Altfeministinnen vs. Neufeministinnen

Gerade hatten wir noch über alte und neue Ansätze im Feminismus geredet,  da schreibt Antje Schrupp auch schon einen Artikel, der dazu sehr gut passt: „Altfeministinnen, Jungfeministinnen und der große Graben“

Es ging um eine Diskussion, bei der genau über diese Unterschiede gesprochen und nach Möglichkeit ein „Weg nach vorne“ gefunden werden sollte.

Es stellte sich aber heraus, dass die Unterschiede dafür wohl doch zu groß waren. Die Jungfeministinnen hatten entweder keine Theorie oder standen der Theorie vor Butler kritisch gegenüber, die Altfeministinnen waren hingegen noch in der Theorie vor Butler „stehen geblieben“.

Wesentliche Differenzen werden wie folgt zusammengefasst:

Ein Symptom dafür ist auf Seiten der „Jüngeren“, dass sie „Altfeminismus“ oft mit Alice Schwarzer und Emma identifizieren, die jedoch in den 1970ern keineswegs eine so dominante Rolle hatte, wie es heute scheint oder in den Medien dargestellt wurde. Ein Symptom auf Seiten der „Älteren“ ist, dass sie das Phänomen des „neuen Feminismus“ auch nur aus den Feuilleton-Seiten kennen und nicht aus eigener Anschauung. Sie haben dann leicht das Klischee, den jungen Feministinnen gehe es nur um Karrierechancen, aber nicht um Politik.

(…)

Die heute jungen Feministinnen kommen oft gar nicht auf die Idee, dass man eventuell die Abschaffung der Geschlechter gar nicht erstrebenswert finden könnte, während die älteren Feministinnen oft nicht einmal wissen, was mit Begriffen wie „Queer“ oder „Dekonstruktivismus“ überhaupt gemeint ist.

Mal sehen, ob man dort neues zu den Gegensätzen erfährt.

13 Gedanken zu “Altfeministinnen vs. Neufeministinnen

  1. ..ein, wie ich finde, ziemlich treffendes Zustandsbild: Die Altfeministinnen geschichtslos in der Vergangenheit, die Jungfeministinnen geschichtslos in der Gegenwart.
    Da macht man einfach alles Trennende an der Person Alice Schwarzer und an den Medien fest.

    So lässt sich die Diskussion um Weltbilder sicher vermeiden: Für die Altfeministinnen wäre es wohl unangenehm, an die abstrusen Sex- und Männerfeindlichen Theorien ihrer Jugend erinnert zu werden, ebenso wie es die jungfeministische Identität ziemlich verwirren würde, wenn klar würde wieviele ideologische Versatzstücke sie davon als nie hinterfragte feministische Selbstverständlichkeiten adaptiert haben.

    Am Ende ist es dann vor allem das Feuilleton – und nicht etwa die dort schreibenden Alphamädchen, denen man es ja nun weiß Gott selbst überlassen hat, sich darzustellen.

  2. „[…] dass man eventuell die Abschaffung der Geschlechter gar nicht erstrebenswert finden könnte,“

    Logisch, denn sonst kommt man nicht mehr in den Genuss weiblicher Privilegien, wenn es das weibliche Geschlecht nicht geben würde.

    Wie kann man auf Förderung und Bevorzugung für Frauen pochen, wenn es Frauen nach der Definition des Genderismus gar nicht gibt?

  3. @Manifold

    Die Argumentation verläuft so:

    Es gibt zwar keine Geschlechter, aber diese werden künstlich durch die Gesellschaft/das Patriarchat/das Inzestverbot geschaffen. Dem muss man entgegenwirken, bis es keine Unterschiede mehr zwischen den Geschlechtern gibt, zB eben indem man männliche Privilegien abbaut.

  4. @Böser Wolf

    Die Vertretung von Frauenrechten hat zwangsläufig die gleiche Legitimation wie die Vertretung von Männerrechten.
    Notwendig wäre aber sicherlich eine Reform, man müsste die Gender Studies aus der Philosophie ausgliedern und mehr der Medizin/Biologie unterstellen, damit die feministische Theorie in der Moderne ankommt.

  5. Das ärgert Frau Schrupp. Aber wenn man sich die Kommentare zu ihrem Posting durchliest, kommt einem ganz von selbst Martensteins Gedanke, Gender sei Voodoo. Anscheinend überfordert Queer Studies selbst einen Teil, den altfeministischen Teil, des Feminismus. So viel dunkle Materie habe ich lange schon nicht mehr gelesen. Ich versuche schon immer, die soziale Konstruktion des biologischen Geschlechts vorzustellen. Es gelang mir noch nie. Meine geschlechtsspezifischen anatomischen Merkmale sind also soziales Konstrukt. Soso!

  6. @georgi

    Wie man das biologische Geschlecht konstruieren kann will mir auch nicht in den Kopf.

    Lediglich wenn man davon ausgeht, dass es keine „Männer“ oder „Frauen“ gibt, sondern nur fließende Übergänge dazwischen, indem man also sagt, dass es künstlich ist einen Teil der Menschheit als Männer und einen Teil als Frauen zu bezeichnen, wenn es alle Zwischenformen gibt.

    Aber das ignoriert die Entstehung, die biologisch klar zugeordnete Funktion und die Anzahl und die Entstehung der „Zwischenstufen“, also insbesondere Intersexuelle.

  7. Wenn man die Gender Studies aus der Philosophie ausgliedert und mehr der Medizin/Biologie unterstellt, sind sie am Ende, denn sie können den naturwissenschaftlichen Erkenntnisstandards nicht genügen. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind Gender Studies schlicht Voodoo (genauso wie Queer-Theory usw.).

    Gender funktioniert nur auf der Basis der postmodernen Epistemologie, nach der es keinen objektiven/nachprüfbaren Zugang zur Realität geben kann, exemplarisch sehr schön dargestellt in diesem Text:

    „Das Wesen der extra-diskursiven Realität ist deshalb grundsätzlich unzugänglich, weshalb die prä-sozialen Charakteristiken der Natur dem Menschen immer verborgen bleiben werden. Es ist unmöglich zu wissen, ob die diskursive Repräsentation mit der nicht-konstruierten Realität übereinstimmt, da es keinen extra-diskursiven Standpunkt gibt, von dem aus Wirklichkeit so erkannt werden kann, wie sie sich unkonstruiert darstellt. Die Frage nach der kontextunabhängigen, objektseitigen Essenz der Natur ist so aus Sicht des Sozialkonstruktivismus eine epistemologisch sinnlose und prinzipiell unbeantwortbare Frage.“

    http://www.gradnet.de/papers/pomo98.papers/jsdingle98.htm

    Das ist natürlich vollendeter Quatsch.

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