Neurotizismus und Geschlechterunterschiede: Einer der größten Geschlechterunterschied in den „Big Five“

Neurozitismus ist ein Persönlichkeitsmerkmal der „Big Five“, also der fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit.

Es ist auch das Persönlichkeitsmerkmal mit den größten Geschlechterunterschied im Schnitt.

Aus der Wikipedia:

Der Begriff und das Konzept gehen auf den Psychologen Hans Jürgen Eysenck zurück.[1] Ein alternativer Begriff im Zusammenhang mit der Eysenckschen Theorie ist Emotionale Labilität.

Bei Menschen mit hohem Neurotizismuswert finden sich oft folgende Eigenschaften und Verhaltensweisen:

  • Neigung zu Nervosität
  • Reizbarkeit, Launenhaftigkeit
  • Neigung zu Unsicherheit und Verlegenheit
  • Klagen über Ärger und Ängste
  • Klagen über körperliche Schmerzen (Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schwindelanfälle etc.)
  • Neigung zu Traurigkeit und Melancholie
  • Sehr sensibel auf Stress reagierend
  • Eher negative Affektlage
  • Dauerhafte Unzufriedenheit

Niedriger Neurotizismus bedeutet dagegen emotionale Stabilität und Gelassenheit.

Eysenck konstruierte seine Persönlichkeitsdimensionen mittels einer Faktorenanalyse. Allen Persönlichkeitsmerkmalen liegt laut Theorie zugrunde, dass sie relativ stabil, konsistent und zeitlich überdauernd sind. Der Faktor Neurotizismus lässt sich laut Eysenck in die Dimensionen Labilität-Stabilität aufteilen. Er weist faktorenanalytisch enge Zusammenhänge mit den damals verwendeten Begriffen „schlecht organisierte Persönlichkeit“, „abhängig“ oder „abnormal vor der Krankheit“ auf. Eysenck bezeichnete ihn auch als „Fehlen von Persönlichkeitsintegration“.

Eysenck sah den Ursprung in Unterschieden zwischen Individuen hinsichtlich der autonomen physiologischen Erregung. Demnach reagieren Persönlichkeiten mit hohen Neurotizismuswerten stärker auf angst- und stresserregende Situationen als emotional stabile Individuen. Zudem benötigen sie nach derartiger Erregung länger, um wieder in ihren Ursprungszustand zurückzukehren. Als Erklärung diente Eysenck das limbische System, das unter anderem für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist. Neurotizistisches Verhalten ist damit das Ergebnis einer starken Reaktion des limbischen Systems auf externe Reize. Damit kommt es bei Personen mit hohem Neurotizismuswert öfter zu Neurosen, weil externe Reize stärker emotional kodiert und damit konditioniert werden.

Hier zb ein Studie:

Previous research suggested that sex differences in personality traits are larger in prosperous, healthy, and egalitarian cultures in which women have more opportunities equal with those of men. In this article, the authors report cross-cultural findings in which this unintuitive result was replicated across samples from55 nations (N 17,637). On responses to the Big Five Inventory, women reported higher levels of neuroticism, extraversion, agreeableness, and conscientiousness than did men across most nations. Thesefindings converge with previous studies in which different Big Five measures and more limited samples of nations were used. Overall, higher levels of human development—including long and healthy life, equal access to knowledge and education, and economic wealth—were the main nation-level predictors of larger sex differences in personality. Changes in men’s personality traits appeared to be the primary cause of sex difference variation across cultures. It is proposed that heightened levels of sexual dimorphism result from personality traits of men and women being less constrained and more able to naturally diverge in developed nations. In less fortunate social and economic conditions, innate personality differences between men and women may be attenuated.

Quelle: Why Can’t a Man Be More Like a Woman? Sex Differences in Big Five Personality Traits Across 55 Cultures  (2008)

  • Hier kommt Neuroticism auf d=0,4, bei einer Abweichung mit einem höheren Wert bei Frauen, also einen mittleren Wert, allerdings der größte aller Geschlechterunterschiede.
  • Natürlich muss man dabei noch einmal betonen: Das bedeutet nicht, dass alle Frauen in der Hinsicht einen höheren Wert haben, zwei Normalverteilungen mit einem d=0,4 sehen so aus:
  • normalverteilungen_d_04

    normalverteilungen_d_04

(Bild von ChatGPT erstellt, ich hoffe es ist richtig)

Eine interessante weitere Aufspaltung gibt es in dieser Studie hier (die auch für eine Besprechung interessant wäre):

Geschlechterunterschiede Persönlichkeit

Geschlechterunterschiede Persönlichkeit

Also:

N1_Anxiety −0.56

N2_Anger −0.16

N3_Depression −0.19

N4_Self-conscious −0.11

N5_Immoderation −0.15

N6_Vulnerability −0.54

Oder auch:

Persönlichkeit Geschlechterunterschiede

Persönlichkeit Geschlechterunterschiede

Gerade die Ängstlichkeit und die Anfälligkeit für Belastung ist also im Schnitt höher.

Erklärungen könnten sein: (ChatGPT)

 

1) Unterschiede in der Stressreaktivität (HPA-Achse)
Die HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde) ist das zentrale biologische Stresssystem des Körpers.

Ablauf:

Stressreiz → Gehirn aktiviert Hypothalamus
Ausschüttung von CRH → Hypophyse
Ausschüttung von ACTH → Nebennieren
Ausschüttung von Cortisol
Cortisol bereitet den Körper auf Belastung vor – kurzfristig sinnvoll, langfristig belastend.

Geschlechtsunterschied:

Frauen zeigen im Mittel stärkere und länger anhaltende Cortisolreaktionen auf soziale und emotionale Stressoren.
Gleichzeitig erfolgt bei ihnen eine langsamere Rückkehr zum Ruhewert.

Konsequenz:

Häufigere Aktivierung → subjektiv schnelleres Gefühl von Überforderung
biologischer Beitrag zu höherer Stressvulnerabilität und Neurotizismus

Empirische Basis:
Kirschbaum et al. (1999), Kudielka & Kirschbaum (2005), Stroud et al. (2002)

2) Hormonelle Einflüsse
Geschlechtshormone beeinflussen direkt die Emotions- und Stresssysteme des Gehirns.

Östrogen:

  • verstärkt Aktivität in Amygdala (Bedrohungsverarbeitung)
  • moduliert Serotoninsystem (Stimmungsregulation)

Progesteron:

  • beeinflusst Angstreaktionen
  • schwankt stark im Zyklus

Testosteron:

  • dämpft Stress- und Angstreaktionen
  • erhöht Stressresistenz

Folge:

  • weiblicher Hormonhaushalt → größere Schwankungen in emotionaler Reaktivität
  • männlicher Hormonhaushalt → im Mittel stabilere Stresspufferung

Das erklärt auch:

  • zyklusabhängige Stimmungsschwankungen
  • erhöhte Depressionsrisiken nach Geburt und in Wechseljahren

3) Genetische Korrelation mit internalisierenden Störungen

Neurotizismus ist teilweise genetisch bedingt (~40–50 % Erblichkeit).

Die gleichen genetischen Faktoren, die hohen Neurotizismus begünstigen, erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit für:

  • Angststörungen
  • Depression
  • Posttraumatische Belastungsstörung

Man spricht von genetischer Kovarianz oder shared genetic liability.

Zwillingsstudien zeigen:

  • Gene, die Neurotizismus erhöhen, erklären bis zu 60 % des genetischen Risikos für Depression.

Geschlechtsaspekt:

Frauen tragen im Mittel etwas höhere genetische Expression dieser internalisierenden Vulnerabilität → höhere Prävalenz von Angst/Depression.
Wichtige Studien:

Kendler et al. (2006)
Hettema et al. (2006)

Die HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebennierenrinde) klingt interessant für weitere Fragen. Cortisol an sich auch.

Erich von Däniken, Karl May und die Macht des Buchs

Erich von Däniken ist am Wochenende gestorben (RIP) und das hat mich daran erinnert, dass ich als Kind/Jugendlicher eines seiner Bücher gelesen hatte, und das mit einer gewissen Faszination. Einen Beleg für Außerirdische zu haben wäre ja toll, vielleicht auch erschreckend, aber jedenfalls etwas über das man nachdenken kann.

Man liest eben einen langen Text mit einer Argumentation mit angeblich sehr vielen belegen und irgendwelche Bilder von Astronauten ähnlichen Malereien und lassen ja zumindestens die Option offen, das es tatsächlich stattgefunden hat sicherlich ist auch das Gebiet dafür ganz günstig, weil alles in einer Zeit spielt in der man wenig überprüfen kann, gerade wenn die diese darauf abstellen, dass diese Wesen eben beispielsweise als Götter oder ähnliches angesehen worden sind.

Und natürlich ist dies auch ein inzwischen häufiger Trope in diversen Science Fiktion Romanen oder Serien gewesen, in denen die Helden in eine ähnliche Rolle als Götter geschlüpft sind.. es ist nicht unvorstellbar, dass sich höher entwickelte Lebewesen irgendwie mit Leben auf einem anderen Planeten einlassen.

Wobei das wahrscheinlich entweder eine gewisse höhere Entwicklung oder eine gute Organisation voraussetzt oder der entsprechende Planet muss wirtschaftlich für die entsprechende Lebensformen vollkommen uninteressant sein. Ansonsten würde es wahrscheinlich eher so enden, wie es auch auf der Erde endete, wenn technisch höher entwickelte Nationen auf weniger entwickelte gestoßen sind.

Ähnlich ging es mir mit Karl May, den ich als Kind/Jugendlicher ebenfalls vollständig gelesen habe und die bei mir zu einer gewissen religiösen Phase im Sinne eines Glaubens an einen Gott geführt haben die allerdings nur kurz anhielt.

Natürlich war das auch die Zeit, in der man leichter zu beeinflussen war weil Informationen nicht so einfach zur Verfügung standen wie heute, wo man im Internet an nahezu jede Gegenposition gelangen kann.

Heute würde man sich wahrscheinlich bei solchen Thesen direkt ins Internet begeben und hinreichend Aufklärungen zu einer Vielzahl von Däniken Thesen finden, wenn man sucht.

Wobei man natürlich auch heute noch die Augen zu machen kann, dass ich in einer Gruppe Gleichgesinnter begeben kann und alles ablehnen kann, was dem entgegen steht.

Es gibt ja heute noch Leute, die die Erde für flach halten oder meinen, das die Sinnflut tatsächlich die gesamte Erde bedeckt hatte und die meinen dies irgendwie nachweisen zu können.  Das mag zu anderen Zeiten verzeihlich gewesen sein ist aber heute ein Zeichen einer extremen Nachlässigkeit oder starken Ideologisierung.

Natürlich passiert es trotzdem auch noch , dass man selektiv an die Sache herangeht.. wenn ich eine Studie sehe die ganz geht meine Vorstellung, wie bestimmte Sachen ablaufen geht, dann suche ich auch sehr gerne nach Gegenargumenten und Gegenstudien oder Kritik im Netz und finde auch häufig etwas. Bei Studien, die meiner Meinung bestätigen passiert das weniger. Ich gehe davon aus, dass sie sich eben passend einordnen.

Ich bedanke mich hiermit noch einmal bei allen Leuten, die mich darauf hingewiesen haben, dass bestimmte Studien Schrott sind, erhebliche Schwächen haben oder zu mindestens erhebliche Kritik geübt haben, die wiederum dazu führte, dass ich mich mit den Pro und contra Argumenten beschäftigen musste. Die Idee, dass man einige Meinungen einfach ablehnen kann weil sie nicht der eigenen Ideologie entsprechen, finde ich nach wie vor erschreckend.

Wir sollten uns alle selbst immer wieder die Mühe machen unsere eigenen Thesen zu hinterfragen und auf Gegenargumente einzugehen

 

 

 

Mal wieder: Beim ersten Date zum Essen einladen

Im Netz gab es mal wieder eine Debatte dazu, wer bei einem Date zahlt.
Ausgangspunkt war meine ich ein Dialog:

Der Mann schlug vor, dass man sich nach Matchen auf einer Datingseite trifft, und zwar zu Spaziergang oder um irgendwo was zu trinken.

Die Frau führte an, dass sie nicht trinkt und man etwas essen gehen könnte.

Der Man gab an, dass er bei ersten Dates nicht essen geht.

Die Frau gab an, dass sie nicht auf erste Dates geht, bei denen man nicht essen geht. 

Es kam demnach nicht zu einem Date. Aber zu Diskussionen im Netz. Ich zitiere mal ein paar Positionen, die ich interessant fand:

1.

The single most attractive quality in a man is generosity. The most unattractive quality is stinginess. The sheer number of men on here who claim to be concerned about picking up a dinner tab for a date it won’t work out with is astonishing! So you bought someone dinner, my god.

Zum Essen einladen, soweit würde ich zustimmen, ist ein „Costly Signal“. Es signalisiert, dass man Ressourcen hat und auf die Partnerin verwenden will, ein sehr altes evolutionäres Zeichen. In der Hinsicht ist Geiz unattraktiv.

2. (als Antwort darauf)

The single most un-attractive quality in a man is the willingness to be made a sucker.

Und das ist das moderne Dilemma: Um so unverbindlicher Dating wird um so eher kippt die Bewertung, dass man Ressourcen auf eine Frau verwendet, die etwas besonderes für einen ist und die einem etwas bedeutet. Weil sie das wenn man sich gerade erst auf Tinder und Co getroffen hat, bei dem sie mit 100 anderen Männern gematcht hat und mit vielen davon schreibt, eben noch nicht sein kann. Sie kann es zu leicht ausnutzen und man ist zu schnell der „Sucker“.

3.

I have always insisted on paying for dinner. And every quality woman I’ve ever known insisted that she pay half. Usually, I insisted harder. But not always.

Da ist gleich der Ausweg: Man geht davon aus, dass die Frau ihrerseits eine Verpflichtung eingeht: Der Mann macht die Geste, die Frau bietet an die Hälfte zu tragen oder das nächste Essen / die nächsten Drinks zu zahlen. Schon ist es wesentlich besser und beide zeigen, dass ihnen an dem anderen etwas liegt. Das erfordert aber natürlich eine gewisse „Vorauswahl“ der Frau.

4. 

