Shurjoka vs Scurrows (ich kannte beide vorher auch nicht)

„Studie nimmt Frauenmorde in den Blick“

Ein Bericht über eine Studie aus Österreich zu Tötungsdelikten mit Frauen als Opfer. Ich habe leider die tatsächliche Studie noch nicht gefunden, hier ist etwas über das Projekt, aber eben nicht die Studie. Wer da einen Link hat: Ich bin interessiert.

ine neue Studie des Instituts für Konfliktforschung hat die Frauenmorde der vergangenen Jahre untersucht. Die Untersuchung wertete zum einen die polizeiliche Kriminalstatistik der Jahre 2010 bis 2020 aus. Zum anderen analysierte sie Gerichts- und Staatsanwaltschaftsakten aus den Jahren 2016 bis 2020.

Das finde ich als Projekt durchaus sehr interessant, zumal es eben ein einigermaßen großer Zeitraum ist. Ich hoffe in der eigentlichen Studie sind da die Daten gut aufgearbeitet.

In etwa 30 Prozent der Fälle von Frauenmorden und -mordversuchen war eine mitunter jahrelange Gewaltvorgeschichte aktenkundig, so ein Detailergebnis der Studie, die am Dienstag präsentiert wurde. Etwa ein Viertel der Opfer hatte den gewalttätigen (Ex-)Partner bereits angezeigt. Rund zehn Prozent der Täter waren bereits einmal wegen Gewalt gegenüber der (Ex-)Partnerin verurteilt. In etwa einem Fünftel war ein Betretungs- oder Annäherungsverbot ausgesprochen worden.

Wäre interessant bei wie vielen trotz dieser Vorgeschichte die Partnerschaft noch bestand. Ich vermute mal Alkohol dürfte da auch eine große Rolle spielen und die Gewalt begünstigen.

Zum Beziehungsverhältnis von Opfern und Täter stellen die Studienautorinnen Viktoria Eberhardt und Brigitte Temel (Projektleitung Birgitt Haller) fest, dass es sich zu 74 Prozent um (Ex-)Partner handelte, zu 19 Prozent um Verwandte, zu sechs Prozent Bekannte (ein Prozent unbekannt). Bei Femiziden durch den (Ex-)Partner sei in rund 30 Prozent der Fälle eine Trennung der Anlass zum Femizid gewesen. Als Femizid definierten die Forscherinnen all jene Morde an Frauen, bei denen das Geschlecht eine entscheidende Rolle für die Tat gespielt hatte.

  • Partner oder Expartner: 74%
  • Verwandte: 19%
  • Bekannte: 6%
  • Unbekannt: 1%
  • Bei 30%: Trennung als Anlass

Wenn anführt wird, dass es ein Femizid ist, wenn das Geschlecht eine entscheidende Rolle hatte, dann würden mich die Kriterien dafür interessieren: Da die meisten Menschen heterosexuell sind und die meisten Opfer Partner oder Expartner sind wäre die Abgrenzung da aus meiner Sicht nicht so einfach. Aber ich vermute mal so kompliziert hat man es nicht gesehen.

 

 

Aufgeschlüsselt nach Nationalitäten hatten 72 Prozent der Täter in den untersuchten Fällen die österreichische Staatsbürgerschaft, „ca. 57 Prozent autochthon“, fünf Prozent waren EU-Bürger, 19 Prozent Bürger von Drittstaaten, zwei Prozent staatenlos, bei einem Prozent gab es keine Angaben.

Das wäre dann also:

  • Österreichische Staatsbürgerschaft: 72%
  • „Autochthon“ würde ich mal mit „Österreicher ohne Migrationshintergrund“ übersetzen: 57%
  • EU-Bürger: 5%
  • Drittstaaten: 19%
  • Staatenlos: 2%
  • keine Angaben: 1%

Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt in Österreich bei ca. 23%

Augenmerk auf Hochrisikoindikatoren
Viel Raum wurde in der Studie Hochrisikoindikatoren gewidmet, die zu erkennen wichtig in der Prävention wäre. Bei 53 Tätern (rund 47 Prozent) lagen psychische Erkrankungen vor. Man sollte genauer untersuchen, „welche Diagnosen mit Gewalt korrelieren“, sagte Temel.

Das ist etwas, was in den ganzen Diskussionen häufig unter den Tisch fällt: 47% haben psychische Erkrankungen, das schränkt die Theorie, dass es an Männlichkeit liegt etc aus meiner Sicht schon erheblich ein.

„Traumatische Erfahrungen“, dazu zähle etwa auch Arbeitsplatzverlust, seien bei rund einem Drittel vorgelegen.

Auch hier wieder sehr weite Begriffe. Wäre interessant, inwieweit die Studie da mehr Daten enthält.

Ebenso viele hatten bereits körperliche und sexualisierte Gewalt ausgeübt, mehr als ein Viertel psychische Gewalt. Weitere häufige Faktoren seien Waffenbesitz (22 Prozent) und patriarchales Denken (rund 20 Prozent). Zudem wurden Morddrohung, ökonomische Abhängigkeit, Suiziddrohung und Substanzenmissbrauch genannt.

Da stellt sich dann die Frage, ob das patriarchale Denken kausal war bzw ob man es auf „weniger patriarchales Denken“ übertragen kann.

Viele Täter wiesen eine „jahrelange Gewaltvorgeschichte“ auf (23 Fälle, 25 Prozent), weitere elf Prozent hätten „Gewalt gegen alle Frauen“ in ihrem Leben ausgeübt, 15 Prozent „Gewalt gegen die gesamte Familie bzw. darüber hinaus“. In 16 Fällen habe es keine Vorgeschichte mit Partnergewalt gegeben, darunter fielen laut den Autorinnen elf Fälle von Femiziden im hohen Alter; eventuell könnte Pflegebedürftigkeit eine Rolle gespielt haben.

Dann wahrscheinlich Fälle von „Gnadentötungen“ bei schwerer Krankheit oder „Tötung auf Verlangen“ bzw gemeinsamer Suizid oder etwas in der Art. Da waren auch hier einige Beschreibungen zu finden

Psychische Erkrankung als Faktor
Eine psychische Krankheit als tatauslösend sei in 22 Fällen (24 Prozent) festgestellt worden, wobei in fast gleich vielen Fällen entweder die Diagnose (paranoide) Schizophrenie oder (kombinierte) Persönlichkeitsstörung vorgelegen sei, sowie ein Fall einer ausgeprägten Demenz. Oft handle es sich um Fälle, in denen die Medikamente abgesetzt wurden oder keine adäquate Behandlung vorhanden gewesen sei, vor allem in ländlichen Gegenden.

Tragisch.

Auch hier könne mit Hilfsangeboten angesetzt werden, wurde betont. Generell hielten die Forscherinnen fest, dass es sich immer um ein „komplexes Wechselspiel von stereotypen Rollenbildern, (schwerer) psychischer Krankheit und (tödlicher) Gewalt gegen Frauen“ handle.

Wäre interessant, wie sie das festgestellt haben.

vgl auch: