Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

„Es ist gut dokumentiert, wie stark finanzielle Ungleichheit das Leben von Frauen bestimmt“ – Die SZ zum Equal Pay Day

Gestern war je der Equal Pay Day und natürlich gab es wieder viele Artikel zur Diskriminierung der Frau. Ich fand diesen bei der Süddeutschen ganz interessant, weil er die schlimme Lage der Frauen kurz und prägnant zusammen fasst:

Es ist gut dokumentiert, wie stark finanzielle Ungleichheit das Leben von Frauen bestimmt.

Ganz abgesehen davon, dass viele Frauen mit ihren Ehemännern eine wirtschaftliche Einheit bilden, die man hier einfach mal ausblendet, genauso wie die familienrechtlichen Ausgleichsansprüche, die das zusätzlich absichern, bin ich mal gespannt was kommt.

Das fängt damit an, dass Produkte, die als „weiblich“ vermarktet werden, oft deutlich teurer sind als die „männlichen“ Pendants.

Das stimmt so auch nicht. Frauenschuhe zB scheinen mir zB häufig billiger zu sein, einfach weil Frauen davon mehr haben wollen, passend zu diversen Anlässen.

Aber dazu hatte Teardown hier auch mal etwas schlaues angeführt:

Preiselastizität
Einkommenselastizität
Preisdiskriminierung
Pareto-Effizient
Giffen-Gut
Reservationspreis
Markträumung
Indifferenzkurve
Nutzenniveau

Auf Nachfrage führte er weiter aus:

Die beste Antwort, die alle mikroökonomischen Konzepte zusammenfasst, hat die frz. Ministerin für Frauenfragen letztes Jahr gegeben:

„Ehrlich gesagt habe ich das so wie viele andere Frauen auch bemerkt, aber mich nicht weiter darum gekümmert“

Jopp. Bitte, danke!

Also:

Offenbar weichen die Nutzenfunktionen zw. Männern und Frauen bei Luxusgütern voneinander ab. Frauen spenden Güterbündel mit einem höheren Anteil von Kosmetika z.B. höhere Nutzenniveaus, als das bei Männern der Fall ist. Daher haben wir bei diesen Produkten unterschiedliche Indifferenzkurven. Bei jeder gegeben Budgetgerade geben Frauen mehr Geld für Kosmetika aus. Daher haben sie einen höheren Reservationspreis und es kommt aus Sicht des Anbieters (Mit Hilfe von MaFo) bei höheren Preisen zur Markträumung. Und da der Anbieter seine Produzentenrente optimieren will, ruft er höhere Preise für Frauenprodukte ab

Oder kurz:

Die Preise für „Productsforher“ sind teurer, weil Frauen es kaufen.

Thats it!

Oder anders ausgedrückt: Die „Pink Tax“ besteht, weil Frauen für das Pinke Produkt gerne mehr ausgeben, aber es gibt keine „Blue Tax“ für Männer, weil Männer dann eben das schwarze, grüne oder graue Produkt kaufen und es sie nicht so interessiert.

Das man Produkte für Frauen TEURER verkaufen kann zeigt im übrigen das Gegenteil davon, was hier eigentlich dargelegt werden soll: Frauen sind nicht arm und haben kein Geld, sie können es sich leisten für besondere Produkte mehr auszugeben als es Männer tun würden (gut, die haben andere Produkte, aber da reicht dann üblicherweise nicht die Farbe)

Männer bekommen mehr Geld, auch für die gleiche Arbeit.

Da wird ein bereinigter Gender Pay Gap verlinkt, aber eben keine endgültige Bereinigung. Sondern die nach den Faktoren, die das Statistische Bundesamt vorliegen hat. Danach sind es dann gegenwärtig etwa 6%. Aber es sind ja niedrigere Bereinigungen möglich, etwa auf 2% und der Rest belegt auch keine Diskriminierung, sondern ist eben ungeklärt.

Auch diese Aufschlüsselung von Prof Conny Wunsch ist dazu sehr lesenswert.

Männer investieren deutlich häufiger in Aktienanlagen, ein wichtiger Faktor bei der Vermögensbildung.

Das allerdings ist ja Frauen leider verboten… oder? Sonst macht das Argument ja wenig Sinn. Wobei eben wahrscheinlich auch mehr Männer Vermögen verloren haben, weil sie risikoreicher angelegt haben als Frauen und hier natürlich in vielen Fällen die Frau über die Ehe beteiligt ist.

Zudem dürfte einer der häufigsten Vermögensbildungen auch immer noch die Immobilie sein, bei der meist beide im Grundbuch stehen aber einer den größten Teil des Abtrags vornimmt.

Bekommen Paare Kinder, beeinflusst das die Erwerbssituation von Vätern kaum, während Frauen oft ihre Arbeitszeit reduzieren und auf Einkommen verzichten.

Verzichten klingt so selbstlos. Als wäre jede Arbeit ein Vergnügen oder eine Karriere. Genug Leute haben langweilige, körperlich anstrengende oder stressige Jobs und genug Frauen wollen aussetzen und suchen ihren Job gerade danach aus, dass er gut mit Elternzeit und Teilzeit zu vereinbaren ist oder wechseln bei ernster Kinderplanung in die Bereiche. Und das Ideal vieler Frauen ist auch, bis zur Rente in Teilzeit zu arbeiten und einen Mann zu haben, der bis dahin den Lebensstandard hochhält.

Und das nicht nur jetzt, sondern auch im Alter: Männer bekommen deutlich mehr Rente, etwa ein Viertel mehr als Frauen.

Dafür bekommen sie sie kürzer ausgezahlt als Frauen, weil sie kürzer leben und die Frauen bekommen dann die Witwenrente. Und vorher leben beide von den jeweiligen Renten gemeinsam, er hat also ebenso einen Nachteil dadurch, weil er mit einer höheren Rente von ihr auch mehr für das gemeinsame Leben hätte.

Zugegeben: Wenn er 2000 Euro bekommt und sie 1000 Euro, dann steht sie schlechter da, wenn er stirbt, weil sie nur einen Teil seiner höheren Rente bekommt, während er in diesem Fall seine hohe Rente bekommt und noch einen Teil ihrer niedrigeren Rente. Aber angesichts der unterschiedlichen Lebenserwartung und des Umstandes, dass der Mann meist älter ist…

Und auch ökonomische Gewalt spielt eine wichtige Rolle: wenn Männer kontrollieren, welche finanziellen Möglichkeiten ihre Partnerin hat, also zum Beispiel verhindern, dass sie selbst Geld verdient, verwaltet oder nutzt.

Da halte ich den alten Spruch „Sein Geld ist unsere Geld, mein Geld ist mein Geld“ gegen. Aber natürlich muss sie diese Art von Beziehung auch nicht eingehen.

Frauen, die ihrem Partner finanziell unterlegen sind, werden außerdem häufiger Opfer von körperlicher Gewalt, ihre finanzielle Abhängigkeit kann also sogar lebensgefährlich werden.

Allerdings in sehr wenigen Fällen. Aber das spielt ja im Feminismus keine Rolle, wenn es um Horrorszenarios geht.

Beim Thema Gleichberechtigung ist es deshalb wichtig, auch über Geld zu sprechen. Individuelle Freiheit in einem marktwirtschaftlich-kapitalistischen System ist nur mit finanzieller Unabhängigkeit möglich. Geld ist schließlich auch ein Machtfaktor: Es gibt dem Menschen mehr Macht über seine eigenen Lebensentscheidungen, etwa einen Umzug oder eine Trennung. Es gibt dem Menschen aber auch Macht über jene, die weniger haben. Und es sind nun einmal häufiger Männer, die diese Macht haben.

Niemals würde sie auf die Idee kommen, dass die finanzielle Freiheit nach einer Trennung dann den Mann treffen könnte. Etwa wenn sie den Unterhalt für die Kinder bekommt, er auf den Selbstbehalt von 1.450 € bei Vollerwerbsbeschäftigung verwiesen wird, sie zudem mit einem anderen Mann zusammenwohnt und an dessen Gehalt partizipiert und nebenher nur Teilzeit arbeiten geht.

All das ist kein natürlicher Zustand, sondern ein bewusst geschaffenes System der Benachteiligung und der Abhängigkeiten.

Anders kann es auch gar nicht sein.

Ein System, das lang genug ja sogar staatlich gewollt war: Bis 1958 war es in der BRD gesetzlich vorgeschrieben, dass Ehemänner sämtliche finanzielle Angelegenheiten bestimmen. Bis 1977 durfte die Ehefrau ohne Erlaubnis ihres Mannes nicht arbeiten gehen.

Da hatten wir auch mal einen Artikel zu:

Es ist nicht richtig, dass sie ohne Erlaubnis des Mannes nicht arbeiten durfte. Der Mann konnte lediglich beantragen, dass sie nicht arbeitet, wenn sonst die Kinderbetreuung nicht gesichert war, aber es gibt keinen einzigen Fall eines solchen Antrags.
Aus dem Artikel:

b) ab 1958 BGB

§ 1356 BGB i.d.F. des Gleichberechtigungsgesetz v. 18.6.1957, BGBl I 1957, 609 m.W.v. 1.1.1958

1Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.

2Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

3Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf und Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

c) ab 1977

§ 1356 BGB i.d.F. des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts (1. EheRG) v. 14.6.1976, BGBl I 1976, 1421 m.W.v. 1.1.1977

(1) 1Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen.

2Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.

(2) 1Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.

2Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.

Und auch noch (allerdings leider ohne Quellen und Belege) :

Man muss dazu wissen, dass dieses Gesetz zuvor, vor Gründung der BRD, ausschließlich zum Schutz des Kindswohls angewendet wurde: gab es ein versorgungsbedürftiges (kleines!) Kind, dann konnte der Ehemann vor dem Vormundschaftsrichter ein Urteil beantragen, das es der Frau untersagte, eine ansonsten unanfechtbare Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Nur der Richter konnte (und nur unter ganz bestimmten Umständen) der Frau die Tätigkeit zugunsten des Kindes untersagen, der Ehemann selbst – konnte das nie! Insofern bestand aus Männersicht schon eine hohe Hürde, um evtl Meinungsverschiedenheiten zu klären: der Rechtsweg zum Gericht war angesagt.

Es hat bis 1958 (und auch danach) keinen einzigen Fall in der BRD gegeben haben, in dem der §1358 BGB von einem Mann gegen seine Frau vor Gericht angewendet wurde! Für die Männer und Frauen der BRD hat der § nie eine Rolle gespielt!
Man muss sich dazu daran erinnern, dass es in den 50ern einen gehörigen Frauenüberschuss gab. Kriegsbedingt waren Männer – knapp. Weil sie tot waren. Oder verschollen. Die Männer die noch da waren, waren in Zeiten des Wirtschaftswunders gesuchte Arbeitskräfte. Vollbeschäftigung, steigende Löhne, es ging aufwärts! Zunächst begründete also das Ehefrauendasein einen gewissen bürgelichen bequemen Wohlstand auf Grundlage des Erwerbseinkommens des unterhaltsverpflichteten Ehemanns.

Der Anteil der Arbeit, die mit der Hausfrauentätigkeit verbunden war, reduzierte sich in den 50er Jahren erheblich: die Wirtschaftswunderanschaffungen Waschmaschine, Elektroherd, Kühlschrank und Staubsauger erleichterten den Hausfrauenalltag enorm! Die Zahl der kinderreichen Familien nahm rapide ab: die Anzahl der Kinder/Familie sank, und der Arbeitsaufwand für die Kinder nahm entsprechend auch ab. Ein durchaus angenehmes Leben! Eine sehr verlockende Chance also für jede Frau, sich einen der noch zu habenden, ledigen, heiratsfähigen und wirtschaftlich zukunftsträchtigen Männer zu angeln, und dann von diesem sofort nach Recht und Gesetz VOLL versorgt zu werden.

Jeder der in Saft und Kraft und Lohn und Brot stehenden Männer war, kein Wunder, selbstverständlich ein beliebtes und begehrtes Objekt der Begierde für die große Mehrheit der heiratswütigen Kriegerwitwen und ledigen Frolleins: Wirtschaftswunder, Vollversorgung bis ans Lebensende, DAS bedeutete das Privileg, eine verheiratete Hausfrau sein zu dürfen!

Den Frauen in den 50er Jahren war immer durchaus bewusst, welche Vorteile sie auf Grund der Hausfrauenehe nach dem damaligen BGB hatten. Sie wussten, dass dies ein echtes Frauenprivileg war und haben entsprechend lange um ihren Erhalt gekämpft.

Die Hausfrauenehe war nie das Unterdrückungsinstrument, zu dem u.a. die HERstory-Geschichtsschreibung sie verzerren will. Sie war, wie gesagt, ein Frauenprivileg! Was sie eigentlich immer noch geblieben ist, bis heute.

Wer heute lebt, kennt also ziemlich sicher noch eine Frau, die davon betroffen war. Dass solche Ungerechtigkeiten inzwischen aus den Gesetzen gestrichen sind, darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie tief sie gesellschaftlich verankert sind.

Aber auch hier arbeitet man ja ohne Belege. Kein Wort darüber, dass Teilzeit für viele Frauen der erklärte Idealzustand ist.

Die Ungerechtigkeiten schneller zu beseitigen, bleibt eine große Aufgabe

Wer als Ausweg nun die Eigenverantwortung anführt, der ignoriert den kompletten Kontext, in dem Frauen solche Entscheidungen meist treffen müssen.

Genial! Wie könnte man auch auf Eigenverantwortung abstellen? Also bei Frauen. Männer haben natürlich Verantwortung für die weitere Unterdrückung der Frau.

Oft ist es die Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen, die mehr Erwerbsarbeit oder besser bezahlte Führungspositionen verhindert. Oft arbeiten Frauen in Branchen, in denen die Löhne niedriger sind. Zum Beispiel in sozialen Berufen, die für eine funktionierende Gesellschaft unverzichtbar sind. Das als individuelle Entscheidung abzustempeln, die man halt trifft oder nicht, ist gleich doppelt perfide: Einerseits wird solche Arbeit stereotyp als Frauenaufgabe gesehen – und gleichzeitig nicht angemessen wertgeschätzt und entlohnt.

Was könnten Frauen auch jemals daran ändern? Nichts! Ein Schuft wer da etwa auf solche fiesen Grafiken schaut:

Es hat 30 Jahre gedauert, um den Gender Pay Gap von 21 auf 16 Prozent zu senken, die bereinigte Lücke sank in 20 Jahren nur minimal von acht auf sechs Prozent.

Das könnte ja auf etwas hindeuten…

Diesen Wandel zu beschleunigen, ist eine große Aufgabe. Sie braucht den geweiteten Blick für das systemische Problem und gleichzeitig den politischen Mut, all die Einzelteile anzupacken, die Frauen in die ökonomische Benachteiligung drängen.

  • Bessere Betreuungsinfrastruktur,
  • Abbau von Geschlechterstereotypen,
  • steuerliche Fehlanreize korrigieren,
  • frauendominierte Berufe aufwerten,
  • bessere Altersvorsorge ermöglichen

– die Liste ließe sich noch deutlich erweitern. Und es liegt nicht zuletzt auch an Männern, ihre finanziellen Privilegien zu sehen, diese Ungerechtigkeiten zu hinterfragen und einen Beitrag dazu zu leisten, sie zu überwinden.