I never minded paying for a date, but I really would not want to pay for a date if I thought I was being taken advantage of

Das ist die Abgrenzung, die viele wahrscheinlich für sich vornehmen. Und die bereits dadurch verletzt wird, dass die Frau darauf besteht, dass das erste Date ein Essen gehen ist. Denn damit geht eine Erwartung einher, dass er erst einmal etwas leisten und zahlen muss, dass sie also weniger an ihm interessiert ist und er in Vorleistung gehen muss. Der Zustand sollte eher sein, dass beide sich kennenlernen wollen, weil sie Interesse aneinander haben und gespannt auf den anderen sind. Und dann ist es ganz egal wo.

5.

That’s bullshit because females take everything from unattractive men for a cost and then they give everything to attractive men for free. Wtf do females know about generosity? These beta males are losing power. I’m glad. People are sick of these losers.

Das haut in die gleiche Kerbe: Wenn sie mich wirklich wollte, mich als sehr hochwertig ansehen würde, dann wäre es egal ob wir essen gehen. Bei besonders attraktiven Männern oder anderweitig besonders begehrenswerten Männern wäre die Frage, ob man essen geht vollkommen egal

Natürlich funktioniert das Argument auch von der anderen Seite: Wenn er so wenig an mir interessiert ist, dass er die Kosten eines Essens fürchtet, entweder weil er nur Sex will oder weil er meint, dass ich zu gut für ihn bin, dann sortiere ich ihn besser aus.

5.

Men are meant to be givers. Not ATMs, not martyrs, but men who instinctively provide, include, and make life lighter for the people they invite in. If picking up a dinner check is enough to make you feel exploited, ‘modern dating’ isn’t the problem. The problem is that you see generosity as a loss instead of part of the privilege of courting someone.

Und noch eine weibliche Sicht in eine ähnliche Richtung: Der Mann sollte unbekümmert großzügig sein, es als Teil der Gelegenheit jemanden umwerben zu können sehen.

6.

The type of generosity women like the most is your Sex drive – being generous by being attracted to her enough to want to fuck her because she’s MORE aroused by YOU. “Attractive qualities” don’t matter as much as being attractive and not doing unattractive things. OP isn’t specific about the context surrounding “picking up a dinner tab for a date it won’t worth out with” but regardless it presupposes that taking chicks out for dinner is cool under any circumstances. “So you bought someone dinner, my god.” Dinner only AFTER you fuck. Your non-sexual attention at dinner is her reward for good sexually compliant behavior. Pavlov’s Dog that bitch.

Das wäre dann die Hardcore- Sicht.

7.

I think dinner is too much for a first date. Coffee & a pastry is more appropriate. I don’t blame any man for not wanting to pay for dinner AND sit through the whole thing for a woman he might barely know. Keep it quick & easy, & then splurge if you want to see each other again.

Eben. Es ist das erste Kennenlernen ohne das man viel über den anderen und die Chemie miteinander weiß. Ein Restaurant bedeutet, dass man sich setzt, Essen bestellt, wartet bis es kommt und vielleicht hat man bis dahin schon festgestellt, dass man nicht zueinander passt. Man hat aber Essen bestellt und muss noch warten, es Essen und dann auch noch bezahlen.

8.

If the most attractive thing about me is my propensity to give resources, I have zero desire to give them.

Das wäre dann sozusagen das „Foreshadowing“ auf ihre Einstellung zu einem.

9.

This doesn’t work in a culture where the scammer or the hustler archetype is ascendant.

Das wäre der gesellschaftliche Aspekt: Wenn Frauen wollen, dass sie zum Essen eingeladen werden, obwohl man sie kaum kennt, dann müssten sie radikal gegen Frauen vorgehen, die auf freie Essen aus sind.

ICE Einsatz in Minnesota und der tödliche Schuß auf Renee Good und die potentiellen Folgen

geführt:

Eine Frau hat wohl Maßnahmen von ICE, die insbesondere in den USA für illegale Einwanderung zuständig sind und unter Trump wohl stark ausgebaut worden sind, behindert, ICE-Beamte wollten sie verhaften (nehme ich an) und sie ist mit dem Auto davon gefahren.

Streitig ist, ob sie dabei auf einen der Beamten zugefahren ist oder ob es zumindest für diesen so aussah.
Der Beamte hat dann auf sie geschossen und sie tödlich getroffen. Aus Sicht der „Befürworter“ weil sie ihn überfahren wollte, was ihn dazu berechtigt hätte, aus der Sicht der „Kritiker“ weil er sie einfach umbringen wollte, obwohl sie keine Gefahr war.

Hier eine Zusammenfassung von Grok:

Stelle die Vorfälle in Bezug auf ICE in Minnesota so neutral wie möglich dar. Sage, was die Ausgangslage war und was beide seiten jeweils vertreten
Ausgangslage

Im Dezember 2025 startete die U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE), eine Behörde des Department of Homeland Security (DHS), eine großangelegte Operation namens „Operation Metro Surge“ in Minnesota, insbesondere in der Region um Minneapolis und St. Paul. Diese Operation umfasst den Einsatz von etwa 2.000 zusätzlichen Bundesagenten und zielt auf die Verhaftung illegaler Einwanderer ab, darunter Personen mit kriminellen Vorstrafen wie Sexualdelikten, Mord oder Drogenhandel. Minnesota gilt als ein Staat mit sogenannten Sanctuary-Politiken, die die Kooperation lokaler Behörden mit ICE einschränken, um Einwanderer ohne legalen Status vor Abschiebung zu schützen. Lokale Politiker wie Gouverneur Tim Walz und Bürgermeister Jacob Frey haben ICE-Operationen kritisiert und betont, dass der Staat keine Ressourcen für Abschiebungen bereitstellt. Gleichzeitig berichtet das DHS von einer Zunahme von Angriffen auf ICE-Agenten, einschließlich Fahrzeugangriffen, die sie auf „radikale Rhetorik“ lokaler Politiker zurückführen, wie Walz‘ Vergleich von ICE mit der „Gestapo“ oder Freys Forderung, ICE solle „aus Minneapolis verschwinden“. Seit Januar 2025 wurden über 1.500 Personen verhaftet, darunter viele mit kriminellen Hintergründen, was zu Protesten, Konfrontationen und einem tödlichen Vorfall führte.

Wichtige Vorfälle

  • Verhaftungen und Operationen:
    ICE hat gezielte Razzien in somalisch-dominierten Vierteln durchgeführt, wie Cedar-Riverside, wo Agenten Ausweise forderten und Personen festnahmen. Beispiele umfassen die Verhaftung eines somalischen Sexualstraftäters, der aufgrund lokaler Sanctuary-Regeln frei war, sowie andere mit Vorstrafen für Mord, Drogenhandel oder sexuelle Übergriffe. Es gab Berichte über Kollateralverhaftungen und Konfrontationen mit Anwohnern, die Agenten umzingelten oder blockierten. In einigen Fällen wurden US-Bürger vorübergehend festgehalten, darunter ein Mann, der trotz Vorlage eines digitalen Passes in Handschellen gelegt und weggefahren wurde, bevor er freigelassen wurde.

  • Proteste und Konfrontationen:
    Anwohner und Aktivistengruppen wie Indivisible Twin Cities haben Netzwerke aufgebaut, um ICE-Operationen zu beobachten und zu stören, einschließlich „Nachbarschaftspatrouillen“. Es kam zu Vorfällen, bei denen Agenten mit Pfefferspray vorgingen, Fenster einschlugen oder Taser zogen, um Blockaden zu durchbrechen. In Schulen und Unternehmen gab es Störungen, was zu Schulschließungen und Forderungen führte, ICE von Schulgeländen fernzuhalten.

  • Tödlicher Schusswechsel am 7. Januar 2026:
    In Minneapolis schoss ICE-Agent Jonathan E. Ross auf die 37-jährige US-Bürgerin Renee Nicole Good, die in ihrem Auto saß. Good, eine Mutter von drei Kindern und Aktivistin in einer Anti-ICE-Gruppe, starb an den Verletzungen. Videos zeigen den Vorfall aus mehreren Winkeln, aber die genaue Abfolge vor dem Schuss ist unklar. Zeugen berichteten, dass ein Arzt am Ort war, aber von Agenten zurückgehalten wurde, und eine Ambulanz durch ICE-Fahrzeuge blockiert war. Dies führte zu landesweiten Protesten und einer Untersuchung durch das FBI. Ähnliche Schussvorfälle ereigneten sich kurz darauf in Portland und erneut in Minnesota.

Position der Bundesregierung und ICE

Die Trump-Administration und das DHS vertreten die Ansicht, dass die Operation notwendig ist, um „die schlimmsten Kriminellen“ zu entfernen und Communities zu schützen. Sie berichten von über 1.300 % mehr Angriffen auf Agenten seit 2025, einschließlich 66 Fahrzeugangriffen, und führen dies auf anti-ICE-Rhetorik lokaler Politiker zurück. Der Schuss auf Good wird als Selbstverteidigung dargestellt: Sie habe versucht, den Agenten zu überfahren, was durch Ross‘ frühere Verletzung in einem ähnlichen Vorfall untermauert wird. ICE betont Professionalität und dass Verhaftungen auf Haftbefehlen basieren, nicht auf Rasse. Sie kritisieren Minnesota für das Horten von Kriminellen durch Sanctuary-Politiken und berichten von Erfolgen wie der Verhaftung von Pädophilen und Drogenhändlern.

Position der lokalen Behörden und Aktivisten in Minnesota
Gouverneur Tim Walz, Bürgermeister Jacob Frey und Gruppen wie der Immigrant Law Center of Minnesota (ILCM) sehen die Operation als rassistisch und islamophob, gezielt gegen somalische Communities. Sie berichten von racial profiling, Fehlverhaftungen US-Bürger, übermäßiger Gewalt (z. B. Chokeholds, Pfefferspray) und Störung des Alltags, einschließlich in Schulen. Der Schuss auf Good wird als unnötig und möglicherweise Mord dargestellt; Videos zeigten, dass sie vom Agenten wegsteuerte, und medizinische Hilfe wurde verzögert. Sie fordern den Abzug von ICE, eine unabhängige Untersuchung und betonen, dass die Operation Terror und Chaos schafft, ohne echte Bedrohung zu adressieren. Walz hat die Nationalgarde mobilisiert und fordert, dass der Bund Minnesota „in Ruhe lässt“. Aktivisten organisieren Widerstand, um Nachbarn zu schützen, und kritisieren die Eskalation durch Bundesagenten
Das Ereignis wird sicherlich noch weiter aufgeklärt werden, es wird entsprechende Aussagen etc geben.
Ich will etwas zum Drumherum schreiben und es wird etwas zynisch in der Analyse:
  • Für die radikaleren Aktivistinnen ist es natürlich interessant jetzt aus der getöteten Frau Good einen neuen George Floyd Moment zu machen, ungeachtet der weiteren Ermittlungen. Wenn das gelingt, dann können sie ihre Organisation ausbauen und erheblichen Zuwachs bekommen.
    Es wird interessant, ob eine weiße Frau und Mutter (wenn auch wohl in einer lesbischen Beziehung) da ausreicht, noch dazu bei einem Thema wie Einwanderung. Kann man sie ähnlich zur Galionsfigur einer Bewegung ausbauen? Floyd stand für Polizeigewalt gegen Schwarze und das gerade weil sie schwarz waren. Das wird bei Good schwieriger, schlicht weil sie weiß ist und auch weil sie eine Frau ist. Weiße Frauen dürften überaus selten erschossen werden, wenn ich es richtig in Erinnerung habe sind sie sogar die Gruppe mit der niedrigsten Rate tödlicher Polizeigewalt unter den Geschlechter-Race-Gruppen. Man könnte von „white female Privilege“ sprechen. Noch dazu verkörpert sie genau den Fall, der ansonsten immer angeführt wird, wenn es um Polizeigewalt geht: „Wenn dich ein Polizist (oder andere Beamte wie ICE) auffordern auszusteigen, dann mache das, mache keine schnellen Bewegungen, verhalte dich kooperativ und dir passiert nichts“.
    Aber immerhin, sie ist eine Mutter, sie hatte (was im Netz oft betont wurde) Stofftiere in ihrem Handschuhfach von ihren Kindern, sie war eine Frau, man kann vielleicht daran arbeiten, dass niemand mehr sicher ist und die Monster sogar eine Frau erschießen (wie gehen sie dann erst mit anderen um?)
    Natürlich werden gleichzeitig auch die ICE-Mitarbeiter jetzt vorsichtiger vorgehen müssen, weil das Klima aufgestachelt ist und sie evtl noch mehr Angriffe gegen sich haben könnten und dazu noch weitere Todesfälle vermeiden sollten.
  • Auf der anderen Seite wird es die „Law and Order“ Seite um Trump für sich ausschlachten wollen: Einmal können sie auf eine abschreckende Wirkung setzen und das könnte bereits den Widerstand verringern. Die Parole „Fuck around and find out“ oder kurz „Fafo“ wird ja gern im Trump-Umfeld genutzt. Dazu können sie anführen, dass hier „linke Spinner“ vor nichts zurückschrecken um die Durchsetzung der Politik Ausländer abzuschieben, hier gerade auch Somalier, die gerade durch falsche Kinderbetreuungsstätten, bei denen man staatliche Leistungen abgegriffen hat, aufgefallen sind.
    Sie können deutlich machen, dass eben nur mit ihnen solche Mißstände beendet werden und die radikalen Linken dagegen nicht ankommen können. Sie werden gerade betonen, dass die ICE-Mitarbeiter beständig unter Angriff sind und damit entsprechend noch härtere Maßnahmen rechtfertigen. Sie können ebenfalls ein Feindbild ausbauen, dann eben in Bezug auf Good die Aktivistin, die mehrere 100 Meilen von ihrem Wohnort hergefahren ist um ICE zu behindern und dabei ihre Kinder zurückgelassen hat und sich für unangreifbar hielt und so zu Hass aufgestachelt war, dass sie meinte sogar einen ICE Beamten überfahren zu können oder jedenfalls keine Rücksicht auf ihn nehmen zu müssen ohne das ihr was passiert.
  • Der Vorfall kann also von beiden Lagern gut verwendet werden und wird die Graben ggfs noch einmal vertiefen. Mal sehen ob der linken eine Aktivierung gelingt und was dann die Gegenmaßnahme ist.

Pädagogik und Geschlecht als Gegenstand politischer Kämpfe. Zur Analyse rechter, antifeministischer und rassistischer Diskurse

Wir sind mal wieder erwähnt worden:

Pädagogik und Geschlecht als Gegenstand politischer Kämpfe. Zur Analyse rechter, antifeministischer und rassistischer Diskurse

Und dort Seite 107:

Jennifer Degner-Mantoan: Antifeministische Netzwerke: Die deutsche Männerrechtsbewegung

Soziale Bewegungen zeichnen sich aus durch
(1) einen (informellen) Netzwerkcharakter,
(2) die Ausbildung einer kollektiven Identität und kollektiv geteilter Deutungsrahmen,
(3) das Streben nach gesellschaftlichem Wandel sowie
(4) darauf abzielendes Protestverhalten
(della Porta/Diani 1999: 16; Rucht 1995: 11; Roth/Rucht 2008: 638).

Sie sind ein relationales Phänomen, d. h. sie handeln die eigenen Grenzen und Zugehörigkeiten, Problemdeutungen und Verantwortlichkeitszuschreibungen, Strategien und Ziele ständig neu aus und sprechen Anhänger_innen und Unterstützer_innen, aber auch Opponent_innen, in einer Weise an, die auf die (De-)Mobilisierung verschiedener Zielgruppen hinwirkt (Rucht 2005: 197).

Die deutsche Männerrechtsbewegung besteht aus Einzelpersonen, Vereinen und informellen Gruppen, die netzwerkartig miteinander verbunden sind. Um moralische Ressourcen zu generieren, muss sie insbesondere die Legitimität ihrer Anliegen kommunizieren (Roth/Rucht 2008: 25; Rucht 1984: 616) bzw. die Illegitimität ihrer politischen Gegner_innen betonen, eine starke Solidarität untereinander entwickeln und Verbündete finden, die ihre Interessen auch über den Wirkungskreis der Bewegung hinaus verbreiten.

Die aus dem Netzwerk entstehenden Bewegungsgemeinschaften (Staggenborg 1998; Hassan/Staggenborg 2015) sind in ihrer ideologischen Prägung, thematischen Schwerpunktsetzung und Organisationsform durchaus verschieden. Es gibt:

  • informelle (Unterstützungs-)Netzwerke,

  • institutionalisierte Strukturen sowie

  • parteinahe Strukturen
    (Beck et al. 2021).

Mit Hilfe eigener alternativer Medien lassen sich Inhalte über die Bewegungskanäle hinaus verbreiten und neue Unterstützer_innen generieren. Die Bewegung kann aber auch auf Befürworter_innen in den hegemonialen Medien zählen, die über die Benachteiligung von (cis) Männern und die vermeintlichen Verfehlungen „des Feminismus“ berichten oder zentralen Akteur_innen der Männerrechtsbewegung über Interviews und Gastbeiträge eine Plattform geben (Aigner 2012).

Thematisch problematisiert die Männerrechtsbewegung zu unterschiedlich starken Anteilen eine Benachteiligung von (cis) Männern u. a. bezüglich:

  • Bildung

  • Arbeit

  • Gesundheit

  • Partnerschaft

  • Elternschaft

  • Erziehung

Antifeminismus und eine (cis)männliche Opferhaltung dienen als geteilter Deutungsrahmen, der eine kollektive Identifikation ermöglicht. Ideologisch reicht das Spektrum von (links-)liberalen bis hin zu extrem rechten Einstellungen und Weltdeutungen.

Die verschiedenen Gemeinschaften können als Teil einer „Bewegungsfamilie“ (della Porta/Rucht 1995: 232) verstanden werden, die sich zunächst über den Einsatz für Männerrechte definiert. Innerhalb der Bewegungsfamilie lässt sich zwischen diversen Gruppierungen unterscheiden, die miteinander kooperieren, konkurrieren oder auch in Konflikt zueinander stehen.

Darüber hinaus lassen sich situationsspezifische Bewegungskoalitionen, d. h. zeitlich begrenzte Kooperationen, beobachten, während derer Ressourcen geteilt und Aktionen gemeinsam koordiniert werden (McCammon/Moon 2015: 326f.). Dies ist bspw. der Fall, wenn einzelne Organisationen der Männerrechtsbewegung sich mit christlich-fundamentalistischen oder auch verschwörungsideologischen Akteur_innen verbünden, etwa bei Protesten gegen eine Pädagogik der geschlechtlichen und sexuellen Vielfalt (Oldemeier et al. 2020) oder im Rahmen der Coronaproteste (Blum/Rahner 2020).

3 Netzwerke als Bewegungsressource

Das Internet und neue Technologien bieten Möglichkeiten der schnellen, zeit- und ortsunabhängigen, kostengünstigen, vergleichsweise niedrigschwelligen und massentauglichen Kommunikation sowie eine Vielzahl an Handlungsrepertoires für Bewegungsakteur_innen (Dolata/Schrape 2015: 17ff.; Rucht/Teune 2017: 21; Illgner 2018: 254; Fielitz/Staemmler 2020: 433).

Netzwerke lassen sich mit wenig Aufwand aufbauen und pflegen. Sie stellen nicht nur eine Ressource von Bewegungen dar, sondern bieten auch die Möglichkeit der Einflussnahme auf Gelegenheitsstrukturen (Diani 1996; Cinalli/Füglister 2008). Darüber hinaus können sie ein kollektives Bewusstsein fördern, mit dem die eigene Position und Weltdeutung – insbesondere im Falle radikaler Gruppierungen – weniger alleinstehend erscheint (Ackland/Gibson 2013: 231ff.; Veilleux-Lepage/Achambault 2019: 23).

Personalisierte Kommunikationsformen wie Social News Aggregatoren und Mikroblogs ergänzen kollektives Handeln, das wiederum von Onlineplattformen koordiniert und gebündelt werden kann (Bennett/Segerberg 2012: 743ff.). So entstehende Koalitionen mobilisieren wiederum größere Mengen an Akteur_innen (Earl/Kimport 2011: 148ff.). Gleichzeitig besteht die Gefahr einer Abschottung in homogene, virtuelle Gemeinschaften und einer Radikalisierung von Online-Communities (Caiani/Parenti 2013: 3ff.), wie in Teilen der Manosphere (Horta Ribeiro et al. 2020; Rothermel 2020).

3.1 Soziale Netzwerkanalyse

Die soziale Netzwerkanalyse liefert relationale Daten über die Einheiten, Beziehungen und Abgrenzungen eines Netzwerks (Serdült 2002: 127f.). Betrachtet werden einzelne Verbindungen von Individuen sowie die allgemeine Netzwerkstruktur (Snow/Zurcher/Ekland-Olson 1983: 118), welche als Form sozialen Kapitals und damit als Bewegungsressource interpretiert werden (Diani 2005: 340; Schmidt 2006: 38f.).

Wie eingangs beschrieben, liegt bisher keine Studie vor, die das Netzwerk der Männerrechtsbewegung erfasst. Zwar konnte eine breite Anschlussfähigkeit maskulistischer Ideologiefragmente und Narrative festgestellt werden (u. a. Ganz/Meßmer 2017; Mayer/Ajanovic/Sauer 2018; Höcker/Pickel/Decker 2020; Kaiser 2020; Näser-Lather/Oldemeier/Beck 2019; Kalkstein et al. 2024), ein Überblick über die Akteurslandschaft und deren Verbindungen über die eigenen Kanäle hinaus stellt jedoch weiterhin ein Forschungsdesiderat dar.

(…)

Ausgehend vom oben skizzierten Forschungsstand zur Männerrechtsbewegung habe ich sieben Akteur_innen zum Ausgangspunkt genommen, von deren Webpräsenzen aus ich händisch eine Wanderung über die jeweiligen Verlinkungen unternommen habe, um so weitere Startknoten für die Netzwerkanalyse zu finden.

Außerdem habe ich das Bundesforum Männer als einen Akteur aufgenommen, der aus pro-feministischer Perspektive agiert, während für die anderen Akteur_innen auf Basis bisheriger Forschung eine antifeministische Positionierung angenommen wird (Beck et al. 2021: 7ff.; Claus 2014: 16ff.; Kemper 2011a: 36ff.).

Insgesamt ergaben sich so elf Startknoten. Darunter befinden sich:

  • die Homepages der bekanntesten deutschen Männer- und Väterrechtsvereine
    (u. a. MANNdat, AGENS, Forum Soziale Inklusion, Väteraufbruch für Kinder),

  • verschiedene, meist von Einzelpersonen bespielte Weblogs.

Daneben wurden Kampagnen und Aktionsbündnisse, die eine Schnittstelle zwischen der Bewegung und anderen zivilgesellschaftlichen sowie politischen Akteur_innen darstellen, in das Sample aufgenommen (u. a. die Initiativen Genug Tränen und Familienschutz).

Ebenfalls berücksichtigt wurde der deutsche Genderkongress als eine – zumindest in der Außendarstellung – international ausgerichtete, von Bewegungsakteur_innen getragene Tagung.

Außerdem wurden die Knoten auf den Dimensionen politische Orientierung¹⁰ und thematischer Schwerpunkt und welcher politischen Orientierung die Akteur_innen am ehesten zuzuordnen sind.

(…)

Maskulismus

Maskulismus

Liberale Akteur_innen sind kaum Teil der direkten Routen zwischen anderen Knoten. Zentraler sind dagegen Akteur_innen, die eher dem konservativen bis (extrem) rechten Spektrum zugeordnet werden können (1).

Besonders schnell erreichen einige Blogs sowie das alternative Nachrichtenportal Cuncti andere Akteur_innen. Sie sind somit besonders einflussreich (2).

Gut vernetzt sind neben zwei maskulistischen Blogs zwei der größten deutschen Männerrechtsvereine (3).

Die Korrelation der Zentralitätsmaße ergibt einen (sehr) starken positiven Zusammenhang. Dies spiegelt sich auch in der Übersicht der Zentralisationsmaße: Unter den fünf zentralsten, populärsten und einflussreichsten Knoten befinden sich auch nach weiteren Reduktionsschritten immer wieder die gleichen Akteur_innen.

Diese können als Kern des Netzwerks beschrieben werden.

Man merkt die Daten sind etwas älter,  ich meine es wird auf 2023 verwiesen.

Deutlich wurde, dass das Netzwerk aus wenigen, dafür umso aktiveren Akteur_innen besteht. Die Strukturen sind kaum formalisiert. Thematisch liegt der Schwerpunkt auf Männerrechten und Antifeminismus, die eine ideologische Klammer für die Bewegungsfamilie darstellen. Trotz politisch unterschiedlicher Verortung weisen die zentralen Akteur_innen in ihren Verlinkungen zumindest eine Offenheit für die (extreme) Rechte auf.

Liberale Akteur_innen weichen mit jedem Reduktionsschritt zugunsten konservativer und extrem rechter Akteur_innen. Dies deckt sich mit der Abnahme institutionalisierter Strukturen zugunsten von Einzelpersonen betriebener Weblogs.

Konkrete Hilfs- und Unterstützungsangebote für Männer wie psychologische und medizinische Beratung, Präventionsangebote, Anlaufstellen für Opfer häuslicher Gewalt, Sozialberatungen oder Straffälligen- und Obdachlosenhilfen werden kaum bis gar nicht verlinkt und verschwinden nach nur wenigen Reduktionsschritten gänzlich. Fraglich ist, warum institutionalisierte Angebote im Netzwerk kaum präsent sind. Anti-etatistische Vorstellungen und ein allgemeines Misstrauen gegenüber staatlichen Organisationen, die stets unter Feminismusverdacht stehen, können eine mögliche Erklärung sein.

Darüber hinaus lässt sich fragen, wie hoch die Bereitschaft ist, über die Textproduktion hinaus aktiv zu werden, um eigene Strukturen aufzubauen. Wenn bspw. der Ausbau von Frauenhäusern mit dem Mangel an vergleichbaren Angeboten für (cis) Männer in Frage gestellt wird, könnte sich darin eine verletzte Anspruchshaltung (Kimmel 2017) zeigen.

Thematisch verschiebt sich der Schwerpunkt mit jedem Reduktionsschritt zugunsten maskulistischer und antifeministischer Inhalte. Dies bestätigt den Befund, dass Antifeminismus und eine (cis)männliche Opferhaltung fester Bestandteil der kollektiven Identität der Männerrechtsbewegung sind und die heterogenen Gemeinschaften der Bewegungsfamilie zusammenhalten. Interessant ist darüber hinaus, dass zwar Familie und Elternschaft auch in diesem Rahmen verhandelt werden, Akteur_innen, die einen Fokus auf das Thema setzen, jedoch kaum präsent sind.

Aus den bisherigen Erkenntnissen lässt sich folgern, dass die Männerrechtsbewegung einen starken Fokus auf Problemdeutung und Ideologieproduktion legt, jedoch wenig eigene Problemlösestrategien entwickelt. Der Aktivismus ist geprägt von Abgrenzung und Empörung und lässt somit wenig Raum für konstruktive Ansätze. Vorhandene Ressourcen werden aufgrund ideologischer Differenzen nicht wahrgenommen. Die Männerrechtsbewegung schafft es somit bisher nicht, nachhaltige Bündnisse einzugehen und die eigenen Inhalte über ein begrenztes Unterstützungsnetzwerk hinaus zu etablieren.

Da sind wir eigentlich wieder bei einer alten Diskussion, etwa:

Stefan Gelbhaar: neue Vorwürfe

Nachdem sich vorherige Vorwürfe gegen Stefan Gelbhaar (Grüne) als falsch herausstellten veröffentlicht der Tagesspiegel nun neues Material:

Faust lernt Gelbhaar im Jahr 2011 kennen. Da ist sie 15 Jahre alt. Gelbhaar nimmt an einem Wahlkampf-Podium an ihrem Gymnasium teil, dann trifft sie ihn an einem Wahlkampfstand wieder. Sie ist beeindruckt von dem Politiker, der damals Landeschef der Grünen ist und ins Abgeordnetenhaus gewählt wird. Sie schreibt ihm auf seinem offiziellen Facebook-Account eine Direktnachricht, denn sie möchte sich bei den Grünen engagieren.
Das schreibt sie ihm am 15. September 2011 und siezt ihn. Keine 24 Stunden später antwortet Gelbhaar, dass ihn das freue und dass er sich „natürlich und sehr gerne“ an sie von der Begegnung am Wahlkampfstand erinnere. „Und ich“, schreibt er der 15-Jährigen, „schlage mal ganz spontan das Du vor“. Gelbhaar ist damals 35 Jahre alt.

Das Mädchen antwortet, es sei ja sympathisch, wenn Politiker bürgernah seien. Sie wünschte ihm viel Erfolg bei der Abgeordnetenhauswahl. Sie finde es „sehr schön“, dass Gelbhaar sich an sie erinnere. Der antwortet: „Du findest das sogar sehr schön?“ Dazu ein Freu-Smiley.

Dass sich die 15-Jährige bei den Grünen engagieren will, dass Gelbhaar ihr Wege eröffnen, Hilfe bieten könnte – all das findet sich nicht im Chat. Aber auch keine Übergriffigkeit gegenüber einer Minderjährigen. Doch sein Verhalten einordnen will Gelbhaar heute nicht. Sein Anwalt erklärt dazu: „Unser Mandant verwahrt sich gegen den Vorwurf, er habe sich einer Minderjährigen genähert. Der Vorwurf ist abwegig und nicht im Ansatz von dem vorliegenden Sachverhalt gedeckt.“

Bei den Grünen dürfte Duzen ja normal sein. Auch sonst macht er nichts, was sich nicht gehört. Sie schreibt ihm an, dass sie sich bei den Grünen engagieren soll, was soll er da auch groß antworten? Wird wahrscheinlich häufiger passieren.
Interessant auch die Darstellung. Es findet sich nichts unangebrachtes in dem Chat. Und er will das nicht einordnen.
In der Tat ist ja der Vorwurf abwegig, dass er sich ihr genährt hatte. Es wäre aus meiner Sicht noch im Rahmen der normalen Rekrutierung dann wohl für die Grüne Jugend. Er gibt eben den volksnahen Politiker. Hätte er das gleiche bei einem Jungen geschrieben wäre es vollkommen unverdächtig.
Sieben Jahre nach dem ersten Chat, Faust ist 22 Jahre alt, geht es weiter. Von 2018 bis 2021 haben beide nachweisbar Chatkontakt. Faust reagiert auf seine politischen Posts bei Instagram mit Klatschen-Emojis, er sendet Herzaugen- oder Flammen-Emojis, die „hot“ bedeuten, also „heiß“, zu Fotos und Stories auf ihrem Instagram-Account. Auf denen zeigt sich die Frau: jung, attraktiv, auch freizügig und spielerisch. Er fragt sie, was sie vorhabe, was sie werden wolle, was sie studiere.
Am 2. Dezember 2018 schreibt Gelbhaar ihr: „Ich kiek mir deine Bilder zu gern an.“ Faust antwortet: „Dankeschön :)“. Am 14. Februar 2019 schreibt er ihr zu einem Foto, bei dem ein Filter ihre Augen verändert hat: „Hast du doch gar nicht nötig.“
Was Faust erlebte, ist zunächst ein Einzelfall. Doch spiegelt sich darin ein Verhalten, das Gelbhaar auch anderen Frauen gegenüber gezeigt haben soll – grenzverletzend, distanzlos. Der Chat ist nicht immer eindeutig, wirkt oft einvernehmlich. Aber es bleibt der Eindruck: Da schreibt ein Mittvierziger über seinen offiziellen, mit blauem Haken verifizierten Account als Abgeordneter, als Politiker sehr locker mit einer jungen Frau hin und her. Zu locker?
Sie schreiben also 3 Jahre, beginnend ab ihrem Alter von 22. Und? Er kann sie über Instagram kaum unter Druck setzen und sie kann ihn jederzeit blockieren.
„Der Chat wirkt einvernehmlich“ war er ja anscheinend auch

„Er schreibt zu locker“ Sie ist volljährig und er auch. Wo ist das Problem? Auch ein Politiker kann einvernehmlichen Sex mit einer 22jährigen oder später 25jährigen haben.

Und wie hält man es als Bundestagabgeordneter mit der Kommunikation mit Frauen, die 20 Jahre jünger sind? Was ist angemessen? Und was ist privat? Sollte ein Mandatsträger per Direktnachricht den Eindruck vermeiden, dass er flirtet? Oder Fotos einer leicht bekleideten Frau liken? Und wie wäre das bei dem CEO eines namhaften Konzerns oder einem Bürgermeister?
Das ist jeweils deren Sache. Warum soll er übrigens nicht die Fotos einer Frau liken, auch leicht bekleidet, die mit ihm seit drei Jahren schreibt?
Am 17. Juni schreibt Faust ihm einen Glückwunsch, weil er bei Instagram einen blauen Haken im Profil nach einer Integritätsprüfung bekam. Gelbhaar antwortet mit Fragezeichen, Smiley und: „Dein Profil ist toll. Wollte ich dir schon lange mal sagen.“

Herzaugen-Smiley für ein Bikini-Foto bei Instagram

Wieder fragt er sie, was sie macht. Sie schreibt über ihr Studium, wo sie sich engagiert, nennt ihre Hobbys, darunter Hypnose. Das „fasziniert mich“, antwortet Gelbhaar. Faust schreibt: „Warum interessiert dich das so sehr, wenn ich fragen darf?“ „Hab darauf keine schlaue Antwort“, antwortet Gelbhaar. „Wahrscheinlich bin ich einfach unangemessen neugierig.“
Es folgen Herzaugen-Smileys, als sich Faust im Bikini zeigt. Ein „Daumen hoch“ zu einem Outfit mit Minirock. Zu einem Foto mit knapper Kleidung beim Christopher Street Day 2019 kommentiert er: „Sehr cool.“ Und: „Selbst geschneidert?“ Es war nur gekauft, Gelbhaar findet: „Trotzdem wie angegossen ;).“ Sie antwortet: „Vielen Dank.“
Das scheinen ja alles sehr harmlose Nachrichten zu sein, wenn sie nicht mehr haben ist das weit weg von einem Skandal. Anscheinend nur kurze, harmlose Kommentare, die sie anscheinend auch noch gut findet (und von denen sie wahrscheinlich auch noch viele weitere bekommen hat)

Julia Faust meldet sich beim Tagesspiegel

Als Gelbhaar im September ein Video in seiner Story postet, meldet sich Faust. Sie merkt an, dass der Ton schlecht sei. Daran werde gearbeitet, schreibt er zurück. Und irgendwann „machen wir mal was zusammen?“ Faust antwortet: „Gern.“ Wochenlang bleibt es dann ruhig. Im November fragt Gelbhaar, wie es Faust geht. Sie antwortet mit Emojis, die bedeuten: lernen, Schulternzucken.
Der Chatverlauf offenbart einen Eindruck, gegen den sich Gelbhaar bisher vor Gericht teilweise erfolgreich wehren konnte. Dazu muss man wissen, dass bisher an den Vorwürfen mehrerer Frauen in der „Süddeutschen Zeitung“ gegen ihn offiziell nichts geklärt ist, geschweige denn rechtskräftig.
Und auch hier wird man nichts vorwerfbares draus ableiten können. Klar kann man es einen schlechten Stil finden wenn ein 40jähriger mit einer 25jährigen schreibt. Aber es ist gleichzeitig auch nichts verbotenes. Man kann daraus nur etwas herleiten, wenn man ihn ohnehin absägen will und einen Vorwand braucht.
Es erstaunt gerade von den Grünen, die sich ja sonst in dem Bereich sehr sexpositiv aufstellen.
Die Vorwürfe gegen Gelbhaar bewegen die Partei immer noch.Im November überschattete das Thema die Wahlversammlung der Pankower Grünen, als Gelbhaar bei seinem Comebackversuch damit scheiterte, sich als Direktkandidat zur Abgeordnetenhauswahl aufstellen zu lassen. Im April 2026 wird die Landesliste für das Abgeordnetenhaus beschlossen.
Was Faust erlebte, hat sie bereits im Februar in einer eidesstattlichen Versicherung zur Vorlage bei Gericht niedergeschrieben. Diese lag dem Landgericht Hamburg und Gelbhaars Anwälten spätestens seit Mai vor. Monate später gab es für Julia Faust einen konkreten Anlass, mit dem Tagesspiegel zu sprechen und einen Einblick in die Chats mit Gelbhaar zu gewähren. Sie fand es zweifelhaft, dass Gelbhaar vor seinem Comebackversuch im November erklärt hatte, dass alle Vorwürfe gegen ihn aufgeklärt seien und die Gerichte eindeutig entschieden hätten.
Und was will sie dazu sagen? Sie hat ja anscheinend ganz einvernehmlich mit ihm geschrieben?
Im Janur 2020 schreibt Faust zu einem Video des Politikers: „Super Film!“ Er antwortet mit einem Lächel-Smiley und fragt: „Kaffee demnächst?“ Sie antwortet: „Iced Coffee“ und Herzaugen-Smiley.
Oh Nein! Das Grauen!
Tage später kommentiert Gelbhaar wieder Fotos, auf denen Fausts Gesicht mit einem Filter bearbeitet wurde: „Sehr nice der Gesichtsausdruck“ und Herzaugen-Smiley. Faust bedankt sich und beglückwünscht Gelbhaar zu einer Gesetzesänderung.
Wieder wechselt Gelbhaar ins Persönliche: „Wann machen wir mal unseren Kaffee?“ Faust schreibt, es komme auf den Wochentag an, sie habe gerade viel mit dem Studium zu tun, montags und freitags gingen, aber das „müssen wir leider noch etwas verschieben“, sie schreibe gerade Klausuren.
Auch wieder Grauenhaft.

Heute liest sie aus dem Chat Flirtversuche

„Wenn ich das alles lese, wird mir ganz anders“, sagt Julia Faust heute. Damals habe sie sich nichts dabei gedacht, auch wenn sie es so wahrgenommen habe, dass Gelbhaar auf sie steht, dass er sie anmache. „Diese Flirtversuche. Das alles ist strafrechtlich nicht relevant, doch ich finde es moralisch verwerflich.“
Und damals fand sie es interessant, dass ein Mann mit hoher Position ihr Aufmerksamkeit schenkt und dachte daran, dass sie das vielleicht ja auch irgendwie mal nutzen kann und ihn sich warmhält.
Rückblickend komme ihr das vor wie ein Versuch eines älteren Mannes, sich bei einer jungen Frau das Vertrauen zu erschleichen für einen privaten Kontakt. Eines einflussreichen Grünen-Politikers, eines Abgeordneten, der gemäß dem Grundgesetz Vertreter des „ganzen Volkes“ ist.
Ruft die Sittenpolizei!

Auch klassisches warmhalten.

Faust kontaktierte Gelbhaar als Mandatsträger, nicht als Privatmann

Gelbhaar will wissen, wohin sie reist. Faust antwortet und fragt dann: „Hast Du eigentlich Praktikant*innen? Wenn nicht, wo und für wann kann ich mich bewerben?“ Gelbhaar: „Besprechen wir dann? Weiß manchmal nicht, was du wie ernst meinst.“
Wieder richtet er den Fokus weg vom Praktikum. Sie schreibt, dass sie es ernst damit meine, schickt sogar ein Thema nach, dass sie interessiert: ein Gesetzentwurf zur Grundrente für Künstler.
Gelbhaar wechselt im Chat immer wieder auf eine vertraute Ebene, dreht Fragen über ein Praktikum ins Persönliche. Statt eines Gesprächs im Büro, das Faust im beruflichen Rahmen vorschlägt, will er sich lieber privat treffen. Er, der 20 Jahre ältere Abgeordnete, zeigte wenig Distanz gegenüber einer Frau, die einen Weg in die Politik suchte, die ihn deshalb als Politiker, als Mandatsträger kontaktierte – nicht als Privatmann.
Echt faszinierend. Klar, er will sie persönlich kennen lernen, ist vielleicht auch auf Sex aus oder auch nicht. Sie nutzt den Kontakt, ködert ihn ganz bewußt mit möglichen Treffen und will sich dann über die Beziehung zu ihm einen Praktikumsplatz sichern.
Klar hätte sie auch sagen können „das mit ihm ist mir zu persönlich, ich frage mal ganz formell und ohne den Kontakt über ihn bei den Grünen an“. Aber die inzwischen 24jährige (wenn ich richtig gerechnet habe) nutzt lieber den Kontakt von dem Mann, der ihre Bikinifotos mag und bei dem sie das Gefühl hat er will was von ihr und bei dem sie immer offen lässt, ob man sich mal privat trifft oder nicht.

Manches schmeichelt ihr auch

Im März 2020 antwortet Faust auf eine Story von Gelbhaar, dass sie eine „Location“, in der Gelbhaar war, auch möge. Gelbhaar: „Guck an, mit Dir wär es natürlich mehr Highlight gewesen. Also noch mehr :)“. Sie antwortet: „Aww.“ Sie fühlt sich geschmeichelt. Am 26. Juni antwortet Gelbhaar mit einer Flamme auf ein Foto: Faust trägt einlanges T-Shirt, es ist zu erkennen, dass sie darunter nur einen Slip trägt.
Anfang Juli 2020: Faust schreibt, dass sie sich im Maklergeschäft umschaue, Objekte suche, und fragt, ob Gelbhaar sich umhören könne. „Musste mir mal bei nem Date erklären, was Du da genau brauchst“, schreibt Gelbhaar. Faust antwortet, sie wollten sowieso mal miteinander wegen eines Praktikums sprechen.
Sie fragt auch, ob sein Büro – mitten in der Corona-Pandemie – wieder geöffnet sei. Er solle gern Bescheid sagen, wann er da sei, dann komme sie mal vorbei. Gelbhaar fragt: „Nice. Wie bist Du denn da im Sommer?“ Faust berichtet, sie habe noch keine Pläne, Ende Juli aber noch Klausuren. Das heiße, „Ende Juli treffen wir uns? Nice“, schreibt Gelbhaar. Faust liked das mit einem Herz und antwortet: „Ja genau.“
Sie will sich also ein Praktikum im Bundestag ergattern und flirtet deswegen mit ihm.
Wir gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.
Aus dem Verhaltenskodex der Partei Bündnis 90/Die Grünen
Das sagt ja wenig aus.
Der Chatverlauf mit Faust wiegt nicht so schwer, wie die falsch erhobenen Vorwürfe des RBB vor einem Jahr. Aber es rührt an das Selbstverständnis der Grünen als feministische Partei. Denn die Grünen haben einen Kodex. Der gibt „Verhaltensregeln zwischen allen Parteimitgliedern“ vor, dazu zählt: „keine Grenzverletzungen“. Und: „Wir gewährleisten einen verantwortungsvollen Umgang mit Nähe und Distanz.“
Längst geben sich auch große Unternehmen für ihre Compliance strenge Regeln. Damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gar nicht erst in Gefahr geraten, die Last der Entscheidung zu tragen: Kann ich zu Vorgesetzten nein sagen, ohne Konsequenzen zu befürchten?
Sie war allerdings keine Mitarbeiterin. Sie war eine Bekannte von ihm seit zumindest 3 Jahren die über diesen Zeitraum immer wieder mit ihm kommunizierte.
20. Juli 2020: Wieder ein „hot“-Kommentar von Gelbhaar, diesmal zu einem Foto mit Faust im Badeanzug. Im August antwortet sie auf eine Story von ihm. Er versteht aber nicht, was sie sagen will: „Na, nun musste erläutern … oder auf unserem Treffen Ende Juli, Zwinker-Smiley.“ Faust stimmt zu, fragt aber: „Von wann bis wann bist Du im Büro?“ Gelbhaar antwortet nicht.

