„Die verlorene Generation“

Gerade geht der Artikel „The Lost Generation“ durch Twitter und andere Medien und wird stark diskutiert. Er war auch gestern Thema bei Arne.

Die Kurzzusammenfassung (von Grok):

Der Artikel argumentiert, dass die Institutionalisierung von DEI-Maßnahmen (Diversity, Equity, Inclusion) ab etwa 2014 eine ganze Generation junger weißer Männer (insbesondere Millennials) in den USA systematisch benachteiligt hat. Betroffen sind vor allem Bereiche wie Medien, Akademie und Hollywood. Diese Politik habe zu einer „verlorenen Generation“ talentierter Individuen geführt, deren Karrieren stagnierten oder scheiterten, während ältere weiße Männer (Boomer und Gen-X) ihre Positionen behielten.

Kernthese

Ab 2014 (verstärkt nach 2020 durch die George-Floyd-Proteste) wurden DEI-Richtlinien in Institutionen verankert, die explizit nicht-weiße Männer und Frauen bei Einstellungen und Beförderungen priorisierten. Für junge weiße Männer bedeutete das: „Die Welt rootet nicht für dich – im Gegenteil, sie rootet aktiv gegen dich.“ Dies schuf eine generationale Kluft: Ältere weiße Männer blieben unberührt an der Spitze, während Jüngere ausgeschlossen wurden. Wichtige Beispiele und Daten

  • Hollywood/TV-Serien: Anteil weißer Männer in Writers‘ Rooms sank von 60 % (2011) auf 11,9 % (2025). Diversity-Fellowships (z. B. Disney, Sundance) schlossen weiße Männer fast vollständig aus (nur 5,8 % bei Sundance seit 2018). Agenturen forderten explizit „diverse and female only“.
  • Medien: Bei The Atlantic sank der Männeranteil von 53 % (2013) auf 36 % (2024); bei Vox von 82 % männlich/88 % weiß auf 37 %/59 %. Praktika und Einstiegsjobs gingen überwiegend an Frauen und People of Color; weiße Männer machten oft weniger als 10 % der Bewerber aus, aber noch weniger der Einstellungen.
  • Akademie: Neue Tenure-Track-Positionen in Geisteswissenschaften priorisierten Diversity (z. B. durch DEI-Statements als ersten Filter). An Yale: Nur 7,9 % weiße Männer in neuen Einstellungen seit 2018; an Harvard von 39 % (2014) auf 18 % (2023). Ältere weiße Professoren wurden weiter eingestellt, Jüngere nicht.
  • Andere Bereiche: Ähnliche Rückgänge in Recht, Medizin und Tech (z. B. Google/Amazon: Weiße Männer von ca. 50 % auf ein Drittel). Ausgeschlossene wanderten nicht in andere Prestigefelder ab, sondern oft in niedrigstatusige Alternativen wie Crypto oder Substack.

Persönliche und gesellschaftliche Folgen

Der Autor erzählt von seiner eigenen Erfahrung: 2016 wurde ein Jobangebot als Drehbuchautor zurückgezogen, weil das Team nicht „all-white-male“ sein durfte. Viele Betroffene schwiegen aus Angst vor Backlash, passten sich an („protective coloration“ als Allies) oder gaben auf. Der Artikel betont, dass mittelmäßiges Talent früher ausreichte, nun aber nur „Superstars“ eine Chance hätten. Dies habe Institutionen geschwächt (z. B. sinkendes Vertrauen in Medien, schrumpfendes Hollywood) und zu persönlicher Verzweiflung geführt.
Schluss
Savage sieht eine Verrat an der meritokratischen Idee und warnt vor den langfristigen Konsequenzen: Eine demoralisierte Generation, die liberale Ideale aufgab, und Institutionen ohne ausreichenden Nachwuchs. Der Text endet introspektiv: Der Autor bedauert, dass normales Talent nicht mehr reicht und dass die Gesellschaft diesen Schaden largely ignoriert hat.Der Artikel ist kontrovers und wird derzeit intensiv diskutiert (u. a. in NYT, YouTube und Foren), da er DEI-Politiken als diskriminierend gegenüber weißen Männern darstellt.
ChatGPT fasst nach der Bitte um Kritik an dem Artikel die linke Kritik daran zusammen:

Kritische Analyse des Artikels

Der Artikel kombiniert persönliche Erzählung, statistische Behauptungen und eine politische Interpretation gesellschaftlicher Veränderungen. Dabei entstehen mehrere logische, empirische und argumentative Probleme.