(Auflistung zur Übersichtlichkeit ergänzt)

Ich finde es immer faszinierend, dass es wirklich alles von einer Unterdrückungsperspektive formuliert wird.

„Frauendominierte Berufe“ sollen aufgewertet werden. Warum? Und auf welcher Basis bei Tarifautonomie? Eher müssten Frauen eben in andere Bereiche gehen. Etwa in riskantere Bereiche, zu entfernteren Arbeitgebern, mehr Überstunden, in Bereiche wo mit Produkten Geld verdient wird statt im Bereich der Sozialleistungen im weiteren Sinne. Und wie will man eine bessere Altersvorsorge ermöglichen, bereits jetzt sind die Zahlungen in die Rentekasse für die Kinderbetreuung schon sehr hoch, aber die ist dafür auch pleite / wird subventioniert über Steuergelder.

„Eine Studie zeigt, dass die meisten Mütter Teilzeit arbeiten, weil sich junge Väter auf den Job konzentrieren“

Die Süddeutsche titelt:

Papa ist dann mal weg

Eine Studie zeigt, dass die meisten Mütter Teilzeit arbeiten, weil sich junge Väter auf den Job konzentrieren. Wer weniger Teilzeitarbeit fordert, muss Männer überzeugen.
Man könnte natürlich auch argumentieren, dass die meisten Väter Vollzeit arbeiten müssen, weil die meisten Mütter eine gewisse Zeit aussetzen wollen und dann Teilzeit arbeiten wollen und das leben eben finanziert werden muss. Kommt aber als Idee gar nicht vor.
Und dann geht es so weiter:
Ob man in Deutschland Teilzeit oder Vollzeit arbeitet, entscheidet sich nicht daran, welchem Lebensstil man frönt. Viel wichtiger ist die Frage, ob man Kinder hat – und ob man Mann oder Frau ist. Denn für Frauen ändert sich, wenn sie Mutter werden, einiges. Sie kümmern sich um die Familie. Männer kümmern sich hingegen weiterhin um ihren Job.
Die Zahlen belegen das deutlich. Fragt man Mütter nach ihrer Wunscharbeitszeit, liegt sie fast drei Wochenstunden unter der gewünschten Arbeitszeit von kinderlosen Frauen. Die Tatsache, dass sie sich um Kinder kümmern müssen, spielt eine große Rolle in der Planung ihrer Erwerbsarbeit. Unter den befragten Männern ist das anders: In ihren Vorstellungen von der idealen Arbeitszeit spielt es keine Rolle, ob sie Kinder haben oder nicht.
Arbeitszeiten Männer Frauen

Arbeitszeiten Männer Frauen

Für Männer ist die Geburt eines Kindes eher ein Grund, die Arbeitszeit zu erhöhen. Statistiken von 2022 zeigen: Männer mit Kindern arbeiten im Schnitt 36:03 Stunden. Solche ohne Kinder verbringen nur etwas mehr als eine Stunde weniger (34:56) im Job. Ganz anders die Frauen: Sie reduzieren ihre Erwerbsarbeit deutlich von 31:18 Stunden auf 23:39 Stunden.
Wenn Väter reduziert arbeiten, dann seltener, um Erziehungsaufgaben zu übernehmen. Weniger als die Hälfte (45 Prozent) von in Teilzeit arbeitenden Vätern gibt als Grund den Wunsch an, mehr für ihr Kind da sein zu wollen. Unter den Müttern sind es hingegen 74 Prozent. Männer sagen, dass sie einfach keine volle Stelle gefunden haben (13 Prozent).
Zum allergrößten Teil arbeiten Väter jedoch ohnehin Vollzeit. Männer zwischen dem 31. und 60. Lebensjahr haben durchgängig zu 90 Prozent Vollzeitjobs. Insbesondere in der mittleren Lebensphase, wenn Kinder zu versorgen sind (zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr), ist ein besonders hoher Anteil der Männer vollzeiterwerbstätig – während Frauen im gleichen Alter besonders hohe Anteile an Teilzeiterwerbstätigen aufweisen (40 Prozent und mehr).
Wenn Politiker also fordern, dass in Deutschland weniger Teilzeit gearbeitet werden solle, dann können damit nur Mütter gemeint sein. Sie arbeiten laut WSI pro Woche gut elf Stunden weniger als Väter.
Der „Lifestyle“ jener Frauen zeichnet sich allerdings vor allem dadurch aus, unbezahlt zu arbeiten. Im Durchschnitt arbeiten sowohl Mütter als auch Väter 60 Stunden pro Woche. Der Unterschied: Mütter verbringen 60 Prozent davon mit unbezahlter Haus- und Sorgearbeit. Väter zu 60 Prozent mit bezahlter Erwerbstätigkeit. Nur zum Vergleich: Ohne Kinder fallen die Gesamtarbeitszeiten von Frauen und Männern mit 51 beziehungsweise 52 Stunden pro Woche nahezu gleich aus. Es ist laut den Zahlen des WSI also nicht so, dass Menschen (meist Frauen), die in Teilzeit arbeiten, weniger Arbeit leisten als die Vollzeitarbeiter (meist ihre Männer). Sie leisten nur mehr von der Arbeit, die nicht entlohnt wird.
Der Mechanismus, dass Männer, die Väter werden, die Arbeitszeit eher erhöhen (um Geld für die neu gegründete Familie zu verdienen), während Frauen, die Mütter werden, ihre Arbeitszeit verringern (um für die Kinder zu sorgen), sorgt dafür, dass Männer auch eher Karriere machen. Ihre Arbeitszeit wird zudem höher vergütet als jene der in Teilzeit arbeitenden Mütter. In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt 4,10 Euro brutto weniger pro Stunde als Männer. Das sind 16 Prozent. Übrigens deutlich mehr als der EU-Durchschnitt, der bei zwölf Prozent liegt.
Dies erhöht die finanzielle Abhängigkeit der Frauen. Nur knapp die Hälfte aller abhängig beschäftigten Frauen kann für sich selbst langfristig ihre eigene Existenz sichern. Noch weniger Frauen können das, wenn sie mit ihrem Einkommen auch noch ein Kind absichern wollen. Das gelingt gerade noch einem Drittel. Die Teilzeit, die Frauen wegen ihrer familiären Situation wählen, ist also ein großer Risikofaktor für Kinderarmut, falls die Beziehung scheitert. Selbst wenn Frauen anschließend Vollzeit arbeiten, gelingt es ihnen oft nicht mehr, die Nachteile auszugleichen.
Das Fazit daraus:
Wer möchte, dass Menschen mehr Stunden arbeiten, muss auch die gesellschaftlichen Umstände schaffen, die eine echte Wahlfreiheit des Familienmodells ermöglichen. All das wird von Expertinnen und Experten schon lange gefordert und von Politik und Wirtschaft mit einer Zähleibigkeit umgesetzt, dass Eltern von heute allenfalls darauf hoffen können, dass die Versorgung ihrer Enkel einmal besser sein wird.
Deshalb sollten Paare nicht auf die Politik warten. Jeder und jede sollte das Familienbild hinterfragen, das man im Kopf hat und das Denken nach wie vor beherrscht: Vater sorgt fürs Brot, Mutter kümmert sich ums Kind. Dabei sind Lebensmodelle, in denen beide Elternteile in vergleichbarer Weise zum finanziellen Auskommen und zur Versorgung der Kinder beitragen, in vielerlei Hinsicht nachhaltiger. Zum einen, weil der Vater nicht den ganzen Tag im Job unterwegs ist und mehr zur Sorge beitragen kann. Zum anderen liegt nicht der Großteil der finanziellen Verantwortung für die Familie auf seinen Schultern. Beide Partner sind fähig, im Falle von wirtschaftlichen Schwierigkeiten auszugleichen.
Den ersten Schritt kann jeder junge Vater selbst tun. Nämlich, indem er nach der Geburt seines Kindes nicht dafür sorgt, im Job „unentbehrlich“ zu werden, sondern dort mehr Zeit zu verbringen, wo er wirklich unentbehrlich ist: bei seinem Kind.
Ich finde es ja erstaunlich, dass der ganze Artikel so geschrieben ist, dass er Männern eine Veranwortung zuweist. Obwohl die Frauen ja auch deutlich machen, dass sie weniger arbeiten wollen.
Dann werden die negativen Folgen davon nur für Frauen dargestellt als wäre da kein Risiko vorhanden. Und nur diese müssen umdenken.
Klar, Sie sagt, dass jeder und jede sein Denken umstellen muss.
Aber bei den Frauen klingt es so als müssten die sich eher aus der Unterdrückung befreien.
Hier einmal ein paar Risiken der Männer:
  • Bei einer Scheidung wird der Versorgungsausgleich durchgeführt und jeder erhält die Hälfte der in der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften.
    Wenn sie nur wenig gearbeitet hat, dann wird sie mehr von ihm abbekommen
  • Wenn sie die Kinder betreut hat, dann werden die Kinder nach einer Trennung auch eher bei ihr bleiben. Er wird dann ggfs hohe Unterhaltsforderungen haben. Diese tragen auch dazu bei, dass sie weniger arbeiten muss und weniger in die Rente einzahlt. Das führen Feministinnen üblicherweise seltener an