Gelbhaar fordert Kompensation, weil Faust weniger postet

Sie tauschen sich über ein Kinderfoto von ihr aus, über Rodelberge. Die Kommunikation wird einseitiger, Gelbhaar schickt Flammen, Herzaugen-Emojis, schreibt zu einem Foto zu Fausts gestorbenen Haustier: „Sei gedrückt.“ Faust hinterlässt ein Herz dafür.
Am 30. Juni 2021 meldet sich Gelbhaar wieder mit zwei Emojis. Faust schreibt, sie sei nur noch selten bei Instagram. „Das prangere ich an und wünsche mir Kompensation“, antwortet Gelbhaar. Faust schickt ihm ein Foto vom Zeughauskino, wo sie zu dieser Zeit arbeitet und weil sie dort nicht allein ist.
Das ist ja auch eine relativ normale Konversation, gerade weil zwischen ihnen ja auch eine gewisse Nähe ist und sie auch auf ihn eingeht und man bereits einen Termin für ein Treffen sucht.
Gelbhaar: „Schmunzel. Das bedeutet? Ist das ne Einladung?“
Faust: „Ist eine Kompensation. Und eine Empfehlung.“
Gelbhaar: „Deine Kompensation 😉 und für mich?“
Faust: „Für dich eine Empfehlung. Tickets kosten nur 0-5 Euro, je nach Vorstellung etc.“
Gelbhaar bedankt sich und schreibt: „Wahrscheinlich hast du mich bewusst so verstanden, he? ;)“
Faust: „Was meinst du?“
Gelbhaar: „Kompensation für mich wegen Deiner Insta-Abwesenheit … Da reicht ja kein Museum.“
Faust: „Achsoo. Keine Sorge ich bin bald wieder häufiger auf dieser Plattform.“
Gelbhaar: „Die Lücke bleibt natürlich für immer.“ (Schulterzucken-Emoji).
Faust: zwei Lach-Tränen-Smileys.
Gelbhaar: „Du darfst die ewige Lücke aber gern kompensieren ;))“
Heute sagt Faust, sie habe das Gefühl, Gelbhaar habe sich manipulativ verhalten, habe den Eindruck erwecken wollen, sie sei ihm etwas schuldig, nämlich ein privates Treffen. Sie sei lange naiv gewesen, bis sie gemerkt habe, dass sich Gelbhaar als Abgeordneter ihr als junge Frau gegenüber unangemessen verhalten habe.
Sie hat ihm ja auch lange genug die Karotte vor der Nase baumeln lassen und nun hat er eben (scherzhaft) eingefordert, dass sie auch mal was liefert. Aber es ist ja keine Erpressung oder etwas ähnliches.

Der Chat sei rein privat, erklärt Gelbhaars Anwalt

Der Tagesspiegel hat Gelbhaar und seine Anwälte zu den konkreten Chatabschnitten genau befragt. Sie dementierten ihn nicht, im Gegenteil. Gelbhaars Anwalt erklärt auf die Frage, ob sein Mandant die Komplimente, die Emojis für Bikini-Bilder, die lodernde Flamme für Fotos mit knapper Bekleidung oder Badeanzug, die Forderung nach einer Kompensation nicht übergriffig findet: „Im Kern interessieren Sie sich dafür, wie Frau ,Faust’ und unser Mandant privat kommuniziert haben“.
Die konkreten Fragen zu den einzelnen Teilen des Chats beantwortet der Anwalt aber nicht. Stattdessen erklärt er allgemein: „Zu privaten Angelegenheiten äußert sich unser Mandant nicht.“
Es handelt sich um eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation.
Der Anwalt von Stefan Gelbhaar
Demnach unterliege sämtliche Kommunikation zwischen Gelbhaar und Faust der Vertraulichkeit. „Es handelt sich um einen beidseitig vertrauten Austausch, der eben nicht einseitig ist und erst recht nicht so zu lesen ist, dass unser Mandant Frau Faust zu etwas drängte“, teilt der Anwalt weiter mit.
Die zahlreichen Lachsmileys und Herz-Emojis, die Julia Faust sandte, „dokumentieren einen vertrauten, privaten Austausch“. Faust habe zu keiner Zeit signalisiert, mit Inhalten der Kommunikation nicht einverstanden zu sein. „Sie selbst hat unseren Mandanten nach einem Treffen gefragt, nach persönlichen Dingen gefragt, Storys von unserem Mandanten kommentiert und durchgehend zugewandt kommuniziert.“
Und da hat der Anwalt recht und Frau Faust wusste das auch.
Die Kommunikation dokumentiere kein Fehlverhalten des Grünen-Politikers. Es sei abwegig, zu meinen, die Kommunikation dokumentiere in Teilen ein „Bedrängen“ durch Gelbhaar. „Es handelt sich um eine unverfängliche, wechselseitige und gleichberechtigte Kommunikation.“ Die Weitergabe der Chats erfolge nur, um Gelbhaar erneut vorzuführen und gezielt zu schädigen. Es sei sittlich verwerflich, die „damalige private und völlig unverfängliche Kommunikation in den Kontext eines wie auch immer gearteten Fehlverhaltens einzustellen“.
Im Herbst 2021 schickte Gelbhaar nur noch wenige Nachrichten an Faust. Eine Flamme zu einer Story, Komplimente zu ihren Outfits für den Christopher Street Day oder für Halloween. Dann bricht der Kontakt ab. Faust wird privat gewarnt, bei Gelbhaar besser kein Praktikum zu machen.
„Ich fand die politische Arbeit von Stefan Gelbhaar spannend, ich konnte mich mit den Grünen identifizieren“, sagt Julia Faust. „Aber ich wollte ein Praktikum, kein privates Date.“ Sie lese heute die Chats von damals; sie sehe, wie Gelbhaar mit den Vorwürfen umging; aber sie finde: „Fast ist es so, als versteht er das Problem gar nicht.“ Faust fragt sich, ob Gelbhaar im Chat auf dieselbe Art und mit demselben Aufwand mit einem jungen Mann, der ein Praktikum bei ihm suchte, geschrieben hätte.
Ach komm Julia. Du wolltest ein Praktikum über die Beziehung zu einem Mann den du dir deswegen warmgehalten hast und den du angefüttert hast. Du wusstest das er auf dich steht und hast gehofft daraus Kapital schlagen zu können. Das ist wirklich einfach zu verstehen.
Er hat auch nicht mit dir geschrieben, weil du ein Praktikum wolltest. Das kam erst später. Du hast vorher positiv auf ihn reagiert, selbst angedeutet, dass du dich mit ihm treffen willst und leicht geflirtet.
Und natürlich kann man darüber streiten, ob ein 40jähriger das machen sollte. Aber sie war eben zu dem Zeitpunkt als wesentliche Teile der Gespräche stattgefunden haben über 20 und volljährig. Sie wusste was sie machte. Sie wusste auch wie sie Leute loswerden kann mit denen sie nicht reden will.
Sie muss sich schon den Schuh auch anziehen.

Weibliches Begehren (Gastartikel)

Simon bat mich einen Auszug aus seinem Buch „Weibliches Begehren“ als Gastartikel zu veröffentlichen:

(…) 4.3 Interessenbekundung der Frau

Um negative Reaktionen von ihrer Mitwelt zu vermeiden und gleichzeitig sich Optionen offen zu halten, sind Frauen verbal immer subtil und mehrdeutig, was ihre Wünsche, Absichten und Gefühlslage betrifft; nur in seltenen Fällen verbalisieren sie diese direkt und eindeutig. Leider betrifft diese subtile und mehrdeutige Art auch ihre Gefühlslage über die Männer in ihrem Leben.

Eine Frau sagt nicht, ob sie an einem Mann interessiert ist, wird dies sogar verneinen, wenn sie darauf angesprochen wird. Diese Verneinung muss jedoch nicht der Wahrheit entsprechen; sie verneint, um nicht zurückgewiesen und verletzt zu werden oder sich in den Augen der Anderen lächerlich zu machen und ihren sozialen Status zu gefährden.

Sie kann jedoch auch zu einem Mann sagen, dass sie ihn mag und Interesse an ihm hat, obwohl dies nicht der Fall ist, um eine negative Reaktion von ihm zu vermeiden; sie kommt dann einfach nicht zu vereinbarten Treffen und ignoriert den Mann größtenteils.

Statt auf ihre Worte zu achten, muss sich der Mann auf das Verhalten konzentrieren. Menschliche Kommunikation besteht aus 80 % nonverbal, sprich aus Gestik, Mimik und Körperhaltung; diese spiegeln die wahren Absichten und Gefühlslage einer Person. Dies trifft besonders bei Frauen zu, da sie immer das sagen, was gerade sozial erwünscht ist oder um ihren sozialen Status nicht zu gefährden; ihr Verhalten, ihre Körpersprache, Gestik und Mimik verraten jedoch ihre wahren Intentionen.

Deshalb ist das Verhalten einer Frau immer wichtiger und höher zu bewerten als ihre Worte. Die Worte einer Frau kann der Mann nahezu immer ignorieren; das heißt jedoch nicht, dass er ihr nicht zuhören sollte. Ihre Aussagen können Rückschlüsse auf ihr soziales Leben, ihren Umgang mit Menschen und natürlich auf ihre Persönlichkeit geben. Diese Informationen, soweit der Mann sie decodieren kann, sind wichtig für den zukünftigen Umgang mit der Frau.

Es gibt verschiedene Verhaltensweisen, die auf Interesse der Frau gegenüber einem Mann schließen lassen. Diese muss der Mann erkennen, damit seine Bemühungen Früchte tragen. Im Folgenden werden einige Verhaltensweisen erläutert.¹

Sucht die Nähe

Ein gutes Indiz für Interesse ist ihre Suche nach Nähe. Wie ergeht es dir, wenn du Interesse an einer Frau hast; willst du nicht die ganze Zeit in ihrer Nähe sein? So ergeht es auch den Frauen, wenn sie Interesse an einem Mann haben. Sie wird jede Möglichkeit nutzen, um die Distanz so gering wie möglich zu halten.

Sie wird Schulter an Schulter neben ihm stehen und in einer Gruppenunterhaltung möglichst nah bei ihm sein wollen. Eine Frau, die an einem Mann interessiert ist, wird dieser sie nicht mehr los.

Viel am Lachen

Sobald sie den Mann sieht, huscht ihr ein Lächeln über’s Gesicht. Jede Interaktion mit ihm zaubert ihr ein Lächeln ins Gesicht. Sie lacht lautstark über jeden seiner Witze, egal wie schlecht sie auch sein mögen.

Für eine Frau gibt es nichts Schöneres als den Umgang mit der Person, für die sie sich interessiert. Er wird die Frau nahezu ausschließlich fröhlich erleben; wenn sie mal traurig ist, lässt die Interaktion mit ihm ihre Sonne erstrahlen, sodass sie all ihren Kummer vergisst.

Sucht den Körperkontakt

Einer der wichtigsten Indikatoren, um das Interesse der Frau an einem Mann festzustellen, ist, ob sie den Körperkontakt sucht. Selbst der kleinste Körperkontakt, wie eine kurze Berührung am Arm oder an der Schulter, ein spielerischer Schlag auf den Arm nach einem bissigen Scherz oder eine lange, feste Umarmung, ist für die Frau bedeutungsvoll.

Sucht die Frau die Nähe des Mannes, ist sie in seiner Gegenwart fröhlich und lacht über seine Witze, initiiert jedoch von sich aus keinen Körperkontakt, muss der Mann den Körperkontakt selbst initiieren und schauen, wie die Frau darauf reagiert. Steht die Frau zum Beispiel direkt neben dem Mann, Schulter an Schulter, kann der Mann seinen Arm um ihre Schulter legen. Entweder schmiegt sich die Frau näher an ihn heran, legt vielleicht sogar ihren Kopf auf seine Schulter, was ein sehr starkes, bis hin zu romantisches Interesse bedeutet, oder sie zuckt zusammen, wirft den Arm von sich und sucht die Distanz.

Anders als bei Männern ist die Haut der Frau eine erogene Zone; Streicheln, Kitzeln und Massieren erregt die Frau. Berührungen lösen bei Frauen immer ein vertrautes, intimes Gefühl der Vertrautheit aus. Dabei reagieren verschiedene Stellen am Körper unterschiedlich stark auf Berührungen. Dieses Gefühl wird sie jedoch nur mit einem Mann teilen wollen, an dem sie interessiert ist.

Körperkontakt, möge er auch noch so klein und harmlos sein, ist unerlässlich, um festzustellen, ob eine Frau an einem Mann interessiert ist oder nicht. Initiiert die Frau keinen Körperkontakt oder reagiert negativ auf den vom Mann initiierten, ist dies ein deutliches Zeichen von fehlendem Interesse.

Ist im Frame

Der stärkste Indikator ist der Frame. Eine Frau, die ernsthaft an einem Mann interessiert ist, begibt sich in sein Frame; vorausgesetzt, der Mann ist in der Lage, einen zu setzen. Im Frame verändert sich die Persönlichkeit der Frau zu einer kompatiblen Version zum Mann. Sie wird die Ansichten, Hobbys und Einstellungen des Mannes übernehmen; alles, was der Mann für toll empfindet, empfindet sie ebenfalls als toll.

Sie wird den Mann zu seinen Hobbys begleiten, seine Ansichten und Weltanschauung teilen. Sie wird nichts unternehmen, was den Mann irgendwie verärgern, abstoßen oder sich von ihr distanzieren könnte; dies erreicht sie, indem sie komplett mit seiner Persönlichkeit verschmilzt.

