaft unverzichtbar sind. Das als individuelle Entscheidung abzustempeln, die man halt trifft oder nicht, ist gleich doppelt perfide: Einerseits wird solche Arbeit stereotyp als Frauenaufgabe gesehen – und gleichzeitig nicht angemessen wertgeschätzt und entlohnt.
Was könnten Frauen auch jemals daran ändern? Nichts! Ein Schuft wer da etwa auf solche fiesen Grafiken schaut:
Es hat 30 Jahre gedauert, um den Gender Pay Gap von 21 auf 16 Prozent zu senken, die bereinigte Lücke sank in 20 Jahren nur minimal von acht auf sechs Prozent.
Das könnte ja auf etwas hindeuten…
Diesen Wandel zu beschleunigen, ist eine große Aufgabe. Sie braucht den geweiteten Blick für das systemische Problem und gleichzeitig den politischen Mut, all die Einzelteile anzupacken, die Frauen in die ökonomische Benachteiligung drängen.
- Bessere Betreuungsinfrastruktur,
- Abbau von Geschlechterstereotypen,
- steuerliche Fehlanreize korrigieren,
- frauendominierte Berufe aufwerten,
- bessere Altersvorsorge ermöglichen
– die Liste ließe sich noch deutlich erweitern. Und es liegt nicht zuletzt auch an Männern, ihre finanziellen Privilegien zu sehen, diese Ungerechtigkeiten zu hinterfragen und einen Beitrag dazu zu leisten, sie zu überwinden.
(Auflistung zur Übersichtlichkeit ergänzt)
Ich finde es immer faszinierend, dass es wirklich alles von einer Unterdrückungsperspektive formuliert wird.
„Frauendominierte Berufe“ sollen aufgewertet werden. Warum? Und auf welcher Basis bei Tarifautonomie? Eher müssten Frauen eben in andere Bereiche gehen. Etwa in riskantere Bereiche, zu entfernteren Arbeitgebern, mehr Überstunden, in Bereiche wo mit Produkten Geld verdient wird statt im Bereich der Sozialleistungen im weiteren Sinne. Und wie will man eine bessere Altersvorsorge ermöglichen, bereits jetzt sind die Zahlungen in die Rentekasse für die Kinderbetreuung schon sehr hoch, aber die ist dafür auch pleite / wird subventioniert über Steuergelder.