Und natürlich kommt die Idee, dass Männer eher ihren Job nach dem Gehalt aussuchen, bei Frauen dies in die Partnerwahl einfließt und Frauen häufig ihren Job danach aussuchen, dass er kompatibel mit einem Aussetzen bei der Kinderbetreuung und Teilzeit ist auch nicht vor. Ich kenne viele Frauen, die aus stressigeren Jobs in Behördenjobs gewechselt sind und die mit sehr wenigen Stunden Teilzeit dabei sind. Homeoffice hat das etwas verbessert, weil man es leichter mit der Kinderbetreuung vereinbaren kann.

 

 

Louis Theroux: Inside The Manosphere | Official Trailer | Netflix

Manuel Hagel und die rehbraunen Augen der jungen Schülerin

Manuel Hagel, der für die CDU als Spitzenkandidat in Baden Württemberg antritt, steht in der Kritik wegen eines ca 8 Jahre alten Videos:

Der relevante Ausschnitt beginnt bei 4:15.

Hier der Text:

 

Manuel Hagel:
„Ich möchte das mal an einem Beispiel beschreiben.
Ich war vor wenigen Wochen in einer Realschule bei uns im Wahlkreis – morgens, im nördlichen Alb-Donau-Kreis. Eine Klasse, 30 Schüler, 80 Prozent Mädchen.
Also da gibt’s für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen.
Ich werd’s nie vergessen: Die erste Frage.
Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen…“

Moderator (Marcel Wagner):
„Die wird jetzt rot zu Hause, wenn sie das sieht hier.“

Manuel Hagel (lachend):
„Und dann begann Eva und sagte: ‚Hagel, also kürzer hab ich’s nicht: Ich wollt’ eigentlich gar nicht kommen.‘
Wir haben gedacht, der Morgen beginnt ja schon super.
Irgendwas musste ich ja fragen, hab gesagt: ‚Ja, und trotzdem bist du heute hier?‘
Sie guckt mich so an, strahlt und sagt: ‚Hagel, das ist ja mein Problem – ist halt erst wieder eingefallen, da war ich schon im Bus und da war’s zu spät.‘

Dann haben wir zwei Stunden diskutiert – über Migration, Digitalisierung, Innere Sicherheit – echt super.

Am Ende meldet sich Eva wieder und sagt: ‚Hagel, ich wollt’ Ihnen nur sagen: So schlecht war’s jetzt nicht.
Und wenn ein Schwabe so was sagt, ist das fast schon ein Lob. Dann hab ich sie gefragt, warum sie eigentlich nicht kommen wollte.

Sie sagt: ‚Ich hab gedacht, die Politiker, die sehen alle gleich aus, die schwätzen alles das Gleiche. Und wenn wir was fragen, dann kriegen wir nur Skater-Antworten.‘
Da hab ich halt gedacht: Bleib lieber daheim, mach mit meinem Papa CB-Funk und spar mir die zwei Stunden.‘

Danach (ab ca. 6:06) erklärt er noch kurz den Punkt der Geschichte:

„Und ich glaube, das war es, was ich zum Ausdruck bringen wollte: Die Herausforderung ist ziemlich genau beschrieben – dass wir wieder lernen müssen, so zu sprechen als Politiker, dass uns die Menschen auch hören und vor allen Dingen auch verstehen.“

Die Geschichte an sich ist gut. Er denkt er wird einen leichten Termin haben, weil Schülerinnen üblicherweise nicht die aggressivsten sein werden und bekommt gleich mal eine auf dem Deckel: Die Schülerin findet ihn uninteressant. Aber dann kommt er doch ins Gespräch, lässt sich darauf ein und es gelingt ihm mit den Schülern ein gutes Gespräch zu führen und selbst die Schülerin, die das schon als verschenkte Zeit angesehen hat zu überzeugen.

Eine positive Geschichte, die deutlich macht, dass man als Politiker volksnah bleiben muss, die Leute da abholen muss, wo sie sind etc.

Aber ihm wird nun vorgeworfen, dass er da was sexuelles reinbringt.

Und das ist im wesentlichen dieser kleine Teil:

Eine Klasse, 30 Schüler, 80 Prozent Mädchen.
Also da gibt’s für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen.
Ich werd’s nie vergessen: Die erste Frage.
Sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen…“

Moderator (Marcel Wagner):
„Die wird jetzt rot zu Hause, wenn sie das sieht hier.“

Manuel Hagel (lachend):
„Und dann begann Eva und sagte: ‚Hagel, also kürzer hab ich’s nicht: Ich wollt’ eigentlich gar nicht kommen.‘

Man kann das vollkommen harmlos lesen: Natürlich ist ein Termin vor einer Schulklasse nur mit Mädchen erst einmal ein Termin in dem man wahrscheinlich nicht mit großen Problemen rechnet, keine großen Anfeindungen etc, jedenfalls nicht vor acht Jahren, da war man dort ja noch nicht so woke.

Aber die Schülerinnen sind eben auf einer Realschule dann wahrscheinlich unter 16, seine Angabe, dass es für einen 29jährigen schlimmere Termine gibt ist komisch betont und dann kommt noch die Beschreibung der „Körperlichkeiten“ von Eva mit braune Haare und rehbraune Augen, die eigentlich nichts zur Geschichte beitragen, die das ganze etwas merkwürdig machen.

Das wird auch durch den Einwurf des Moderators nicht besser, weil der auch so klingt, als würde Hagel sie schön finden und sie deshalb rot werden.

Es ist vielleicht auch der aufgeladenen Atmosphäre dank den Epstein-Akten zu verdanken, dass da gleich so viel reininterpretiert wird.

Im zu Gute halten könnte man, dass er es ja in einem Gespräch erzählt und nicht als vorbereitete Rede. Da hat man nicht jedes Wort genau abgewogen.
Wenn er statt
Also da gibt’s für einen 29-jährigen Abgeordneten schlimmere Termine als diesen.“

gesagt hätte:

„Das ist üblicherweise ein relativ dankbares und nicht zu kritisches Publikum, da geht man selbst als junger Abgeordneter, der noch nicht so viel Erfahrung hat, relativ entspannt rein“

Wäre es inhaltlich nicht viel anderes gewesen aber die Vorwürfe wären nicht so einfach zu platzieren gewesen.
Auch die nächste Stelle kann man mit wenig Änderung entschärfen:

„Das erste Mädchen, was etwas sagen wollte, wirkte dann auch sehr nett, ich erinnere mich an große rehbraune freundliche Augen,  und dann kam „‚Hagel, also kürzer hab ich’s nicht: Ich wollt’ eigentlich gar nicht kommen.‘“

Da wären die Augen lediglich die Vorbereitung der Pointe, das liebe Mädchen, welches dann raushaut, dass sie ihn als verschwendete Zeit ansieht.