Jedoch muss der Mann in der Lage sein, überhaupt ein Frame zu setzen, den die Frau annehmen kann. Dies wird am besten erreicht, indem sich der Mann ein Leben mit verschiedenen Hobbys und Interessen aufbaut, sich zu verschiedenen Themen und Standpunkten weiterbildet und eine eigene Meinung vertritt. Bedenke: Die meiste Arbeit beim Dating steckt in der Selbstoptimierung des Mannes.

Der Frau einen Frame zu setzen ist nichts, was ihr aufgezwungen wird; die Frau will sich dem Frame des Mannes unterwerfen. Nur durch den Frame ist die Frau in der Lage, sich mit dem Mann zu synchronisieren und ihn kennenzulernen. Anders gesagt: Ohne den Frame wird der Mann für die Frau immer ein fremdes Wesen bleiben, das sie nicht versteht und unheimlich wirkt.

Jedoch hält der Frame nur so lange, wie die Frau beim Mann bleibt; sobald beide physikalisch getrennt sind, erlischt der Frame. Begibt sich die Frau jetzt in eine neue Gruppe oder zu einem anderen Mann, der einen anderen Frame vorgibt, so passt sie sich diesem neuen Frame instinktiv und in gleicher Geschwindigkeit an, wie sie es bei ihrem Date tat.

Frauen haben keine feste Persönlichkeit, sondern sind „flüssig“ und füllen immer ein vorhandenes Gefäß. Kommen die Frau und der Mann, den sie datet, wieder zusammen, so unterwirft sie sich wieder ganz automatisch seinem Frame und wird dieselbe Frau, wie sie ihn das letzte Mal verließ.

Zweisamkeit

Wenn sich die Frau vom Mann isolieren lässt oder gar die Isolierung selbst initiiert, ist dies ein klares Zeichen für romantisches Interesse und dass die Frau mit dem Mann Sex haben möchte. Isolierung bedeutet hierbei, dass die Frau und der Mann alleine sind, von der Öffentlichkeit abgeschottet. Dies kann eine Wohnung, ein Hotelzimmer oder auch ein Wohnwagen sein; jede private Umgebung dient zur Abschottung der Öffentlichkeit und der Verbringung von zweisamer Zeit.

Für eine Frau bedeutet es viel Überwindung, sich mit einem Mann in ein privates Umfeld zu begeben. Von Natur aus sind Frauen ängstlicher als Männer; sie wollen zu jeder Zeit Sicherheit beziehungsweise das Gefühl von Sicherheit haben. Die Öffentlichkeit, die pure Anwesenheit anderer Menschen in der Umgebung, gibt der Frau das gewünschte Gefühl der Sicherheit, wenn sie sich mit einem Mann trifft.

Begibt sich die Frau mit dem Mann in eine Wohnung, ein Hotelzimmer oder einen Wohnwagen, verlässt sie den sicheren Rahmen der Öffentlichkeit und „liefert“ sich dem Mann aus. Keine Frau wird sich von einem Mann, dem sie nicht vertraut und/oder für den sie keine romantischen Gefühle pflegt, von der Öffentlichkeit isolieren lassen, um Zeit zu zweit zu verbringen.

Wenn sich also eine Frau mit einem Mann in private Gemächer zurückzieht, will sie Sex vom Mann. Sollte sie keinen Sex haben wollen, trotz dass sie mit dem Mann alleine ist, so betrachtet sie ihn als einen asexuellen guten Freund. Ist dies nicht im Sinne des Mannes, muss er umgehend den Kontakt zur Frau aufgeben, da nichts auf der Welt ihre Betrachtungsweise noch ändern wird; jeder Versuch und jede Interaktion mit dieser Frau ist Zeitverschwendung.

Falls ein Mann über das Interesse der Frau an ihm unsicher ist, kann er jederzeit die Frau testen. Er lädt die Frau unverbindlich ein, bei einer seiner Aktivitäten mitzukommen. Taucht die Frau tatsächlich auf und interessiert sich für sein Hobby, stellt Fragen und bringt sich selbst mit ein, kann sich der Mann sicher sein, dass sie sich in seinem Frame befindet. Wenn jetzt noch weitere Interessensmerkmale hinzukommen, wie die Herstellung von Körperkontakt und viel Lachen, beweist dies ein starkes Interesse seitens der Frau.

Ein weiterer Vorteil für den Mann, wenn er eine Frau zu seinen Hobbys einlädt, ist, dass er locker in seiner gewohnten Umgebung auftritt. Er kann ihr entspannt sein Hobby näherbringen und sich auf das Verhalten der Frau konzentrieren.

Sollte die Frau auftauchen, jedoch keine weiteren Interessensmerkmale zeigen, kann dies zwei Gründe haben, die sich nicht ganz ausschließen. Vielleicht hatte sie an diesem Nachmittag nichts vor und ihr war langweilig, sodass sie sich zum Zeitvertreib auf das Treffen einließ. Sie kann auch ein grundlegendes Interesse haben, das ausreicht, um sich in den Frame des Mannes zu begeben, jedoch zu gering für ein ernsthaftes romantisches Interesse ist.

In beiden Fällen kann das Interesse der Frau gesteigert werden, sodass sie ein ernsthaftes romantisches Interesse zum Mann entwickelt. Dies benötigt ein bestimmtes Verhaltensmuster aufseiten des Mannes.

Grundsätzlich sollte der Mann mit weiteren Frauen flirten und sich nicht auf eine einzige versteifen, besonders wenn diese keine ernsthaften Interessenbekundungen von sich gab.

Fehlen die beschriebenen Verhaltensweisen nach einigen harmlosen Interaktionen und Begegnungen, so hat die Frau kein Interesse am Mann. Er braucht sich nicht weiter um sie zu bemühen, und sein Kontakt zu ihr sollte sich auf das Allernötigste beschränken oder ganz eingestellt werden, wenn dies möglich ist. Jeder Kontakt zu Frauen, die an einem Mann kein Interesse haben, ist reine Zeit- und Ressourcenverschwendung.

Nicht zuletzt führen diese hoffnungslosen Versuche dazu, dass sich die Frau noch weiter entfernt. Egal wie sehr es schmerzt: Das Beste ist immer, das fehlende Interesse der Frau zu akzeptieren, loszulassen und den Kontakt abzubrechen.

Nur weil sich eine Frau mit einem Mann unterhält, heißt das noch lange nicht, dass sie an ihm interessiert ist. Entfernt sich die Frau bei erster Gelegenheit vom Gespräch, zum Beispiel indem der Mann kurz von jemandem etwas gefragt wird, ist dies ein klares Zeichen von fehlendem Interesse – ganz egal, wie sehr sie sich im Gespräch engagierte. Eine Frau, die sich für einen Mann interessiert, bleibt in seiner Nähe; der Mann wird Schwierigkeiten haben, die Frau loszuwerden.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen sich mit Männern unterhalten, zu denen sie kein Interesse haben. Manche sind einfach freundlich und wollen niemanden grundlos abweisen, manche wollen den Mann nicht verärgern, manchen interessiert auch das Gesprächsthema. Nur durch die oben beschriebenen Verhaltensweisen lässt sich eindeutig Interesse seitens der Frau feststellen.

vgl auch:

Folgen einer intersektionalen Cancel Culture,hier: Luise Vollbrecht (@Frollein_VogelV)

Über die Vorfälle bezüglich Luise Vollbrecht (@Frollein_VogelV), die als Biologin einen Vortrag über zwei Geschlechter an einer Uni halten wollte, hatte ich hier schon mal berichtet.

Jetzt berichtet sie über die erheblichen Folgen dieses ja eigentlich recht kurzen Vorfalls:

Lag die soziale Isolierung an Ihrem Rückzug oder haben sich Menschen von Ihnen abgewendet?

Beides. Ich verlor einen großen Teil meines Umfeldes. Manche brachen aus Überzeugung mit mir, das zog sich bis in die Familie. Ich musste gegen Leute vorgehen, die ich aus der Schulzeit kenne. Menschen haben versucht, private Geschichten über mich an die Presse zu verkaufen. Es gab Bekannte und Freunde, die zwar nicht glaubten, dass ich ein schlechter Mensch bin, sich aber wegen des sozialen Drucks trotzdem distanzierten. Es gibt auch Menschen, die zu einem stehen, aber nicht verstehen, warum man weiterkämpft. Die mitkriegen, wie schlecht es einem geht, und fragen: „Warum entschuldigst du dich nicht? Lösch einfach all deine sozialen Medien und tauch unter!“ Aus diesem Grund hat sich mein damaliger Partner von mir getrennt.

Ich weiß schon, warum ich hier anonym blogge. Ich hatte auch keine Lust auf solche Angriffe.

Gerade wenn man in einem universitären Umfeld unterwegs ist kann ich mir auch gut vorstellen, dass es sehr erhebliche Auswirkungen hat. Gerade weil jeder, der zu ihr steht dann eben auch in das Visier zu geraten droht. Entweder man ist gegen sie oder man ist auch der Feind.
Die Anhänger der Intersektionalen Theorien können da nicht differenzieren, bei ihnen gilt ja, dass jedes Zugeständnis gleich einen Minuspunkt bringt. Es ist eben eine Sekte, die klare Glaubensbekenntnisse einfordert und gerade bei einem Thema wie Transsexualität keinerlei Abweichungen zulässt. Hat man dort einmal einen Feind ausgemacht wird dieser das Label auch nicht mehr los.

Es hat aus meiner Sicht diese Theorien zum einen so erfolgreich gemacht (weil sie sehr aggressiv sind und es daher gefährlich ist sich gegen sie zu stellen) aber auch zum anderen sehr unbeliebt.

Ich kann auch verstehen, dass ein Partner das nicht mitmachen will, gerade wenn es nicht sein Kampf ist, den man da führt. Es ist dann einfach zu viel Stress

 

Und Sie zogen sich zurück?

Ich möchte Menschen nicht in Gefahr bringen. Ich möchte nicht, dass der Verein, in dem ich bin, dem ausgesetzt ist. Selbst wenn Freunde hinter einem stehen und einen öffentlich verteidigen: Es war für mich sehr schlimm zu sehen, wie sie deswegen attackiert wurden. Selbst Freunde, die das Thema nicht interessiert, gingen verloren, weil ich mich zurückzog von der Welt. Ich bin nicht mehr dieselbe Person wie vorher. Viele Freundschaften und Beziehungen haben sich deshalb stark verändert.

Interessanterweise sind hier ja auch verschiedene radikale Personen zusammengestoßen. Vollbrecht ist eher im Radfembereich unterwegs und dort sieht man das Transthema besonders kritisch, weil dort „der Schutz von Frauenräumen“ im Vordergrund steht und Transsexuelle, die in Umkleiden wollen, ja auch nur Männerrechtler sind, die Frauen die Rechte wegnehmen wollen. Wobei ich nicht genau weiß, wie tief sind in der Szene drin ist. Das dürfte aber auch dazu beigetragen haben, dass man aus ihr eine bessere Zielscheibe machen konnte, sie stand dann eben für Rowling und andere TERFs aus der Richtung.

Warum fällt es Ihnen schwer, das Haus zu verlassen?

Ich war mal mit meiner Familie in einem Café, dann sind Leute aufgestanden und haben sich beschwert, dass wir dort sind. Ich bin aus Kneipen geschmissen worden. Leute haben auf der Straße vor mir ausgespuckt. Meine Meldeadresse ist gesperrt. Es gab von Aktivisten mehrere Versuche, meine Adresse auszuforschen – auch die meiner Familie, die gar nicht in Berlin wohnt.

Im linken Berlin wahrscheinlich besonders problematisch, zumal die Vorkommnisse ja auch auf dem Höhepunkt der intersektionalen Welle stattgefunden haben.

Ich würde das auch sehr bedrohlich finden.

Wie war das vor 2022?

Ich war mal ein sehr mutiger Mensch, der ein sehr freies Leben geführt hat. 2019 habe ich mehrere Wochen in Uganda im Dschungel gelebt. Ich hatte immer das Gefühl, ich komme mit allen Menschen sehr gut klar, lerne schnell Leute kennen, bin ein Mensch, der in die Welt geht und macht, was er will, in die Länder reist, in die er will. Nun bin ich jemand, der sich auf dem Nachhauseweg fünfmal umguckt und manchmal so starke Angstzustände hat, dass er das Haus nicht verlassen kann. Ich möchte keine neuen Menschen mehr kennenlernen. Das ist das, was mich am traurigsten macht.

Auch das ist durchaus verständlich. Es gibt ja genug Gewaltaufrufe gegen andere aus der militanten linken Szene und um so prominenter man da als Gegner ist um so eher könnte auch jemand auf die Idee kommen einem da aufzulauern.

Garantiert kein schönes Gefühl.

 

Zu wählerisch, um gewählt zu werden? Mindestanforderungen an Partner sagen voraus, wie viele Jahre man single ist sowie in unverbindlichen und festen Beziehungen verbringt

Eine interessante Studie:

Humans seek to spend most of their livesin long-term mating relationships, yet remain selective about whom they are willing to partner with.

We examined whether pickiness(i.e., minimum mate standards) predictshow many years individuals have spent single, in uncommitted, and in committed relationships.

We hypothesized that if individuals have unrealistic mate expectations (i.e., their adaptations for adjusting standards are mismatched), greater pickiness would predict more years spent single and in uncommitted relationships, and fewer years in committed relationships.

A representative Norwegian sample (N = 1182; ages 18–60) indicated their pickiness by rating minimum acceptable levels for 18 partner traits (e.g., intelligence, maturity, bodily attractiveness).

They also reported the total time they had spent in committed and uncommitted relationships.

Results showed that pickiness for physical attractiveness increased men’s years as single and reduced their yearsin committed relationships.

Overall pickiness increased women’s years in uncommitted relationships and their reports of being single due to attraction to partners unwilling to commit.

Effects remained after controlling for participants’ mate value, mate wanting, and mate seeking.

These findings suggest men’s standards for physical attractiveness and women’s overall standards surpass the mates they can attain

Quelle: Too Picky to Be Picked? Minimum Mate Standards Predict Number of Years Single, in Uncommitted and Committed Relationships

Die Studie ist hochinteressant, weil sie prüft wie sich die Anforderungen an den Partner auswirken. Und sie zeigen: wer zu hohe Anforderungen hat wird häufig schlechtere/kürzere Beziehungen haben.

Kurz zusammengefasst durch Claude:

Zentrale Fragestellung

Die Studie untersucht, ob übermäßige Wählerigkeit (hohe Mindeststandards bei der Partnerwahl) erklärt, warum Menschen länger Single bleiben, mehr Zeit in unverbindlichen Beziehungen verbringen und weniger Zeit in festen Partnerschaften sind.