1. Persönliche Erfahrung → Generalisierung
Der Autor beschreibt zunächst ein individuelles Scheitern, das in kreativen Branchen häufig ist. Hollywood hat extrem wenig feste Jobs, massive Konkurrenz, unklare Entscheidungsprozesse und ständige Projektabbrüche.
Der Artikel macht daraus: „Meine Erfahrung steht für eine verlorene Generation weißer Männer“. Das ist eine klassische Verallgemeinerung von Einzelfällen.

2. Unbelegte oder verzerrte Statistikverwendung
Die genannten Zahlen zu Rückgängen des Anteils weißer Männer werden nicht sauber belegt, beziehen sich oft auf selektive Zeitpunkte und ignorieren Bevölkerungsentwicklung und Branchendynamiken. Korrelation wird als Kausalität interpretiert („Mein Jobverlust liegt an Diversity“), während andere Einflussfaktoren ausgeblendet werden.

3. Fehlende alternative Erklärungen
Mögliche Gründe für die Karriereentwicklung werden nicht berücksichtigt: Qualität der eigenen Arbeit, Zufall/Konkurrenzdruck, Branchenkrisen (z. B. Streamingkrise), Änderungen im Markt (mehr Reality-TV, weniger Writers Rooms). Der Artikel reduziert alles auf ein monokausales Narrativ: „DEI-Programme benachteiligen weiße Männer“.

4. Fehlende Differenzierung zwischen Quote und Priorisierung
Diversity-Programme in Hollywood sind meist Zusatzprogramme, keine Verbote. Sie beeinflussen Chancen nicht so stark wie behauptet und schaffen zusätzliche Positionen für unterrepräsentierte Gruppen, ersetzen selten bestehende Stellen. Der Text stellt Diversity jedoch als Nullsummenspiel dar: „Wenn jemand anderes gefördert wird, verliere ich automatisch.“

5. Emotionaler Appell statt nüchterner Analyse
Der Artikel nutzt rhetorische Mittel wie Nostalgie („Früher hatten weiße Männer Chancen“), Opferrolle („Die Welt ist jetzt gegen uns“) und kulturelle Bedrohung („sie nehmen uns die Positionen weg“). Diese Dynamiken entsprechen typischen Identitätspolitik-Argumentationsmustern der Rechten, die Diversität als „Anti-Weiß“ interpretieren.

6. Politische Agenda des Magazins (Compact)
Compact wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft und verbreitet systematisch anti-DEI-, anti-Migrations- und anti-Feminismus-Narrative. Der Artikel dient weniger der Aufklärung als der Legitimation eines bestimmten Narrativs.

Fazit der kritischen Analyse
Der Text ist eher eine politisch gefärbte Meinungsäußerung als eine seriöse Analyse gesellschaftlicher Veränderungen. Er:

  • überhöht ein persönliches Misserfolgserlebnis zu einer Generationserzählung,
  • nutzt selektive oder unvollständige Daten,
  • ignoriert alternative Erklärungen,
  • stützt ein politisches Narrativ („DEI nimmt weißen Männern Chancen weg“),
  • erscheint im Kontext einer Plattform mit klarer ideologischer Agenda.

Kurz gesagt: Der Artikel kann interessante Perspektiven vermitteln, seine gesellschaftlichen Thesen halten einer wissenschaftlichen oder faktenbasierten Prüfung jedoch kaum stand.

Ich habe dann kurz mit ChatGPT darüber diskutiert, aber er war nicht davon abzubringen, dass das schlicht rechte Inhalte sind, die DEI würden ja nicht schaden sondern nur wieder Gerechtigkeit herstellen und die weißen Männer seien eben sauer weil sie nicht wie bisher alle Plätze bekommen.

Natürlich: Der Artikel ist ein Stimmungsbild. Keine wissenschaftliche Analyse der Einstellungspraktiken.
Aber andererseits gibt es ja genug andere Berichte, die ins gleiche Horn stoßen und DEI Kräfte die gar keinen Hehl daraus machen, dass sie kein Interesse an der Einstellung weißer Männer haben.

Insofern ordnet sich der Artikel ganz gut in sonstige Berichte ein.