Wenn er es so aufbauen wollte und er nur die Pointe etwas vermasselt hat, dann wäre es ärgerlich für ihn.

Wie würdet ihr die Sache einordnen? Skandal oder nicht?

 

Ergänzung: Bei Arne ist der Vorfall auch heute Thema, er stellt insbesondere dar, wie es in den Medien aufgebauscht wird

Selbermach Mittwoch

Bitte Kommentare bündeln, wenn sie nur aus einzelnen Tweets und kurzem Kommentar bestehen und man sehr viele davon plant.

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Einen Milliardär heiraten: Reiche Männer heiraten „nach unten“, reiche Frauen nicht: Geschlechterasymmetrien bei der Partnerwahl der Superreichen

Eine interessante Studie hat Milliardäre und ihre Lebenspartner / Ehegatten näher betrachtet:

Despite the recent findings on the inequality-increasing effect of homogeneous marriages, the growing body of literature on ‘the super-rich’ has missed out on illuminating contemporary global wealth inequality levels from a marital choice perspective. Not much is known about family formation at the top of the wealth distribution. By combining Forbes billionaires rich list data and billionaires’ Wikipedia articles with qualitative data, the paper presents a unique dataset capturing all US American billionaires (n = 948) and their spouses. The results suggest deeply ingrained traditional role allocations in billionaire couples. Female billionaires appear to be more likely to have a partner in the same upper-class fraction than male billionaires, who appear to be more liberal regarding their spouses’ class positions. By shedding light on the unique marriage demographics of the super-rich, the paper supports the importance of dynasty-making family strategies and social closure for understanding the economic elites of our times.

Quelle: Marrying a Billionaire: Studying US American billionaires’ family biographies using the Forbes World’s Billionaires List, 2010–2022

.Zentrale Ergebnisse:

  • die „Vertikale Homogamie“ bei beiden Geschlechtern extrem hoch: 95 % der Ehepartner männlicher Milliardäre und 96 % der Ehepartner weiblicher Milliardärinnen gehören der Upper Class an.

Das finde ich wenig überraschend. Die meisten Milliardäre dürften studierte Leute sein, sie werden auch eine gewisse Bildung und ein gewisses Niveau bei ihren Partnern wollen. Und natürlich muss man auch erst einmal hinreichend mit den passenden Personen in Berührung kommen, was meist auch einen gewissen Zugang zur „Oberschicht“ voraussetzen wird.

  • Horizontale Klassenfraktionen zeigen jedoch massive Geschlechterunterschiede:
    • Economic Upper Class (Top-Manager, Unternehmer, Finanzelite – also Personen mit hohem eigenem wirtschaftlichem Kapital):
      66 % der Ehemänner weiblicher Milliardärinnen vs. nur 32 % der Ehefrauen männlicher Milliardäre (z = 6,29; p < 0,001).
    • Balanced Upper Class (z. B. Ärzte, Richter, Top-Politiker, Philanthropen): 18 % vs. 39 %.
    • Cultural Upper Class (Professor, Künstler, Wissenschaftler): 13 % vs. 24 %.
  • Noch deutlicher wird es bei der direkten Milliardärs- bzw. Business-Elite-Position:
    Etwa 65 % der Partner weiblicher Milliardärinnen sind selbst Milliardäre oder in direkt business-related Top-Positionen. Bei männlichen Milliardären sind es nur rund 30 %.

Das sind ja sehr deutliche Zahlen, hier noch einmal etwas übersichtlicher dargestellt:

Fraktion des Partners Weibliche Milliardäre Männliche Milliardäre
Ökonomische Oberschicht (z. B. Milliardäre, Top-Manager) 66 % 32 %
Ausgewogene Oberschicht (z. B. Ärzte, Richter, Politiker) 18 % 39 %
Kulturelle Oberschicht (z. B. Professoren, Künstler) 13 % 24 %

Weibliche Milliardäre heiraten also doppelt so häufig jemanden aus der ökonomischen Oberschicht wie ihre männlichen Kollegen. Dieser Unterschied ist statistisch hochsignifikant (z = 6,29, p < 0,001). Rund 29 % der Ehefrauen männlicher Milliardäre sind hingegen in der Philanthropie tätig – einer Beschäftigung, die oft erst durch den Status des wohlhabenden Ehegatten ermöglicht wird.

Die Studie fasst es wie folgt zusammen:


„Female billionaires appear to be more likely to have a partner in the same upper-class fraction than male billionaires, who appear to be more liberal regarding their spouses’ class positions.“
Männliche Milliardäre zeigen sich also deutlich „großzügiger“ – sie heiraten häufiger in die kulturelle oder balanced Elite oder sogar in Positionen, die vom eigenen Vermögen abhängig sind (z. B. Philanthropie, Kunstsammlung, Design).
Ich schiebe dazu noch mal eine weitere Studie ein:
In recent decades, the financial elite have seen their economic resources grow significantly, while the income and wealth of other households have stagnated. The financial elite includes couples who are super-rich (top one percent), rich (the 90th–99th percentile), and upper-middle class (the 80th–89th percentile). Gendered work–family arrangements in top economic groups may contribute to inequality—particularly to wealth accumulation among the elite—but relatively little is known about how these couples divide paid and unpaid work or the extent to which their arrangements differ from other couples. In this study, we uncover novel work and family patterns and trends in the most economically powerful families in the United States. We use the Survey of Consumer Finances (1989–2019) to compare the household division of labor across income and wealth groups and over time, with a focus on financial elites. We find stark contrasts between super-rich couples and other couples in the division of labor. Specifically, super-rich couples are much more likely than all other couples, including rich and upper-middle class couples, to have a traditional male breadwinner–female homemaker/caregiver arrangement. Importantly, the striking patterns of traditional arrangements in the top one percent have not changed in 30 years and, as we uncover, appear to be driven by a couple’s wealth rather than income. These findings suggest that work–family arrangements may be an integral component of economic and gender inequality.
Da lassen sich auch interessante Daten finden:
Vermögensgruppe
Median Nettovermögen
Frau nicht erwerbstätig (Male Breadwinner)
Beide Vollzeit erwerbstätig
Super Rich (Top 1 %)
17,6 Mio. USD
53 %
28 %
Rich (nächste 9 %)
2,3 Mio. USD
27 %
51 %
Upper Middle Class
796.000 USD
20 %
61 %
Rest der Bevölkerung
67.000 USD
26 %
50 %

Bei den Superreichen ist der klassische Ernährer-Hausfrauen-Haushalt also doppelt so häufig wie in der breiten Bevölkerung oder bei den „nur“ Reichen.  Die Ehefrauen der reichsten Männer tragen in über der Hälfte der Fälle kein eigenes nennenswertes Erwerbseinkommen bei und ihr Beitrag ist oft „normal“ oder null (bei vermutlich starkter Unterstützung bei Haushalt und Kinderbetreuung).

Aus der ersten Studie dazu noch:
Unterschiede in beobachtbaren Merkmalen wie Alter, Vermögen oder Vermögens-quelle erklären diese Lücke praktisch nicht (−0,03 Pp., nicht signifikant).
Es bestätigt insofern in einem extremen Sample, dass Frauen Status und Ressourcen auch dann attraktiv bei einem Partner finden, wenn sie sie nicht brauchen. Und Männer diese Ressourcen im Vergleich relativ egal sind.