Methodik

  • Stichprobe: 1.136 norwegische Teilnehmer (606 Frauen, 530 Männer), Alter 18-60 Jahre
  • Messung der Wählerigkeit: 16 Partnermerkmale auf 0-10-Skala (z.B. Intelligenz, Attraktivität, Körpergröße)
  • Erhobene Daten: Jahre als Single, in unverbindlichen und festen Beziehungen; Anzahl der Beziehungen und Sexualpartner
  • Analysemethode: Bifaktormodell zur Unterscheidung zwischen allgemeiner Wählerigkeit und spezifischen Domänen

Hauptergebnisse

Bei Frauen:

  • Allgemeine Wählerigkeit führte zu:
    • Mehr Jahren in unverbindlichen Beziehungen (+0,40 Jahre)
    • Mehr unverbindlichen Beziehungen insgesamt (+0,78)
    • Mehr Sexualpartnern (+0,70)
    • Häufigerer Aussage, Single zu sein, weil interessante Partner sich nicht binden wollten
  • Wählerigkeit bei Loyalität reduzierte unverbindliche Beziehungen
  • Keine signifikanten Effekte bei physischer Attraktivität

Ich schrieb zur „Fuckzone“ einmal:

Häufig kann es aber genau so gut sein, dass gerade in der Konstellation Mann-Frau auch hier die Attraction nicht hinreichend hoch ist. Er kann sich vorstellen, mit ihr zu schlafen, aber er will sich nicht dauerhaft an sie binden und dafür andere Frauen aufgeben. Sie ist sozusagen schön genug für Sex, aber nicht schön genug für eine Beziehung. Eine andere Variante ist: Sie wäre zwar gut genug aussehend für eine Beziehung, aber ihre Art und Persönlichkeit sind nicht nach seinem Geschmack, so dass er zwar kurze Zeit Sex mit ihr haben kann, ansonsten aber an ihr nicht interessiert ist.

Wer zu häufig in der Fuckzone landet, der sollte gerade als Frau die Auswahl seiner Männer beachten: Es spricht dann einiges dafür, dass die jeweilige Frau zu hoch rangeht oder zu nervig ist für die Klasse der Männer, die sie auswählt. Wenn man gut aussieht, dann ist es eben ein Persönlichkeitsproblem, also quasi im Komfortbereich zu verorten.

Die „unverbindliche Beziehung“ ist eben dann nur eine Option auf Sex für einen Mann, der seinerseits davon ausgeht, dass er bessere Optionen hat oder es als bessere Option sieht sich nicht auf diese Frau festzulegen, vielleicht weil er genug Angebote hat.

Bei Männern:

  • Wählerigkeit bei physischer Attraktivität führte zu:
    • Mehr Jahren als Single (+0,41 Jahre)
    • Weniger Jahren in festen Beziehungen (-0,41 Jahre)
    • Weniger festen Beziehungen insgesamt (-0,12)
  • Allgemeine Wählerigkeit führte überraschenderweise zu:
    • Weniger Jahren als Single (-1,71 Jahre)
    • Mehr Jahren in festen Beziehungen (+1,58 Jahre)

Wenig überraschend ist, dass hohe Anforderungen an die physische Attraktivität der Partnerin dazu führt, dass sie eher alleine sind. Der Markt ist eben stark umkämpft und hübsche Frauen haben eine große Auswahl.

Stellungnahme zu den Unterschieden

Geschlechtsspezifische Muster

1. Die „Attraktivitätsfalle“ bei Männern

Die Befunde zu männlicher Wählerigkeit bei physischer Attraktivität sind bemerkenswert konsistent und theoretisch plausibel. Männer, die hohe Standards an das Aussehen ihrer Partnerin stellen, verbringen signifikant mehr Zeit als Single und weniger in festen Beziehungen. Dies könnte mehrere Ursachen haben:

  • Evolutionspsychologische Erklärung: Männer zeigen generell stärkere Präferenzen für physische Attraktivität als Indikator für Fruchtbarkeit und Gesundheit
  • Medialer Einfluss: Ständige Exposition gegenüber überdurchschnittlich attraktiven Frauen in Medien und Dating-Apps könnte einen „Kontrasteffekt“ erzeugen
  • Unrealistische Kalibrierung: Die Anpassungsmechanismen für realistische Standards scheinen bei physischer Attraktivität besonders anfällig für Fehlkalibrierung zu sein

Auch alles möglich. Gerade die „Fehlkalibrierung“ finde ich ganz interessant. Es ist auch glaube ich das Problem vieler der verbitterteren Incels, die sich gerade in den Kopf gesetzt haben, dass sie ein Anrecht auf die hübschen Frauen haben.

2. Das „Unverbindlichkeits-Dilemma“ bei Frauen

Die Ergebnisse bei Frauen sind komplexer und soziologisch hochinteressant:

  • Hohe allgemeine Standards führen nicht zu mehr Singlezeit, sondern zu längeren Phasen in unverbindlichen Beziehungen
  • Dies deutet auf eine Fehleinschätzung der Verfügbarkeit hin: Frauen verwechseln möglicherweise, welche Männer für langfristige vs. kurzfristige Beziehungen verfügbar sind
  • Strukturelles Problem: Männer haben niedrigere Standards für kurzfristige sexuelle Beziehungen als für Partnerschaften. Frauen mit hohen Standards könnten Männer für Sex gewinnen, die sie aber nicht als langfristige Partnerinnen wollen

Die Studie argumentiert überzeugend, dass die zunehmende Ähnlichkeit zwischen Dating und kurzfristigen Sexualbeziehungen (früher Sex im Dating-Prozess ist normalisiert) es für Frauen erschwert, die Absichten des Partners zu erkennen.

Dadurch, dass Männer sich auch nicht mehr festlegen müssen und einer Frau nicht den Hof machen müssen, um sie zu heiraten und dann Sex zu haben, entsteht für Frauen auch eher die Illusion, dass ihr Marktwert höher ist, denn immer wieder interessieren sich ja sehr hochwertige Männer für sie und sie können eben auch häufig Sex mit Männern zB zwei Klassen über ihnen haben, vielleicht sogar kurzfristige Beziehungen oder Affairen. Das macht das „Zurückgehen“ zu den „normalen“ Männern wahrscheinlich schwieriger

Ausprägung der Werte – Kritische Betrachtung

Moderate Effektstärken mit großer Bedeutung:

Die gefundenen Effekte erscheinen numerisch moderat (z.B. +0,4 Jahre in unverbindlichen Beziehungen), aber:

  1. Kumulative Wirkung: Über Jahrzehnte summieren sich diese Unterschiede erheblich
  2. Bevölkerungsebene: Selbst kleine individuelle Effekte können auf gesellschaftlicher Ebene dramatische Verschiebungen erklären (steigende Singlequoten)
  3. Nach Kontrolle: Die Effekte bleiben signifikant, nachdem für Alter, Partnerwert, Partnerwunsch und Partnersuche kontrolliert wurde

Überraschende Befunde:

  1. Männer: Positive Effekte allgemeiner WählerigkeitNach Kontrolle für Attraktivitätsstandards führt allgemeine Wählerigkeit zu mehr festen Beziehungen. Dies könnte bedeuten, dass Standards für Persönlichkeitsmerkmale (Loyalität, Intelligenz etc.) die Beziehungsstabilität fördern.

Das macht auch Sinn. Man möchte fast auf die alte Hot/Crazy Grafik verweisen. Wer bei Schönheit nicht so hoch rangeht, dass er außerhalb seines Rahmens bleibt und dann noch vernünftige Anforderungen an andere Faktoren wie Treue etc stellt, der fährt besser.

2. Frauen: Keine Effekte bei Attraktivität – Anders als erwartet beeinflusst weibliche Wählerigkeit bei Aussehen die Beziehungsergebnisse nicht. Dies widerspricht teilweise der Hypothese, dass Dating-Apps zu überhöhten Attraktivitätsstandards bei beiden Geschlechtern führen.

Wäre interessant da die Aussagen der Frauen mit konkreten Männern abzugleichen. Grade wenn man an die Datingseiten denkt und daran, dass unattraktive Männer besonders wenig angesprochen werden.

Kritische Würdigung

Stärken:

  • Repräsentative Stichprobe
  • Innovative Methodik (Bifaktormodell)
  • Kontrolle relevanter Variablen
  • Kombination objektiver (Beziehungsjahre) und subjektiver Maße

Limitationen:

  • Querschnittsdesign: Keine kausalen Schlüsse möglich – vielleicht passen Menschen ihre Standards aufgrund von Beziehungserfahrungen an
  • Selbstberichtete Standards: Die Validität wird diskutiert (aber hier umfassender gemessen als in früheren Studien)
  • Kultureller Kontext: Norwegen ist extrem egalitär und säkular – Generalisierbarkeit?
  • Fehlende Längsschnittdaten: Wir wissen nicht, ob Wählerigkeit über die Lebensspanne stabil bleibt

Gesellschaftliche Implikationen

Die Studie liefert empirische Evidenz für die These der „evolutionären Fehlanpassung“ (evolutionary mismatch):

  1. Unsere psychologischen Mechanismen zur Partnerwahl entwickelten sich in kleinen Gruppen (~300 Personen)
  2. Moderne Bedingungen (Metropolen, Dating-Apps, soziale Medien) bieten:
    • Input-Überflutung: Tausende potenzielle Partner
    • Verzerrte Wahrnehmung: Überrepräsentation hochattraktiver Menschen in Medien
    • Fehlende soziale Kontrolle: Eltern/Gemeinschaft geben keine Rückmeldung mehr

Die Konsequenz: Menschen entwickeln Standards, die sie nicht erfüllen können – was zu steigenden Singlequoten und zunehmender Frustration führt.

Besonders beachtenswert: Die geschlechtsspezifischen Muster zeigen unterschiedliche Vulnerabilitäten – Männer bei physischen Standards, Frauen beim Unterscheiden von kurzfristigen vs. langfristigen Partnern. Dies erfordert differenzierte Interventionsansätze.

Auch noch interessant:

Erklärung des Appendix (Tabellen A1-A4)

Der Appendix enthält die detaillierten statistischen Ergebnisse des Bifaktormodells – der Kernanalysemethode dieser Studie. Ich erkläre jede Tabelle:

Tabelle A1: Bifaktormodell für Frauen

Was zeigt diese Tabelle?

Diese Tabelle zeigt, wie stark jedes der 18 bewerteten Partnermerkmale auf verschiedene Faktoren „lädt“ (korreliert). Es gibt:

1. Overall (Global): Allgemeine Wählerigkeit – die allen Präferenzen zugrundeliegende generelle Anspruchshaltung

2. Loyalty: Spezifische Präferenz für Treue/Verlässlichkeit

3. Physical Attractiveness: Spezifische Präferenz für physische Attraktivität

4. Status-Industriousness: Spezifische Präferenz für Status/Fleiß

5. R²: Wie viel Varianz des Items durch alle Faktoren erklärt wird

Interpretation der Faktorladungen:

Loyalty-Faktor (Treue): Loyal: 0.77 (sehr stark!) Kind (freundlich): 0.62 Mature (reif): 0.40

Diese drei Merkmale bilden zusammen eine „Treue-Dimension“ bei Frauen.

Physical Attractiveness (Physische Attraktivität): Attractive body: 0.77 (sehr stark!) Attractive face: 0.53 Clothing style: 0.33 Minimum height: 0.15 (schwach)

Status-Industriousness (Status/Fleiß): Ambitious: 0.37 Good finances: 0.34 Funny: -0.38 (negativ! = Bipolar-Faktor) Family oriented: 0.19

Wichtige Beobachtung: „Funny“ lädt negativ auf Status-Industriousness. Das bedeutet: Frauen, die hohe Standards bei Ehrgeiz/Finanzen haben, haben niedrigere Standards bei Humor – und umgekehrt.

Dies deutet auf zwei verschiedene Strategien hin: Typ A: Will ernsthaften, ehrgeizigen, finanziell erfolgreichen Partner Typ B: Will spaßigen, weniger karriereorientierten Partner

Also: Frauen, die insbesondere auf Status aus sind ist Humor weniger wichtig.

Model Fit (Modellgüte):

Die Tabelle zeigt drei Modellversionen:

1. Correlated factors model: χ² = 420.30, RMSEA = 0.074, CFI = 0.899 Schlechtester Fit, aber Baseline

2. Bifactor Model: χ² = 360.76, RMSEA = 0.058, CFI = 0.927 Deutliche Verbesserung!

3. Bifactor with residual correlations: χ² = 263.64, RMSEA = 0.050, CFI = 0.952 Beste Lösung – exzellenter Fit (RMSEA < 0.06, CFI > 0.95)

 

Tabelle A2: Bifaktormodell für Männer

Hauptunterschiede zu Frauen:

1. Nur 2 spezifische Faktoren (statt 3 bei Frauen): Loyalty Physical Attractiveness ⚠️ Kein Status-Industriousness-Faktor!

Dies bedeutet: Nach Kontrolle für allgemeine Wählerigkeit haben Männer keine eigenständige Präferenz-Dimension für Status/Ehrgeiz der Partnerin. Diese Merkmale sind bei Männern Teil der allgemeinen Wählerigkeit, aber keine spezifische Domäne.

Das allein macht die Studie schon interessant, weil es die evolutionären Unterschiede noch einmal verdeutlicht: Status und Ehrgeiz sind für Männer uninteressant bei der Partnersuche, Loyalität und Attraktivität sind die wesentlichen Faktoren.

2. Physical Attractiveness umfasst andere Items: Attractive body: 1.10 ⚠️ HEYWOOD CASE! Attractive face: 0.45 Sexually skilled: 0.17 (bei Frauen nicht in dieser Dimension) Clothing style: 0.12

Das Heywood-Case-Problem:

Die Fußnote „a“ weist auf ein statistisches Problem hin: Eine Faktorladung > 1.00 ist theoretisch unmöglich und deutet auf: Multikollinearität (Items messen fast dasselbe) Zu kleine Stichprobe für die Komplexität Modellspezifikationsprobleme

Praktische Bedeutung: „Attractive body“ ist für Männer SO zentral für physische Attraktivität, dass es fast synonym damit ist.

Clothing Style: 0.12 wird einige Frauen vielleicht auch entsetzen. Ein attraktiver Körper ist dagegen für Männer so gleichbedeutend mit Attraktivät, dass es nicht wirklich zu erfassen ist.