Geschlechterunterschiede bei der dunklen Triade

Dank eines Spiegelinterviews und eines Artikels bei Arne bin ich auf diese Studie zu Geschlechterunterschieden bei der Dark Triade gestoßen:

The strong overlap of personality traits discussed under the label of “dark personality” (e.g., psychopathy, spitefulness, moral disengagement) endorses a common framework for socially aversive traits over and beyond the dark triad. Despite the rapidly growing research on socially aversive traits, there is a lack of studies addressing age-associated differences in these traits. In the present study (N = 12,501), we investigated the structure of the D Factor of Personality across age and gender using local structural equation modeling, thereby expressing the model parameters as a quasi-continuous, nonparametric function of age. Specifically, we evaluated loadings, reliabilities, factor (co-)variances, and means across 35 locally weighted age groups (from 20 to 54 years), separately for females and males. Results indicated that measurement models were highly stable, thereby supporting the conceptualization of the D factor independent of age and gender. Men exhibited uniformly higher latent means than females and all latent means decreased with increasing age. Overall, D and its themes were invariant across age and gender. Therefore, future studies can meaningfully pursue causes of mean differences across age and between genders.

Quelle: Age and gender differences in socially aversive (“dark”) personality traits

 

Die Dunkle Triade war hier schon häufiger mal Thema:

 

Was wurde genau untersucht?:

Die Studie untersuchte, wie stabil die Struktur des D-Faktors über Altersgruppen und Geschlecht hinweg ist – und wie sich die Mittelwerte im Laufe des Lebens verändern. Dazu wurden 12.501 Personen (5.982 Frauen, 6.519 Männer, Alter 21–53 Jahre) analysiert, die den D70-Fragebogen auf darkfactor.org ausgefüllt hatten.

Als Analysemethode verwendeten die Autoren Local Structural Equation Modeling (LSEM) – ein Verfahren, das Alter als echte kontinuierliche Variable behandelt und keine künstlichen Altersgruppen bildet. Es wurden 35 gewichtete Altersmodelle separat für Frauen und Männer geschätzt.

Was ist der D-Faktor?

Der Dark Factor of Personality (D) ist die grundlegende Persönlichkeitsdisposition, den eigenen Nutzen zu maximieren – unter Inkaufnahme, Gleichgültigkeit gegenüber oder absichtlicher Herbeiführung von Schaden bei anderen – begleitet von rechtfertigenden Überzeugungen. Spezifische dunkle Eigenschaften wie Narzissmus, Psychopathie oder Sadismus sind dabei nur verschiedene „Ausprägungsformen“ desselben zugrundeliegenden D.

Die fünf Themen des D-Faktors

Hartung et al. nutzten eine Struktur mit fünf empirisch abgeleiteten Themen, die alle unter dem gemeinsamen D-Faktor liegen:

Thema Bedeutung Reliabilität (ω)
Callousness (Kaltblütigkeit) Mangelnde Fürsorge und Empathie für andere .91
Deceitfulness (Täuschungsbereitschaft) Tendenz, andere zu täuschen und zu manipulieren .85
Narcissistic Entitlement (Narzissistisches Anspruchsdenken) Überhöhtes Selbstbild, Überzeugung, mehr zu verdienen als andere .86
Sadism (Sadismus) Tendenz, anderen zum eigenen Vergnügen Schaden zuzufügen .93
Vindictiveness (Rachsucht) Tendenz zur Vergeltung und Bestrafung anderer .92

Es geht also jeweils um sehr eigennützige Punkte bzw solche, bei denen man seine eigenen Interessen höher bewertet und zu deren Umsetzung auch „unfaire“ Mittel einsetzt und das vor sich selbst auch entsprechend rechtfertigt, weil man besser etc ist.

Zu den Ergebnissen:

Die Messmodelle waren über alle untersuchten Gruppen hinweg hochstabil. Das bedeutet: D und seine fünf Themen bedeuten bei jungen und alten Menschen sowie bei Frauen und Männern dasselbe. Vergleiche zwischen Gruppen sind also sinnvoll und nicht durch Messartefakte verzerrt.

Pro Lebensdekade lagen die D-Werte im Durchschnitt etwa 0,2 Standardabweichungen niedriger. Dieser Rückgang verlief für alle fünf Themen parallel und gleichförmig – sie sinken gemeinsam, nicht unabhängig voneinander.

Erklärt wird dies durch das Reifeprinzip: Soziale Rollen werden mit dem Alter verantwortungsvoller, antagonistisches Verhalten wird im Job und in Beziehungen zunehmend nachteilig. Hinzu kommen biologische Faktoren wie der altersbedingte Rückgang des Testosteronspiegels.
Die ursprüngliche Hypothese, dass dunkle Persönlichkeit mit dem Alter „spezialisierter“ wird (z.B. jemand wird im Alter kaltblütig, aber nicht mehr rachsüchtig), wurde widerlegt. Die Korrelationen zwischen den fünf Themen blieben über das gesamte Altersspektrum stabil und stark.

Man wird also „altersmilder“.

Jetzt zu den Geschlechterunterschieden:

Geschlechterunterschiede Dunkle Triade

Geschlechterunterschiede Dunkle Triade

Wie man sieht zeigt sich ein Unterschied über die Altersstrukturen, am dichtesten Zusammen sind die Geschlechter bei „Narcissistic Entitlement“, was bei Frauen um die 20-30 auch nicht so verwunderlich sind, weil sie da häufig auf dem Höhepunkt ihrer sexuellen Macht sind.

Der standardisierte Mittelwertunterschied für D betrug d = .42 – das entspricht etwa einer halben Standardabweichung.

Die Zusammenfassung:

Im Detail nach Thema:

    • Callousness, Sadism, Vindictiveness: Männer erzielten durchgängig höhere Werte. Die Unterschiede vergrößerten sich mit zunehmendem Alter leicht, allerdings ohne statistische Absicherung.
    • Deceitfulness: Der Geschlechterunterschied blieb über das gesamte Alter hinweg stabil.
    • Narcissistic Entitlement: Hier zeigte sich das interessanteste Muster: Junge Frauen und Männer unterschieden sich kaum (d = .13 bei Alter 27), aber mit dem Alter wuchs dieser Unterschied erheblich (d = .40 bei Alter 52). Ältere Männer zeigen also deutlich ausgeprägteres narzissistisches Anspruchsdenken als gleichaltrige Frauen.

Wichtig: Die Altersverläufe waren bei Frauen und Männern in Form und Stärke nahezu identisch – beide Gruppen zeigen einen ähnlich starken, linearen Rückgang dunkler Persönlichkeitseigenschaften, nur auf unterschiedlichen Ausgangsniveaus.

Das ist schon interessant: 0.13 ist ein sehr kleiner Unterschied (Männer sind aber immer noch vorne) und dieser weitet sich dann auf immerhin 0.4 aus.

Wäre natürlich interessant wie dieser Unterschied verteilt ist. Zeigen Männer mit besonderen Erfolgen auch eher „Narcissistic Entitlement“? Oder vielleicht sogar umgekehrt? Lässt sich aber leider aus der Studie nicht entnehmen.

Das Männer in dem Bereich der „Dark Triad“ „besser“ abschneiden ist erst einmal nicht so verwunderlich. Wobei man nicht vergessen darf, dass die Umfrage auf Selbstauskünften aufbaut und es insofern immer Möglichkeiten gibt, dass Frauen eher ihre „Dunklen Seiten“ verbergen.

Aus einer anderen Studie fand ich dazu die Dunkle Triade in Bezug auf Unterschiede zwischen bestimmten Fächern ganz interessant:

Dunkle Triade Studienfächer

Dunkle Triade Studienfächer

Hier sieht man, dass Frauen und Männer, die Wirtschaft studieren beide wesentlich eher bestimmte Merkmale der „dunklen Triade“ zeigen im Vergleich zu Leuten, die Psychologie studierten. Wirtschaftsfrauen zeigen im Vergleich zu Psychologiestudentinnen etwa gleich große Unterschiede im Bereich Machiavellismus (was auch möglich ist, wenn die Frauen insgesamt niedrigere Werte haben als die Männer) dagegen zeigen Frauen im Bereich Jura weniger Machiavellismus, dafür mehr Psychopathie im Vergleich zu den jeweiligen Studenten aus dem Bereich Psychologie etc

 

„Write the music you want to listen to yourself. Add the weird chord progression and key change, and call men stupid in as many ways as you can.”

Sabrina Carpenter gibt Tipps zum Schreiben eines Hits:

Remembering the pressure she felt from her original record company to come up with a hit, she argued that actively trying to write one is “no way to approach creativity” and caused her some “issues” in “making something that felt authentic to me.”

“The easiest way to write a bad song is to try to write a hit,” she noted. “Write the opposite of what you think a hit is. Write what speaks to you, write something that only you can write. Write the music you want to listen to yourself. Add the weird chord progression and key change, and call men stupid in as many ways as you can.”

Das bezieht sich wahrscheinlich auf ihr Lied „Manchild“

You said your phone was brokenJust forgot to charge itWhole outfit you’re wearingGod I hope it’s ironicDid you just say you’re finished?Didn’t know we startedIt’s all just so familiarBaby, what do you call it?
StupidOr is itSlow?Maybe it’sUseless?But there’s a cuter word for itI know
ManchildWhy you always come a running to me?Fuck my lifeWon’t you let an innocent woman be?Never heard of self careHalf your brain just ain’t thereManchildWhy you always come a runningTaking all my loving from me?
Why so sexyIf so dumb?And how survive the earth so long?If I’m not there it won’t get doneI choose to blame your mom
ManchildWhy you always come a running to me?Fuck my lifeWon’t you let an innocent woman be?Never heard of self careHalf your brain just ain’t thereManchildWhy you always come a runningTaking all my loving from me?
Oh I like my boys playing hard to getAnd I like my men all incompetentAnd I swear they choose meI’m not choosing themAmenHey men!
Oh, I like my boys playing hard to getAnd I like my men all incompetentAnd I swear they choose meI’m not choosing themAmen(Amen)Hey men!(Hey men!)
ManchildWhy you always come a running to me?(always come a running to me)Fuck my lifeWon’t you let an innocent woman be?Oh, I like my boys playing hard to getAnd I like my men all incompetentAnd I swear they choose meI’m not choosing themAmenHey men!
Man muss ihr zugute halten: Es bedient sicherlich einen Trend.
Wäre die Frage was man einem Mann raten sollte. Da würden wahrscheinlich Songs über die Dummheit von Frauen nicht  so ankommen.

„Femosphere“: Frauen zwischen Männerhass, Enthaltsamkeit und Leid

Ein interessanter Artikel in der Annabelle:

«Ich hasse es eine Frau zu sein.» – «Nicht begehrt zu werden ist scheisse.» – «Ich bin hässlich und habe es endlich akzeptiert.» – «Ich bin 54 Jahre alt und hatte noch NIE eine richtige Beziehung.»

Die Posts reihen sich scheinbar endlos aneinander. Aus jedem einzelnen spricht Frust, Wut – und Resignation. Geschrieben haben sie Frauen, die davon ausgehen, für immer allein zu bleiben. Daher auch der Name des Subreddits: Forever Alone Women, oder kurz: FAW.

Die Untergruppe hat über 15‘000 Mitglieder. Unter ihren Beiträgen sammeln sich die Kommentare der anderen Nutzerinnen. «Ich verstehe dich vollkommen», steht da. Oder: «Für immer allein zu sein ist besser, als von einem Arschloch runtergezogen zu werden.»

Wäre interessant da mal eine Auswertung zu machen, ob sich dort wirklich die hässlichen Frauen sammeln oder welcher Teil besonders schüchtern oder aus anderen Gründen zB Charakter sie keinen Mann finden.

Frauen haben da sicherlich andere Probleme als Männer, denn auch hässliche Frauen können Männer für Sex finden, werden aber vielleicht gar keine Lust haben einfach nur Sex zu haben.

Pendant zu Incels?

Menschen, die unfreiwillig Sex und romantischer Beziehungen entbehren, verbinden wir vor allem mit dem Begriff des Incels – also Involuntary Celibate: Männer, die unfreiwillig im Zölibat leben, die sich ideologisch radikalisieren oder sogar gewalttätig werden.

Eine Vokabel, die in diesem Kontext oft auftaucht, ist die «male loneliness epidemic», also die Annahme, dass Männer weltweit immer einsamer werden.

Doch auch Frauen leiden darunter, von Intimität ausgeschlossen zu sein. Seit Jahren etabliert sich im Netz eine Szene, die die britische Medienwissenschaftlerin Jilly Kay als Femosphere bezeichnet – als weibliches Pendant zur Manosphere, dem Online-Potpourri aus Incels, Pick-up-Artists und Andrew-Tate-Fans.

Der Begriff der Manosphere wird gerne so negativ zusammengefasst, hat aber eigentlich auch mal etwas mit Männerrechten etc zu tun. Aber das wäre eben zu positiv.

Nicht nur unfreiwillig enthaltsam

Doch die Femosphere besteht nicht nur aus unfreiwillig enthaltsamen Frauen. Viele lehnen den Begriff «Femcel» sogar ab. Stattdessen teilt sich die Szene auf unterschiedliche Foren auf.

Da sind zum Beispiel die Women going their own Way, also Frauen, die dazu aufrufen, freiwillig Single zu bleiben und unabhängig von Männern zu leben.

Das wäre dann das Gegenstück zu „Men going their own way“. Würde mich ja interessieren, was eher da war.

Auf der Seite The Female Strategy finden sich Frauen, die Männer abfällig als Scrotes bezeichnen und sich gegenseitig Tipps geben, um nicht auf die Tricks von Low Value Men, also Männer geringen Wertes, hereinzufallen.

Das habe ich mir mal von ChatGPT einordnen lassen:

Was ist „The Female Dating Strategy“?

The Female Dating Strategy (oft abgekürzt als FDS) ist eine Online-Community (Website und frühere Foren/Subreddits), in der vor allem Frauen darüber diskutieren, wie sie beim Dating „High-Value Men“ (also „hochwertige“ Partner) erkennen und sogenannte „Low Value Men“ (LVM – Männer geringen Wertes) vermeiden können.

Die Community hat eine eigene Begriffswelt entwickelt. Dazu gehören Bezeichnungen wie „Scrote“ (ein abwertender Sammelbegriff für Männer, die als respektlos oder ungeeignet wahrgenommen werden) oder „Zero-Value Male“ (ZVM – ein Mann, der angeblich keinen positiven Beitrag zum Leben einer Frau leistet).

Warum wird dort teilweise abfällig über Männer gesprochen?

Die verwendete Sprache ist bewusst zugespitzt und provokativ. Sie dient innerhalb der Community als Abgrenzung und als Warnsystem: Bestimmte Verhaltensweisen sollen klar benannt und abgelehnt werden.

Kritiker sehen darin jedoch eine pauschale Abwertung von Männern. Die Kategorisierung in „High Value“ und „Low Value“ reduziert komplexe Persönlichkeiten auf einfache Wertzuschreibungen. Das kann schnell in Schwarz-Weiß-Denken übergehen.

Was ist der Zweck dahinter?