3. Niedrigere Faktorladungen auf Loyalty: Loyal: 0.71 (vs. 0.77 bei Frauen) Kind: 0.67 (vs. 0.62 bei Frauen) Mature: 0.37 (vs. 0.40 bei Frauen)

Männer und Frauen haben ähnliche, aber nicht identische Treue-Konzepte.

R²-Werte zeigen erklärte Varianz:

Hohe R²-Werte (gut erklärte Items): Attractive body: >1.00 (technisches Problem, aber zeigt extreme Wichtigkeit) Kind: 0.67 Loyal: 0.66

Niedrige R²-Werte (schlecht erklärte Items): Family oriented: 0.05 (nur 5% erklärt!) Maximum height: 0.03 Attractive political opinions: 0.07

Diese Items sind idiosynkratisch – sehr individuell verschieden, wenig durch gemeinsame Faktoren erklärbar.

Tabelle A3: Korrelationen zwischen Kontrollvariablen und Wählerigkeit

Was wird hier gezeigt?

Wie hängen die Faktoren der Wählerigkeit mit den Kontrollvariablen zusammen?

Wichtigste Befunde:

1. Mate value long-term (langfristiger Partnerwert): Korreliert positiv mit Overall Pickiness bei Frauen (0.22) und Männern (0.13) Interpretation: Menschen, die sich selbst als attraktive Langzeitpartner sehen, sind wählerischer Aber: Diese Korrelation ist moderat – viele wählerische Menschen überschätzen möglicherweise ihren Wert

2. Mate value short-term (kurzfristiger Partnerwert): Korreliert bei Frauen negativ mit Physical Attractiveness (-0.15) Paradox: Frauen, die sich für One-Night-Stands attraktiv halten, sind WENIGER wählerisch bei Aussehen? Mögliche Erklärung: Diese Frauen sind realistischer oder strategischer in ihren Erwartungen

3. Mate wanting (Partnerwunsch): Korreliert bei Männern mit Overall Pickiness (0.12) und Loyalty (0.29) Interpretation: Männer, die stark einen Partner wollen, werden wählerischer (nicht weniger wählerisch!) Widerspricht der Intuition, dass Verzweiflung Standards senkt

4. Alter: Bei Frauen: Negativ mit Physical Attractiveness (-0.24) und Status-Industriousness (-0.22) Bei Männern: Positiv mit Overall Pickiness (0.15), negativ mit Physical Attractiveness (-0.13)

Interpretation: Ältere Frauen werden flexibler bei Aussehen und Status Ältere Männer werden allgemein wählerischer, aber auch flexibler bei Aussehen

Tabelle A4: Effekte der Kontrollvariablen auf abhängige Variablen

Diese Tabelle ist EXTREM informativ für das Verständnis der Beziehungsdynamik

Long-term mate value (Wie attraktiv bin ich als Langzeitpartner?)

Bei Frauen: +0.84 Jahre in festen Beziehungen -0.35 Attraktionsprobleme -0.18 weniger „Interesse an Personen, die sich nicht binden wollen“

Bei Männern: +1.15 Jahre in festen Beziehungen (stärker als bei Frauen!) -0.24 Attraktionsprobleme

Interpretation: Wer sich als attraktiver Langzeitpartner sieht, IST es auch – verbringt deutlich mehr Zeit in Beziehungen.

Short-term mate value (Wie attraktiv bin ich für Sex?)

Bei Frauen: +0.56 Jahre in unverbindlichen Beziehungen +0.24 unverbindliche Beziehungen +0.74 Sexualpartner (großer Effekt!) +0.40 ungewollte Unverbindlichkeit -0.17 WENIGER Attraktionsprobleme +0.17 MEHR „nicht interessiert an denen, die interessiert sind“

Bei Männern: -0.76 Jahre in festen Beziehungen (negativ!) +0.17 unverbindliche Beziehungen +0.66 Sexualpartner +0.34 ungewollte Unverbindlichkeit

KRITISCHER BEFUND für Frauen:

Frauen mit hohem kurzfristigem Partnerwert landen in der „Unverbindlichkeits-Falle“:

  1. Mehr sexuelle Partner
  2. Mehr unverbindliche Beziehungen
  3. Mehr ungewollte Unverbindlichkeit
  4. Menschen sind an ihnen interessiert, aber sie sind an anderen interessiert

Dies ist genau das Muster, das die Studie mit hoher Wählerigkeit assoziiert! Es deutet darauf hin, dass attraktive Frauen Partner anziehen können, aber die falschen (für kurzfristig statt langfristig).

Was vielleicht auch einen Teil der Unzufriedenheit von Frauen erklärt, die meinen, dass alle Männer Schweine sind und gleichzeitig meinen, dass keine guten Männer auf dem Markt sind.

Mate wanting (Wie sehr will ich einen Partner?)

Konsistent über beide Geschlechter: Mehr Attraktionsprobleme (+0.32 / +0.38) Mehr Interesse an Personen, die sich nicht binden wollen (+0.28 / +0.15) Mehr ungewollte Unverbindlichkeit (+0.28 / +0.21)

Interpretation: Menschen, die verzweifelt einen Partner wollen, haben paradoxerweise die größten Schwierigkeiten.

Mögliche Erklärungen: Verzweiflung ist unattraktiv Sie senken Standards nicht genug Sie zielen über ihrem Level

Mate seeking (Wie aktiv suche ich?)

Überraschendes Muster: Bei Frauen: -0.65 Jahre in festen Beziehungen (!) Mehr unverbindliche Beziehungen (+0.29 / +0.41) Mehr Sexualpartner (+0.55 / +0.52) Mehr ungewollte Unverbindlichkeit

Paradox: Aktive Partnersuche führt zu WENIGER langfristigen Beziehungen, besonders bei Frauen!

Auch interessant. Vermutlich, weil sie sich dann „aktiver anbieten“ und dadurch Männer eher die Gelegenheit mitnehmen.

Mögliche Erklärungen:

  1. Paradox der Wahl: Zu viele Optionen führen zu Unzufriedenheit
  2. Dating-App-Effekt: Aktive Suche findet primär kurzfristige Kontakte
  3. Signaling: Aktive Suche signalisiert möglicherweise Verzweiflung oder geringeren Wert
  4. Kausalität umgekehrt: Menschen suchen aktiv, WEIL sie keine feste Beziehung finden

Alter (Lebenserfahrung):

Pro Jahr: +0.78 / +0.69 Jahre in festen Beziehungen (offensichtlich – je älter, desto mehr Zeit hatte man) Aber auch: +0.05 / +0.06 unverbindliche Beziehungen pro Jahr +0.05 / +0.06 Sexualpartner pro Jahr

Subtiler Befund: Die Rate an neuen Beziehungen bleibt über die Lebensspanne relativ konstant – Menschen „lernen“ nicht unbedingt, bessere Partner zu wählen oder schneller zu committen.

Gesamtinterpretation des Appendix

Was das Bifaktormodell leistet:

1. Trennt allgemeine von spezifischen Präferenzen: Manche Menschen sind generell anspruchsvoll („Global“), andere haben spezifische Präferenzen in bestimmten Bereichen

2. Identifiziert geschlechtsspezifische Strukturen: Frauen haben drei spezifische Domänen (Treue, Aussehen, Status) Männer nur zwei (Treue, Aussehen) Status ist für Männer keine eigenständige Präferenz-Dimension

3. Zeigt, was wirklich zählt: Items mit hohen R²-Werten sind die „echten“ Präferenzmarker

Methodische Qualität:

Stärken: Gute bis exzellente Model-Fit-Werte (CFI > 0.94, RMSEA < 0.05) Theoretisch plausible Faktorstruktur Geschlechtsspezifische Modellierung

Schwächen: Heywood-Case bei Männern (technisches Problem) Einige Items schlecht erklärt (R² < 0.10) Nicht-Invarianz zwischen Geschlechtern (verschiedene Faktorstrukturen)

Die vier Paradoxe des modernen Datings

Die Kontrollvariablen-Analysen zeigen mehrere Paradoxe, die die Hauptthese der Studie unterstützen:

1. Das Attraktivitäts-Paradox (Frauen) Sexuell attraktiv zu sein führt zu mehr Sex, aber nicht zu mehr Beziehungen

2. Das Such-Paradox Aktive Suche führt zu weniger langfristigen Erfolgen

3. Das Wunsch-Paradox Starker Partnerwunsch korreliert mit mehr Problemen

4. Das Wert-Paradox Selbstwahrnehmung als attraktiver Kurzzeit-Partner (bei Männern) reduziert feste Beziehungen

Fazit zur praktischen Relevanz

Diese Befunde unterstützen die Hauptthese der Studie: Moderne Mating-Bedingungen führen zu systematischen Fehlanpassungen, bei denen normale adaptive Strategien paradoxe Ergebnisse produzieren.

Die evolutionär entwickelten Mechanismen zur Partnerwahl – die in kleinen Gruppen von ~300 Menschen funktionierten – sind mit den Bedingungen des modernen Datings (Dating-Apps, Großstädte, soziale Medien) überfordert und produzieren kontraintuitive, oft selbstschädigende Ergebnisse.

Eine interessante Studie. Kann man für diverse Diskussionen brauchen.

Geschlechterunterschiede im Bezug auf unfertige oder unordentliche Wohnungen

Eine interessante Studie zu einem Geschlechterunterschied im Bezug auf Wohnen:

The way people describe their homes may reflect whether their time at home feels restorative or stressful. This article uses linguistic analysis software (Linguistic Inquiry and Word Count) to analyze 60 dual-income spouses’ self-guided home tours by calculating the frequency of words describing clutter, a sense of the home as unfinished, restful words, and nature words. Based on a principal components analysis, the former two categories were combined into the variable stressful home and the latter two into restorative home. Over 3 weekdays following the home tours, wives with higher stressful home scores had flatter diurnal slopes of cortisol, a profile associated with adverse health outcomes, whereas women with higher restorative home scores had steeper cortisol slopes. These results held after controlling for marital satisfaction and neuroticism. Women with higher stressful home scores had increased depressed mood over the course of the day, whereas women with higher restorative home scores had decreased depressed mood over the day.

Quelle: No Place Like Home: Home Tours Correlate With Daily Patterns of Mood and Cortisol

 

Die Zusammenfassung:

Studiendesign und Methodik

Die Studie untersuchte 30 Doppelverdiener-Familien aus der Mittelschicht über eine Woche. Die 60 Elternteile führten Videoführungen durch ihre Häuser durch, die mit der Software LIWC (Linguistic Inquiry and Word Count) analysiert wurden. Parallel dazu wurden über drei Werktage hinweg viermal täglich Cortisolproben gesammelt und Stimmungsberichte ausgefüllt.

Hauptergebnisse

Sprachkategorien: Die Forscher identifizierten zwei Hauptdimensionen:

    1. „Stressful home“ (durchschnittlich 0,40% der Wörter): Begriffe zu Unordnung und unerledigten Renovierungen
    2. „Restorative home“ (durchschnittlich 0,76% der Wörter): Begriffe zu Entspannung und Naturbezug

Zentrale Befunde bei Frauen:

    • Cortisol-Muster: Frauen mit höheren „stressful home“-Werten zeigten einen flacheren Tagesverlauf des Cortisolspiegels – ein Muster, das mit erhöhtem chronischem Stress und negativen Gesundheitsfolgen verbunden ist
    • Depressive Stimmung: Bei diesen Frauen nahm die depressive Stimmung im Tagesverlauf zu
    • Umgekehrt: Frauen mit höheren „restorative home“-Werten hatten einen steileren (gesünderen) Cortisolabfall und abnehmende depressive Verstimmung über den Tag

Bei Männern zeigten sich kaum signifikante Zusammenhänge – nur ein höherer morgendlicher Cortisolwert bei höheren „stressful home“-Werten.

Die Studie berichtet keine absoluten Cortisolwerte in µg/dl oder nmol/L, sondern analysiert die Form des Tagesverlaufs (die „Steigung“ oder „Slope“).

Was wurde gemessen?

Die Forscher untersuchten den diurnalen Cortisolabfall über den Tag hinweg:

    • Normale/gesunde Muster: Steiler Abfall vom Morgen (Peak nach dem Aufwachen) bis zum Abend
    • Problematische Muster: Flacher Verlauf (niedriger am Morgen und/oder zu hoch am Abend)

Die statistischen Werte

Aus den HLM-Analysen (Tabellen 3 & 4):

Für „Stressful home“:

    • Intercept (Morgenwert): Koeffizient -0.26 (p < .01) – Frauen mit höheren Stresswerten hatten niedrigere Morgencortisolwerte
    • Time slope: Koeffizient +0.08 (p < .001) – Der Abfall über den Tag war flacher (positiver Wert = weniger Abfall)
    • Time² slope: Koeffizient -0.01 (p < .001) – Weniger kurvenförmiger Verlauf

Für „Restorative home“:

    • Time slope: Koeffizient -0.06 (p < .01) – Steilerer Abfall (negativer Wert = mehr Abfall)
    • Time² slope: Koeffizient +0.01 (p < .05) – Stärkerer kurvenförmiger Verlauf

Was bedeutet das praktisch?

Die Studie gibt keine prozentuale Differenz an, aber sie zeigt, dass Frauen mit stressiger Heimwahrnehmung ein chronisches Stressmuster aufwiesen – ähnlich dem, was bei Menschen mit Depression, PTSD oder fortgeschrittenen Krebserkrankungen beobachtet wird.

Die Effekte waren statistisch hochsignifikant und blieben bestehen, selbst wenn für Ehezufriedenheit und Neurotizismus kontrolliert wurde – was auf einen robusten, unabhängigen Effekt hindeutet.

Und einige Beispiele für die Punkte, die störten:

Die vier Wortkategorien

1. Clutter (Unordnung)

    • mess(y), clutter(ed), junk
    • disarray, unorganized, disorganized, disorder(ly/ed)
    • overflow(ing), disaster
    • haphazard, trash(y/ed), sloppy, chao(s/tic)

2. House Unfinished (Unvollendetes Zuhause)

    • unfinished, half-finished
    • repair, fix, redo, remodel
    • expansion, addition, project
    • (re)build, redesign, redecorate, revamp

Das dürfte auch die Unterschiede in Sauberkeit oder „fertigen Einrichten“ erklären. Männer juckt es nicht weiter, sie mögen es wahrnehmen, aber sie kommen damit zurecht. Für Frauen ist es Stress.