Aus Sicht vieler Teilnehmerinnen geht es darum:

    • eigene Standards im Dating zu definieren
    • emotionale und finanzielle Ausbeutung zu vermeiden
    • Selbstwert und Selbstschutz zu stärken
    • Warnzeichen frühzeitig zu erkennen

Für manche wirkt das empowernd, weil es klare Grenzen und Strategien vermittelt.

Gesellschaftliche Einordnung

Online-Communities entwickeln häufig eine eigene Sprache und starke Gruppenidentität. Solche Begriffe schaffen Zusammenhalt, können aber auch polarisieren.

Das Grundanliegen – Selbstschutz, klare Standards und kritische Reflexion von Dating-Mustern – ist nachvollziehbar. Problematisch wird es dort, wo aus individuellen negativen Erfahrungen allgemeine Abwertungen einer ganzen Gruppe entstehen.

Was schwer was zu zu finden.

Und dann sind da noch Imageboards – anonyme Foren nach dem Vorbild von 4chan, einer berüchtigten Plattform der Manosphere –, die von radikalen Feministinnen dominiert werden, die sich offen zu Männerhass und Transfeindlichkeit bekennen.

Also wahrscheinlich Radfems.

Kollektiver Heteropessimismus

Gemeinsam ist den Frauen in diesen Gruppen vor allem eins: ihr Heteropessimismus, also der kollektive Frust darüber, Männer zu begehren – gespeist durch Mobbing, Erfahrungen sexualisierter Gewalt und dem Alltag in einer patriarchalen Gesellschaft.

«Was ist schlimmer: Einsamkeit oder Missbrauch?», fragt eine zweifach geschiedene Mutter bei The Female Strategy. «Wenn man sich ein bisschen länger mit der Thematik beschäftigt, merkt man schnell, wie schlecht Männer für uns Frauen sind. Stalker, Vergewaltigungen, Mord. Ich hatte hier und da Männer, aber ich kann durch die Reihe weg sagen, dass Männer eine Frau nur ausnutzen. Wieso soll man sich so was zumuten?»

Da erinnern sie in der Tat an die Dunklere Richtung der Incel Bewegung, also die, die nicht einfach nur Single sind sondern da irgendwie eine Schuld der Frauen und der hübschen Männer sehen und sich daraus ein Feindbild basteln, welches verhindert, dass sie sich mit eigenen Fehlern oder mit Verbesserungen beschäftigen müssen.

Pinke Pille

Das Mass an Fatalismus schwankt. Je radikaler die Frauen in ihrem Heteropessimismus sind, desto eher ist ihr Männerhass in ein ideologisches Gerüst gebettet, das dem der Manosphere ähnelt.

Äquivalent zur roten oder schwarzen Pille – Begriffe aus der Manosphere, bei denen die rote Pille für ein vermeintliches «Erwachen» über angebliche Geschlechterrealitäten steht und die schwarze Pille für einen fatalistischen Glauben an unabänderliche männliche Benachteiligung – existiert in der Femosphere die Idee der pinken Pille: Wer sie geschluckt hat, hat sich mit der bitteren Wahrheit einer frauenfeindlichen und oberflächlichen Welt abgefunden.

Und wie in der männlichen Szene kursieren auch hier Begriffe wie «Chad» oder «Stacy», um normschöne Menschen zu beschreiben, die – so die Überzeugung – in der genetischen Lotterie gewonnen haben.

Zu eine ähnlichen Community hatte ich glaube ich hier schon mal was. Da ging es auch darum eine „Stacy“ zu werden, indem man sein Aussehen verbessert, damit ein Chad etwas von einem will.

Eine 26-jährige Imageboard-Nutzerin erzählt, dass sie noch nie ein Date hatte: «Ich war eigentlich immer von dieser Art der Interaktion ausgeschlossen. Ich war dieses Mädchen, bei dem Jungs so taten, als müssten sie kotzen, wenn jemand erwähnte, dass ich auf ihn stand.»

da habe ich auch gerade einen ähnlichen Beitrag in dem FAW-Subreddit gefunden:

And then, there’s me. Hideous as an inbred neanderthal grown in a laboratory. Men wouldn’t even want to be in a relationship with me even if someone paid them to. Shunned, excluded and covertly bullied wherever I go. I don’t even want someone to provide for me…but even standing on my own two feet is difficult given my mental health and the way people treat me. I’ve been intentionally excluded from my university workshops and clubs. Teachers and students hate me alike. Probably the corporate world would hate me as well.

Alone and friendless with no one to look after my safety as well, if I went missing or died no one would notice or care.

Hart.

Nicht zur Gewalttätigkeit erzogen

Die Soziologin Madeline Bobo von der Georgia State University in Atlanta hat in ihrer Masterarbeit Femcel-Foren analysiert. Sie interessiert vor allem die Frage, welche Funktion sie für die Frauen haben – und wie sie sich von den Incel-Foren unterscheiden.

«Viele Männer, die sich als Incels identifizieren oder sich mit Incel-Ideologien beschäftigen, werden gewalttätig, werden zu Amokläufern», sagt sie. Bei Frauen hingegen sei bislang nichts Vergleichbares zu beobachten.

„Viele“? Das dürfte eine Übertreibung sein. Die wenigsten einer ohnehin kleinen Gruppe werden gewalttätig.

Laut Bobo liegt das vor allem daran, dass Frauen anders sozialisiert werden. «Frauen werden nicht dazu erzogen, auf diese Weise gewalttätig zu sein. Frauen sollen fürsorglich und liebevoll sein. Wenn etwas schiefgeht, ist es ihre Schuld.»

Oder eben einfach Pech bei den Genen, siehe oben.

Kein weiblicher Anspruch auf Sex

Das Resultat: Statt ihren Frust und ihre Wut nach aussen zu kehren, richten sie sich gegen sich selbst. Im Gegensatz zu den männlichen Incels gibt es kein enttäuschtes Entitlement, keinen weiblichen Anspruch auf Sex und Intimität.

Stattdessen scheint insbesondere in Gruppen wie den Forever Alone Women das Gefühl vorzuherrschen, nichts daran ändern zu können. Immer wieder berichten die Frauen online von Essstörungen, Depression, sogar Suizidgedanken.

Das dürfte auch bei vielen männlichen Incels so sein. Sie sind auch nicht immer aggressiv, viele werden sich nicht gut fühlen und sich in Gruppen austauschen wollen.

«Es fühlt sich anonym an, wenn ich schreibe: ‹Ich bin so einsam, dass ich sterben möchte›», schreibt eine Imageboard-Nutzerin auf die Frage, was sie in den Foren findet.

«Aber was mich wirklich anzieht, ist das Wissen, dass es Frauen gibt, die denselben Schmerz mit mir teilen. Es ist, als würde man in die Leere schreien, in der Annahme, dass andere Frauen wie ich ebenfalls dort hinein schreien. Es fühlt sich seltsamerweise so an, als wäre ich unter Freundinnen. Ich weiss nicht, warum.»

Klar, gemeinsames Leid verbindet. Das dürfte häufig so sein.

Bagatellisiert statt politisiert

Zur Femosphere gibt es noch kaum Forschung, nur wenig Berichterstattung. Das liegt auch daran, dass die Gewalt, die von ihr ausgeht, kein Ventil findet ausser dem Leid, das die Frauen selbst erleben.

Statt dass sie politisiert wird wie die Menosphere, wird sie bagatellisiert. «Diese Frauen fügen sich selbst Schaden zu. Sie leiden unter starken emotionalen und psychischen Belastungen», sagt Madeline Bobo.

Nur weil man nicht offen gewalttätig sei, heisse das nicht, dass man keine Aufmerksamkeit verdiene.

Es ist ja eher so, dass die wenigsten sexlosen Männer gewalttätig sind, es aber dennoch als das wesentlich Bild der Gruppe gezeichnet wird. Sie bekommen also nur negative Aufmerksamkeit und werden zu unrecht als Gefahr gesehen.